Schlagwortarchiv für: Medien

Kalte Dusche

Es regnet und ist eher frisch. Blöd gelaufen für die Medien.

Wenn man in der Datenbank SMD unter dem Stichwort «Hitze» sucht, bekommt man im letzten Monat 5372 Treffer. «Hitzesommer» ergibt 214 Resultate, «Klimawandel» wurde in 2220 Werken beklagt und beschrieben.

«Gerade schwappt eine weitere Hitzewelle über ganz Europa. Prognostiziert ist ein extremer Hitzesommer – vielleicht erwartet uns sogar der heisseste seit Messbeginn. Das sind die spürbaren Auswirkungen des Klimawandels», prognostiziert der «Blick».

«Während der Hitzetage verwandeln sich einige Drämmli in eine Sauna», schwitzt die «Basler Zeitung». «Die Kerntemperatur des Körpers wird entscheidend», diagnostiziert CH Media. «Was steigende Wassertemperaturen für unsere Seen bedeuten», sorgt sich der «Zürcher Oberländer».

«AKW Beznau stellt wegen der Hitze einen seiner Reaktoren ab», alarmieren diverse Medien. Und srf.ch resümiert:
«Lokal wärmster und sonnigster Juni seit Messbeginn».
Dazu gab es natürlich Unmengen von Tips und Ratschlägen, wie man diese brütende Hitze überleben kann. Welche Wassermengen sollte man zu sich nehmen, nützt Glacé oder schadet sie, welche Kleidung braucht’s, sollte man sich noch sportlich betätigen, welchen Einfluss hat die Hitze aufs Hirn, kann man arbeitsfrei oder hitzefrei verlangen? Ist schwitzen gesund, und wenn nein, warum nicht? Kann man heisse Luft unbeschadet einatmen?
So haben es auch Fische nicht leicht: «35 Grad im Anmarsch – in Gewässern beginnt der Überlebenskampf», berichtet «20 Minuten» von der Kriegszone Gewässer. srf.ch geht dem weiter auf den Grund: «Geht Äschen und Forellen bald der Sauerstoff aus?« Und eifrig warnt auch der Bund vor Gesundheitsrisiken wegen Wärme. Von Hautkrebs und anderen schweren Schäden durch Sonneneinstrahlung ganz zu schweigen.
Immerhin, Zol-Online hat wenigstens einen originellen Ratschlag auf Lager: «Jammern hilft gegen Hitze». Tamedia hingegen überrascht mit: «Städtische Hitze: Überraschung im Hitzesommer: Bäume kühlen mehr als gedacht». Das dürfte bei der Fraktion der Klimawandel-Beklager für heisse und rote Köpfe gesorgt haben.
Und dann das. Es regnet, Temperatursturz, blöd aber auch. «Das Wetter war ein richtiges Arschloch», sagte Steven Spielberg über die Dreharbeiten zum «Weissen Hai».
Gerade, wo sich die Medien in Sachen Hitzesommer so richtig warm gelaufen hatten, mit Angstschweiss auf der Stirne eine unerträgliche und kontinuierliche Hitze über Europa, über der Schweiz verkündeten, kommt eine kalte Dusche.
Es ist halt für die Journaille ein zunehmend ernster werdendes Problem, dass sich die Wirklichkeit nicht so verhalten will, wie ihr unablässig angeraten wird. Trump, Putin, Teheran, Israel, niemand und nichts tut ihnen den Gefallen, innezuhalten, in sich zu gehen, ein Einsehen zu haben und endlich mal Besserung zu geloben.
Auf nichts ist mehr Verlass, nicht mal aufs Wetter.

 

 

Die Pest im Internet

Online-Kommentare ersetzen die Kritzeleien auf Klowänden.

Grosse (und auch kleine) Medien müssen inzwischen Algorithmen oder auch Studenten einsetzen, um der Wellen von Unflat Herr zu werden, die gegen sie anbranden.

Zunächst wissen die meisten Kommentarschreiber nicht, dass das Publikationsorgan auch für diese Inhalte haftet. Man muss nun nicht gleich wie die beiden deutschen Politiker Habeck und Baerbock Hunderte von Anzeigen lostreten. Der Grüne Habeck sorgte für grosse Beachtung, als er gegen eine lustige Fotomontage vorging, die eine Schwarzkopf-Werbung mit seinem Konterfei versah und drunter «Schwachkopf» schrieb.

Kommentare lassen sich in sieben Kategorien unterteilen.

– die lobenden, immer gerne genommen
– die Besserwisser, die lediglich ihre Gesinnungsblase spazieren führen
– die kritischen, die häufig frei von jeder Sachkenntnis Whataboutism absondern
– die Kommentare auf Kommentare, die sich verhaken und nichts mehr mit dem Kommentierten zu tun haben
– die sachdienlichen, die interessante Aspekte hinzufügen
– die korrigierenden, denn niemand ist unfehlbar
– die mit Schaum vor dem Maul, die hemmungslos und frei jeglichen Anstands belfern

Drohungen («wir wissen, wo Sie wohnen», «wir werden Sie zum Schweigen bringen») werden gerne direkt per gefakter E-Mail-Adresse oder selten sogar per Brief abgeschossen.

Jede Person, die sich öffentlich äussert, muss durch diesen Schlamm waten.

Vor allem die Wäffler verstecken sich gerne feige hinter einem Pseudonym. Die Deppen wissen nicht, dass man sie mit wenig Aufwand über Ihre IP-Adresse dingfest machen könnte.

Unter ihnen gibt es wahnhaft Obsessive, die immer den gleichen Stuss absondern. Da gibt es einen Zené Reyer, der seine absurde Behauptung, der Autor schreibe positive Kommentare selbst, einfallslos repetiert. Und repetiert. Oder einen Victor Brunner, der immerhin mit seinem Namen genauso manisch faktenfreie Kritik übt.

Man hofft, dass das wenigstens therapeutischen Nutzen hat und die armen Schweine, die sich die Lektüre von Artikeln antun, die sie zutiefst hassen, wenigstens nicht in der Wirklichkeit ausrasten.

Zwei Artikel, die ZACKBUM auf Inside Paradeplatz jüngst veröffentlicht hat, bieten Anschauungsmaterial.

Natürlich möchte ein Autor wissen, was denn die Leser von seinen Werken halten. Die Lektüre sämtlicher Kommentare, unabhängig von der Kategorie, löst in erster Linie Belustigung aus. Und Besorgnis, welch elendes Leben einige wohl führen müssen, dass sie ständig in verbale Bluträusche geraten, die in oft holprigem Deutsch abreagieren und grimmige Befriedigung empfinden, wenn sie sich veröffentlicht sehen.

Ein Beispiel soll für viele andere stehen. Wie kommt jemand auf die Idee, unter dem nicht mehr taufrischen Pseudonym «Zack Dumm» abzusondern: «Zeyer tut sich vermehrt als Blödschwafler hervor. Schade. Er ruhe in Frieden.»

ZACKBUM besitzt zwar einen Doktortitel, aber wir sind nicht Arzt. Dennoch sei die hobbypsychologische Analyse gewagt: der feige Anonymus (generisches Maskulin) müsste sich dringend eine sinnvolle Aufgabe im Leben suchen. Selbst ausagierte Ausbrüche dieser Art können zu Magengeschwüren und Herzrhythmusstörungen führen.

Ganz abgesehen davon, dass eine solche Beschimpfung samt Wunsch nach Ableben des Autors keinen erkennbaren Beitrag zu Erkenntnisgewinn leistet.

Zum Brüllen komisch sind auch die Kommentatoren, die sich lauthals über Zensur beschweren, wenn eine Absonderung von ihnen, die offensichtlich justiziablen Inhalts war, nicht veröffentlicht wird. Sie missverstehen Meinungsfreiheit als das Recht, ungehemmt ins Internet zu rülpsen. Vermeintlich haftungsfrei.

ZACKBUM hat sich ein paar Mal den Spass gemacht, besonders üble Gestalten, die Ehrverletzungen und Verleumdungen publiziert sehen wollten, mit einer Rückmeldung zu beglücken, durch das gewählte Pseudonym hindurch. Das wurde dann mit erschrecktem Schweigen beantwortet.

Es ist ein altbekanntes Phänomen: anonym macht auch Feiglinge mutig. Wer sich verborgen wähnt, verliert alle Hemmungen und meint, die Welt habe auf seine Ergüsse gewartet.

Ein Autor möchte Resonanz, er will nicht in den luftleeren Raum schreiben. Andererseits möchte er eigentlich nicht wissen, welche kranken Gestalten durch die Welt wanken und seine Artikel lesen.

Immerhin: hier auf ZACKBUM kommt es immer seltener vor, dass Kommentare in den Papierkorb wandern.Man kann also mit strenger Hand Remedur schaffen.

 

Tri, tra, Trump

Drei Arten, wie man den US-Präsidenten sehen kann.

Für eine Minderheit der westlichen Medien ist Donald Trump ein «Mann des Friedens» («Weltwoche»), der überlegt Zug um Zug genau das macht, wofür er angetreten ist und weswegen er gewählt wurde. Mit dem Zollknüppel bringt er aufmüpfige ausländische Regierungen zur Räson, freche Richter, die seine Entscheidungen bezweifeln, ignoriert er einfach.

In direkten Verhandlungen mit Putin wird er bald einen Frieden in der Ukraine hergestellt haben, seine Verbündeten zwingt er, endlich ihren Anteil an gemeinsamen Militärausgaben zu übernehmen. Und schliesslich wird dann mal Kanada der 51. Bundesstaat, der Panamakanal kehrt heim, Grönland wird Teil der USA, der Gazastreifen zur neuen Riviera.

Und als krönenden Abschluss bekommt Trump wohlverdient den Friedensnobelpreis.

Für andere ist Trump der neue Gottseibeiuns. «Die USA hören gerade auf, eine Demokratie zu sein», «Columbia-Universität knickt vor Trump ein», «Trump findet Tesla Vandalismus schlimmer als Capitolsturm», «Trumps Showdown mit der Justiz». Diese sehr unvollständige Auswahl von «Spiegel»-Titeln steht stellvertretend für das unablässige, repetitive Geschimpfe in allen Mainstreammedien über Trump. Begriffe wie «Faschist» wurden bereits so inflationär verwendet, dass man von weiterem Gebrauch absieht. Spätpubertierer wie der SP-Co-Präsident Cédric Wermuth müssen schon zum Äussersten greifen und «fuck you, Mr. President» rülpsen, wollen sie noch etwas Aufmerksamkeit erzielen.

Und als krönender Abschluss landet Trump dann doch noch hinter Gittern.

Beide Sichtweisen sind banal fatal, blöd, unergiebig, bedienen einfach das Leseklientel der jeweiligen Organe. Niemals könnte in der Gesinnungssauce von Tamedia, CH Media oder in der «Blick»-Familie ein Artikel erscheinen, der irgend eine Entscheidung oder Handlung Trumps auch nur ansatzweise loben würde. In der WeWo ist immerhin gelegentliche Kritik am neusten Vaterersatz für Roger Köppel möglich.

Wenn Wendehals Daniel Ryser etwas gegen den Stachel löckt und in der WeWo ein Gespräch mit dem Bürgerrechtsanwalt und Gegenspieler Trumps, mit Ben Wizner bringt, dann keifen die wenigen Kommentatoren («wollen Sie mich zwingen, mein WeWo-Abo zu kündigen») los. Sie machen damit sichtbar, wie hermetisch abgeschlossen sie in ihrer Gesinnungsblase vor sich hinfaulen. Bei den Mainstream-Medien ist es genau so, nur machen die solche Tests nicht.

Dass Trump ein Krimineller ist, der den grössten Selbstbereicherungs-Raubzug aller Zeiten durchzieht und die US-Demokratie durch einen kompetitiven Autoritarismus ersetzen will, ist näher an der Realität.

Immerhin fragt sich einer sogar beim «Spiegel», ob nicht der Woke-Wahnsinn und die intensive Beschäftigung mit Genderfragen, die Einrichtung von Safe Rooms und die völlige Beweisumkehr bei Diskriminierungsvorwürfen nicht einen gewichtigen Beitrag zum Wahlsieg Trumps geleistet haben.

Das ist natürlich so, denn es gab ja anderthalb Gegenkandidaten einer demokratischen Partei, die völlig von der Rolle ist.

Wie die Medien. Denn deren Aufgabe wäre es eigentlich, ihren Konsumenten zu erklären, wieso genau eine Mehrheit der US-Stimmbürger sich für das gelbe Monster entschieden hat. Wieso grosse Teile der US-Bevölkerung seine Handlungen immer noch toll finden, obwohl auch dort gewichtige Massenmedien täglich dagegen andröhnen.

Trump als chaotischen Amok zu denunzieren, der kurzatmig und hektisch eine Fehlentscheidung mit der nächsten überdeckt, das ist einfach.

Zu analysieren, ob hier wirklich das Prinzip Chaos herrscht oder ein Masterplan existiert, und wenn ja, welcher, das schaffen inzwischen höchstens noch angelsächsische Medien wie die «Financial Times» oder das «Wall Street Journal». Im deutschen Sprachraum ist Wüste, wo intellektuelle Zwerge Sand durch die Finger rieseln lassen und das als Ergebnis tiefer Denke einem Publikum verkaufen wollen, das sich gähnend abwendet.

Genauso wenig, wie Trump mit schlafwandlerischer Sicherheit eine träfe Entscheidung nach der anderen fällt und eine Unzahl von Problemen löst, haut er ständig daneben oder stapelt eine Fehlentscheidung auf die nächste.

Das ganze Elend tritt offen zu Tage, wenn ZACKBUM nichts anderes übrig bleibt, als sich selbst zu zitieren. Denn dieser Analyse ist eigentlich nichts hinzuzufügen. Die kürzeste Definition dessen, was gerade stattfindet, hat die FT geliefert; es ist ein «Raubüberfall am helllichten Tage».

Viel Ehr, wenig Feind

Kurze Bilanz nach 4000 publizierten Artikeln.

Am 25. Juli 2020 startete ZACKBUM. Aus dem Frust der abrebelnden Medienkritik wurde etwas Innovatives gemacht. Auf eigene Kosten aufgebaut, ein Blog der freien Medienkritik, weil keiner der Teilnehmer über Abhängigkeiten verfügt. Was im Zeitalter der Kopfsalatblätter und der Aufteilung der Schweizer Medienszene zwischen Tamedia, CH Media, Ringier und ein wenig NZZ und ganz wenig «Weltwoche» dringend nötig ist.

Es gelangen genügend Rückmeldungen ein, um zu wissen, dass grosse Teile der Medienbranche ZACKBUM lesen. Wohl hauptsächlich auf dem privaten Handy. Schliesslich sollte man sich in der Nähe von einem, der bei Tamedia Schreibverbot hat, weil die weibliche Chefredaktion etwas empfindlich auf Kritik reagiert, nicht sehen lassen.

Am Anfang gab es etwas – meist hämische – Resonanz, seither ist absolute Funkstille. Über jeden Pipifax berichten die eitlen Journalisten, aber bei ZACKBUM herrscht Omertà. Das Schweigen der Lämmer, die zur Schlachtbank geführt werden.

Das macht auch nicht mutig; gestern traf’s den Nebenmann (oder die Nebenfrau oder everybody beyond), trifft es heute mich – oder erst morgen?

Möglichst im fernen Ausland wohlfeile Ratschläge geben, darin sind die Journalisten gross. Sich um ihre eigenen Interessen kümmern, zum Beispiel einen GAV auf die Beine zu stellen, gegen die lausige Bezahlung allgemein von Kindersoldaten und die Hungerlöhne für die wenigen überlebenden Freien zu protestieren, sich zu organisieren, ach was.

Das grosse Rausschmeissen setzt sich in Wellen fort – Widerstand nicht erkennbar.

Neben zunehmender Feigheit hat die Nabelschau Ausmasse erreicht, die man sich vor fast fünf Jahren nicht vorstellen konnte. Wie Lemminge rennen alle den gleichen Narrativen hinterher, betreiben Framing, dass der Rahmen wegfliegt vor so viel Belastung.

Selbstkritik war noch nie die Stärke der Journalisten, aus Existenzangst ist sie nun gänzlich verschwunden.

Jubel, Trubel, Lächerlichkeit

Das Zurich Zensur Festival zieht Bilanz. Und keiner widerspricht.

Die Medien überschlagen sich: «Starschwemme – das Erfolgsrezept des Zürich Film Festival» (SRF), «ZFF-Hauptpreis für zwei Frauen» («Südostschweiz»), «Zurich Film Festival mit Zuschauerrekord» (CH Media), «VIP Lounge» («Blick»), Sendepause hingegen bei Tamedia. Wahrscheinlich war die «Kultur»-Redaktion gerade nicht besetzt.

Sehr aufrecht meckert die NZZaS: «Dass Filmfestivals Orte des Austauschs und Auseinandersetzung seien, ist bald nur noch eine Floskel. Denn sie geraten immer stärker unter Druck. Seit Putins Überfall auf die Ukraine 2022 und mehr noch seit dem Angriff der Hamas auf Israel 2023 gehören Proteste und Boykottaufrufe auf den roten Teppichen dazu. Festivals werden zum Schauplatz von ideologischen Machtkämpfen. Das führt zu Überforderung, schlimmstenfalls zu Selbstzensur.» Aufrecht deswegen, weil die NZZ Besitzerin des ZZF ist.

Völlig aus dem Häuschen ist das ZZF selbst. In einer Medienmitteilung jubiliert es in Cinemascope und auf der extra breiten Selbstlob-Leinwand.

«Historischer Meilenstein: mit 140’000 Besucherinnen und Besuchern … festigt seinen Ruf … an jedem Tag präsentierten Stars … ein Festival der Superlative … hochkarätige Filmvorführungen … unvergessliches Erlebnis … neues Festivalzentrum … neue Dimension der Professionalität und Exzellenz … fördert den Austausch zwischen aufstrebenden Regisseuren und dem Publikum

Da hat der PR-Manager Simon Keller schwer in die Harfe gegriffen und in die Schalmei gepustet. Zudem wurden jede Menge Preise verliehen, Hauptpreise in den Kategorien Spielfilm und Dokumentarfilm.

Verständlich, dass die Mannen (und Frauen and everybody beyond) um Big Boss Christian Jungen Lobeshymnen anstimmen. Das gehört sich so, und es wurde ja tatsächlich auch einiges geleistet. Nun ist es aber so, um es in den Worten des ehemaligen Festival-Financiers und CS-Versagerrats Urs Rohner zu sagen, dass das ZZF keineswegs eine weisse Weste hat.

Als im gepflegten Ambiente des Opernhauses die Hauptpreise verliehen wurden, fehlte selbst bei den Erwähnungen und der ellenlangen Preiseliste ein Dokumentarfilm, der absurderweise im Wettbewerb verblieben war, aber nicht gezeigt wurde. «Russians at War» ist eine Dokumentation über russische Soldaten an der Ukrainefront. Zunächst hatte Jungen noch tapfer getönt: «Filme sollen zu Diskussionen anregen», also zeige das ZZF die Arbeit von Anastasia Trofimowa.

Dann geschah Ungeheuerliches. Die ukrainische Regierung und die ukrainische Botschafterin in Bern mischten sich in innerschweizerische Angelegenheiten ein, schissen auf die Freiheit der Kunst und verlangten in harschen Worten, dass der Film nicht gezeigt werde. Begleitet wurde das, wie schon in Toronto, von Hassbotschaften anonymer, wahrscheinlich ukrainischer Feiglinge, die wüste Todesdrohungen ausstiessen.

Statt dass Politik und Festivalleitung diese Unverschämtheit mit kräftigen Worten verurteilt hätten und den Film als «jetzt erst recht» gezeigt hätten – zogen alle Beteiligten den Schwanz ein. Der Film wurde gecancelt; alle sich auf dem grünen Teppich in Begleitung von Hollywood-Promis spreizenden Politiker blieben stumm. Genau wie all die tapferen Künstler, die immer gerne für dieses und jenes Gute eintreten. So lubhudelte Richard Gere den Dalai Lama und beklagte Repressionen gegen diesen Gutmenschen.

Aber ein Wort zu diesem Skandal? Aber nein, mit dem Cüpli in der Hand und chauffiert in einer dicken ZZF-Limousine vom Luxushotel zum Teppich und zurück protestiert es sich schlecht.

Aber damit nicht genug. Die Medien, voller glamouröser Storys über das Festival, vermeldeten diese Zensur knapp – und schwiegen ansonsten verkniffen. Ausser, das ist ihr hoch anzurechnen, die NZZ. Die «Weltwoche» tat das, was alle anderen vermieden: sie gab der anderen Seite eine Stimme und interviewte die Autorin ausführlich.

Ist das die viel gerühmte Presse- und Kunstfreiheit in der Schweiz? Ist das das korrekte Verhalten von Regierungsverantwortlichen, wenn sie einmal im Blitzlichtgewitter Rückgrat beweisen könnten? Ehrt das die Stars und Sternchen, die von eigener Bedeutung besoffenen über den grünen Teppich wandeln, huldvoll posieren, bedeutungsschwangere Worte über Kunst und Film absondern – aber keinen Ton zu diesem Skandal dieses Festivals sagen?

Bei allem Respekt vor der organisatorischen und finanziellen Leistung von Jungen: dieser grosse, dunkle Fleck auf seiner blütenweissen Hemdbrust unter dem knapp sitzenden Smoking wird ihn von nun an begleiten. Statt Zurich Film Festival wird der Anlass Zurich Zensur Festival heissen müssen. Organisatoren, Gäste, Medien und Politiker haben versagt. Kein Happy-End in Sicht.

 

Themenvorschläge

Worum sich die Medien kümmern – und worum sie sich kümmern sollten.

Die deutschsprachigen Medien, und nur um diese Journaille soll es hier gehen, wissen, wie man Prioritäten setzt und einordnet.

Da hätten wir mal Taylor Swift. Ein Popsternchen, das belanglose Lieder trällert. In den letzten sieben Tagen 775 Resultate in der Mediendatenbank. Der Irrwisch Elon Musk, der immer mal wieder einen raushaut, wenn er gerade nichts anderes zu tun hat. 580 Treffer. Donald Trump: 2510. Kamala Harris: 2337. TV-Duell: 1007.

Eine Primitiv-Provokateurin haut einen raus: fast 700 Resultate.

«Bschiss»: Immerhin noch 227 Treffer für diesen Hype des Tagi, der bislang jeden Beweis schuldig blieb, dass in resultatverändernder Weise Unterschriften für Initiativen gefälscht wurden.

Nachdem alle Illusionen geplatzt sind, mit Alternativenergien könne man die dramatische Stromlücke stopfen, wird endlich über den Neubau von AKW diskutiert. 275 Treffer.

Der russische Autokrat bezeichnet die Absicht, die Ukraine mit Mittelstreckenraketen auszurüsten, als direkte Kriegserklärung der NATO gegen Russland. Stichwort Atomkrieg: 11 Treffer. Staatsverschuldung, eines der wichtigsten Themen überhaupt: 33 Treffer. Dabei haben die USA mit 380 Milliarden Defizit – in einem Monat! – einen neuen Weltrekord aufgestellt. Krieg im Sudan, wo ein Massensterben biblischen Ausmasses stattfindet: 20 Treffer.

Dafür ist das Wetter mal wieder ein Thema: 1443 Treffer, die beschreiben, dass es überraschenderweise kälter wird und regnet. Ausländerkriminalität, was durchaus viele Menschen umtreibt: 34 Resultate. Masseneinwanderung, dank einer Umfrage auf dem Radarschirm der Medien: schlappe 21 Resultate. Gesundheitskosten, Sorge Nummer eins der Bevölkerung: 215 Treffer. Mieten: 372. Energiepreise, ebenfalls ganz oben beim Sorgenbarometer: 14 Resultate.

Nun müssen die Medien nicht eins zu eins die Themen abbilden, die der Öffentlichkeit wichtig sind oder die, wie ein möglicher Atomkrieg, übergeordnete Bedeutung haben.

Aber über 1000 Treffer für ein TV-Duell in den USA, bei dem sich zwei Kandidaten fetzten, die beide keinerlei Vision oder Wahlprogramm haben? Und kein Wort zum exorbitanten Staatsdefizit sagen? Berichterstattung über ein Politik-Pin-up-Girl? Atomkrieg, Massensterben im Sudan, kä Luscht?

AKW, Mieten, Gesundheitskosten, ach ja, ist nicht wirklich sexy?

Nochmals, der Niedergang der Bezahlmedien ist nicht den Umständen geschuldet. Denn auch sie funktionieren, wie anders, nach dem urkapitalistischen Prinzip von Angebot und Nachfrage. Ist das Angebot teuer und mies, sinkt die Nachfrage. Entspricht das Angebot nicht den Bedürfnissen des Konsumenten, sinkt die Nachfrage. Spiegeln Journalisten ihren Bauchnabel, statt sich um die Bedürfnisse ihrer Leser zu kümmern, sinkt die Nachfrage. Wackeln sie ständig mit dem erhobenen Zeigefinger und wollen ihre Leser zu bessern Menschen zwangserziehen, die gendern, weniger Fleisch essen, nicht mehr autofahren, keinesfalls mehr fliegen und überhaupt spasslos leben sollen, sinkt die Nachfrage.

Erteilen inkompetente Schreiber allem auf der Welt Ratschläge und fordern dies und das, statt Wirklichkeit zu beschreiben, sinkt die Nachfrage.

Schliesslich: kommen Würstchen an die Macht, wird der Senf rationiert. Wird geschmackloser Einheitsbrei serviert, fade Sosse, gedankenfreie Flachdenke, dann sinkt die Nachfrage.

Es wäre völlig verfehlt, diesen Irrweg mit Steuergeldern weiter zu unterstützen. Es gibt nichts Perverseres, als ein Produkt zu subventionieren, das am Markt vorbei produziert wird und ohne Subventionen konsequenterweise ins Grab sinken würde. Fort mit Schaden, die Medienclans Ringier, Coninx, Wanner, vielleicht auch die Lebruments, wenn sie sich nicht weiter selten dämlich anstellen, haben längst genug Geld für alle ihre Hobbys. Newsmedien auf Niveau herstellen, das gehört schon längst nicht mehr dazu.

 

Wie es in Deutschland ludert

Relotius ist nur eine Ausprägung des linken Schreibens in die Bedeutungslosigkeit und Unglaubwürdigkeit.

Zwischen «#metoo»-Erregungswellen und angebliche Enthüllungen über rechtsradikale Schweinereien gibt es nur graduelle Unterschiede – und grosse Ähnlichkeiten.

Ähnlich ist vor allem, dass am Anfang ein Riesengeschrei steht. Kevin Spacey, Rammstein, Copperfield, furchtbar. Irgend einer «enthüllt» den Skandal, die Meute hechelt los und bauscht weiter auf. Bis ein völlig Entgleister sogar forderte – mit Hinweis auf die Unschuldsvermutung –, dass die Konzerte von Rammstein in der Schweiz präventiv abgesagt werden sollten.

Phase zwei ist dann jeweils verkniffenes Schweigen, wenn sich die Anschuldigungen in Luft auflösen – und Organe mit rechtlichen Schritten dazu gezwungen werden müssen, Falschbehauptungen richtigzustellen.

Sehr ähnlich verhält es sich mit dem «Geheimplan gegen Deutschland» der Plattform «Correctiv» oder dem Versuch der «Süddeutschen Zeitung», im Wahlkampf dem Chef der Freien Wähler in Bayern zu diskreditieren. Beides startete bombastisch – und verröchelte winselnd.

Dabei wäre es so schön gewesen. Finstere Rechtsradikale aus AfD und CDU treffen sich insgeheim in der Nähe von Potsdam, um ungeniert «Deportationspläne» von Migranten, sogar solchen mit deutschem Pass, zu besprechen und voranzutreiben. Knallharten Recherchierjournalisten sei es dabei gelungen, an diesem «Geheimtreffen» teilzunehmen, das gar nicht so geheim war.

Inzwischen musste «Correctiv» gezwungenermassen einige Behauptungen korrigieren und zurücknehmen. Sehr dünnhäutig werden sie, wenn ihnen in der medienkritischen Plattform «Übermedien» (sozusagen das deutsche ZACKBUM) vorgeworfen wird, sie hätten nach dem «Prinzip Nichtbeleg und Grossdeutung» angeschwärzt. Die seien «von Neid zerfressen», japste der Geschäftsführer von «Correctiv» zurück. Auch die «Tagesschau» musste in zweiter Instanz dazu gezwungen werden, eine haltlose Behauptung zu löschen. Das Gericht schrieb ihr (und  dem «Spiegel» und vielen anderen Medien) ins Stammbuch: «Prozessual ist von der Unwahrheit der Behauptung der Antragsgegnerin, es sei bei dem Treffen in Potsdam die Ausweisung deutscher Staatsangehöriger diskutiert worden, auszugehen.»

Eine Riesenklatsche. Damit endet vorläufig eine «Enthüllung», die ungeheuerliche Wirkung hatte; Hunderttausende gingen auf die Strasse, um «gegen rechts» zu demonstrieren; Politiker überschlugen sich dabei, diese furchtbaren Pläne zu verurteilen.

Wie demagogisch abgefeimt, suggestiv und ungenau der Text von «Correctiv» ist, dafür nur ein Beispiel: «Knapp acht Kilometer entfernt von dem Hotel (wo das für alle per Anmeldung zugängliche Treffen stattfand, Red.) steht das Haus der Wannseekonferenz, auf der die Nazis die systematische Vernichtung der Juden koordinierten.» Diese üble Assoziation wurde im «Spiegel» nicht etwa kritisiert, sondern als «nicht nur legitim, sondern geboten» gelobt.

Der Treppenwitz dabei ist, dass zum Thema Remigration nur gesagt wurde, was die AfD schon lange öffentlich vertritt: nicht-assimilierte Staatsbürger sollten durch «Anpassungsdruck» zur Rückwanderung gedrängt werden. Während die SPD – natürlich unkritisiert – fordert, Antisemiten auch nachträglich den deutschen Pass wegzunehmen.

Im Fall des bayerischen Politikers Aiwanger wurde ihm von der SZ unterstellt, er habe vor vielen Jahren als Jugendlicher ein abstossendes Flugblatt verfasst, das sich über den Holocaust amüsierte. Als sich herausstellte, dass seine Urheberschaft – von ihm bestritten – in keiner Form belegbar war, entblödete sich der Chefredaktor der SZ (das war noch vor der Plagiatsaffäre) nicht, sich mit diesem Satz von allen journalistischen Prinzipien zu verabschieden: «Auf die Urheberschaft kommt es nicht mehr an, der Rest ist schon schrecklich genug.» Damit meinte er aber nicht das Vorgehen seiner Zeitung.

Seither herrscht verkniffenes Schweigen, alleine die NZZ getraut sich, Klartext zu schreiben: «Die Redaktion musste den Text «Geheimplan gegen Deutschland» korrigieren – viele deutsche Medien scheuen bis heute die Aufarbeitung.» Autorin Beatrice Achterberg führt noch ein weiteres Beispiel der abgrundtiefen Heuchelei der «Correctiv»-Macher an. Einerseits empören die sich über angebliche Deportationspläne der Rechten. Andererseits schreibt einer ihrer Reporter und Mitautor des «Geheimplan»-Schmierenstücks angesichts des starken Zuspruchs für AfD, BSW und Linke in Ostdeutschland, dass es doch nicht angehe, dass «eine Mehrheit der ehemaligen DDR-Bürger, die nur 1/6 der Gesamtbevölkerung stellen, mit der Westbindung das Erfolgsmodell der Bundesrepublik zerstören.»

Sein Lösungsvorschlag: man müsse über eine «Trennung» der neuen Bundesländer, der Ex-DDR, von der BRD nachdenken. Also sozusagen die Zwangsausbürgerung von Millionen von Deutschen.

All das ist dermassen hanebüchen und wirft ein grelles Licht darauf, was ZACKBUM schon lange sagt. Nicht die Arglist der Zeiten oder die Umstände haben die Medien in die Krise geführt. Ein wenig auch, aber in erster Linie ist es dieses Versagen, diese Einäugigkeit, diese Unfähigkeit zur Selbstkritik, diese voreingenommene und angeblich belehrende Schmiere, die Leser und zahlende Konsumenten in Scharen davontreibt.

Denn wer will denn – unabhängig von seiner eigenen politischen Überzeugung – Geld für solch journalistisches Desaster, für Offenbarungseide am Laufmeter, für mit ideologischer Brille geschriebene Propagandamachwerke ausgeben.

Mutmassungen über einen Messerstecher

Orientierung, Einordnung, Analyse? Pustekuchen.

Anabel Schunke in der «Weltwoche» weiss über den Messerstecher von Mannheim: «Bereits 2014 wurde sein Asylantrag abgelehnt.» Nun soll man keine Scherze über Blondinen machen, auch wenn sich hier einer aufdrängt:

«Demnach wurde A., der zunächst in Frankfurt am Main gemeldet war, neun Jahre lang nicht abgeschoben, ehe der Afghane 2017 eine Frau mit deutscher Staatsbürgerschaft heiratete und mit ihr ein Kind bekam. Das reichte für eine befristete Aufenthaltserlaubnis.» 2014 bis 2017 sind neun Jahre im Universum Schunke.

Sie fährt fort: «Zehn Jahre konnte jemand in Deutschland leben, der eigentlich nie hätte hierbleiben dürfen. Das darf nicht sein.» Es darf sein, dass Schunke geltende Regeln über Abschiebungen ignoriert oder kritisiert. Aber ein «das darf nicht sein» darf auch nicht sein.

«Laut Akten war er ein Musterbeispiel für gelungene Integration», weiss hingegen der «Spiegel». Ohne sich der Ironie bewusst zu werden, dass wenn dieser Messerstecher ein Musterbeispiel wäre, die Integration offensichtlich völlig gescheitert ist.

Auch für «Focus» ist Suleiman A. in erster Linie ein «abgelehnter afghanischer Asylbewerber». Und das Magazin erwähnt, dass eine damals in Afghanistan durchgeführte Umfrage ergeben habe, dass 99 Prozent der Bevölkerung die islamische Scharia befürwortete. Was von Meinungsumfragen im Talibanland zu halten ist, nun ja. Insinuiert wird, dass auch der Messerstecher die Scharia befürworte und in Deutschland angewendet habe. Denn sie sieht den Tod für Ungläubige vor, die den Islam kritisieren.

Der «Focus» fragt sich noch faktenfrei: «War er also ein „Schläfer“, ein aus Afghanistan nach Deutschland eingeschleuster Islamist, der Jahre nach seiner Migration ein Attentat beging auf zwei deutsche Staatsbürger»?

Dann kritisiert der «Focus» zu recht: «Zwei Spitzenpolitiker der Sozialdemokraten erwähnen den offenkundig islamistischen Hintergrund des Attentats von Mannheim mit keinem einzigen Wort. Es sind die Nummer Eins und die Nummer Drei in der Staatshierarchie: der Bundespräsident und der Bundeskanzler. So hielt es auch der SPD-Vorsitzende.»

Die deutsche «Tagesschau» weiss über das eigentliche Ziel des Attentäters, Michael Stürzenberger, dass der «vom bayerischen Verfassungsschutz beobachtet wird». Das riecht dann doch streng nach «selber schuld, eigentlich, du Islamkritiker».

Bei Tamedia hingegen traut man seinen Augen nicht. Das Messerattentat von Mannheim? War da was? Aber das hat doch nicht die Skandalkraft wie ein paar besoffene Gröler in Sylt, deshalb ist es bereits von der Homepage verschwunden. Da gibt es doch Wichtigeres, zum Beispiel: «Sexuelle Belästigung? Schwere Vorwürfe gegen den Star-Bergsteiger» .  Was, Sie haben noch nie von Nirmal Purja gehört? Oder «Eiersalat à la Mama». Oder aber, endlich ist der Zusammenhang erstellt: «Schon wieder Flutkatastrophen – aber bei der EU-Wahl dürften dennoch rechtspopulistische Kräfte zulegen, die den Klimawandel leugnen

Und der Schrumpf-Redaktor Mario Stäuble redet sich schön, dass die USA nur den Grüssaugust (generisches Maskulinum) vorbeischicken: «Die US-Vizepräsidentin nimmt Mitte Juni an der Schweizer Ukraine-Konferenz teil. Das steigert das Gewicht des Anlasses, obwohl Präsident Joe Biden nicht kommt.» Nein, das zeigt sehr gut, wie wichtig die USA diesen Anlass nehmen. Denn für den Präsidenten, der eigentlich in Europa weilt, ist eine Wahlveranstaltung in Kalifornien mit George Clooney und Julia Roberts wichtiger. Recht hat er.

Unverdrossen behauptet aber Chefredaktorin Raphaela Birrer: «Mit einem Tagi-Abo leisten Sie sich Qualitätsjournalismus». Die Dame hat schon eine Fähigkeit, in jedes Fettnäpfchen zu hopsen, das blöd rumsteht.  Man kann es nur amüsiert als Realsatire geniessen, wenn sie behauptet

«wir kuratieren für Sie die wichtigsten Nachrichten, erklären Ihnen die Hintergründe und ordnen Ereignisse und Entwicklungen ein. Wir gehen den Geschichten nach, die sonst nicht erzählt werden. Wir stellen die Fragen, die gestellt werden müssen. Und wir tun alles, damit Sie gut informiert, inspiriert und unterhalten sind».

Kuratieren? Wir wischen uns die Lachtränen ab und werfen eine Blick in den «Blick». Der hat immerhin einen Schweizer Aspekt gefunden: «Schweizer Polizisten trauern um deutschen Kollegen». Im einfühlsamen Kitschtext wird aber sorgfältig vermieden, das offensichtliche Motiv des mutmasslichen Mörders von Mannheim zu erwähnen.

Klartext hingegen redet die NZZ: «Ein Afghane ersticht einen Polizisten und verletzt einen Islamkritiker schwer. Deutschland muss sich endlich eingestehen, dass der politische Islam die gegenwärtig grösste Bedrohung für Freiheit und Sicherheit ist.»

Auch CH Media nimmt eindeutig Stellung: «Messerangriff in Mannheim: Die Politik sollte ihre Mitschuld am Problem des radikalen Islamismus eingestehen».

Ach, und wollen wir uns noch den Scherz leisten, in die «Republik» zu schauen? Die lehnt sich am Dienstag bereits nach einem Ankündigungspotpurri und zwei Artikeln erschöpft zurück. Der eine behauptet «Die Forschung boomt, doch keiner schaut hin», im zweiten befasst sich Westentaschendenker Daniel Strassberg mit dem «unangepassten Menschen». Das ist nun brandaktuell, hochinteressant und unverzichtbar. Aber es gibt eine gute Nachricht. In den ersten Junitagen haben 9 Abonnenten aufgegeben, und 33 neue schmeissen ihr Geld zum Fenster raus. Ob das Lockangebot der schreibenden Schmachtlocke gewirkt hat?

«Kommen Sie an Bord! Nur heute mit 25 Prozent Rabatt* auf das Jahresabo. Bezahlen Sie anstatt CHF 240 nur CHF 180.» Der billige Jakob ist unterwegs. Aber Vorsicht, das Jahresabo wurde schon viel billiger weggeschmissen. Also abwarten, und der 4. Juni ist sowieso vorbei!

Und wie man’s vielleicht nicht machen soll, dokumentiert «20 Minuten». Denn auch bei der Jungen SVP sollte es eine IQ-Untergrenze geben; wäre dringlich nötig:

Im Originalversuch der JSVP ist der Attentäter übrigens unverpixelt. Merke: auch Provokation will gelernt sein.

Tra tra Trump

Wie präsentieren die Leitmedien den Schuldspruch gegen den Ex-US-Präsidenten?

Wie zu erwarten war, kriegt sich das Organ der diplomierten Trump-Hasser nicht ein, der «Spiegel» drückt auf die Wiederholungstaste:

Das ist mal ein Titel. Da denkt selbst der «Blick» schon weiter:

Tamedia greift zu Gelb (Moment, die Farbe gehört eigentlich ZACKBUM) und verwendet das Allerweltswort «historisch». Obwohl ja eigentlich niemand weiss, was das bedeuten soll.

Die NZZ hingegen vertraut für einmal auf die Weisheit der US-Wähler:

CH Media hingegen lässt nur Abonnenten an seinen Erkenntnissen teilhaben:

«watson» haut wie meistens kräftig auf die Kacke und stellt eine Behauptung im Grenzbereich der Wahrheit auf. Das mit dem Gefängnis ist nun sehr theoretisch; zuerst einmal müsste Trump rechtsgültig verurteilt werden, was noch ein ganzes Weilchen dauern wird. Und dann müsste er als Nicht-Vorbestrafter schon ziemlich Pech haben, wenn eine unbedingte Gefängnisstrafe ausgesprochen würde. Die Wahrscheinlichkeit ist etwa gleichhoch wie die, dass ein Meteoriteneinschlag die US-Präsidentschaftswahlen unterbricht:

Aber wo die Möglichkeit zum Sauglattismus existiert, kann «watson» natürlich nicht widerstehen:

Auch «blue news» ist ziemlich vorne dabei:

SRF hingegen hält sich staatstragend bedeckt, mit einem Hammertitel über das Unklare:

Für die Gutmenschen von «Republik» oder WoZ hingegen war es am Freitagmorgen halt noch ziemlich früh; wozu diesen Donnerschlag vermelden. Aber die Kommentare werden dann sicher kommen, sobald die Jungs (und Mädels und everybody beyond) ausgeschlafen haben.

Wie verbrannte Kinder eiern alle Kommentatoren um die Frage herum, ob Trump dieser Schuldspruch bei den Wahlen schaden wird – oder nicht. Mit aller Kraft wollen sie den Fehler vermeiden, den sie bei der ersten Teilnahme Trumps an Präsidentschaftswahlen gemacht haben, wo sie teilweise noch bis tief in die Wahlnacht hinein behaupteten, dass die USA die erste Präsidentin gewählt hätten.

Ob dieser Prozess hat stattfinden müssen, wo mit einer doch kühnen Konstruktion eine (erlaubte) Schweigegeldzahlung in eine (unerlaubte) Bilanzmanipulation aufgezwirbelt wurde, ist tatsächlich die Frage. Aber obwohl Trump gegen den Richter tobt, hatte er alle Möglichkeiten eines reichen Mannes, sich gegen die Anklage zur Wehr zu setzen. Dass er in allen Punkten von den Geschworenen schuldig gesprochen wurde, die dafür einstimmig das Verdikt fällen mussten, ist in erster Linie eine knallende Ohrfeige für sein Verteidigungsteam.

Die hätten nur einen einzigen Geschworenen davon überzeugen müssen, dass wenigstens im Zweifel für den Angeklagten gilt, und Trump wäre als Sieger vom Platz gegangen. Wenn er raffinierter wäre als er ist, könnte er es aber auch darauf angelegt haben, verurteilt zu werden, um den Märtyrerbonus einzustreichen.

Was bleibt, ist aber: was für eine Schande für die US-Demokratie, dass – neben völlig aussichtslosen Kandidaten – ein seniler Greis gegen einen Amok-Greis das Beste ist, was die stärkste Militärmacht der Welt als Personal anzubieten hat, wenn es um ihren wichtigsten Posten geht. Mal Hand aufs Herz, da wählt man doch eher noch Dagobert Duck.

 

Der Präsident und der Porno

Geeiertes zu einem peinlichen Prozess.

Hatte Donald Trump, der bekanntlich als tiefreligiöser Mensch der Meinung ist, dass er allen Frauen an die Pussy fassen kann, im Jahre 2006 mit der Pornodarstellerin mit dem vulgären Pseudonym «Stormy Daniels» einen One-night-Stand? Sagt sie, bestreitet er.

Wieso geht das jemanden, abgesehen von seiner Frau, etwas an? Weil er vor den Wahlen 2016 für  ihr Schweigen 130’000 Dollar bezahlt haben soll. Nun gibt es da ein kleines Problem: solche Zahlungen sind nicht illegal. Er soll sie aber versteckt haben, also Bilanzfälschung. Das ist hingegen in New York ein Kavaliersdelikt. Wieso dann einen Prozess deswegen?

Weil der Staatsanwalt die gewagte Konstruktion anwendet, dass diese Bilanzmanipulation vornahm, um ein anderes Vergehen zu bemänteln. Dafür muss aber die Schweigegeldzahlung gegen Steuergesetze verstossen haben, um ein Delikt zu werden. Zudem erfolgte sie, wenn überhaupt, über Trumps damaligen Fixer aller Probleme, über den Anwalt Michael Cohen.

Der hat sich von Trump abgewandt, als er von ihm fallengelassen wurde. Er ist Zeuge der Anklage, aber gleichzeitig auch ein verurteilter Lügner, der ein starkes Motiv hat, Trump in die Pfanne zu hauen. Und dann gibt es noch die Pornodarstellerin selbst, der man unterstellen kann, dass sie gerne ihre 15 Minuten Ruhm auslebt.

Auf der anderen Seite ist es das erste Mal, dass sich ein ehemaliger und nochmals für dieses Amt kandidierender Präsident vor einem Strafgericht verantworten muss.

Daraus ergibt sich eine so komplexe Ausgangslage, dass die meisten Medien an der Darstellung scheitern. Denn in der Schweiz sind alle grossen Medienkonzerne in Abstufungen Trump gegenüber nicht ganz objektiv, um das mal zurückhaltend auszudrücken.

Also diese schmierige Angelegenheit benutzen, um auf Trump einzudreschen, die ganze Latte von weiteren Verfahren aufzählen, damit seine charakterliche und sonstige Nichteigung für das Amt herbeischreiben? Oder warnend darauf hinweisen: wenn es gelänge, Trump juristisch von der Kandidatur auszuschliessen, hätten die USA ein gröberes Problem.

Schliesslich ist es dort nirgends unüblich, dass sich Politiker selbst oder ihre nächste Entourage Dinge zuschulden kommen lassen, die eigentlich für das höchste Staatsamt disqualifizieren. Man denke nur an Biden-Ukraine-Connection, wo Papa Biden höchstpersönlich mit der Macht des Vizepräsidenten dafür sorgte, dass ein seinem Sohn unangenehm auf die Pelle rückender Staatsanwalt gefeuert wurde.

Und natürlich hat Trump eine ganze Latte von gescheiterten Geschäften hinter sich, man denke nur an seine grossartige Trump University, die schnell nicht einmal mehr University heissen durfte und ein reiner Bluff war.

Erschwerend kommt noch hinzu, dass die Medien immer noch ein wenig gebrannt sind, dass sie beim damaligen Duell Trump gegen Hillary Clinton bis zur letzten Sekunde an der Überzeugung festhielten, der ersten US-Präsidentin gratulieren zu können.

Erschwerend kommt auch noch hinzu, dass man den zunehmend senil werdenden Biden nicht wirklich als bessere Alternative verkaufen kann. Da ist der Plan der Demokraten nicht aufgegangen, seine Stellvertreterin in der ersten Präsidentschaft zu einer valablen Kandidatin als seine Nachfolgerin aufzubauen. Obwohl Kamala Harris (nicht nur Frau, sondern auch noch dunkel) Lobeshymnen und Vorschusslorbeeren bis zur Brechreizschwelle bekam, hat sie sich als Flop erwiesen.

Was tun? Das Einzige, was bleibt, da sind sich die Massenmedien einig, ist eine Dämonisierung von Trump. Wenn er nochmals an die Macht käme, würde er nicht nur den üblichen Blödsinn wie beim ersten Mal machen, sondern sich vielleicht zum Diktator aufschwingen. Die US-Verfassung aushebeln. Checks and Balances vernichten. Die Demokratie zerstören.

Aber all dieses Geeier hat beim Konsumenten wieder mal nur eine Auswirkung: zunächst gelangweiltes Überblättern oder Scrollen, dann Ignorieren. Und schliesslich die Frage beantworten, wozu man eigentlich noch viel Geld für diese Lektüre ausgeben sollte.

So ist mal wieder das Desaster hausgemacht. Intelligente Analysen, horizonterweiternde Reportagen, erkenntnisreiche Darlegungen? Der alte Dreisprung – Darstellung, Analyse, Einordnung – wird konsequent verstolpert.

Um nur ein Beispiel zu geben: was sagt es eigentlich über den aktuellen Zustand der US-Demokratie aus, dass der Wähler sich zwischen einem senilen und einem Amok-Greis entscheiden muss? Ist das alles, was die US-Politik zu bieten hat? Und wenn ja, ist dann nicht ein möglicher Sieg Trumps beängstigend, sondern diese Auswahl?

Es gäbe so viele interessante Fragen zu beantworten. Aber nachzuplappern, was die Agenturen über einen Prozess berichten, der sich sowieso noch sehr lange hinziehen wird, das ist einfacher. Und dem herrschenden Niveau in der Hölle der Newsräume angemessen.