Jeder darf aufs hohe Ross
Wer da alles mit dem Zeigefinger fuchtelt …
Der «Spiegel» quatscht mit Michel Friedman («Man kann auch seinen Selbstmord wählen.»). Der zieht süffisant über den Bundeskanzler Merz her und bezeichnet die AfD als eine «rassistische, zerstörerische Partei». Das ist natürlich im Rahmen der Meinungsfreiheit erlaubt.
Allerdings sollte Friedman eigentlich den Anstand haben, nach seiner Kokain- und Prostituierten-Affäre von 2003 niemals mehr öffentlich in Erscheinung zu treten. Niemand trat zuvor aggressiver als moralischer Ankläger auf, bis er einen Strafbefehl wegen Kokain-Besitzes erhielt und ihm nachgewiesen wurde, dass er die Dienste von jungen, aus dem Osten stammenden Prostituierten in Anspruch genommen hatte.
Er trat als stellvertretender Vorsitzender des Zentralrats der Juden zurück und gab seine ARD-Talkshow auf. Aber im festen Vertrauen auf das löchrige Kurzzeitgedächtnis der Öffentlichkeit schwingt er sich wieder als Obermoralist auf.
Der Kopfblattsalat von Tamedia interviewt Peter Altmaier. Der frühere Kanzleramtschef und Bundeswirtschaftsminister ist in seiner ganzen langen Karriere niemals durch eine besondere Leistung aufgefallen. Eigentlich ruht er schon seit Jahren im Abklingbecken für abgehalfterte Politiker. Hat aber natürlich Zeit für ein Gespräch.
Und antwortet ernsthaft auf Scherzfragen von Simon Widmer und Anna Luna Frauchiger wie die, ob er sich Sorgen um Deutschland mache: «Ja, ich mache mir Sorgen. In vielen europäischen Ländern wählen die Menschen seit Jahren populistische Parteien am rechten und rechtsextremen Rand.»
Und die Migration? «Das Thema wird besonders virulent, wenn es den Menschen nicht gut geht.» Soll die AfD regieren? «Es läge kein Heil darin, CDU, Linke, Grüne, SPD und BSW in eine Koalition zu pressen.» Ist Siegmund gefährlich? «Es wird sich schnell zeigen, ob er sich an die demokratischen Spielregeln hält.» Sei die Wahl in Sachsen-Anhalt nicht auch Misstrauensvotum gegen Friedrich Merz? «Da wollen Sie mir eine hübsche Falle stellen, denn so einfach ist es nicht.»
Unverdrossen die Nachfrage, ob Merz ersetzt werden müsse: «Sie erwarten jetzt nicht ernsthaft eine Antwort?» Und wie steht es um die Flüchtlingspolitik seit 2015? «Damals kamen in der Tat viele Menschen nach Deutschland, was AfD und russische Influencer nutzten, um unsere Demokratie zu diskreditieren.»
Schliesslich die Frage, ob die CDU auf eine sich mässigende AfD zugehen solle: «Sie stellen mir schon wieder eine Falle. Das ist eine rein hypothetische Frage.»
In den besseren Zeiten des Journalismus hätte die Qualitätskontrolle gesagt: Wieso sollen wir den Leser mit heisser Luft und Null-Antworten auf dümmliche Fragen belästigen? Lasst den Altmaier doch weiterhin seinen wohlverdienten Ruhestand geniessen.
Aber heutzutage darf der Deutschland-Korrespondent des «Tages-Anzeiger» Simon Widmer sich Gedanken darüber machen, «was die AfD umsetzen kann – und woran sie scheitern dürfte». Er behauptet über sich «Ich recherchiere, analysiere und erkläre.» Wenn er das nur täte.
Sein Kollege Simon Schmid (der mit einer «Republik»-Vergangenheit) macht sich Gedanken zu: «Welches Rezept wirkt gegen Rechtspopulismus?» Seine These: «Extreme Parteien gewinnen an Macht und bedrohen Wohlstand und Demokratie.» In seiner «Analyse» beruft er sich auf die absurden Thesen der Ökonomin Isabella Weber, die eine «antifaschistische Wirtschaftspolitik» fordere.
Auf so einen Gaga-Begriff muss man erst mal kommen. Und so verblendet muss man erst mal sein, dass man nicht sieht, dass eher die Wirtschaftspolitik der regierenden Altparteien, Schuldenmacherei und mangelnde Aufmerksamkeit gegenüber Problemen, die die Wähler umtreiben,Wohlstand und Demokratie bedrohen.
So ist keiner zu klein, zu fragwürdig, zu unbedeutend, zu wenig von des Gedanken Blässe angekränkelt, als dass er sich nicht aufs hohe publizistische Ross setzen dürfte.
Das gefährdet zwar nicht unbedingt Wohlstand und Demokratie, aber das Fortbestehen der Mainstream-Medien. Die ihren dramatischen Auflagenverlust ungebremst fortsetzen.
Bloss: während sie wie immer der Welt Ratschläge erteilen, berichtet in der Schweiz kein einziges Organ über die desaströsen Zahlen, die am 1. September veröffentlicht wurden.
Verständlich. Der «Blick» saust von 314’000 Exemplaren im Jahr 2000 auf jämmerliche 58’000 heute runter. Der «Tages-Anzeiger» von 279’000 auf 63’000. Die BaZ gar von 115’000 auf 24’000. So wird’s weitergehen. Bei solchen Schreibkräften und Inhalten …
















