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Schlagwortarchiv für: Nazi

René Zeyer

Wörterbuch des Schwurblers

3. Oktober 2026/6 Kommentare/in Allgemein/von René Zeyer

Die gute Nachricht ist: man erkennt leicht, wenn es keinen Sinn macht.

So oder ähnlich haben sicherlich bereits Führungskräfte (vor allem Führungskräftinnen) schon gequatscht:

«Wir müssen die unterschiedlichen Lebenswirklichkeiten kontextualisieren, bestehende Resilienzpotenziale aktivieren und im Rahmen eines partizipativen Transformationsprozesses neue Möglichkeitsräume schaffen.»

Lässt man die Luft raus: mal schauen, was wir tun können.

Wenn einer so quatscht – nix.

In den Verlagshäusern wird gespart. Allerdings nicht nur an Menschenmaterial, sondern auch an Hirnschmalz. Während die Arbeitnehmer dank der brüllenden Unfähigkeit des Managements rausfliegen, werden sie noch mit Bullshit Bingo begleitet:

  • Resilienzfähigkeit
  • Transformationsprozess
  • Veränderungsdynamik
  • Zukunftsfähigkeit
  • Nachhaltigkeitsstrategie
  • Lösungsorientierung
  • Ergebnisoffenheit
  • Erwartungsmanagement
  • Stakeholdermanagement
  • Prozessoptimierung
  • Kompetenzentwicklung
  • Ressourcenallokation
  • Handlungskompetenz

Wem da noch nicht das Kotzen kommt, hier fängt der Würgreflex (und der Würgewunsch) definitiv an:

  • Skillset
  • Leadership
  • Empowerment
  • Ownership
  • Commitment
  • Alignment
  • Purpose
  • Impact
  • Agilität
  • New Work
  • Change-Prozess
  • Roadmap
  • Deep Dive
  • Quick Win

Während Fanatiker mit flackerndem Blick mit Nazi, Neonazi, Faschist, faschistoid, Hetzer und Rechtsradikaler um sich werfen, sind sie eigentlich für sensible Achtsamkeit.

Denn sie wollen

  • Menschen mitnehmen
  • Räume öffnen
  • Räume schaffen
  • Räume ermöglichen
  • Sichtbarkeit schaffen
  • Teilhabe ermöglichen
  • Vielfalt leben
  • Diversität fördern
  • Bedürfnisse wahrnehmen
  • Grenzen respektieren
  • Perspektiven einnehmen
  • Perspektiven sichtbar machen
  • Stimmen hörbar machen
  • Betroffene zu Wort kommen lassen
  • Erfahrungen validieren
  • Gefühle zulassen
  • Prozesse anstoßen
  • Veränderung begleiten
  • Transformation gestalten
  • Verantwortung übernehmen
  • Haltung zeigen
  • Privilegien reflektieren
  • Machtstrukturen hinterfragen
  • Narrative dekonstruieren
  • gemeinsam aushandeln
  • ins Gespräch kommen
  • in den Dialog treten
  • Begegnung ermöglichen
  • Potenziale entfalten
  • Ressourcen aktivieren
  • Resilienz stärken
  • Selbstwirksamkeit erfahren
  • Bedürfnisse adressieren

Kleiner abschliessender Tipp fürs Balzverhalten. Mag er (oder sie) noch so attraktiv und verführerisch sein, sollte ein solcher Satz (oder inhaltsähnlich) gesagt werden, dann hilft nur eins: sofortige Flucht mit anschliessender kalter Dusche:

„Wir wollen einen achtsamen, diskriminierungssensiblen und inklusiven Raum schaffen, in dem unterschiedliche Lebensrealitäten sichtbar werden, marginalisierte Perspektiven Gehör finden und Selbstwirksamkeit auf Augenhöhe erfahrbar wird.“

Solches Geschwurbel hat – wie die Sprachreinigung im Ungeist des Nationalsozialismus – einen grossen Vorteil: es ist völlig unverbindlich, verpflichtet zu nichts, kostet keine Anstrengung und ersetzt intellektuelle Kärrnerarbeit.

Und wetten, dass wir in einer Woche «Tages-Anzeiger», «Republik», WoZ und wie die Organe der richtigen Denkungsart alle heissen, Strichlisten führen könnten, wie viele dieser Schrottwörter verwendet werden?

Merke: wer sich mit solchem Sprachmüll das Hirn verkleistert, ist weder zu einem geraden Satz, noch zu einer Denkleistung, noch zu einer diskussionswürdigen Meinung in der Lage.

Sondern produziert verbale Umweltverschmutzung der gröbsten Art.

 

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2026/09/Bildschirmfoto-2026-09-19-um-08.47.32.png 396 1105 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2026-10-03 05:00:172026-09-28 14:58:22Wörterbuch des Schwurblers
René Zeyer

Dummschwätzer und Dünnbrettbohrer

17. Dezember 2025/12 Kommentare/in Allgemein/von René Zeyer

Jan Heidtmann schreibt sich die Welt zurecht.

Wenn man selbst in Lateinamerika weilt, gehen einem vor Ideologie triefende «Analysen» ganz besonders auf den Zeiger.

SZ-Korrespondent Heidtmann bestreicht von Buenos Aires aus ganz Lateinamerikas, und natürlich übernimmt das Qualitätsmedienhaus Tamedia seine Ergüsse ungefiltert. Wozu sollte sich die noch vorhandene Auslandredaktion auch bemühen, solches Geraune richtigzustellen:

«Die Angst hat auch in Chile gewonnen, wieder einmal. Ihr Kandidat hiess José Antonio Kast, ein Politiker der extremen Rechten, autoritär und erzreaktionär. Nayib Bukele oder Daniel Noboa lauteten die Namen der Kandidaten der Angst in El Salvador oder in Ecuador.»

So hört es sich an, wenn einem Demagogen die Ergebnisse von Wahlen nicht passen. In Montevideo kann man nur den Kopf schütteln und dem Mann gute Besserung wünschen.

Zunächst beklagt er die zunehmende Macht der Drogenkartelle – ohne zu erwähnen, dass die nur gedeihen, weil die USA als grösster Absatzmarkt mitsamt Geldwaschmaschinen und offener Hilfe zum Anlegen von Drogengeldern deren Gedeihen befördern.

Bevor er wieder zur angeblichen Angst in Chile zurückkehrt, nimmt er sich sein Feindbild Nummer eins vor: «2019 nach einer populistischen Kampagne zum Präsidenten gewählt, hat Bukele die Strukturen des Landes nun nach seinen Vorstellungen geformt.» Schlimmer noch: «Bukeles Vorgehen gegen die Drogenkartelle verstösst vielfach gegen die Menschenrechte. Besonders junge Männer wurden teils wahllos verhaftet und sitzen seit Jahren ohne Prozess in Haft.»

Was er zu erwähnen vergisst: El Salvador verzeichnete einen der stärksten Mordrückgänge weltweit. Die Mordrate sank von über 100 Tötungsdelikten pro 100.000 Einwohner auf einstellige Werte in den Jahren 2022–2024. Ganze Stadtviertel, die zuvor von Gangs kontrolliert wurden, gelten heute als staatlich zurückerobert. Der Staat erlangte Kontrolle über Gebiete zurück, die zuvor faktisch Parallelherrschaft unterlagen. Öffentliche Dienstleistungen (Schulen, Transport, Handel) konnten in vielen Regionen erstmals ohne Schutzgeldzahlungen funktionieren.

Das verbesserte die wirtschaftliche Situation deutlich und führt zu anhaltend hohen Zustimmungswerten von über 80 Prozent für Bukele. Aber für Heidtmann spielt das keine Rolle, ihm passt die ganze Richtung nicht, also blendet er all das aus.

Und wieso hat mit Kast in Chile auch die Angst gewonnen? Auch da hat Heidtmann seine partielle Weltsicht parat: «José Antonio Kast: Chiles neuer Präsident ist gläubig, rechts und extrem – sein Vater war NSDAP-Mitglied». Das alte Prinzip der Kontaktschuld oder der Sippenhaft. Vater war Nazi, also wird es der Sohn wohl auch sein.

Wieso hat er dann eigentlich 58 Prozent der Wählerstimmen bekommen? Das bleibt für Heidemann schleierhaft, auch seinen Lesern mag er das nicht erklären. Stattdessen fügt er Nebensächlichkeiten aneinander: «Kast unterhält enge Verbindungen zur deutschen AfD, 2018 unterstützte er im brasilianischen Präsidentschaftswahlkampf den rechtsextremen Kandidaten Jair Bolsonaro. Immer wieder hat Kast seine Sympathien für Chiles ehemaligen Militärdiktator Augusto Pinochet bekundet.»

Das mag nicht sympathisch sein, dass er Sympathien für den Blutsäufer («Die Demokratie muss manchmal in Blut gebadet werden») und Verbrecher Pinochet äussert. Aber entscheidend für seine Wähler ist nicht die Verblendung von Kasts Vater oder einige fragwürdige Sympathiebekundungen, wobei an Kontakten mit der grössten deutschen Oppositionspartei im Bundestag, die in Umfragen inzwischen auf Platz eins in der Wählergunst liegt, nichts Verwerfliches ist.

Gewählt wurde Kast, weil sein Vorgänger versagt hatte, seine Gegenkandidatin Kommunistin ist und er für eine autoritäre Sicherheitspolitik, marktradikalen Wirtschaftsliberalismus, Sozialkonservatismus und nationalstaatliche Prioritäten eintritt. Zudem die Folgen einer zunehmenden Immigration (vor allem aus dem gescheiterten Staat Venezuela) und die steigende Kriminalität angehen will.

Das sind nämlich Probleme, die die Chilenen mehr als das Geraune von Heidtmann beschäftigen. Genauso, wie die absolute Mehrheit der Salvadorianer mit der Politik Bukeles absolut einverstanden sind. Weil ihnen dessen Erfolge und die Verbesserung ihrer Lebensqualität entschieden wichtiger sind als das Stirnrunzeln eines völlig verpeilten Korrespondenten.

Dass Heidtmann in Buenos Aires noch die Erfolge von Milei aushalten muss, das gibt ihm offenbar den Rest.

Was für ein jämmerlicher Journalismus ist das. Statt zu versuchen, die lateinamerikanische Wirklichkeit dem Leser näherzubringen, reitet Heidtmann seine ideologischen Steckenpferde zu Tode.

Wieso demokratisch gewählte Präsidenten der Demokratie schaden sollen, vermag Heidtmann nicht zu erklären. Sie schaden höchstens seinen zerplatzenden linken Träumen.

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2025/12/Bildschirmfoto-2025-12-16-um-17.25.52.png 474 1124 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2025-12-17 05:00:112025-12-16 22:05:35Dummschwätzer und Dünnbrettbohrer
René Zeyer

Maschinengewehr Köppel

13. September 2025/8 Kommentare/in Allgemein/von René Zeyer

Der Mann, der schneller schreibt als er denkt.

Lucky Luke schiesst schneller als sein Schatten. Der Besitzer, Herausgeber, Verleger und Chefredaktor der «Weltwoche» hat das Problem, dass wie bei von ihm verehrten US-Präsidenten Checks and Balances fehlen, die ihn von Schnellschüssen abhalten.

Schreibt Roger Köppel los, kann ihn niemand auf halten. Natürlich erregt er sich über die Ermordung des US-Polemikers Charlie Kirk. Zunächst verklärt er ihn als Lichtgestalt, als «Kulturkämpfer». Dann kritisiert er völlig zu recht die teilweise widerlichen Reaktionen aus dem linken Lager.

Daraufhin sondert er eine nötige Packungsbeilage ab: «Es gibt auch rechte Ideologen, Spinner und Gutmenschen, die zur Waffe greifen.» Das ist natürlich nur die Einleitung zu: «Doch verharmlost und tabuisiert wird nach wie vor die viel häufigere Gewalt von links.»

Wie immer wackelig ist sein Ausflug in die Ideengeschichte: «Im Marxismus ist die christliche Vorstellung, es gebe ein Paradies im Jenseits, zum politischen Gebot verweltlicht worden, dieses Paradies im Diesseits zu verwirklichen. So sehen sich linke und grüne Politiker, selbst wenn sie sich nicht offen auf marxistische Ideen beziehen, als Vollstrecker heilsgeschichtlicher Erwartungen im konkreten Leben.»

Vielleicht könnte es bei einer Kritik am Marxismus helfen, ihn verstanden zu haben. Aber das scheint für Köppel, den bekennenden Christen, völlig überflüssig zu sein.

Auch von Kirk weiss Köppel nicht viel, gesteht sogar, ihn vor seiner Ermordung nicht gekannt zu haben: «Er soll Millionen junger Amerikaner für traditionelle und christliche Werte begeistert haben.» So kann man das auch formulieren, wenn man die Positionen von Kirk nicht kennt.

Ein paar Beispiele:

  • Nach der US-Präsidentschaftswahl 2020 verbreitete Kirk mehrfach die unbelegte These von massenhaftem Wahlbetrug zugunsten Joe Bidens.

  • Er forderte u. a. dazu auf, Wahlmänner aus «umstrittenen» Bundesstaaten nicht anzuerkennen. Das wurde von Gerichten und Wahlaufsichtsbehörden widerlegt.

  • Er verbreitete Zweifel an Impfstoffen und sprach von «Zwangsimpfungen», obwohl es keine generelle Impfpflicht gab.
  • Er benutzte den Begriff «Great Replacement» bzw. argumentiert in dessen Nähe (die Behauptung, weisse US-Amerikaner würden absichtlich «ersetzt»).
  • Er bezeichnete den Klimawandel wiederholt als «Schwindel» oder «übertrieben» und lehnte Klimaschutzvorgaben ab.

In diesem Sinne holt auch Köppel den Zweihänder heraus:

«Der Mordfall Kirk ist ein besonders abscheuliches Beispiel linker Cancel-Culture in den Vereinigten Staaten.»

Diese Ermordung sei  Bestandteil der Cancel-Kultur? Bevor über den Attentäter und seine Motive auch nur das Geringste bekannt ist?

Aber Köppel galoppiert weiter ins Gestrüpp: «Diese Gewalt ist der verbrecherische Ausfluss eines Denkens, das Konservative automatisch als „Nazis“ abstempelt, damit zu Massenmördern entmenschlicht. Auf der rechten Seite findet sich kein Kampfbegriff, der auch nur annähernd diese verleumderische Kraft entfaltet.»

Natürlich ist der inflationäre Gebrauch des Begriffs Nazi ungefähr gleich bescheuert wie das Schwingen der Antisemitismus-Keule.

Aber es gebe rechts keine verleumderischen Kampfbegriffe gegen Linke? Wie wäre es mit diesen hier:

  • Gutmensch

  • linksgrün versifft

  • Ökospinner, Klimahysteriker

  • Woke-Sekten

  • Staatsfunker (für Medienschaffende)

  • Volksverräter

  • Vaterlandsverräter

  • Linksextremist

  • 68er-Verseuchter

Insbesondere der Volks- oder Vaterlandsverräter hat eine lange Tradition bei der Rechten, der sich wohl auch Köppel zurechnen würde. Der argumentenfreie, keifige Ton, die Warnungen vor Untergang und Niedergang, würde man Forderungen von «linken Spinnern» folgen, das ist genauso Bestandteil des groben Rüpelns im politischen Raum wie linke Denunziationen von angeblichen oder echten Nazis.

Das politische Attentat hat in den USA eine lange und unselige Tradition. Rechte wie Linke wurden schon Opfer. Und reflexartig verurteilt die andere Seite ein solches Attentat als Ausfluss einer hasserfüllten Debattenunkultur, an der natürlich nur die anderen, hier also die «Cancel-Culture», schuld sei.

Solche Behauptungen tragen nichts zu einer Versachlichung der Debatte bei. An seiner Imitation eines elder Statesmen mit gepflegt-bürgerlichem Ton muss Köppel noch viel üben und arbeiten. Aber wer hilft ihm dabei?

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2025/09/Bildschirmfoto-2025-09-12-um-09.36.54.png 1017 1530 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2025-09-13 05:00:192025-09-12 12:03:21Maschinengewehr Köppel
René Zeyer

Kindersoldaten am Gerät

29. Oktober 2023/5 Kommentare/in Allgemein/von René Zeyer

Das Blatt der kompetenten Berichterstattung: «Blick».

Auf der Welt passiert so viel, da ist es schwer, den Überblick zu behalten, Wichtiges von Unwichtigem zu trennen und bei der Berichterstattung einigermassen in der Spur zu bleiben.

In einer doch eher nebensächlichen Randnotiz zeigt sich das geradezu idealtypisch:

Das nennt man eine unglückliche Umkehrung von Ursache und Wirkung. Dabei wäre vom Zeilenfall her auch «Jan Bömermann geht auf Schwarzer los» möglich gewesen. Aber man hat ja in der Verrichtungsbox nicht alle Zeit der Welt.

Der nächste Ausrutscher folgt gleich im Lead: «Alice Schwarzer, die sich selber als Feministin bezeichnet, schiesst scharf gegen ZDF-Moderator Jan Böhmermann». Die sich selbst als Feministin bezeichnet? Hat der «Blick»-Autor den Hauch einer Ahnung, was diese Frau für die deutsche Frauenbewegung getan hat? Welche unzähligen Kämpfe sie geführt – und gewonnen hat?

Das ist ungefähr so bescheuert, wie wenn man schreiben würde «Angela Merkel, die sich selbst als Demokratin bezeichnet». Unglaublich.

Aber weiter im Geholper: «Die Publizistin und Journalistin Alice Schwarzer (80) erteilt eine Spitze gegen den ZDF-Moderator Jan Böhmermann (42) …» Erteilt eine Spitze? Ist das Dummdeutsch? Geht sie nun los, schiesst sie scharf oder «erteilt sie eine Spitze»?

Der Brachial-Comedian Böhmermann hat zuvor in seiner vom Zwangsgebührenzahler finanzierten TV-Show geäzt: «Die ‹Emma› hetzt inzwischen regelmässig gegen Transmenschen».  Weiter im wilden «Blick»-Geholper: «Und nicht nur das, er zitierte in seiner Show auch noch die AFD-Politikerin Beatrix von Storch, welche sich zu Geschlechtsanpassungen äusserte und sich dabei auf Schwarzers Magazin berief. Böhmermanns Kommentar dazu war: «Ach guck mal an, Nazis lesen ‹Emma›».»

Die Partei schreibt sich AfD, und dass Böhmermann dies Politikerin indirekt als Nazi bezeichnet, ist eine seiner typischen Geschmacklosigkeiten und Grenzüberschreitungen.

Was «Blick» unterlässt, ist die Begründung von «Emma» zu zitieren, wieso sie Böhmermann zum «Sexist Man Alive 2023» gewählt hat, also zum grössten lebenden Sexisten in Deutschland. Zum Beispiel, weil der mit dem Begriff «Nazi» um sich wirft, als wäre es Konfetti:

«Sandra Maischberger ist Nazi, sein Ex-Arbeitgeber Harald Schmidt ist Nazi und CDU-Chef Friedrich Merz ist quasi der Ober-Nazi.»

Schmidt konterte das mit der knappen Hinrichtung: «Krawallschachtel».

Wenn’s nur das wäre. Der Mann ist in Wirklichkeit richtig bösartig. Er denunzierte den Chef des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik als «Cyberclown mit Kontakten zum russischen Geheimdienst». Der verlor daraufhin seine Stelle. Die anschliessende Überprüfung ergab: nichts dran.

Unvergessen seine masslose «Schmähkritik» am türkischen Autokraten Erdogan. An dem liesse sich einiges bemeckern, aber Böhmermann kaprizierte sich darauf, ihn einen «Ziegenficker» mit «Schrumpelklöten», dessen «Gelöt nach Döner stinkt» zu beschimpfen. Das war allereunterste Schublade.

Der Ruf «Fick dich, Opa» gegen den damaligen Innenminister Horst Seehofer ging nicht gerade als Glanzlicht der deutschen TV-Satire in die Geschichte ein. Auch zum Thema Geschlechter schwatzt er Unsinn: «Es ist längst wissenschaftlicher Konsens, dass es sehr wohl mehr als zwei biologische Geschlechter gibt.»

Nein, es ist weiterhin allgemeiner Konsens, dass es viele verschiedene Geschlechterrollen gibt, aber nur zwei biologische.

Und eine geschmackvolle Aussage von Böhmermann zu Schwarzer? Bitte sehr: Schwarzer sei «eigentlich eine ganz normale 80-Jährige, die auf ihren letzten Metern gerne hätte, dass alles so bleibt, wie es nie war».

Selbst bezeichnet sich Böhmermann launig als «Arschloch mit Herz». Das nimmt «Emma» gerne in ihr furioses und vernichtendes Verdikt auf, wieso er dieses Jahr den Preis «Sexist Man Alive» bekommt:

«Dieses Arschloch ohne Herz ist kein Aufklärer, sondern ein Demagoge; ein Biedermann und Brandstifter, der von den Gebühren der Öffentlich-Rechtlichen fett gefüttert wird. 651.000 Euro Jahresgehalt sollen es sein, steigend. Für einen Denunzianten und Volksverhetzer. Der Gipfel aufgeblasener Männlichkeit.»

 

 

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2023/10/Bildschirmfoto-2023-10-28-um-08.44.29.png 212 302 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2023-10-29 05:30:392023-10-29 10:11:34Kindersoldaten am Gerät
René Zeyer

Hirnlos, Part II

4. August 2023/14 Kommentare/in Allgemein, Meinung/von René Zeyer

Linkes «Nazi»-Gekeife ist unerträglich.

Wenn man’s positiv sehen will: da die Linken die Diskurshoheit verlieren, viele öffentliche Debatten schwer an ihnen vorbeilaufen, sie keine mehrheitsfähigen Lösungen zu Themen wie Masseneinwanderung, Altersversorgung, Energieproduktion oder Gesundheitssystem anzubieten haben, werden sie zunehmend hysterisch und kreischig.

Negativ daran ist, dass nicht nur Organisationen wie Campax jedes Mass verlieren. Ob es «FCK NZI» heisst oder ob irgend jemand direkt als «Nazi» beschimpft wird, ob das Adjektiv «faschistisch» oder die Abschwächung aus juristischen Gründen «faschistoid» nachgeschoben wird, ob Angebräuntes denunziert wird oder an braune Zeiten erinnert: die Diffamierung mit braun Anstreichen wird inflationär.

Vorne dran sind meistens Provokateure, die mangelnde Hirnmasse durch die Wucht der Polemik auszugleichen versuchen. Sei das in Deutschland der sogenannte Satiriker Jan Böhmermann, der unliebsame Konkurrenz aus der Talkshow-Ecke oder gleich die CDU unverblümt oder verbrämt als «Nazis mit Substanz» beschimpft, oder in der Schweiz der Brachialblödler Mike («Arschloch») Müller, der von einer «Reichskristallnacht» faselt.

So hält Christina Neuhaus in der NZZ fest, dass Nazivergleiche inflationär geworden sind, «in den sozialen Plattformen macht sie gefühlt jeder, der entweder ein Zeichen «gegen Hass und Hetze im Netz» setzen will oder sich als Opfer fühlt.»

Diese Entwertung einer historischen Monstrosität wird aber nicht nur von Linken verbrochen; auch Coronapolitik-Gegner, die sich einen gelben (Juden)Stern mit der Aufschrift «ungeimpft» aufklebten, trugen dazu bei, das Böse zu banalisieren.

So empört sich Neuhaus: «Mit jeder Äusserung wird der Nationalsozialismus banalisiert. Jede Gleichsetzung ist eine Verhöhnung der Opfer. Wenn sich schon die Schweizer FDP mit Nazis gleichsetzen lassen muss, haben sich die Grenzen des Sagbaren nicht nur verschoben, sie sind bereits gefallen.»

Sie muss sich allerdings vorhalten lassen, dass sich die NZZ erst dann kräftig ins Zeug legt, wenn es auch die FDP trifft. Das Problem dahinter ist, dass für viele Dummbeutel, die am politischen Diskurs teilnehmen, das Wort «Nazi» oder «Faschist», jeder offene oder verklausulierte Vergleich mit dem Dritten Reich schlichtweg ein Ersatz für die Verwendung des Wortes «Arschloch» ist. Da das aber strafbar wäre, schleicht man sich halt auf braunen Umwegen so nahe wie möglich daran heran.

Wobei «Verhöhnung der Opfer» noch eine sehr staatsfraulich-zurückhaltende Formulierung ist. Es gibt ein paar wenige Ewiggestrige, die tatsächlich heute noch der Ideologie des Nationalsozialismus anhängen, insofern das überhaupt ein erkennbares Denkgebäude war. Sie darf man getrost als Nazis bezeichnen.

Allen anderen gegenüber ist die Verwendung dieses Vokabulars viel mehr als eine Verhöhnung der damaligen Opfer, eine Relativierung eines singulären Jahrhundertverbrechens, eine geschichtsvergessene Hirnlosigkeit. Wer diese Begrifflichkeit zur Herabsetzung des politischen Gegners missbraucht, ist nicht nur ein Idiot. Er ist schlichtweg ein Arschloch, ihm sollte das Rederecht entzogen werden.

Ins Bild passt auch, dass diese imbezilen Brandstifter nicht im Traum daran denken, sich für ihre geschmacklosen, primitiven, dummen, geschichtsvergessenen Ausrutscher zu entschuldigen. Daher ist die Vermutung erlaubt: sie tun es nicht, weil sie es nicht besser wüssten. Sie tun es mit Absicht, es ist keine Fahrlässigkeit, es ist pure Bösartigkeit. Wenn es jemand verdient hat, von allen Demokraten aus dem öffentlichen Diskurs verbannt, ausgegrenzt und mit Schimpf und Schande in seine Löcher zurückgejagt zu werden, dann sind es all die, denen das Wort «Nazi» so locker sitzt, als wäre es eine erlaubte Qualifikation.

So wie es gegen wahre Nazis kein Zögern oder Zaudern geben darf, so müssen all diese kleinen oder grossen Böhmermanns oder Müllers geächtet werden.

 

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2022/02/Schlamm5.jpeg 459 762 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2023-08-04 06:00:252023-08-03 08:58:52Hirnlos, Part II
René Zeyer

Wumms: Jan Böhmermann

23. Juni 2023/3 Kommentare/in Allgemein/von René Zeyer

Letzter Auftritt des Brachialkomikers.

Trost für Mike «Arschloch, Kristallnacht» Müller. Jan Böhmermann schlägt regelmässig alles an Geschmacklosigkeit. So macht er aus der deutschen FDP eine «Lindner/Lehfeldt-Bande» und präsentiert ihre Exponenten im Stil eines Fahndungsplakats aus den dunklen Zeiten der RAF, der Baader-Meinhof-Gruppe.

Zu den Abgebildeten gehörte auch der ehemalige «Spiegel»-Chefredaktor Stefan Aust, der seinerseits auf der Todesliste der RAF stand. Launiger Text Böhmermanns: Sie würden wegen «Beteiligung an staatsfeindlichem Aktivismus, Bildung einer kriminellen Vereinigung, gemeinschaftlicher Vorbereitung schwerer staats- und menschheitsgefährdender Straftaten gesucht».

Es gab dann sogar, wie immer, verpeilte Intellektuelle, die das eine zulässige Satire fanden. Auch über den türkischen Machthaber Erdogan war Böhmermann mit einem «Spottgedicht» hergezogen: «Ziegenficker, Fellatio mit 100 Schafen, Präsident mit kleinem Schwanz», wer sich diese Sudelei nochmals vollständig reinziehen will, bitte sehr.

Das Problem von Krachwumm-Komikern ist immer: sie müssen ständig einen drauflegen, sonst wird’s langweilig. Aber wie, wenn man schon alle Grenzen des Anstands und guten Geschmacks überschritten hat?

Einer geht immer, dachte sich wohl Böhmermann:

Das muss man zweimal lesen:

«Sandra Maischberger lädt Nazis in ihre Talkshow ein, damit Nazis nach der Machtergreifung Sandra Maischberger auch ihre Talkshow einladen.»

Original-Orthografie.

Zum Verständnis: Maischberger hatte in ihre Talkshow unter anderen den «Zeit»-Chefredaktor Giovanni di Lorenzo, die TV-Moderatorin Pinar Atalay und den Publizisten Wolfram Weimer eingeladen. Alle nicht wirklich im Verdacht, Nazis zu sein.

Thema der Sendung waren die miesen Umfragewerte für die deutsche Regierungskoalition und das Hoch (fast 20 Prozent) der AfD. Dazu diskutierten dann FDP-Fraktionschef Christian Dürr – und der AfD-Bundessprecher Tino Chrupalla. Unvorstellbar für den Antidemokraten Böhmermann, dass in einer Sendung über die AfD auch ein AfD-Vertreter zu Wort kommt.

Wenn das aber ein Nazi sein soll, dann wären ja rund 20 Prozent der Deutschen, die zurzeit AfD wählen wollen (im Osten sogar bis ein Drittel in einzelnen Bundesländern) alles Nazis.

Dann wollte sich – laut Böhmermann – Maischberger bei denen ranschmeissen, denn die planten schon wieder eine Machtergreifung.

Nach der es immerhin noch Talkshows und Maischberger gäbe. Diese Nazikeule, dieser Vergleich, diese antidemokratische Haltung, diese Denunziation machen Böhmermann zum grösseren Feind der Demokratie und der Meinungsfreiheit, als es die AfD jemals werden könnte.

Ist das ein unappetitlicher Stinkstiefel, der nebenbei mit diesem geschmacklosen Vergleich alle wirklichen Naziopfer verhöhnt. Letzter Auftritt Böhmermann bei ZACKBUM; hoffentlich nimmt sich das ZDF daran ein Beispiel. Denn Böhmermann ist auch ohne Machtergreifung unerträglich.

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2022/01/Wumms.jpeg 438 882 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2023-06-23 05:30:462023-06-22 21:19:08Wumms: Jan Böhmermann

  • Kleines Vademecum für Kommentarschreiber27. August 2020 - 16:08
  • Wer wir sind und was wir wollen25. August 2020 - 15:07
  • ZACKBUM.ch startet: Die Rückkehr der Medienkritik25. Juli 2020 - 6:05
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