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Wumms: Fabienne Sennhauser

Woher die Nähe von Dame und dämlich?

Sennhauser ist «diensthabende Redaktorin im Ressort Zürich. Als solche verantwortet sie regelmässig die Berichterstattung des Ressorts

Auch ihre eigene? Das ist die Frage, denn wie kann man (unseretwegen auch frau) eine solche Nonsens-Meinung verantworten?

Gut, es braucht keinen bestandenen IQ-Test, um bei Tamedia meinen zu dürfen. Und vielleicht traut sich niemand von den wenigen noch vorhandenen Profijournalisten, einer Frau zu sagen: willst du dich ernsthaft zum Gespött machen? Oder willst du das, beim Titel angefangen, nicht nochmal überdenken?

Denn welche Chance verpasst Daniel Jositsch denn angeblich? Die leitet Sennhauser mit dem einzig richtigen Satz in ihrer Meinung ein: «Das Gezanke, das die Sozialdemokraten in den letzten Tagen öffentlich zur Schau stellten, ist schlicht grotesk.»

Um ihn dann gleich anschliessend kaputt zu machen: «Jositsch hätte die Chance gehabt, das Theater – zumindest um seine Person – zu beenden und mit erhobenem Haupt abzutreten.»

Abgesehen davon, dass die SP-Delegierten diese Chance auch gehabt hätten: tritt er denn stattdessen mit gesenktem Haupt ab oder vielmehr an?

Was sollte denn der mit höchstem Stimmenanteil gewählte Schweizer Politiker tun, wenn er auf Sennhauser hören würde, was er glücklicherweise nicht tut?

Wäre er ein Sesselkleber wie der Co-Parteipräsident Cédric Wermuth, hätte er es sicherlich geschafft, mit etwas Biegsamkeit und gesenktem Haupt die 15 Delegiertenstimmen zu holen, die ihm für eine Nominierung durch seine Partei gefehlt haben.

Im Gegensatz zu Wermuth hat Jositsch auch noch einen Beruf und ein Einkommen als Rechtsprofessor, wäre also nicht auf das Politikergehalt angewiesen. Das macht ihn für eine immer sektiererische SP-Delegiertenversammlung unbequem – und letztlich unwählbar.

Zumindest für eine knappe Mehrheit, der eine mächtige Minderheit gegenüberstand.

Ob Sennhauser aus weiblicher Solidarität es unterlässt, die miese Rolle zu erwähnen, die Jacqueline Badran in dieser Intrige spielt? Denn groteskes Gezanke, das ist doch genau deren Part.

Dazu noch aus dem Hinterhalt. Statt vor der Abstimmung verlauten zu lassen, dass sie dann im Fall als Jositsch-Ersatz bereitstünde, aber an der Delegiertenversammlung nicht mal zu erscheinen – wäre es nicht anständiger gewesen, es dort auf ein direktes Duell ankommen zu lassen?

Aber davor hatte die Verbal-Ramme Badran keinen Bock. Wäre auch blöd gewesen, wenn bei dieser Ausgangslage sich eine Mehrheit doch lieber für Jositsch entschieden hätte.

Dafür haben sie nun Badran gekriegt, die noch nicht mal ordentlich nominiert, aber kaum mehr als Kandidatin zu verhindern ist.

«Doch er ist nicht bereit, von der Bühne zu gehen», schimpft Sennhauser über Jositsch. Und wie steht es dann mit der älteren Badran?

Sind herabwürdigende Sprüche wie «Möchtegern-Alphamännchen» oder reine Fake News wirklich das Niveau, das von Sennhauser begrüsst wird? Auf jeden Fall kann man kein Wort darüber in ihrer «Meinung» lesen.

Die mit einem wirren, dunklen Satz endet, der weder mit weiblicher, noch mit männlicher Logik zu entschlüsseln ist: «Im Herbst 2027 wird sich zeigen, wem ihr (der Stimmbürger, Red.) Applaus gebührt und ob sie Profil oder Parteiverankerung höher gewichten

Abgesehen davon, dass Stimmbürger nicht applaudieren: was soll hier gewichtet werden? Wäre dann Jositsch das Profil, während Badran keins hat, dafür eine Parteiverankerung, die Jositsch nicht hatte? Als bestgewählter SP-Ständerat? Himmel, hilf.

Wer hat hier eine Chance verpasst? Eindeutig Sennhauser. Die Chance, sich nicht öffentlich lächerlich zu machen.

20 Minuten Quatsch

Papierlos, warum nicht. Aber auch hirnlos?

Gut, «Watson» spielt in einer noch tieferen Liga. Aber auch «20 Minuten» bemüht sich klickgetrieben, jeden beliebigen Unfug ins Netz zu stellen. Gerne auch vom sogenannten «Leserreporter»:

Wobei, der heisst moderndeutsch nun «News-Scout». Beides Euphemismen für normale Mitmenschen, die mit einer Handykamera und Zugang zum Internet ausgerüstet und in der Lage sind, ein Video aufzunehmen. Das wird dann von der «Praktikantin» Michelle Brazerol online gestellt. In Befolgung ihres Lebensmottos: «Es ist ihr sehr wichtig, die journalistischen Werte von 20 Minuten zu vertreten, wie sie in den publizistischen Leitlinien festgehalten sind: verlässliche und ideologiefreie Berichterstattung in verständlicher Sprache.»

Die Vorlieben des Publikums des Gratisblatts, Pardon, der Gratis-Plattform, sprechen auch für sich:

Das erinnert irgendwie an den Spruch: Fresst Scheisse. Millionen von Fliegen können nicht irren.

Gerne wird auch hier dem Fachmann, sogar der Fachfrau, Raum für Selbstdarstellung eingeräumt:

Hier darf «Stadtpsychologin» Alice Hollensteinist Gründerin von Urban Psychology. Mit Ihrer Tätigkeit möchte sie Menschen einen würdigen Lebensraum ermöglichen, der eine achtsame Interaktion zwischen ihnen und der Umwelt fördert») Werbung für sich selbst und in eigener Sache machen. Gelegenheit dazu bietet ihr Daniel Graf, seines Zeichens «Leiter des Ressorts News, Wirtschaft & Videoreportagen und seit September 2023 Mitglied der Redaktionsleitung». Dafür braucht wohl auch er die extrabreite Visitenkarte.

Allerdings, um gratis Dienstleistung anzubieten (wobei die Frage offen ist, ob das tatsächlich etwas wert ist), braucht es natürlich Inserate. Besonders schmuck ist dieses hier:

Manchmal müsste man auch den Werbekunden beraten und vor sich selbst schützen.

Dann weitere Breaking News von «News-Scouts»:

Es ist allerdings vorläufig ungeklärt, ob Frosch oder Schlange etwas mit dem Stromausfall zu tun haben. Aber «20 Minuten» bleibt sicher dran.

Wenn es etwas gibt, was garantiert Klicks generiert, dann dieses Thema:

Allerdings: wie genau sie das geschafft haben soll, verrät der Artikel nicht. Dafür, dass hier gegenseitige Beschuldigungen aufeinander prallen. Das senkt die Erregungskurve des Lesers ungemein.

Dafür sind viele der Artikel mit einem hohen Nutzwertfaktor versehen:

Erschütternde Verbrechen weltweit geben die eine oder andere Schlagzeile her:

Auch hier darf der Leser mitspielen:

Dann gleich zwei Dramen unterschiedlicher Schwere nebeneinander:

Ein Beitrag zu «Jugendliche werden auch immer blöder»:

Das gilt allerdings auch für Erwachsene:

Als Absackerchen noch die News von gestern, brandheiss serviert:

Das alles ist natürlich nicht (nur) die Schuld der Redaktion. Sie versucht ja nur, die Wünsche ihres Publikums zu befriedigen. Während der kleine Bruder Tamedia sich darum bemüht, seine Leser ständig zu erziehen, zu bevormunden und zu schurigeln, verzichtet «20 Minuten» vollständig auf Meinung und Kommentare. Das ist gut.

Der Inhalt hingegen, au weia. Wenn man bedenkt, dass «20 Minuten» mit «blick.ch» darum wetteifert, welches die meistangeklickte News-Plattform der Schweiz ist …

Horror-Kabinett

Der «Blick» unterbietet sich wieder selbst.

Peter Rothenbühler kann es in der «Weltwoche» nicht fassen: «Im Ringier-Verlag soll ein «Equal Voice Assistant» eingeführt werden, um «die Diversitätsverzerrungen in Echtzeit in Artikeln der Ringier-Medienmarken anzugehen». Schon nur dieser Begriff: «Diversitätsverzerrungen»! Muss man sich auf der Zunge zergehen lassen.»

Wie das gehen soll? So: «Diese KI-Lösung scannt Inhalte während ihrer Erstellung, identifiziert Geschlechterungleichgewichte sowie Stereotype und bietet konkrete Verbesserungsvorschläge.»

Was aber dem «Blick» in Wirklichkeit fehlt, ist menschliche Intelligenz. Denn all die Chiefs, Officers, Leaders und auch Chefs lassen eine Reihe von Nonsens-Meldungen durchgehen, dass der «Blick»-Leser selbst nach dem zuvielten Bier noch den Kopf schüttelt.

Denn das alles will kein Mensch sehen:

Auch Schleichwerbung nicht:

Die ist oben, unten ist richtige Werbung.

Das hier sind hingegen «Deal-Partner», also überhaupt keine Werbung:

Das hier auch nicht:

Dieser Flachsinn hingegen ist hausgemacht:

Dafür lohnt es sich doch, die Bezahlschranke zu überspringen.

Das hingegen ist wieder Werbung.

Das auch.

Das auch. Alles. Das Folgende hingegen ist eine bunte Mischung. Im Uhrzeigersinn von links oben: ein dümmlicher Ratgeber. Eine Nonsens-Meldung. Eine überholte Spekulation. Und eine echte Werbung.

In der Ukraine ist auch nicht wirklich was los. Das merkt man untrüglich daran, dass «Szenarien» feilgeboten werden und Fragezeichen in den Titeln stehen::

Und als Absackerchen der wohl überflüssigste Ratgeber des Tages:

Also im Ernst; wäre es nicht einfacher und billiger, die KI etwas umzuprogrammieren und ihr den Auftrag zu erteilen: schreibe Blödstorys am Laufmeter und knalle jeweils ein Foto dazu. Und streu das zwischen Werbung satt.

 

 

 

Es darf gelacht werden

In diesen traurigen Zeiten hilft nichts so wie ein Blick in den «Blick».

Worte sagen viel, Bilder auch. Zurücklehnen, Knabberzeugs bereitstellen, los geht’s:

Wie kann es einen Wirbel um etwas Vergangenes geben? Ganz einfach, wenn der Konjunktiv-Vermutungsjournalismus ausgepackt wird. Wenn es «habe können … habe nicht … hält er sich bedeckt … kündigt an» regnet, dann weiss der Leser: da wird aus Wolken Regen gemolken.

Aber auch der «Blick» verabschiedet sich immer mehr von der Willkommenskultur und hört sich heute so an wie die SVP, die der gleiche «Blick» noch vor Kurzem harsch kritisierte:

Was geht uns unser dummes Geschwätz von gestern und so …

Nun ein Dreierschlag, der die ganze Bandbreite des «Blick» abdeckt. Spekulation, Service und Sex & Crime (wobei: das darf er doch eigentlich nicht mehr, wo bleibt Heimgartner; wenn sie einmal im Ausland ist …):

Dann ein Bericht aus der Nahkampfzone Wohnen:

Aus der Rubrik: fällt dir gar nichts ein, rücke eine Umfrage rein. Entweder mit Korrelationen von Absurdem («Kurzhaarige haben besseren Sex, aber ein kürzeres Leben») oder mit Banalitäten («Krach mit Nachbar»).

Auch beliebt: aus einer Mücke einen Elefanten machen. Im wortwörtlichen Sinn:

Denn, oh Schreck, oh Graus, die beiden sollen dabei von Mücken gestochen worden sein. Kein Anti-Brumm dabeigehabt? Ein Beitrag zu «Nachrichten, die die Welt noch brauchte».

Jö-Geschichten beim «Blick» waren auch schon mal besser, und vor allem selbstgemacht. Aber heute:

Denn Stiebel Eltron bietet nicht nur «die richtige Wärmepumpen-Lösung», sondern gibt heimatlosen Fischen ein neues Zuhause. So süss. Aber dann werden die gefischt und gebraten, weniger süss.

Nun kommen wir wie immer zum Filetstück der Auswahl, zu «Blick+»:

Man könnte die Titel auch gut durchmischen: «Schweizer Millionen für die Bürgenstock-Konferenz sind verschwendetes Geld», «Putin im Traum: Was bedeutet das?», «Wie Jans Tunesien sabotiert».

Und zum Schluss ein Kaleidoskop von Gaga-Meldungen, die wohl nur den Zweck haben, Leser in die Flucht zu schlagen:

Wählen Sie Ihren Favoriten, dann machen Sie bitte hier mit:

Denn hätten Sie das gewusst? «Blick bietet jedes Jahr über 200 Gewinnspiele* und Preise im Wert von über einer Million Franken.» ZACKBUM wüsste spontan 200 Möglichkeiten, dieses Geld sinnvoller beim «Blick» auszugeben …

 

Slapstick, Fortsetzung

Immerhin ist dieser Artikel neu. Das kann man beim «Blick» nur bedingt sagen.

Früher, ja früher war der «Blick» bei Politikern nicht nur in Bern gefürchtet. Das Hausgespenst von Ringier hatte eine eigene Suite im «Bellevue Palace» neben dem Bundeshaus und soufflierte den ansonsten fabelhaften Adolf Ogi ins Elend, als der die EWR-Abstimmung mit dem Spruch vergeigte, dass das ja nur das Trainingslager für den EU-Beitritt sei.

Tempi passati, wie der Lateiner (also nicht der Chief of oder Head of beim «Blick») sagt:

Diese Strafaufgabe für den Leser hängt seit dem 2. Januar im Ressort «Politik» als Aufmacher zuoberst. Ob es da noch einen einzigen «Blick+»-Leser gibt, der die Chance nicht ergriff, den Text zu lesen? Und was sagen die 99 Prozent der übrigen «Blick»-Konsumenten, die leider draussen bleiben müssen?

Das hier wäre nun eine schöne Leser-Blatt-Bindung:

Aber leider, leider, wie die meisten guten Ideen stammt die nicht vom «Blick», sondern kommt nur so als Eigenleistung daher: «Dies ist ein bezahlter Beitrag, präsentiert von den Jungfraubahnen».

Eine Meldung im höheren Nonsens-Bereich ist diese hier:

Leider fiel den Textern kein weiteres Synonym für Ende ein, also wiederholen sie doch einfach «Schluss». Und eigentlich müsste man «aus» kleinschreiben, aber eben. Diese Auflistung ist ungefähr so sinnvoll wie die Hitparade «diese Nachrichten werden Sie nie mehr sehen», «diese Produkte sind aus», «diese Welle wird kein zweites Mal auf den Strand rollen».

Für die wenigen «Blick»-Leser, die prinzipiell keinen Wetterbericht hören, im alten Boulevardstil die «Kältepeitsche». Und nein, rechts ist kein Foto, wie das dann aussehen wird. Das ist Werbung.

Apropos, das ist nur Werbung.

Das hier ist auch Werbung, allerdings in eigener Sache. Das löst natürlich einen rasenden «muss haben»-Reflex aus, denn wer möchte schon nicht wissen, «was die grösste Genugtuung für Mama Odermatt wegen Marco» sei. Sollen wir’s verraten? Nein, das tut man nicht. Schliesslich enthüllt «Blick» diesen «exklusiven Artikel» für lau; einen ganzen Monat gibt es alles von «Blick+» für «CHF 0.-».

Zugreifen, Leute, heute noch günstiger, nächstens gibt es zwei Testmonate, und der Kunde bekommt noch zwei Franken zurück.

Aber wie auch immer: ZACKBUM ist zutiefst dankbar für diese Unterhaltung in trüben Zeiten. Wir wünschen «Blick», «Blick+», «Sonntagsblick», «blick.ch» mitsamt seiner Schar von Heads, Chiefs und Chefs ein langes Leben. Wissen aber: wenn wünschen helfen würde …

Sommer-Sauglattismus

Was ist die Steigerung von überflüssig?

Et voilà. Wobei:

Mehr Sauglattismus geht nicht. Dreiwöchige Sommerpause, in der es niemandem auffallen wird, dass es das «NZZ am Sonntag Magazin» nicht geben wird.

Christoph Zürcher, der in seiner neuen Rolle als Blattmacher immer noch Zeit findet, Locken auf der Glatze zu drehen, muss natürlich zum Thema «Der Dadaismus des Besitzens» gleich mal David Hume zitieren, damit den Philosophen Lambert Wiesing einleiten. Muss man den kennen? «Bilder können, sie müssen jedoch nicht als Zeichen fungieren» – nein, nicht unbedingt.

Um dann mit «einem leicht Marie-Antoinette-haften Move» zu schliessen. Das war nun Geschwurbel auf Niveau WeWo-Bahnerth, also eines Zürcher eigentlich unwürdig.

Wenn wir schon bei Wiesing sind, auch Christopher Kulendran Thomase muss man nicht kennen, obwohl der irgendwas in der Kunsthalle Zürich ausstellt und ebenfalls dem Sauglattismus frönt: «An welcher Weggabelung im Leben befinden Sie sich gerade? – Müesli oder Granola

Nun kommt der grosse Auftritt von Patrizia Messner, gerade zurück aus Uruguay und Autorin eines Lobliedes über Gülsha Adilji (nein, die muss man auch nicht kennen). Nun hat Messner, was denn sonst, einen neuen Trend entdeckt. Das hat sie ziemlich exklusiv, so wie jeder Trend, den es eigentlich nicht gibt, eine Weltsensation ist.

Der Beweis:

Und der fotografische Beweis: «Vom Bauerndorf zum Digitalhub

Dazu fehlt dann vielleicht doch noch ein Mü, aber immerhin, Elektrizität hat’s. Was für ein Nonsens. Geht’s noch nonsensiger? Aber ja:

Mitte Juli noch Ferientipps geben? Für die Winterferien? Die Herbstferien? Nein. Geht’s noch nonensiger? Aber sicher, es gibt doch das Thema Flugscham, nicht wahr? Kann man aus dem noch was Originelles ausmelken? Man kann’s versuchen – und daran scheitern:

Und wir schreiben mit der Klosettbürste.

Geht’s noch nonsensiger? Der Magazin-Kenner weiss: aber ja, denn es kommt ja noch «Bellevue». «Atelier- und Projekträume im historischen Kasernenareal», wobei auch jeder Nicht-Zürcher weiss, dass das in Zürich liegt, ein Fotoband über «Freiheit, Sexualität und Queerness», ein «Sihl-Stuhl» von «Studio Krach» (banales Holz in «Ubootgeld», schlappe 848 Franken, gepolstert dann 1’242, dafür als Hocker bloss 437), dafür kriegt man schon ganz anständige Ensembles. Und schliesslich ein «Roboterschuh», an dessen Sinn sogar «Bellevue» zweifelt.

Geht’s noch nonsensiger? Nun ja, wenn man eine neue Pizzeria in Zürich so anpreist, dass sie Tomatensauce und Mozzarella «schon mal mit Vanillebéchamel oder Petersilie, Dill und Zitrone auf Ricotta» ersetze. Beliebt sei auch «die Variante mit veganem Lahmacun, der türkischen Spezialität, überzogen mit Mayo» (in der Ei hoffentlich nichts zu suchen hat).

Geht’s noch nonsensiger? Nun, wenn «Hat das Stil» aus drei Fragen besteht, das Magazin aber nicht auf drei zählen kann. Die Frage Nochmal-Zwei lautet zudem: «Wie viel Nacktheit darf im Schlafwagen sein»? Problem: ein offenbar dem Fragenden nicht bekannter Mitreisender habe in Boxershorts genächtigt und erst noch geschnarcht. Ersteres ist aber erlaubt, zweiteres kann man ihm schlecht vorwerfen.

Geht’s noch …? Oh ja, wenn Nicole Althaus in die Tasten greift: «Auf der Bühne war Freddie ein Naturereignis». Zu seinem Glück ist Freddie Mercury schon tot. Denn damit gratuliert Althaus zum 50. des «Debütalbums «Queen»». Denn eigentlich geht es Althaus nicht um den Sänger, sondern um sich selbst. Was sie damals anhatte, wie sie das Konzert im Hallenstadion erlebte, dass sie «als Geigenspielerin sozialisiert» sei. Ach ja, und etwas backfischartige Beschreibung der Musik kommt auch vor.

Allerdings gibt es hier eine gute Nachricht: damit hört das Magazin auf. Für diese Nummer. Für die nächsten drei Wochen. Aber vielleicht nicht für immer. Wobei es schwer vorstellbar ist, dass Eric Gujer einen solchen Quatsch schätzt.

 

 

 

 

 

 

 

Tamedia: Countdown to zero

Oder unter Null. Schwer zu beurteilen.

Diesmal zeigt das Qualitätsmedium aus dem Hause Tx, dass es wirklich keinerlei Hintergrundrecherche mehr macht. Denn nur so ist diese Schlagzeile zu erklären:

Unglaublich, was für eine Frau. In ihrer Selbstdarstellung ist sie tatsächlich schwer schlagbar. Auf Twitter preist sie sich an als «bestselling author, Senior Research Fellow, DPhil, Former Counter Terrorism Adviser». Auf Facebook forscht sie zu «Extremismus und berät dazu u.a. die UN, NATO und die Weltbank».

Auch ihre akademische Karriere ist atemberaubend: die «österreichische Investigativ-Journalistin» so weiss Wikipedia, studierte an der Wirtschaftsuni Wien «Internationales Management». Dadurch nicht ganz ausgelastet, studierte sie parallel an der Uni Wien Philosophie und schloss beides mit Diplomen ab. Ein Gastsemester an einer Business School «bei Paris» lag da auch noch drin. Anschliessend zog es sie an die Uni Peking, wo sie in nur einem Jahr eine Masterarbeit vorlegte. Ohne jedes Anzeichen von Erschöpfung zog sie im gleichen Jahr 2014 dann an die London School of Economics and Political Science, wo sie, wenn schon, denn schon, gleich nochmal eine Masterarbeit ablieferte. Und so weiter.

Diese unglaubliche Karriere wäre mal eine vertiefte Recherche wert …

Fast nebenbei infiltrierte sie dann noch rechtsradikale Gruppen wie auch «radikale Islamisten». Daraus entstand ihr erstes Werk «Rage», auf Deutsch «Wut», dem «Radikalisierungsmaschinen» und neuerdings «Massenradikalisierung» folgten.

ZACKBUM hat «Radikalisierungsmaschinen» – für einmal Anpreisungen folgend – angelesen, und kann sich nur dem «Zeit»-Rezensenten anschliessen: kriminalistisch wenig spannend, unterkomplex, Ursachen und Ideologien interessierten die Autorin wenig bis nicht, ihre moralische Unerbittlichkeit spiele sich in der Liga Böhmermann ab. Oder in einem Wort: flach.

Also eine weibliche Marco Kovic, nur viel erfolgreicher und gern gesehener Gast in grossen Talkshows, was Kovic zu seinem Leidwesen bislang verwehrt blieb. Aber sie ist halt Frau und nicht unattraktiv.

Diese Modeerscheinung interviewt nun Tamedia ehrfürchtig anlässlich ihrer Buchpräsentation in Zürich. Das spart Reisekosten, auch an allem anderen wird natürlich gespart.

Ein René Laglstorfer und und ein einschlägig bekannter David Sarasin dürfen an ihren Lippen hängen. Wo sei sie denn überall ««undercover» eingetaucht», fragen sie die Wallraff-Nachahmerin: «radikale Nazis, IS-Gruppen, Jihad-Brautgruppen bis hin zu frauenfeindlichen Gruppierungen» (und das als Frau!) «und Verschwörungstheoretiker-Community».

Wahnsinn, aber da sie ja bienenfleissig ein Buch nach dem anderen raushaut, wird das nicht langsam ein bisschen schwierig, «verkleiden Sie sich?» Das macht die clevere Untercover-Agentin: «Zum Beispiel habe ich bei einem Telefoninterview einen anderen Akzent gesprochen, um nicht meinen Wiener Dialekt zu verraten.» Gigantisch, was noch? «Einmal habe ich eine Perücke aufgesetzt und Brillen getragen.»

Was wisse sie denn über die «Junge Tat», fragt dann Tamedia die Kennerin aller radikalen Gruppen: «Zunächst sind das nachgewiesene Faschisten», weiss Ebner, «aber sie verschleiern ihre Ideologie hinter einer geschickt angelegten Sprache, die subtiler und anschlussfähiger ist».

Das kapieren nun die beiden Tamedia-Journis zu recht nicht, also «Erklären Sie bitte». – «Diese neueren Gruppen wechselten von einem offenen Rassismus und Antisemitismus hin zu einem Narrativ, des Ethnopluralismus, wonach sich die unterschiedlichen ethnischen Gruppen nicht mehr vermischen sollten. … Ihr Ziel ist es, das Sagbare weiter nach rechts zu verschieben.»

Und so geht das geschlagene 13’535 Buchstaben hindurch. Hier hat erstaunlicherweise Tamedia versäumt, die Dame um ein klitzekleines Beispiel für ihre unbelegten Behauptungen zu bitten.

Also formuliert es ZACKBUM ganz einfach: Das Ziel von Ebner ist es, das Sagbare weiter in Richtung Nonsens, Inhaltsleere und aufgeblasene Schlagwörter zu verschieben. Was ihr beneidenswert gut gelingt.

Früher, ach früher, wäre es aber so gewesen, dass zwei Journalisten sich ein ganzes Interview hindurch nicht einfach als Stichwortgeber prostituiert hätten, sondern vielleicht eine, eine einzige kritische Frage an die Interviewte gerichtet hätten. Aber früher war halt vieles besser.

Womit wir bei Tamedia wirklich schon gefährlich nahe bei der Nulllinie angelangt werden. Es braucht eine zunehmende Unverfrorenheit, für einen solchen journalistischen Flachsinn auch noch ernsthaft Geld zu verlangen.