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Sittenverluderung

Sind Medienanfragen inzwischen überflüssig? Oder das eisige Schweigen als Normalfall.

Das erste Mal begegnete ZACKBUM das Phänomen in geballter Form, als 78 Tamedia-Journalistinnen – nicht alle freiwillig – mit einem Protestschreiben an die Öffentlichkeit gelangten. Sie beschwerten sich über demotivierende, diskriminierende, sexistische und unerträgliche Zustände auf den Redaktionen.

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Allerdings enthielt das Schreiben dermassen viele Ungereimtheiten, dass es dringlichen Bedarf nach Aufklärung gab. Da sich die 78 Unterzeichner als Kollektiv verstanden, machte sich ZACKBUM mehrfach die Mühe, allen umfangreiche Fragenkataloge zuzustellen, mit der Bitte um Beantwortung in reichlich bemessener Frist.

Die Reaktion bestand jeweils aus einigen automatischen Ferienabwesenheitsmeldungen und zwei, drei Reaktionen, dass man die Fragen nicht beantworten wolle. Ab dem zweiten Mal – denn es stellten sich immer mehr Fragen – gab es nur noch Abwesenheitsmeldungen und eine einzige genervte Antwort, dass man doch schonmal klargestellt habe, dass man nicht antworten werde. Schliesslich versuchte es ZACKBUM noch mit einem genauso offenen Brief wie die Protestierer – auch vergeblich.

Reaktion eines Journalisten auf eine Medienanfrage.

Das verblüfft insbesondere, weil man doch erwarten könnte, dass Frauen des Wortes, erprobt in journalistischen Praktiken, die Möglichkeit zur Stellungnahme gerne ergreifen würden. Aber nein, wilde Behauptungen aufstellen, sie mit anonymisierten und daher nicht überprüfbaren «Beispielen» unterfüttern, aber darüber keine Rechenschaft ablegen, das wurde wohl als seriöses und kompetentes Verhalten gesehen.

Auch «Fairmedia» ist weder fair, noch media

«Fairmedia» bezeichnet sich als «Kompetenzzentrum für Medienrecht». Abgesehen davon, dass es mit der Kompetenz so eine Sache ist: hier kann man doch als Selbstverständlichkeit erwarten, als gelebte Fairness, dass journalistische Anfragen beantwortet werden.

Erwarten kann man das schon, erleben nicht. Zunächst gibt es einmal sogar eine telefonische Reaktion. Anschliessend wird aber das Zitieren ausdrücklich untersagt. Dann gibt es noch einmal eine schriftliche Reaktion – und seither herrscht eisiges Schweigen auf Anfragen. So wollte ZACKBUM unlängst wissen, wie sich denn «Fairmedia» zum Entscheid des Gleichstellungsbüros positioniere, das dem Verein Netzcourage bereits zugesagte finanzielle Unterstützung abstellte, weil der Verein sich nicht an die Spielregeln beim Bezug von Steuergeldern gehalten habe.

Die Frage drängt sich auf, weil «Fairmedia» eine eigene Fanpage für Jolanda Spiess-Hegglin aufgeschaltet hat, wo man unter «Team Jolanda» Spendengelder abdrücken soll.

Aber da bleibt «Fairmedia» in aller Fairness einfach stumm. Genau wie die Interimspräsidentin von «Netzcourage» selbst. Sie ist zwar auf der Medienmitteilung mit E-Mail-Adresse angegeben und stünden für «weitere Auskünfte» zur Verfügung. Probiert man das allerdings aus, antwortet tiefes Schweigen.

Auch «Netzcourage» bleibt lieber stumm

Spiess-Hegglin selbst – ebenso wie ihre Anwältin – beantwortet ebenfalls keine Fragen. Aber immerhin, sie leistet sich den Scherz, die Fragen auf den sozialen Medien zu veröffentlichen; gespickt mit ein paar launigen Kommentaren (der Fragesteller sei «zackdoof» und «altersmässig eher Richtung Gnadenhof»). Damit bringt sie ihren damals noch reichlich vorhandenen Fanclub ins Hyperventilieren.

Aber genauso wie die plötzlich zurückgetretenen Vereinspräsidentinnen hält es niemand für nötig, auf höflich formulierte Fragen zu antworten. Immerhin im zweiten Anlauf bequemt sich dagegen SP-Medienstar Fabian Molina zu einer Antwort; nicht ohne darauf hinzuweisen, dass er «in der Tat auch noch anderes zu tun» habe, «als auf Ihre unqualifizierten Gehässigkeiten zu reagieren

Dabei wollte ZACKBUM nur von ihm wissen, ob er angesichts seiner Forderung, sofort 10’000 Afghanen in der Schweiz Asyl zu gewähren, selbst bereits sei, vielleicht zwei aufzunehmen. Diese Frage war weder unqualifiziert, noch gehässig.

Politiker, der einer Medienanfrage gewahr wird.

Ganz allgemein ist zu konstatieren, dass hier eine zunehmende Sittenverluderung stattfindet. Es gehört zu den Gebräuchen und ungeschriebenen Gesetzen, dass man auf Medienanfragen reagiert. Zumindest mit einem «pfeif dir eins, ich sage nix.»

Auch das Gegenteil gibt’s – kritisieren, ohne zu fragen

Handelt es sich um inhaltlich berechtigte Fragen, um die Gelegenheit, zu einer Kritik im kritisierenden Artikel selbst Stellung zu nehmen, wäre es fast obligatorisch. Denn umgekehrt gibt es immer mehr Beschwerden, dass Menschen oder Institutionen mit Anlauf in die Pfanne gehauen werden, ohne dass sie Gelegenheit hatten, dazu Stellung zu nehmen.

Gerade im Themenbereich Spiess-Hegglin greift das um sich. So veröffentlichte der «Republik»-Schreiber Daniel Ryser ein ellenlanges Stück über die angebliche «Vernichtungsmaschine» Tamedia, die sich vorgenommen habe, Spiess-Hegglin nach allen Regeln der schwarzen Kunst fertigzumachen.

In dem Artikel rempelte er auch mehrere, namentlich erwähnte Mitarbeiter von Tamedia an, von Oberchefredaktor Arthur Rutishauser abwärts. Nur: kein einziger der so Angepinkelten hatte Gelegenheit bekommen, zu Vorwürfen Stellung zu nehmen. Wohl nach der Devise: lass dir eine schöne Polemik doch nicht durch blöde Richtigstellungen kaputtmachen.

Warum Ryser dieses Vorgehen gewählt hatte, das einem Recherchierjournalisten unwürdig ist, hätte ZACKBUM gerne gewusst. Nur: Ryser reagierte nicht auf einen Fragenkatalog.

Das grosse Schweigen

Es wird einsam um Jolanda Spiess-Hegglin. Man verharrt in feigem Schweigen.

Kein Hass- oder Hetzkommentar von der Kämpferin gegen Hass und Hetze im Internet. Nun ja, fast: Es seien harte Tage. «Nicht, weil die alten, widerlichen Typen an ihren Bürotischen sich nahezu einen runterholen, weil sie sehen, dass ich gewisse Sachen nicht bewältigen kann. Sie grölen. Sie lechzen. Weil wir – ich – den ganzen Sommer und Herbst dermassen am Anschlag war.»

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Einen runterholen? Wäre eigentlich ein Fall für Netz Pig Cock. Aber es ist kein Anlass für Scherze: «Ich bin so müde», gesteht Spiess-Hegglin. Und stellt unbewiesene Behauptungen auf: «Das Umfeld von Glarner wusste schon vor 2 Wochen, dass uns das EBG die Unterstützungsgelder streicht. Ich hingegen musste mich innerhalb von 24 Stunden organisieren und in Stellung bringen.»

Das linke Gleichstellungsbüro im Department von SP-Bundesrat Alain Berset informierte SVP-Glarner vorab? Echt jetzt?

Aber noch bedrückender ist: Die Medienmitteilung auf Facebook bekam 2 Kommentare und wurde 4 mal geteilt. Dieser Stossseufzer erhielt 34 Kommentare (nicht sichtbar) und 192 Likes.

Hansi Voigt, der sonst keine Gelegenheit auslässt, einer guten Sache mit schlechten Sprüchen zu schaden – verstummt. Ein schlapper Retweet eines anderen, der die kurze Stellungnahme von Spiess-Hegglin tweetet. Dabei ist Voigt im Beirat von #netzcourage, da könnte man etwas Solidarität erwarten. «Das Lamm», Daniel Ryser, alle grossen Worthelden, ohne Worte.

Warum schweigen fast alle, so viele?

«Bajour»? Lieber «6 Optionen, wo du am Sonntag in Basel brunchen kannst» vom 27. Oktober (immerhin 2021) zuoberst auf der Webseite. «Republik»? Sprachlos. All die Twitter-Kings, die Fans, die sofort zuschnappen, wenn ihr Idol «fass» sagte? Ein müder Versuch, «#wirsindnetzcourage» trenden zu lassen, was Spiess-Hegglin gleich munter mit «Neiiiin! Nicht auch noch Platz 1» anfeuert.

Besonders betrüblich ist auch das verkniffene Schweigen von Hardcore-Unterstützern. Der seinem Namen alle Schande machende Verein «Fairmedia» hatte eine eigene Fanpage für Spiess-Hegglin aufgeschaltet, wo man unter «Team Jolanda» Geld abdrücken kann. Der Geschäftsführer und ehemalige «TagesWoche»-Bruchpilot Jeremias Schulthess geruht erst gar nicht, auf die höfliche Presseanfrage zu reagieren, wie sich der Verein denn zu diesem Entscheid des Bundeamts positioniere.

Gleich reagiert auch die Interimspräsidentin des Vereins Netzcourage, obwohl Liliane Ritzi doch als Auskunftsperson für weitere Fragen auf der Medienmitteilung angegeben ist. Von ihr wollte ZACKBUM unter anderem wissen, wohin denn Geschäftsbericht, Kommunikationskonzept und Code of Conduct verschwunden sind, die bis vor Kurzem noch auf der Webseite standen. Damals spreizte man sich, wie transparent man doch sei. Und heute?

Eine fehlende Reaktion ist besonders widerwärtig

Am widerwärtigsten ist aber die Reaktion von ganz anderer Seite, Beziehungsweise das dröhnende Schweigen der erregten 78 Tamedia-Frauen. Man erinnert sich? Deren Protestschreiben über unerträgliche Zustände auf den Redaktionen von Tamedia wurde via Spiess-Hegglin in die Medien eingespeist und sorgte dann für grosses Hallo. Ob das allen Unterzeichnern passte oder nicht: diese Publizität hatten sie ihr zu verdanken.

Nun ist Spiess-Hegglin selbst etwas in einem dummen Rank. Wann, wenn nicht jetzt solidarisch sein? Wo ist denn Salome Müller, Aleksandra Hiltmann, wo sind alle anderen, wenn man sie mal bräuchte? Wenn es etwas Rückgrat bräuchte? Da bislang keine der 78 Journalistinnen geruhte, auf mehrfache höfliche Anfragen von ZACKBUM zu reagieren, haben wir diesmal darauf verzichtet.

Da tun alle so, als wäre Spiess-Hegglin schon waidwund, auf der Verliererstrasse. Da folgt man doch lieber dem Beispiel der beiden Nationalrätinnen Funiciello (SP) und Gysin (Grüne): nichts wie weg. Abtauchen, Schnauze halten. Abwarten, woher der Wind weht, wie sich die Sache entwickeln wird. Und erst dann wieder aus den Löchern kriechen, wenn man weiss, wo der Sieger steht.

Was soll man, was darf man zu den charakterlichen Befindlichkeiten all dieser Menschen sagen? Leider nichts, was nicht juristische Verwicklungen nach sich ziehen würde.

 

 

 

 

Grenzgängerisch

Die Plattform #netzcourage bekommt keine Steuergelder mehr vom Bundesamt.

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Als im Nationalrat der Antrag eines SVP-Politikers abgeschmettert wurde, dem Verein «Netzcourage» knapp 200’000 Franken staatliche Unterstützung zu streichen, jubilierte Jolanda Spiess-Hegglin samt Fanclub noch.

Allerdings hatte sie vorher schon geklagt, dass die Überweisungstranchen nur zögerlich eintrudelten und damit die weitere Tätigkeit gefährdet sei.

Nun hat aber «20 Minuten» unter Berufung auf das Öffentlichkeitsgesetz eine Verfügung des Eidgenössischen Büros für Gleichstellung (EBG) einsehen können. ZACKBUM nimmt zur Kenntnis, dass eine gleichlautende Anfrage von uns nicht beantwortet wurde.

War absehbar: Keine Steuergelder mehr vom Bund.

Aber kein Grund, beleidigte Leberwurst zu spielen, denn in der Verfügung steht, dass nur noch eine letzte Tranche von Fr. 25’337.- Ende Dezember überwiesen werde. Damit belaufen sich die Gesamtausgaben an Steuergeldern auf rund 75’000 Franken. Eingespart werden also rund 120’000.-.

«20 Minuten» zitiert die beiden entscheidenden Passagen der Begründung:

«Die Aussagen der Projektträgerschaft lassen nicht den Schluss zu, dass das Projekt in effizienter Weise geführt und entsprechend der Vorgaben des Subventionsgesetzes (…) umgesetzt wird».

Ein Kinnhaken, dem folgt ein zweiter: «Das EBG wird seit Beginn der Finanzierung, wenn überhaupt, erst nachträglich und meistens nur auf Anfrage hin über wesentliche Änderungen informiert.»

Auch ZACKBUM hat mehrfach über die undurchsichtigen Finanzflüsse innerhalb des kleinen Imperiums berichtet, das sich Spiess-Hegglin aufgebaut hat. Und auf den Widerspruch hingewiesen, dass die Kämpferin gegen Hassrede und Diskriminierung im Internet selbst gnadenlose Hassreden führt und über ihre Kritiker mit aufgemalten Hitler-Schnäuzen, der Ernennung zum «Arschloch des Monats» oder mit launigen Bemerkungen über deren Alter herzieht.

Wieso traten die Co-Präsidentinnen Knall auf Fall zurück?

Auch ein Like für eine sogenannte Karikatur, in der eine Kritikerin im Stil der Französischen Revolution geköpft wurde, sorgte für Aufmerksamkeit. Zum grossen Knall kam es, als die beiden Co-Präsidentinnen des Vereins zunächst noch den Jahresbericht mit lobendenen Worten unterzeichneten und auch weitere Massnahmen wie ein Kommunikationskonzept vorstellten. Um wenige Tage später Knall auf Fall zurückzutreten.

Welche plötzlich aufgetauchten «strategischen Differenzen» Tamara Funiciello (SP) und Greta Gysin (Grüne) dazu bewogen hatten, mochte niemand der Beteiligten erklären. Auch daran stiess sich das EGB: es bleibe unklar,  «wie die strategischen Differenzen, die zum sofortigen Rücktritt des Co-Präsidiums führten, sich konkret auf das vom EBG unterstützte Projekts auswirken».

Für einmal schmallippig: Tweet von Spiess-Hegglin.

Im Gegensatz zu Spiess-Hegglin und ihrem eingeschworenen Fanclub, angeführt vom Multiversager Hansi Voigt, ist uns Häme völlig fremd. Es ist die Tragik zu konstatieren, dass sich Spiess-Hegglin mit ihrer konfliktiven, ruppigen und hasserfüllten Art selbst im Weg steht und einer durchaus begrüssenswerten und nötigen Sache – Kampf gegen Hass im Internet – einen Bärendienst erwiesen hat.

Sich kritisch hinterfragen ist anders …

Das man nicht Zehntausende von Spendenfranken einnehmen kann, diverse staatliche Unterstützungsgelder einsacken, ohne eine transparente und nachvollziehbare Buchhaltung zu führen, sollte eigentlich selbstverständlich sein. Dass man sich selbst einer gesitteten Sprache in einer solchen Position befleissigen sollte, ebenfalls.

Statt diese ganzen Ungereimheiten hier nochmals aufzuführen, liefern wir den Artikel nach, der am 14. Oktober in der «Weltwoche» erschien und von Vereinsseite mit eisigem Schweigen beantwortet wurde.

#Netzambulanz als Notfall

Im Imperium von Jolanda Spiess-Hegglin brennt’s lichterloh.

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Seit der feuchtfröhlichen Zuger Feier kämpft die Netzaktivistin darum, dass man sie und ihr Privatleben endlich in Ruhe lässt. Vergeblich, aber so erfolgreich, dass sie daraus ein Geschäftsmodell gemacht hat.

Als sie diesen Frühling freudig bekannt gab, dass das Eidgenössische Departement des Inneren ihrer Organisation «#Netzambulanz2021» eine Finanzhilfe von fast 200’000 Franken zugesprochen hatte, gab es ziemlich Aufregung in der Öffentlichkeit.

Nicht nur die SVP fragte, wie sich das erklären oder rechtfertigen liesse, wie eine solche Unterstützung mit dem Verhalten von Spiess-Hegglin vereinbar sei, die immer wieder durch grobe Ausfälligkeiten auffiel, obwohl sie sich eigentlich dem Kampf gegen Hass und Hetze im Internet verschrieben hatte.

In aller Eile musste der Vorstand ihres Vereins zwischen der Geschäftsführerin und der Privatperson Spiess-Hegglin unterscheiden, und zähneknirschend einräumen, dass man diverse Auflagen der Behörde erfüllen werde. Eher ranzig reagierte man auf einen klarer Rüffel an die Adresse der Geschäftsführung.

Links der Rücktritt, daneben der unterzeichnete Zwischenbericht.

Für sie in die Bresche geworfen hatten sich die beiden Nationalrätinnen Tamara Funiciello (SP) und Greta Gysin (Grüne). Sie amtieren seit November letzten Jahres als Co-Präsidentinnen des Vereins «Netzcourage».

Tschakata: Rücktritt per sofort

Amtierten. Am Freitag letzter Woche dann der Paukenschlag. In einer dürren Medienmitteilung gab der Verein bekannt, dass die beiden Co-Präsidentinnen «in Übereinkunft mit der Geschäftsführerin Jolanda Spiess-Hegglin ihr Amt per sofort» niederlegen. Gerade hatten sie ihre Geschäftsführerin noch öffentlich verteidigt, den geforderten Halbjahresbericht unterzeichnet, und nun das.

Warum bloss?

«Ihre Vorstellungen über die Ausrichtung des Vereins decken sich zum jetzigen Zeitpunkt nicht mit den Vorstellungen der Geschäftsführerin.»

Echt jetzt? Das haben die beiden sozusagen von einem Tag auf den anderen entdeckt? Und wieso wird betont, dass das in «Übereinkunft» mit Spiess-Hegglin erfolgte? Die braucht es doch gar nicht, wenn ihre Vorgesetzten sich entschliessen, nicht mehr mitzumachen.

Mit Verlaub, sofortiger Rücktritt nach kräftiger Unterstützung und Abnicken eines Halbjahresberichts, wo doch alles laut den gleichen Co-Präsidentinnen super unterwegs ist, alle Zielsetzungen erreicht wurden, die Arbeit nötiger denn je sei?

Offensichtlich: es hat gekracht, aber gewaltig. Nur um die Fassade zu wahren, hat man sich auf ein solches, zudem sackschwaches Wording verständigt. Die Spiess-Hegglin wohlgesonnenen Medien (oder diejenigen, die die ewigen Zickenkriege leid sind) berichten neutral-wohlwollend über den Abtritt, zitieren einfach die Mitteilung und enthalten sich jeglicher kritischer Fragen.

Nur die «Republik» pfeift etwas im dunklen Wald: «Das kann natürlich passieren und wäre an sich nicht weiter schlimm.» Allerdings, bibbert das Organ der guten Lebensart, ob damit dann der Verein ein gutes Stück politischer Unterstützung verliere?

Das dürfte allem Anschein nach aber nicht sein grösstes Problem sein …

Braucht «Netzambulanz» selber eine Ambulanz?

Bezeichnend für das Elend aller tapferen Kämpfer gegen Hass und Hetze im Netz und für Fairness und Transparenz: Auf Fragenkataloge antworten, das gehört nicht zum Angebot. Vor allem, wenn sie präzise sind und eigentlich genügend Frist vorhanden wäre. Da verstummen die beiden Nationalrätinnen. Auch das Eidg. Büro für Gleichstellung  hat plötzlich Sendepause. Auch die Anwältin von Spiess-Hegglin; die wiederum antwortet ebenfalls nicht, stellt aber die Fragen auf ihre Social Media Kanäle, damit ihr Fanclub sich erregen kann.

«Fairmedia» rafft sich kurz nach Antwortfrist zu einem allgemeinen Geschwurbel statt der Beantwortung von 5 konkreten Fragen auf. Die Spitzenleistung kommt aber von der neuen Präsidentin des Vereins «Netzcourage»; ihre Antwort auf 5 nötige Fragen:

«Ich habe keinen Anlass, an den Verlautbarungen meiner Vorgängerinnen zu zweifeln.
Zu Ihren anderen Fragen:
Würden Sie diese auch einem Mann stellen?»

ZACKBUM hingegen beantwortet alle Fragen, die uns gestellt werden: Ja, würden wir.

Hass und Courage im Netz

Twitter ist die Plattform für die korrekte Lebensart – oder für Schlammschlachten.

Der Vorfall ist zur Genüge beschrieben worden. Totgeschrieben, möchte man formulieren – wenn man nicht Bedenken hätte, dass das gegen einen verwendet werden könnte. Journalistin sagt was von sozialem Todesurteil, eine anonyme Redaktion nimmt’s beim Wort und veröffentlicht eine geschmacklose Karikatur.

Grosse Aufregung, Entschuldigung, Rechtfertigung, Nachtreten, Zurückmopsen, das Übliche auf Twitter, bis sich die nächste Erregungswelle aufbaut, zum Beispiel über das Wort Sternchen.

Aber jede Welle lässt Endmoränen zurück, die nachbearbeitet werden müssen. So ist es der Kämpferin gegen Hate Speech und alles Üble im Netz unterlaufen, diese Karikatur mit einem Like zu versehen. Bevor auch sie sich davon distanzierte. Von der Karikatur.

Nun ist Jolanda Spiess-Hegglin auch Geschäftsführerin von #Netzcourage. Laut Selbstdarstellung «kämpft sie mit ihrem Verein gegen Hass im Internet». Ebenfalls mit «NetzPigCock» oder mit «#Netzambulanz» hat sie sich diesen Zielen verschrieben. Die werden als durchaus förderungswürdig beurteilt – und daher mit Steuergeldern unterstützt.

Unübersehbar: Jolanda Spiess-Hegglin auf der Webseite von #Netzcourage.

Mit knapp 200’000 Franken unterstützt das «Eidgenössische Büro für die Gleichstellung von Mann und Frau» diese Aktivitäten. «Öffentlich finanzierte Doppelmoral», donnerte die NZZ, stellt und beantwortet gleich selbst eine Frage: «Soll der Bund eine Aktivistin gegen Hass im Netz finanzieren, die ihrerseits die Grenzen überschreitet? Eher nicht.»

Die Heerscharen von rechts galoppieren heran

Natürlich galoppierten auch alle Kämpfer für einen gesitteten Umgang in der Auseinandersetzung los, angeführt vom SVP-Amok Andreas Glarner. Der veröffentlicht schon mal auf Facebook die private Telefonnummer und E-Mail-Adresse einer Lehrerin mit dem Hinweis, man solle sie anrufen und ihr mitteilen, was man davon halte, dass sie – in Umsetzung der offiziellen Linie – muslimischen Kindern erlaubte, während des Fests des Fastenbrechens zu Hause zu bleiben.

Natürlich musste nun auch aus dem Departement Berset der Verein «Netzcourage» zu einer Stellungnahme aufgefordert werden, wie er es denn mit diesem Like seiner Geschäftsführerin halte.

Im Sinne von Offenheit und Transparenz hat #Netzcourage Fragen und Antworten ins Netz gestellt. Unter dem Hashtag #Tamediagate. Ob das eine gute Idee war?

Begriffsverluderung sollte auch bekämpft werden.

Eine Tessiner Nationalrätin der Grünen antwortet namens des Vorstands

Geantwortet hat Greta Gysin, Nationalrätin der Grünen. Offenbar um Eindruck zu schinden, verwendete sie ihre parlamentarische Mailadresse und auch den entsprechenden Briefkopf. Wir dokumentieren hier ihre Antwort.

Es ist verblüffend, wie sich Rechtfertigungen aus allen Lagern ähneln, wenn es um den Umgang mit unangenehmen Fragen geht:

«Wir haben etliche Vorwürfe analysiert und empfinden sie als völlig haltlos und nicht berechtigt. Auch im aktuellen Fall … kann nicht von Hassrede seitens unserer Geschäftsführerin gesprochen werden.»

Ob das der Vorstand auch so sehen würde, wenn jemand Spiess-Hegglin als erste Kandidatin im Wettbewerb «Arschloch des Monats» vorschlagen würde? Oder von «Karma» spräche, sollte ihr etwas zustossen?

Nun ja, neben routinierter Verteidigung gehört auch der Gegenangriff zum üblichen Arsenal; da «der Chefredaktor des grössten Medienkonzerns» Spiess-Hegglin «ohne Rückfrage» mit den «Nationalsozialisten» gleichstelle, sei das natürlich ein weiterer Beweis für die Existenzberechtigung von #Netzcourage.

Alles andere mag erlaubt sein, aber zu diesem demagogischen Untergriff muss – auch ohne Rücksprache – etwas gesagt werden. Zunächst ist es bei einem Kommentar nicht nötig, üblich oder Brauch, «Rückfrage» zu nehmen. Bei einem Like auch nicht, obwohl Spiess-Hegglin damit gut beraten wäre. Zweitens hat der Chefredaktor diese Passage umgehend gelöscht, was hier nicht der Erwähnung würdig ist – könnte stören. Drittens hat er die Geschäftsführerin keinesfalls mit Nationalsozialisten gleichgestellt, was jeder nachlesen kann – so er will.

Die Absichten von #Netzcourage sind sicherlich lobenswert – und auch die Unterstützung mit Steuergeldern wert. Ob aber dieses Personal dazu geeignet ist, sie umzusetzen – das muss angesichts dieser uneinsichtigen und verbohrten Reaktion stark bezweifelt werden.

Endlich: der Denunzier-Quickie!

Sie wollen Denunziant* werden, wissen aber nicht, wie? Hier wird Ihnen geholfen.

Wir nehmen gerne den etwas verqueren Namen einer neuen Plattform beim Wort: «sägsWiesisch». Beziehungsweise «#SägsWiesisch». Gerne: mieser wurde noch selten zur Denunziation aufgefordert.

Mit einer klaren Ansage:

«Hier sammeln wir Medienartikel, die unsensibel über Gewalt, Sexismus, Rassismus, Trans- und Homophobie berichten oder diese reproduzieren.»

Reproduzieren? Soll das heissen, «unsensible» Medienartikel wiederholen Gewalt, Sexismus und so weiter? Und wer ist «wir»? Wie es sich fürs Denunziantentum gehört: «wir» bleibt anonym. Impressum, Datenschutzhinweise, eine rechtsgültige Adresse? Ach was, das sind zwar obligatorische, aber vernachlässigbare Kleinigkeiten beim bösen Kampf ums Gute.

Die üblichen Verdächtigen sind Partner

Immerhin, die «Partner» outen sich. Überraschungsfrei sind das «Netzcourage» von Jolanda Spiess-Hegglin, «Fairmedia» von Beat Jans, Guy Krneta und Co., sowie «Campax» von Andreas Freimüller & Co. Nun widmen sich bereits «Netzcourage» und «Fairmedia» dem Thema, echte und vermeintliche gewaltverherrlichende, sexistische oder rassistische Flecken im Internet aufzuspüren.

Wieso dann noch eine neue Plattform dafür? Ganz einfach, hier gilt: denunzieren – leicht gemacht. Wie das geht, zeigen erst mal drei von anonymen Denunzianten ausgewählte Beispiele. Aus «Blick», «Thurgauer Zeitung» und, schluck, auch der NZZ:

Brutale Vorgabe für Attacken der anonymen Denunzianten.

Alles da, was es für Sektierer braucht. Erregte Sprache, inquisitorischer Ansatz «solch kolonialistische und rassistische Sprache tolerieren wir nicht mehr!» Für Nicht-Sektierer: Anonymus erregt sich über die Verwendung des Wortes «indianisch». Das ist ungefähr die Liga, die Verwendung des Begriffs «Zigeunerschnitzel» unter Quarantäne zu stellen, wie das die rundum von Belästigungen umstellte Aleksandra Hiltmann schon tat.

Schnell denunziert: zwei Klicks reichen

Falls der Hobby-Denunziant diese Meinung teilt, was kann er tun? Ganz einfach, er ist von der Denunziation nur zwei Klicks entfernt. Entweder kann er seiner Empörung per E-Mail Ausdruck verleihen. Oder per Twitter. Auch für Denk- und Schreibschwache bestens geeignet: der Protest-Text ist bereits vorformuliert.

Hat man aufs Angebot geklickt und kehrt zur Seite zurück, wird man gelobt und gefragt, ob man’s nochmal tun wolle. Oder lieber ein eigenes Fundstück einreichen. Auch hier hält sich der Aufwand in Grenzen; einmal klick, und im E-Mail-Programm erscheint dieser vorformulierte Text:

«Hallo

Ich habe eine problematische Berichterstattung über Gewalt, Sexismus, Rassismus, Trans- oder Homophobie entdeckt:

[Name der Zeitung/Webseite]

Der Link: [Bitte Link einfügen]

Herzlichen Dank und freundliche Grüsse»

An «action@» voradressiert. Zwei Platzhalter ausfüllen, abschicken, fertig. Darauf haben wir gewartet. Endlich kann jeder Halbanalphabet, jeder Fanatiker, jede Schneeflocke angeblich Volkes Stimme erschallen lassen und pfannenfertig vorformuliert alle beliebige Medien in den Senkel stellen.

Oder es zumindest versuchen. Der Denunzianten-Quickie. Fixfertig anonym angeliefert, anonym weiterzuleiten (vorausgesetzt, der Denunziant ist in der Lage, sich eine fiktive Hotmail-Adresse zuzulegen). Das ist wirklich ein Fortschritt in Richtung eines humaneren, brüderlichen (auch schwesterlichen) Umgangs der Menschen.

Königlicher Ratschlag: Rübe runter!

Immanuel Kant (Liebhaber dieser Denunzier-Plattform: einfach googeln und dann nicht aufgeben) hätte seine helle Freude daran. Ein Versuch, eine Anstalt zur Beförderung der Moralität zu errichten. Nun wird alles gut. Ich gestehe, ich fühlte mich versucht, diese Plattform bei sich selbst zu denunzieren, aber ich befürchte, zu so viel Einsicht und Selbstironie sind die anonymen Macher nicht fähig.

Daher eine öffentliche Frage: seid Ihr eigentlich völlig schamfrei, ohne jeglichen Anstand, als bewusste Helfershelfer für eine der übelsten Angewohnheiten: anonyme Denunziation?

U.A.w.g., aber nicht erwartet.

 

*Oben haben zwei grosse Künstler zusammengearbeitet. Der Merkspruch ist von August Heinrich Hoffmann von Fallersleben, die Zeichnung von Andreas Paul Weber, der allerdings zwischen Nationabolschewismus, Antisemitismus und Antifaschismus herumeierte. Weber erhielt vom deutschen SPD-Bundespräsidenten Gustav Heinemann das Grosse Bundesverdienstkreuz. Wem das alles als Hobby-Denunziant zu kompliziert ist: kein Problem, hindert nicht am Denunzieren.

 

 

Oh happy Day

Gratis telefonieren, leicht gemacht.

Der 7. Mai 2020 war ein glücklicher Tag im Leben von Jolanda Spiess-Hegglin. Die Swisscom, schrieb sie auf Facebook, habe ihr gerade mitgeteilt, dass ihr Verein «Netzcourage» ein Jahr lang nix für Telefon und Internet bezahlen müsse. Ausserdem habe sie eine schöne Telefonnummer gratis bekommen. «Noch nie», jubelt Spiess-Hegglin, «hat mir die Arbeit eine solche Freude gemacht. Noch nie!»

Auf Nachfrage bestätigte der bundesnahe Betrieb Spiess-Hegglins Angaben. Auf die Frage hin, was das alles für einen Wert hat, schreibt Swisscom: «Das Engagement ist in einem überschaubaren Rahmen.» Was genau abgebucht wurde, weiss wahrscheinlich nicht einmal die Swisscom: «Wir weisen solche Kleinst-Sponsorings und Partnerschaften nicht separat aus.»

Dann wird aber doch noch eine Zahl herausgerückt: «Swisscom hat den Verein Netzcourage lediglich mit Sachleistungen im Wert von ein paar Hundert Franken unterstützt.»

Ein paar Hundert Franken? Zählen wir nach: Die geschenkte Telefonnummer hat gemäss Swisscom einen Wert von 200 Franken, das günstigste Kombiangebot für KMUs (1-5 Mitarbeitende) kostet im Monat 100 Franken. Die Tausendergrenze ist also überschritten. Darauf angesprochen, schlägt Swisscom vor: «Sie können sonst schreiben: «in geringer Höhe.» Vielleicht ist das etwas passender.»

Verein Netzcourage: Der Blickbuster von 2020

Der Verein Netzcourage von Jolanda Spiess-Hegglin wird vom Bund und Kanton finanziell unterstützt. Zahlen  will der Verein nicht offenlegen.

Im Oktober 2016 gründete Jolanda Spiess-Hegglin den Verein «Netzcourage». Der Verein kämpft für «Anstand und einen menschenwürdigen gegenseitigen Umgang», wie es auf seiner Homepage steht, und geht juristisch gegen Personen vor, die sich öffentlich abfällig über Spiess-Hegglin oder andere Menschen äussern.

Jolanda Spiess-Hegglin wird in der Schweizer Medienwelt angefasst wie eine heisse Kartoffel. Das hat natürlich mit der «Zuger Sexaffäre», aber vor allem mit der Nachgeschichte, zu tun. Bekanntheit verdankt sie der Berichterstattung über einen Vorfall, den sie zunächst als Sexualdelikt eines SVP-Parlamentskollegen darstellte. Kaum war die Sache aber zu dessen Gunsten erledigt, wechselte sie den Täter aus: Fortan galt sie als «Blick»-Opfer.

Zuerst wurde die Frau von den Medien kritisch beäugt. Dann aber geschah etwas sehr Schweizerisches. Spiess-Hegglin trat als Medien-Opfer auf und wehrte sich gegen die Berichterstattungen, vor allem des «Blicks» und der «Weltwoche». Heute schreibt sie im bajour.ch, Das SRF widmete ihr sogar einen «Medienclub».

Im September 2019 erschien in der Frauenzeitschrift «Brigitte» ein Porträt über Spiess-Hegglin. Ihre Finanzlage wurden kurz angesprochen. Mit ihrer Tätigkeit als Geschäftsleiterin des Vereins verdiene sie kaum Geld, «ihre Familie kommt mit dem Gehalt ihres Mannes gerade so über die Runden.» Der Verein finanziere sich «fast nur» über Spenden.

20’000 Franken vom Kanton Basel-Stadt

Ob das stimmt, ist eine ungeklärte Frage. Auf mehrmalige Nachfrage wollte weder Spiess-Hegglin noch die Präsidentin Irina Studhalter den Geschäfts- oder Jahresbericht herausrücken. Ein Insider sagte, dass der Verein nur schon von Stiftungen und Organisationen 50’000 Franken pro Jahr erhalte. Recherchen von ZACKBUM.ch zeigen, dass der Betrag wohl stimmt: Von der Fachstelle Diversität und Integration des Kantons Basel-Stadt erhielt der Verein im letzten Jahr 10’000 Franken. 2020 wurde der Betrag auf 20’000 Franken verdoppelt.  Von der Fachstelle für Rassismusbekämpfung des Bundes gab es 12’000 Franken, vom Kanton Zug 9000 Franken und auch die Ernst-Göhner-Stiftung schüttete einmal Geld aus, weigert sich aber, Details zu nennen. Gemäss einer Quelle handelt es sich um 5000 Franken. Unbekannt ist, wie viel die anderen Vereine und Organisationen spendeten.

Unklar ist auch, wie viele Mitglieder der Verein zählt. In einem SRF-Interview von Ende Dezember 2019 nannte Spiess-Hegglin die Zahl 500. Wenn diese Angabe korrekt und aktuell ist, fliessen nochmals etwa 50’000 Franken in den Verein, da «Normalverdiener» aufgefordert werden, 100 Franken im Jahr zu zahlen. Das macht zusammen 100’000 Franken. Gemäss Vereinsstatuten von Netzcourage kriegt Jolanda Spiess-Hegglin einen «branchenüblichen» Lohn, wenn Kapital vorhanden. Dass das vorhanden ist, davon darf man ausgehen.