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Schlagwortarchiv für: misslungen

René Zeyer

Unter Beobachtung

21. Oktober 2024/2 Kommentare/in Allgemein/von René Zeyer

Die NZZaS setzt ihr Geeier fort. Aber es gibt auch gute Nachrichten.

Zuerst natürlich die schlechten. Wer mit «Der neue Clash der Geschlechter» aufmacht und dazu eine Illustration verbricht, die an Unklarheit nichts zu wünschen übrig lässt, könnte auch gleich schreiben: lies mich nicht.

Der Gag, einen Anriss auf der Front mit einer Illustration zu versehen, hat sich langsam abgenutzt. Und die aktuelle passt wir die Faust aufs Auge:

Hier geht es um Modewörter wie «angefasst» oder «ganz bei dir». Die nerven zwar tatsächlich, aber sie fäusteln nicht. Auf Seite zwei begrüsst einen Beat Balzli mit einem weiteren unverständlichen Editorial. Eigentlich kann der Mann doch schreiben, wieso tut er es dann nicht?

Hingegen ist die traurige Geschichte der Uno-Mission im Südlibanon ein netter Zusammenschrieb, der die ganze Ohnmacht der Vereinten Nationen illustriert und nachzeichnet.

Ob das hier allerdings wirklich eine Seite wert ist?

Kinder imitieren auf allen Vieren Tiere, in Köln ist die Maus von der «Sendung mit der Maus» geklaut worden, beides muss natürlich vermeldet werden. Oder auch nicht. Bei dieser Gelegenheit: Wer diesen Kopf der Seiten designt hat, müsste dem Leser Schmerzensgeld zahlen. Unaufgeräumt, unstrukturiert, Platzverschwendung. Aber wer sich solche Illustrationen leistet, wie sie das ganze Blatt verunstalten, der hatte sowieso einen schweren Geschmacksunfall.

Langsam steigt die Hektik bei der Berichterstattung über die US-Wahlen. Der «jetzt kommt Kamala Harris und räumt ab»-Effekt ist schwer abgetaucht; kluge Korrespondenten wagen keine Prognosen mehr und halten sich lieber an Bewährtes, wie Besuche in den Swing-States:

Immerhin ist’s keine gezeichnete Illustration, aber auch dieser Seitenschmuck ist reine Platzverschwendung. Mitsamt dem Weissraum unter dem Rubrikentitel (wieso immer wieder Kapitälchen in sind?) wird hier eine halbe Seite zum Fenster rausgeschmissen:

Und diese Art von Titeltypo; Weiss auf hellem bis weissem Hintergrund, ruft eigentlich auch spätestens im Lead: lies mich nicht.

Dann eine Seite Porträt Anna Rosenwasser. Für ein FDP-Organ eine mutige Sache, zudem recht wohlwollend. Nur: wenn eine Neu-Parlamentarierin abgefeiert wurde, dann die.  Wieso sich nun auch noch die NZZaS hinten in den Umzug einreiht, schleierhaft.

Die NZZaS muss sparen, aber ob die Verwurstung von zwei Gefässen in einem Bund so gelungen vermittelt wird?

Dann die lang erwartete Titelstory. Immerhin, Nicole Althaus beschäftigt sich für einmal nicht mit dem Thema Erotik im Alter. Wäre aber vielleicht besser gewesen. Denn auch nach Lektüre der Doppelseite versteht man nicht wirklich, wieso die Gleichstellung von Männlein und Weiblein gescheitert sein soll, wenn es angeblich bei den Jugendlichen einen «ideologischen Graben, der breiter ist als bei ihren Grosseltern» gäbe.

Aber wir sind beruhigt, in ihrer Kolumne begibt sich Althaus dann wieder auf vertrautes Gebiet:

Allerdings gibt ZACKBUM zu, schon beim Titel ausgestiegen zu sein – nix verstan.

Grossartig ist hingegen – wie meist – das Historische Bild:

Die Story dazu ist einfach spitze. Die Dame wurde von Arbeitern in London angestellt, sie pünktlich zu wecken, damit sie nicht den Schichtbeginn verpassten, was zu grossem Ärger führen könnte. Also benützte sie dieses Blasrohr, um getrocknete Erbsen an die Fenster der Aufzuweckenden zu pusten – während die anderen weiterschlafen konnten.

Diese Tätigkeit fand erst ihr Ende, als sich auch das Proletariat einen Wecker leisten konnte.

Und dann wieder dieser merkwürdige Doppelrubrikentitel, wobei «Invest» niemals einen eigenen Bund hatte:

Komischer Obertitel, schreckliches Symbobild, fürchterliche Illustration. Aber immerhin, die Schrift ist diesmal Schwarz auf Weiss, das tröstet ein wenig.

Auch auf die Gefahr hin, uns zu wiederholen:

Guter Text über den Noch-Milliardär Martin Haefner. Aber grauenhafte Platzverschwendung mit Weissraum und eine nicht minder grauenhafte Illustration. «Geld & Geist», ein Gespenst hat einen Geldsack in den Händen, das Ganze vor grün-pinkem Hintergrundverlauf. Schon wieder: lies mich nicht, lass es.

Und aller schlechten Dinge sind drei:

Hier frönt zudem die so seriöse NZZaS einem Brauch, der im Boulevard gerne gepflegt wird. Ein Knaller-Titel als Lockstoff, der dann aber sofort im Lead zurückgenommen wird: «Doch Fachleute sind skeptisch». Offenbar möchte auch die NZZaS mal Leserverarsche betreiben.

Ach, offenbar will die Kultur die Politik nachmachen und sich hinten im Umzug einreihen. Über das neue Buch vom Grinsonkel Thomas Gottschalk haben sich nun schon alle die Mäuler zerrissen. Nur noch nicht Denise Bucher, also gönnt man ihr das Pläsierchen. Auf Kosten des Lesers.

Das gilt auch für das Interview von Martina Läubli mit dem Schriftsteller Antonio Scurati. Es lässt die schmerzlich grosse Lücke, die der Tod von Umberto Eco hinterlassen hat, bedrückend aufklaffen. Eco hätte nie Flachheiten gesagt wie «Italien hat seine faschistische Vergangenheit nie wirklich aufgearbeitet». Oder er hätte sie zumindest eleganter formuliert …

Dann zerreisst eine deutlich angepisste Bucher den Film «Lee» in der Luft. In Kate Winslets Herzensprojekt spielt sie die amerikanische Kriegsfotografin Lee Miller, deren Bad in Hitlers Badewanne zu einer ikonischen Fotografie geworden ist und deren Bilder vom Zweiten Weltkrieg den Vergleich mit männlichen Fotografen nicht zu scheuen brauchen. «Hauptsache, tough», wird holprig getitelt, Winslet bringe einem den Menschen Lee nicht näher, gegiftet.

Und tschüss.

Man muss sich weiterhin Sorgen machen. Balzlis Editorials sind völlig von der Rolle. Das letzte Redesign kann in teuren Kursen als Beispiel für «so sollte man es nicht machen» verwendet werden. Viele Texte üben sich in Beliebigkeit, was einzelne Trouvaillen nicht rausreissen.

Aber wirklich Brainfood für den Sonntagmorgen liefert die NZZaS weiterhin nicht. Langsam bewundert ZACKBUM die Engelsgeduld von Eric Gujer und fragt sich, ob God Almighty Ladehemmung beim Blitzschleudern hat.

 

 

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2024/10/Bildschirmfoto-2024-10-20-um-15.28.49.png 591 815 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2024-10-21 05:30:202024-10-20 21:37:07Unter Beobachtung
René Zeyer

X für ein U?

4. August 2023/3 Kommentare/in Allgemein/von René Zeyer

Kann Rebranding funktionieren?

Twitter gibt es seit 2006. Im Jahr 2022 gab es nach nicht finalen Zahlen 368 Millionen Nutzer. 2023 sollen es nur noch 354 Millionen sein.

Das ist eher ein Zwerg im Ranking der grössten Social Networks. Platzhirsch ist immer noch Facebook mit rund 3 Milliarden monatlich aktiven Nutzern (MAUs), gemessen im Januar 2023. Danach kommt Googles YouTube mit 2,5 Milliarden MAUs, dann WhatsApp mit zwei Milliarden.

Allerdings hat Twitter eine gewisse Bedeutung in politischen Auseinandersetzungen, Kampagnen und Wahlen. Berühmt und berüchtigt wurde es durch Debatten über Beeinflussungsversuche von ausländischen Mächten und natürlich durch die Verwendung (und den Rausschmiss) von Donald Trump.

Twitter und Tweet, das ist in den allgemeinen Wortschatz übergegangen. dafür wurde ganz hübsch Werbekohle ausgegeben. Apropos Ausgaben, 2021 machte die Plattform bei einem Umsatz von 5 Milliarden US-Dollar einen Verlust von über 220 Millionen.

Dennoch hat Elon Musk 44 Milliarden Dollar für den Kurznachrichtendienst ausgegeben. Anschliessend sorgte er mit einer gelinde gesagt erratischen Personal- und Plattformpolitik für ein schweres Erdbeben. Zurzeit wird der Wert von Twitter auf nicht einmal mehr die Hälfte seiner Investition geschätzt.

Da passt es irgendwie, dass Musk nun entschieden hat, auf Logo, Name und Begriff zu verzichten. Die Plattform heisst nicht mehr Twitter, der blaue Vogel ist auch weg, und statt eines Tweets soll man nun ein «X» absetzen.

Dahinter stehe der Plan, sagt Musk, aus Twitter, Pardon, aus X die berühmte Plattform für alles zu machen, von der viele Nerds schon lange träumen und die wohl vom chinesischen «WeChat» am ehesten realisiert ist.

Das würde bedeuten, dass nicht einfach alter Wein in neue Schläuche gegossen würde. Sonst wäre das Unterfangen etwa so wahnsinnig, wie Markennamen und Flaschenform von Coca-Cola zu ändern, aber immer noch die gleiche braune Brause anzubieten.

Rebranding ist meistens dann angebracht, wenn der Name einer Firma oder eines Produkts dermassen verbrannt ist, also negativ besetzt, dass er in einem Neustart nicht mitgenommen werden kann. Es ist nicht mal so selten. Aus Facebook wurde Meta, aus Google Alphabet, wobei aber die Trademarks beibehalten wurden.

Weniger günstig lief es für Karstadtquelle, das in Arcandor umbenannt wurde und dann pleite ging. Andere neue Namen entstanden aus Fusionen, wie Novartis aus Ciba-Geigy und Sandoz. AWD wiederum, der skandalumwitterte Finanzberater von Carsten Maschmeyer, wurde zuerst von Swiss Life für teures Geld aufgekauft, um dann als Namen zu verschwinden; das Produkt heisst heute «Swiss Life Select».

Also ist eine Namensänderung nicht von vornherein der Vorbote einer Katastrophe oder der Befreiungsschlag, der in ganz neue Dimensionen der Profite führt. Allerdings stellt sich bei Twitter tatsächlich die Frage, ob dieser Name und das Logo dermassen verbrannt waren, dass sie durch einen neuen Auftritt ersetzt werden mussten.

Zum Zweiten ist «X» offensichtlich eine Marotte von Musk, ob sich der Buchstabe allerdings tatsächlich für einen Kurznachrichtendienst eignet, ist fraglich. Während twittern lautmalerisch ist und als Begriff in viele Sprachen übernommen wurde, wird sich «x» wohl kaum als Bezeichnung für das durchsetzen, was für (fast) alle bis heute immer noch twittern heisst.

Nun kann man einwenden: als Musk mit der Behauptung antrat, dass er das Autogeschäft revolutionieren werde und das erste massentaugliche und erschwingliche E-Auto bauen, wurde er auch schallend ausgelacht. Er tat nicht nur das, sondern machte seine Produktion von Zulieferketten und Fremdpatenten unabhängig, indem er alles selbst entwickeln liess. Anfänglich ein Riesenaufwand, der sich aber bezahlt machte.

Trotz allem Lärm (und der damit verbundenen Gratis-Werbung) um das X ist und bleibt Twitter bislang ein Nischenprodukt. Nur wenn es Musk gelingt, zu den grossen Playern aufzuschliessen, hat er eine Chance, seine Investition wieder herauszuholen. Dass er das kann, hat bereits mehrfach unter Beweis gestellt. Dass er etwas sprunghaft ist, auch. Tesla läuft schon länger nicht mehr so rund wie am Anfang, während er aber mit SpaceX weiterhin gutes Geld verdient.

Also wird’s echt spannend mit X. Weder die Unken, die eine Bauchlandung prognostizieren, noch die Musk-Fans, die davon überzeugt sind, dass er es schon wuppen wird, haben bislang Recht bekommen.

Da ZACKBUM im Besitz der Glaskugel ist, mit der wir in die Zukunft schauen könne, wollen wir es hier weltexklusiv verraten. X wird … (oh, diese Prognose wurde uns soeben mit einer Superprovisorischen verboten). Nein, mehr dürfen wir nicht verraten, sonst schickt jemand eine Kampfdrohne mit Gesichtserkennungssoftware.

 

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2023/08/Bildschirmfoto-2023-08-02-um-20.03.30.png 211 471 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2023-08-04 05:00:362023-08-04 11:37:14X für ein U?
René Zeyer

Wumms: Igor Kravarik

25. April 2022/1 Kommentar/in Allgemein/von René Zeyer

Das kann auch dem besten Karikaturisten passieren.

Was für Journalisten gilt, gilt auch für Karikaturisten. Manchmal hat man einfach keine Idee, und dann will man sie trotzdem ausdrücken. Dabei kommt dann so etwas heraus:

Man kann nicht einmal von einer Fälschung des Originals sprechen:

Diese «pintura negra» des alten und desillusionierten Malers Goya zeigt, wie Gott Saturn eines seiner Kinder verspeist. Nach der Mythologie soll ihm geweissagt worden sein, dass er dereinst von einem eigenen Kind gestürzt werde. Was dann Jupiter auch gelingt, der diesem Massaker entkam.

Was will uns nun der Karikaturist sagen? Dass Putin auch seine Kinder verspeist? Dass er, was sich am einzigen eigenen Beitrag, Putins Kopf, überdeutlich zeigt, als Zeichner Goya nicht das Wasser reichen kann? Dass Kravarik mit so begriffsstutzigen Lesern rechnet, dass er noch einen Leichenberg mit ukrainischer Flagge ins Bild mechen muss?

Nein, es ist wohl viel banaler: Kravarik hatte keine Idee, also drückte er sie aus.

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2022/01/Wumms.jpeg 438 882 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2022-04-25 05:30:012022-04-25 08:21:06Wumms: Igor Kravarik

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