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Somms Alptraum

Vom Armeeabschaffer zur Kriegsgurgel. Auch eine Karriere.

Es gibt den Spruch: «Wer mit zwanzig kein Kommunist ist, hat kein Herz; wer mit vierzig noch Kommunist ist, hat keinen Verstand.»

Beim Chef des Randgruppen-Organs «Nebelspalter» ist ein anderes Phänomen zu beobachten. Er war zwar in seiner Jugend Trotzkist und später Mitglied der GSoA, deren Initiative «für eine Schweiz ohne Armee» 1989 von immerhin 35,6 Prozent befürwortet wurde.

Somm half auch beim Unterschriftensammeln gegen den Kauf der F/A-18-Kampfflugzeuge. Sie erreichte 1993 sogar 42,9 Prozent Ja. Aber wie jeder Renegat muss er bis ins hohe Alter Abbitte leisten. Erst ist längst kein Trotzkist mehr, aber das mit dem Verstand, nun ja.

ZACKBUM hat sich schon mehrfach mit dieser unappetitlichen Entwicklung beschäftigt und wollte es eigentlich lassen. Aber nun hat Somm sogar noch nachgelegt. Dank des Verkaufs der BaZ an Tamedia darf er immer noch eine Kolumne in der «Sonntagszeitung» vollschmieren.

Der Titel seines neusten Machwerks: «Der Kontinent steht vor einem Bürgerkrieg». Oder variiert im Nebelwerfer, Pardon, «Nebelspalter»:

«Europa steht vor einem Bürgerkrieg».

Illustriert mit dem zerstörten Eifelturm. Denn Somm möchte nicht in seine Vergangenheit zurückblicken, daher wird er zum Seher und schaut in die Zukunft. Genauer ins «Jahr 2042».

In seinem Newsletter deliriert er diese «Fakten»: «Im Jahr 2042 stehen die christlichen Staaten von Osteuropa unversöhnlich den islamistischen in Westeuropa gegenüber. Es kommt zum Krieg.» Wie das? Nun, der Kandidat der «Vereinigten Islamischen Linken» habe die Präsidentschaftswahlen in Frankreich gewonnen. Es sei «ein weiterer einst christlicher Staat an den Islam gefallen», fantasiert sich Somm seine Zukunft.

Das sind wohl «alternative Fakten» im Sinne der ehemaligen Trump-Beraterin Kellyanne Conway.

Der Gedanke ist nicht mal sonderlich originell. Bereits 2015 hatte der Philosoph Michel Houellebecq in seinem Roman «Soumission» die Unterwerfung Frankreichs unter den Islam dargestellt. Im Gegensatz zu Somm allerdings auf hohem intellektuellem Niveau.

Bei der Unke im Nebel ist das hingegen nur die Einleitung zu noch Schlimmerem:

«Deutschland, mittlerweile wieder die stärkste Militärmacht in Europa, hatte unter Bundeskanzlerin Alice Weidel gar den Generalstab wieder eingeführt. 1946 war er von den Alliierten auf immer verboten worden.
In Berlin sann man auf Krieg. Ein islamistisches Europa? Nicht mit den Deutschen – und nicht mit den Russen, den engsten Verbündeten der Deutschen.»

So nebenbei, da ja Somm angeblich Historiker ist: Der alliierte Kontrollrat hatte die «Auflösung der Wehrmacht» beschlossen, nicht nur des Generalstabs. Im Potsdamer Abkommen war bereits 1945 die vollständige Entmilitarisierung Deutschlands angekündigt worden. Die Wiederbewaffnung ab 1955 und das Entstehen der Bundeswehr ist ein anderes Kapitel.

Aber zurück zum schreckensbleichen Alptraum Somms. Gegen Schluss seiner Apokalypse hat er allerdings die kühne Ankündigung im Text vergessen und schwächt in Frageform ab: «Kommt es zum Krieg zwischen Islamisten und Christen

Dann wird es ziemlich nebulös, denn was dieser Absatz uns sagen soll, verschwindet im Nebel seiner wirren Gedanken: «In Bern gab es niemanden mehr, der die Neutralität infrage gestellt hätte. Wer es dennoch tat, bekam es mit dem Aussenminister zu tun, Cédric Wermuth von der SP, der von Saal zu Saal zog, um die immerwährende, bewaffnete Neutralität zu verteidigen. Alle wussten, dass sie das beste Mittel darstellte, um den nächsten Krieg zu überstehen.»

Während so unverständlich die Kolumne in der SoZ endet, fährt Somm in seinem Newsletter fort: «Ein unplausibles Szenario? Wer das meint, soll mir erklären, warum er im 2010 den Ukraine-Krieg nicht vorausgesehen hatte

Tja, um ihn vorsichtig an eine wichtige Erkenntnis heranzuführen: Weil 2010 diese Möglichkeit dermassen unplausibel erschien. Man könnte genauso gut die dumme Frage stellen, wieso niemand 2010 die Präsidentschaft Trumps vorausgesehen habe. Das soll die Plausibilität von Somms Alptraum unterstützen?

ZACKBUM rät ein letztes Mal: Somm sollte diese Abbitten an seine Vergangenheit doch besser seinem Tagebuch eines Ketzers anvertrauen – und die Öffentlichkeit davon verschonen.

Somms Sturzflug

Der Mann hat noch Potenzial. Nach unten.

Lässt sich «Amerika, wir danken Dir!» noch unterbieten? Das ist nicht einfach. Dafür muss man völlig skrupellos, schmerzfrei, losgelöst von der Wirklichkeit und vor allem schamfrei sein. Also ein Markus Somm. Der hat bekanntlich auch schon gefordert, dass im Ukrainekrieg endlich mal Moskau bombardiert werden solle. Selenskyj, der vor Bräunlichem in der Geschichte der Ukraine nicht zurückschreckt, hat ihm den Gefallen getan.

Also wendet sich Somm einem anderen Schlachtfeld zu und zeigt, dass sich Kriegsgurgel Häsler in der NZZ noch steigern lässt. Wieso allerdings in der «SonntagsZeitung» alle Sicherungen durchgebrannt sind, bleibt Arthur Rutishausers süsses Geheimnis.

Denn man muss schon den Titel zweimal lesen und dann den folgenden Text, um sich zu vergewissern, dass es sich hier nicht etwa um eine Art abseitigen Humor oder bitterböse Satire handelt. Nein, dem Mann ist das offenbar ernst:

«Selbstredend, was blieb ihm anderes übrig, erklärte Trump den Waffenstillstand für beendet, und um seine vielen Worte, an deren widersprüchliche Diversität und verkürzte Halbwertszeit wir uns mittlerweile gewöhnt haben, auch mit Taten zu unterlegen, liess er wenige Stunden später den Iran wieder bombardieren.»

Selbstredend? Das hat was, irgendwie scheint es, dass etwas in Trump von selbst redet. Allerdings mit gespaltener Zunge. Einmal sind die Führer in Teheran intelligente Leute, mit denen sich verhandeln und ein Deal machen lässt, Dann wiederum sind sie «Abschaum und Lügner». Bloss, weil sie den angeblich grossartigen Dealmaker im Weissen Haus über den Tisch gezogen und vorgeführt haben.

Das quittiert Somm doch tatsächlich – da flimmert selbst der Bildschirm in stummem Protest – mit:

«Gott sei Dank!»

So wie die fundamentalistischen Wahnsinnigen im Iran meinen, im Sinne und Namen Allahs zu handeln, beruft sich der frühere Atheist (denn als Trotzkist konnte man kaum gläubig sein) doch tatsächlich auf den christlichen Gott und bedankt sich bei ihm dafür, dass Präsident Trump wieder Ziele ins Iran in die Luft jagen lässt. Gott sei Dank, dass es endlich wieder Tod und Zerstörung gibt.

«Deus vult» – Gott will es – soll die Menge gerufen haben, als Papst Urban II. 1095 zum ersten Kreuzzug aufrief, zum ersten Blutbad im Nahen Osten, bei dem die beteiligten gläubigen Christen anschliessend direkt in den Himmel kommen sollten. Ob der Historiker Somm das weiss? Man zweifelt, wie überhaupt an fast allem bei ihm.

Als sei er selbst über diesen gotteslästerlichen Spruch erschrocken, kokettiert er anschliessend: «Damit keine Missverständnisse aufkommen: Ich bin kein Freund des Krieges, ich verabscheue Gewalt, ich hasse den Tod». Er hasse den Tod? Interessant, da wird der Tod aber schön beleidigt und betupft sein. Aber das ist ja auch nur das Feigenblättchen vor der Fortsetzung:

«und dennoch war es höchste Zeit, dass Trump wieder auf die Erde zurückkehrt – nach seinem Trip ins Nirwana des Pazifismus. Nur Krieg bringt im Nahen Osten den Frieden. Mit den iranischen Mullahs kann man nicht verhandeln

Nirwana des Pazifismus, sagt der Renegat und ehemalige Unterstützer der GSoA. Dann wird es wirklich ganz kurios: «Sie sagen das eine, tun das andere, sie lügen in kürzeren Abständen, als sie atmen.» Das schleudert Somm in Richtung der Mullahs, aber träfe das nicht genauso auf denjenigen zu, für dessen Tun sich Somm bei Gott bedankt?

Aber er hat noch mehr absolut Absurdes auf Lager: «Ein Regime, das auf Lüge und Gewalt beruht, kann nicht anders als zu lügen und Gewalt anzuwenden. Fragen Sie Adolf Hitler, er weiss, wovon ich spreche.» Ähm, ob man Somm schonend beibringen sollte, dass Hitler sogar noch toter als Elvis Presley ist?

Aber das ist höchstens ein Zwischenstopp auf dem unaufhaltsamen Weg nach ganz unten: «Wer den Macho aus Queens so vor aller Welt vorführt, muss sich nicht wundern, wenn dieser ihm eine Bombe an den Kopf wirft. Meine Prognose: Trump wird keinen richtigen Krieg mehr auslösen, sondern je nach Tagesform ein paar Bomben schicken, dann wieder etwas verhandeln, schliesslich wieder Bomben und Blockaden, bis das Regime zerbricht – ohne dass er sich diese Taktik allzu ausführlich zurechtgelegt hätte.»

Ach so, das ist also Trumps Masterplan, den bislang nur ein Einziger durchschaut hat. Er hat auch, Allah sei Dank, einen guten Ratschlag fürs iranische Regime zur Hand. Es sollte «alles tun, um dieses Abkommen in trockene Tücher zu bringen». Aber, offenbar ist weder Allah noch Gott mit denen: «Sie tun es nicht. Warum? Siehe oben. Es fängt mit dumm an und hört mit arrogant auf.»

Äh, was fängt denn mit dumm an und hört mit arrogant auf? Ausser einer Sonntagskolumne? Für die Iraner sei Trump ein «Satan ohne Stamina», geistreichelt Somm, also ein Teufel ohne Ausdauer. Dann verlässt ihn aber Gott sowie Sinn und Verstand: «Gibt es inzwischen in der amerikanischen Hölle nicht auch Airconditioning

Das mag verstehen, wer will und kann. Aber auch für Gottesdanker Somm ist mal Ende Gelände mit der Kolumne, also husch, husch noch einen letzten Aberwitz: «Kurz, sie wissen nicht, was sie tun. Und Trump? Mag sein, dass er es auch nicht weiss».

Was weiss Somm selbst denn nicht? Das hier: «doch wie es der britische Staatsmann Winston Churchill einmal ausgedrückt hat: Amerika tut immer das Richtige, nachdem es alle anderen Möglichkeiten ausgeschöpft hat». Ein schönes Bonmot mit einem klitzekleinen Fehler: das wird zwar Churchill zugeschrieben, nachweislich gesagt hat er es aber nicht. Also ein Fake Zitat.

Wenn diese Kolumne auch am besten ungesagt und ungeschrieben geblieben wäre, das wäre wahrhaft ein Grund, sowohl Gott wie Allah zu danken.

Wumms: Markus Somm

Renegaten sind die Allerschlimmsten.

Vielleicht war der gescheiterte Unternehmer zu jung, als nicht nur Studenten in Europa gegen den schmutzigen Vietnamkrieg der USA protestierten. Auf jeden Fall war er erwachsen und zurechnungsfähig, als Somm sich der trotzkistischen Strömung anschloss und die Gruppe für eine Schweiz ohne Armee (GSoA) unterstützte.

Es ist einem unbenommen, sich weiter oder auch zurück zu entwickeln. Auf allen Kanälen singt er nun eine Lobeshymne auf die USA. In seinem Newsletter begleitet von diesem völlig humorlosen und holperigen Angebot: «Nebelspalter 25%-Rabattaktion «HEIMFLUG». Denn wenn schon jemand früh nach Hause fährt, dann wenigstens nicht Ihr Humor.» Versteht keiner, macht aber nix.

Nicht nur in seiner Kolumne in der «SonntagsZeitung» (neben Badran und einigen anderen das wohl Überflüssigste in diesem Blatt) schleimt er heute: «Amerika, wir danken Dir!» Seine Art, Trumps 250-Jahr-Feiern zu begleiten. Dabei gibt er sich ungehemmt einem Weinkrampf hin:

«Wem kommen nicht die Tränen, wenn er die berühmte Präambel liest: «Wir halten diese Wahrheiten für selbstverständlich: dass alle Menschen gleich erschaffen, dass sie von ihrem Schöpfer mit gewissen unveräusserlichen Rechten ausgestattet sind, dass dazu Leben, Freiheit und das Streben nach Glück gehören.»»

Fast wörtlich abgeschrieben bei John Locke und George Mason, aber das muss ein studierter Historiker nicht unbedingt wissen. Und die Tränen trocknen schnell, wenn man weiss, dass diese selbstverständliche Wahrheit nur für weisse, reiche, männliche Grundbesitzer galt. Dann übt sich Somm in eklatanter Geschichtsumschreibung des US-Bürgerkriegs:

«700’000 bis 750’000 junge Soldaten starben dafür, dass auch die Schwarzen zu amerikanischen Bürgern wurden

Abgesehen davon, dass Zweidrittel nicht im Gefecht, sondern an Krankheiten starben: Die Abschaffung der Sklaverei war ein Grund unter vielen, im Zentrum stand die Industrie- und Handelswirtschaft des Nordens, während der Süden überwiegend agrarisch geblieben war. Somm ist doch Wirtschaftshistoriker. Aber auch sonst hat er nicht viel Ahnung.

Keine Revolution habe «der Menschheit so viel an Fortschritt, Demokratie und Wohlstand gebracht hat wie die Amerikanische». Das freut besonders die Urbevölkerung und das geschundene Lateinamerika. Dann wird’s ganz absurd. Das könne man weder von der französischen, noch der russischen Revolution sagen: «Die Erstere in Paris war ein Massaker, das zu einem endlosen Weltkrieg führte, die Zweitere in St. Petersburg war ebenfalls ein Massaker und ruinierte ein Land vielleicht auf immer.»

Äh, die französische Revolution von 1789 führte zu einem endlosen Weltkrieg? Der ist dann an allen, ausser an Somm, spurlos vorübergegangen. Dass die Oktoberrevolution die Sowjetunion zur Welt- und Atommacht machte, die sogar den Hitler-Faschismus besiegte, nun ja.

Auch das sieht Somm anders, insbesondere die Schweizer sollten inbrünstig intonieren: «Amerika, wir danken Dir». Denn: «Nicht bloss, weil wir heute Hochdeutsch sprechen und uns mit ausgestrecktem Arm begrüssen würden, hätten die Amerikaner im Zweiten Weltkrieg nicht interveniert und die Nazis besiegt.» Ganz alleine, offenbar.

Natürlich kann und darf sich jeder im Rahmen der Meinungsfreiheit öffentlich zum Deppen machen. Davon machen in der SoZ diverse Kolumnisten reichlich Gebrauch. Sie können allerdings für sich in Anspruch nehmen, dass sie kaum studiert und nicht viel verstanden haben. Aber ein Dr. phil. in Wirtschaftsgeschichte? Gut für ihn, dass aus solchen Gründen der Titel nicht aberkannt werden kann.

Wumms: Dominik Feusi

Peinliche Entblössung in aller Öffentlichkeit.

Was soll man dazu sagen? Der vorletzte Mohikaner bei Markus Somms Trauerspiel «Nebelspalter» wollte von Bord gehen. Verständlich, Arbeitsplatzsicherung ist heutzutage im Journalismus von zentraler Bedeutung. Und da sieht es bei der NZZ doch entschieden besser aus als beim Schrumpfprodukt, wo Somm zuerst mit grosser Kelle anrichtete, dann so ziemlich alles falsch machte, was man falsch machen kann – und schliesslich ganz klein und bescheiden in der Bedeutungslosigkeit verharrt.

Also wurde der Wechsel von Feusi in die Wirtschaftsredaktion der NZZ verkündet. Offenbar ist dort Kompetenz und Kenntnis in Wirtschaftsdingen nicht mehr so wichtig.

Aber dann passierte irrerweise etwas Ähnliches, was schon mit  Somm passiert war. Der war kurzzeitig als möglicher neuer Chefredaktor der alten Tante im Gespräch. Bis ihn ein Aufstand der Redaktion abschoss.

Im Fall Feusi war es aber offensichtlich ein Einzeltäter. Der hatte schon vor einiger Zeit ein Plagiat von Feusi entdeckt und ging damit hausieren. Nur: keiner wollte einen ansonsten verdienstvollen Journalisten deswegen öffentlich ans Kreuz nageln. Nicht mal die NZZ selbst.

Also wurde der Vorwurf in den Stehsatz genommen und für eine bessere Gelegenheit aufbewahrt. Die war gekommen, als der Wechsel Feusis kurz bevorstand. Nun musste der Heckenschütze nur noch einen Journalisten finden, der sich als Scharfrichter hergab. Und der fand sich im Ein-Mann-Recherchierteam Fabian Eberhard.

Der ist zwar selbst nicht über jeden Zweifel erhaben. Zumindest Sachen wie einen «Zusammenschrieb», aber unter seinem Namen, lässt er die Ringier-Medienstelle einräumen.

Auf diese entscheidende Frage wollte aber niemand antworten: Was sagen Sie zum Vorwurf, sich damit dafür instrumentalisieren zu lassen, dass gewisse Kreise in der NZZ die Anstellung von Feusi unbedingt verhindern wollten?

Denn genau darum ging es ja. Nachdem Feusis Plagiat am 3. Oktober 2024 im «Nebelspalter» erschienen war, stocherte ein NZZ-Redaktor nach, im Text wurden die «fälschlicherweise weggelassenen Quellen nachträglich ergänzt». Peinlich, aber eigentlich damit erledigt.

Doch nicht für Eberhard. Er «konfrontierte» den armen Sünder nochmals, der sofort gestand: «Es gibt überhaupt keine Entschuldigung dafür. Das ist ein klares Plagiat.» Die NZZ reagierte eher hysterisch und feuerte Feusi, bevor der überhaupt seine Stelle angetreten hatte.

Somm beschränkte sich im Wesentlichen darauf, zu dementieren, dass er damals bei der NZZ interveniert habe, um die Veröffentlichung eines Artikels über dieses Plagiat zu verhindern. Das hatte der Rechercheur Eberhard zunächst behauptet, musste dann aber die entsprechende Passage wieder löschen. Peinlich.

Nun hing Feusi sozusagen zwischen Stuhl und Bank. Beim «Nebelspalter» hatte er gekündigt, die NZZ hatte ihm gekündigt. Aber wenn die Alternative das RAV ist, dann kriecht der Gekreuzigte zu Kreuze. Somm verkündete generös, dass der Fall für ihn erledigt sei, Feusi behält seine Stelle als stellvertretender Chefredaktor und Autor. Peinlich.

Denn welcher Chefredaktor nimmt schon einen zurück, der zuvor gekündigt hatte und damit klar zum Ausdruck brachte, dass er seine Zukunft nicht beim Nebi sieht? Nur einer, dem gar nichts anderes übrigbleibt. Denn inzwischen ist die Rumpfmannschaft auf sechs Nasen reduziert worden, von denen nicht mal alle vollamtlich beim Nebelblatt arbeiten.

Mal wieder eine Intrige, die nur Verlierer kennt. Die NZZ, der «Nebelspalter», Somm und Feusi. Natürlich auch das Kameradenschwein Eberhard. Unglaubliche Zustände im deutschschweizerischen Journalismus.

Rässe alte Tante

An der Falkenstrasse geht es wie im hölzernen Himmel zu und her.

Da soll noch einer sagen, ein uraltes Traditionsblatt bewege sich nur gravitätisch und wie die Peristaltik.

Anfang 2025 schied Nicole Anliker aus der Chefredaktion aus. Sie spielte eine wichtige Rolle bei der digitalen Transformation des Blatts. Marc Felix Serrano, der seit 2017 das erfolgreiche Berliner Büro aufgebaut hatte, verabschiedete sich Ende 2025.

Während nach René Scheu mit Rico Bandle wieder ein Feuilletonchef installiert wurde, der es durchaus auch krachen lässt, krachte es im Zusammenhang mit der versuchten Einwechslung von Dominik Feusi vom «Nebelspalter».

Der hätte die Wirtschaftsredaktion ergänzen sollen, wurde aber noch vor Stellenantritt von einem internen Heckenschützen abgeschossen. Der spielte dem Ein-Mann-Recherchiergenie Fabian Eberhard vom SoBli eine Untersuchung zu, die ergeben hatte, dass Feusi anno 2024 in einem Fall ungeniert und ungeschickt plagiiert hatte.

Im Vorfeld war der Leiter der Bundeshausredaktion der NZZ mit Getöse zu CH Media gewechselt. Fabian Schäfer war bereits der zweite Abgang nach dem Wirtschaftsredaktor Hansueli Schöchli. Der hatte zuvor unter Ausreizung des liberalen Prinzips im Blatt ein Interview von Katharina Fontana gekontert.

Schon der Versuch, Markus Somm als neuen Chefredaktor zu installieren, war an einem Aufstand der Redaktion gescheitert. Auch Jonas Projer musste erleben, dass Mobbing eine der Lieblingsbeschäftigungen der NZZaS-Redaktion ist. Nur zwei Jahre dauerte seine Amtszeit als Chefredaktor. Dann musste er blitzartig durch Beat Balzli ersetzt werden, der eigentlich als Verstärkung für Deutschland eingekauft worden war.

Und seither durch erratische Editorials und eine allgemeine Sittenverluderung bei der NZZaS auffällt.  Mit dem Absägen von Projer hatte sich die Redaktion allerdings selbst ins Knie geschossen. Interne Hoffnungen, seine Nachfolge antreten zu können, erfüllten sich nicht. Im Gegenteil, die Redaktion wurde enger in den Machtbereich von God almighty Eric Gujer eingebunden. Und die begabte Wirtschaftsjournalistin Zoé Baches ging oder wurde gegangen.

Womit die wichtigste Personalie erwähnt wäre. Denn die Amtszeit des Urgesteins Gujer neigt sich dem Ende zu. Er ist bereits seit 1986 für die NZZ tätig und übernahm 2015 die Chefredaktion. In seiner Regentschaft überstand er das unselige Wirken der CEO-Fehlbesetzung Veit Dengler. Schon vor seiner Zeit hatte der Digital-Guru Peter Hogenkamp nach vollmundigen Ankündigungen eine miese Performance und einen unheimlich schwachen Abgang hingelegt.

Der aktuelle CEO Felix Graf fährt einen scharfen Reifen mit der Übernahme der Plakatgesellschaft APG/SGA, während in diversen Schweizer Städten ein Verbot der Aussenwerbung diskutiert wird.

Während Dengler mit seinem Versuch, in seinem Heimatland Österreich mit der NZZ Fuss zu fassen, krachend scheiterte, macht Gujer die erfolgreiche Expansion nach Deutschland unangreifbar. Aber auch er entgeht der Altersguillotine nicht, obwohl er dem Vernehmen nach gerne länger im Amt geblieben wäre.

Und dann? In der Pole Position steht Benedict Neff. Er verdiente sich als Feuilletonchef die Sporen ab und ersetzte dann endlich Alles-Besserwisser Peter Rásonyi als Chef Ausland, der zu einem «strategischen Projekt zur Internationalisierung» aufs Abstellgleis geschoben wurde.

Chanchal Biswas, der den Kampf um die Leitung des wichtigen Wirtschaftsressorts gewann, wäre ebenfalls ein möglicher Kandidat. Dann gäbe es noch die Quotenfrau Christina Neuhaus, wenn auch die NZZ nicht in erster Linie nach Kompetenz, sondern nach Geschlecht entscheiden will.

Am 12. Januar 1780 gegründet, 246 Jahre alt. Nicht nur aus persönlicher Nostalgie wünscht ihr ZACKBUM auch zukünftig alles Gute. Denn bei allem Gemecker: gegen sie sind die anderen Medien in der Schweiz ein Schluck lauwarmes Wasser. Ausser diese Medienplattform, natürlich.

 

Ensemble für ein Schmierentheater

Es folgt die Mannschaft in alphabetischer Reihenfolge.

Jean-Martin Büttner, Fabian Eberhard, Dominik Feusi, Markus Somm und als Special Guest Star Roger Köppel.

Was wird genau aufgeführt? Ein Ein-Personen-Stück und eine gemeinsame Leistung, bzw. Schmiere. Der Prolog stammt vom Ein-Mann-Recherchierteam Fabian Eberhard. Das ist der stellvertretende Chefredaktor des «SonntagsBlick», der nicht mal die Büroräumlichkeiten des Internetradios Kontrafunk findet. Daraus aber eine grosse Fake-Enthüllungsstory bastelte.

Das ist der Denunziant, der titelt «Russland nutzt «Weltwoche» für Propaganda-Operation». Und ausholt: «Tatsächlich verbreitet das Blatt von Roger Köppel seit Russlands Angriff auf die Ukraine immer wieder plumpe Putin-Propaganda.» Um aber im Lead zurückzukrebsen: «Der Bayerische Verfassungsschutz stellte die Zeitung deshalb an den Pranger – nun muss er zurückkrebsen».

ZACKBUM nannte diese Methode «Ich sage nicht, Sie sind ein Arschloch». Nun hat Eberhard einen neuen «Scoop» gelandet:

Das hat dem zweiten Kopf neben Markus Somm beim «Nebelspalter» die ersehnte neue Stelle in der Wirtschaftsredaktion der NZZ gekostet. Es wäre tatsächlich die Frage gewesen, was der Mann von Wirtschaft versteht. Wenn man sich die Zahlen des «Nebelspalter» anschaut: nichts. Nach diversen Sparmassnahmen musste Feusi dort so ziemlich alles machen, während sein Chef Somm auch auf allen Kanälen wenig Sinniges und viel Unsinniges verzapft («die Israeli sind die Guten, man sollte Moskau bombardieren»).

Was tun, wenn das Hirn leer, aber der Internetauftritt noch leerer ist? In der Not greift der Journalist zum Plagiat. In diesem Fall schrieb Feusi fast eins zu eins eine Schwachsinns-Meinung des britischen «Telegraph« ab. Immerhin hat Eberhard hier recherchiert und kommt zum Ergebnis: «Eine Analyse von Blick zeigt, dass rund 90 Prozent des Textes von Feusi nahezu eins zu eins vom britischen Original übernommen wurden.» Das untermauert er sogar in seinem Artikel.

Die Untat geschah schon im Herbst 2024. Und sei damals einem Redaktor der alten Tante aufgefallen: «Das Blatt aber sah schliesslich davon ab, das Plagiat publik zu machen. Warum, ist unklar.*» Das Sternchen hat sich Eberhard eingebrockt, weil er was behauptete, was er nicht belegen konnte: «* Hinweis: In einer früheren Version stand, Markus Somm hätte laut Insidern bei der «NZZ» interveniert. Laut Somm stimmt das nicht. Der eine Satz wurde deshalb entfernt.»

Geht doch nichts über eine versuchte Anpinkelei nach der Devise «ich sagen nicht, dass Sie …». Auf jeden Fall hat nun die NZZ herausgefunden, «dass dieser Sachverhalt mit ihren publizistischen Grundsätzen nicht vereinbar ist». Und bevor Feusi am 1. Juli seine Stelle hätte antreten können, ist er schon weg. Erinnert etwas an Patrizia Laeri, aber das wäre wieder eine andere Story.

Während Somm das macht, was man halt so macht, wenn etwas sehr Peinliches passiert ist – abwiegeln –, tritt Eberhard fröhlich nach: «Bevor Gujer 2015 die Chefredaktion übernahm, scheiterte ein Versuch rechtsbürgerlicher Kreise, Markus Somm an die Spitze der «NZZ» zu hieven, am Widerstand der Redaktion. Nun scheitert auch der Transfer von Somms Schützling Feusi.»

Schützling, Transfer? Feusi wollte offensichtlich seine Arbeitsplatzsicherheit erhöhen und nicht länger im roten Bereich Storys liefern müssen. Einen, wie heisst’s so schön, «rechtsbürgerlichen» Journalisten abschiessen wegen eines Uralt-Plagiats, die feine Art ist anders. Das ist die hämisch-schäbige Art, wobei Eberhard offensichtlich aus der NZZ angefüttert wurde.

Allerdings muss man Feusi tatsächlich vorwerfen, dass vor und während den Zeiten von KI es doch das Mindeste ist, einen plagiierten Text wenigstens neu zu mixen und kräftig durchzuschütteln. Aber daran sind auch schon viele Doktoranden gescheitert.

Eberhard hat das Problem des Plagiats weniger. Denn was er selbst erfindet, hat er ja exklusiv und muss dafür auch nichts direkt abschreiben.

Zwei grosse Koryphäen des Metiers.

Ach, dann wäre da noch Jean-Martin Büttner. Seit er den Sparmassnahmen bei Tamedia zum Opfer fiel, eiert er zwischen seinem ehemaligen Blatt Tagi, der «Weltwoche» und anderen Organen herum. Und tut im «Magazin» etwas, wofür selbst ZACKBUM die Worte fehlen:

Daraus macht das «Magazin», inzwischen völlig schamfrei, seine Titelstory:

Acht Seiten, schonungslos bebildert, schonungslos entblösst, wie dem Journalisten die Finger seiner linken Hand abhanden kamen. Und was das für ihn bedeutet. Früher hätte man den Mann vor sich selbst geschützt und ihm nahegelegt, das seinem intimen Tagebuch anzuvertrauen. Heutzutage hilft man ihm bei der Selbstentblössung. Unsäglich, schändlich.

Die Zocker-Lobby

Die UBS lobbyiert im roten Bereich.

Eigentlich geht es nur um eine Winz-Witz-Eigenkapitalerhöhung von 20 Milliarden Franken, bei einer Bilanzsumme von 1600 Milliarden. Peanuts, viel zu wenig bei dem systemischen Risiko, das von dieser Monsterbank ausgeht, die ein viel grösseres Rad als das gesamte BIP der Schweiz dreht (einsamer Weltrekord).

Weil aber vom gehebelten EK der Bonus abhängt, wehren sich CEO Sergio Ermotti & Co. mit Händen und Füssen gegen dieses symbolische Pflästerchen. Und setzen Lobbying in einer für die Schweiz bislang ungenannten Dimension ein. Drohen sogar mit Wegzug, als ob sie anderswo eine Gratis-Staatsgarantie (von wegen too big to fail) kriegen würden.

Natürlich ist es auch eine mediale Schlacht, mit interessanten Kampflinien. Dass ein Dumpfschwätzer wie Markus Somm auf die UBS-Propaganda reinfällt, nun ja, bedauerlich, nicht überraschend, so what.

Bedenklicher ist schon, dass die NZZ sich plötzlich zum Sprachrohr der UBS aufschwingt und einen kritischen Kommentar nach dem anderen veröffentlicht, dass diese durch Aktienausgabe kinderleicht zu finanzierende Kapitalerhöhung eigentlich des Teufels sei und unbedingt vermieden werden müsse.

Sonst drohe mehr oder minder der Untergang der Eidgenossenschaft. Sogar ehemalige UBS-Direktoren dürfen hier als «Experte» verkleidet dagegen anstänkern.

Währenddessen ist der «Blick» das Sprachrohr der Kritiker der UBS geworden, wo wahre Experten wie Marc Chesney die dürftigen Argumente der UBS zerpflücken dürfen und sich Bundesrätin Karin Keller-Sutter in gewählten Worten über die Propagandaschlacht der UBS erregen darf: «Es entspricht aber nicht dem gängigen Stil, dass man so dezidiert gegen unsere Institutionen antritt. Das ist ein eher neuer Stil im Umgang eines Unternehmens mit dem Staat.»

Chesney geht noch einen Schritt weiter und prognostiziert die nächste Bankenkrise. Aus einem einfachen Grund. US-Präsident Donald Trump lockert wieder einmal die Regulierungsvorschriften für Banken in den USA: «Erste Erleichterungen sind bereits in Kraft, die zentralen Punkte wie eine tiefere Eigenkapitalquote sollen bis Anfang 2027 folgen. Darüber hinaus werden die Aufsichtsbehörden zurückgebunden und wird ihr Personalbestand erheblich gekürzt», fasst der «Blick» zusammen. Chesney setzt noch einen drauf: «Die Zutaten für die nächste akute Krise sind vorhanden, die Frage ist nur, wann sie kommt.»

Denn die letzte von 2008 begann genau mit solchen Lockerungsübungen.

Aber auch Gegner der Kapitalerhöhung wie der emeritierte Bankenprofessor Martin Janssen kommen zu Wort, er spricht gar von «einer Erpressung des Parlaments». Allerdings nicht durch das Lobbying der UBS, sondern durch die Finanzministerin.

Die NZZ unkt: «Keller-Sutter droht eine Niederlage im Parlament». Auch Beat Balzli steuert einen seiner verpeilten Kommentare bei: «Die UBS-Phobie oder warum die reine Fixierung auf das Kapital von gestern ist».

Tamedia tut das, was das Qualitätshaus an der Werdstrasse am besten kann: es eiert herum und interviewt. Auch CH Media ist sich nicht sicher, ob sich der Wannerclan das Wohlwollen der UBS verspielen will oder nicht. «Scharfe UBS-Regulierung würde Kredite verteuern», darf hier der Gastkommentator Urs Furrer schreiben. Er ist Direktor des Schweizerischen Gewerbeverbandes und offenbar von Finanzkenntnissen eher unbeleckt.

Redaktorin Florence Vuichard flüchtet sich ebenfalls in ein gepflegtes Einerseits-Andererseits: «Der Bundesrat verschärft die Eigenkapitalvorschriften für die Grossbank, macht aber auch Konzessionen.» Ist das gut oder schlecht? Eben, einerseits, andererseits.

Und «20 Minuten» macht ebenfalls das, was das Pendlerorgan am besten kann: es zitiert Artikel der anderen. So habe die «Financial Times» geschrieben, «Parlamentarier hätten führenden UBS-Managern zugesichert, die strengen neuen Vorschriften würden abgeschwächt».

Was die UBS hier tut, ist tatsächlich ein professionelles, nicht gerade billiges Lobbying mit allen Schikanen. Direktkontakte zu Parlamentariern und Medienschaffenden. Einsatz von Verbänden als Multiplikatoren. Drohung mit Abstrichen bei der Parteienfinanzierung.

Zugleich werden die Narrative gesetzt («Schweiz verliert Wettbewerbsfähigkeit, Kapitalregeln gefährden Jobs»). Dazu typisches Framing. Diese Reform gefährde die Schweiz (weniger Kredite, teurere Hypotheken, Schwächung Finanzplatz). «Experten» werden mobilisiert, Reputations- und Elitennetzwerke aktiviert.

Klare Drohungen werden umgeschminkt (Vermeidung des Worts Bestrafung, Ersatz durch «Überdenken» von Optionen).

Bei den Medien ist die Drohung mit Inserateboykott bei unbotmässiger Berichterstattung Vergangenheit. Heute kommen andere Formen von Sponsoring zum Einsatz:

  • Konferenz-Sponsorings (Wirtschaftsforen, Debattenformate)
  • Content-Partnerschaften / Thought Leadership
  • Podcast- und Video-Sponsoring
  • Beilagen, Themen-Specials, Roundtables

Die Drohung mit einem Streichen dieser Anlässe wirkt genauso …

All das belegt ironischerweise genau das, was die Monsterbank abstreitet: sie hat offensichtlich viel zu viel politische Macht, weil sie systemrelevant ist.

Somm, der Exhibitionist

Zeigen was man nicht hat. Die Spezialität des nebulösen Chefredaktors.

Es gibt Menschen, die verspüren den merkwürdigen Drang, sich vor anderen öffentlich zu entblössen. Dabei empfinden sie Erregung oder Befriedigung.

Markus Somm, der schon viele Millionen mit seinem Steckenpferd «Nebelspalter» verbraten hat, bei dem er so ziemlich alles falsch machte, was man falsch machen kann, pflegt eine Kolumne in der «SonntagsZeitung». Keiner weiss, wieso eigentlich. Denn er will sich ständig mit Fehlprognosen selbst übertreffen. Oder mit absurden Aussagen (die Israelis sind die Guten, man sollte Moskau bombardieren).

Das scheint ihm auf Dauer langweilig geworden zu sein, neu versucht er sich in Exhibitionismus. Er entblösst sich öffentlich, indem er zeigt, dass er von Banken, Bankenregulierung und der Gefahr, die von der Monsterbank UBS ausgeht, nicht den blassesten Schimmer hat, nackt und unbeleckt von jeglicher Kenntnis dasteht.

Die NZZ lässt einen «Bankenexperten» Andreas Uta zu Wort kommen, der gegen die Vorschläge des Bundesrats zur Eigenkapitalausstattung der monströsen Bank vom Leder zieht. Der ist allerdings Experte, weil es bis 2019 UBS-Direktor war, wie der «Infosperber» enthüllt. Und ist weiterhin Bankberater und VR einer Regionalbank. Also alles andere als unabhängig oder neutral.

Wieso sich Somm ohne Not zu einem Thema äussert, von dem er noch weniger Ahnung hat als von Geschäftsführung, ist hingegen schleierhaft. Auf jeden Fall macht er sich wieder zur Lachnummer.

«Nun will unsere Regierung die letzte verbliebene Grossbank zur Strecke bringen. O. k., nicht deren Ruin wird betrieben, aber doch in Kauf genommen, dass die UBS ins Ausland zieht, da sich die Rahmenbedingungen für ihr Geschäft in der Schweiz irreversibel verschlechtert haben.» Daran stimmt nun schlichtweg nichts.

Gaga-Begründung: Die Forderung nach einer vollständigen Unterlegung ausländischer Töchter mit Eigenkapital sei «erstens teuer, und zweitens erhält die Schweiz damit die wohl humorlosesten, da härtesten Eigenmittelvorschriften des Westens – was die UBS im internationalen Wettbewerb zu einem Invaliden macht, der den übrigen Banken nachhumpelt, als hätte er sich selbst in die Knie geschossen».

Humorlos? Ist Bankenregulierung eine Spassveranstaltung? Wieso sollte die UBS ins Ausland ziehen, wo sie in der Schweiz doch eine implizite Staatsgarantie geniesst, für die sie nichts zahlt? Und harte Eigenkapitalvorschriften, das ist nun eine humoristische Bemerkung. Bei einer Bilanz, die grösser ist als das BIP der Schweiz (mit Abstand Weltrekord), müsste das EK noch viel höher sein als die lausigen paar Prozent vor und nach einer Erhöhung. Und dass mehr EK mehr Vertrauen gibt und damit einen Marktvorteil, wer bringt das Somm bei?

Wenn er mehr Geld für seine Dilettantenveranstaltung braucht, muss er seine Investoren anbetteln, nachzuschiessen. Wenn die UBS mehr EK braucht, kann sie einfach Aktien ausgeben. Das Einzige, was dagegenspricht: das verwässert ein wenig den Bonus der geldgierigen Bankenlenker.

Anderswo sei man flexibler. Wieso? Die Erklärung zum Tränenlachen: «Weil niemand so besinnungslos den eigenen Finanzplatz ruiniert wie die schweizerische Regierung.» Wenn der Dinosaurier UBS schon wieder ins Straucheln geraten würde, dann hinterliesse sein Fall einen Krater, der nicht viel kleiner als die Schweiz wäre. Und dass Bankenlenker besinnungslos zocken und bonusgetrieben sind, haben sie wohl zur Genüge unter Beweis gestellt.

Neuerdings mit Investments in Schattenbanken (soll Somm mal einer erklären, was das ist), mit dem die UBS letzthin den Kleckerbetrag von 500 Millionen in den Sand setzte.

Weiter im Fantasieland Somm: «Gewiss, 2008 musste die UBS vom Staat gerettet werden». Was er unterschlägt: zweimal. Das erste Mal, weil sie sich verzockt hatte. Und das zweite Mal musste der Staat das Bankgeheimnis schleifen, weil die UBS schon wieder am Abgrund stand. «Genauso wenig kostete es den Staat 2023 etwas, als die UBS auf Drängen des gleichen Staates die CS übernahm.» So etwas wie 16 Milliarden Tier 1 Bonds sind für Somm offenbar Peanuts, die gar nicht erwähnenswert sind. Oder er weiss nicht, was das ist.

Und dann noch, obwohl das Zwerchfell schon schmerzt, der Schlussgag: «Politiker haben den Steuerzahler bisher sehr viel mehr gekostet als alle Bankenkrisen zusammen.» Nun, es ist die Aufgabe von Politikern, Steuergelder auszugeben. Das ist allerdings nicht die Aufgabe der Banken, was man Somm behutsam näherbringen sollte.

Und Politiker haben in den letzten Jahrzehnten einiges in den Sand gesetzt, aber das gesamte, weltweite Finanzsystem fast gegen die Wand klatschen, das haben nur Banker geschafft. Die dann weltweit mit Multimultimillarden gerettet werden mussten.

Also lieber Markus Somm: versuch doch einmal über etwas zu schreiben, von dem Du den Hauch einer Ahnung hast. Kindererziehung vielleicht. Oder das Leben Blochers.

Familienschande

Es gibt eine neue Welle: die schamlose Zurschaustellung der eigenen Familie.

Es ist unglaublich:

Der Autor Dirk Gieselmann lässt sich schwarzweiss «im Schuppen seines Elternhauses» ablichten. Dazu stellt er im «Magazin», das eigentlich nach dem Interview einer Kolumnistin mit ihrer eigenen Mutter nicht weiter herunterkommen könnte, 25’600 tränendurchwirkte Buchstaben.

«Ein Versuch, den Verlust zu verstehen», nennt er dieses schamlose Machwerk der Selbstentblössung. Hedwig Courths-Mahler hätte das entschieden besser gekonnt:

«Wir hielten uns im Hause meines Schwiegervaters auf, um ihm wieder einmal nah zu sein, so nah wie irgend möglich. Er war ein Jahr zuvor – am Dienstag vor Ostern – von uns gegangen. Es war wieder der Dienstag vor Ostern, als meine Frau mich gegen acht Uhr in der Früh weckte und mir die Nachricht überbrachte, dass auch mein Vater gestorben sei. «Kurt ist tot», sagte sie. Sie schluchzte

Dann vergräbt sich der Autor in bedeutungsschwer durchgeatmeter Betroffenheitsschwurbelei: «Die drei Wörter, die den Satz bilden wollten, schienen nichts miteinander zu tun zu haben: «Kurt» und «ist» und «tot».»

Geht’s noch unerträglicher? Aber sicher:

«Unsere Tochter und unser Sohn lagen neben mir im Bett, fest schlafend und immer noch erschöpft von der Wanderung durch den Bergwald, die wir am Abend zuvor unternommen hatten. Auf der die Sonne so malerisch durch die bereits in zartem, österlichem Grün stehenden Buchen geschienen und meine Frau ein Foto von dieser Szenerie gemacht hatte.»

ZACKBUM gesteht: der Würgreflex (und auch der Wunsch zu würgen) wurden hier so stark, dass die Lektüre abgebrochen werden musste.

Oder: «Talkrunde unter Männern: Bin ich eigentlich der Einzige hier, der als Vater an den Anschlag kam?» Will man die Antwort wissen? Oder: «Samenspende in der Schweiz: Michael Lüthi suchte seinen biologischen Vater – und fand stattdessen 22 Halbgeschwister.»

Wo es neue Flachgebiete zu beschreiben gilt, ist Rafaela Roth nie weit: «Die Mütter meiner Familie – Teil 1: Grossmutter. Unsere Kolumnistin kriecht in ihren Stammbaum». Will man ihr beim Kriechen beiwohnen?

Da ist Beziehungsknatsch fast schon ein Aufsteller:

Auch das braucht nun ausserhalb der Familie Somm niemand unbedingt zu wissen.

Losgetreten hatte den Trend die Kolumnistin Kaltërina Latifi, die ein Wohlfühlen-Interview mit ihrer eigenen Mutter machte – was der dysfunktionale Tagi auch ohne Rücksicht auf seine Fürsorgepflicht für Mitarbeiter publizierte.

Die ewigen Betrachtungen des eigenen Bauchnabels und die Beschreibungen der eigenen Befindlichkeit sind schon unerträglich genug. Aber jetzt wird noch die eigene Familie obszön zur Schau gestellt.

Da muss man sich zur Ablenkung und Erfrischung den neusten Schwachsinn reinziehen, den US-Präsident Donald Trump von sich gibt: «Öffnet die verdammte Meerenge, ihr verrückten Bastarde, oder ihr werdet in der Hölle leben – Ihr werdet sehen!» Aber eigentlich ist das überhaupt nicht komisch, denn dieser Irre ist der mächtigste Mann der Welt.

Nicht nur die Inhalte des Familienexhibitionismus sind zum Fremdschämen, auch sprachlich und formal klappert und rumpelt und hapert es. Nehmen wir nur die erste Titelzeile. «... den eigenen Vater zu verlieren». Welchen Vater könnte man eigentlich sonst verlieren, wenn nicht den eigenen?

Oder wie wäre es mit einem Essay unter dem Titel «So fühlt es sich an, irgendeinen Vater zu verlieren». Gefolgt von: «Das spürt man, wenn man den eigenen Vater gewinnt.» Sicher ist: weder der eigene, noch der fremde Vater kann sich gegen diese Zur-Schau-Stellung wehren. Aber deren Vorteil ist: sie kriegen es ja nicht mehr mit. Diese Peinlichkeit bleibt ihnen erspart.

Dem Leser bleibt aber wirklich nichts erspart.

Der Kriegsbesessene

So verpeilt wie Markus Somm ist nichtmal Donald Trump.

Da gab es mal einen deutschen Journalisten namens Maximilian Harden. Der gab die Zeitschrift «Die Zukunft» heraus und war ein glühender Befürworter des Ersten Weltkriegs. Historische Notwendigkeit, Machtstellung verteidigen, Blabla. Die Geschichte hat ihn gerichtet, den Kriegstreiber und Dummschwätzer.

Heutzutage gibt es in der Schweiz Markus Somm. Der gibt die Zeitschrift «Nebelspalter» heraus, irrt sich am Laufmeter mit seinen Prognosen und laberte schon mal davon, dass die Ukraine doch Moskau bombardieren solle.

Es ist selbst für ihn nicht leicht, aber nun übertrifft er sich selbst.

«Dieser Krieg gegen den Iran ist gut».

Nun sind Kriege nie gut, manchmal allerdings notwenig, wie der Krieg gegen den Hitlerfaschismus zum Beispiel.

Wieso soll dann dieser Krieg «gut» sein? Endlich bestünde im Nahen Osten «die Aussicht auf Wohlstand und Freiheit», behauptet Somm sinn- und belegfrei. Wohl so wie in Afghanistan. Oder im Irak. Oder in Libyen. Oder, oder, oder.

Zunächst nimmt er sich die «Journalisten und Trumpologen» zur Brust, die selbst Trump dieses Verbrechen nicht zugetraut hätten, «und natürlich wissen sie es immer noch besser». Das ist ein schwerer Fehler, denn eigentlich weiss es nur einer besser. Logisch. Also zwei, genauer gesehen, Trump und Somm.

Denn durch den völkerrechtswidrigen und die UNO-Charta mit Füssen tretenden Überfall von Israel und den USA auf den Iran ergäben sich paradiesische Möglichkeiten.

Keine Ahnung, was für Zeugs Somm geraucht hat: «Wenn sich der Iran etwa mit der intellektuellen, militärischen und wirtschaftlichen Supermacht Israel zusammenschlösse – ergänzt durch die modernisierungsfreudigen Golfstaaten, ja selbst durch Saudiarabien unter ihrem ebenso reformwilligen Kronprinzen Mohammed bin Salman – dann könnte das Wunder geschehen, dass eine Region, die seit etwa 700 Jahren kaum mehr vorangekommen ist, von neuem erblüht.»

Der Schlächter bin Salman, der seit Jahren einen grausamen Krieg im Jemen führt, sei «reformwillig»? Lebt Somm in einer Parallelwelt?

Fehlen eigentlich nur noch die 72 Jungfrauen, die dann allen Beteiligten zustünden, schon in diesem Leben. Dass ein sprunghafter, konzeptloser, egogetriebener Mafioso wie Trump so etwas auch nur im Alptraum vorhätte oder anstrebte – gibt es eine Steigerung von absurd?

Natürlich werden Angriffskriege immer für das Gute, gegen das Böse, für das Richtige, gegen das Falsche geführt, natürlich ist der Angreifer immer edel und gut, der Angegriffene immer ein ganz übler Schurke.

Nun gebe es aber eben diese Trump-Basher, die unbelehrbar darauf hinweisen, dass auch dieser Krieg gegen ein immer noch wehrhaftes Regime in einem Riesenschlamassel und Gemetzel dahinsiechen wird, wo die Optionen nur schlimm oder schlimmer sind. Was sind die, laut Somm?

«Narren

Das lallt der närrische Gaukler und begründet wie folgt: «Ein Krieg gegen ein Regime, das eine ganze Region 47 Jahre lang destabilisiert hat, das zu diesem Zweck auch eine Atombombe anstrebte und die eigenen Bürger einsperren, foltern und erschiessen liess, ein Regime, das Männer an Kränen aufhängt und Frauen verprügelt, weil sie kein Kopftuch tragen wollen: Wer hat Nachsicht mit einem solchen Regime

Banale Regeln der Logik sind auch nicht Somms Sache. Niemand mit gesundem Verstand hat Nachsicht mit diesem Regime. Viele, die keine Nachsicht haben, sind aus guten und wohlerwogenen Gründen gegen diesen Krieg, der wieder einmal unter Beweis stellt: Macht bricht Recht, das ist die neue Weltordnung.

Natürlich ging und geht es in den unzähligen militärischen Interventionen der USA seit dem Zweiten Weltkrieg immer und ausschliesslich darum, Frieden und Demokratie zu verbreiten. Und wer sich so hartnäckig wie die Vietnamesen dagegen wehrte, musste halt versuchsweise in die Steinzeit zurückgebombt werden (General Westmoreland). Kriegsverbrechen ohne Zahl (Agent Orange) begleiteten diesen Versuch bis zur schmählichen Niederlage.

Die «Befreiung» des Nachbarstaats Irak endete in Bürgerkrieg, dem Erstarken des IS, Hunderttausenden von Toten und einem bis heute unregierbaren Land.

Eigentlich ist Somm doch Historiker, also sollte er doch wissen, wieso dieses Mullah-Regime im Iran entstanden ist. Und wer durch einen Putsch gegen einen demokratisch gewählten Präsidenten den korrupt-blutrünstigen Schah an die Macht brachte. Das war das Werk der USA und der CIA. Und unfähig, wie sie sind, übersahen sie, dass der Freund des Westens Pahlavi durch Prunk und Pomp und Brutalität den Boden für das Erstarken des islamischen Fundamentalismus bereitete.

Grossartig gelaufen, historisch gesehen.

Aber für Traumtänzer wie Somm sind das alles keine Gründe, nicht von einem «guten Krieg» zu faseln, verrückte Träume mit ernster Kommentatorenmiene vorzutragen. Wie kann man so einem bezeichnen?

Als Narr? Ach was, viel zu schwach. Aber leider stehen Straf- und Zivilrecht dagegen, Somm so zu qualifizieren, wie er es verdiente.

Selten bedauerte das ZACKBUM mehr als hier.