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Schreibmüll

Kehrichtabfuhr bei der NZZaS.

Wer es zulässt, dass ein solcher Satz durch alle Kontrollinstanzen rauscht, von der Ressortleiterin und dem Chefredaktor abgenickt wird, hat die Kontrolle über sein Blatt verloren:

«Kochlöffel brennen heute auf dem gleichen Scheiterhaufen, auf dem die Lastenräder, Sojaschnitzel und Gendertoiletten liegen.»

Das ist nicht mal dada, das ist einfach gaga.

Die Einleitung der Kolumne von Rafaela Roth im «NZZ am Sonntag Magazin» ist hingegen ruppig: «Ich würde beispielsweise nie für Sexisten kochen.» Klare Ansage. Nur: woran erkennt Roth denn eigentlich einen Sexisten? Gibt’s da eine Art Prüfkit, mit dem er enttarnt wird?

Aber man muss nicht Sexist sein, um auf diese Küche zu verzichten: «ich war festlich gelaunt. Ich bereitete eine Lasagne mit – Achtung, Triggerwort – vegetarischem Hack zu, die nicht weniger als das Wort «himmlisch» verdiente.» Sozusagen das organisierte – Achtung, Triggerwort – Erbrechen.

Die gleiche Roth hat noch einen zweiten Auftritt in der berüchtigten Serie «Radikale Liebe». Zusammen mit Sacha Batthyany ist sie noch unlesbarer. In einem Interview liegen sich die beiden mit Daniel Schreiber in den Armen, was für den gequälten Leser immer das schlimmste ist. Denn Schreiber ist ein ganz sensibler Mensch:

«Wir treffen den mit seinen Essaybüchern berühmt gewordenen Autoren mitten im Lesungsmarathon für sein neues Buch «Liebe. Ein Aufruf». Er musste sich dafür wieder unter die Menschen zwingen. Bis Mitte Dezember muss er noch durchhalten, danach möchte er für eine Weile niemanden mehr sehen.»

Aber immerhin, er kämpft sich durch. Denn durch die Pläne Trumps überkam ihn «eine komplette Lähmung». Schlimmer noch: «Es war eine Art Schockstarre. Ich habe keine Nachrichten mehr gelesen, kaum mit Leuten geredet. Ich hatte das Gefühl einer Retraumatisierung.» Das Interview als Therapiesitzung, das macht Spass.

Dabei hat Schreiber doch den ganz grossen Durchblick: «Parallel dazu gibt es einen gewissen Schulterschluss zwischen Rechtsextremen und neoliberalen Kräften, der dafür sorgt, dass diese politisch nicht mehr repräsentierten Menschen mit rechtsextremen und populistischen Narrativen abgeholt werden.»

Er erhebt auch seine Stimme gegen Diskriminierung, Fremdenhass und übertriebene Statistiken: «Den medialen Empörungsschleifen über die Verbrechen migrantisierter Menschen stehen eindeutige, weitaus weniger bedrohlich wirkende Statistiken gegenüber.» Migrantisiert? Seufz.

Natürlich darf im Kehrichtsack auch Chefredaktor Beat Balzli nicht fehlen, der Meister des missglückten Editorials. Diesmal setzt er es so in den Sand, bzw. in den Schnee: «Unterscheiden sich Schweizer und Grönländer? Nein – ausser dass die Schweizer nicht einmal gefährliche Eisbären besitzen. Doch der Reihe nach

Nein, nichts da mit Reihe, die ersten drei Sätze reichen schon, dass man reiern möchte.

Anschliessend, obwohl am 1. Februar das Januarloch eigentlich geschlossen sein sollte, folgt eine Aufteilung von Pflichtstoffen: «Das Böse ist grösser als er». Putin, Trump? Nein, Ali Khamenei natürlich. Ein Blick in den teilbefriedeten Gazastreifen. Ein Blick auf die neue chinesische Botschaft in London. Immer grosses Bild, dünner Text. Dann kriegt J.D. Vance eins über die Rübe; ganz grosses Foto, ganz dünner Text mit Altbekanntem.

Dann etwas «buhu»-Stimmungsmache für mehr Nähe zur EU: «Die EU will ihre Märkte stärker abschotten. Die Schweiz droht dabei aufzulaufen, trotz ihren bilateralen Verträgen.» Na, da kann man doch gleich auf weitere verzichten …

Dann eine Seite Crans-Montana, das muss immer noch sein, plus eine Seite Jeffrey Epstein; das muss bei jeder Freigabe von weiteren Dokumenten auch sein. Dann noch die Breaking News, das auch interne Daten des Bundes «in einer amerikanischen Cloud gelandet» sind. Ja wo denn sonst?

Dann noch eine Prise Kalter Krieg:

«Demokratische Gesellschaften schwanken beim Umgang mit russischer Desinformation zwischen Überforderung und Hilflosigkeit. Auch die Faktenchecks, die deutsche und Schweizer Medien im Nachgang zu russischer Desinformation veröffentlichen, spielen dem Kreml in die Hände. Denn die russischen Falschbehauptungen erreichen oft erst wegen der Berichterstattung darüber eine grosse Anzahl Menschen», weiss die NZZ-Redaktorin Gioia da Silva.

Bei einer solchen Anschuldigung auf fast zwei Seiten ausgewalzt, wäre es nicht schlecht, wenn sie vielleicht ein einziges, klitzekleines Beispiel einer solchen Desinformation bringen würde. Statt sie einfach selbstredend vorauszusetzen.

Nett ist höchstens die Abrechnung mit dem dysfunktionalen Theater: «Am Schauspielhaus Zürich tritt das Ensemble vor leeren Rängen auf, in Bern strömt das Publikum in Scharen ins Theater. Was ist hier los

Aber, wir wollen versöhnlich enden: «Wie Barbie im Weissen Haus», Susanna Petrin hat tapfer den sogenannten Dokumentarfilm über Melania Trump für uns angeschaut. Allerdings kämen wir nie im Traum auf die Idee, so unsere Zeit zu verschwenden.

Apropos. Gleiches nötigt einem hingegen die Berichterstatterpflicht ab.

Für Kleinformatigere

Machen wir einen NZZ-Montag draus. Womit unterhält uns das «Magazin»?

Die schlechte Nachricht ist: trotz allen Sparmassnahmen ist das «NZZ am Sonntag Magazin» immer noch nicht eingestellt. Daher muss sich die Medienkontrolle mal wieder damit beschäftigen.

Diesmal ziert das Cover eine kühne Behauptung:

Chloë Savigny werde 50. Das ist ein Anlass, aber wer ist Chloë?

Offenbar braucht es neben der Leiterin Lifestyle und überhaupt auch noch eine «Chefredaktorin Magazin», denn auch magere 32 Seiten (mit Umschlag) wollen geleitet sein. Über die Schreibfähigkeiten von Paula Scheidt hat sich ZACKBUM bereits geäussert; wir wollen ja nicht sexistisch sein und das wiederholen. Vor allem, da die Dame offensichtlich ein Glaskinn hat und nicht mit jedem spricht.

Und was tut Scheidt schon wieder? Richtig, sie betrachtet den eigenen Bauchnabel, was denn sonst. Sie versucht ein Aperçu über Vorbilder, kann sich aber nicht enthalten, mal wieder sich in den Vordergrund zu schieben. Schliesslich war sie schon mal im Reich der Mitte: «In China – wo sonst – wurde mir einmal freundlich erklärt, Nachahmung sei als Ehrung des Erfinders zu verstehen». Ach, der Chinese, immer bezieht er seine Sachen von – Überraschung – Konfuzius. Auch da kennt sich Scheidt aus; «dessen philosophisches Werk ja tatsächlich die zwischenmenschliche Verbindung betont». Ach was. Nur Scheidt schafft es dann, mit einem kühnen Satz noch die Gebrüder Grimm mit ins Boot, also ins Editorial zu holen. Die sind halt alle tot und können sich nicht mehr wehren.

Wehrhaft ist hingegen ein Sacha Wenk, denn der sei «ausgezogen, im Shaolin-Kloster von Kunming das Kämpfen zu lernen». Das ist schön für ihn, aber wieso muss Benimm-Tante Henriette Kuhrt den Leser damit belästigen?

Dann kommen wir zum eingekauften Sozialporno. Diese Story wurde schon oft erzählt, also wieso nicht nochmal?

Bekanntlich gibt es zwischen Kolumbien und Panama eine Lücke der Panamericana, dieser Strasse, die von Alaska bis Feuerland den ganzen Kontinent durchquert. Das liegt daran, dass die USA den Kunststaat Panama Kolumbien abknipsten, um völlige Kontrolle über die Umgebung des Panamakanals zu haben. Und da Kolumbien bis heute sauer darüber ist, gibt es hier ein unwegsames Dschungelgebiet, das Flüchtlinge durchqueren müssen, wenn sie von Südamerika über Zentralamerika bis ins gelobte Land USA ziehen.

Dabei kommt es ständig zu tragischen Ereignissen. Seit vielen Jahren, vielfach beschrieben. Nun auch von Caitlin Dickerson in «The Atlantic». Auch dieses ansonsten herausragende Magazin hat manchmal einen Schwächeanfall. Der dann reich bebildert auf 8 Seiten dem NZZaS-Magazinleser serviert wird.

Dann schliesslich das It-Girl. Da muss Andrea Bornhauser – Überraschung – über ihren eigenen Bauchnabel schreiben. Denn sie hat eine bedeutende Ähnlichkeit zwischen sich und Chloë who entdeckt: «Jetzt wird die Schauspielerin 50. Unsere Autorin ist mit ihr alt geworden.»

Aber wohl nicht weise, denn wie schwärmte Bornhauser wie ein Backfisch über die Bachelorette der Politik, bevor die sich in Ungnade schoss? «Sie sieht sich als eine Art moderner Laokoon, der einst die Trojaner vor dem Untergang retten wollte. «Ich möchte die Leute aufklären. Wer soll es sonst tun?»»

Aber zurück zu Bornhauser aktuellem Unfall. Hallo? ist 50 inzwischen schon alt? Ist das nicht diskriminierend? Geradezu sexistisch? Und wieso durfte Bornhauser dieses Thema «alt werden» Nicole Althaus wegnehmen? So viele Fragen schon am Anfang. Aber der Texteinstieg ist dann gleich der Ausstieg für viele:

«Ich war 20, als ich Chloë Sevigny 1995 im Film «Kids» zum ersten Mal beim Coolsein zuschaute». Au weia.

Wir wollen auch unsere Lieblingswimmelseite «Bellevue» nicht ganz mit Verachtung strafen. Denn es will uns deuchen, dass hier (unfreiwillig) ein perfektes Symbolfoto des Lesers gelang:

Ist das nicht cool? Der Gesichtsausdruck des Köters, dem einfach ein Foulard draufgeschmissen wurde, so zwischen Resignation (mit mir kann man’s ja machen), würdevoller Distanzierung (ich kann nichts dafür) und hoffnungsvoller Aufmerksamkeit (gespitzte Ohren, gibt’s dann wenigstens Fresschen?), genial.

Nach ihrem Ausflug ins Shaolin-Kloster ist Henriette Kuhrt dann wieder in ihrem Element; sie beantwortet alle Fragen rund um den Stil. Wirklich alle: «Wer darf wo wildpinkeln (oder auch nicht)?» Seit ihr Vorgänger die Frage beantwortete, ob man furzen darf, wenn man gemeinsam im Badezimmer steht, ist das der absolute Tiefpunkt.

Aber es gibt noch ein Absackerchen, die «Fotokünstlerin» Lisa (who?) Sorgini. Die hat schon mehrfach mit verunglückten Aufnahmen für Furore gesorgt. Hier flunkert sie herzerweichend:

Das ist ein erklärendes Bildzitat.

Sie behauptet, ihr Sohn sei auf den Tisch geklettert, «um sich ein paar Früchte zu schnappen. Das Licht war perfekt». Sie tut also so, als wäre das ein spontan entstandener Schnappschuss. Dabei ist es offenkundig, dass das arme Kind posieren musste und die schweren Trauben genau richtig in die Kamera halten, nachdem Mama noch die Fruchtschale richtig drapiert hatte.

Aber die gute Nachricht ist: das war’s.

 

Schade auch

Das «NZZ am Sonntag Magazin» hat die Sommerpause überlebt.

Zwei mickrige Inserate, ein paar Eigeninserate, 32 Seiten Nonsens-Inhalt, das Trauerspiel geht unter neuer Leitung weiter.

Die ist völlig schamfrei. So behauptet Chefredaktorin  Paula Scheidt in ihrem ersten «Editorial», denn das hat dem Magazin gerade noch gefehlt, dass viele Leserreaktionen gezeigt hätten, dass das Magazin vermisst worden sei. ZACKBUM hat um Verifizierung und Quantifizierung gebeten. Ob’s eine Antwort gibt?
Schamfrei ist auch, im Sommer mit diesem Thema neu zu beginnen:

Das schleckt keine Geiss weg: wenn einem weniger als nichts einfällt, macht man Glace zum Coverthema. Redaktor Urs Bühler rührt das Thema zum x-ten Mal um; einfacher wäre gewesen, aus dem Kühlfach eine der Tausenden von Storys aufzutauen, die darüber schon erschienen sind.

Wieso es für ein Cornet mit bekleckerter Hand (siehe Titelausriss) einen Magnum-Fotografen braucht (ausser, um viel Geld auszugeben), erschliesst sich nicht. Diese Pampe ist dann ein IStock Archivfoto:

Und was an diesem billigen Plastikständer anmächelig sein soll, dass man auch ihn auf eine Seite aufbläst?

Vier Bildzitate, ein Grauen. Und der Text? Zweispaltig, endlos (23’664 A), konzeptlos, bewirkt Hirnvereisung.

Dann kommt ein Interview mit der bedeutenden Russisch-Übersetzerin Rosemarie Tietze. Schön, dass Autor Martin Helg nicht mehr über Staub klugescheisst oder aus einer Kafka-Biografie abschreibt. Aber eigentlich ein Stück im Magazin, das man loben könnte. Wenn es nicht am Tag zuvor – in der NZZ erschienen wäre. Das nennt man nun echte Leserverarschung. Einen NZZ-Text einfach einen Tag später im Magazin rezyklieren, weil man nach der Sommerpause offensichtlich etwas knapp an Werken ist – oberpeinlich.

Wer’s nicht glauben kann:

Links das Original, rechts die Zweitverwertung im «Magazin».

Dann macht sich Silke Wichert Gedanken darüber, wieso sich Touristen in den Ferien anders anziehen als im Alltag. Der dünne Gedanken würde vielleicht für eine Kolumne mit 1600 A reichen. Wenn der Autor ein paar Locken auf der Glatze drehen könnte. Aber über 11’000 A Wichert, das ist Folter.

Bellevue? Meine Güte. Nur zwei Peinlichkeiten:

Bei «Lyk Carpet» in Berlin freut man sich über die Aufmerksamkeit. Bloss: wer will schon einen zerfransenden Teppich «nach gewünschtem Küstenabschnitt»?

Oder so ein «Medley»:

Wer vielleicht «gar nicht schlecht» sagt, ändert jetzt seine Meinung: kostet schlappe 10’800 Euro.

Ach, und dann noch ein «Erinnerungsbuch» über das Maison Manesse in Zürich. Das war so ein Yuppie-Spunten im Shabby-Chick, 6-Gang-Menü mit Weinbegleitung 265 Franken. So nach der Devise: «Finger-Auberginen, Gemüsecreme, Gurken, Zitrus, Koriander und eine Schweine-Krokette». Plus Riesenweinkarte («Chateauneuf du Pape Cuvée Da Capo» 806 Franken). Sonst unter Freunden für 280 Eier zu haben.

Dann ist das Elend zu Ende, mit dem Werk der «Fotokünstlerin» Lisa Sorgini. Erklärung: «Dies ist ein Bild von meiner Freundin Lisa, ihrem Sohn Marlow und ihrer noch nicht geborenen Tochter Alva. Lisa ist eine gute Freundin und lebt in der gleichen Gegend wie ich.» Das ist schön für alle Beteiligten, aber wieso der Leser mit einem unscharfen, sandigen Körpermischmasch verabschiedet werden muss?

Oder soll das ein Beitrag zur Serie sein: Bilder, die wir nie sehen wollten?

Es gab schon unzählige Ausgaben dieses Magazins, die krähten: stell mich bitte ein. Bitte. Aber so überzeugend wurde das noch nie vorgetragen …

Die Schande von der Falkenstrasse

Wer eine Steigerung zur SoZ sucht, greife ungeniert zum «NZZ am Sonntag Magazin».

Zugegeben, das Magazin tut vom Cover an alles, um dem Leser zuzurufen: lass es. Das Leben ist zu kurz für sowas. Lies mich nicht. Einfach umblättern.

Aber ZACKBUM geht für seine Leser durch die Hölle. Der Weg dorthin führt durchs Inhaltsverzeichnis:

Taylor Swift, echt jetzt? Ist das mal originell, neu, bahnbrechend, intellektuell hochstehend. Grausam.

Christoph Zürcher war dann «unterwegs von der Schweiz ans Ende des Peloponnes und zurück», und damit muss er natürlich den Leser belästigen: «während ich das schreibe, gleitet vor dem Fenster auf der Fahrt nach Venedig gerade Korfu vorbei». Während er was schreibt? «Kreuzfahrtindustrie, auch ein kontroverses Thema. Neben der Ökologie geht es um Tourismusethik.» Hat man Zürcher denn nicht mal beigebracht, dass «Stichwort, ein kontroverses Thema» der absolut verbotene No-Go-Einstieg ist?

Aber das alles ist nur die Vorbereitung auf eine neue Dimension der Nabelschau. ZACKBUM muss mal wieder schwören, dass wir das nicht erfinden oder konstruieren. Denn die Wirklichkeit ist immer schlimmer als unsere Vorstellungskraft.

Dass Fotografen nicht schreiben können (deshalb fotografieren sie wohl), ist bekannt. Dass Fotografen auch nicht fotografieren können, ist eher überraschend:

Was das ist? Also bitte, das ist eine «Melonenstudie» von Iris Humm, denn «von ihren Eltern hat die Autorin gelernt, eine aufmerksame Beobachterin zu sein». Nein, das ist keine Realsatire.

Wer denkt, die Fotos sind schon schlimm, sollte versuchen, den Text zu lesen. «Meine ersten Erinnerungen an das Haus sind die an Sommer. Die Fahrt durch den Gotthardtunnel, von Süden nach Norden, im Auto unseres Vaters war ein ritueller Beginn, ein Portal in eine andere Welt.» Grauenhafter Einstieg. Aber zugegeben, besser als der von Zürcher.

Ob das Absicht ist, einen schlechten Schulaufsatz «Meine schönsten Erlebnisse in den Sommerferien» zu persiflieren? Leider nein: «Der Sommer dort hatte etwas Traumhaftes … Das Haus muss immer gepflegt werden, der Garten im Besonderen … Wir werden auf den grünen Gartenstühlen sitzen und stundenlang auf die Berge schauen, die Wolken ziehen vorbei …» Doch, doch, so geht es quälende 10’000 A dahin.

Dann ernennt sich die schon einschlägig aufgefallene Anne-Sophie Keller zu einer «langjährigen «Swiftie»» und belästigt den Leser mit «Bekenntnissen», die einem lieber erspart bleiben sollten, so wie her.

Sacha Batthyany (immerhin pausiert die Liebesreihe) sülzt eine Schnulze in Form eines Doppelinterviews mit einem Israeli, der seine Eltern verlor und einem Palästinenser, der seinen Bruder verlor. Aber: «Statt Rache wollen sie Versöhnung». Wunderbar, wie das aus den Zeilen klebrig tropft.

Die beiden haben es mit dieser Nummer sogar schon in die «Vatican News» und in Funk und Fernsehen geschafft; wieso nicht auch noch ins Magazin zum Nachklappern?

Nach einer kräftigen Dusche ist ZACKBUM bereits für die nächsten Herausforderungen; zum Beispiel unsere ewige Lieblingsrubrik «Bellevue». Aber auch hier gähnt schon das Sommerloch ganz schrecklich. Wie jedes Jahr ein Foodfestival im Dolder Grand? Schlappe 648 Franken für den Abend. Pro Person, logo. Wem das zu teuer ist: Das «Final» um 12.30 Uhr mittags gibt’s für den Discountpreis von 498 Franken. Immerhin alles mit «Weinbegleitung».

Dann hat jemand Kaffeepackungen bemalt, Wahnsinn. Drin sind 250 Gramm Bohnen für lachhafte 11 Franken. Das ist nicht das Niveau von Bellevue. Der kulinarische Tipp führt dann den Leser in Vegilokal «Sein», wo man auch vegan speisen kann. Besonderes abschreckend; die «Schrebergarten-Schnitte». Dabei bräuchte der Leser durchaus Erholung, denn zuvor wurde er mit «Halloumi-Spiesse mit Minze-Chimichurri» gequält, was sicherlich jeden Grillabend bereichert.

Abschliessend pfeift die Rubrik «Wir gratulieren» auch aus dem letzten Loch: «Die Raketenglace wird 55»; kein Geburtstag ungerade genug, kein Geburtstagskind unwichtig genug, um hier nicht abgefeiert zu werden.

ZACKBUM appelliert an alle guten Kräfte an der Falkenstrasse: wie lange soll es dieses Leserfolterinstrument noch geben? Wäre die kommenden Sommerpause nicht die Gelegenheit, die Beerdigung in aller Stille stattfinden zu lassen? Bittäääää.

Leiden am Sonntag

Tamedia hatten wir schon, SoBli halten wir nicht aus.

Also bleibt ja nur noch die NZZaS als Labsal für den gequälten Medienkritiker. Aber auch die gibt ihm Saures. Schon auf der Front:

Wer eine Begegnung von Friedrich Dürrenmatt (schon lange tot) mit Niklaus Meienberg (schon länger tot) in der Kronenhalle (lebt noch von vergangenem Ruhm) aus dem Jahr 1986 aufs Cover heben muss, ist noch nicht wirklich im Jahr 2023 angekommen.

Wer unter dem Titel «Russische Botschaft in Bern: Spannungen nehmen zu», dann über Beschwerden über angeblich rücksichtslosen Fahrstil russischer Diplomaten berichtet, hat ein Themenproblem.

Wer den Altbundesrat Ueli Maurer genüsslich zitiert, der bei einer Rede an seiner Partei «scharfe Kritik» geübt habe, ist schon im Wahlkampfmodus für seine FDP.

Wer schliesslich noch diesen Nonsens auf die Front hebt, sollte sich beraten lassen:

Da liegt der Kalauer nahe: Was ist das Beste an dieser Frontseite der NZZaS? Der Weissraum oben rechts.

Dass dann noch Patti Basler, Felix E. Müller und Nicole Althaus gemeinsam auf einer Seite das Wort ergreifen dürfen, komplettiert das Elend. Bei allen weiss man, was sie schreiben. Bei Althaus ist es entweder das Klimakterium oder Frauendiskriminierung: «Frauen dürfen zwar selbstbewusst auftreten, aber sie sollten nicht vergessen, das Protokoll zu übernehmen und regelmässig die Spülmaschine im Büro auszuräumen.» Protokoll übernehmen? Statt die Spülmaschine zu leeren, könnte Althaus doch mal einen Fortbildungskurs in Formulieren absolvieren.

ZACKBUM gesteht: hier gaben wir auf, so viel kann man uns gar nicht bezahlen. Letzten Trost suchten wir im «NZZam Sonntag Magazin»; das ist immer für den einen oder anderen Lacher gut. Und in der Tat, das Amüsement beginnt schon beim Cover:

Es ist eine der letzten ungelösten Fragen der Menschheit, auf die wir wohl nie eine Antwort finden werden. Aber wenn einem wirklich nichts einfällt, kann man sie ungeniert wieder mal stellen. Ein Vorwand findet sich in den Weiten des Weltalls immer: «Vielleicht wissen wir schon in zehn Jahren mehr.» Vielleicht auch nicht …

Zur Abteilung Sauglattismus gehört dann ein Interview mit Vera Mulyani, der «Architektin (für Projekte auf dem Mars!)». Nein, weiter konnten wir nicht lesen vor Lachen.

Auch die zehn üppig bebilderten Seiten mit einem aus der «New York Times» übernommenen Text zum ewigen Thema «Is there life on Mars?» (David Bowie) haben wir überblättert.

Dann liess sich Pauline Krätzig mit einer «Genusserie», die mit einer «kurzen kulinarischen Werkbiographie» über Friedrich Dürrenmatt beginnt, offensichtlich von Harald Schmidts kulinarischem Werk über Thomas Bernhard inspirieren. Gut kopiert ist immer noch besser als schlecht geschmiert, nicht wahr.

In der Abteilung «Bellevue» ist es sehr bedauerlich, dass man ein weiteres Mal dem ewig rezyklierten Spruch von Coco Chanel nicht Folge geleistet hat: «Es ist besonders schwer zu schweigen, wenn man nichts zu sagen hat.» Das gilt insbesondere für den Aufmacher; eine Winzausstellung über «neun junge Künstlerinnen», die sich auf Korsika ein abgelegenes Haus gemietet hätten. «Hier öffnen sie sich der gegenseitigen Betrachtung. Die dabei entstandenen intimen Momentaufnahmen ohne Konzept zeigt nun die Ausstellung …» Pardon, an dieser Stelle mussten wir zum Riechsalz greifen.

«Jackson Pollock mit Gemüse», ganz originell Jahrgangschampagner von «Moët & Chandon», Möbel aus Marmor (der Lounge Chair für schlappe 29’000 Dollar, plus «packing and shipping»), es ist für Spass und Tollerei gesorgt.

Dann noch eine top-originelle Modestrecke über die Verwendung von Goldfarbe, ein «Grilled-Cheese-Sandwich» für Menschen, die den Unterkiefer ausklappen können, ein aus unerfindlichen Gründen (oder wegen einer Gratisübernachtung) ins Magazin gerutschtes Designhotel in Stuttgart (wer will schon nach Stuttgart), geradezu ein Lichtblick ist der «Sponsored Content für Edelweiss» und schliesslich noch Benimmregeln für den «richtigen Umgang mit Störenfrieden».

Leider gibt es keine Ratschläge, wie man richtig mit einem solchen Nonsens-Inhalt eines Nonsens-Magazins umgehen könnte, das sich fürs neue Jahr offenbar vorgenommen hat, die letzten Reste einstiger Grösse wegzukrümeln.

Wer hat das «NZZaS Magazin» geschrumpft?

In den Ferien schwer erkrankt?

Das «NZZ am Sonntag Magazin» startete Ende letzten Jahres als willkommener Lichtblick in der Öde des Sonntags. Das «Magazin» von Tamedia ist ja schon seit Jahren zum Schatten des Schattens seiner selbst abgemagert.

Aber die NZZ zeigte mal wieder, wie man das macht. Sie erfand wunderbare Rubriken wie «Der Kanon», «Stammesrituale», «Beziehungsverhalten» oder «Perfekt». Der jüngste Spross der alten Tante befleissigte sich eines eleganten Plaudertons und zeigte, dass es immer noch Journalisten gibt, die längere Strecken beherrschen.

Natürlich war die Latte ziemlich hoch gelegt, und jede Woche ideale Beispiele zu finden, um diese Gefässe abzufüllen, das war natürlich eine Herausforderung, die nicht immer gelang. Aber es war Sonntag für Sonntag vergnüglich, und nicht selten reichte der Lesestoff noch in die nächste Woche hinein.

Hat die Sommerfrische gewirkt?

Aber dann kam die Pandemie und forderte schmerzliche Opfer. Das «NZZ Magazin» verschwand in die Sommerfrische, ohne dass sich am Preis für die NZZaS was geändert hätte. Wo kämen wir da auch hin, für weniger Angebot auch weniger zu verlangen.

Nun ist das Magazin wieder auferstanden und freut sich: «Schön, sind die Ferien vorbei!» Dieses Gefühl kann der Leser leider nicht teilen. Denn er fragt sich: Wer hat denn das frühere Magazin geklaut und durch eine schlechte Kopie ersetzt? Eine Kopie, die selbst der anspruchloseste Copyshop in China besser hinkriegte?

Die Rubriken? Ausser «Der Kanon» gestrichen. Die langen Strecken? Durch ein mässig interessantes Interview und ein mässig interessantes Stück über einen Bootliegeplatz ersetzt. Schmerzlich ist immer, wenn schreiberischer Anspruch mit den Fähigkeiten kollidiert: «An der Boje brandete Verbitterung an.» Noch schmerzlicher ist, wenn niemand die Autorin davon abhielt, drei Seiten damit zu füllen, dass sie kein Boot kaufte.

Am Schluss nimmt man alles

Dann feiert die Uralt-Platzfüller-Rubrik «wer war an welchem Fest» Urständ, und dass ganz am Schluss Patrick Karpiczenko teilweise lustige Wortneuschöpfungen präsentiert, ist wirklich der einzige Lichtblick. Aber man nimmt da auch schon alles.

Schlimmer, als etwas zu vermissen ist, ihm wiederzubegegnen. Man gönnt ja jedem in diesen traurigen Zeiten seine Ferien. Selbst einer Redaktion, die aus mehr Häuptlingen als Indianern besteht. Aber was soll man noch sagen, wenn die Publireportage auf der zweiten Seite bis zum Schluss in Erinnerung bleibt, weil sie kurzweilig geschrieben und schön eingeschenkt ist?

Nr. 33/2020 zählt das Magazin einfach weiter durch, obwohl die Nummern 28 bis 32 für immer fehlen werden. «Mit der hochwertigen Haptik und Ästhetik unterscheidet sich das 48 Seiten starke Magazin vom blinkenden Einerlei des Digitalen», verkündete die NZZ am 26. Oktober 2019 die Geburt. Dem inzwischen auf 32 Seiten geschrumpften, schwindsüchtigen Baby ist zu wünschen, dass es seinen ersten Geburtstag nicht erlebt. Der Leser dankt.