Qualitätsjournalismus à la Fargahi
Schmiere aus dem Glashaus Tamedia.
Dass die Restredaktion des welkenden Kopfblattsalats der AfD nicht gerade sympathisierend gegenübersteht, ist unbestreitbar. Kritik an der am rechten Rand angebräunten Partei ist statthaft und erlaubt.
Allerdings im Journalismus nur mit professionellen Mitteln, die gewissen Grundstandards von anständigem Verhalten genügen sollten. Die Qualitätskontrolle ist aber inzwischen dermassen bei Tamedia runtergespart worden, dass nicht einmal die publizistische Leiter nach unten Simon Bärtschi alle üblen Artikel verhindern kann, die dort erscheinen.
Ein selbst in diesem jämmerlichen Niveau nach unten herausragendes Stück hat Nina Fargahi abgesondert. Am 23. September veröffentlichte sie als Sidekick zu einem Interview mit Mariam Lau (ehemalige Befürworterin des Irakkriegs, Befürworterin der «Brandmauer») ihre Verschwörungstheorie: «Schweiz-Connection: Die Rechtsaussen-Partei ist auf dem Vormarsch. Ein Milch-Baron, ein Immobilienmogul und ein Werber lassen von hier aus ihren Einfluss spielen.»
Darin fällt sie über den «Milch-Baron» Theo Müller, über den «Immobilienmogul» Henning Conle und über den «Profiwerber» Alexander Segert her. Typisch für ihr Niveau: keiner der Drei bekam offensichtlich Gelegenheit zur Stellungnahme gegen ihre Behauptungen.
Da ist ZACKBUM anders. Wir gaben Fargahi mit genügend Bedenkzeit die Möglichkeit, ein paar Fragen zu beantworten.
Wie wollen Sie das mit Qualitätsjournalismus vereinbaren?
- Ihre Behauptung: «Von einem Tag auf den anderen sassen die Bäuerinnen und Bauern auf Tausenden Litern Milch fest, ohne neuen Abnehmer.» Die Realität: Die Verträge wurden fristgerecht gekündigt und laufen Ende März 2027 aus.
- Sie behaupten «Schon 2024 rollten wütende Milchbauern mit ihren Traktoren vor den Hauptsitz des Konzerns, um gegen die Marktmacht des Milchbarons zu protestieren.» Verwechseln Sie nicht allgemeine Bauernproteste gegen die Agrarpolitik der deutschen Regierung von 2024 und allenfalls einen Protest gegen Müller, allerdings aus dem Jahr 2008?
- Der von Ihnen so betitelte «Steuerflüchtling» Müller sei mit Alice Weidel befreundet. Das mag so sein, ist aber wohl kaum erheblich. Dann schwiemeln Sie: «Ob und gegebenenfalls wie Müller die Partei seiner Vertrauten Alice Weidel finanziell unterstützt, ist unklar. Sowohl Müller als auch die AfD bestreiten finanzielle Zuwendungen.» Wieso ist das «unklar», wenn Sie keinen Beleg fürs Gegenteil anführen können?
- Sie beziehen sich unter anderem auf «Berichte der Rechercheplattform Correctiv». Sie wissen sicher, dass deren Fake-Story über ein angebliches Geheimtreffen mit einem «Masterplan zur Ausweisung deutscher Staatsbürger» in grossen Teilen und in den Kernaussagen gerichtlich als unwahr zurückgewiesen wurde. Halten Sie eine solche Quelle für vertrauenswürdig?
- Sie machen aus einem Verdacht, dass der Millionär Conle über einen Strohmann gespendet habe «Conle hat … gespendet». Dabei wurde gerade gerichtlich festgestellt, dass die Annahme unzulässig war, weil die Identität des eigentlichen Spenders ungeklärt blieb. Also eine falsche Tatsachenbehauptung.
- Sie schreiben wiederholt von einer «in Teilen rechtsextremen Partei»; die AfD sei von «den deutschen Behörden in Teilen als «gesichert rechtsextrem» eingestuft» worden. Sie wissen vielleicht, dass die Gesamtpartei lediglich als «Verdachtsfall» des Bundesamts für Verfassungsschutz gilt. Auf Länderebene bezeichnen in Thüringen und Sachsen-Anhalt die Landesverfassungsschützer die lokalen Ableger der AfD als «gesichert rechtsextremistische Bestrebung». Finden Sie nicht, dass man im Qualitätsjournalismus differenziert berichten sollte?
- Sie schreiben, Segerts Agentur habe im Landeswahlkampf in Baden-Württemberg die Webseite des AfD-Spitzenkandidaten Jörg Meuthen betreut. Sie erwähnen nicht, dass Meuthen bereits 2022 aus der Partei ausgetreten ist, weil das nicht in Ihr Narrativ der «Schweiz Connection» passt. Finden Sie nicht, dass das zumindest unredlich ist?
- Sie behaupten eine «geschätzte 12 Millionen Euro» Wahlkampfhilfe. Worauf beruht diese «Schätzung»?
- Sie schreiben «Politikexperten sehen in der Zürcher Werbeagentur einen wichtigen Faktor für den Durchbruch der AfD.» Finden Sie nicht, dass angebliche anonyme Quellen für eine solch forsche Behauptung etwas dünn sind? Und glauben Sie nicht, dass beispielsweise das Versagen der traditionellen Parteien und viele ungelöste Probleme in Deutschland wichtigere Faktoren sind?
- Angesichts dieser Menge von Falschbehauptungen, Unsauberkeiten, demagogischen Narrativen und unbewiesenen Unterstellungen, würden Sie diesen Artikel nicht für unvereinbar mit Qualitätskriterien eines professionell ausgeübten journalistischen Handwerks bezeichnen?
- Was hielten Sie davon, wenn ein Artikel über Sie erschiene, in dem aus Ihren iranischen Wurzeln, Ihrer Tätigkeit für Edito und Ihren Stellenwechseln eine Schmiere mit Vermutungen, unbewiesenen Behauptungen und Andeutungen gebastelt würde?
Ihre wurstige Antwort, die sicher nicht mit KI verfasst wurde:
„Für Ihre Fragen verweise ich Sie gerne auf öffentlich zugängliche Quellen.“
Wenn sie selbst die bloss konsultiert hätte …






