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Den Verleger-Clans in die Suppe gespuckt

Sah alles gut aus, das neue «Mediengesetz», also der Zustupf für milliardenschwere Verlegerclans, ist soweit durch. Aber …

Pietro Supino äusserte sich schon Jackett- und staatstragend zu weiteren Hindernissen für eine verantwortungsbewusste, vertrauenserweckende, nötige, unabdingbare freie Presse. Denn das Subventionszusatzpaket ist soweit im Parlament durch.

Über die nächsten Jahre hinweg Hunderte von Millionen zusätzlich als Staatssubventionen für darbende Medien. Gebeutelt vom Zusammenbruch des klassischen Print-Werbemarkts, dann noch Corona, Sparmassnahmen, Entlassungen, furchtbar.

Hilfe, die Vierte Gewalt ist vor dem Abgrund, wo bleibt die dringend nötige Kontrollinstanz einer freien Gesellschaft? Aufklärung, Analyse, Einordnung, Orientierung. Blabla. Wir verlumpfen, rufen die Lebruments, Wanners, Coninx, Ringiers im Chor. Von überall her. Von der Yacht, aus dem Aston Martin, aus der Villa, aus dem Rolls, vom Golfclub, vom Feriendomizil in New York, Spanien, Italien, Thailand.

Das Füllhorn wurde gefüllt und eigentlich übers Ziel getragen

Wir brauche Hilfe, wird herzerweichend gejammert, unser Lebensstil ist dann auch nicht umsonst, und wenn der eine schon wieder eine längere Yacht gekauft hat, kann der andere doch nicht hintanstehen. Dazu liebedienerische Unterstützung der Corona-Bekämpfung der Regierung, mitsamt dem Mitfahren aller Slaloms und Schlangenlinien. Und Lobbying, was ja auch keine Quantenphysik war: liebe Politiker, ihr braucht uns doch als Multiplikatoren, Wahlkampfhelfer, ohne die Medien seid ihr doch nix. Also benehmt euch.

Alles super, alles gut. Gut? Nein, nun will ein kleiner Haufen Wildentschlossener in die Harmoniesuppe spucken. Das Kernteam besteht aus Peter Weigelt, Bruno Hug, Thomas Minder, Philipp Gut, Muriel Frei und noch ein paar Nasen mehr. Sie haben das Referendumskomitte «Nein zu staatlich finanzierten Medien» ins Leben gerufen. Und sind finster entschlossen, die 50’000 nötigen Unterschriften zusammenzukriegen, denn:

«nein zu Steuermilliarden für Medien-Millionäre».

Wohl so ähnlich wie bei Roger Schawinskis Kampf gegen die Abschaltung der UKW-Frequenzen herrscht zurzeit konsterniertes Schweigen in Verlegerkreisen. Aber sicherlich werden demnächst Lohnschreiber, Kommunikationsfuzzis und ganze Redaktionen in Bewegung gesetzt, die sich gegen diesen Anschlag auf die Pressefreiheit zur Wehr setzen werden.

Wobei das Komitee natürlich völlig recht hat. Es ist unglaublich, dass milliardenschwere Medienclans auf arme Schlucker machen und dringlich Staatsknete einfordern, damit dem angeblich so überlebenswichtigem Auftrag der freien Presse weiter nachgelebt werden könne. Diesem edlen Ansinnen moralisches Gewicht zu verleihen, indem die steinreichen Clans vielleicht mal eine Million oder zwei selbst reinbuttern, aber wirklich, was für eine absurde Idee.

Unfähig, aber einkommensstark

Dass sie die Managerkaste feuern, der über Jahre hinweg keine vernünftige Antwort dazu eingefallen ist, dass es doch nicht sein kann, dass Google, Facebook und Co. 90 Prozent der Online-Marketingeinnahmen absahnen – aber nein, dann würde ja auch Supino & Co. verlumpen, das geht natürlich auch nicht. Dass die Subventionen massgeschneidert in erster Linie von den Elefanten auf dem Medienmarkt abgesaugt werden, na und? Dass Gratis-Organe wie «Die Ostschweiz» (oder ZACKBUM) vom Geldregen abgeschirmt werden und leer ausgehen, Künstlerpech.

Nun, jetzt kommt sicher schnell Stimmung in den Laden, und man darf jetzt schon gespannt sein, wie lachhaft die Versuche ausfallen werden, mit denen die Grossverlage ihre Schreibknechte dazu anhalten werden, ganz, ganz objektiv und unparteiisch, eben als Vierte Gewalt, über dieses Referendum zu berichten. Da kann es natürlich nur zwei Varianten geben. Herrscht die Meinung vor, dass das Referendum nicht zustande kommt oder chancenlos ist, wird in aller souveränen Objektivität berichtet werden.

Besteht aber die Gefahr, dass es eingereicht wird und bei der Abstimmung durchaus Chancen hat, dann wird auf giftige Schlammspritzerei umgeschaltet werden. Wetten, dass ..?

Die Dumm-Verkaufe

Medien werden vom Staat unterhalten, bezahlt, subventioniert. Kein Problem, sagen die Medien.

Jeder Mitarbeiter von CH Media weiss, dass letztlich der Wanner-Clan das Sagen hat. Jeder Mitarbeiter bei Ringier weiss, wie der Besitzer des Verlags heisst. Wer bei Tamedia in Lohn und Brot steht, kennt den Coninx-Clan und seinen Statthalter Pietro Supino.

Alle Verlagshäuser legen grossen Wert darauf, dass sie völlig unabhängig berichten, nur der Wahrheit und den journalistischen Regeln verpflichtet. Da lachen die Hühner schallend. Und suchen vergeblich nach kritischen Artikeln über Wanners auf CH Media. Selbst wenn der von Beruf Sohn und von Funktion Leiter Radio Florian Wanner sich in der UKW-Debatte lächerlich macht und durch Unkenntnis glänzt, wird darüber natürlich höflich geschwiegen.

Weder über den Aston Martin noch über den Kunst-Spleen von Michael Ringier liest man jemals kritische Artikel. Und solange Frank A. Meyer was zu sagen hat, wird es kein böses Wort über die EU und nur böse Worte über den «Führer aus Herrliberg» und die SVP geben.

Man muss Prioritäten setzen

Bei Tamedia kümmert man sich angelegentlich um korrektes Gendern, Frauenquoten und den Kampf gegen Sexismus. Der Profitwahn Supinos und die Unwilligkeit des Coninx-Clans, in Krisenzeiten mal ins eigene, tiefe Portemonnaie zu greifen, ist eher weniger ein Thema.

Reiner Zufall, habe überhaupt nichts mit den Besitz- und Machtverhältnissen zu tun, wird auf Wunsch geschwurbelt und gesabbert. Reiner Zufall, dass es nicht mal dem Neueinsteiger einfallen würde, mit dem Vorschlag in die Themenkonferenz zu platzen, ob man nicht mal den beim Jubiläums-Jubel «Medien zwischen Geld und Geist» zum 100. des «Tages-Anzeiger» (1993) von Coninx persönliche gestrichenen Beitrag nachreichen sollte.

Ganz allgemein gilt: welche Gehälter in den Chefetagen für welche meist kläglichen Leistungen bezahlt werden, wann wenigstens damit aufgehört wird, Sparmassnahmen, Rausschmisse, Zusammenlegungen und Verödung allgemein als bedeutenden Fortschritt verkaufen zu wollen, das sind Tabuthemen. Dass man damit die verliebenden Leser stinksauer macht, was soll’s. Weniger Abokosten für deutlich geschrumpftes Angebot? Himmels willen, niemals.

Das «Medienpaket» ist auf der Zielgeraden

Nun werden aktuell noch die letzten Differenzen zwischen Stände- Und Nationalrat bezüglich des «Medienpakets» ausgeräumt. Damit ist gemeint, dass die Schweizer Medien geradezu nordkoreanisch in Reih und Glied ausgerichtet werden. Nein, niemand behauptet, jetzt würden dann nur noch Jubelartikel über den so furchtbare geschickten Verhandler Bundesrat hereinbrechen.

Aber die Einzigen, die kein Problem damit haben, vom Staat reichlich mit Steuergeldern beschenkt zu werden – sind die Verleger-Clans. Die für sie schon längst zu Quengelverstärkern denaturierten Begriffe wie Vierte Gewalt, Kontroll- und Wächterfunktion glaubt ihnen doch keiner mehr.

Sie bringen nicht einmal mehr minimale Solidarität untereinander auf. Da werden Werbeallianzen geschmiedet, und wer draussen bleiben muss, stellt sich auf die Zehenspitzen und tobt, als ginge es um sein Leben. Dabei befürchtete Tamedia nur dass Ringier an die grösseren Geldtöpfe mit seiner Admeira gelangen könne. Schlimmer noch: immer öfter wird für Aussenstehende unerfindlicher und unbegreiflicher Konzernjournalismus betrieben.

Konkurrenz wird schon mal niedergemacht

Unvergessen, als ein Tamedia-Redaktor mit passendem Nachnamen über den Südostschweizer Platzhirsch in den dortigen Medialgefilden herfallen wollte/musste/sollte. Dabei hackte er Hanspeter Lebrument dermassen gewalttätig und ohne jede Faktengrundlage zusammen – in bester «Republik»-Manier nur mit anonymen Quellen arbeitend –, dass Tamedia den Artikel in elektronischen Archiven löschte und den ja nur His Master’s Voice spielenden Journalisten dazu verdonnerte, höchstselbst sich bei Lebrument zu entschuldigen.

Weil man sich nichts gönnt, tobt eine der Schlachten über dem Thema Internet. Wer kriegt da was und warum? Um Medienplattformen zu unterstützen, die ohne Zweifel demnächst in chinesische Hände übergehen werden. In wieweit chinesische Investoren bereits sind, so geduldig dem Treiben ausser Kontrolle geratener Journalistinnen zuzuschauen?

Vorher tobt aber noch ein Nahkampf zur Frage: Werden nun Online-Auftritte auch mit Steuergeldern zu geschüttet, und wenn ja, nach welchen Auswahlkriterien.

Nur, was bezahlt werden muss, kriegt Staatskohle

Bislang hält die Linie, dass dort das Füllhorn nur über Angeboten ausgeschüttet wird, die in irgend einer Form Geld dafür verlangen, dass man die magere Leistung sehen darf. Allerdings ist Tamedia mit «20 Minuten» und CH Media mit «watson» unterwegs. Beides News-Schleudern ohne Zahlschranke. Die würden also leer ausgehen. Was überraschenderweise die beiden Verleger-Clans gar nicht lustig finden.

Nebenbei würde das bedeuten, dass auch die deutlich wachsende Plattform «Die Ostschweiz» leer ausginge – ZACKBUM ebenfalls. Hier wäre allerdings Unabhängigkeit mit oder ohne staatliche Subvention garantiert.

Bei den clanbestimmten Verlagen wäre es einfach eine noch verstärkte Abhängigkeit. Denn sie bekommen ja heute schon unter verschiedenen Titeln staatliche Beihilfen. Zwecks Ruinieren der Glaubwürdigkeit.