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Löpfe verstehen für Fortgeschrittene

Auf «watson» ist alles erlaubt. Aber grenzenlos ist nie gut.

Philipp Löpfe ist bei «watson» für die Welterklärung zuständig. Also dann, wenn Peter Wanner mal Pause macht und keine klare Kante zeigt oder den Dritten Weltkrieg herbeischreiben will.

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Dann darf sich Löpfe um die grossen und letzten Fragen der Menschheit kümmern. Zum Beispiel diese hier:

 

Um dieser grossen Problematik Herr zu werden, versichert sich Löpfe der Unterstützung anderer Grossdenker:

««Sollte Putin Erfolg haben bei seinem Versuch, die Unabhängigkeit und die Demokratie in der Ukraine zu untergraben, dann wird die Welt zu einem aggressiven und intoleranten Nationalismus, der an das frühe 20. Jahrhundert erinnert, zurückkehren», warnt Francis Fukuyama im Magazin «Foreign Affairs»».

Das ist der gleiche Fukuyama, der sich unsterblich lächerlich machte, indem er nach dem Zusammenbruch des Ostblocks das «Ende der Geschichte» verkündete. Ob seine aktuelle Prognose eher zutrifft?

Aber Löpfe lässt es gleich nochmal krachen und zitiert einen Autor der «New York Times». Der Mann liest die internationalen Medien wie kein zweiter, will er uns damit sagen. Da könnte sich selbst Erich Gysling noch eine Scheibe von abschneiden.

Löpfe denkt sich durch die Weltgeschichte

Nun holen wir alle tief Luft und folgen gebannt dem ersten eigenen Gedankengang Löpfes:

«Putins Krieg ist mehr als ein scheusslicher Überfall auf eine souveräne Nation. Der Ausgang dieses Krieges wird die Zukunft der Menschheit entscheidend beeinflussen.»

Dieser «Wasserscheide» angemessen greift Löpfe nun in die Geschichte zurück. Liberalismus, Aufklärung, Immanuel Kant. Hat zwar alles nicht so wirklich miteinander zu tun, hört sich aber gut an.

Nun hebt Löpfe ab: «Im Zuge des Neoliberalismus wurde die Einsamkeit zum grössten sozialen Problem der westlichen Gesellschaften.» Das wussten wir nicht, das ist ja schrecklich. Denn:

«Die Natur mag bekanntlich kein Vakuum. In das durch die Sinnkrise des Liberalismus geschaffene Vakuum dringen daher die Zombies der Vergangenheit wieder ein. Verschwörungstheoretiker und Schwurbler schaffen Pseudo-Gemeinschaften. Rechtspopulisten holen eine überwundene Idee des Nationalstaates wieder aus der Mottenkiste.»

Man muss ein Löpfe sein, um zu erkennen, was die Natur mag und was nicht. Wir Laien würden eher davon ausgehen, dass Mutter Natur nur so ein Sinnbild ist, das man nicht zu wörtlich nehmen sollte. Oder hat schon jemals jemand gehört, wie sich die Natur schüttelte und sagte: Das mag ich nicht?

Der Endkampf an der Wasserscheide, Löpfe lässt nun die Natur in Ruhe, wird sich zwischen einem «liberalen Gegenmodell» und einem «Ethno-Nationalismus» abspielen.

Vom Liberalismus zum Nationalismus, Faschismus und zurück

Zuvor ist eben der Liberalismus zum Neoliberalismus verkommen, der wiederum die Einsamkeit des modernen Menschen auf dem Gewissen hat. Und «der Ethno-Nationalismus ist jedoch letztlich nichts anderes als eine Variante des guten alten Faschismus, selbst wenn er mit Religion angereichert wird.»

Was der «gute alte» Faschismus mit seiner bekannten Verbindung zur Kirche ja unterliess. Was aber, so fragen wir das Orakel Löpfe, was aber ist der Ausweg?

«Ein «gesunder» Nationalismus, ein Nationalismus, der nicht in einen Blut-und-Boden-Chauvinismus abgleitet, ist schwierig, aber möglich.»

Der Begriff «gesund», wie in «gesunder Volkskörper», ist nun in diesem Zusammenhang vom «guten alten» Faschismus ziemlich angebräunt worden. Aber was kümmert das Löpfe auf seinem Irrflug durch die Zeiten, die Ideologien und an die Wasserscheide, wo die freie Welt (im Gegensatz zur unfreien) überleben könnte. Wenn jemand auf Löpfe hören würde.

Leider versteht ihn aber niemand so wirklich, also wird wohl auch diese Wasserscheide unbemerkt an uns vorbeifliessen.