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Tamedianer, fürchtet euch

Denn Jessica Peppel-Schulz (oder ihr plappernder Avatar) hat ein Interview gegeben.

Eigentlich braucht es Mitgefühl. Wie soll das ein aufrechter Journalist, von denen gibt es noch ein paar wenige, nur aushalten? Die publizistische Leiter nach unten Simon Bärtschi übt sich als Terminator. Laut «Schweizer Journalist» feuert er mal so die bewährte Produktionschefin Viviane Joyce mit der Begründung, es brauche frischen Wind.

Den sollte ihr Stellvertreter, zufällig ein guter Freund von Bärtschi, dann bringen. Der kündigt stattdessen selbst. So geht gutes Management. Zudem scheint Bärtschi immer wieder darauf hinzuweisen, dass der Kündigungsstopp dann im September auslaufe. Auch das nächste Rausschmeissen wird der völlig schmerzfreie Mann mit dem verkniffenen Blick sicher als Qualitätssteigerung anpreisen.

Als wäre das nicht schwer genug zu ertragen, gibt seine Chefin Jessica Peppel-Schulz (die mit der grossen Leitungserfahrung als CEO) persoenlich.com ein Interview. Ihr, die ihr das lest, lasst alle Hoffnung fahren, wenn ihr für Tamedia arbeitet. Noch.

Erste nahtliegende Frage an die Quotenfrau: wenn die Gewinnmarge 2025 bei schlappen 3 Prozent lag, wie soll dann das Ziel von 8 bis 10 Prozent für 2026 erreicht werden? Denn wenn nicht, wird Pietro Supino sehr sauer.

Margenfreie Antwort: «Das Ziel ist ambitioniert, ich weiss – es ist aber bewusst so gesetzt, um uns zu zwingen, alte Strukturen loszulassen, auch wenn das schmerzhaft sein kann.»

Alte Strukturen loslassen, grandioser Schönsprech für: weil meine Strategie bislang nicht geklappt hat, muss halt noch mehr weggespitzt werden.

Oder gäbe es andere Möglichkeiten?

«Unsere Hebel sind klar: Erstens unsere qualitativen Inhalte, zweitens wollen wir mutige und moderne Produkte entwickeln, und drittens legen wir den Fokus auf sehr gute Beziehungen zu unseren Abonnenten. Wenn wir diese drei Hebel konsequent umsetzen, ist das Ziel erreichbar – aber nur mit grossem Engagement und klarem Fokus.»

Klare Hebel, alles klar? Nur: wo sind denn die qualitativen Inhalte, wenn selbst die «Weltwoche» online den Tagi bei den Single Visitors abtrocknet? Und wo sind denn die mutigen Produkte? Schliesslich: ist Leserverarsche mit Gaga-Interviews, Bauchnabelbetrachtungen und realitätsfernem linksgrünem Gedöns Ausdruck von guten Beziehungen?

Aber Nick Lüthi führt halt auch gerne Wohlfühlinterviews und verzichtet auf kritische Nachfragen. Also kommt noch jede Menge Gedöns hinterher:

«Diese Fokussierung auf unsere Kernmarken bedeutet nicht, dass unsere weiteren Titel weniger wichtig wären – im Gegenteil.» Kicher. «Unsere Strategie ist es, diese Stärken gezielt weiter auszubauen.» Gröl. «Wir befinden uns in einer Phase der Transformation», schenkelklopf.

Noch ein Heuler: «Unser Fokus liegt dabei klar darauf, unsere publizistische Leistungsfähigkeit zu sichern und gleichzeitig effizienter zu werden.» Und dann Breaking News: «Dieses Geschäftsmodell verschiebt sich gerade fundamental – weg von Print, hin zu Digital.» Wer das ohne rot zu werden noch im März 2026 sagt, dem ist eigentlich nicht mehr zu helfen.

Und bevor der ZACKBUM-Leser abklopft und um Gnade winselt, nur noch einen Abschiedsschwurbel zum Schönsaufen: «Alles, was uns publizistisch unterscheidet – also Recherche, Einordnung, lokale Nähe, starke Persönlichkeiten – das stärken wir gezielt.»

Denn völlig verfehlt wäre die Strategie, das gezielt zu schwächen. Durch demotivierendes ständiges Rausschmeissen zum Beispiel.

Nein, der hier muss noch sein, auch wenn’s weh tut: «Mein Ziel ist es – und das sage ich jetzt auch als Mutter von drei Kindern –, dass wir als Tamedia eine führende Rolle in dieser grossen Transformation einnehmen können.»

ZACKBUMs Ziel wäre, dass sich diese Mutter mehr um ihre drei Kinder und weniger um Tamedia kümmern würde. Das wäre eine Wohltat für alle.

So, dann hoch die Flaschen, anders ist das Leben im Glashaus an der Werdstrasse nicht mehr zu ertragen.

Scheiss drauf

Ohne Rückgrat schreibt und lebt es sich bei Tamedia einfacher.

Wenn Oberboss Pietro Supino seine Meinung äussern will, dann tut er das. Trennung von Verlag und Redaktion? Scheiss drauf. So weibelte er für die Ablehnung des Referendums, das den Verlegerclans die schon sicher geglaubte Steuersubventionsmilliarde vor der Nase wegzog.

Trennung von Verlag und Redaktion? Aber doch nicht, wenn Supino 17’000 A verwendet, um zu erklären, dass die SRG auch mit 200 Franken ihre Aufgaben erfüllen könne. Hingegen sei der «Ausbau der indirekten Presseförderung von existenzieller Bedeutung für die Zukunft der gedruckten Zeitung».

Nachtigall, ick hör dir trapsen, sagt da der Berliner; welche Uneigennützigkeit. So hat Tamedia auch als einziger Grossverlag das Abkommen des Schweizer Verlegerverbands mit der SRG nicht unterzeichnet. Ein Schmierentück; klare Ablehnung der Initiative gegen minimale Zugeständnisse der SRG. Wobei natürlich die angeschlossenen Redaktionen völlig frei in ihrer Meinungsbildung sind.

Es darf gelacht werden.

Tamedia hingegen hat klare Prozesse, wie es mit einer Positionierung bei politischen Abstimmungen abzulaufen hat. Dem ist Nick Lüthi auf persoenlich.com nachgegangen. Denn nicht nur ihm fiel auf, dass der Tagi zur SRG-Initiative ein «Pro & Kontra» veröffentlichte. Das passiert normalerweise, wenn in der Redaktionen geteilte Meinung herrscht.

Laut Lüthi ergab aber die interne Abstimmung, dass die Redaktion in diesem «demokratischen Verfahren» mit 20 zu 2 Stimmen gegen die Initiative ist. Was ja bei der Linkslastigkeit keine Überraschung ist.

Die besteht aus etwas ganz anderem, wie Lüthi schreibt: «Das wäre ein klarer Fall für einen Nein-Kommentar gewesen. Doch Chefredaktorin Raphaela Birrer ergriff daraufhin das Veto und übersteuerte kraft ihres Amtes das übliche Vorgehen.»

Scheiss drauf, oder vornehmer formuliert: Birrer wolle «der speziellen Rolle als Branchenmitbewerberin gerecht werden». Was immer dieses Geschwurbel bedeuten mag. Birrer selbst verfasste übrigens den Kontra-Initiative-Kommentar, Kollege Andreas Kunz durfte sich dafür ins Zeug legen.

Damit aber nicht genug. In ihrem Beritt darf Birrer das. Und die Reaktion kuscht natürlich, Arbeitsplatzsicherung statt Haltung. Der erhobene Zeigefinger der moralischen Forderungen wackelt nur gegen aussen.

Aber erstaunlicherweise entschied sich auch die «Basler Zeitung», die «Berner Zeitung» und der «Bund», dieses Pro & Kontra zu bringen. Eben nach der Devise: scheiss drauf, wenn auch deren Redaktionen das anders sehen.

Das taten die Blätter selbstverständlich völlig freiwillig und in der Wahrnehmung ihrer speziellen Rolle oder so. Lüthi behauptet aber: «Angestellte der Berner Redaktion berichten gegenüber persoenlich.com von Druck des publizistischen Leiters. Simon Bärtschi habe gefordert, nicht nur einen Nein-Kommentar zur Halbierungsinitiative zu publizieren, sondern auch eine befürwortende Stimme. Bärtschi verfügt anders als Raphaela Birrer über Weisungsbefugnisse gegenüber den regionalen Tamedia-Redaktionen

Das war dann sicherlich ein weiterer Beitrag zur Qualitätssicherung dieser publizistischen Leiter nach unten.

Trifft das alles zu, dann sieht es mit der demokratischen Mitbestimmung bei Tamedia so aus: die Redaktion darf gerne demokratisch abstimmen. Das Resultat wird selbstverständlich respektiert. Wenn es mit der Meinung des Big Boss Supino übereinstimmt. Sonst gilt: scheiss drauf.

Während aber Tamedia-Redaktoren (und Redaktorinnen und everybody beyond) nicht müde werden, allen und jedem von überlegen rechthaberischer Warte aus die Einhaltung von Benimm- und anderer Regeln einzufordern und unablässig der ganzen Welt Zensuren zu erteilen, notfalls Besserung zu verlangen und sich über Fehlverhalten zu echauffieren, herrscht hier ängstliches Schweigen.

Einzig sichtbarer Protest war das Ansteigen des Alkoholkonsums in der Helvti und anderen Lokalen rund ums Glashaus an der Werdstrasse. Sowie in den einschlägigen Beizen in Basel und Bern.

Tamedia antwortete auf einige präzise Fragen von ZACKBUM mit einem allgemeinen Statement:

«Publizistische Leitung und Chefredaktoren tauschen sich regelmässig zu inhaltlichen Themen aus. Insbesondere im Vorfeld solch relevanter Abstimmungen mit derlei Tragweite für die ganze Medienbranche. 
Die Tamedia-Titel stehen für eine ausgewogene Berichterstattung mithilfe derer sich unsere Leserschaft ihre eigene Meinung bilden kann.
Der Tages-Anzeiger ist mit den überregionalen Themen unsere Mantelredaktion für die anderen Deutschschweizer Titel. Den Titeln steht es frei, diese Inhalte zu übernehmen oder nicht. Im Zusammenhang mit der Halbierungsinitiative hat sich die publizistische Leitung für die Übernahme des Formats «Pro & Kontra» ausgesprochen. Verleger und VRP-Präsident Pietro Supino war in dieser Diskussion nicht mit involviert.»

 

SRG-Vereinbarung: gekauftes Nein

Die ganze Vereinbarung enthüllt Bedenkliches.

Nick Lüthi von persoenlich.com ist es gelungen, sich Einblick in die bislang unveröffentlichte, vollständige Fassung der Vereinbarung zwischen SRG und Verlegerverband (VSM) zu verschaffen.

Es stellt sich heraus, dass der VSM sich sein Nein zur 200-Franken-Initiative der Zwangsgebühren sehr teuer abkaufen liess. Abgesehen davon, dass Tx als gewichtigstes Mitglied ausscherte und für diese Beschränkung ist.

Zunächst ist die SRG bereit, dem VSM beizutreten. Eigentlich absurd, würde aber 180’000 Franken Mitgliederbeitrag pro Jahr in die Kasse spülen.

Um den bislang nicht sehr erfolgreichen Versuch, ein gemeinsames Log-in für alle Schweizer Medien zu installieren, zu promoten, stellt die SRG «der Login-Allianz für die Bewerbung des Logins einmalig ein unentgeltliches TV-Werbekontingent in der Höhe von CHF 500’000 zur Verfügung». Also Gebührengelder für etwas, von dem vor allem die privaten Medienhäuser profitieren würden.

Auch nicht schlecht, so Lüthi:

«Wie Mitte Mai kommuniziert, wird die SRG «den Grossteil ihrer Online-Marketingmittel bei privaten Schweizer Medienhäusern» investieren. Im Text der «Grundsatzvereinbarung» ist dieser Anteil mit 60 Prozent beziffert. Was bisher nicht bekannt war: Auch von den übrigen 40 Prozent profitieren die Verlage. Diesen Anteil der Marketingausgaben für das Online-Angebot, respektive für Social-Media-Angebote, verpflichtet sich die SRG über die Vermarkter der Verlage zu buchen, also via Goldbach, Audienzz oder Admeira.»

Zudem soll die SRG den Privaten Inhalte liefern, die die dann kostenpflichtig auf ihren Plattformen anbieten dürfen. Dann wird halbe halbe gemacht.

Also gebührenfinanzierter Content wird nochmals verwendet und abkassiert.

Schliesslich verpflichtet sich die SRG, wieder Online-Nutzungszahlen auszuweisen. Damit die Verleger meckern können, wenn sich die SRG trotz neuer Einschränkungen (Artikellänge max. 2400 Zeichen online) zu gut entwickelt.

Da hat der VSM-Präsident Andrea Masüger entgegen der ersten Annahme von ZACKBUM doch einiges rausgeholt und sich das Nein recht teuer abkaufen lassen.

Das bedeutet zum einen, dass die SRG echt Schiss vor dieser Initiative hat. Ihre klägliche Veranstaltung beim grossen Bergsturz und andere Flops tragen auch nicht dazu bei, das Portemonnaie des Stimmbürgers zu öffnen, wenn er dann mal nächstes Jahr über diese Initiative abstimmt.

Wie die SRG den Eiertanz absolvieren will, in ihren Sendungen ausgewogen darüber zu berichten, das wird lustig.

Fatal ist es allerdings für die Redaktionen im VSM. Der VSM sagt nein, einzelne Verlage sagen ja. Ist das karrierefördernd, wenn im Neinsager-Club ein Redaktor auf die kühne Idee käme, etwas Gutes an dieser Initiative zu entdecken? Oder bei den Jasagern mutig für eine Ablehnung einzutreten?

Schon der Big Boss von Tx hat auf die angeblich strikte Trennung von Verlag und Redaktion gepfiffen. Einen Tag vor dieser Vereinbarung veröffentlichte Pietro Supino auf Tamedia einen ellenlangen Artikel, dass er für die Initiative sei. Aber dennoch natürlich die 1,4 Milliarden Subventionen, die neu geplant sind, abgreifen möchte.

Er hatte das schon beim ersten Anlauf getan, als die schon sicher geglaubte Steuergeldmilliarde durch ein Referendum in Gefahr geriet. Nicht zuletzt durch die Zusammenlegung der Handelsplattformen von Ringier und Tx und die dadurch entstehende Sonderdividende half er dann mit, dem Referendum den Sieg zu schenken; die Milliarde war weg. Trotz Supinos Brandrede gegen das Referendum in seinen Zeitungen.

Glaubwürdigkeit, Unabhängigkeit, Vertrauen. Der ewige Dreiklang, wieso das Publikum weiterhin für den Elendsjournalismus in den privaten Massenmedien zahlen soll.

Nur wer dieses Publikum für einfältig hält, hofft darauf, dass die Entscheidung des VSM, deutlich nein zur Initiative zu sagen, das nicht beschädigt.

Wenn ein sonstiger Branchenverband etwas zu einer Initiative meint, dann macht er eine Medienmitteilung. Und damit hat sich’s. Hier aber geht es um die tägliche Berichterstattung in Massenmedien, die zusammen rund 4 Millionen Leser täglich beschallen.

Es gibt noch keine aktuellen Meinungsumfragen dazu, aber es ist davon auszugehen, dass ein bedeutender Prozentsatz der Stimmbürger für diese Initiative ist. Wenn die dann ihr Leibblatt lesen müssen, das sie harsch ablehnt, was passiert wohl dann? Oder umgekehrt, ein grosser Anteil der Konsumenten eines Mediums ist dagegen, das trommelt aber für eine Annahme.

Also muss man zu Masüger sagen: finanziell gewonnen, aber durch hohe Reputationskosten dennoch verloren.

Braucht Bärtschi Polizeischutz?

Oder ist er einfach dümmer als die Polizei erlaubt?

Die Augen zu Schlitzen verengt, Dreitagebart, schwarze Intellellenbrille, offener Hemdkragen, blaues Jacket, energisch zusammengekniffener Mund. So sieht sich Simon Bärtschi sicherlich selbst. Ein Macher halt, ein Manager, ein Führer mit Vision. Er sei «der Architekt der neuen Tamedia-Strategie», sülzt persoenlich.com, wo Nick Lüthi, früher mal medienkritischer Journalist, mit Bärtschi ein Gefälligkeitsinterview führt.

Obwohl es kaum kritische Nachfragen gibt, ist das Interview dennoch entlarvend. Denn Bärtschi führt sich als blutleerer, ideenloser Bürokrat der Macht vor, der mit wie Kieselsteine rundgeschliffenen Worthülsen um sich wirft. Und bei jedem, der ihm untertan ist, blankes Entsetzen auslöst: von dem ist meine berufliche Zukunft abhängig? Au weia.

Wenn man sein Geschwurbel etwas verdichtet, kommt ein solider Brocken Grau heraus, grau wie aschgrau.

«setzen künftig auf mehr publizistische Kraft … zielgerichteter für die digitalen Kanäle … nahtlose Abläufe auf der Redaktion … kann diesen Verlust nachvollziehen … Teil der neuen Strategie … sehe Potenzial … auf rund 55 Vollzeitstellen reduzieren können … ist und bleibt auch weiterhin eine ganz wichtige Aufgabe … für die Herausforderungen der Zukunft gut aufzustellen … die weniger zur Verfügung stehenden Ressourcen zielgerichteter … geplanten Personalmassnahmen in den Redaktionen sollten in einem gesunden Verhältnis zur Wirtschaftlichkeit … gute Geschichten sollen dort ausgespielt werden, wo sie ihr Publikum finden … jede Sparrunde ist schmerzhaft … haben uns intensiv mit einem zukunftsfähigen Zielbild für unseren Journalismus auseinandergesetzt … den Blick auch wieder nach vorne … schmerzhafter Prozess … macht niemandem Freude, diesen Weg gehen zu müssen … glauben an den Qualitätsjournalismus … kann nicht darum gehen, mit weniger mehr zu machen … mir als langjähriger Journalist … versuche transparent und direkt mit den Leuten zu sprechen … radikal und von Grund auf neu aufstellen … es wird nie langweilig

ZACKBUM würde verstehen, wenn Leser das als menschenrechtswidrige Folter empfänden und Klage führten. Aber wir mussten da schliesslich auch durch, und das Duschen danach dauerte besonders lang.

Nun versetzen wir uns kurz in einen Mitarbeiter von Tamedia, der seit mehr als drei Wochen nicht weiss, ob er aufs RAV muss oder nicht. Der überlegt sich einerseits, dass ein Rausschmiss eine Erlösung wäre. Dann muss er sich diesen Stuss nicht länger anhören und muss auch kein freundliches Gesicht machen, wenn Bärtschi an ihm vorbeihuscht. Auf der anderen Seite ist es menschlich verständlich, wenn der eine oder andere geschundene Newsroom-Knecht sich inbrünstig sagen muss: Gewalt ist auch keine Lösung.

Man kann Massenentlassungen, das Eingeständnis, dass auch die x-te Strategie gescheitert ist und durch die nächste zum Scheitern verurteilte ersetzt wird, auch einigermassen sozialverträglich rüberbringen. Man kann Empathie zumindest heucheln. Geschäftsleitung, Chefredaktion könnten wenigstens Mitgefühl versprühen, statt mit versteinerten Gesichtern jedem Dialog auszuweichen. Aber wer nach dem sensibel öffentlich verkündeten Todesurteil für den Züritipp, der noch kurz zuvor als überlebensfähig angepriesen wurde, lediglich sagt «kann diesen Verlust nachvollziehen», der ist ein eiskalter Zyniker.

Und ein Usurpator hinzu. Denn eigentlich soll doch diese Abwrack-Strategie auf dem Misthaufen von Jessica Peppel-Schulz gewachsen sein. Aber jetzt reklamiert Bärtschi die Vaterschaft für diese Missgeburt. Wieso nimmt sich Tamedia, TX, nicht ein Beispiel an Meyer Burger? Die bauen nicht nur Stellen ab, sondern wechseln auch die Führung aus.

Aber weil bei TX der Fisch definitiv vom Kopf her stinkt, wird das nicht passieren. Denn der Bigboss kann nur einigermassen das Gesicht wahren, wenn seine direkten Untergebenen noch grössere Versager sind. Bei Bärtschi weiss man allerdings nicht, ob er sich auch schon nach Polizeischutz erkundigt hat.

Verwirrtes und Verirrtes von SRF

Der Gebührensender eiert deutlich. Ob ihm das bei der kommenden Abstimmung hilft?

Zunächst das geplante Aus für UKW-Übertragungen. Dann sammelte Roger Schawinski, nur unterstützt von seinem eigenen Sender «Radio 1», mehr als 60’000 Unterschriften für eine Protest-Petition, die sogar die damals für den Entscheid verantwortliche Alt-Bundesrätin Doris Leuthold unterschrieb. Abschaltung abgeblasen.

Jetzt neuer Versuch – doch wieder demnächst abschalten. Schawinski führt die SRG in der NZZ regelrecht vor. Wozu er zu höflich ist: was für eine Amateurtruppe ist da am Werk.

Dann die «Rundschau». Offensichtlich thesengetriebener Gesinnungsjournalismus, dazu noch schlecht gemacht. Offenheit und Fähigkeit zur Selbstkritik? Null. Selbst die Frage, wie viele Mitarbeiter denn die Ergebenheitsadresse an ihren Chef unterzeichnet hätten, wird mit dem absurden Argument «Persönlichkeitsschutz» abgebürstet.

Dann die Höllentemperaturen des erhitzten Wetterfroschs Thomas Bucheli. Zum zweiten Mal wird er in der «Weltwoche» abgewatscht, inzwischen hat er sogar seinen alten Rekord überboten, neu ein Maximum von 11 Grad Abweichung. Natürlich immer nach oben. Statt ein wenig in sich zugehen, arrogante Überheblichkeit. Das sei halt so, Städte seien an verschiedenen Orten verschieden heiss. Während man unten am Strand in der Sonne brutzelt, könnte es wohl in höheren Stadtquartieren schneien. Absurd.

Diesem Geeier setzt SRF nun noch einen weiteren Eiertütsch obendrauf. Eine Nachricht für alle Fans des Runden und Eckigen. Die letzten Spiele, also Halbfinals und das Finale, zeige SRF nun neu auf dem ersten Kanal. Nicht wie üblich auf dem zweiten.

Wie inzwischen fast üblich brachte Francesco Benini diese News auf CH Media unter die Leute. In einem unsportlichen Entscheid hätte die SRF-Direktion diesen Kanalwechsel beschlossen. Wie üblich weiss eigentlich keiner so recht, warum.

Sportsendungen finden traditionell auf SRF 2 statt. Übertragungen von Fussballspielen erzielen ebenfalls regelmässig Quotenrekorde. Während auf SRF 1 das normale Programmschema weitergezogen wird. Denn der TV-Zuschauer, der noch analog glotzt, ist nicht nur eher alt, sondern auch ein Gewohnheitsmensch.

Nun sind die Flaggschiffe von SRF immer noch die beiden Nachrichtensendungen «Tagesschau» und «10 vor 10». Die sind allerdings auch in der Herstellung nicht ganz billig. Könnte nun der wirkliche Grund dieses Wechsels im Einsparen von «mehreren Nachrichtensendungen» liegen, wie Nick Lüthi auf «persoenlich.com» vermutet? Immerhin gibt es nächste Woche zweimal «10 vor 10» weniger. «Kurzarbeit wegen der EM: «10-vor-10»-Moderatorin Wasiliki Goutziomitros», schnödete schon CH Media.

Den  mit mehr (Werbe)-Einnahmen ist durch diesen Wechsel nicht zu rechnen. Auch die Behauptung gegenüber Lüthi, das sorge für «mehr Sichtbarkeit», schliesslich sei SRF 1 «im Schnitt der reichweitenstärkste Sender», kann auch nicht überzeugen. Im Schnitt ja, aber: «Von den zehn SRF-Sendungen mit dem grössten Publikum seit 2013 liefen neun auf SRF zwei, alles Fussballspiele der Schweizer Nationalmannschaft an Welt- und Europameisterschaften. Auch an der Weltmeisterschaft 2022 in Katar zeigte SRF alle Spiele auf dem zweiten Kanal», zerreisst Lüthi dieses Argument in der Luft.

Also bleibt nur die dunkle Vermutung, dass es sich um ein weiteres Vortäuschen von bitteren Sparmassnahmen handeln könnte. So nach der Devise: wartet nur, wenn die 200-Franken-Initiative durchkommt, dann fallen ständig wichtige Sendungen aus, und wer weiss, vielleicht senden wir dann wieder in Schwarzweiss.

Auf jeden Fall sind das alles Vorfälle, bei denen sich die Initianten der Sparinitiative nur die Hände reiben können. Die dürften, schlimm für einen Rechten, davon schon ganz rot sein.

Journalismus von Fall zu Fall

Tamedia widmet sich dem Ausloten von Tiefen.

Alles auf einmal. Da porträtiert Jacqueline Büchi den fehlgestarteten CEO von CH Media. «Transparenzhinweis: Die Autorin hat von 2017 bis 2018 bei «Watson» gearbeitet, das heute zu CH Media gehört.» Was heisst da heute? Das Millionengrab ist einer der vielen Beweise, dass der Wannerclan völlig beratungsresistent ist, wenn es um die Korrektur eigener Fehler geht.

Wieso aber Tamedia ein üppig bebildertes, liebedienerisches Porträt zur Machtübernahme der nächsten Generation schreiben muss? «… blickt er erstaunlich frisch hinter der silbern gerahmten Brille hervor … Das Geschäft ist deutlich härter geworden … Aber die Strategie, im Bereich der elektronischen Medien ein zweites Standbein aufzubauen, war richtig.»

Der «Medienjournalist» Nick Lüthi darf auch noch seinen Senf dazu geben. Eine berufene Quelle, denn Lüthi hat schon vor einer Weile seine «Medienwoche» gekillt, wegen anhaltender Erfolglosigkeit. Es gäbe da noch einen aktiven «Medienjournalisten», aber den mag Büchi wohl nicht besonders, weil sich ZACKBUM schon einige Male kritisch zum kreischigen Schaffen der Dame äusserte.

Hier aber kommt sie auf Samtpfoten daher; der Abgang von Axel Wüstmann, der krachend gescheiterte Expansionskurs, das Fehlen einer zukunftsträchtigen Strategie – kein Thema. Ist halt blöd, wenn Tamedia (83 abgebaute Stellen) über CH Media (140) schreibt. Der Blinde über den Lahmen.

Passend zum Lobhudel über das neue Savoy-Hotel in Zürich (schlappe 1200 Franken pro Nacht, beliebig nach oben steigerbar) kommt nun «Restaurant Widder: Sterneküche in 90 Minuten». Wundersam, was passiert, wenn Claudia Schmid auf Spesen essen darf. Da wird ein hübsches Dreigang-Menü am Mittag im Luxusrestaurant Widder («es lohnt sich, für nächstes Jahr schon jetzt zu reservieren») sprachlich etwas holprig in den Himmel gelobt: «Mit Perigord-Trüffel und wildem Broccoli verbinden sich die Säure des Yuzu und die erdig-nussigen Akzente der Trüffel zu einer unerwarteten Vollkommenheit.»

Diese unerwartete Vollkommenheit kostet läppische 160 Franken. Ein Schnäppchen, denn am Abend schlägt das 5-Gang-Menü («ohne Getränke» notabene) mit 295 Franken auf den Magen. Man gönnt sich ja sonst nix, und besser als in der Tagi-Kantine ist’s alleweil (ausser, man darf mit Big Boss Pietro Supino auf der Empore tafeln und auf die Plebs hinunterschauen).

Den absoluten Nullpunkt erreicht Tamedia aber mit dem Interview mit Michael Krogerus. Das läuft schon mal unter der Rubrik «Journalisten interviewen Journalisten», wobei hier noch erschwerend dazukommt, dass Krogerus Redaktor beim «Magazin» ist. Der darf hier – einfühlsam bis schleimig befragt von Sarah Rickli – ungehemmt und ungeniert Werbung für sein neues Buch machen. Das kostet für schlappe 132 Seiten lüpfige 32 Franken – und beinhaltet nicht mehr als einen Rehash von längst veröffentlichten Kolumnen. Also genau das, was der Mensch unter dem Weihnachtsbaum braucht, will er sich kräftig ärgern.

Der Inhalt des Interviews ist völlig nichtssägend. Wichtiger ist jedoch, worüber nichts gesagt wird. Die Mutter seiner Kinder kommt – obwohl sich Krogerius als Feminist bezeichnet – nicht mal in einem Nebensatz vor. Seine Lebensgefährtin, die Krampffeministin Katharina Schutzbach, auch nicht. Die Tatsache, dass der Mann, dem Frauenrechte so wichtig sind, bis heute feige schweigt, was die Anschuldigungen von Anuschka Roshani betrifft, deren Ohren- und Augenzeuge er war, ebenfalls nicht.

Die Indizien mehren sich, dass bei Tamedia ungehemmt eine allgemeine Verluderung der Sitten stattfindet. Die einzige Chance, den Niedergang der Einnahmen aufzuhalten, bestünde darin, hier einen radikalen Kurswechsel vorzunehmen. Kein «Journalisten schreiben über Journalisten»-Gelaber mehr. Keine Gefälligkeitsinterviews zwecks Promoten eines Buchs eines Kollegen mehr. Keine absurden Hotel-, Auto- und Esstipps mehr. Weder von Luxusrestaurants, noch in Form von bescheuerten Ratgebern, wie das Weihnachtsmahl gelänge.

Weniger Bauchnabel, mehr Weltsicht, und zwar nicht nur aus München. Geistige Nahrung und Anregung, statt Plattitüden und Geholpertem. Nur: wie sollte das mit diesem Personal gelingen?

Go down with a smile

Zum Ende der «Medienwoche».

Es ist bezeichnend für den Zustand der Medienkritik in der Schweiz, dass nach 12 Jahren die «Medienwoche» eingestellt wird.

Es ist bezeichnend für den Zustand der «Medienwoche», dass gegen den Schluss nur noch zweitklassige und drittrangige Autoren dort publizierten. Wo ein Marko Kovic zu den ständigen Artikelschreibern gehört, ist es mit der Qualität nicht weit her.

Nun hat die Redaktion die letzte Folge ihrer Serie «The Good, The Bad and The Ugly» veröffentlicht. Eine Anspielung auf den grossartigen Western von Sergio Leone. Daher antwortet ZACKBUM mit einem Zitat von Joker aus «Batman».

Nick Lüthi war der Mastermind hinter der «Medienwoche», einer der wenigen verbleibenden Medienjournalisten der Schweiz. Immerhin hat die «Medienwoche» das Ableben der regelmässigen Medienseite (samt Entlassung des zuständigen Redaktors) bei der NZZ überlebt. Und den Niedergang des einstmals rührigen Magazins «Schweizer Journalist». Vom kläglichen «Edito» soll hier gar nicht die Rede sein.

Ausgerechnet in einer kriselnden Branche, die Plattformen für regen Meinungsaustausch, Reflexion, Analyse und Kritik bräuchte, gibt es nur noch wenig Gelegenheitsschreiber über Medien und – ohne Überheblichkeit sei’s konstatiert – ZACKBUM als Instanz und Medienkontrolle.

Immerhin, denn ZACKBUM entstand nicht zuletzt als Reaktion auf den sich abzeichnenden Niedergang der anderen Medienorgane.

Etwas merkwürdig mutet die Begründung der Einstellung an; weiterwursteln sei keine Option gewesen: «Kommt dazu, dass die Finanzierung in der bisherigen Form sowieso nur noch drei bis fünf Jahre gesichert gewesen wäre. So spontan wie die MEDIENWOCHE vor zwölf Jahren aufgetaucht war, so überraschend verschwindet sie nun auch.»

ZACKBUM wäre begeistert, wenn seine Finanzierung für die nächsten bis zu fünf Jahre gesichert wäre. Offenbar macht es am Schluss den Unterschied aus, ob man mit Herzblut oder als Lohnschreiber zur Sache geht.

Keine Medien, keine Kritik

Die «Medienwoche» gibt auf.

Medienkritik ist nötiger denn je. Unabhängige Medienkritik ist nur ausserhalb der Eingeweide der grossen Platzhirsche möglich. Wer bei Tamedia im Brot steht, ist im Verdacht des Konzernjournalismus, wenn er CH Media kritisiert. Nur indolente Lohnschreiber wie Philipp Loser bellen im Auftrag ihres Herrn Konkurrenzprodukte an.

Die NZZ trennte sich zuerst von ihrem langjährigen Medienbeobachter, dann stellte sie die Medienseite ein. Ringier kennt das gar nicht, bei CH Media und Tamedia kommt es auch nur alle Schaltjahre mal vor.

Dann gibt’s noch (dem Vernehmen nach, wir haben aufs Gratis-Abo verzichtet) den «Schweizer Journalist» (oder wie immer der sich inzwischen schreiben mag). Zum Skelett niedergespart, uninteressant, Listicals und Übernahmen aus Schwesterblättern ist der dünne Inhalt.

Persönlich.com pflegt den pfleglichen Umgang mit eigentlich allen und ist der Weichspüler unter den Branchenorganen. «Edito» ist inzwischen der Schatten eines Schattens seiner selbst. Und dann gab es noch die «Medienwoche».

Der Niedergang des «Schweizer Journalist» – und der «Medienwoche» – spielte eine entscheidende Rolle bei der Gründung von ZACKBUM. Wo konnte man noch kritische, auch angriffige, kein Rücksichten nehmende Medienkritik betreiben? Eben.

Schon länger röchelte die «Medienwoche» aus den letzten Löchern. Bubble-Journalismus, Anfänger-Gefäss; wenn der Tiefflieger Marco Kovic regelmässig zu Wort kommt, weiss man, dass da ein Medium steil auf dem Weg nach unten ist.

Auch Nick Lüthi liess immer mehr raushängen, dass auch er, einer der profundesten Medienkenner der Schweiz, nicht mehr wirklich etwas reissen will. Wahrscheinlich wusste er schon länger, dass sein Herausgeber und Besitzer nicht mehr gewillt ist, sich dieses Hobby zu leisten.

Wie sülzt Thomas Paszti zum Abschied: «Die Quersubventionierung von Journalismus aus dem Rubrikengeschäft, im Fall der MEDIENWOCHE aus dem Ertrag der Stellenanzeigen auf medienjobs.ch und ictjobs.ch, hat in der heutigen Medienwelt mehr mit Idealismus und dem Glauben an unabhängigen Journalismus zu tun, als mit der gängigen verlegerischen Praxis.»

Somit ist Paszti weniger idealistisch geworden und in seinem Glauben an unabhängigen Journalismus erschüttert. Lüthi hingegen sah sich wohl mehr als Schreiber, wo die Kohle für ihn und seine Mitarbeiter herkommt, das interessierte ihn herzlich wenig.

Geradezu Slapstick ist, dass der Abschiedstext des Besitzers damit untermalt wird:

Summa summarum: da bleibt nur noch eine einzige, wirklich unabhängige und mit Energie, Spass und Nachdruck betriebene medienkritische Plattform übrig.

Wir pflegen hier kurze Amtswege, also kann ZACKBUM frohgemut verkünden: Der Besitzer ist sich mit dem Herausgeber, dem Verleger, dem Chefredaktor und dem Redaktor einig, dass es ZACKBUM weiterhin geben wird. Ohne Quersubventionierung, werbefrei und in Fronarbeit hergestellt, sowie gratis angeboten.

Niemals war ZACKBUM so wichtig wie heute. Und alle die, die kein Gönnerabo bei der «Medienwoche» abschliessen wollen, denen sei hier ein dezenter Hinweis unverbindlich unterbreitet:

«Medienwoche»: Vom Delirium ins Koma

«Edito», «Schweizer Journalist», persoenlich.com, «Medienwoche». Das Elend der Medienbranche spiegelt sich im Elend der Medienkritik.

Die «Medienwoche», vom strammen Medienkenner Nick Lüthi (ehemals «Klartext», das waren noch Zeiten) gemacht, wurde bislang dadurch verhaltensauffällig, dass sie aus Spargründen Tieffliegern mit wenig Kompetenz, aber viel Gesinnung Platz zum Austoben bot.

Das vorletzte Beispiel des Niedergangs war ein «wir sind alle so betroffen und haben uns furchtbar lieb»-Gespräch mit unter anderen der Mitverfasserin des Tagi-Protestschreibens Aleksandra Hiltmann. Nur wer Streicheleinheiten, unterbrochen vom Klagechor über die garstige Welt, für erquicklich hält, konnte sich das antun.

Lüthi selbst versuchte wenigstens, noch einigermassen an das Niveau von früher zu erinnern. Das hat er nun aber auch aufgegeben. In der Sammelsurium-Rubrik «The Good, the Bad & the Ugly» zieht er als der Gute über die Bösen und Hässlichen bei nau.ch her.

In einer Art, bei der man sich fragt, ob es Böswilligkeit oder schlicht Unfähigkeit ist. «Bei nau.ch ist das Mass voll», nimmt er schon im Titel den Mund ziemlich voll. Bei der «Medienwoche» ist hingegen «Flasche leer».

So sieht Delirium im Bild aus; gleich folgt’s als Text.

Denn ein solches Stück perfider Realitätsumordnung verdient es, vollständig serviert zu werden:

«Eine so prominente Plattform kriegt man nur selten gratis und franko, erst recht nicht als junges und politisch randständiges Grüppchen. Doch «Mass-voll», ein Verein radikaler rechts-libertärer Corona-Massnahmengegner, konnte dieser Tage auf die publizistische Unbedarftheit von «Nau.ch» zählen.

Innerhalb von drei Wochen erhielten gleich zwei Exponentinnen von «Mass-voll» eine Carte blanche auf der Nachrichtenplattform. Ungefiltert und reichhaltig illustriert mit Propagandabildern durften sie ihren Verein vorstellen. Sie dankten es mit fleissiger Verlinkung auf Social Media. Eine kritische, journalistische Einordnung durch die Redaktion fand nicht statt. Es war an einem Gastautor, das nachzuholen.

Kolumnist Reda El Arbi knöpfte sich «Mass-voll» vor und wies unter anderem auf die Affinität einzelner Mitglieder zu Verschwörungstheorien hin. Inzwischen hat «Nau.ch» El Arbis Kolumne gelöscht. Aus juristischen Gründen, wie eine Sprecherin mitteilt. Weiterhin online steht dagegen ein Artikel, in dem ein «Mass-voll»-Vertreter ohne Belege behaupten darf, Juso-Mitglieder hätten bei Kundgebungen von Massnahmengegnerinnen «vermummt ältere Menschen hinterrücks angegriffen».

Im Umgang mit «Mass-voll» hat «Nau.ch» kläglich versagt.

Wie die MEDIENWOCHE vernommen hat, ist sich die Chefetage dessen durchaus bewusst. Man stehe an einem Wendepunkt und werde die Vorgänge der letzten Wochen vertieft analysieren müssen, heisst es. Es kann nur besser werden.»

Diese Hoffnung muss man aber bei der «Medienwoche» fallen lassen. Obwohl die Kniffe von Lüthi durchaus in jedes Demagogie-Lehrbuch gehörten. Sie sind allerdings nur für Uninformierte nicht durchschaubar.

Demagogie-Lehrbuch für Anfänger

Der erste Kniff ist so banal wie blöd. Eine Umkehrung der Reihenfolge. Lüthi tut so, als ob ein unbedarftes nau.ch der Gruppe jugendlicher Gegner der Corona-Politik aus reiner Blödheit «carte blanche» gegeben habe, wo die dann ohne Einordnung ihre völlig verquere Weltsicht ausbreiten konnten. Daraufhin habe dann immerhin «Kolumnist Reda el Arbi sich «Mass-voll» vorgeknöpft» und auch «auf die Affinität einzelner Mitglieder zu Verschwörungstheorien hingewiesen».

Immerhin, will Lüthi damit sagen, einer hat’s gemerkt. Aber das soll nur auf die Zielgerade führen, denn: «Inzwischen hat nau.ch El Arbis Kolumne gelöscht.» Haha, unter welchem Vorwand? «Juristische Gründe.» Ihr Pfeifen, ruft Lüthi der nau-Redaktion zu, «kläglich versagt».

Nein, lieber Nick, das musst Du Dir schon selbst auf die Brust kleben. Mit diesem Schmierenstück, in dem du die Realität passend machen willst. Denn in Wirklichkeit war es so: El Arbi hatte eine Zeitlang bei nau.ch eine «carte blanche» als einziger Kolumnist. Wie schon bei anderen Organen tobte er sich so hysterisch aus, dass er diese Vereinigung als «eine antidemokratische, in Verschwörungstheorien verfangene Rattenfängerbande» beschimpfte.

So sieht eine durchschnittliche El-Arbi-Kolumne aus.

Die einzige Unbedarftheit von nau.ch bestand darin, ihm diese Verleumdung durchgehen zu lassen. Nach ähnlichen Vorfällen und diesem völligen Ausraster zog man El Arbi tatsächlich den Stecker, löschte die Kolumne und liess ihn sogar noch eine säuselnde Abschiedskolumne schreiben.

Wie es sich gehört, durfte nach dieser Schlammdusche «mass-voll» Gegenrecht halten und sich selbst vorstellen. Da dabei nicht der Bereich der Strafbarkeit betreten wurde, kamen die Texte genauso unzensiert wie die von El Arbi zuvor. Aber ein solches normales und anständiges Vorgehen ist für Lüthi völlig unverständlich.

Dabei hätte er die wahre Story auch auf ZACKBUM nachlesen können. Aber weil er ähnlich gestrickt ist wie El Arbi, will er sich doch nicht von der Realität eine saftige Polemik kaputtmachen lassen.

Dass er so nicht nur durch die Beschäftigung von journalistischen Bruchpiloten, sondern nun auch durch eigenes Versagen seinen und den Ruf der «Medienwoche» verspielt, ist bedauerlich.

 

Nachfragen hilft immer

Wenn die «Medienwoche» lausig recherchiert.

Zumindest innerhalb der Branche erregte ein Tritt der «Medienwoche» in den Unterleib des Herausgebers des «Schweizer Journalist» Aufsehen:

«Bereit für den nächsten Karriereschritt?» fragte der «Schweizer Journalist» in einem Newsletter – und wohin der Schritt führt, machte bereits der Betreff klar: «Zeit für was Neus? Was mit PR?» Spätestens als die Vokabel «Züricher» auftauchte, war klar, dass Chefredaktor David Sieber nicht alles sieht, was im Namen des «Schweizer Journalist» verschickt wird.

Oberauer, dessen Verlag auch den «PR Report» herausgibt und als Geschäftsstelle der Deutschen Public Relations Gesellschaft e.V. fungiert, entnimmt der Anfrage der MEDIENWOCHE einen Unterton, der Journalisten als gut und PR-Leute als schlecht einordnet. Das entspreche nicht der Wahrheit und sei überheblich.

In diesen Zusammenhang hat das Angebot Oberauer aber selbst gesetzt: Die Abonnent*innen des «Schweizer Journalist» konnten es bloss als Aufforderung zum Seitenwechsel lesen. Womöglich ist einfach bei Oberauer «Zeit für was Neus»:

Unlängst hat er der MEDIENWOCHE eine Kooperation mit dem «Schweizer Journalist» angeboten, die de facto einer Fusion gleichkäme. Die MEDIENWOCHE hat dankend abgelehnt.»

Den Tritt verpasst hat Benjamin von Wyl, der erst vor Kurzem als hoffnungsfroher Journalist «unter 30» das Cover des «Schweizer Journalist» zierte und sich dort auch austoben durfte. Aber irgendwas muss der «Biofrontsau» (Twitter-Name) über die Leber gekrochen sein, also beisst er nun in die Hand, die ihn zuvor promotet hat.

Dafür nimmt er die kühne Kurve, dass Oberauer offenbar nicht wirklich zwischen PR und Journalismus unterscheide. Zudem habe Oberauer der «Medienwoche» «de facto» eine Fusion vorgeschlagen. Dazu habe man tapfer «nein, danke» gesagt, weiss von Wyl. Interessant, was da ein freier Mitarbeiter mit Einverständnis von Nick Lüthi aus der Schule plaudern darf. Nur: Stimmt das auch?

Holen wir doch das nach, was von Wyl unterliess; wir fragen Johann Oberauer: «Eine Fusion im Verständnis eines wirtschaftlichen Zusammenschlusses stand zu keinem Zeitpunkt zur Diskussion. Richtig ist, dass ich mit der Medienwoche über eine redaktionelle Kooperation gesprochen habe.»

Und über eine mögliche spätere Übernahme im Rahmen einer Nachfolgeregelung. Was Oberauer davon hält, dass diese im Übrigen ohne Ergebnis beendeten Gespräche von der «Medienwoche» an die Öffentlichkeit gezerrt werden, das will der Verleger lieber nicht veröffentlicht sehen.

Verständlich. Vertraulichkeit ist das eine, Vertrauensbruch das andere. Und wenn man schon veröffentlicht, dann sollte es wenigstens stimmen. Aber für solche Feinheiten des Journalismus ist von Wyl vielleicht noch zu jung; er fällt ja auch sonst mit eher grob Geschnitztem auf. Wieso aber die «Medienwoche» das zulässt, denn Lüthi hat diesen Untergriff sicher nicht überlesen, man weiss es nicht. Verzweiflung?

Unter diesem Geschmiere steht das Eigeninserat der «Medienwoche», dass man als «Gönner zu 100 Prozent in unabhängigen, hintergründigen Journalismus» investiere. Ist wohl doch ein eher hohles Werbegeklapper. Denn wer will schon für solch oberflächlichen, von persönlichen Motiven gesteuerten Journalismus Geld verbraten.