Schlagwortarchiv für: Nuuk

Helm auf!

Dominique Eigenmann ist auf dem Kriegspfad. Trump zittert.

Wenn das mal keine Ansage ist: «Grönland: Jetzt braucht Europa gute Antworten». Im Internet hört sich das noch martialischer an:

Eigemann ist selbst für Tagi-Verhältnisse Rekordhalter im Zurechtweisen und Handlungsbefehle Erteilen. Erst unlängst musste er den deutschen Bundeskanzler Friedrich Merz scharf rügen: Der mache einen «kolossalen Fehler». Völlig falsch liege der «knurrige belgische Ministerpräsident», der den Diebstahl russischer Zentralbankgelder ablehnte.

Denn Eigenmann wusste es besser: «Europa wird derzeit faktisch in der Ukraine verteidigt. Deswegen muss die EU nächste Woche an ihrem Gipfel mutig sein und den «Reparationskredit» an Kyjiw solidarisch beschliessen.»

Und die Sicherheit Deutschlands wurde am Hindukusch verteidigt. Aber die EU hat dann eine für sie übliche Schwiemellösung gefunden. Einfach gemeinsam mehr Schulden aufnehmen, geht doch auch.

Aber nun hat das Schlachtfeld gewechselt, es geht um alles. Zumindest um Grönland. Geradezu fieberhaft erteilt Eigenmann Ratschläge: «Auf allen Ebenen müssen sie auf die angekündigte Attacke reagieren, rote Linien ziehen, Angebote schnüren.»

Befriedigt nimmt der Rechthaber zur Kenntnis: «In Europas Hauptstädten und in Brüssel, dem Hauptquartier von EU und Nato, wird daran bereits fieberhaft gearbeitet.» Endlich hört man mal auf ihn …

Aber bei allem Fieber, was kann Europa denn gegen Trumps Annexionsgelüste tun?

Das ist guter Rat, selbst für Eigenmann, teuer:

«Militärisch verteidigen vermögen Dänemark und die EU Grönland gegen die grösste Militärmacht der Welt nicht, so viel steht fest.»

Ja aber was denn dann? Na, «Germans to the front», beliebter Slogan seit 1900. Allerdings meinte der britische Admiral Edward Seymour damals während des chinesischen Boxeraufstands damit, dass er lieber tapfere Deutsche als schlappe Engländer verheizen möchte.

Wie auch immer, nun forderten dänische Politiker «Frankreich und Deutschland auf, Truppen auf Grönland zu stationieren – nicht um die Insel zu verteidigen, sondern um den politischen Preis einer Invasion in die Höhe zu treiben».

Ach so, lasst euch da mal verheizen, Jungs. Das sei, meint Eigenmann in der Sprache des Unmenschen, «eine Art Stolperdraht – um den USA zu signalisieren, dass sie schon auf Verbündete schiessen müssen, wollen sie die Insel annektieren».

Und England, das perfide Albion, ist als Nicht-EU-Mitglied mal wieder fein raus.

ZACKBUM versucht, den jüngsten Ratschlag des Militärstrategen Eigenmann zu verstehen und zusammenzufassen. Europa dürfe seine Souveränität nicht aufgeben. Dazu gehöre auch die nötigenfalls militärische Verteidigung Grönlands. Andererseits sei das gar nicht möglich. Oder halt so als «Stolperdraht» aus Leichen von deutschen und französischen Soldaten.

Europa brauche jetzt gute Antworten, behauptet Eigenmann einleitend. Das ist wahr. Wieso liefert er dann aber unbrauchbares Gestammel?

Weiss der Grossstratege denn nicht, dass Trump jedes Anzeichen von Schwäche zu mehr Brustgetrommel animiert? Also ein deutliches «fuck off, und wir hätten dann auch Atomwaffen, im Fall». Das wäre die eine Möglichkeit.

Oder aber: Fliegen Sie doch direkt vom WEF nach Grönland, um dort in Nuuk die US-Flagge zu hissen.

Und hören Sie nicht auf Irrlichter wie Eigenmann. Aber das tut ja ausser- und innerhalb der EU sowieso keiner. Bloss die armen Tamedia-Leser bezahlen mal wieder dafür, dass sie gequält werden. Muss sich um Masochisten handeln.

First, we take Greenland

Donald Trump wandelt einen alten Leonard-Cohen-Song um.

Bislang gibt es nur offene Münder und ein «das darf doch nicht wahr sein» als Antwort. Dass er will, ist klar. Kann er auch?

«First, we take Manhatten, then we take Berlin». Eine poetische Zeile, die sich als prophetisch erweisen könnte. Denn mal Hand aufs Herz, auf Grönland gibt es die US-Air-Base Thule mit zurzeit vielleicht 130 US-Soldaten. Die Verteidigung der Rieseninsel obliegt dem winzigen Dänemark. Das Land unterhält dafür ein Arktisk Kommando mit 60 Soldaten. Dann dürfen wir die Sirius-Schlittenpatrouille nicht vergessen, die auch als Parkaufsicht figuriert. Die gesamte dänische Armee umfasst genau 16’700 Wehrmänner, dazu kommen noch 12’000 Reservisten und 51’000 Freiwillige der Heimwehr.

Die US-Streitkräfte zählen rund 1,4 Millionen ausgebildete aktive Soldaten, die mit 860’000 Reservisten verstärkt werden können. Was dazu noch an Maschinenpark dazukommt, wollen wir nicht aufzählen. Es reicht wohl die Erwähnung, dass das US-Militärbudget von knapp 900 Milliarden US-Dollar so gross ist wie das der nächsten zehn Militärmächte der Welt zusammen.

Also gegen die Eroberung Grönlands ist der Einsatz militärischer Mittel gegen Panama schon eine Herausforderung, obwohl die USA das letztes Mal 1989 problemlos bewältigt haben. Nun gibt es da aber noch ein kleines Problem. Denn sowohl die USA wie Dänemark sind Mitglieder der NATO. Die könnte, ohne USA, 2,1 Millionen Soldaten mobilisieren. Und ein Angriff auf Grönland wäre nun eindeutig ein sogenannter Bündnisfall. Im Vertrag heisst es in Artikel fünf, dass ein Angriff auf ein NATO-Mitglied eine gemeinsame Reaktion auslöst.

Dieser Bündnisfall wurde das erste Mal in der Geschichte des transatlantischen Pakts nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 ausgerufen. Zuvor gab es noch die Operation Allied Force gegen die Bundesrepublik Jugoslawien im Jahr 1999. Allerdings: was passiert, wenn ein NATO-Mitglied ein anderes angreift, dafür reichte die Fantasie nicht aus.

Obwohl es die leidige Geschichte zwischen Griechenland und der Türkei gibt. Die Hellenen traten 1974 aus der NATO aus, als das NATO-Mitglied einen Teil Zyperns besetzte. Und im Streit um Ägäis-Inseln konnte 1996 nur mit viel Mühe ein Krieg zwischen zwei NATO-Mitgliedern verhindert werden, da Griechenland wieder in den Pakt zurückgerudert war. Damals machten aber vor allem die USA klar, dass sie eine solche Auseinandersetzung nicht dulden würden. Aber hier wären sie selbst Kriegspartei.

Also nehmen wir an, die USA erfinden nach bewährter Manier (Stichwort Zwischenfall von Tongkin, nordvietnamesische Schnellboote sollen US-Kriegsschiffe beschossen haben, Fake News und 1964 der Startschuss für die US-Militärintervention im Vietnamkrieg) einen Vorwand zum Anlass, in Selbstverteidigung militärisch auf einen Angriff der Sirius-Schlittenpatrouille reagieren zu müssen. Vielleicht besteht auch der Verdacht, dass die Schlittenhunde Massenvernichtungswaffen mit sich führen. Schon alleine der Lebertran, meine Güte.

Und dann? Dann erobern die US-Truppen Grönlands Hauptstadt Nuuk und setzen dort eine provisorische Regierung ein, die diese Intervention als Befreiung begrüsst. Und während die EU wie üblich am Eiern ist, finster die Stirn runzelt und von einem inakzeptablen Vorgehen spricht, dazu drohend mit dem Zeigefinger wackelt, ist die Trump-Regierung gerne bereit, das Hilfsersuchen der neuen Regierung zu akzeptieren und Grönland zum Protektorat zu erklären.

Und dann gilt der gute alte Satz: Kommt doch und versucht, Grönland zurückzukriegen. Oder fresst lieber Griessbrei.