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Problemblatt NZZaS

Leider (noch) keine Besserung in Sicht.

Immerhin, eine gewisse Konsequenz ist Chefredaktor Beat Balzli und seinen Mannen (generisches Maskulin) nicht abzusprechen.

Balzli hangelt sich in seinen Editorials von einem Tiefpunkt zum nächsten. Entweder ist es unverständlich, was er vor sich hinmurmelt, oder von erschreckender Banalität: «Wie werden Historiker im Rückblick urteilen?», hebt er diesmal an. Na, wie immer: mit überlegenem Wissen im Nachhinein. Aber nicht mal das weiss Balzli, stattdessen räumt er ein: «Wir wissen es nicht. Wir kennen die Zukunft nicht – die Vergangenheit und die Gegenwart hingegen schon.» Das sind Sätze von wahrhaft erhabener Einfalt.

Wie die Faust aufs Auge passen dazu auch die übergrossen Illustrationen dieser Ausgabe.

Echt jetzt? Die rasend originelle High-Noon-Visualisierung durch die Beine des Revolverhelden? Und wenn der kleine Mann hinten Donald Trump sein soll, wer ist dann der vorne? Der Autor Markus Bernath? Und ist «Der Wunsch nach dem starken Mann» gutes Deutsch? ZACKBUM fragt ja nur.

Auch die NZZaS, darin ähnelt sie langsam dem Tagi, kann noch einen drauflegen:

Echt jetzt? Wer ist denn hier der Pisolero hinter den Rauchschwaden? Eindeutig  nicht Trump; falsche Haarfarbe. Und wieso schiesst der knapp am Betrachter vorbei? Sind das Fliegen, die ihn umschwirren, oder löste der Schuss Schmutzränder von der Kleidung? Und dann dieser rote Fleck rechts neben der Knarre. Wurde er selbst getroffen? Soll das einen Streifschuss symbolisieren? Aber dann müsste er doch am Ohr sitzen. Schliesslich: stimmt die Perspektive beim Revolver oder sitzt die Mündung direkt auf der Trommel?

Lustig ist dann auch, dass sich ein Mann – Andreas Mink – Gedanken darüber macht, «warum Frauen ihn wählen». Wo Trump doch ein sexistisches Schwein ist, eigentlich («grab them by the pussy»). Aber wenn die NZZaS mal einen Illustrator beschäftigt, dann muss der im Multipack liefern und lässt dafür kein Klischee aus:

Echt jetzt? Was will uns «American Heartbreak» sagen? Eine Anspielung auf das Album von Zach Bryan? Oder gar «Brokeback Mountain», der Film über schwule Cowboys? Und reitet der einsame Cowboy hier in den Sonnenuntergang (eher) oder in den Sonnenaufgang (auch denkbar)? Und was hat das alles mit unseren Kenntnissen der USA zu tun?

Schliesslich, was meint Alan Cassidy mit dieser selbstkritischen Feststellung: Obwohl wir alle ein Stück weit Amis seien,  seien wir «wenn es um amerikanische Politik geht, auch machtlos. Wir nehmen an ihr Teil, aber haben nichts zu sagen». Nun ja, das sagt der Autor aber auf rund 7700 A.

Dann zeigt die NZZaS, dass man nicht nur Illustrationen, sondern auch Symbolbilder in den Sand setzen kann:

Zudem ist die obere Seitengestaltung das Allerletzte, oder sagten wir das schon? Völlig verloren hängen Schweiz, NZZ am Sonntag in Versalien und die Seitenzahl in der Luft. Drunter viel sinnloser Weissraum, dann ein aufgeblasenes Symbolfoto, damit der Lead Weiss auf Hellgraublau reinpasst. Brr.

Aber, die ZACKBUM-Leser ahnen es, die NZZaS kann sich noch weiter steigern. Wie sie das schafft? Mit einer Illustration plus einem Schuss Sauglattismus (man achte auf den sauglatten Titel):

Ein echter Schenkelklopfer. Vornehme NZZaS-Leser klopfen leise auf den Tisch oder lassen die Kaffeetasse mit dem Löffel erklingen.

Irgendwie passt dazu das missglückte Inserat der Migros:

Hier versinkt gerade ein Blumenkohl in hellbraunem Resopaltisches, eventuell Laminat. Und ob man den Slogan (abgesehen davon, dass er bescheuert ist) wirklich so schreibt? «Migros macht meh für d’Schwiiz»? Wieso nicht auf Deutsch? Wäre noch genauso beknackt, aber lesbarer. Und wieso macht die Migros mehr, wenn sie doch im Bild und im Preis weniger macht? Weniger ist das neue Mehr? Au Backe.

Dafür kann die NZZaS nichts; für dieseIllustration hingegen schon:

 

 

 

 

 

 

Toll sind auch immer Wimmelbilder mit vielen Soldaten, hier sogar noch apart farblich sortiert:

Aber auch alleine mit einem Titel kann man schon eine gehörige Portion Nonsens vermitteln, nicht wahr, Patti Basler: «Damit eine Ampel funktioniert, darf nur eine Farbe leuchten.» Dada oder gaga, das ist hier die Frage.

Wohin es führt, wenn man auf Teufel komm raus alliterieren will, zeigt die NZZaS hier:

Irgendwie wird auch die Werbung in der NZZaS mit leichtem Wahnsinn infiziert, muss man schon sagen:

Das kommt heraus, wenn man auf Teufel komm raus ein Foto von Trump in seiner Werbung verwenden will. Operation gelungen, aber Message tot.

Neben Balzli gibt es auch noch eine zweite Kolumnistin, die mit jedem Beitrag um Hilfe fleht: denn ihr fällt wirklich nichts ein:

Echt jetzt? Hohl, hochtrabend, Wortgeklingel, pseudogelehrt. Ein echter Nicole Kopp halt. Dann ist Peer Teuwsen mal wieder jeder Vorwand recht, um eine Dienstreise zu tun:

Der Initiator dieser Schulen sitzt in New York. Das war dann wohl doch zu teuer, also musste Teuwsen mit Amsterdam Vorlieb nehmen, weil dort angeblich «das Epizentrum einer Bewegung» sei.

Aber zurück zu misslungenen Illustrationen:

Echt jetzt? Liess sich der Illustrator von der Migros-Werbung inspirieren und zeigt deshalb einen ins Kornfeld sinkenden Clausewitz? Aber auch aus einem solchen Augenpulver kann man noch Trost ziehen: das war’s dann. Für diesen Sonntag. Lieber Herr Gujer … Aber der Herr scheint etwas harthörig zu sein.

Ach, NZZaS

Quo vadis, wie der Lateiner im Denkerblatt sagen würde.

Selbst der eher sanftmütige Peter Rothenbühler hat die Nase voll. Das Blatt verlottere zusehends, und Chedredaktor Beat Balzli möge doch bitte, bitte, keine Editorials mehr schreiben, bei denen einem die Füsse und das Hirn einschlafen.
Sagt ZACKBUM schon länger.

Auch die neuste Ausgabe will das – leider – beweisen.

Das Editorial trägt den Titel «Der Dichtestress ist das kleinere Übel als …» Offenbar geht Balzli zu recht davon aus, dass sowieso keiner weiterliest. Wer’s aber dennoch tut, wird mit einer Anekdote aus dem deutschen Trash-TV über Auswanderer bestraft.

Apropos eingeschlafenes Gesicht, das hier soll Kaufreiz auslösen?

Die (gähn) 10-Millionen-Schweiz, Trump und die Nahrungsmittel (schnarch), Machtmissbrauch der UBS (nun auch die NZZaS), «Tödlicher Sex» (huch), und als Duftnote: «Röstis Bruder spritzt Gülle auf geschützte Wiese» (Sippenhaft).

Auch die grafische Gestaltung des Blatts setzt Massstäbe – nach unten:

Sowas wäre selbst Verwendern von CoralDRAW zu peinlich. Apropos, «Rapper vs. Swift», die musikalische Auseinandersetzung im US-Wahlkampf, ein ganz zentraler Aspekt wird hier von Andreas Mink aufgegriffen. Ist halt auch blöd, wenn man sich ständig etwas aus den Fingern saugen muss – statt einfach mal pausieren.

Aber immerhin, kleine Lichtblicke gibt es auch:

Die NZZaS kümmert sich auch um Wichtigeres als eine misslungene Provokation eines Politik-Pin-up, nämlich um das Massaker, die Tragödie, den Menschheitsskandal im Sudan. Wo die Welt zuschaut, wegschaut. Falsche Gegend, falsche Hautfarbe.

Apropos 10-Millionen-Schweiz, ob das subversive Absicht ist?

Grossbritannien sei einstmals Vorbild bei der Integration von Ausländern gewesen (wann?). Aber nun nähmen Muslime immer mehr «Raum in der Gesellschaft ein. Und die Politik tut rein gar nichts», gesteht Bettina Schulz.

Dann bricht wieder das grosse Gähnen aus:

Wenn es ein Thema gibt, über das alle alles gesagt haben, das von oben, unten, links und rechts beäugt wurde, dann das. Deshalb ist ZACKBUM ein Ameti-freier Raum – und wird das auch bleiben.

Wie schön wäre es, wenn die NZZaS eine Patti-Basler-freie Zone würde. Denn wenn die sich über Satire Gedanken macht, dann kann man das nicht einmal als Realsatire nehmen. Hier schlafen nicht die Füsse ein, aber die Zehennägel rollen sich nach oben vor peinlicher Berührtheit.

Dass Peter Hossli, zufällig Leiter der Ringier-Journalistenschule, über die «Journalistenschule als Geschenk für die Schweiz» salbadern darf – die Ergebnisse ihrer hochkarätigen Ausbildung kann man täglich im «Blick» bewundern –, ist selbst als Kollegensolidarität einem ehemaligen Mitarbeiter gegenüber hochnotpeinlich.

Der Aufmacher der «Wirtschaft» zeigt, dass der AD sich weiterhin austoben darf. Rohes Fleisch mit einem Text, der kaum lesbar ist, wieso steht da nicht besser schwarz auf weiss (oder weiss auf schwarz): Überblätter mich!

Wer zusehen will, wie einer Kolumnistin die Luft und die Themen ausgehen, sollte sich die einstmals grossartige Kolumne «Geld & Geist» reinziehen:

Auch auf die Gefahr hin, wieder als misogyn abgestempelt zu werden: eine Kolumne, die so beginnt, bettelt darum, nicht gelesen zu werden: «Vor kurzem hörte ich einem Gespräch über Emotionen zu.» ZACKBUM ist zu höflich, um die Emotionen zu beschreiben, die den Leser überkommen.

Aber ZACKBUM ist auch furchtlos; wir haben quer weitergelesen. Und sind über diese Perlen gestolpert:

«Fakt ist: Jeder Mensch hat Gefühle … ein Gefühlsvokabular aufbauen … am allerwichtigsten ist jedoch, Gefässe für den Austausch von Gefühlen zu schaffen».

Hier braucht es ein ganz, ganz grosses Gefäss, um Dampf abzulassen, dass man mit solchem Flachsinn belästigt wird. Dass es für diese Geistlosigkeit noch Geld gibt …

Jetzt aber, Männer, aufgepasst, ihr könnt mit dem Geschlechtsakt zu Mördern werden. Ungelogen: «Sex kann Auslöser allergischer Reaktionen sein. Männer übertragen mit ihrem Sperma Stoffe, die sie Stunden zuvor zu sich genommen haben – das Liebesspiel endet so gelegentlich tödlich».

Wahnsinn. Männer, verwendet Kondome. Aber sicherheitshalber auf nüchternen Magen.

Dann kommt Serie, Teil zwei. Nachdem in der letzten NZZaS einige Schweizer Kunstschaffende abserviert wurden, nun die vorhersehbare Fortsetzung: «Jung, unkonventionell und mit Mut zum Risiko». Neue, junge Künstler, hereinspaziert; NZZaS-Autoren zeigen ihre subjektive, nicht wirklich interessante Auswahl.

Schliesslich hat sich Linus Schöpfer das «City Bid Book» besorgt; die Gebrauchsanweisung, wie der ESC zu organisieren sei. Das wurde von der SRG an interessierte Städte verteilt, sollte aber geheim bleiben. «Ätsch, Öffentlichkeitsgesetz» sagte Schöpfer. Nicht schlecht, sozusagen ein leise versöhnlicher Ausklang.

Aber: Jonas Projer wurde von der eigenen Redaktion weggemobbt, weil er zu sehr gegen deren Schrebergärten, Hobbys und Überheblichkeiten anging. Dass sich damit die Redaktion selbst ins Knie schoss und nun zu grössten Teilen der NZZ angeschlossen ist, Künstlerpech.

Balzli lässt alle machen, inklusive ein unterirdisches Layout. Da er selbst nicht mal ein interessantes Editorial hinkriegt, dürfen sich alle Schreiber austoben, wie es ihnen drum ist. Oder anders gesagt: wer ein Aufmacher-Meinungsstück über ein verglühtes Politik-Sternchen zulässt, hat die Kontrolle über sein Blatt verloren.

Wenn Eric Gujer gerade mal nicht mit Weltenlenken beschäftigt ist, wird er etwas unternehmen. Aber wahrscheinlich rettet Balzli vorläufig noch, dass man nicht wieder so ein Schlamassel wie bei der Nachfolge von Projer anrichten möchte. Nur: welches Schlamassel ist letztlich grösser, das im Blatt oder das einer rumpeligen Nachfolge?

 

Wenn Beat Balzli in den Ferien ist …

… dann macht die B-Mannschaft ein B-Blatt.

«Paula und die Kollegen stehen für herausragenden Journalismus», behauptete Balzli. Für das Magazin trifft das schon mal nicht zu, und für das Hauptblatt? Da ist der Ständer des herausragenden Journalismus Daniel Foppa am Gerät. Und hebt gleich mal die Eigentherapiesitzung der Chefredaktorin Paula Scheidt aufs Cover:

Übrigens, die fünf politisch korrekt ausgewählten Menschen haben weiter nichts zu bedeuten. Sie sollen bloss die Frage illustrieren, da das Magazin dafür einen scheusslichen Typotitel wählte. Brr.

Sein Editorial missbraucht der stellvertretende Chefredaktor Foppa für Reminiszenzen an (der lebt noch) Wolf Biermann. Der grösste Wendehals aller Zeiten («Die Erde wird rot, so oder so») drischt inzwischen verbittert auf alles ein, was links ist. Und links beginnt für Biermann knapp neben seinem linken Augenwinkel. Obwohl Biermann mal noch linker als Sahra Wagenknecht war, ist sie für ihn (und für Foppa) inzwischen eine «Linkspopulistin».

Was für ein gehaltvoller Beitrag für die anstehenden Landtagswahlen in Deutschland. Aber immerhin, eine gute Nachricht kann Foppa verkünden: «In dieser Nummer ist zudem die letzte Kolumne von Rolf Dobeli zu lesen.»

Was ist sonst noch zu lesen? «Die Zoomer zeigen ihre Kraft». Ungefähr 90 Prozent der Leser dürfte nicht wissen, was das denn schon wieder ist. Auf jeden Fall spiele es sich in Asien und Afrika ab, ein zweiter Grund, weiterzublättern. Dabei gerät man aber vom Regen in die Traufe:

Das ist vielleicht eine demagogische Illustration; es fehlen eigentlich nur noch die Hörner auf dem Kopf …

Dann «trotzt eine blinde Lehrerin Putin», was mutig und edel von ihr ist, aber vielleicht nicht wirklich eine Seite über die russische Opposition wert.

«Gülle vor Geld», ein geschmackvoller Titel über der Story, dass viele Bauern die Pensionskassen-Reform ablehnen wollen.

Erschütternd dann «Report&Debatte». Aufmacherbeitrag: «Keine Jahreszeit passt so gut zum Zeitgeist wie der Sommer». Die ehemalige Volontärin Gina Bachmann hat wohl ihren Schulranzen wiedergefunden, mitsamt «mein liebes Tagebuch». Pennälergedanken in der NZZaS? Au weia. Schon der Anfang wirkt wie eine kalte Dusche: «Wie wir ins Wasser springen und das Boot hinter uns schaukeln lassen. Wie wir nachts im Garten sitzen und die Fledermäuse über unseren Köpfen zählen.» Neben diesem Schulaufsatz-Anfang hätte der Lehrer notiert: Schwülstig. Und seit wann befinden sich Fledermäuse in einem Garten?

Aber man denkt schnell mit Wehmut an dieses Geschreibsel zurück, denn Patti Basler ist aus den Ferien zurück. Leider. Eine irre Volte macht dann Markus Bernath, der Kriegskorrespondent aus dem sicheren Wien. Er konstatiert, dass die Sprengung der Nord-Stream-Pipelines wohl tatsächlich von Selenskyj höchstpersönlich angeordnet und von der Ukraine ausgeführt wurde. Peinlich für alle Beteiligten, vor allem für die deutsche Regierung. Aber Bernath weiss Rat und Trost: diese Pipelines hätten «vor allem nie gebaut» werden sollen. Ja dann, fort mit Schaden.

Immerhin, die «Wirtschaft» bringt ein wenig Lesestoff, über den Stellenabbau bei der UBS und über die Schmonzette, dass die Schuhfirma On «seit Jahren gratis Garten und Pool der Schweizer Botschaft in den USA für einen Werbe-Event nutzen darf».

Nicole Kopp, die dem Kolumnentitel «Geld & Geist» Hohn spricht, kümmert sich diesmal um die Frage: «Fühlen Sie sich häufig müde? Vielleicht leiden Sie unter sozialem Jetlag». Nein, nur bei der Lektüre überkommt einen ein Schlafbedürfnis, wie man es sonst nie verspürt.

Und die «Kultur»? Sagen wir so: im Vergleich zur Kultur bei Tamedia ist sie ein gewaltiges Ereignis, grosses Kino. Was aber nicht viel heisst.

Wenn Balzli aus den Ferien zurückkommt, wartet ein ganzer Haufen Arbeit auf ihn. Denn God Almighty Eric Gujer ist nicht bekannt dafür, dass er solchem Hallodri und wildem Treiben und ungenierter Nabelschau allzu lange zuschaut.

 

 

Sommer mit Loch

Die NZZaS hat wirklich ein Problem.

Nur eins? Gute Frage. Sie hat eine Reihe von Problemen, und wie bei Ebbe kommen die halt zum Vorschein, wenn das Sommerloch hässlich gähnt und nichtmal die Hand vor den Mund hält.

Aber der Reihe nach. Wenn eine Redaktion, ein Chefredaktor eine solche Cover-Illustration zulässt, dann haben sie die Kontrolle über ihr Leben verloren, wie Karl Lagerfeld selig sagen würde.

Sieht aus wie von KI gepinselt; was soll eine Umarmung zwischen einem Marlboro-Cowboy und der Freiheitsstatue uns sagen? Echte Nähe von Extremen? Geknutscht wird nicht, weil er nicht mal die Kippe aus dem Mund nimmt?

Dann verliert sich der Chefredaktor Beat Balzli in aufgewärmten Überlegungen zum amerikanischen Wahlkampf, nicht ohne dem Leser am Schluss launig «I Wish you a Great Sunday» nachzurufen, Versteht zwar keiner, was das soll, «Make Sunday Great again» wäre wenigstens noch einigermassen lustig gewesen.

Aber das geht wenigstens schnell vorbei, es folgen zwei Seiten Geseier zur Frage, was «uns eigentlich noch zusammen» halte. Gemeinschaft, starke Institutionen, gemeinsame Geschichte, ist die banale Antwort, die man – ausgewalzt – in einer Spalte hätte geben können.

Werbung ist sonst nicht so das Thema von ZACKBUM, aber hier müssen wir eine Ausnahme machen, denn das ist zum Schieflachen:

Das soll «Eleganz auf höchstem Niveau» bildlich ausdrücken. Dabei ist es Idiotie auf tiefstem Niveau. Da steht ein Range Rover blöd rum. Fährt er zurück, kracht er in die elegante Mauer. Fährt er nach vorne, platscht er in den eleganten Seerosenteich. Eigentlich braucht es einen Kran, um ihm aus dieser eleganten Situation herauszuhelfen.

Ach, und wenn wir schon bei gelungenen Illustrationen sind:

Ein Sarg, aus dem Geldnoten herausquellen, offenbar funktioniert die Klimaanlage bei der NZZ nicht.

Aber dann, sonst wär’s halt nicht die alte Tante, kommt ein Stück, das mit vielem versöhnt. Ist von der Altmeisterin Margrit Sprecher, die mal wieder zeigt, dass sie Reportage besser beherrscht als all die verschwurbelten Möchtegerns, die aufpumpen und nur zeigen, dass sie weder Form noch Inhalt beherrschen.

Anders aber Sprecher.

Natürlich lebt das Stück vom Setting und den beiden Protagonisten. Aber finden muss man die auch erst mal, und gültig beschreiben können auch. Da ist Simon Bühler, einst ein gefeierter Starkoch, erfolgsverwöhnt, getrieben. Der plötzlich umschaltete und nun die Walserstuba in Avers betreibt. Mit einfachen Gerichten zu zivilen Preisen (Abendmenü 35 Franken), «Nada es perfecto», ist sein Wahlspruch, und Sprecher bringt ihn dem Leser näher. Ergänzt wird er durch Bruno Loi, dem Macher, der als «Tschinggeli» in der zweiten Generation allen zeigen muss, was er kann. Und das ist viel. Eingebettet in ein Walserdorf, wo man wohl erst so ab der fünften Generation nicht mehr als fremder Eindringling empfunden wird.

Ein wunderbares Stück, das zeigt, wie Journalismus immer noch funktioniert. Idee haben, hingehen, anschauen, aufschreiben, verdichten. Geht aber nur, wenn man’s kann, denn was so einfach daherkommt, ist die hohe Kunst.

Das trägt einen auch problemlos über die nächste Seite mit Patti Basler und Rolf Dobelli hinweg. Und in die «Wirtschaft» hinein, die so siech ist, dass man ihr gerne so ein Krankenzimmer auf dem Bürgenstock empfehlen würde. Ein Abknutsch-Interview mit Tucker York, dem Chef der globalen Vermögensverwaltung von Goldman Sachs, wie es dessen PR-Abteilung nicht besser geschnitzt hätte. Ein Stück über die Zuger Kirschtorte, bzw. den finanziellen Erfolg des Kantons, nach der Devise: kann man machen, muss man nicht machen.

Dann lässt Nicole Kopp mal wieder Nostalgie aufkommen. Denn die Kolumne «Geld & Geist» wurde mal von geistreichen Autoren bespielt. Jetzt ist es halt eine Frau, die nicht einmal geistreichelt, sondern nur langweilt: «Die meisten Sitzungen sind überflüssig. Schaffen wir sie ab!» Seit es Büros gibt, die wohl am häufigsten geäusserte Phrase.

Im «Wissen» hat man auch gemerkt, dass es angeblich «grausam heiss» sei. Wenn’s nicht kalt ist und regnet, natürlich. Dazu passend die «Verlagsserie Zeit fürs Klima». Wunderbar, «in Kooperation mit Rolex». Weiter kann man als ernsthaftes Organ die Beine eigentlich nicht spreizen.

«Kultur»? Was für Kultur? Sinfonien aus Estland («gegen Putin»), das Taormina-Filmfest (heute nur noch Sizilianern bekannt), dann noch «Die Antiromatiker von Göschenen», deren Kunst, ehrlich gesagt, ungefähr so attraktiv ist wie das Kaff selbst.

Links die Künstler ohne Kunst, rechts das Kaff, auch ohne.

Dann noch die Leserbriefe, und Fr. 7.10 sind weggerauscht. Wenn man noch 2.40 Fr. drauflegt, gäbe es ein «Big Bang Menu» von McDonald’s. Immerhin mit «saftigem Rindfleisch von der Metzgerei Bell, zarter Schmelzkäse, Zwiebeln, Essiggurken, Ketchup und Senf in einem Brötchen aus IP-Suisse-Mehl». Plus Getränk! Eine echte Alternative.

 

Humor von Humorlosen

Hier müssen die ZACKBUM-Leser ganz stark sein.

Die Schweiz ist bekanntlich humoristisch eine Wüste. Besonders schmerzlich erkennbar wird das, wenn es einmal ein etwas ausserordentliches Ereignis gibt. Wie zum Beispiel, dass der SVP-Nationalrat  Thomas Aeschi von schwerbewaffneten Polizisten am Betreten einer Treppe im Bundeshaus gehindert wurde.

Bestandteil der Sicherheitsmassnahmen für den Besuch des ukrainischen Parlamentspräsidenten. Wie ein Parlamentarier die Sicherheit dieses Hünen hätte gefährden können, schleierhaft. Ob es Aeschi auf einen Eklat anlegte, unbekannt.

Auf jeden Fall macht natürlich der Vorfall und das Video die Runde. Da fühlen sich die Spitzenkräfte des Schweizer Brachialhumors natürlich gefordert.

Zuvorderst der einzige Mann, der Dick und Doof als Solist spielen kann (Hand aufs Herz, der Scherz ist besser als alles, was Mike «Arschloch»-Müller in den letzten Jahren rausgepupst hat).

Der kam nach tiefen Nachdenken auf diesen Brüller:

Hallo, wieso lacht da niemand? Das ist doch ein absoluter Schenkelklopfer. «SVP-Fraktionsführer in der Duma», da muss man sich doch wegschmeissen. Falls noch einer steht, Müller konnte noch nachlegen. Der «Blick» zitierte Bundesrat Rösti, der das Sicherheitsdispositiv kritisierte. Dazu fiel dem Komiker noch dieser Knaller ein: «Sagen die Grossdealer an der Langstrasse auch». Da lacht schon wieder keiner, weil das weder komisch, noch sarkastisch nicht sonstwas ist?

Viktor Giacobbo bemüht sich nach Kräften, sich auf das Niveau seines ehemaligen Sidekicks abzuseilen: «Bürgenstock in Alarmbereitschaft: Aeschi will Zimmer buchen». Ist auch nicht komisch? Versteht auch niemand? Also wie humorlos sind denn die ZACKBUM-Leser, das ist doch ein ganz feiner, nun ja, also ein Scherz, der darauf anspielt, ähm, damit will Giacobbo scherzhaft sagen, dass, hm, okay, ZACKBUM ist auch zu blöd dafür.

Aber im Sinne der Gleichberechtigung haben wir noch einen, also noch eine. Über Damen macht ZACKBUM niemals die gleichen Scherze wie über Männer, so diskriminierend sind wir. Patti «Scherz lasse nach»-Basler fiel zu einem Screenshot des Handgemenges ein: «Heute ist Aeschi-Mittwoch».

Öhm, es gibt den Aschermittwoch, aber das ist nun doch etwas anderes. Aschermittwoch ist der Beginn, aber das soll Basler doch selbst googeln, wozu ihr diese intellektuelle Schwerstarbeit abnehmen. Sie ist selbst offensichtlich unsicher, ob das ein Stand-alone-Scherz ist, deshalb schiebt sie noch eine Portion Sauglattismus nach:

«Es reicht! Es ist unangebracht, auf Aeschi und Graber einzudreschen. Die benutzen die Treppe statt faul den Lift. Sie müssen schliesslich trainieren für die steile Wanderung am Wochenende. Auf den Bürgenstock

Hä? Weiss Basler, wie man auf den Bürgenstock wandert? War sie überhaupt schon mal da? Ist allerdings nicht so billig wie ihre Scherze.

Geht noch einer? Aber immer, da müssen wir nur auf die SP zurückgreifen, die hat sich einen umwerfenden Bildscherz ausgedacht:

Einen? Nein, gleich eine ganze Reihe.

Es gäbe noch mehr, aber ZACKBUM hört auf das anschwellende Gewinsel seiner Leser um Gnade und verzichtet auf die Wiedergabe.

Man muss wieder mal konstatieren: die Eidgenossen können vieles. Aber Humor, das ist nicht so ihre Sache. Ist das rassistisch, diskriminierend, nicht komisch? Also gut, diese Spitzenhumoristen können es nicht. Da ist jeder angeheiterte Stammtisch lustiger.

Es ist nur zu hoffen, dass diese Blödelbarden keine Subventionen auf Kosten des Steuerzahlers bekommen. Aber wahrscheinlich ist da auch der Witz: aber klar doch. Nur ist auch der nicht komisch.

 

Wenn der Journalismus am Ende ist,

dann bemerkt man das an untrüglichen Zeichen.

Ein kleiner Querschnitt durch die vier Leitmedien der Schweiz, plus eine Zugabe. Wenn sie ganz unten angekommen sind.

Natürlich ist in der Pole Position das einzige Organ mit einem Regenrohr im Logo:

Eine Redaktion, die ernsthaft ihre Leser auffordert, ein Bild vom Meerschweinchen einzuschicken, die ist am Ende. Ein «Blick» ins real existierende Elend.

Aber auch eine Redaktion, die ihre eigene Kolumnistin lobhudelt, ist nicht weit vom völligen Elend entfernt. Überraschend, dass es sich um die NZZ handelt.

Ganz martialisch, kriegerisch, sozusagen bellizistisch geht’s bei CH Media zu:

«Den Schalter im Kopf umlegen»? Das hätte aber zwei Voraussetzungen. Einen Kopf und drin einen Schalter. Ob Journi Remo Hess wohl weiss, wo der Ausdruck «geistige Landesverteidigung» herkommt?

Vereint im Elend mit allen anderen ist natürlich auch Tamedia, das ist so sicher wie der Furz nach der Zwiebel:

Es ist immer wieder beelendend, wenn völlig unbedeutende Journis sich dazu aufschwingen, Politikern Betragensnoten zu erteilen (Scholz «verhält sich ungeschickt und naiv») und gleich noch Mutmassungen über den Gemütszustand eines weiteren Politikers anzustellen («Putin darf sich freuen»). Das ist aber nett von Stephan Israel, dass er dem russischen Präsidenten diese Erlaubnis erteilt.

Es geht tief hinunter, wollen wir noch versuchen, den absoluten Tiefpunkt zu erreichen? Bitte sehr:

Wer so etwas ernsthaft als «Analyse» bezeichnet, dem ist nicht mehr zu helfen. Meine Güte, Philipp Löpfe.

Immer wieder Sonntag

Das übliche Morgengrauen …

Eigentlich wollte ZACKBUM mit der «NZZam Sonntag» beginnen. Aber wir rauschten, ohne durch bemerkenswerte Inhalte aufgehalten zu werden, bis zu Seite 16 durch. Dort lasen wir, dass Patti Basler abtrete. Doch zu früh gefreut: sie macht nur eine überlange Sommerpause. Aber man nimmt heutzutage, was man kriegen kann.

Das ist auch das Motto von Nicole Althaus. Sie erfreut den Leser mit einer bahnbrechenden Erkenntnis des «Verhaltensforschers Joonghwan Jeon von der University of Texas in Austin». Zu der kam er zwar schon 2007, dafür aber als Erster: «Mater semper certa est». Für die wenigen Nicht-Lateiner unter unseren Lesern: «die genetische Abstammung von der Mutter ist sicher, die des Vaters nicht.»

Was Althaus eigentlich sagen will: sofern es zu keiner Verwechslung im Spital kommt, weiss die Mutter, dass das ihr Baby ist. Der Vater so spontan nicht. Es geht hier allerdings nicht um die genetische Abstammung des Vaters, sondern vielleicht darum, dass es einen Gentest bräuchte, um seine Vaterschaft zu beweisen. Oder so. Aber mit bahnbrechend neuen Erkenntnissen ist es eben so eine Sache, da verrutscht die Sprache schon mal gerne. Oder aber, verflixt, es handelt sich hier um Frauensprache, die dem Mann weder genetisch noch sonst wie leicht erschliessbar ist.

Dann kommt eine Story, die sozusagen einen Kontrapunkt gegen den drohenden Hitzesommer setzen will: «Immer mehr Frauen lassen ihre Eizellen einfrieren». Also genauer: in einer Einfrierklinik waren es früher «eine Frau alle paar Monate», nun seien es pro Woche «zwischen fünf bis zehn Frauen». Wenn das mal kein Trend ist.

Voll im Trend ist auch R. James Breiding. Er will dem harmlosen Leser am Sonntagmorgen einen solchen Schrecken einjagen, dass dem das Gipfeli aus der Hand fällt: «Wie die Schuldenkrise die Welt in den Abgrund reissen könnte». Merke, lieber Leser: Titel die «wie Blabla könnte» enthalten, plus das Wort Abgrund, sind ein klarer Hinweis für: überblättern.

Putzig ist hingegen der Titel «Die Brust versiegt». Also nicht wirklich, industrielle Säuglingsnahrung ist einfach weiter auf dem Siegespfad. Schrecklich ist hingegen diese News: «Vögel meiden die Schweiz». Aber immerhin, der Eieranschlag auf eine «Autorperson» ist der NZZaS keine Zeile wert. Dafür hat sie halt Jan Weiler mit seiner unendlichen Fortsetzungsgeschichte. Also sie ist bei Folge 13 angelangt, kommt einem aber unendlich vor.

Während sich Patti Basler* wenigstens direkt, allerdings früh in die Sommerpause abmeldet, tut das die «SonntagsZeitung» ebenfalls früh, dafür indirekt:

Typisch Tamedia, die wollen einem auch alles vermiesen. Scheint mal die Sonne, wird der fehlende Regen bemängelt – oder die hohen Preise bejammert.

Dann fordert Arthur Rutishauser den Skalp von Barbara Schmid-Federer. Institution Schweizerisches Rotes Kreuz, überfordert, nicht denkbar, dass sie sich noch halten könne. Mal schauen.

Dann kommen wir zu einem Höhepunkt für jeden Schweizer Leser. Das grosse Interview, der Hammer, die Themen, der Gesprächspartner, der Wahnsinn. Boris Herrmann, Nicolas Richter und Robert Rossmann vereinen die guten Kräfte, um den Eidgenossen ein Gespräch zu schenken. Nun sind die Drei im Sold der «Süddeutschen Zeitung» in München, und nicht mal dort interessiert brennend, was der deutsche «Oppositionsführer» (so würde man ihn in Deutschland allerdings nicht nennen) Friedrich Merz so zu sagen hat. Ob er den Geist Adenauers beschwören wolle, wird Merz einleitend gefragt. Wetten, dass kaum ein Schweizer Leser sich für die Antwort interessiert? Überblättern …

Dann weiss Bettina Weber sozusagen Intimes vom frischgebackenen und fehlgestarteten republikanischen Präsidentschaftskandidaten Ron DeSantis, inzwischen schon gerne DeSaster genannt: er höre «nur auf seine Frau». Wahnsinn, da kommt endlich mal einer ohne grossen Beraterstab aus. Oh, DeSantis hat einen grossen Beraterstab? Ach was.

Woran merkt man sonst, dass anscheinend schon Ende Mai das Sommerloch gähnt? Wenn im «Fokus» der Chef-Butler (eine Frau, darf man die heute in der SoZ noch Chef-Butler nennen? Wo bleibt die Genderpolizei? Weiss das Birrer, wieso hat Tobler nicht eingegriffen) des Dolder Grand interviewt wird. Auch hier war das grosse Interview mal eine Institution. ZACKBUM rätselt aber: Chef-Butlerin? Chefin-Butlerin? ChefIn-Butler*? Wo bleiben die Gender-Päpste und -Päpstinnen, wenn man sie mal braucht.

Und so nebenbei. Dieser Gender-Lapsus erinnert doch daran, dass es auch der SoZ scheissegal ist, dass eine leitende Mitarbeiterin über Jahre hinweg von einem Hassmob verfolgt wurde, angeführt von der hasserfüllten Kämpferin gegen Hass im Internet, haarklein aufgezeigt in einer mehrteiligen Serie über interne Chatprotokolle. Aber  Jolanda Spiess-Hegglin ist halt nicht in der SVP

Die Spargelsaison neigt sich so langsam dem Ende zu; höchste Zeit, die jährliche Sommerlochstory zu schreiben: «Wie viel Arbeit wirklich hinter dem Trendgemüse steckt». Hinter? Hm.

Dann will Rutishauser, das Bauernopfer auf dem Kriegspfad, auch noch den Skalp von Tidjane Thiam. Beziehungsweise an dessen Bonus: «Karin Keller-Sutter hat fünf gute Gründe, seinen Bonus zurückzufordern.» Wetten, dass sie es nicht tut?

Apropos Sommerloch im Mai: «Richtig essen für ein langes Leben», abgestaubter Stehsatz.

Eigentlich wollte ZACKBUM die erste Ausgabe unter neuer Leitung des «SonntagsBlick» genauer anschauen. Aber:

Es gibt Gähnreflexe, die fast in einer Kiefersperre enden.

Kaum hat man die überwunden, liest man, was Reza Rafi höchstpersönlich recherchiert hat: «Schweiz will Andrei Melnitschenko loswerden», behauptet er. Und will wissen: «Der Russe verbringe zu viel Zeit im Ausland und nicht an seinem gesetzlichen Wohnsitz, womit er die Bedingungen (für eine Niederlassung C, Red.) nicht mehr erfülle

Nun wird’s etwas peinlich, wenn man dem Chefredaktor des SoBli Nachhilfeunterricht in Faktenkenntnis erteilen muss. Melnitschenko steht auf der EU-Sanktionsliste, die von der Schweiz gehorsam übernommen wird. Seine Frau übrigens auch, obwohl EU-Bürgerin. Also ist ihm die Einreise in die Schweiz verwehrt.

Das ist nun tatsächlich ein kafkaeskes Problem. Ein Besitzer der Niederlassung C darf sich, auf Antrag, bis zu zwei Jahre am Stück im Ausland aufhalten. Allerdings sollte er danach wieder zurückkehren. Wie kann das nun Melnitschenko tun, der zwar als langjähriger Aufenthalter, Mieter und bedeutender Steuerzahler, der sich in der Schweiz nie etwas zu Schulden kommen liess und jegliche Nähe zu, geschweige denn Unterstützung von Putin bestreitet, dieser Vorschrift seiner Niederlassung entsprechen?

Das wäre eigentlich die interessante Frage gewesen. Aber Rafi ist nicht für interessante Fragen zuständig, sondern blödelt halt im Text vor sich hin. Man kann also konstatieren, dass er das Niveau seines Vorgängers problemlos tieferlegt. Unter die Relevanzschwelle, unter jede Schwelle. Unterirdisch.

*Nach Leserhinweis korrigiert …

Wir haben’s gewagt

Eigentlich wollte ZACKBUM schon nach diesen Anrissen aufgeben.

Denn was haben eine Pizzaschachtel und Patti Basler gemeinsam? Sie sind beide nicht lustig. So viel Sexismus muss einleitend sein.

Aber vom Humorlosen zu einem wirklich ernsten Thema. Auf der Frontseite reisst die «NZZamSonntag» ein Doppelinterview an:

Das ist nun auch ein Stück perfide Demagogie. Demagogisch daran ist, dass die Aussagen von zwei EU-Botschaftern in der Schweiz zum Plural «EU-Länder» aufgepumpt wird, was beim Leser den Eindruck erwecken soll, dass alle EU-Mitglieder das so sähen. Perfid daran ist, dass dieses Interview die FDP-Wackelpolitik bezüglich Waffenexporten via Drittländer unterstützen soll.

Schauen wir mal genauer hin, wie Ladina Triaca und Simon Marti das Doppelinterview mit der holländischen und dem französischen Botschafter(in) in der Schweiz, denn das sind die «EU-Länder», geführt haben.

Natürlich ist es nicht die Aufgabe des Interviewers, den Interviewten in den Senkel zu stellen. Aber zu viel Unterwürfigkeit ist auch fatal. So sagt die holländische Botschafterin unverfroren auf die Frage, ob die EU Druck auf die Schweiz ausgeübt habe: «Wir gingen davon aus, dass der Bundesrat uns folgen würde. Die grosse Frage war, wie rasch.» Zu dieser klaren Einmischung in die inneren Angelegenheiten eines souveränen Staates hätte man vielleicht etwas sagen können. Aber nur vielleicht …

Dann geht’s zur Sache, also zum neuen Versuch, klare Schweizer Gesetze auszuhebeln, die auch die Wiederausfuhr Schweizer Waffen in Kriegsgebiete glasklar verbieten, was auch alle europäischen Staaten vertraglich zugesichert haben. Aber neu heisst es: «Es geht hier um die Wiederausfuhr von Schweizer Waffen und Munition, die sich in den Beständen unserer europäischen Partner befinden. Sind diese blockiert, ist das ein Problem für Europa.»

Das schlucken die Interviewer widerstandslos, also legt der französische Botschafter nach:

«Wenn die Schweiz die Lieferung von Waffen und Munition blockiert, heisst das auch, dass sie ein europäisches Land daran hindert, seine eigene Sicherheit zu verteidigen.»

Spätestens hier hätte man von zwei gestandenen NZZaS-Journalisten erwarten dürfen, dass sie Widerspruch gegen diese absurde Behauptung einlegen. Aber nein, tun sie nicht. Also zeigt der Franzose, was diplomatischer Zynismus ist und antwortet auf die Nachfrage, ob der Druck auf die Schweiz anhalten werde: «Aber ich würde nicht von Druck auf die Schweiz sprechen, sondern von einer sehr starken Nachfrage.»

Vielleicht haben die beiden Journis nicht die abgefeimte Ironie verstanden, sie winken auch diese Frechheit durch. Da machen zwei Diplomaten klar, dass sie auf Schweizer Gesetze pfeifen, kokettieren ungeniert damit, dass man dieses Stachelschwein doch schon noch kleinkriegen werde, behaupten in Bezug auf russische Vermögen gar, «die Russen werden zahlen müssen für den Wiederaufbau der Ukraine, aber natürlich stellen sich rechtliche Fragen». Könnte man da nicht erwarten, dass der Interviewer nachhakt, ob damit gemeint sei, rechtsstaatliche Grundsätze samt Eigentumsgarantie in die Tonne zu treten? Könnte man, müsste man. Ist aber nicht.

Was für eine blamable Aufführung der Interviewer. Was für eine blamable Führung durch die oberen Hierarchiestufen, die diese mangelhafte Leistung ins Blatt durchwinkten. Man sollte die beiden Kolonialherren, womit auch die Dame gemeint ist, zu personae non gratae erklären; die beiden Journis am besten gleich mit.

Neben dieser Fehlleistung verblasst beinahe die Kehrtwende der England-Korrespondentin Bettina Schulz. Sie erweckt nämlich den Eindruck, mit dem Denken Lenins sehr vertraut zu sein. Der soll als erster gesagt haben: Was geht mich mein dummes Geschwätz von gestern an. So lästerte sie ausführlich über die angeblich ausweglose und kritische Situation ab, in die sich Britannien durch den Brexit begeben habe. Dazu noch dieser neue Premier, Himmels willen. Nun aber: «Drachentöter im Massanzug. Rishi Sunak lässt mit seinem EU-Coup ein ganzes Land aufatmen». Das ist schön für die Briten, nur: was soll man der Wetterfahne Schulz denn noch glauben?

Auf Seite drei dürfen wir dann eine Analyse des Schreibtischgenerals, des Sandkastenstrategen, der militärischen Koryphäe Markus Bernath lesen. Der hatte bekanntlich schon die Niederlage Russlands verkündet. Aber auch ihn geht sein dummes Geschwätz von gestern nichts an, aktuell analysiert er: «Die Russen wollen genau diese Stadt (Bachmut, Red.) erobern, weil sie überall sonst scheitern. Und die Ukrainer verteidigen den Ort bis zuletzt, weil auch sie nicht zu einer Offensive fähig sind.»

Frage eins: Stimmt das? ZACKBUM hat keine Ahnung und weiss sich damit mit Bernath einig. Frage zwei: wird diese Analyse in drei Monaten noch Bestand haben? Nein. Frage drei: wieso wird dann eine Seite darauf verschwendet? Gute Frage.

Der gebeutelte Leser wankt zu Seite 16 und kriegt auch dort eine volle Ladung Gedöns serviert. Zunächst sargt der schreibende Rentner Felix E. Müller «Das Magazin» ein. Immerhin schreibt nicht Aline Wanner, also bleibt ZACKBUM ungeschoren. Ist aber auch nicht nett von Müller, dass er das Magazin der NZZaS für völlig überflüssig erklärt. Oh, hoppla, er meint natürlich das Magazin der Konkurrenz. Sicher reiner Zufall, diese Schelte.

Gegen Schluss wird Müller dann etwas dunkel, was den Sinn seiner Kolumne betrifft. Nachdem er die Überflüssigkeit des Tagi Magi beschworen hat, fährt er fort: «Noch verfehlter ist es, auch Mobbingfälle auf diese Weise veredeln zu wollen. Sie wären genauso schlimm, hätten sie sich so, wie behauptet, beim «Entlebucher Anzeiger» zugetragen.» Mann o Mann, was will uns die schreibende Schnarche denn damit sagen? Das «Magazin» veredelt Mobbingfälle? Sie werden edler durchs Magazin? Wer würde bestreiten, dass sie beim «Entlebucher Anzeiger» genauso schlimm wären, hätten sie sich so zugetragen?

Ist halt schon blöd, wenn man ab und an den Faden verliert und Unverständliches murmelt. Aber eigentlich gäbe es dafür eine Redaktion, die das dem Leser erspart. Leider Konjunktiv. Aber der Leidensweg ist auf dieser Seite noch nicht abgeschritten, der Kelch nicht bis zur Neige geleert. Denn darin schwimmt noch Nicole Althaus. Sie schreibt, nein, lieber Leser, mehr als einmal raten ist nicht erlaubt, sie schreibt über weibliche «Hysterie» und – hübsche Formulierung – «Mensch mit Menstruationshintergrund».

Aber dann regt sie sich über die zunehmende Verwendung eines sensiblen Sprachgebrauchs auf, also statt «Armer» heisst es dann «Mensch mit limitierten finanziellen Ressourcen». Das sei ganz furchtbar und ändere nichts an der Realität. So weit, so gut. Dann bringt sie ein Beispiel einer klaren Reportersprache über Heiratsgebräuche in den Slums von Mumbai. So weit, auch so gut. Aber dann will sie diese klaren Sätze selber in eine «diskrimierungsfreie Sprache» übersetzen, um diesen Unfug zu entlarven. Nur: sie kann’s nicht, also wird’s zum peinlichen Eigentor.

Allerdings ist damit der Golgatha-Weg des Lesers, man muss leider zu solchen Metaphern greifen, noch nicht zu Ende. Peer Teuwsen, da zuckt der sensible Leser schon zusammen, interviewt Josef Hader. Das ginge ja noch, wenn Hader in Form wäre. Aber Teuwsen hat ihn, geschickt, geschickt, der völlig humor- und begabungsfreien Patti Basler an die Seite gestellt.

Wir sind bekanntlich bereit, für unsere Leser eine Leidensfähigkeit an den Tag zu legen, die ihresgleichen sucht. Aber wir lasen diesen Satz hier von Basler: «Aber ich persönlich bin je nach Körperstelle einer anderen Region zugewandt. Der Beckenboden zum Beispiel ist südostasiatisch tief im Om.» Seit wir uns das plastisch vorzustellen versuchten, kriegen wir das Bild nicht mehr aus dem Kopf, da nützt auch keine transzendentale Meditation mehr. Um weitere Beschädigungen zu vermeiden, gaben wir hier die Lektüre auf. So viel Selbstschutz muss sein.

War’s das wenigstens? Fast. Auf Seite 53 interviewt Peer Teuwsen, ja, wir zucken zusammen, Jan Weiler. Jan who? ZACKBUM gesteht: Wir haben noch nie von einem der «meistgelesenen Autoren deutscher Sprache» gehört. Hört sich auf jeden Fall besser als Bestsellerautor an. Das ist ein Mann mit einem bescheuerten Pseudonym auch, das war auch ein Konsalik, das sind auch die Autoren der Jerry-Cotton-Heftchen. Aber hier ist es Weiler. Dabei hat gerade Peter von Matt eine neue Essaysammlung veröffentlicht, vor der man niederknien muss. Dabei gibt es unzählige andere Neuerscheinungen, zum Beispiel das kleine Wunderwerk von Volker Reinhardt über Montaigne. Und, und, und. Aber Teuwsen hat den einschlägig bekannten Weiler dazu eigeladen, in der NZZaS einen «Fortsetzungsroman» zu schreiben.

Gut, wir haben den «Der erste Satz»-Test gemacht: «Als Peter Munk zwei Tage nach seinem einundfünfzigsten Geburtstag auf der Rolltreppe des Globus zwischen der zweiten und der dritten Etage einen Herzinfarkt erlitt, ergriff ihn weder Todesangst noch Verunsicherung, sondern reine Empörung.»

Um das Resultat vorweg zu nehmen: durchgefallen. Knackt in den Gelenken, weil ungelenkes Situieren, überflüssige Ortsangabe, «ergriff ihn» unmotiviert altertümlich, Substantivierung macht die Aussage behäbig, Verbalisieren wäre viel dynamischer gewesen. Und kann jemand, der gerade einen Herzinfarkt erleidet, darüber empört sein? Mediziner würden sagen: nein. Also ist’s auch noch ein unsinniges Setting.

Danach kommt übrigens die Rückblende, wir ahnten es und blendeten uns aus.

Also noch mal so eine Ausgabe der NZZaS, und ZACKBUM verlangt Schmerzensgeld. Und nein, liebe Leser, die Lektüre von SoZ und SoBli kann uns nun wirklich keiner zumuten, nach diesem Schmerzenspfad durch das Sonntagsblatt aus der Falkenstrasse, das endlich mal wieder eine Schreiboffensive starten sollte. Denn eigentlich hätte es doch die Mannschaft dafür.

 

Wumms: Patti Basler*

«Struktureller Sexismus»! Beim SRF! Männer sind Schweine!

Die Reihe von Skandalen reisst nicht ab. «Frauen wurden in Formate gesetzt, die ihnen nicht entsprochen haben, und wurden dabei verheizt», protestiert eine Riege von erregten Komödiantinnen um Patti Basler. Patti who? Das ist eine Möchtegern-Satirikerin, die in der NZZaS dilettieren darf und regelmässig für schwere Anfälle von Fremdschämen sorgt.

Duftmarke ihres Humors: sie änderte schon mal «Benissimo» in «Penissimo», haben wir uns geschämt.

Nun denunzieren diverse Frauen angeblichen «strukturellen Sexismus» beim Schweizer Farbfernsehen. Das ist ja furchtbar. Nicht nur, dass dort Versuche unternommen werden, Praktikantinnen Küsse aufzudrücken, was die noch 20 Jahre später umtreibt, es gibt sogar systematische Frauenunterdrückung.

Worin äussert sich die? Natürlich in x nicht genauer umschriebenen Fällen. Aber vor allem in einem: für den abtretenden «Deville» scheint sich eine Nachfolge herauszukristallisieren. Es ist zwar noch nichts beschlossen, aber Basler weiss: sie wird es wohl nicht.

Einerseits kann der Gebührenzahler und TV-Zuschauer SRF nicht genug dafür danken. Andererseits sei es natürlich ein Riesenskandal, dass Basler nicht berücksichtigt werde – meint Basler. Nur kann sie das so direkt nicht sagen, das wäre selbst ihr zu peinlich, und das heisst was.

Also sagt sie nicht: ich bin sauer, weil ich’s nicht werde. Sondern sie faselt von «strukturellem Sexismus». Das ist schon komisch, sogar saukomisch. Aber unfreiwillig.

Wenn schon Klage über Sexismus, dann gäbe es da ein viel naheliegenderes Beispiel. Tamedia (nein, es geht nicht gegen Frauen) hat bekanntlich den alten, weissen und weisen Mann Rudolf Strahm gegen dessen Willen durch einen Modeschreiber mit bescheuertem Pseudonym ersetzt. Das ist nun geradezu struktureller Sexismus, den der Leser nicht genügend beklagen kann.

*Entschuldigung, Patti Boser.

Ich, ich, ich

Unseren täglichen Rassismus gib uns heute.

Der Lieblingssong vieler Journalisten muss «I and I» von Bob Dylan sein. Allerdings sind die meisten nicht gebildet genug, um den zu kennen. Auf jeden Fall nimmt die Betrachtung des Bauchnabels einen immer wichtigeren Bestandteil der täglichen Arbeitsimitation ein.

Dabei werden täglich neue Rekordversuche aufgestellt. Während der Journalist gemeinhin seinen eigenen Bauchnabel betrachtet und über dessen Befindlichkeit, Zustand, Grösse, Farbe und Veränderung seit gestern Auskunft gibt, stellt Sandro Benini im «Tages-Anzeiger» eine neue Perspektive in den Raum.

Ein Journalist betrachtet einen anderen Journalisten beim Betrachten dessen Bauchnabels. Konkret geht das so, dass Benini über eine Kollegin von «Finanz und Wirtschaft» schreibt – «die wie diese Zeitung zu Tamedia gehört». Diese Journalistin hatte getwittert: «Welcome to my Alltagsrassismus». Dieses merkwürdige Kauderwelsch entging nicht dem geschulten Augen Beninis, der sofort eine Story witterte, die man der Weltöffentlichkeit nicht vorenthalten kann.

Also bastelte er einen «Kopf des Tages» daraus, mit dem anklagenden Titel: «Sie hört pro Woche einen rassistischen Spruch». Denn sie sieht nicht wie ein reinrassiger Schweizer aus, wobei noch zu klären wäre, wie der aussähe. Seine Kollegin ist hingegen «Tochter einer Amerikanerin mit koreanischen Wurzeln und eines Schweizers jüdischen Ursprungs».

Wir ersparen es Benini, diesen Satz einem Spezialisten für Diversity, Gendern und der Beurteilung von Inklusionen sowie Exklusionen und rassistischen Untertönen zur Beurteilung vorzulegen. Wir schliessen aber gerne Wetten ab, dass der (oder die oder es) einige Ansätze für Kritik sähe. Alleine «koreanische Wurzeln, jüdischer Ursprung», also wirklich.

Wie auch immer, ihr Aussehen provoziert offenbar Dumpfbacken dazu, anzügliche Bemerkungen zu machen. Behauptet sie. Wie sie sich wohl jede attraktive Frau (und auch viele nicht attraktive) immer wieder anhören muss. Nur haben die in ihrem Fall bedauerlicherweise gelegentlich auch rassistische Konnotationen. Behauptet sie.

Das ist ein sicherlich ärgerliches Begleitbrummen im Leben. Aber wirklich berichtenswert in allen Kopfblättern des Tagi? Muss nun wirklich jeder (und jede) jegliche Form von Diskriminierung, Alltagsrassismus, alle dummen Sprüche, zu denen leider minderbemittelte Mitbürger in der Lage sind, in den Schrumpfzeitungen ausbreiten, die eigentlich wichtigere Themen zu behandeln hätten?

Ist solcher Pipifax wirklich einen Artikel wert? Als René Zeyer im Appenzell lebte, schmiss ein Bekannter meines Nachbarn jeden Sonntagmorgen den Rasenmäher an und mähte nicht nur dessen Magerwiese nieder, sondern auch meine. Als ich mir das verbat und darum bat, auch beim Nachbarn den Lärm wenigstens nicht um 8 Uhr morgens zu veranstalten, bekam ich die Antwort: «Bei uns in der Schweiz macht man das so

Wenn ich genauer darüber nachdenke, bin ich also auch ein Rassismusopfer. Ganz zu schweigen davon, was ich mir in der Schule anhören musste, als ich der schweizerdeutschen Krachlaute noch nicht mächtig war. Allerdings: sollte es mir in den Sinn kommen, jemals einen Tweet mit dem Titel «Welcome to my Alltagsrassismus» abzusetzen, wäre ich sofort bereit, mich psychologisch beraten und behandeln zu lassen.

Es ist eine zunehmende gesellschaftliche Erkrankung, ansteckender als Covid, Vogelgrippe und Schweinepest, dass sich jeder (und jede) als Opfer von irgendwas inszenieren muss. Fällt einem dazu trotz grössten Bemühungen nichts ein, kann man wenigstens stellvertretend leiden. Für die Schwarzen. Die Transen. Die Queeren. Die Frauen. Die Kinder. Die Ausländer. Die Inländer. Die Hybriden, Schwulen, Asexuellen, die People of Color, die Nachfahren von Sklaven, die Nachfahren von Sklavenhaltern, die Rastaträger, die sich kulturell aneignenden Rastaträger.

Die Moslems, Juden, Adventisten, Katholiken, Reformierten, Scientologen. Überhaupt für jede Minderheit. Für SVP-Wähler, Covid-Leugner, Verschwörungstheoretiker, Befürworter der Behauptung, dass Donald Trump der Sieg bei den Präsidentschaftswahlen geklaut wurde. Mohrenkopf-Esser, Trinker von koffeinfreiem Kaffee, Träger von Brioni-Anzügen. Denn auch all die sind Minderheiten; diskriminiert, verlacht, von Ausschliessung bedroht.

Keiner zu klein, diskriminiert zu sein. Jeder ist ein Opfer von allem und allen. Wer multiple Diskriminierungen vorweisen kann, ist dem einfach Diskriminierten deutlich überlegen. Väter sind Täter, Frauen sind benachteiligt und unterdrückt. Durch Sprache, in der Medizin, am Arbeitsplatz, durchs Kinderkriegen. Die blosse Zugehörigkeit zu irgendwas legitimiert das Leiden unter Diskriminierung. Das blosse Zusehen, sogar die Einbildung eines Leidens anderer reicht schon.

Eine Frau ist diskriminiert und Opfer. Eine dunkelhäutige Frau ist mehrfach diskriminiert und Mehrfachopfer. Eine lesbische, dunkelhäutige Frau mit Migrationshintergrund und Endometriose ist multipel diskriminiert und Fünffachopfer.

Dass angeblich von fürchterlicher Diskriminierung Betroffene, in deren Namen kräftig gelitten wird, sich häufig wundern, was offensichtlich wohlstandsverwahrloste Menschen sich einbilden, um etwas Farbe ins langweilige Leben zu kriegen, hält hierzulande niemanden davon ab, auch stellvertretend zu leiden. Wie Patti Basler. Wie diese Redaktorin der FuW. Wie so viele, wie viel zu viele.

Was noch fehlt: das Leiden an der Diskriminierung durch sich selbst. Zum Beispiel, ein Schwarzer, Pardon, eine Person of color, sagt zu sich selbst: als Schwarzfahrer bist du immer der Neger. Damit hat er sich selbst diskriminiert, exkludiert und das Ganze erst noch mit einem rassistischen Unterton und unter Verwendung eines Pfui-Worts. Und jetzt? Muss er sich vor sich selbst fürchten? Einen Sensibilisierungskurs besuchen? Hundert mal in sein Smartphone tippen: ich darf nie mehr Neger sagen? Patti Basler, stellen Sie sich das vor und helfen Sie!

Es ist so ein Elend in der Schweiz, dass es jedes Bürgerkriegsopfer der Dritten Welt, jede Mutter mit einem verhungernden Kind auf dem Arm in Afrika mit tiefem Schmerz und Mitgefühl erfüllen muss.