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Wumms: Christian Brönnimann

Der Tamedia-Redaktor pfeift auf den Rechtsstaat.

Brönnimann versteht sich als Recherchierjournalist. Darunter musste schon der Autor dieser Zeilen leiden, aber das war nichts gegen das Schicksal eines angolanisch-schweizerischen Geschäftsmanns.

Aufgrund gestohlener Geschäftsunterlagen trat Brönnimann eine ganze Kampagne gegen ihn los. Er habe sich am Elend eines afrikanischen Landes bereichert, wohl krumme Geschäfte gemacht, vielleicht Steuern hinterzogen, und überhaupt. Wer einen milliardenschweren Staatsfonds verwalte, der müsse ja Dreck am Stecken haben.

Das führte dazu, dass das Geschäftsimperium des Mannes zusammenbrach, viele Mitarbeiter ihre Stelle verloren und der Geschäftsmann einige Zeit in einem Höllenknast in Angola verbringen musste.

Brönnimann vermeldete triumphierend, wo überall Strafuntersuchungen aufgrund seiner Artikel aufgenommen, Gerichtsverfahren anhängig gemacht wurden. Er vermeldete dann sehr, sehr klein oder überhaupt nicht, dass alle, restlose alle diese Verfahren eingestellt wurden – oder dem Geschäftsmann bestätigt wurde, dass er völlig korrekt gehandelt hatte.

Auf unsere Frage, ob Brönnimann da nicht eine Mitverantwortung für dieses Debakel trage, erwiderte er kühl, dass er doch nichts dafür könne, wenn staatliche Behörden tätig werden.

Nun nimmt er sich in einem Kommentar unseres Rechtsstaats an; der sei angeblich in einem «Dilemma». Wieso, hat Brönnimann schon wieder zugeschlagen? Nein, es geht um die Verwendung der beschlagnahmten «Oligarchen-Milliarden».

Brönnimann hebt mit einer Verurteilung des ehemaligen US-Präsidenten Bush Junior an: «Ein Staatspräsident führt einen brutalen Angriffskrieg, in dem Tausende sterben, Millionen vertrieben und ganze Städte zerbombt werden. Milliardenschwere Geschäftsmänner haben jahrelang von ihrer Nähe zum Kriegstreiber profitiert und distanzieren sich nun nicht von dessen Verbrechen.»

Mutig, den völkerrechtswidrigen Einmarsch in den Irak und die dort begangenen Kriegsverbrechen zu kritisieren. Oh, hoppla: «Es wäre nichts als recht, wenn der Wiederaufbau der Ukraine dereinst zuerst mit den Milliarden aus dem Oligarchen-Zirkel rund um Wladimir Putin bezahlt würde und erst dann mit öffentlichen Geldern.»

Aber da gibt es ein blödes Hindernis: «Unsere Gesetze sehen die Möglichkeit nicht vor, dass der Staat jemandem seinen Besitz wegnehmen kann ohne rechtskräftige Verurteilung wegen eines schweren Delikts

Was tun? Kreativ werden mit Brönnimann:

«Die rechtsstaatlichen Grundsätze sind für Friedenszeiten geschrieben. Es ist nun an der Politik, einen Weg zu suchen, um dieses Korsett so zu lockern, dass am Schluss nicht Milliarden in den Einflussbereich Putins zurückfliessen.»

Stehen rechtsstaatliche Grundsätze einem Wunsch von Brönnimann entgegen, dann behauptet er frech, dass die doch nur in Friedenszeiten gelten. Daher müsse das «Korsett gelockert werden». Ein Euphemismus für: den Rechtsstaat in die Tonne treten. Ein Euphemismus für staatlichen Diebstahl.

Dass ein solcher perfider Anschlag auf Grundprinzipien unseres Rechtsstaats bei Tamedia erscheinen darf, ist ein Skandal. Dass das unwidersprochen bleibt, ist ein Skandal. Dass Brönnimann nicht öffentlich dafür sanktioniert wird, ist ein Skandal.

Also ist es einfach ein übliches Stück aus dem Tollhaus des modernen Qualitätsjournalismus.