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Stehsatz zum Abschalten

Wenn’s KI wäre, wäre es wenigstens intelligent.

Fällt dir sonst nichts ein, dann haut halt Trump eine rein. Das war die letzte Rettung für einfallslose Journalisten, wenn der Klimawandel, die Gefahr von rechts und neue Untaten von Putin gerade mal Pause hatten.

Blöd aber auch: obwohl er garantiert nicht sieben Kriege beendet hat, scheint ihm im Nahen Osten die Quadratur des Kreises gelungen zu sein. Noch ist der Ausgang unsicher. Werden die fundamentalistischen Wahnsinnigen von der Hamas wirklich Waffen und Macht (soweit sie noch darüber verfügen) abgeben? Ist Netanyahu bereit, von rechtsradikalen Fundamentalisten in seiner Regierungskoalition gestürzt zu werden und dann höchstwahrscheinlich in den Knast zu wandern?

Aber wie auch immer, insgeheim wünschen natürlich viele in der Wolle gefärbte Trump-Trampler unter den Journalisten, dass er mit seinem Friedensplan auf die Schnauze fällt.

Sollte das geschehen – oder nach einer schamvollen Pause – wird’s dann fröhlich weitergehen mit dem Trump-Bashing. ZACKBUM, immer gerne bereit, verzweifelten Journalisten eine helfende Hand zu reichen, bietet hier die ultimative Vorlage dafür.

Exakt auf die passende Länge eines Kommentars im heutigen Elendsjournalismus geschnitzt (2000 A) folgt hier copyrightfrei die problemlos wiederverwertbare Abrechnung mit Trump.

Geschrieben von einer KI, also intelligenter als das meiste, was auf diesem Gebiet publiziert wird.

Here we go:

Donald Trump 2025 – Rückkehr einer zerstörerischen Figur

Donald Trump ist zurück – und mit ihm jene Gefahren, die in seiner ersten Amtszeit offen zutage traten. Heute agiert er nicht mehr nur als Populist, sondern als unberechenbarer Machtakteur, der demokratische Normen bewusst unterwandert. Seine politischen Auftritte gleichen Inszenierungen: laute Attacken, Feindbilder und ein ständiger Angriff auf alles, was nicht in sein Narrativ passt.

Er weigert sich nach wie vor, Fehler einzugestehen oder Verantwortung zu übernehmen. Stattdessen bedient er sich weiterhin der Taktik der Desinformation. Indem er Wahlen pauschal als manipuliert denunziert, sendet er ein Signal der Verachtung gegenüber demokratischen Institutionen – und ermutigt Anhänger, Zweifel an einer freien Wahl zu hegen.

In seiner Aussenpolitik erweist er sich erneut als zögerlicher Straftäter eines stabilen Partnersystems: alte Allianzen werden brüskiert, Enthaltsamkeit ist Form geworden. Seine Politik folgt weniger strategischen Überlegungen als spontanen Impulsen – oft abgesichert durch aggressive Rhetorik in Tweets und öffentlichen Auftritten. Politiker anderer Parteien werden diffamiert, Medien als „Feinde“ gebrandmarkt.

Doch der Erfolg, den Trump weiterhin hat, sollte nicht überraschen. Er spricht jene an, die sich vom System verraten fühlen – in wirtschaftlich abgelegenen Regionen, in kulturell gespaltenen Milieus. Indem er Wut kanalisiert, erzeugt er ein Gemeinschaftsgefühl unter seinen Anhängern. Sein Ziel ist jedoch nie die Versöhnung, sondern die Mobilisierung – gegen Institutionen, Gegner und jegliche Kritik.

Was Trump 2025 repräsentiert, ist kein Wandel, sondern die gefährliche Kontinuität eines Populismus, der Wahrheit relativiert, demokratische Regeln missachtet und den Weg für Autoritarismus ebnet. Durch seinen erneuten Einzug ins Weiße Haus steht die amerikanische Demokratie vor einer existenziellen Herausforderung – bereit oder unvorbereitet.

Copy and paste in den Stehsatz, raus aus der Käfigtierhaltung in der Hölle des Newsrooms und ab zum Feierabendbier!

Chor der Dummschwätzer

Make journalism dumb again. 7,2 Millionen Dollar für Alaska, das muss rückgängig gemacht werden.

Da will der bald einmal mächtigste Mann der Welt, Herr über die mit Abstand grösste Militärmaschine, über genügend Atombomben, um den Planeten in die Luft zu sprengen, militärische Gewalt bei der Annexion souveräner Staaten nicht ausschliessen.

Er will noch mehr Faustrecht einführen, als in internationalen Beziehungen ohnehin schon herrscht. Der ganze Kontinent Afrika leidet unter den willkürlichen Grenzziehungen der Kolonialmächte. Dennoch kommt selbst der verrückteste afrikanische Herrscher nicht auf die Idee, eine Veränderung dieser Grenzen, notfalls mit Gewalt, zu fordern. Weil selbst der dümmste afrikanische Herrscher weiss, dass damit das totale Chaos ausbrechen würde, verheerende Bürgerkriege die Folge wären, Massenelend und Zerstörung.

Wenn Russland versucht, sich mit militärischer Gewalt ein Stück von der Ukraine abzuschneiden, wird das zu recht einhellig verurteilt. Wenn Israel ausserhalb seiner Landesgrenzen Kriegsverbrechen begeht und von der Annexion sowie Besiedelung weiterer Gebiete redet, wird das ebenfalls von jedem anständigen Kommentator verurteilt.

Aber wenn das stabile Genie Donald Trump Ungeheuerliches raushaut, dann wird schöngeschwatzt, relativiert, die Idee nicht einfach als absurd-gefährlich abgewatscht, sondern in schlechtester intellektueller Tradition mit wichtiger Miene «reflektiert» und «analysiert». Dabei ist sie nur eins: krank und gefährlich.

Entweder wagt man sich gleich an eine Apologie wie die Schande seines Berufs Hubert Wetzel. Dass zwar die Kommentatoren beim Tagi aufbegehrt haben, von der Redaktion bislang kein Wort gegen dessen Ungeheuerlichkeiten gestellt wurde, ist trauriger Beweis dafür, dass die Rumpfredaktion, vor Angst vor dem nächsten Rausschmeissen gelähmt, Schaumgummi als Rückgrat und opportunistischen Schaum im Hirn hat. Feigheit statt Anstand, was für ein Desaster.

Dass der gleiche Wetzel, der noch das Ende der Demokratie befürchtete, als Trump gewählt wurde, nun eine von dessen beknackten Ideen gar nicht so schlecht findet, ein Stück aus dem Tollhaus.

Die Copycat Urs Gehriger haut wie meist in der «Weltwoche» mal wieder kräftig auf die Kacke:

«Trumps Grönland-Offensive ist kein launischer Akt eines Grössenwahnsinnigen. Sie ist im geostrategischen Kontext zu verstehen.»

Gehriger stellt die Pseudofrage: «Wird Trump tatsächlich einen Krieg gegen einen Nato-Partner vom Zaun brechen?» Das weiss man noch nicht, aber alleine die Drohung damit reicht doch schon.

Der Mann mit der merkwürdigen Frisur und dem verletzten Ego eines häufigen Losers habe das ja auch nicht so gemeint. Was hat er eigentlich gemeint? Nachdem er seine Ansprüche auf souveräne Staaten raushaute, wurde Trump gefragt, ob er zur Umsetzung dieses Wahnsinns ausschliesse, auch wirtschaftliche und militärische Macht einzusetzen.

Zuerst antwortete der Amok mit einem knappen «Nein». Dann legte er nach:

«Nein, bei keinem von beiden kann ich Ihnen eine Zusicherung geben, aber eines kann ich sagen: Wir brauchen sie für unsere wirtschaftliche Sicherheit.»

Das verband er mit der Aufforderung an Dänemark, die Kontrolle über Grönland aufzugeben. Sonst werde er hohe Zölle gegen den Nato-Partner erheben. Von strategischer Bruderhilfe, von der Gehriger fantasiert, war keine Rede.

Was angesichts dieser Ungeheuerlichkeit etwas in den Hintergrund geriet: zum Nahen Osten fielen ihm auch markige Worte ein: «Im Nahen Osten wird die Hölle losbrechen, und das wird nicht gut für die Hamas sein, und es wird – offen gesagt – für niemanden gut sein.» Ausser, die Geiseln seien bis vor seinem Amtsantritt am 20. Januar wieder zuhause.

Absurd, ungenau, der typische Anfängerfehler eines Amoks. Wer wie Obama damals beim Giftgaseinsatz durch das Assad-Regime damit droht, dass ein Überschreiten dieser roten Linie nicht geduldet werde – und dann nichts tut, hat sich blamiert. Trump will sich ganz sicher nicht blamieren.

Der «geostrategische Kontext», von dem Gehringer schwafelt, besteht schlichtweg darin, dass sich die USA privilegierten Zugriff auf die reichen Bodenschätze Grönlands sichern wollen. Dafür ist Trump jeder Vorwand recht, und zu seinem Wohlbehagen gibt es auch unter deutschen Medienschaffenden genügend Blödköpfe, die das mit blumigen Girlanden von wegen Schutz Europas vor Russland und China versehen.

Das Gleiche gilt auch für den Panamakanal. Trumps Behauptung, die Gebühren für eine Passage seien exorbitant zu hoch und benachteiligten die USA, sind, um ein trumpsches Lieblingswort zu verwenden, Bullshit. Sie liegen unterhalb denen des Suezkanals, es wird niemand benachteiligt oder bevorzugt, und die Rückgabe des Panamakanals an Panama ist völkerrechtlich so unangreifbar die die territoriale Integrität der Ukraine.

Wenn schon, könnte Kolumbien nicht nur auf den Kanal, sondern auch auf Panama Anspruch erheben. Denn schliesslich war es ein imperialistischer Akt der USA, dass sich dieser Wurmfortsatz 1903 von Kolumbien abspaltete. Damit die Marionettenregierung den USA erlauben konnte, den Kanal zu bauen und auch gleich sich das Territorium drum herum unter den Nagel zu reissen. Der Hay-Bunau-Vanilla-Vertrag. Man nennt ihn auch den Vertrag, den kein Panamaer unterzeichnet hat. Aber solches historisches Wissen kann man weder bei Trump, noch bei Gehriger noch bei den meisten Schreibtätern voraussetzen.

Bei allem Wahnsinn, der auf der Welt herrscht, hat bislang seit dem Zweiten Weltkrieg kein Irrer versucht, sich einen souveränen Staat einzuverleiben. Im Gegenteil, es entstanden diverse neue Staaten als Abspaltung von grösseren Gebilden.

Da aber die Geschichte weit zurückreicht, findet sich immer ein historischer Anlass, die «Rückgabe» oder die «Übergabe» eines strategisch, militärisch oder wirtschaftlich interessanten Stück Staats zu fordern.

Fängt jemand damit an, bricht der völlige Wahnsinn aus. Der Zar Alexander II. leierte den Verkauf von 1,6 Millionen km2 an die USA an. Im Morgengrauen des 30. März 1867 war man handelseinig: es wurde ein Scheck über lächerliche 7,2 Millionen Dollar für Alaska ausgestellt. Weder die dort lebenden Ureinwohner, noch die dort lebenden Russen wurden gefragt. Dabei wurde sogar ein höheres Angebot von Grossbritannien ausgeschlagen.

Der Check, mit dem Alaska gekauft wurde.

Treppenwitz der Gesichte: zuvor hatte der Zar das riesige Territorium anderweitig zum Kauf angeboten. An das Fürstenhaus von Liechtenstein.

Alleine hier gibt es also genügend Gründe, die Rechtmäßigkeit dieser Transaktion anzuzweifeln. Oder aber, das tut ja Trump im Fall Grönlands auch, einfach auf den Tisch zu klopfen und bei der Rückgewinnung Alaskas wirtschaftliche sowie militärische Mittel nicht auszuschliessen.

«Matto regiert», nannte das Friedrich Glauser, «world gone wrong», sang Bob Dylan. Denn es ist ja nie der Wahnsinn eines Einzelnen. Sondern der Chor von Wahnsinnigen, der die Welt in den Abgrund schieben kann.

Intelligenter Imperialismus

Alles glotzt auf Trump. Währenddessen erobert China weiter die Welt.

Es ist mal wieder der NZZ zu verdanken, dass sie das Augenmerk auf die Eröffnung eines Hafens lenkt. Na und, mag da der unbedarfte Leser denken.

Vielleicht denkt er es auch noch beim etwas ungelenken Titel. Aber der Inhalt hat es in sich. Dabei ist es eigentlich Business as usual für China. In Asien, in Afrika, sogar in Griechenland wendet das Reich der Mitte die gleiche, einfache imperialistische Politik an. Und zeigt dem Westen, was viel besser und wirksamer ist als dessen jahrhundertelange Kolonialpolitik, die im Wesentlichen aus der Ausbeutung billiger Rohstoffe in der Dritten Welt bestand.

China macht das viel geschickter. Es baut Infrastruktur. Also Strassen, Eisenbahnlinien, Häfen, Telekommunikation. Mit eigenen Arbeitern und eigenem Geld. Wahre Danaergeschenke. Denn das ist doch verlockend. Was die meist trübseligen Regierungen nicht selbst hinkriegen, wird ihnen frei Haus geliefert. Zudem noch mit chinesischer Pünktlichkeit, Qualität und Zuverlässigkeit. Gratis.

Nun ja, fast gratis. Denn Geschenke gibt es natürlich nicht, sondern die Projekte werden auf Kredit gebaut. Ist doch kein Problem, mit diesem Zuwachs an Produktivität und Wertschöpfung kann der Kredit locker zurückbezahlt werden. Oder eben nicht.

Aber es geht um mehr. Beim gerade eröffneten Megahafen an Perus Pazifikküste, der im Rahmen des Projekts neue Seidenstrasse die Transportwege nach und von China gewaltig verkürzen wird, hat sich Peru mit einem Kredit von einem Endvolumen von 3,5 Milliarden Dollar verschuldet. Präsident Xi Jinping reiste extra an, um das Ereignis gebührend zu würdigen.

Und weil er weiss, dass wohl auch Peru früher oder später mit den Rückzahlungen in Verzug geraten wird. Worauf dann die Daumenschrauben angelegt werden. Dabei sitzen die jetzt schon sehr fest, wie die NZZ schreibt:

«Besonders problematisch für die peruanische Souveränität ist der Umstand, dass die nationale Hafenbehörde 2021 Cosco Exklusivität beim Betreiben von Chancay zugestanden hat. Damit entscheidet nicht mehr sie, wer an den Terminals anlegen, arbeiten und Waren handeln darf, sondern die staatliche chinesische Gesellschaft. Als diese Klausel öffentlich bekannt wurde, kam es in Peru zu einem landesweiten Aufschrei. Im März dieses Jahres bat die Regierung darauf die Justiz, diese Bestimmung zu annullieren. Sie argumentierte, diese sei durch einen administrativen Fehler entstanden, die Hafenbehörde besitze gar nicht die Kompetenz, ein solches Zugeständnis zu machen. Doch im Juni ruderte Präsidentin Dina Boluarte auf Druck von China zurück und kassierte den Antrag auf Annullierung der Klausel. Gleichzeitig passte der peruanische Kongress das Hafengesetz so an, dass die exklusiven Rechte für Cosco nun zulässig sind.»

Die staatliche Cosco Shopping Corporation ist eine der grössten Reedereien der Welt. Schiffbau, Schiffsfinanzierung und Betreiben von Häfen.

Es ist eine weitere Facette des modernen Elendsjournalismus, dass bei Überereignissen wie den US-Präsidentschaftswahlen unzählige Artikel, Analysen, Einschätzungen, Interviews und erschütternde Berichte über die gestörte Verdauung von depressiven Journalisten erscheinen. Jede Handbewegung Trumps wird haargenau beobachtet, jede Ernennung eines neuen Ministers führt zu kollektiven Angstschreien.

Als Dauerbrenner läuft ja weiterhin der Ukrainekrieg, den Nahen Osten nicht vergessen, da rauchen die Köpfe. Dann will die SVP doch noch den Genderstern in amtlichen Verlautbarungen der Stadt Zürich abschaffen, was den Tagi zusätzlich ins Japsen und Hyperventilieren treibt.

Dann noch die Regierungskrise in Deutschland, wo eine grünrote Politik den Wirtschaftsstandort zu Kleinholz zerlegt hat. Das sind schon Ereignisse, die alle Japsblätter völlig auslasten und an den Rand der Leistungs- und Leidensfähigkeit bringen. Was Constantin Seibt letzthin gesabbert hat, kann in jeder Ausbildung zum Psychiater als Fallstudie verwendet werden. Auch wenn die Diagnose natürlich kinderleicht ist: kognitiver Zerfall, ausgelöst durch eine depressive Psychose.

Aber während sich auch andere Journalisten um Selbsttherapie von einem eingebildeten Krankheitsbild bemühen, passieren schon noch andere wichtige Dinge auf der Welt.

Zum Beispiel die imperialistische Expansion Chinas, das Entstehen eines neuen politischen-ökonomischen Verbundes namens BRIC, ein neuer Machtpol, in dem sich Schwergewichte wie Russland, China, Indien, Mexiko und Brasilien näherkommen.

Das sind interessante und bedeutende Entwicklungen. Aber halt ein wenig komplexer als Trump und Putin böse, AfD ganz böse, und SVP pfui. Genderstern gut, Klimabewegung sehr gut. Und der Rest der Welt ist eigentlich egal oder höchstens der anekdotischen  Betrachtung würdig.

Der Konsument fragt sich allerdings zunehmend, ob es diesen in den eigenen Vorurteilen gefangenen Journalisten nicht selbst langweilig wird. In ihrer luftdicht von der Wirklichkeit abgeschotteten Gesinnungsblase mit eingebautem Selbstbestätigungsmahlwerk und genügend Spiegeln zur Selbstbetrachtung und Bauchnabelschau.

Atavismus am 7. Oktober

Wie soll man mit diesem kulturellen Rückfall umgehen?

Die Pro-Israel-Kreischer haben es leicht. Notwehr, Antisemitismus, Zwang zum Gewinnen, da passt kein Hauch eines Zweifels ins Weltbild. Die Pro-Palästina-Kreischer haben es auch leicht. Freies Palästina, eigener Staat, Besetzungsmacht, Kriegsverbrechen. Auch da ist die Gesinnungsblase luftdicht von der Wirklichkeit abgeschlossen.

Aber was soll man auch Vernünftiges dazu sagen? Der Angriff ohne Vorwarnung auf Zivilisten, das Massaker an einem Musikfestival, beabsichtigte Barbarei, um Israel zu einem barbarischen Gegenschlag zu provozieren. Dass der massiver – und barbarischer – erfolgte als gedacht, die Dummheit fundamentalistischer Wahnsinniger ist schwer zu überbieten.

Die Kriegsverbrechen im Gaza-Streifen, die Mordtaten fanatischer israelischer Siedler auf illegal besetztem Land, die barbarischen Angriffe auf Wohnviertel in Beirut, damit fallen beide Seiten in atavistische Verhaltensweisen zurück.

Es kommt nur auf den Blickwinkel an, ob man das Errichten einer Kommandozentrale unter Wohnhäusern oder in Schulen oder Spitälern für barbarischer hält als deren Bombardierung.

«Ein für alle Mal» sei das todsicheres Rezept für ein Desaster im Nahen Osten, schreibt NZZ-God-Almighty Eric Gujer. Wer das historisch vertieft bewiesen haben möchte, dem sei die Lektüre von «Jerusalem, die Biografie» von Simon Sebago Montefiore empfohlen. 895 Seiten voller Gemetzel, Zerstörung, Wiederaufbau, Intrigen, Machtergreifung, Fanatismus, der sich seit der Gründungszeit Jerusalems bis in die Jetztzeit perpetuiert.

3000 Jahre, von König David bis heute, wo Blutvergiessen häufiger herrschte als friedliche Koexistenz, wo im Meer von Blut nur kleine Inseln des Friedens und Wohlergehens aufragten, auch sie so oft erbaut aus den Gebeinen von Getöteten, Gefolterten, Gekreuzigten, Hingemetzelten.

Was nützt ein solcher Blick, hilft er, das aktuelle Schlamassel, das Gemetzel, das alttestamentarische «Auge um Auge, Zahn um Zahn» besser zu verstehen?

Wer nicht so dumpf und dumm ist, dass er primitive Parteiname («die Israelis sind die Guten») braucht, wer es sich auch nicht so einfach machen will, mit dem Leiden eines Volkes ohne Staat alle Grausamkeiten zu legitimieren, der hat es im wahrsten Sinne des Wortes nicht leicht.

Äussert man Abscheu über die Greueltaten fundamentalistische Wahnsinniger, dann wird einem vorgeworfen, man sei der westlichen Propaganda auf den Leim gekrochen, das sei wenn schon legitime Gegenwehr gegen israelische Barbarei, Landraub und gezielte Tötungen gewesen. Verurteilt man israelische Kriegsverbrechen, dröhnt einem die volle Ladung «Antisemit, Mullah-Freund, bezahltes Sprachrohr» entgegen.

Auf welchem Niveau sich der Diskurs heutzutage abspielt, illustrieren die 190 Kommentare bei IP zum Thema «Die Ermordung von Nasrallah ist ein Kriegsverbrechen». Von ganz wenigen Ausnahmen abgesehen anonymes Erbrechen, wobei selbst Lukas Hässig die schlimmsten Sachen rauskübelt und nicht veröffentlicht. Man kann nur hoffen, dass das kein repräsentativer Querschnitt ist, befürchtet es aber doch.

Den Konflikt im Nahen Osten können sicherlich nicht westliche Intellektuelle mit scharfem Nachdenken lösen. Obwohl einige so vermessen sind zu meinen, das leisten zu wollen. Aber es gibt etwas, wogegen jeder Intellektuelle, der diesen Namen verdient, hierzulande energisch protestieren muss: gegen diese Verrohung, Verprimitivierung, gegen Denkverbote, dumpfe Hetze und brutalen anonymen Hass in der Öffentlichkeit.

Dass das Zürcher Zensur Festival einen russischen Dokumentarfilm aus dem Programm nimmt, die Autorin wieder auslädt, das ist ein Skandal. Dass das aufgrund von unziemlichem Druck der ukrainischen Regierung und widerlicher anonymer Hetze mit Morddrohungen geschah, ist unglaublich. Dass dagegen die offizielle Schweiz, die Regierung der Stadt und des Kantons Zürich, der Bundesrat nicht energisch protestierten, ist feiges Versagen.

Dass nur die kleine «Weltwoche» das Naheliegende tat und der Filmerin in einem Interview Gelegenheit gab, ihre Sicht der Dinge zu schildern, ist eine erbärmliche Niederlage der übrigen Medien.

Dass es Volltrottel gibt, die diese Zensur eines angeblichen Propagandamachwerks begrüssen, das ja von Moskau bezahlt sei (was völliger Schwachsinn ist, wie sich jeder informieren kann), zeigt, wie weit die Verblödung schon fortgeschritten ist.

Was Gujer, Meyer, Köppel oder Zeyer zum Nahen Osten meinen, hat keine erkennbare Auswirkung auf das dortige Hauen und Stechen und Morden, das Töten von Zivilisten im Namen einer guten Sache, die halt blöderweise am falschen Ort leben, das ungezielte Abfeuern von Raketen auf israelische Städte.

Dass wer will sich aber offen und öffentlich äussern darf, ohne Repressionen jeglicher Art befürchten zu müssen, ohne Zielschreibe von wutschäumenden Primitivlingen zu werden, die feige unter Pseudonym mutig hetzen, das muss man hingegen einfordern.

Der normale Wäffler, wie er auch bei ZACKBUM in den Kommentarspalten sein Unwesen treibt, der meint, es sei sein Menschenrecht, anonym zu rüpeln und zu rempeln und der furchtbar eingeschnappt ist, wenn man ihn darauf aufmerksam macht, dass er an fremden Tafeln nicht furzen, rülpsen oder gar auf den Tisch kotzen darf – das sind Kollateralschäden dank Internet.

Aber die zunehmende Uniformität der öffentlichen oder besser der veröffentlichten Meinung, das ist beunruhigend. Unabhängig davon, ob sie grossmehrheitlich pro Israel, aber auch vereinzelt pro Palästinenser ist. Was hier fehlt, ist die Bereitschaft zum Dialog, zum Dissens, zur Debatte.

Wer wie Tamedia ein Schreibverbot ausspricht, weil die Führungsnasen keine Kritik vertragen, der ist wohl am unteren Ende der Leiter angelangt. Und hat die Füsse bereits im Seichten, im Sumpf, im Morast der verängstigten Gesinnungsrechthaberei.

Da wäre sogar keine Meinung haben noch ehrenvoller. Hier aber gilt: wer so tief in den Sumpf eintaucht, säuft darin ab. Und keiner hat Mitleid.

Es kann nur einen geben

Eric Gujer und Frank A. Meyer kolumnieren zum Nahen Osten.

Eine Koinzidenz, eine Peinlichkeit. Da haben wir den unermüdlichen Kolumnisten Frank A. Meyer, nicht mehr Hausgespenst bei Ringier, nur noch Gespenst seiner selbst.

Er steht vor dem Brandenburger Tor und betrachtet, der Tor, die Welt durch seine dunkel verschattete Brille. Durch die sieht er einfache Verhältnisse:

«Zwei Welten und zwei Zeiten prallen aufeinander: die westliche Freiheits- und Fortschrittszivilisation auf die muslimische Religions- und Rückschrittsideologie, der aufgeklärte Westen auf die unaufgeklärte Doktrin der Gläubigen Mohammeds und Allahs.»

Dass es in Israel mindestens so unaufgeklärte Doktrinen von orthodoxen Juden gibt, die sogar an der Regierung beteiligt sind, dass fanatische israelische Siedler ihre illegale Landnahme mit Mord und Totschlag verteidigen, dass die westliche Freiheit- und Fortschrittszivilisation zu widerlichen Kriegsverbrechen fähig ist, das passt nicht in sein Schwarzweiss-Raster der Welt.

Von Berlin aus mag man das mit getrübtem Blick vielleicht so sehen, von nahe betrachtet ist das eine Beleidigung der Schweiz: «So steht Israel seit gut 75 Jahren für alles, wofür, beispielsweise, die Schweiz steht: Freiheit, offene Gesellschaft, wirtschaftlichen Erfolg – und Wehrhaftigkeit.» Schon alleine der Unterschied, dass die Schweiz noch nie einen Regierungschef hatte, den nur die Immunität des Amtes vor dem Knast bewahrt, ist Unterschied genug. Von der Annexion fremder Länder ganz zu schweigen.

Schliesslich das klare Bekenntnis eines Salonkolumnisten, ein wohlfeiles Bekenntnis, das nichts kostet: «Es ist an der Zeit, dass für die Begriffe Israel und Juden einfach nur ein einziges Wort steht: Wir.» Seit Charlie Hebdo und «nous sommes Charlie» abgehalftert wie nur was.

Aber von den Tiefebenen des «SonntagsBlick» zum Luziden der NZZ und ihres Vordenkers Eric Gujer. Auch der macht sich so seine Gedanken zum Nahen Osten. Man mag mit ihnen einverstanden sein oder auch nicht, elegante Schärfe, Weit- und Tiefenblick ist ihnen nicht abzusprechen. «Die Zeit der Mässigung ist vorbei», titelt Gujer, und er belegt das mit einer historischen Reminiszenz: «Nach dem Libanonkrieg im Jahr 2006 formulierte der Hizbullah-Führer Hassan Nasrallah diese Sichtweise prägnant. Er sagte in einem Interview, hätte er gewusst, was die Entführung zweier israelischer Soldaten auslösen würde, hätte er nie seine Zustimmung gegeben.»

Ironie der Geschichte, nennt man das wohl. Und wie äussert sich das Fehlen der Mässigung:

«Die Invasion am 7. Oktober und der sadistische Blutrausch enthemmter Palästinenser änderten alles. Die Hamas liess den Geist aus der Flasche, der ab 2006 gebändigt schien. Jetzt gilt wieder Auge um Auge, Zahn um Zahn oder, etwas weniger alttestamentarisch ausgedrückt: Die fatale Neigung ist zurückgekehrt, Probleme ein für alle Mal lösen zu wollen.»

Auch hier beweist Gujer, im Gegensatz zu vielen Instant-Konfliktordnern, historische Kenntnisse: «Auch die Israeli hofften mit dem Einmarsch in Libanon 1982, den Unruheherd an ihrer Nordgrenze mit Stumpf und Stiel zu vertilgen. Die fürchterlichen Massaker in den Beiruter Palästinenserlagern Sabra und Shatila waren die Folge. «Ein für alle Mal» ist das todsichere Rezept für ein Desaster im Nahen Osten.»

Einer erinnert sich an Sabra und Shatila, schon dafür gebührt Gujer Lob. Die Dimension des Desasters ist den westlichen Verbündeten Israels offensichtlich nicht klar: «Einer Fehleinschätzung unterliegen auch die USA und die Europäer. Sie rufen zur Zurückhaltung auf und appellieren an den gesunden Menschenverstand, so als würden in diesem Grosskonflikt nicht längst andere, atavistische Kräfte walten

Viel Hoffnung für die Zukunft vermag Gujer nicht zu geben: «Das Feuer, das jetzt wütet, muss ausbrennen. Das System der relativen Mässigung ist kollabiert. Eine neue Ordnung für den Nahen Osten muss erst entstehen, und das geschieht in dieser Region meist mit Waffengewalt

Für den Nahen Osten sei der Moment der Wahrheit gekommen, orakelt Gujer. Entweder versucht der Iran, seinen Anspruch auf «die absolute Hegemonie vom Persischen Golf bis zum Mittelmeer» zu erheben. Hätte Teheran damit Erfolg, stünden alle anderen im Nahe Osten als Verlierer da, inklusive USA und EU, was sie nicht zulassen könnten. «Muss aber Iran einen Rückzieher machen, steht es in den Augen seiner Verbündeten geschwächt da.»

Zu gelinde formuliert, als Verlierer. Neckisch dann, dass Gujer mit einem abgewandelten Zitat von Karl Marx endet, der das über Revolutionen sagte: «Im Nahen Osten tanzen die Machtverhältnisse

Während Meyer ärgerlich, im besten Fall mitleidserregend ist, liefert Gujer Food for Thought, Gedankennahrung, die erbaut, befremden mag, aber befruchtet. Er zeigt, was für Vorteile darin liegen, wenn man Geschichte nicht nur rezipiert hat wie Meyer, sondern auch gedanklich verarbeitet. Für Meyer gilt hingegen «si tacuisses», hätte er besser geschwiegen, dann wäre ihm diese Verzwergung erspart geblieben.

 

NZZ, quo vadis?

ZACKBUM wiederholt sich. Die NZZ leider auch.

Wenn ein Klugschwätzer wie Christoph Koopmann im fernen München via Tamedia UnausgegorenesPutin, der Pate») absondert, dann ist das halt eines der vielen Anzeichen des unaufhaltsamen Niedergangs.

Aber Peter Rásonyi ist immerhin Auslandchef der NZZ. Deren Auslandberichterstattung ist (meistens) ein Leuchtturm in der Tiefebene der deutschen Medienlandschaft. Ausser, wenn sich Rásonyi zu den USA äussert. Oder zum Krieg im Nahen Osten. Oder zum Ukrainekrieg.

Da nimmt auch Rásonyi ein von westlichen Geheimdiensten in die Welt gesetztes Gerücht für bare Münze: «Der russische Geheimdienst hat einen Mordanschlag auf den CEO des grössten deutschen Rüstungskonzerns Rheinmetall geplant.»

Hier erhebt sich langsam die Frage, ob der Sohn von Ungarn-Flüchtlingen unbedingt öffentlich ein Familientrauma abarbeiten muss. Dieses Propagandagetöse westlicher Geheimdienste, die notorisch falsch liegen, müsste dringlich auf seine Substanz abgeklopft werden. Sonst ist es nicht mehr als ähnliche unsinnige Behauptungen der russischen Propaganda. Aber für Rásonyi ist alles Anlass, seine ewig gleiche Schallplatte zu spielen: «Der Fall zeigt, dass der Krieg, den Präsident Putin seit mehr als zwei Jahren gegen die Ukraine führt, sich längst auch gegen den ganzen Westen richtet.» Kleines Problem: es gibt keinen Fall.

Aber wenn die Schallplatte sich mal dreht, dann kommt er nicht aus der Rille: «Derzeit stecken Putins Panzer in der östlichen Ukraine fest, aber niemand weiss, wie weit sie fahren würden, wenn sie könnten. Deshalb liegen all die angeblichen Friedensvermittler in Deutschland und ganz Europa falsch.»

Falscher als falsch liegt natürlich einer, der Rásonyi nahe und fern liegt: «Die Nato verhalte sich mit ihrer Unterstützung der Ukraine zunehmend wie eine kriegerischen Organisation, warnte der ungarische Ministerpräsident Orban diese Woche am Nato-Gipfel in Washington.»

Ganz falsch, donnert Rásonyi, denn er weiss, was richtig wäre: «Der Preis für Russlands Raubzug im Westen muss durch die starke Gegenwehr und die Unterstützung der Ukraine so hoch geschraubt werden, dass Putin künftig weder Mittel noch Anreiz zu solchen Verbrechen hat. Nur dann wird Europa wieder in Ruhe und Sicherheit schlafen können. Und genau das tun die Nato-Staaten, wenn sie die Ukraine unterstützen. Wenn die europäische Geschichte etwas gezeigt hat, dann den kontraproduktiven Effekt von Appeasement gegen brutale Diktatoren

Grosse Imperien unternehmen Raubzüge und wollen ihre Flanken schützen. Niemals würden es die USA akzeptieren, wenn Mexiko russische Militärstützpunkte zulassen würde. Als die Sowjetunion selig Atomraketen auf Kuba stationierte, die nicht näher an den USA waren als US-Atomraketen in der Türkei oder der BRD, endete das beinahe im Dritten Weltkrieg.

Schliesslich der «kontraproduktive Effekt von Appeasement gegen brutale Diktatoren». Der ewige schiefe Vergleich mit der Politik Grossbritanniens gegenüber Hitler vor dem Zweiten Weltkrieg. Wie alle Verkürzungen einer komplexen historischen Situation untauglich. Putin ist nicht Hitler mit Atomwaffen. Und hätte der Naziverbrecher solche besessen, wäre die Geschichte ganz anders ausgegangen. Hitler wollte nicht weniger als die ganze Welt erobern und die jüdische Rasse vernichten. Beides will Putin nicht.

Wenn ein Krieg nicht mit Verhandlungen endet, endet er mit der völligen Niederlage einer der beiden Kriegsparteien. Was ist an dieser einfachen, klaren und richtigen Analyse zu schwer zu kapieren? Die USA haben seit dem Zweiten Weltkrieg jede Menge Kriege verloren. Korea, Vietnam, Irak, Afghanistan, dennoch wurden sie niemals für die Verheerungen die sie anrichteten, zur Verantwortung gezogen. Ganz einfach, weil es niemanden gibt, der das einer Atommacht gegenüber tun könnte. Und Russland? Was soll an diesem Vergleich zu schwer zu kapieren sein?

Selbst die Militärmacht USA, die alleine so viel für Rüstung ausgibt wie die zehn nächsten Staaten zusammen, kam an ihre militärischen Grenzen; knapp bevor sie Atomwaffen in Vietnam einsetzte, wie es der verrückt gewordene General Westmorland forderte, so wie es zuvor General McArthur in Korea gefordert hatte. Eine Atommacht aus einem Krieg herausbugsieren, das geht nur mit Fingerspitzengefühl und Verhandlungen. Wer das als «Appeasement» denunziert, der zeigt ein bedenkliches Unvermögen zur Analyse.

Kann jedem passieren. Sollte dem Auslandchef der NZZ nicht passieren. Kann ihm einmal passieren. Aber in dieser hohen Kadenz und Wiederholung? Da hat God almighty Eric Gujer – bei all seiner atlantischen Sympathie – neben Beat Balzli noch ein zweites gröberes personelles Problem. Je schneller er es löst, desto besser für die NZZ.

Gemeinsam ins Elend, Teil I

Endlich: Tagi und NZZ Seit´ an Seit´.

Es gibt zwei Gebiete auf der Welt, wo’s drunter und drüber geht. Genau da wäre dringlich geboten, um diesen Ausdruck zu verwenden, dass sogenannte Qualitätsmedien ihrer Aufgabe nachgehen. Beschreiben, erklären, einordnen, dem Leser die Grundlagen für eine eigene Meinung vermitteln.

Was für ein klägliches Scheitern stattdessen. Im Nahen Osten der Tagi und in der Ukraine die NZZ.

Es gibt Dumpfbacken wie Markus Somm, für den sind die Israelis die unbezweifelbar «Guten» und alle ihre Feinde genauso einfältig die «Bösen». Aber mit so einem Tiefflieger muss man sich ja nicht ernsthaft auseinandersetzen.

Nun versucht sich der Tagi an einer Einordnung im Nahen Osten:

Immerhin ohne die Hilfe der «Süddeutschen Zeitung» – dafür aber mittels Zusammenschrieb der Ticker-Agenturen DPA und SDA, wobei noch ein gewisser «cli» mitfummelte. Resultat: Desaster.

Ein rechtsextrem-fanatischer Minister im Kabinett Netanyahu, der selbst in einer völkerrechtswidrigen Siedlung im von Israel besetzten Westjordanland lebt (aber für Somm sicher ein Guter), hat weitere 800 Hektaren zum israelischen «Staatsgebiet» erklärt, vermeldet der Tagi. Mit welcher Begründung findet dieser Landraub statt, warum, ausser, um damit den US-Aussenminister Blinken zu begrüssen? Da schweigt der Tagi kenntnislos.

Dann soll der Aussenminister Netanyahus Kriegskabinett dazu überreden, auf die Militäroffensive gegen die Stadt Rafah im Gazastreifen zu verzichten. Der korrupte Ministerpräsident (für Somm sicher ein Guter) hält aber an seinen Plänen fest. Wie steht es eigentlich in dieser Stadt, wie sieht die Lage dort aus? Ist die Bevölkerung tatsächlich am Verhungern? Was soll man davon halten, dass Israel zunächst der palästinensischen Bevölkerung im Norden des Gazastreifens nahelegte, in den angeblich sicheren Süden zu fliehen – nur um den anschliessend zu bombardieren und zu beschiessen? Da schweigt der Tagi kenntnislos.

Im UNO-Sicherheitsrat hätten 11 von 15 Mitgliedern für einen Resolutionsentwurf gestimmt, der einen «sofortigen und dauerhaften Waffenstillstand» forderte. Der sei entweder von den USA «unterstützt» worden oder es war ein Entwurf der USA; da ist sich der Tagi nicht ganz sicher. Ebensowenig, ob der nun einen dauerhaften Waffenstillstand oder eine «sofortige Feuerpause» von sechs Wochen fordere. Da eiert der Tagi kenntnislos.

China und Russland hätten ihr Veto eingelegt, vermeldet das Blatt. Warum? Der russische Botschafter habe vor der Abstimmung «Zweifel am Wortlaut der Resolution» geäussert. Welche? Und China sagte nichts? Doch, der geplante Einmasrsch in Rafa werde nicht deutlich genug verurteilt. Und wer war der dritte Staat, der dagegen stimmte (Algerien), wer enthielt sich (Guyana)? Keine Ahnung, sagt der Tagi kenntnislos, ist doch wurst.

Damit liefert das Haus der Qualitätsmedien Tamedia eine neue Definition des Begriffs «freie Medien des Westens». Vor allem frei von Informationsgehalt, frei von Erklärungen, frei von banalsten Zusammenhängen.

Tragisch dabei ist: wenn man nur ein einziges dieser Stücke etwas genauer analysiert, kommt erbärmliches Nichtwissen zum Vorschein. Wenn man das auf die gesamte Auslandberichterstattung, auf die Wirtschaftsberichterstattung extrapoliert, kann man mit Fug und Recht sagen, dass hier keinerlei geldwerte Leistungen erbracht werden. Wenn man Geseire gegen angebliche Gendersprachverbote in Bayern mal beiseite lässt, die haben wenigstens noch einen gewissen Unterhaltungswert.

Aber mal ehrlich, liebe Tamedia-Zentralredaktion: schämt Ihr Euch denn überhaupt nicht mehr für nichts?

Aber die NZZ ist auch nicht viel besser. Das erklären wir in Teil II.

 

Klugscheisser Avenarius

Wenn das Selbstbewusstsein umgekehrt proportional zur Kompetenz ist …

Dank Tamedia versprüht der Korrespondent der «Süddeutschen Zeitung» Tomas Avenarius seine Erkenntnisse auch in der Schweiz. Dabei hofft er sicherlich auf die Vergesslichkeit der Leser. Damit mag er recht haben, aber ZACKBUM vergisst nicht.

Im Juni 2023 sah Avenarius das Ende Putins kommen. Denn ein gewisser Prigoschin selig habe da Übles vor: «Aufstand in Russland: Prigoschins Coup könnte zur Katastrophe werden», unkte der Seher. Nur ungenügend durch das übliche «sollte» abgeschwächt, fantasierte der Kenner und Könner von «einem Vorspiel zu einem waschechten Militärputsch». Das war dann nix. Aber gut, von Istanbul aus und eigentlich «zuständig für die Türkei und Iran» sieht das alles halt etwas anders aus. Aber nun lässt Avenarius seinen seherischen Muskel im Gazastreifen spielen.

Denn nach der versemmelten Prognose ist vor der nächsten prophetischen Analyse:

Hoffentlich hört das israelische Militärkabinett auf ihn, denn er kennt diese beiden Wege auswendig. Aber zuerst schaut er seherisch in die Vergangenheit und schreibt, was er zwar schon immer wusste, sonst aber niemand. Und er hat’s auch nicht vorher verraten: «Die militärischen Ziele Israels im Gazastreifen waren von Beginn an unrealistisch.» «Von Beginn an», das wusste er aber nicht von Beginn an, oder?

Es ist einfach blöd, dass heutzutage Kriege von Generälen und Ministern geführt werden und nicht von Fachkoryphäen und Journalisten wie Avenarius. Denn natürlich war auch «die hohe Zahl an zivilen Opfern angesichts der engen Bebauung des Palästinensergebiets absehbar». Es geht doch nichts über eine Absehbarkeit im Nachhinein. So von heute aus betrachtet, nachdem es gestern regnete: dass es geregnet hat, war absehbar.

Gut, aber welche beiden Wege verrät uns nun das Medium, der Prophet?

«Wer die Hamas zerschlagen will, muss entweder den Gazastreifen mit Bomben endgültig unbewohnbar machen oder eine politische Lösung des Palästinenserproblems finden

Wow. Das ist nun von erschütternder Banalität. Das müsste unbedingt per reitendem Boten an Netanyahu übermittelt werden, damit der endlich weiss, an welcher Weggabelung er steht.

Das ist so grandios wie die wichtigtuerisch vorgetragene Analyse: wenn es regnet, gibt es zwei Möglichkeiten. Man wird nass oder hat einen Regenschirm dabei.

Wer meinte, dass die Journaille bereits die höchste Stufe der Lächerlichkeit erreicht hat, sieht sich ein weiteres Mal getäuscht. Da wagt ZACKBUM eine absolut sichere Prognose: es wird nicht das letzte Mal sein, dass sich Avenarius oder ein anderer Journalist unsterblich blamiert.

 

Leichen zählen

Eine der verlogensten Tätigkeiten der Medien.

Es gibt Leichen, die interessieren die Medien nur sehr am Rande. Oder wissen Sie, wie viele Tote es in den letzten Jahren im Sudan gab? In Somalia? In Äthiopien? In Eritrea? In Myanmar? Wie viele Opfer der Drogenkrieg jährlich in Mexiko fordert? Eben.

Das UNO-Hochkommissariat für Menschenrechte zählt über 10’000 zivile Opfer des Ukrainekriegs. Ein grosse Dunkelziffer existiert bei den Angaben über militärische Verluste auf beiden Seiten. Sicherlich völlig unparteiische US-Geheimdienste gehen von 315’000 toten oder verwundeten russischen Soldaten aus. Das wären 87 Prozent der bereitgestellten Bodentruppen. Das britische Verteidigungsministerium schätzt die Anzahl auf 70’000 Tote plus bis zu 240’000 verwundete Soldaten.

Auf ukrainischer Seite werden 120’000 «irreversible Verluste» geschätzt, also tote oder schwerverwundete Soldaten.

Das wäre ein wundersames Verhältnis zwischen zivilen und militärischen Opfern. In modernen Kriegen geht man davon aus, dass auf einen gefallenen Kombattanten bis zu neun zivile Opfer kommen.

Während aber im Ukrainekrieg die öffentliche Meinung eindeutig auf der Seite der Ukraine steht, ist es im Nahen Osten komplexer. Während nur fanatische Irrläufer die von den fundamentalistischen Wahnsinnigen der Hamas begangenen Massaker am 7. Oktober kleinreden wollen, ist die Anzahl der getöteten Palästinenser im Gazastreifen zu einer meinungsentscheidenden Grösse geworden.

Israel gibt rund 1200 Tote und 5’500 verletzte Zivilisten an, grössenteils durch den Terrorangriff der Hamas. Die Verluste der Streitkräfte beliefen sich auf 750.

Einzige übergeordnete Quelle im Gazastreifen ist die Palästinensische Gesundheitsbehörde, die sich unter der strikten Kontrolle der Hamas befindet, was ihre Angaben nicht völlig unglaubwürdig, aber sehr fraglich macht. Sie spricht von rund 20’000 Toten und über 52’000 Verletzten, wobei sie keinen Unterschied zwischen Zivilisten und ihren eigenen Kombattanten macht.

Israel wiederum behauptet, seit Beginn der Invasion rund 8000 Hamaskämpfer getötet zu haben. Das würde bedeuten, dass auf jeden getöteten Hamassoldaten zweieinhalb Zivilsten kämen, würden die Angaben beider Seiten stimmen. Was sie offensichtlich nicht tun.

Nicht nur in der Masse sind diese Zahlen bedeutend in der Beeinflussung der öffentlichen Meinung. Dass das israelische Militär drei israelische Geiseln getötet hat, die laut Augenzeugen eine weisse Fahne schwenkend und mit nacktem Oberkörper auf die Soldaten zugingen, hat in Israel die ohnehin schwankende Unterstützung für Premierminister Netanyahus Kriegsführung erschüttert. Vor dem Hamas-Massaker versuchte er bekanntlich, sich selbst vor dem Knast zu retten, indem er eine höchst umstrittene Justizreform auf den Weg brachte, gegen die Hunderttausende von Israelis protestierten.

Sobald dieser Krieg beendet ist, wird dieses Problem mit voller Wucht Fahrt aufnehmen. Ebenso die Diskussion, warum Israel am 7. Oktober völlig unvorbereitet war und wer dafür die Verantwortung trägt.

Während die Zahl der Opfer im Gazastreifen im Zentrum der Debatte steht, interessieren sich die Medien eher weniger für die weit über 250 durch illegale israelische Siedler ermordeten Palästinenser in der Westbank. Während der Gazastreifen nach dem vollständigen Rückzug der Israeli in die Hände der Hamas fiel, verwandelte sich die Westbank durch illegale Besiedelungen und die Politik Israels in einen Fleckenteppich, in dem die palästinensische Autonomiebehörde und die Al Fatah nur über kleine Teile die Kontrolle ausüben. Dass diese Organisationen hoch korrupt sind, trägt auch nicht gerade zur Anerkennung ihrer Autorität bei.

Leichen zählen, das ist seit Anbeginn der Kriege ein Propagandaschlachtfeld. Schon immer werden die Verluste des Feindes übertrieben, die eigenen schöngeredet. Schon immer ist der Feind unmenschlich und grausam, die eigenen Streitkräfte versuchen, so schonend wie möglich vorzugehen. Schon immer begeht der Feind brutale, entmenschte Kriegsverbrechen, während die eigene Seite sich an alle Regeln der Haager Landkriegsordnung hält.

Und schon immer war ein Geschehen so grausam wie noch nie. Seien es die Massaker der Hamas in Israel, seien es die Flächenbombardements der Israelis im Gazastreifen.

Leichen zählen, das ist ein Geschäft, mit dem politische und öffentliche Pluspunkte gesammelt werden sollen. Auch hier versagen die Medien in ihrer Funktion, möglichst unparteiisch einzuordnen, auf die Quellenlage hinzuweisen und keinesfalls ungeprüft Angaben einer Kriegspartei zu übernehmen.

Jede Leiche, jede behauptete Leiche, jedes getötete Kind, jede geschändete Frau wird als Propagandawaffe eingesetzt. Das individuelle Schicksal ist grausam, dieser Missbrauch verächtlich.

Der moralische Kompass

Es gibt keine neue Antworten auf alte Fragen. Dennoch müssen sie immer wieder beantwortet werden.

Seit die Menschheit sich überlegt, was der Unterschied zwischen Gut und Böse ist, gibt es eine teuflisch einfache Frage: Darf das absolut Gute das absolut Böse tun, um das Gute zu befördern und das Böse zu bekämpfen?

Diese Frage wurde schon in unendlich vielen Dilemmata durchgespielt. Darf der Entführer gefoltert werden, damit er das Versteck des Entführten bekannt gibt, der zu ersticken droht? Darf der Terrorist dem Waterboarding ausgesetzt werden, damit er Zeitpunkt und Ziel eines Anschlags verrät? Darf der Geiselnehmer erschossen werden, auch wenn damit das Leben der Geisel gefährdet wird? Darf man lügen, um der Wahrheit willen?

In der Eiseskälte der reinen Vernunft Immanuel Kants gibt es darauf eine klare Antwort: «Es ist also ein heiliges, unbedingt gebietendes, durch keine Konvenienzen einzuschränkendes Vernunftgebot; in allen Erklärungen wahrhaft (ehrlich) zu sein.»

Eine Lüge beeinträchtige immer den Wert der Wahrhaftigkeit. Da kann es keine Nutzenabwägung geben, laut Kant:

«Die Pflicht zur Wahrhaftigkeit ist eine unbedingte Pflicht, weil das Vertrauen auf Versprechen einer der Grundsätze ist, die die menschliche Gesellschaft zusammenhält.»

Ausgangspunkt für diese Überlegungen war ein Aufsatz von Benjamin Constant, der zu einem gegenteiligen Schluss gekommen war. Sein Gedankenspiel: darf man gegenüber einem Mörder lügen, wenn der fragt, ob sich ein von ihm verfolgter Freund zu uns geflüchtet habe? Natürlich darf man das, sagt Constant, und er begründet es so: «Es ist eine Pflicht, die Wahrheit zu sagen. Der Begriff von Pflicht ist unzertrennbar von dem Begriff des Rechts. Eine Pflicht ist, was bei einem Wesen den Rechten eines anderen entspricht. Da, wo es keine Rechte gibt, gibt es keine Pflichten. Die Wahrheit zu sagen, ist also eine Pflicht; aber nur gegen denjenigen, welcher ein Recht auf die Wahrheit hat. Kein Mensch aber hat Recht auf eine Wahrheit, die anderen schadet.»

Demgegenüber argumentiert Kant: «Denn sie (die Lüge, Red.) schadet jederzeit einem anderen, wenn gleich nicht einem andern Menschen, doch der Menschheit überhaupt, indem sie die Rechtsquelle unbrauchbar macht.»

Was hat diese Debatte, die um 1797 geführt wurde, also acht Jahre nach der Französischen Revolution, die in Europa erstmals grundlegende Fragen der Moral und Menschenrechte aufwarf, mit heute zu tun? Staubt es da nicht aus längst vergangener Geschichte, wurde das in der «Dialektik der Aufklärung» nicht längst widerlegt: «Die reine Vernunft wurde zur Unvernunft, zur fehler- und inhaltslosen Verfahrensweise»?

Oder anders gefragt: gibt es übergeordnete Prinzipien, deren Verletzung eine Beschädigung der Grundsätze darstellte, «die die menschliche Gesellschaft zusammenhalten»?

So abstrakt-absurd der Gedanke auf den ersten Blick erscheint, so bedenkenswert wird sein Inhalt, wenn man ihn an aktuellen Konflikten spiegelt. Natürlich ist die Ukraine, ist der Nahe Osten gemeint. Angesichts der russischen Verbrechen und der Verbrechen der Hamas, ist da das Gute nicht berechtigt, auch Böses zu tun?

Muss man da nicht einen Schritt weitergehen und das zutiefst korrupte, autokratische System von Selenskyj, das die Presse so wie Russland zensiert und keinerlei Opposition zulässt, nicht genauso unbedingt verteidigen wie den zutiefst korrupten israelischen Ministerpräsidenten Netanyahu, der mit einer Justizreform versuchte, den Rechtsstaat auszuhebeln, um selbst dem Gefängnis zu entgehen, kaum wäre seine Immunität aufgehoben?

Ist es nicht erbärmlich, wie viele sonst scharfe Denker und Analytiker zu unreflektierten Kriegsgurgeln und verbalen Blutsäufern werden, die mit der Beschreibung schrecklicher Verbrechen einer Kriegspartei die Kriegsverbrechen der anderen zu rechtfertigen versuchen?

Wenn es stimmt, dass die israelische Armee die Bewohner des Gazastreifens aufgefordert hat, den nördlichen Teil zu verlassen und in den vermeintlich sicheren Süden zu flüchten, um den dann zu bombardieren, gibt es da eine Relativierung zu den Massakern, die die Hamas verübte? Kann man sich da mit dem Gemeinen gemein machen, das Böse relativieren oder akzeptieren, dass es vom Guten verübt wird?

Die Ermordung von Bin Laden hat bei jedem vernünftigen Menschen Befriedigung ausgelöst, dennoch war sie völkerrechtlich eine illegale Handlung. Wurde damit das Gute befördert oder beschädigt? Erreicht Israel wirklich sein Ziel der vollständigen Liquidierung der Hamas – oder schafft es durch die Tausenden von Toten als Kollateralschäden nicht neue Heerscharen von todeswilligen, fundamentalistischen Wahnsinnigen? Ist es auch der Fluch der vermeintlich guten Tat, dass sie fortzeugend Böses gebiert?

Natürlich haben wir im Lehnstuhl in der wohlbeheizten Stube sitzend gut reden und schreiben. Umso lächerlicher wirken zunächst alle bis an die Zähne bewaffneten Kampfschreiber, deren Helm bis über die Augen heruntergezogen ist und sie blind für jede Reflexion macht. Sie wollen mit schrecklichen Verbrechen schreckliche Verbrechen legitimieren. Sie denunzieren jeden Aufruf zu Waffenstillstand als Unterstützung des Bösen, als Rechtfertigung böser Taten. Sie turnen mit Absolutismen durch Relatives und rechtfertigen, was nicht zu rechtfertigen ist, unter keiner Flagge.

Wie schnell geht hier mal wieder der moralische Kompass verloren. Der muss nicht so eiskalt-abstrakt funktionieren wie bei Kant. Aber etwas Reflexion sollte ausreichen, um zur ewig wiederkehrenden Antwort auf die ewige Frage zu gelangen: Nein, das Gute kann nicht grenzenlos böse werden, um das Gute zu bewahren. Es gibt eine feine rote Linie, deren Überschreiten dazu führt, dass es keinen Unterschied mehr zwischen dem Guten und dem Bösen gibt. Sondern nur noch eine Frage des Blickwinkels.

Da es (ausser für Gläubige) keine Letztbegründungen gibt, darf es auch keine unendlichen Relativierungen des Absoluten geben. Es gibt kein Gutes, das gut bleibt und nicht beschädigt werden kann durch böse Taten. Es muss immer ein Abwägen geben. Aber das ist unendlich schwierig; dummes Gepolter ist unendlich einfach.

Nicht nur, dass sich noch zur Reflexion fähige Menschen weder mit der Sache der Palästinenser noch derjenigen Israels gemein machen können. Von der Teilnahme an Demonstrationen ganz zu schweigen; da gerät man allzu schnell in schlechte Gesellschaft. Schlimmer noch: im wilden Hantieren mit Begrifflichkeiten wie Recht auf Selbstverteidigung, unschöne, aber nötige Begleiterscheinungen eines berechtigten Vernichtungskriegs, Kampf um, Sieg über, keine Verhandlungen, bis zuerst, Erpressung durch Geiseln, Inkaufnehmen von, mit all diesen Gedankentrümmerstücken verwirrter Geister, in all dem auch hier herrschenden Blasendenken, Echokammern, fanatischen Rechthabereien geht das Wichtigste verloren, gerät zumindest ausser Sicht.

Denn die Fragen, ob man um eines höheren Zwecks willen lügen darf, wann es übergesetzlichen Notstand gibt, was das Gute tun darf, um den Sieg des Bösen zu verhindern, ohne selber böse zu werden, diese Fragen sind zwar uralt, müssen aber immer wieder neu beantwortet werden. Das setzt aber voraus, dass man sich nicht im Nebel des Krieges verliert, den klaren Blick bewahrt und zunächst einmal zugibt: keiner, nicht einmal Kant, hat den Anspruch auf die einzig richtigen Antworten. Selbst der Papst hat den Anspruch auf Unfehlbarkeit aufgegeben. Im Gegensatz zu ach so vielen Kommentatoren.

Diese Erkenntnis, deren die meisten in der Hysterie des Gekreisches nicht mehr mächtig sind, wäre der einzig wahrhaft richtige Ausgangspunkt für eine sinnvolle Debatte. Bis wir den erreichen, was fraglich ist, gilt nur mal wieder Shakespeare:

And all our yesterdays have lighted fools
The way to dusty death. Out, out, brief candle.
Life’s but a walking shadow, a poor player
That struts and frets his hour upon the stage,
And then is heard no more. It is a tale
Told by an idiot, full of sound and fury,
Signifying nothing.