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Wer finanzierte Spitzel Cincera

Die Schweiz war in Angst: Übernehmen die subversiven Roten die Macht?

Es gibt ab und an einen Lichtblick im trüben Sumpf der Schweizer Journaille. Der von der Schaffhauser AZ zum «Tages-Anzeiger» gestossene Redaktor Kevin Brühlmann hat ein feines Stück abgeliefert.

Er hat sich auf die Spuren des «Kommunistenjägers» Ernst Cincera begeben. Um den zu verstehen, muss man sich in die 70er-Jahre des letzten Jahrhunderts zurückbegeben. Es war die Hochzeit des Kalten Kriegs zwischen dem kapitalistischen und dem kommunistischen Lager, angeführt von den USA und der UdSSR. Da beide Supermächte über genügend Atomwaffen verfügten, um die Welt gleich mehrfach in die Luft zu sprengen, rückte die Möglichkeit einer militärischen Auseinandersetzung in weite Ferne.

Aber auch in der Schweiz ging die Angst um. Die Angst vor einer subversiven Wühlertätigkeit von verkappten Linksradikalen oder Kommunisten, die sich insgeheim daran machten, das Schweizer System zu unterwandern – und schliesslich mit einem Umsturz oder gar einer Revolution die Macht zu ergreifen.

Das Bürgertum wollte sich wehren – mit allen Mitteln

So jedenfalls die schreckensbleiche Vorstellung in rechtsbürgerlichen Kreisen. Um in den Verdacht zu geraten, zu diesen Umstürzlern zu gehören, reichte oft bereits eine Mitgliedschaft in der SP, Gewerkschaftsarbeit oder öffentliche linke Äusserungen. Zu trauriger Berühmtheit gelangte damals Ernst Cincera. Der nur 163 cm grosse gelernte Grafiker und Werber hatte es sich zur Lebensaufgabe gemacht, den Kampf gegen die Subversiven persönlich zu führen.

Eine journalistische Spitzenleistung.

Schon in den späten 60er-Jahren hatte Cincera damit begonnen, ein Archiv anzulegen. Auf tausenden von Karteikarten notierte er die Namen von potenziell Verdächtigen, von Linken, von aus Moskau gesteuerten Systemveränderern. Oder zumindest von Personen, die Cincera dafür hielt. Längst war er nicht mehr als Werber tätig, sondern sammelte Informationen, Zeitungsausschnitte, Berichte, Spitzelrapporte und notierte all das fleissig auf seinen Karteikärtchen.

Denunziant Cincera zerstörte Karrieren

Was sich aus heutiger Sicht verschroben-putzig anhört, war es damals keinesfalls. Denn immer häufiger bedienten sich Firmen und sogar staatliche Stellen dieser Kartei. Man konnte sich bei Cincera melden und ihn um Auskunft über einen Stellenbewerber bitten.

Fand sich dessen Namen in seiner Kartei, wurde es nichts mit der Anstellung.

Cincera, Jahrgang 1928, war das Kind einer Arbeiterfamilie und sympathisierte selbst in seiner Jugend mit dem Kommunismus. Aber in der Rekrutenschule hatte er eine Art Erweckungserlebnis und gelangte zur Überzeugung, dass die Schweiz vor der Unterwanderung durch rote Gesellen geschützt werden müsse.

So denunzierte er einige Jahre ungestört vor sich hin. Bis 1976 der Journalist Jürg Frischknecht zusammen mit ein paar Helfern zum Gegenschlag ansetzte. Das Grüppchen brach in Cinceras Geheimarchiv ein, klaute ein paar tausend Karteikarten und brachte das Tun dieser «unheimlichen Patrioten» ans Tageslicht.

Cincera war aber nur die Spitze eines Eisbergs

Darauf wandten sich viele, die zuvor seine Dienste eifrig benützt hatten, offiziell von ihm ab. Aber das war nur das Vorspiel zu einem viel grösseren Bespitzelungsskandal. Nicht zuletzt gefüttert mit Erkenntnissen aus Cinceras Denunziantenarchiv, hatte die Bundespolizei ein eigenes Archiv von angeblich subversiven Zeitgenossen angelegt. Und zwar mit der grossen Kelle: Als auch diese geheime Fichensammlung 1989 aufflog, waren darin rund 900’000 Personen verzeichnet.

Später konnte man Einsicht in die eigene Fiche nehmen. Der ZACKBUM-Autor durfte dabei feststellen, dass sogar ein Besuch der kubanischen Botschaft in Bern verzeichnet worden war, nicht ohne die Erwähnung, dass er von einer nicht identifizierten Person dabei begleitet wurde. Herzerwärmend war auch, dass sogar ein Physiklehrer der Kantonsschule Aarau meinte, seiner staatsbürgerlichen Pflicht nachgehen zu müssen und den Autor – ohne konkrete Verdachtsmomente – als ganz gefährlichen Aufrührer bei der Bundespolizei denunzierte. Eigentlich war dieser Mann dadurch charakterlich nicht geeignet, Schüler zu unterrichten, als bösartiger Spitzel.

Die ironische Fussnote besteht darin, dass Moritz Leuenberger, als er nach dem Studium auf der Suche nach einer Anstellung war, selbst Opfer des Denunziationsarchivs Cinceras wurde. Später aber seine politische Karriere vorantrieb, indem er zuvorderst bei der Aufklärung des staatlichen Fichenskandals wirkte – und schliesslich den Sprung in den Bundesrat schaffte.

Spitzel Cincera, Opfer Moritz Leuenberger (oben rechts).

Ein wichtiger Aspekt der Tätigkeit Cinceras bliebt aber bislang unbeleuchtet: wer hat dieses aufwendige Archiv, wer hat die Tätigkeit Cinceras finanziert? Da ist Brühlmann ein echter Fund und Treffer gelungen. Als Sammelbecken für Spenden diente damals das «Institut für politologische Zeitfragen», sozusagen eine bürgerliche Tarnorganisation. In dem Beirat sass Cincera, direkte Geldflüsse sind natürlich nicht nachweisbar.

Alle grossen Firmen spendeten für Spitzeltätigkeiten

Aber mit Schweizer Akkuratesse sind alle Spender von 1970 bis 1992, bis zur Auflösung des Instituts, aufgeführt. Darunter so ziemlich alle bedeutenden Schweizer Unternehmen; Migros, Zurich Versicherung, Nestlé, natürlich die Schweizer Grossbanken, usw.

Die akkurate Liste aller Spender.

Brühlmann zieht eine berechtigte und bittere Bilanz aus seiner hochinteressanten Recherche:

«In einer Demokratie, die sich rühmt, auf dem Wettbewerb um die besten Ideen zu fussen, musste man Anliegen junger Menschen, zum Beispiel gute Löhne oder mehr Mitbestimmung im Betrieb, nicht diskutieren, denn man konnte sie als Staatsfeinde an den Rand der Gesellschaft schieben. Und darüber hinaus.»

Die Liste der Spender eines Jahres.

Die Frage, ob sich ähnliche Strukturen heute wieder herausbilden, diesmal im Umgang mit den sogenannten Corona-Skeptikern, liegt auf der Hand. Wie China erschreckend vorführt, sind zudem heutzutage die Kontrolle- und Überwachungsmöglichkeiten durch die zunehmende Digitalisierung um Zehnerpotenzen grösser als zu Zeiten der kalten Krieger und unheimlichen Patrioten im letzten Jahrtausend.

Amateurhafte Stümper im Vergleich zu den heutigen Möglichkeiten

Der Karteikärtchen-King Cincera, die Bundesbeamten, die mit Schreibmaschine Fichen anlegten und archivierten, das waren alles Anfänger, Kinderkram, lachhafte Amateure im Vergleich zu den heutigen Spitzelmöglichkeiten der staatlichen Geheimdienste.

Brühlmann ist ein gelungenes Stück Recherche zu verdanken. Eine kleine Sternstunde des Journalismus, die zeigt, was alles möglich ist, wenn man sich nicht um die eigene Befindlichkeit kümmert, in wahnhafter Suche nach Diskriminierung oder nach einer gendergerechten Sprache verliert. Sondern das macht, wozu der Journalist da ist: einen Faden aufnehmen, ihm nachgehen durchs Labyrinth der Zeitgeschichte, um mit einem schönen, runden Ball an Story zurückzukehren.

 

Schawis UKW-Schlacht: 2 zu 0

Der Radio-Pionier macht weiter Boden gut – UKW-Abschalter schnallen ab.

«Dass man umdenken kann, auch wenn man zuvor etwas im Enthusiasmus beschlossen hat», das sei das Wichtigste. So lobt der Ex-Medienminister Moritz Leuenberger seine Nachfolgerin Doris Leuthard.

Unter deren Federführung war die Abschaltung der Radio-Übertragung auf UKW beschlossen worden. Inzwischen hat die Alt-Bundesrätin eingeräumt, dass das wohl eine übereilte Entscheidung war, die sie aus heutigem Kenntnisstand nicht mehr so treffen würde.

Moritz Leuenberger: da denkt was unter dem Hut.

Applaus von Leuenberger, der sich ebenfalls gegen diese «von oben herab befohlene Eile» ausspricht. Alleine schon, weil die Entsorgung von Millionen von UKW-Geräten jede Menge graue Energie verschwenden würde. Und weil auch Leuenberger der Auffassung ist, dass UKW als Übertragungskanal bleiben muss.

Das sind schon zwei Fach-Bundesräte, die Roger Schawinski in seinem Kampf um die Erhaltung des UKW-Kanals hinter sich weiss. Plus über 55’000 Unterschriften unter der Petition «rettet UKW», die er vor Kurzem gestartet hat. Was bemerkenswert ist, weil Schawinski im Wesentlichen sein «Radio 1» als Multiplikator und Lautsprecher hinter sich weiss.

Stand Montag, 21. Juni 2021 …

Nach einigen seiner Prominenz geschuldeten Gastauftritten in anderen Medien herrscht inzwischen bei den Befürwortern der Abschaltung – Funkstille. Man spielt die Sendepause rauf und runter. Vielleicht besser so, denn für den mit Abstand dümmsten Spruch sorgte bislang Florian Wanner, Leiter Radio bei CH Media. Der Wanner-Clan hat sich die grösste Sammlung von privaten TV-und Radiostationen zusammengekauft, darunter das von Schawinski gegründete «Radio 24» und «Tele Züri».

Wanner, von Beruf Sohn und von Qualifikation eine Null, meinte am Anfang der Kampagne von Schawinski noch arrogant auf die Frage, was ihm durch den Kopf gegangen sei:

«Ich musste schmunzeln und war nicht überrascht. Es ist eine schöne Geschichte für ihn. Er war der Erste unter den Privaten – und möchte offensichtlich auch der Letzte sein.»

Sendepause, Hinterzimmerdeals und Kungeleien

Inzwischen nimmt es Wanner Junior etwas ruhiger, ebenso der Präsident des Verbands Schweizer Privatradios. Jürg Bachmann war dabei, als damals ein Hinterzimmerdeal ausgehandelt wurde. Die Privatradios stimmen der Abschaltung von UKW zu, dafür müssen sie sich in der Restlaufzeit nicht nochmal um die Sendelizenzen bewerben.

Da hatte es nämlich blöde Unfälle gegeben, weil einige Radiomanager sogar zu unfähig waren, ein fürs BAKOM akzeptables Gesuch einzureichen. Den Stress wollte man sich nicht mehr so schnell antun. Also kein Stress, Zustimmung, merkt doch keiner. Oder höchstens, wenn’s zu spät ist. Dass Schawinski schon damals diesem Deal nicht zugestimmt hatte, nahm man auf die leichte Schulter. Oh je, der schon wieder, will wohl immer aus der Reihe tanzen, will wohl weiter UKW senden, weil er noch nie vom Internet gehört hat.

Zudem waren die Verlage zunehmend damit ausgelastet, den nächsten Deal durchzukriegen, die Milliarden-Unterstützung durch den Steuerzahler. Für die milliarden- oder mindestens multimillionenschweren Medien-Clans wie Ringier, Wanner, Lebrument oder Coninx, bzw. Supino.

Also machen die Radiomacher, die Sender ohne Sendungsbewusstsein, damit weiter, was sie viel besser können. Kungeln, vernetzen, verfilzen. So liess sich Wanner Junior zum VR-Präsidenten des DAB+-Netzbetreibers SwissMediaCast wählen. Das ergänzt seine Mandate im VR der AZ Medien AG – sowie im Vorstand des  Privatradio-Verbands.

Dass DAB+ in Wirklichkeit das Auslaufmodell ist, das muss ihm mal jemand erklären. Aber bitte ganz langsam.

Gejammer hat genutzt – vorläufig

Alles Gejammer der Verlage, dass sie dringend auf noch mehr Staatskohle angwiesen seien, denn es wäre doch unerträglich, wenn die Coninx-Yacht nicht erneuert werden könnte, wenn Ringier sich nicht den neusten Aston Martin kaufen dürfte, hat zwar im Parlament genutzt. Die Milliarde ist durch.

Aber auch hier droht Ungemach. Ein munteres Referendumskomitee um den Verleger Bruno Hug, den Alt-FDP-Nationalrat Peter Weigelt und den Kommunikationsberater Philipp Gut ist angetreten, den Verlegern in die Suppe zu spucken. Die NZZ, von Anfang an skeptisch gegenüber mehr Staatskohle für Medien, zeigt inzwischen unverhohlen Sympathie für dieses Referendum. Das sicherlich kommen wird.

Schliesslich haben die Verleger bis fast am Schluss verpasst, dass der Ständerat die Schwelle fürs Verhindern von kritischer Berichterstattung niedriger legte; mit einer scheinbar harmlosen, aber brandgefährlichen Streichung eines einzigen Worts bei superprovisorischen Verfügungen.

Es läuft also nicht wirklich gut für die Verleger. Allerdings: 2020 war ein weiteres profitables Jahr mit Gewinnen satt. Aber jammern ohne zu leiden, das ist inzwischen die Lieblingsbeschäftigung dieser Clans.

Sieht so ein Siegertyp aus? Roger Schawinski.

Ex-Press XXIX

Blüten aus dem Mediensumpf.

 

Was macht eigentlich …?

Immer eine beliebte Kategorie der Medien, wenn ihnen gar nichts einfällt. Ergänzt durch taugliche und untaugliche Versuche, sich in Erinnerung zu rufen.

Untauglich war der Versuch von Alt-Bundesrat Moritz Leuenberger. Nicht mehr im Amt, nicht mehr VR, hat Auftrittsverbot als Conferencier, typisches Altersloch. Also macht er auf sich aufmerksam, indem er ausplaudert, dass auch die Schweiz Lösegeld für Geiseln bezahlt und unter Spesen abgebucht habe.

Riesengebrüll, Strafanzeigen, rote Köpfe. Comeback gelungen. Aber wie?

Ins ewige Lamento der bundesrätlichen Task Forcewarnen, raten ab, ist noch zu früh, besteht die Gefahr») müssen sich auch bewährte Fachkräfte immer wieder zu Wort melden. Schliesslich haben nicht alle geschafft, was Marcel Salathé gelang, ihr unerreichtes Vorbild. Anhaltender Ruhm und ein warmes Plätzchen mit viel Budget erobern.

Eine der Virus-Frauen ergreift wieder das Wort

Also wagt die «Biostatistikerin Tanja Stadler» mal wieder einen Ausblick im Qualitäts-Organ «Tages-Anzeiger». Bevor wir zum Inhalt kommen: geführt wurde es von Nik Walter. Wir sind entsetzt. Ein älterer, weisser Mann, zudem Vorgesetzter von weiblichen Mitarbeitern. Wie das heute bei Tamedia noch möglich ist? Unverständlich. Oder: eine reine Machtdemonstration, eine beabsichtigte Provokation. Aber gut, das werden die Protest-Frauen sicher in einem internen Schreiben aufarbeiten, das wir dann auch lesen dürfen.

Stadler sagt: «Wir setzen den Sommer aufs Spiel». Auch Biostatistiker werden immer gelenkiger, was Interviews betrifft. Sie wissen, was man sonst erzählt, ist nebensächlich. Solange der Namen richtig geschrieben ist. Und man ein knackiges Quote abliefert, das sich als Titel eignet.

 

Der Hausfrauen-Report im Tagi

Wir begrüssen aber ausdrücklich, dass sich der Tagi auch Problemen der Hausfrau annimmt. «Was tun, wenn der Salat «lampt»?» Dagegen und auf 14 weitere ärgerliche Probleme («Was tun mit Fondueresten?», «Keine Sauerei beim Panieren!») weiss Daniel Böniger Abhilfe. Menschlich verstehen wir, dass sich auch ein Restauranttester irgendwie über Wasser halten muss. Aber gendermässig haben wir hier ein echt heikles Problem.

Schreibt ein Mann, kann das als Ausdruck typisch männlicher Besserwisserei ausgelegt werden. Schreibt eine Frau, kann das als typische Rollenzuteilung verstanden werden. Klar: Frau, Kinder, Küche, Kirche. Das wäre eigentlich ein klassischer Fall dafür, dass diesen Text unbedingt ein non-binärer Autor verfassen müsste, einer, der bei der Geschlechtsangabe d (für divers) ankreuzt. Also schon wieder versemmelt. Gerüchteweise wird herumgeboten, dass Arthur Rutishauser und Pietro Supino betroffen sind und das Problem sehr ernst nehmen.

 

Ratgeber für Selbstverteidigung verfolgter Frauen?

Schliesslich, aller schlechten Dinge sind drei: «Damit sich Frauen sicher fühlen». Endlich, ein Ratgeber, wie sich frau auf Tamedia-Redaktionen verhalten soll? Tränengasspray in der Hand, Selbstverteidigungskurse gratis, in denen der berühmte Tritt ins männliche Gemächt geübt wird? Nein. Zunächst: auch hier ist der Autor ein Mann. Als ob der sich in die Angst der Frauen beim abendlichen Heimweg hineinfühlen könnte. Ein Skandal.

Moment, vielleicht gibt es hier doch Rettung. Denn der Mann schreibt:

«Dabei wird vermehrt von Männern eingefordert, Verantwortung in der Sache zu übernehmen.»

Genau, wenn Frauen Angst haben, muss der Gentleman, der sanfte Mann, zu Hilfe eilen. Nun, das ist so old school, vergesst es, rät Martin Fischer. Heute wird vom Mann ganz anderes gefordert.

Ganze 8 Ratschläge hat Fischer parat. Darunter «Abstand halten, Strassenseite wechseln», «klare Signale geben, mehr lächeln», «mit anderen Männern reden» und «Einverständnis einholen». Wozu? Also wirklich, welches Macho-Dummerchen hat das gefragt? «Nur weil man zum Beispiel eine Frau nach Hause begleitet hat, ist das noch kein Freipass, sie küssen zu dürfen», weiss Corina Elmer von der «Frauenberatung sexuelle Gewalt», bei der sich Fischer Rat geholt hat.

Da bin ich nun verblüfft; bislang habe ich das immer ohne Einverständnis getan, unbeschadet von Alter, Aussehen oder allfälliger Gegenwehr. Darauf sagte ich immer: «Du willst es doch auch», und dann war Ruhe. Im umgekehrten Fall hielt ich schliesslich auch still. Aber das ist nun vorbei.

 

Warum trauen sich die Frauen der anderen Medienhäuser nicht?

Wir warten schon sehnlich darauf, dass sich endlich die belästigten, unterdrückten, an fehlender Motivation und ständiger Verteidigungshaltung leidenden Frauen von Ringier mit einem eigenen Protestschreiben melden. Es weiss doch jeder, dass bei dieser Machomännerkultur in der «Blick»-Familie Zoten, sexistische Sprüche, üble frauenfeindliche Witze zum Alltag gehören. Schon lange haben sich Frauen abgewöhnt, Röcke zu tragen, so oft wurde ihnen frech an den Oberschenkel gegrapscht. Frauen gehen nur zu zweit auf die Toilette, und abends auf dem Heimweg fürchten sie sich nicht vor fremden Männern, sondern vor ihnen nachstellenden Vorgesetzten, die sich mit haltlosen Versprechen Einlass in Wohnung und anderes verschaffen wollen.

Vom Sündenpfuhl «Schweizer Illustrierte» ganz zu schweigen, da amtiert bekanntlich ein Chef, der schon übel wegen sexistischem Verhalten angegangen wurde. Leider haltlos und – wie üblich – ausschliesslich aufgrund anonymer Denunziationen. Vielleicht gibt es sogar bei der «Glückspost» dunkle Ecken, wo machtgierige Männer es mit wehrlosen weiblichen Opfern treiben.

Aber: Ruhe im Karton. Nichts. Omertà, das Schweigen der Opfer. Wir wagen uns nicht vorzustellen, welches Terrorregime hier herrschen muss, dass es keine einzige Frau wagt, ihre Schwestern bei Tamedia zu imitieren oder zu unterstützen. Wobei, mal ehrlich, würden Sie Christian Dorer, dem «Blick»-Überchef, frauenfeindliche Übergriffe zutrauen? Also ich nicht, aber man weiss ja auch: die Harmlosen sind die Gefährlichen.

 

Ebenfalls stilles Leiden anderswo

Das gilt übrigens auch (bis jetzt) für CH Media, für die NZZ, die «Weltwoche», nau.ch, blue news, «watson», «Die Ostschweiz» – und sogar für «20 Minuten». Die frauenfreundliche Insel im Meer der Machos bei Tamedia. Selbstredend haben wir bei ZACKBUM auch keinerlei Probleme mit Sexismus. Und wenn, haben wir genügend Meldestellen errichtet und stehen auch in ständigem Kontakt mit psychologischen Beraterinnen.

Erstaunlich auch, dass selbst beim «Nebelspalter» noch keine Frauenbewegung erkennbar ist. Aber vielleicht ist auch die hinter der Bezahlschranke verborgen. Aufhorchen liess allerdings, dass der VR-Präsident höchstpersönlich einen Link zu einer, nun ja, wirklich nicht jugendfreien Webseite verschickte und dann behauptete, der habe sich «eingeschlichen». Aus seiner Leseliste etwa? Nein, das wollen wir nicht einmal denken.