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Wumms: Pascal Hollenstein

Inzwischen hat die publizistische Leiter nach unten den Journalismus verlassen. Gut so.

Sein Wirken als Büttel für Jolanda Spiess-Hegglin dürfte eine wesentliche Rolle bei seinem abrupten Abgang von der zweitobersten Position im Reiche Wanner, also bei CH Media, gespielt haben.

Nach längerem Suchen wurde ein warmes Plätzchen für ihn gefunden. Pech hat das Bundesamt für Umwelt. Er wird Leiter Kommunikation. Mal schauen, wie weit diese Leiter nach unten führen wird.

Sozusagen als Restanz aus seiner unglücklichen journalistischen Tätigkeit hat nun noch der Presserat Pascal Hollenstein eine Rüge übergebraten. Wäre er noch im Amt, wäre er wohl der einzige publizistische Leiter der Schweiz, dessen Vorbildfunktion von einem Tadel überschattet würde.

So ist die Entscheidung nur noch eine Randnotiz für einen Gescheiterten. In seinem steten Bemühen, JSH so strahlend wie möglich und ihre Kritiker so hässlich wie möglich darzustellen, ging er in einer Polemik zu weit. In der Auseinandersetzung um die mögliche Publikation eines Buchs der Tagi-Journalistin Michèle Binswanger, bei der JSH einige Pyrrhussiege erzielte, behauptete Hollenstein nassforsch: «Es stehe der «Verdacht im Raum», dass Arthur Rutishauser und Binswanger ««den Gerichten als auch der Öffentlichkeit gegenüber unwahre Angaben» gemacht haben», wie der Presserat zusammenfasst.

Der Kernpunkt der unanständigen Unterstellung Hollensteins: «Wie aus der Beschwerde Spiess-Hegglins hervorgeht, steht dabei der Verdacht im Raum, dass die Tamedia-Seite sowohl den Gerichten als auch der Öffentlichkeit gegenüber unwahre Angaben gemacht hat.»

Ein starkes Stück, bei solchen massiven Anrempeleien weiss eigentlich jeder Journalist, ausser, er ist publizistischer Leiter, dass die so Angepinkelten die Möglichkeit zur Stellungnahme erhalten müssten.

Dazu sagt der Presserat das Nötige:

«Vor Gericht die Unwahrheit zu sagen ist im Moral- und Rechtsverständnis einer durchschnittlichen Leserin oder eines Lesers zweifellos ein gravierendes Fehlverhalten. Dass der «Verdacht» dazu im Raum steht, ist ein schwerer Vorwurf.»

Daher sei es selbstverständlich, dass die Betroffenen angehört werden müssen.

Dadurch hätte es aber sein können, dass diese flotte Rempelei nicht veröffentlicht worden wäre. Und das fand Hollenstein, auf seinem Feldzug für JSH, natürlich gar nicht gut. Also verzichtete er darauf. Das brachte ihm nun diese Rüge sozusagen post mortem ein. Es ist zu hoffen, dass dieses Urteil des Presserats seinen Beitrag dazu leistet, dass Hollenstein nie mehr in den Journalismus zurückkehrt.

Wumms: Pascal Hollenstein

Gute Nachricht: die ehemalige publizistische Leiter nach unten verlässt den Journalismus.

Nach dem abrupten Abgang bei CH Media im Januar dieses Jahres war es still geworden um Hollenstein. Über die Gründe für den Rausschmiss, Pardon, für die sofortige Vertragsauflösung im gegenseitigen Einvernehmen, war Stillschweigen mit Peter Wanner vereinbart worden.

Die Gerüchtebörse wollte wissen, dass Hollensteins unglückliche interne Auftritte, seine unverbrüchliche Treue zu Jolanda Spiess-Hegglin und Rangeleien mit Patrik Müller die Gründe dafür waren. Müller ist inzwischen unangefochtener Sonnenkönig unter Clanchef Wanner.

Offenbar nach langem Suchen wurde nun ein warmes Plätzchen für Hollenstein gefunden. Er wird Leiter Kommunikation beim Bundesamt für Umwelt. Gegenüber persoenlich.com stösst er schon eine erste Drohung aus: «Statt die Dinge nur zu beschreiben, erhalte ich nun Gelegenheit, sie ein klein wenig mitzugestalten

So sah er auch seine Aufgabe als publizistische Leiter, allerdings ohne Vorbildcharakter. Denn die Tätigkeit als Lautsprecher für JSH – wofür er auch schon mal eine gerichtlich angeordnete Sperrfrist brach – konnte kaum als vorbildlich angesehen werden.

Nun wird er am 1. Oktober schon wieder Leiter. Wohin die Leiter diesmal führen wird – wir sind gespannt.

Alles Müller ohne was

Patrik Müller ist der Alleinherrscher im Reich CH Media.

Natürlich thront über ihm noch der Wanner-Clan, angeführt vom Patriarchen Peter Wanner. Darunter füllte Pascal Hollenstein die Position des «publizistischen Leiters» aus. Nicht zuletzt wegen seiner Doppelfunktion als Sprachrohr einer Beteiligten am Zuger Sexskandal (ZACKBUM kritisierte das mehrfach) wurde Hollenstein Ende Januar 2022 ziemlich abrupt entfernt: «Über die Gründe der Vertragsauflösung wurde Stillschweigen vereinbart.» Denn auch intern sorgte Hollenstein für rote Köpfe.

Patrik Müller, der mit Hollenstein das Heu überhaupt nicht auf der gleichen Bühne hatte, übernahm interimistisch, die Nachfolge werde später geregelt, hiess es damals.

Nun ist geregelt; Müller muss sich eine extrabreite Visitenkarte drucken lassen. Denn er ist nun, wir holen kurz Luft, Chefredaktor aller CH Media Zeitungen, und das sind jede Menge Kopfblätter. Zudem von deren Onlineportalen. Zudem ist er Chefredaktor des gemeinsamen Mantelteils und der «Schweiz am Wochenende», der zur Sparausgabe geschrumpften ehemaligen Sonntagszeitung des Hauses Wanner. Und schliesslich ist er noch der nicht mehr interimistische publizistische Leiter.

«Neue und klare Struktur», so nennt das der Verwaltungsrat. Machtmonopol für Müller ist’s in der Realität. Die Frühstücks-Chefredaktoren der einzelnen Kopfblätter dürfen sich ausschliesslich noch um das Lokale kümmern, alles andere erledigt Müller. Publizistische Leitlinien und Prinzipien kann er nun mit sich selber besprechen.

Ideal auch: fürs Wirtschaftliche ist er nicht zuständig. Genauso wenig für die versammelten TV- und Radiostationen. Dafür, dass mehr Kohle reinkommt als rausgeht, ist der Wanner-Clan verantwortlich. Mit 47 Jahren hat «alles Müller» den Zenith der Macht erklommen. Von hier aus kann’s eigentlich nur noch in die Geschäftsleitung, den Verwaltungsrat – oder zu einem Kommandoposten bei der Konkurrenz gehen.

Pascal Hollenstein?

Wir eröffnen (und schliessen gleich wieder) diese Rubrik. Aber ein Beispiel drängt sich auf.

Es gibt Abgänge, die entweder überhaupt nicht oder als angenehme Verbesserung der Lebensqualität wahrgenommen werden.

Die abrupte Entscheidung von CH Media, sich Knall auf Fall vom «Leiter Publizistik» und Mitglied der Geschäftsleitung Hollenstein zu trennen, war so einer. «Über die Gründe wurde Stillschweigen vereinbart», hiess es kurz und knapp.

Damit blieb offen, ob er diesen Karriereknick seiner Rolle als Büttel und Sprachrohr einer hasserfüllten Kämpferin gegen Hass im Internet verdankte – oder einer anderen Fehlfunktion.

Seither ist’s so still um ihn geworden, dass man gerne an frühere Karriereepochen Hollensteins zurückdenkt. Denn neben seiner Tätigkeit als Journalist – und als ewig Hoffnungsvoller, doch noch Chefredaktor der NZZaS zu werden – machte er auch Ausflüge in die Privatwirtschaft.

So war er – allerdings nur ein Jährchen lang – Leiter der Medienstelle des Versicherungskonzerns Axa Winterthur. Man weiss nicht, was da wem über die Leber lief, auf jeden Fall fand Hollenstein schnell einen neuen Job: Pressesprecher der Renova Group. Genau, das war schon 2010 die Firma, in der Viktor Vekselberg, einer dieser russischen Oligarchen, das Sagen hat.

Schon damals war Hollenstein um einen flotten Spruch nicht verlegen, so als ehemaliger Journalist:

«Ich bin mit meinem Beruf sehr zufrieden und musste mich auch nicht von moralischen Prinzipien verabschieden, wie das ehemalige Journalistenkollegen gerne bei Seitenwechseln behaupten.»

Diesem Prinzip dürfte Hollenstein bis heute treu geblieben sein.

Angstschweiss läuft in Strömen

Der Verband Schweizer Medien (VSM) geht in den hysterischen Hyperdrive.

Ihr freiwilliger Beitrag für ZACKBUM

Die Inseratekampagne ist, höflich ausgedrückt, abgekackt. Die öffentlichen Auftritte von Exponenten eines Ja zur Medienmilliarde sind, höflich ausgedrückt, ein Desaster. So schiffte der Befürworter im «Blick»-Battle vor laufender Kamera mit 75 Prozent Stimmen gegen ihn ab.

Nachdem all das nicht viel gefruchtet hatte, auch alle Lohnschreiber mit wunden Fingern nichts anderes bewirkten, als dass jede Meinungsumfrage noch trübere Resultate als der Vorgänger produzierte, sieht man im Verlegerlager immer mehr Menschen mit dunklen Flecken unter den Achselhöhlen herumlaufen.

Die Nervosität ist inzwischen schon so gross, dass mit zittrigen Händen sogar die Zahl der Befürworter und der Gegner bei einer Meinungsumfrage verwechselt wird.

Wie peinlich ist das denn?

Das musste CH Media einrücken, nachdem offenbar das Wunschdenken jeglichen Realitätsbezug gekappt hatte und es bei diesem Kopfblattmonster von Qualitätsmedien allen Kontrollstellen nicht auffiel, dass mal kurz die Nein- mit den Ja-Stimmen ausgetauscht wurden.

Man kann nur hoffen, dass sich das bei der Bekanntgabe der Abstimmungsresultate nicht wiederholt.

Eine Offensive nach der anderen scheitert

Auch die vorletzte Offensive verröchelte.  Als klarer Beweis, dass es eine strikte Trennung zwischen Verlag und unabhängiger Redaktion gibt, griffen in den grossen Medienkonzernen noch die Verleger in die Tasten.

Clanvertreter Pietro Supino leitartikelte bei Tamedia. Das inzwischen Ex-Mitglied der Geschäftsleitung Pascal Hollenstein griff für CH Media in die Tasten. Bei Ringier ist CEO Marc Walder unpässlich, nachdem er schon zweimal sich so benahm, als sei er eine Stütze des Referendumskomitees gegen die Milliarde.

Daher ergriff hier Ladina Heimgartner das Wort. Denn neben sieben Zwergen in der Chefredaktion beschäftigt die «Blick»-Gruppe auch noch eine CEO und «Mitglied Group Executive Board» sowie «Head Global Media». Die Dame muss eine Visitenkarte zum Ausklappen bei sich tragen.

Aber auch alle diese Mühewaltung, verbunden mit der Hoffnung, «so macht man das» sagen zu können, nutzte nix. Umso näher der Abstimmungssonntag kommt, desto trüber wird die Stimmung im Verlegerlager, angesichts desaströser Umfrageergebnisse.

Da bleibt nur noch eins. Der «Verband Schweizer Medien» verschickt in immer höherer Kadenz «Sondernewsletter». Der Tonfall kann nur als weinerlich und flehentlich bezeichnet werden; zuerst weinerlich:

«Die Gegner der Medienförderung liegen leicht vorne, aber noch ist alles möglich.»

Dann flehentlich:

«Wir brauchen Ihr JA zum Medienpaket am 13. Februar – für unsere Demokratie, für unsere Regionen, für unseren Föderalismus, für die Zeitung im Briefkasten.»

Falsche Begriffe, falsche Kampagne, alles falsch

Wobei, das ist eigentlich eher unverschämt. Mit der Demokratie hat diese Zusatzmilliarde für Medienclans nichts zu tun. Noch weniger mit Regionen oder Föderalismus. Die Zeitung im Briefkasten hingegen wird schon seit Urzeiten subventioniert.

Neu wäre da nur, dass die Auflagebeschränkung für diese Subventionen wegfiele, also die Grossverlage mit Grossauflagen gross profitieren würden.

Es ist wohl eindeutig so: allen Mietmäulern, allen Bütteln im Dienst der Verlegerclans, allen Lohnschreibern, allen Verbänden, Komitees, Gruppen, PR-Maschinen fällt nichts Überzeugendes ein, was für ein Ja sprechen würde.

Entweder widersprechen sich die Befürworter gleich selbst – Verleger publizieren unwidersprochen und unkontrolliert ihre Behauptungen in ihren Medien –, oder sie sabotieren gleich alle Anstrengungen – wie Marc Walder –, oder sie wirken so wenig überzeugend, dass 75 Prozent der Zuschauer klar nein sagen.

Sie haben halt von Anfang an auf die falschen Begriffe gesetzt. Als ob das Ausschütten einer zusätzlichen Steuermilliarde irgend etwas mit Meinungsfreiheit zu tun hätte. Als ob das Zusammenlegen und Aushungern und Armsparen der Redaktionen irgend etwas mit Regionalität, Kontrollfunktion oder Vierter Gewalt zu tun hätte. Als ob das Verschnarchen des Internets irgend etwas mit nötiger Hilfe bei einer Transition zu tun hätte.

Es gibt ungeheures Sparpotenzial

Angesichts all dieser Pleiten, Pech und Pannen muss man sich fragen, ob die Befürworter des Medienpakets nicht besser all das Geld gespart hätten – und für einmal nicht in Yachten und Villen und Autoflotten investiert, sondern in die Redaktionen.

Nur so als Idee. Wenn schon gegeizt werden muss, wieso immer in den Redaktionen? Die gesamte Teppichetage bei Tamedia, CH Media und Ringier hat doch unter Beweis gestellt, dass hier einige Millionen eingespart werden könnten.

Durchgreifen in der Teppichetage?

Ohne grosses Assessment oder unnötige Ausgaben für eine Beratungsbude. Einfach jeder zweite Manager kann geixt werden. Merkt keiner. Wenn von den Überlebenden nochmals jeder zweite gefeuert würde, ginge es anschliessend den Verlagen entschieden besser. Wetten?

Wumms: Ladina Heimgartner

Die CEO der Blick-Gruppe lässt Marc Walder nicht allein.

Oops, nun auch sie. Pietro Supino hat’s getan. Pascal Hollenstein hat’s getan. Marc Walder hat’s auf seine Art getan. Nun klappert auch noch das «Mitglied Group Executive Board» von Ringier nach.

Sie leistet damit einen weiteren Beitrag zur strikten Trennung zwischen Verlag und Redaktion. Allerdings ist «Blick»-Oberchefredaktor Christian Dorer ein ausgekochter Subversiver. Sonst hätte er diesen Stuss nicht unredigiert publiziert.

Vom grottenschlechten Titel an geht’s inhaltlich senkrecht nach unten – und hört lange nicht auf. Wieso soll denn diese angebliche Übergangslösung «überlebenswichtig» sein? Das würde ja heissen: sollte sie abgelehnt werden, beginnt das grosse Sterben im Medienbereich.

Bei Heimgartner beginnt das Verröcheln jeglicher Logik und Glaubwürdigkeit schon ganz am Anfang ihres Balla-Balla-Kommentars, wo sie über die Gegner der Medienclanmilliarde herzieht:  «Dabei setzen sie in fast schon selbstverständlicher Manier ihre eigenen Medienkanäle systematisch als strategisches PR-Instrument ein, sorgen sich aber zugleich angeblich um die Unabhängigkeit der anderen Medien, falls zusätzliche Bundesmittel fliessen.»

Das ist bei «Blick» ganz anders; der kroch nicht nur Bundesrat Berset überall rein, der ist so unabhängig, dass er seiner CEO sagt: diesen verunglückten Schuss ins eigene Knie bringen wir nicht.

Denn:

«Journalistinnen und Journalisten sind im Wissen um ihre Verantwortung der Gesellschaft und der Wahrheit verpflichtet. Es geht ihnen darum, Fakten ans Licht zu bringen und einzuordnen, damit sich die Leserinnen, Zuschauer, User ihre eigene Meinung bilden können.»

ZACKBUM wälzt sich am Boden vor Lachen und winselt um Gnade.

 

 

Zweierlei Mass

Einfordern, was man selbst nicht einhält: so sind die Medien.

Nehmen wir an, im Bankenwesen wird die Öffentlichkeit mit der Mitteilung überrascht, dass der CEO sich mit dem VR-Präsidenten darauf «verständigt» habe, «das Arbeitsverhältnis aufzulösen». Per sofort.

Dazu hiesse es nur knapp: «Über die Gründe wurde Stillschweigen vereinbart.» Garniert wird diese Meldung mit der üblichen Lobhudelei, welche grossartige Arbeit der CEO geleistet habe, dass sein Abgang bedauert und für die Zukunft alles Gute gewünscht werde.

Sofort würden die Medien Fragen stellen. Aufklärung fordern. Darauf bestehen, dass bei einer solchen Personalie, einem Abgang per sofort, aus heiterem Himmel, die Öffentlichkeit das Recht habe, die Gründe zu erfahren.

Es würden Gerüchte kolportiert, Vermutungen angestellt, Indizien zusammengetragen, ein Zerwürfnis, Fehlverhalten, Krach, Krieg, Machtkampf hineininterpretiert.

Es würden ungenannte, aber wohlinformierte Quellen zitiert, gerne auch mehrere, voneinander unabhängige. Es würde über die ungenügende Kommunikation lamentiert, Beschwerde geführt, dass man das doch nicht so mitteilen dürfe, wenn man keine üblen Gerüchten aufkommen lassen möchte.

Es würde also Gezeter und Zirkus aufgeführt, bis sich die Medien wieder beruhigt hätten und einem anderen Thema zuwendeten.

Überschätzt, verschätzt, tendenziell mal weg.

Geht es aber um eine Personalie in eigener Sache, dann wird verkniffen und schmallippig die Öffentlichkeit mit einer Ankündigung abgespeist, die alle Fragen offen lässt.

Denn es ist natürlich offenkundig und unbestreitbar: Wenn es im obersten Kader eines Unternehmens zu einem sofortigen Abgang kommt, wenn es gewaltig gekracht hat und man den Abgänger das Gesicht wahren lassen möchte, indem man – aber nur ganz dezent – andeutet, dass er sich «verständigt» habe, in Wirklichkeit aber verständigt worden ist – dann hätten alle Stakeholder das Recht, mehr zu erfahren.

Geht es um eine persönliche Verfehlung? Gab es strategische Differenzen? War sein Leistungsausweis ungenügend? Wollte Wanner nicht länger den Reputationsschaden hinnehmen, der durch Hollensteins unermüdliches Eintreten für JSH entstand? Wurde der Widerstand in den Redaktionen zu gross?

Traute sich Patrik Müller, endlich die Frage zu stellen: er oder ich? Hielt sich Hollenstein für den nächsten Frank A. Meyer? Gab er einmal zu viel einen besserwisserischen, ungebetenen Ratschlag? Musste ein weiterer Jubel-Artikel über JSH auf der Zielgeraden abgefangen werden?

Oder fragte man sich schlichtweg: Was macht der Mann eigentlich für das viele Geld? Fragte man sich: mal angenommen, der ist weg, was würde dann fehlen? Oder sah man ein: mit dem so eingesparten Geld könnten sich Wanners noch ein paar Rebstöcke leisten? Lieber Rebensaft als Hollenstein?

Erschwerend kommt noch hinzu: wie und wann wollte man das eigentlich kommunizieren? Denn erst aufgeschreckt durch eine Anfrage der «Weltwoche» kam CH Media in die Gänge und pustete die nichtssagende Mitteilung raus.

Die in den eigenen Blättern kommentarlos und gehorsam abgedruckt wurde, sonst keine Resonanz fand.

So sicher wie das Amen in der Kirche: Selbst nach dem Abgang von Hollenstein, das ist keine zusätzliche Milliarde Steuergelder wert.

Abgang Hollenstein

CH Media probiert’s per sofort ohne publizistische Leiter nach unten.

Pascal Hollenstein war laut Impressum die Nummer zwei bei CH Media. Über ihm thronte nur noch Peter Wanner, unter ihm werkelte der Oberchefredaktor Patrik Müller und alle anderen noch überlebenden Redaktoren und Chefs der unzähligen Kopfblätter.

Hollenstein stiess zu CH Media, als die NZZ Gruppe sich von ihren Regionalmedien trennte und sie in ein Joint Venture mit der AZ-Mediengruppe einbrachte, in der Wanner das Sagen hat. Damit endeten alle Karrierepläne von Hollenstein innerhalb der NZZ, wo er sich mehrfach Hoffnungen gemacht hatte, Chefredaktor der NZZaS zu werden. Das Schicksal blieb dem Blatt erspart.

Dafür durfte er «Leiter Publizistik» werden, in die Geschäftsleitung Einsitz nehmen und auch in einem «Publizistischen Ausschuss» neben Koryphäen wie Peter Hartmeier, Esther Girsberger und natürlich Wanner himself.

Furztrockener kann man nun aber einen Abgang nicht kommunizieren: Wanner und Hollenstein hätten sich «auf eine Aufhebung des Arbeitsvertrags verständigt. Über die Gründe wurde Stillschweigen vereinbart.»

Wenn das so weit oben in der Chefetage so passiert, hat’s gekracht, aber gewaltig. Da nützen auch die Krokodilstränen des CEO von CH Media nichts, der sich artig bedankt und hinzufügt: «Entsprechend kann ich den Weggang nur bedauern.»

Das Bedauern in den Redaktionen und bei der Leserschaft, die er schon mal als Milchkühe verunglimpfte, die man noch melken müsse, bis man sie zur Schlachtbank führe, dürfte sich in Grenzen halten.

Akzente nur bei einem einzigen Thema gesetzt

Auch sein unermüdlicher Einsatz als Büttel und Sprachrohr für eine hasserfüllte Kämpferin gegen Hass und Diskriminierung im Internet ist vielen unangenehm aufgefallen. Da ihm bei seinen Artikeln niemand widersprechen konnte, fantasierte er auch schon mal eine krachende Niederlage vor Gericht in einen Triumph um oder hielt sich nicht an gerichtliche Sperrfristen, um als Erster mit einer News herauszuplatzen.

Immer gut dokumentiert von seiner Quelle, was es ihm erlaubte, ungeniert aus Gerichtsunterlagen zu zitieren.

Wo da der Vorbildcharakter eines publizistischen Leiters abblieb? In letzter Zeit war er eher schweigsam geworden, bis er sich in einem «Leitartikel» nochmals für die Annahme des Medienpakets stark machte, die auch seinem Besitzerclan viele Millionen in die Taschen spülen würde.

«Demokratie ist kostbar – und darf uns etwas kosten»,

stellte er noch fest. Dann fragte er rhetorisch: «Was sind wir bereit, für unsere direkte Demokratie zu bezahlen?» Dass er damit ein Junktim herstellte, dass nur die zusätzliche Subventionierung mit einer Milliarde Franken nicht etwa nur die Medien, sondern gar die direkte Demokratie retten würde – leicht verständlich war er nie.

Sicherlich ist auch Wanner der Auffassung, dass die Demokratie »uns» etwas kosten darf. Vor allem, wenn unsere Steuerfranken in die Taschen der Medienclans wandern. Allerdings ist Wanner auch der Auffassung, dass er sich einen Hollenstein nicht länger etwas kosten lassen will.

Eine kleine Verschlechterung für Hollenstein, eine grosse Verbesserung für CH Media.

Wirklich schmerzlich ist der Abgang aber für eine Zugerin, die einige Internetportale betreibt. Staatliche Unterstützung gestrichen, die Prozesse laufen schlecht, ein Lautsprecher ist verstummt, es bleibt nur noch Hansi Voigt. Und das ist nie eine gute Nachricht.

Und er schreibt doch

Pascal Hollenstein ist im Jahr 2022 angekommen. Auch das noch.

Vielleicht als Reaktion auf unsere besorgte Frage, ob er sich für 2022 vorgenommen habe, sein voluminöses Gehalt bei CH Media schweigend zu verzehren, hat sich die Leiter nach unten zu Wort gemeldet.

Zum Thema – Überraschung – «neues Mediengesetz». Dazu ist Hollenstein Köstliches eingefallen: «Demokratie ist kostbar – und darf uns etwas kosten». Pluralis majestatis nennt das der Lateiner. «Uns» ist hier der Steuerzahler; dass auch Hollenstein zwar zahlen würde, gleichzeitig aber kassieren, das wäre dann wohl zu komplex für die Darstellung.

Schon, aber auch Hollenstein?

Besonders am Herzen liegt Hollenstein das Regionale. Da geht er zunächst in die Weiten der USA, wo zeitungslose Regionen «news deserts» hiessen, Nachrichtenwüsten. Das löse dann so etwas aus:

«Der versuchte Sturm des Kapitols hat gezeigt, wohin das führen kann.»

Ein etwas kühner Zusammenhang. Aber die USA sind bekanntlich weit und weit weg. Zurück in die Schweiz: «Wie sollen Bürgerinnen und Bürger an der Urne entscheiden, wenn sie über ihren Kanton oder ihre Gemeinde nur noch Bruckstückhaftes erfahren? Oder gar absichtlich mit Fake News in die Irre geleitet werden?»

«Bruckstückhaftes»? Es ist halt so: holprige Gedanken äussern sich häufig in holpriger Sprache. Hollenstein kann auch Entwarnung geben: «Noch ist es nicht soweit. Zumindest in der Deutschschweiz gibt es noch in jedem Kanton eine oder gar mehrere Tageszeitungen

Genau; in der Ostschweiz gibt es zum Beispiel das «Tagblatt». Und das «Tagblatt», und die Kopfblätter des Tagblatts. Die alle die in Aarau angerührte Einheitssauce aus dem Hause CH Media servieren. Ganz lokal, versteht sich.

Weil die das so toll machen, hat die Alternative «Die Ostschweiz»* das «Tagblatt» online bereits abgetrocknet. Nur: CH Media würde satt an der Zusatzmilliarde abkassieren, sollte das Medienpaket am 13. Februar angenommen werden. «Die Ostschweiz» bekäme keinen Rappen.

Dennoch fragt Hollenstein rhetorisch: «Wie viel ist uns die unabhängige Versorgung mit Information im ganzen Land wert?» Dann macht er noch ein Junktim der speziellen Art: «Was sind wir bereit, für unsere direkte Demokratie zu bezahlen

Echt jetzt? Die Medienmilliarde diene der unabhängigen Infoversorgung? Sie müsse so gesehen werden, dass es eine Zahlung für die direkte Demokratie sei? Das sagt der Gleiche, der schon mal Printtitel als Milchkühe abqualifizierte, die noch gemolken werden müssten, bevor man sie zur Schlachtbank führe.

Das sagt der zweitoberste Vertreter eines Verlags, der wohl Bahnbrechendes dabei geleistet hat, die Regionalberichterstattung auszuhungern, wegzusparen, zu marginalisieren, einen Exodus von Lokaljournalisten zu provozieren.

Man kann versuchen, den schwindenden zahlenden Lesern jeden Bären aufzubinden, auf den man lustig ist. Aber den Konsumenten dafür zahlen zu lassen, dass er verscheissert wird, das kann als Geschäftsmodell auf Dauer nicht gutgehen.

In Wirklichkeit ist’s ganz einfach. Es gibt ein Bedürfnis nach Qualitätsberichterstattung, gerade im Lokalen. Wer das erfüllt, also die Nachfrage mit einem adäquaten Angebot deckt, hat Erfolg und besteht auch ohne Staatshilfe. Wer das nicht tut, ist zum Untergang verurteilt. Auch mit Staatshilfe.

Begleitet er seinen Untergang noch mit Heuchelei, beschleunigt er ihn nur.

*Packungsbeilage: René Zeyer publiziert regelmässig bei «Die Ostschweiz».

 

 

 

 

Wendehals Hollenstein

Es ist ruhig geworden um die publizistische Leiter nach unten.

Ihr freiwilliger Beitrag für ZACKBUM

Das letzte Mal wandte sich Pascal Hollenstein am 31. Dezember an seine Völker. Nun ja, an die Schweizer Bevölkerung. Mit nachdenklichen Worten zum Jahreswechsel.

Dabei griff er tief in seinen historischen Fundus und erinnerte an ein englisches Plakat von 1938: «Keep calm and carry on», Ruhe bewahren und einfach weitermachen. Damals stand England vor dem Eintritt in den Zweiten Weltkrieg.

Eine Nummer kleiner hat’s Hollenstein nicht. Auch er ruft seinen Lesern zu: «Goodbye 2021. Welcome 2022. And: Keep calm and carry on.»

Da geht er und geht und geht. (Screenshot als Bildzitat)

Das hat er sich selbst zu Herzen genommen; seither ist er verstummt und verzehrt sein üppiges Gehalt in tiefer Kontemplation über die Zeiten und die Weltläufe.

Nur auf den Social Media ist er ab und an aktiv. Wohl damit sich niemand in der Illusion wiegt, er sei endgültig schreibfaul geworden. Natürlich ist ihm da das Hemd näher als die Hose, denn verschreckt weist er auf einen Artikel in der WoZ hin:

Sachen gibt’s, die sind zu irre …

Gemach, hier rührt die WoZ aus ein paar launigen Bemerkungen eines Verlegers und eines PR-Mannes eine wahre Verschwörungstheorie zusammen. Denn der Abstimmungskampf um die Medienmilliarde für reiche Verlegerclans geht in die heisse Phase.

Da ist es immer gut, von üblen rechten Plänen zu berichten, die freie Presse zu übernehmen und zu knechten. Immerhin, wenn das dazu führte, dass Hollenstein in den vollständigen Ruhestand geschickt würde …

Auf der anderen Seite ist es ja merkwürdig, dass er sich so für das «Tagblatt» und überhaupt die Regionalmedien einsetzt.

Wir zitieren ZACKBUM vom August 2020: «Gegen aussen neigt der «Leiter Publizistik» von CH Media zum Salbadern. In gesalbten Kommentaren säuselt er, «man möchte all jenen danken, welche auch dieser Zeitung ihr Vertrauen schenken». Zugleich ist er ein unerschrockenes Sprachrohr für Jolanda Spiess-Hegglin; man erinnert sich, bei einer Feier 2014 geriet einiges ausser Kontrolle.

Allerdings würden sich doch manche Leser von Produkten aus dem Hause CH Media wundern, wenn sie wüssten, wie sich der feine Herr intern über sie äussert.

Da spricht er nämlich von der «Luzerner Zeitung» und ihren Regionalausgaben von CH Media als «Abfallprodukt». Diese «alte Milchkuh» müsse man noch solange melken, bis die Leser ausgestorben seien. Und auf keinen Fall den Abopreis senken, obwohl der Inhalt immer dünner wird. Denn die Gewohnheitsleser würden klaglos zahlen. Und wenn sich das Produkt nicht mehr rentiert, dann sei es Zeit, diese Milchkuh zur Schlachtbank zu führen.

Diese abschätzigen Bemerkungen machte die Leiter coram publico, worauf sie von verschreckten Zuhörern an die Öffentlichkeit gebracht wurden.

Apropos, auch seiner Funktion als Büttel von Spiess-Hegglin geht Hollenstein nicht mehr wirklich nach. Ihre Streiterei um Gewinnherausgabe gegen Ringier vor dem Kantonsgericht Zug ist ihm keine Träne und keine Zeile mehr wert …