Schlagwortarchiv für: Markus Somm

Wumms: Markus Somm

Der Fehlanalyst vom Dienst schlägt wieder zu.

Der Betreiber des «Nebelspalter», der inzwischen mehr ein «Nabelspalter» ist, darf in der «SonntagsZeitung» eine Kolumne führen. Das überfordert ihn regelmässig. Zum Beispiel hier:

Somm am Irrweg. Oder: der oder die Micky Maus?  Zunächst, das ist er sich als Historiker schuldig, ein Ausflug in den Zweiten Weltkrieg, als Winston Churchill die USA um Hilfe bat. Ein historischer Fakt.

Nun der sommsche Fake: «Hätte der damalige Bewohner des Weissen Hauses Donald J. Trump geheissen, wäre ein solches Szenario denkbar: «Winston, I’m sorry, you have to surrender», sagte dieser am Telefon, zumal die Amerikaner mit den Deutschen – man nannte sie seinerzeit Nazis – insgeheim längst einen «Deal» ausgehandelt hatten, wonach Hitler alles annektieren durfte, was er bereits verschlungen hatte – ausser Paris, das Trump seiner Familie vorbehielt, und Churchill dafür noch zu danken hatte.»

Denkbar ist alles, was die Hirnwindungen hergeben. Auch ein Vergleich zwischen Churchill und Selenskjy. Ob das allerdings auch Sinn macht, ist eine ganz andere Frage. Solche «was wäre gewesen, wenn …»-Spielchen sind meistens eher dröge, langweilig und sollen zu offensichtlich eine These des Autors untermauern, indem er sie in ein historisches Gewandt steckt.

Robert Harris schrieb die Dystopie «Vaterland»; ein Thriller unter der Annahme, dass Nazideutschland den Zweiten Weltkrieg gewonnen hätte. Das ist immerhin unterhaltend.

Kaum hat Somm diesen schrägen Vergleich gewagt, rudert er zurück: «Ich weiss, Hitler-Vergleiche sind nicht beliebt – und es geht mir hier nicht um Hitler.» Nur: warum macht er dann diesen irren Ausflug in eine Parallelgeschichte mit Hitler?

Denn eigentlich geht es ihm doch um etwas ganz anderes:

«Was bisher von den jüngsten Vorschlägen aus Washington durchgesickert ist, hat nicht bloss das Zeug, als ehrlosester Kompromiss in die Weltgeschichte einzugehen, es wäre auch kurzsichtig, wenn nicht dumm, würden die USA tatsächlich so verfahren – und es auch ernst meinen.»

Man kann wieder einmal für die USA, für Europa und für die ganze Welt nur hoffen, dass im Oval Office dieser Kommentar intensiv studiert wird und Trump dann sagt: «Great guy, he’s right. This peace-plan is a piece of shit.»

Nachdem er so den US-Präsidenten zur Ordnung gerufen hat, kommt der übliche Moment der Selbstkritik eines ewigen Renegaten: «Bei Trump, den ich meistens verteidigt habe, ist man sich da ja nie ganz sicher.»

Noch unsicherer ist man sich allerdings bei Somm, was er denn nun schon wieder meint. Vor allem, da nach dem Ausflug in die Historie ein Ausflug in die Tierwelt folgt: «Trump ist bereit, die Ukraine dem Panther gefesselt in die Pranken zu legen – und die übrigen Antilopen, man nannte sie früher Europäer – haben das nicht nur hinzunehmen, sondern auch noch zu ertragen, dass sie nie mehr wissen, wann sie zur russischen Verspeisung vorgesehen sind

Man fragt sich, welche Tierrolle sich Somm selbst zubilligen würde. Eule? Erdmännchen? Micky Maus?

Auf jeden Fall steht er nicht am Scheideweg, aber vor dem Problem, dass dann mal Ende Gelände ist mit der Kolumne. Da muss nun geschwind wie ein Panther – oder eine Antilope – ein Schluss her:

«Wenn Amerika die Ukraine im Stich lässt, dann verliert es auf Dauer Europa. Entweder an Russland – oder an die EU, die dann wirklich aufrüstet. Donald Trump am Scheideweg: Ist er ein Elefant oder ein Micky Maus

Äh, Trump verliert Europa an die EU? Die ist doch eigentlich Europa, wie kann sie sich da an sich selbst … Aber gut, wer das zu verstehen versucht, scheitert dann am Schlussgag: Elefant oder Micky Maus? Panther oder Antilope? Schimpanse oder Schlange? Fuchs oder Gans? Als welches Tier könnte Trump die Antilope Ukraine dem Panther Russland gefesselt – wir geben auf.

Lässt Trump die Ukraine nicht im Stich, ist er ein Elefant? Im Porzellanladen?

Ob ein Blick in Brehms Tierleben hülfe? Oder das Rezitieren von Rilkes «Panther»? Oder einfach die Abgabe eines Beruhigungsmittels?

Wumms: Markus Somm

Selbstzerfleischung in aller Öffentlichkeit.

In linksradikalen Kreisen war und ist die Selbstkritik eine gern gepflegte Form des Masochismus. Der linke Renegat Markus Somm pflegt sie bis ins höhere Alter.

Grund genug hat er. Gescheitert als Chefredaktor der «Basler Zeitung», die ihm von Christoph Blocher unter dem Hintern weg an Tamedia verkauft wurde.

Gescheitert als Unternehmer, Chefredaktor und Alleinherrscher des «Nebelspalters». Ein Millionengrab ohne Resonanz oder Wirkung.

Und auch als Publizist muss er ständig seine Fehlanalysen öffentlich richtigstellen. Denn er darf aus Gründen der Ausgewogenheit in der «SonntagsZeitung» eine Kolumne bespielen. Offensichtlich wird das von der eher woken Redaktion toleriert, weil sich Somm dort immer wieder lächerlich macht. Indem er Versager wie Amherd oder Keller-Sutter über den grünen Klee lobt

Nicht nur dort. In seinem «Memo» forderte er schon mal die Bombardierung Moskaus. Lobhudelt die zaristische Diktatur, um die leninsche Revolution runtermachen zu können. Er ist in unverbrüchlicher Solidarität der israelischen Regierung und ihren Kriegsverbrechen zugetan («das sind die Guten»). Ein paar zehntausend zivile Opfer? Das sind für ihn lediglich «Kollateralschäden». Eigentlich wollte ZACKBUM nach diesen widerlichen Ausfällen die Berichterstattung über Somm einstellen.

Aber auch die besten Vorsätze sind dazu da, gebrochen zu werden. Denn was andere geschützt durch das Berufsgeheimnis im stillen Kämmerlein auf der Couch ausleben, das tut Somm weiterhin öffentlich: sich selbst zerfleischen. Sich an seiner linken Vergangenheit abarbeiten. Denn es gibt wirklich nichts Schlimmeres als Renegaten, die an sich selbst leiden.

Dafür verwendet er gerne einen pseudomartialischen Tonfall, als ehemaliger Armeegegner: «Kaum gerät die Schweiz unter Beschuss einer ausländischen Macht, drehen die Schweizer Journalisten die Artillerie um und schiessen auf die eigenen Truppen.» Alles Defätisten, Diversanten, Fünfte Kolonne, Vaterlandsverräter. Die wollten doch alle nur das eine: «Waren 700 Jahre nicht genug? Die Schweiz soll sich bitte auflösen.»

Absurd, aber nur die Einleitung für einen Schnelldurchgang durch die jüngere Geschichte. Jüdische Gelder in Schweizer Banktresoren? «Ich gehörte damals auch zu den Anti-Patrioten.» Anflugregime Kloten und Prügel für Bundesrat Leuenberger? «Ich gehörte ebenfalls zu den Kritikern».

Was geht dieser Journaille ab? «Warum ein Land ohne Helden verteidigen? Fragen sich jene, die nichts mehr zu fürchten scheinen, als die Liebe zum eigenen Land

Der deutsche Bundespräsident Gustav Heinemann antwortete auf die Frage, ob er Deutschland liebe: «Ich liebe meine Frau.» Aber solche Zitate sind dem studierten Historiker Somm nicht geläufig.

Schlimmer ist: er kritisiert die wichtigste Aufgabe der Medien: zu hinterfragen, zu bezweifeln, zu kritisieren. Er wirft ihnen tatsächlich vor, auf die «eigenen Truppen zu schiessen», als ginge es bei politischen Auseinandersetzungen um Kriegshandlungen. Wer kritisiert, wolle, dass sich sich die Schweiz auflöse. Wer kritisiert, sei ein «Anti-Patriot». Jemand, der sein Land nicht liebe.

Bevor ZACKBUM die Berichterstattung wieder einstellt: wieso schützt die SoZ Somm nicht vor sich selbst? Und schenkt ihm ein Moleskine, auf dessen ersten Seite Somm schreiben kann:

«Mein liebes Tagebuch, dir vertraue ich meine innersten Zweifel und meine Selbstzerfleischung an. Denn siehe, ich war in meiner Jugend ein ganz Schlimmer, und daran habe ich bis heute zu tragen.»

 

Peer Teuwsen leidet – an sich

Wenn Journalisten über Journalisten jammern …
… dann bekommt Fremdschämen eine neue Dimension. Und Teuwsen einen neuen Spitznamen.

Denn genau das tut der wohlbestallte (seine Spesenrechnungen sind legendär) NZZaS-Kulturchef Peer Teuwsen. Der hatte, nach etwas trübem Anfang bei der «Schweizer Illustrierte», den er schamvoll in seinem Lebenslauf verschweigt, immer Schoggijobs. Aber das will man ihm nicht vorwerfen.

Beginnen wir das Abkanzeln heimtückisch mit einem Lob. Am Schluss seiner Nabelschau mit Spiegelungen zitiert er Kurt Tucholsky. Dafür hat er schon mal 100 Punkte, die er aber zuvor vergibt. Denn er macht sich Sorgen und Gedanken: «Journalistinnen und Journalisten werden immer linker. Oder immer rechter. Was ist los mit dem Beruf, den ich so liebe?»

So etwa in der Mitte seines (zu) langen Textes behauptet er: «Ich habe mich als Journalist immer als einen verstanden, der sich mit nichts und niemandem gemeinmacht, der Distanz hält. Der nach bestem Wissen und Gewissen alle Seiten zu Wort kommen lässt. Und der keine Marschlieder singt.»

Wenn man so selbstverliebt ist wie er, fällt es einem offensichtlich nicht auf, dass er genau das nicht tut und sogar Tschingderassabum-Marschlieder singt: «Roger Köppel, Besitzer eines eher unbedeutenden Schweizer Magazins, hofiert Wladimir Putin, Angriffskrieger und mutmasslicher Kriegsverbrecher, an einer Pressekonferenz.» Hofiert mit einer Frage? Ist Teuwsen etwa neidisch, weil ihm dieser Spesenausflug nicht genehmigt wurde? Und fällt ihm nicht auf, dass die NZZaS selbst immer unbedeutender wird? Aber er kann noch viel garstigere Marschlieder singen:

«Markus Somm, Besitzer eines unbedeutenden Magazins, tritt in Zürich mit der xenophoben, europafeindlichen Wutbürgerin und AfD-Chefin Alice Weidel auf, um ihr entgegenzubrüllen: «Wir müssen an die Macht!»»

Noch nicht mal, dass Somm Besitzer eines unbedeutenden Magazins ist, stimmt hier. Und wie er eine mögliche Kanzlerkandidatin abkanzelt, ist nicht mal ein Marschlied, das ist demagogisches Gebrüll eines Wutschreibers. Ob Teuwsen wohl, um Äquidistanz (blöd auch, dass ihm dieses Fremdwort nicht eingefallen ist) zu halten, auch Netanyahu als mutmasslichen Kriegsverbrecher bezeichnen würde?

Dann erzählt Teuwsen selbstverliebt, wie er eingeladen wurde, um mit dem Chef von «correctiv» ein Interview bei einer Journalistenveranstaltung zu machen. Offenbar sollte das dann eher ein Podiumsgespräch werden, und Teuwsen hatte furchtbar kritische Fragen dabei.

Das beschreibt Teuwsen, um Distanz nach allen Seiten bemüht, so: «Das ist das spendenfinanzierte deutsche Online-Medium, das im Januar dieses Jahres von einem «Geheimtreffen» in Potsdam berichtete, an dem AfD-Politiker, Unternehmer und andere Gesinnungsgenossen «die Vertreibung von Millionen von Menschen aus Deutschland» geplant haben sollen. Als Folge der Recherche, die in Aussage und Vorgehen umstritten ist, gingen in ganz Deutschland Hunderttausende «gegen rechts» auf die Strasse.»

Das Medium ist nicht nur spendenfinanziert, sondern wird auch mit Steuergeldern unterstützt. Und die «Recherche» ist nicht nur «umstritten», sondern dem Verein (und allen, die diese Behauptung ungeprüft übernahmen) wurde gerichtlich verboten, diese Fake News einer angeblich geplanten Vertreibung weiter zu verbreiten. Aber solche Fragen hatte Teuwsen nicht «nach Bern mitgebracht». Auch sonst scheint er nicht viel kritische Fragen gestellt zu haben.

Dann jammert er los: «Was ich in Bern erlebte, ist Ausdruck einer grösseren Entwicklung hin zu einer Reideologisierung, die leider auch unseren Berufsstand erfasst hat. Die Parteipresse von damals ist abgelöst worden durch Meinungsmedien.»

Das nennt man den Balken im eigenen Auge nicht sehen. Zuerst trompetet Teuwsen seine abschätzige Meinung raus. Dann zeigt er, dass er sich nicht mal gut auf das Gespräch mit dem «correctiv»-Faktenfälscher vorbereitet hat. Und dann labert er über Meinungsmedien, der Meinungsträger.

Anschliessend muss er noch etwas geistreicheln und fremdwörterln: «Man kann das alles erklären, ohne es zu verstehen. Die Medienbranche ist eine prekäre. Die Digitalisierung hat auf die sogenannte vierte Gewalt derart disruptiv gewirkt, dass sie, wie die Gesellschaft auch, in immer kleinere Einheiten zerfällt.»

Kein modernes Gequatsche, Pardon, kein Diskurs ohne das Modewort «disruptiv». Bedauerlich nur, dass er keine Gelegenheit fand, «resilient» einzuarbeiten. Dafür aber das schwurbelig nachgestellte Adjektiv «ist eine prekäre». Ist das bemüht-peinlich; ob er weiss, dass man das eine Abart von postnominal nennt, der Sprachquäler?

Dann paraphrasiert er noch den grossartigen Spruch von Bernstein «Die schärfsten Kritiker der Elche waren früher selber welche»:

«Die Medienwelt eilt damit, Lemmingen gleich, dem Abgrund entgegen. Wer die Realität so verbiegt, dass sie in den eigenen kleinen Kopf passt, beleidigt die Intelligenz potenzieller Leser.»

Damit hat sich Teuwsen einen neuen Spitznamen redlich verdient: Elch Teuwsen.

Grün vor Neid

Andreas Tobler ist eine Schande für seinen Beruf.

Tobler ist angeblich «Kulturredaktor». In einer Zeitung, die keine Kultur mehr hat. Tobler verharmlost verständnisvoll einen Mordaufruf gegen Roger Köppel als «Theatermord». Tobler «absolvierte 2024 eine Weiterbildung an der Columbia University in Recherche-Journalismus». Da muss was schwer in die Hose gegangen sein.

Tobler ist Mitglied einer Redaktion, die dermassen an den Leserinteressen vorbeischreibt, dass die Auflage des «Tages-Anzeiger» von 2008 bis heute von 213’738 auf 78’107 fiel. Um sagenhafte 135’631 Exemplare schrumpfte. Das sind weit mehr als 60 Prozent. Denn wer will schon zusammengeholzte Artikel aus der «Süddeutschen Zeitung» bezahlen und lesen. während die Redaktion zusammengestrichen und das Online-Layout verhunzt wird.

Das liegt auch an der Idiotie, den Leser mit Dummschreiben mit Genderstern und inkludierendem Geschwafel zu malträtieren. Das ist frustrierend für so einen Schmierfinken, deshalb kriegt er sich vor Neid nicht ein:

«Das sollte uns empören», behauptet der Empörte. Es ist nie ein schöner Anblick, wenn jemand öffentlich peinlich wird: «Der «Weltwoche»-Chefredaktor Roger Köppel und sein «Nebelspalter»-Kollege Markus Somm umgarnen ausländische Rechtspopulisten.»

Tobler versucht, in- und ausländische Gutmenschen zu umgarnen, aber das empört niemanden, weil es niemanden gross interessiert. Nun verliert Tobler aber jeglichen Halt und jede Haltung: ««Sie müssen an die Macht!», sagte Somm beim Event in Zürich zu Alice Weidel. Und dies nachdem Somm auf offener Bühne Verbesserungen im AfD-Parteiprogramm angeregt hatte.» Statt das im Geheimen zu tun.

Somm im gleichen Raum mit Weidel, pfuibäh. Dass das eine Veranstaltung des ehrwürdigen «Efficiency Club» war, bei der auch Joe Ackermann, Peter Spuhler, Martin Naville, Silvia von Ballmoos oder Frank Urbaniok anwesend waren, alles bekennende Weidel-Fans, verschweigt Schmierenjournalist Tobler wohlweislich. Auch, dass man nie auf die Idee käme, dieses kleine Licht einzuladen.

Einleitend fragt Tobler scheinheilig: «Was ist da los? Sind Somm und Köppel nicht treue Anhänger des SVP-Doyens Christoph Blocher? Und war es nicht eines von Blochers Prinzipien, öffentliche Auftritte mit ausländischen Rechtspopulisten, geschweige denn mit Autokraten, zu meiden

Was soll diese angebliche Politik Blochers mit den beiden Journalisten zu tun haben? «Roger Köppel biedert sich seit Jahren bei AfD-Politikern wie Björn Höcke an, er hofiert den ungarischen Autokraten Viktor Orban und umgarnt den Diktator Wladimir Putin. Menschenrechtsverletzungen werden dabei grosszügig ignoriert.»

Die schreibende Schmachtlocke Daniel Binswanger behauptet, NZZ-Chefredaktor Eric Gujer wolle Höcke «an die Macht schreiben», Vollpfosten Tobler behauptet, Köppel biedere sich bei Höcke an. Ist halt schon blöd, wenn Köppel bei Gipfeltreffen mit Gerhard Schröder und Viktor Orban in Wien internationale Aufmerksamkeit erzielt, während niemand von Tobler Kenntnis nimmt, der an der Werdstrasse vor sich hindumpft.

Aber er kann sich trösten: ZACKBUM würdigt sein Schaffen Und lacht sich tot über Toblers bittere Schlussfolgerung:

«Die Internationalisierung des Rechtspopulismus macht vor der Schweiz nicht halt. Es berührt unangenehm, dass zwei der lautstärksten Vertreter dieser Bewegung vorgeblich Journalismus betreiben wollen, wo es ihnen doch offensichtlich um etwas anderes geht: den Wunsch nach maximaler Selbstvergrösserung, die Expansion des eigenen Egos.»

Das nennt man in der Psychologie einen klassischen Fall von Übertragung. Denn eigentlich ist es so: Die Internationale der verpeilten und rechthaberischen Gutmenschen macht vor dem Tagi nicht halt. Es berührt peinlich, dass zwei der lautstärksten Vertreter dieser Bewegung, Binswanger und Tobler, vorgeblich Journalismus betreiben wollen. Wo es ihnen doch offensichtlich um etwas anderes geht: blanken, grünen, blauen, schwarzen Neid öffentlich vorführen, die maximale Selbstverzwergung, die Implosion des gekränkten Egos von Erfolglosen.

Niemand käme auf die Idee, diese beiden Nulpen für eine ernsthafte Podiumsdiskussion anzufragen; würden sie Politiker wie Schröder oder Orban anfragen, schickte allenfalls ein Mitarbeiter der Presseabteilung eine Absage aus Textbausteinen zurück.

Tobler mischt hier zudem zwei völlig verschiedene Formen von Publizistik zusammen. Köppel ist nicht nur überall dort, wo Weltpolitik gemacht wird, er produziert auch Woche für Woche das anregendste und interessanteste Magazin* der Schweiz. An ihm gäbe es einiges zu kritisieren, aber sicher nicht das, was Tobler ihm unterstellt. Somm hingegen ist der gescheiterte Verleger und Herausgeber eines Nonsens-Unterfangens namens «Nabelspalter», das ungefähr so viel Aufmerksamkeit erregt wie dieser Empörte.

Dass Tobler so empört ist, dass er jeglichen journalistischen Anstand beim Anrempeln vermissen lässt, ist das eine. Dass auch hier jede Qualitätskontrolle (wo ist Simon Bärtschi, wo nur?) bei Tamedia versagt hat und er in aller Öffentlichkeit beleidigte Leberwurst spielen darf – das ist der Verlust jeder Schamgrenze.


Packungsbeilage: ZACKBUM-Redaktor René Zeyer publiziert gelegentlich in der «Weltwoche». 

Wumms: «Republik»

Fast täglich grüsst das Murmeltier der «Republik»-Redaktion.

Was haben Markus Somms «Nebelspalter» und Constantin Seibts «Republik» gemeinsam? Beide sind belanglos, wirkungslos und schrumpfen und schrumpfen.

Beide kämpfen mit untauglichen Mitteln dagegen an. Die «Republik» versucht es mit einer Salve von E-Mails, jeweils von allen Redaktionsnasen unterzeichnet. Widersprüchlich wird versucht, den unschuldigen Leser zu einem Abo zu nötigen.

Eigentlich könnte man die «Republik» seit einiger Zeit einfach gratis lesen, auch so eine verzweifelte Werbemassnahme. Oder aber, man kann selbst bestimmen, wieviel man bereit ist, für ein Abo zu zahlen. Oder aber, man «profitiert» von einem «Einsteigerangebot». Das verspricht eine lukrative Preissenkung. Von 240 Franken im Jahr auf  läppische 222. Sagenhafte 18 Franken gespart. Oder 202 Franken zu viel ausgegeben, wenn man doch stattdessen das Magazin auch für 20 Franken abonnieren könnte.

Oder 222 Franken zu viel ausgegeben, da man es doch auch gratis lesen kann.

Der versteckte Sinn hinter all dem billigen Jakob: ob jemand Vollzahler ist oder läppische 10 Franken aufwirft, jeder kommt in die Statistik der «Verleger» des Magazins. Deren Zahl oszilliert um 27’000 herum. Das sind rund 1000 weniger, als mal als unbedingt nötig zum Überleben bezeichnet wurden. Aber was geht die «Republik» ihr dummes Geschwätz von gestern an. Wären alle aktuell ausgewiesenen 27’109 Abonnenten Vollzahler, würde das 6,5 Millionen in die Kasse spülen. Aus der die 48 Kostenstellenbesetzer gleich wieder 4,6 Millionen abzapfen. Ohne Sozialleistungen, Infrastruktur, Spesen oder 13. Monatslohn.

Trotz aller behaupteten «völligen Transparenz» weist die «Republik» aber nicht aus, wie viele der Abonnenten Vollzahler, wie viele Wenig-Zahler sind.

In dem neusten Werbemailing ist zudem ein absolut verräterischer Satz versteckt. Der sagt besser als alles andere, wes Geistes Kind diese Redaktion ist:

«Mit weniger als 5 Franken pro Woche – dem Gegenwert einer Tasse Kaffee – helfen Sie, unsere Gehälter und unsere Arbeit zu finanzieren.»

Verräterisch ist hier die Reihenfolge. Zunächst geht es den mutigen Verteidigern der Demokratie um ihre Gehälter, erst dann um ihre Arbeit. Diese Reihenfolge ist auch richtig, denn verdient wird viel, geleistet wenig.

Und niemals nicht, unter keinen Umständen kam es diesen Helden der Arbeit in den Sinn, auf einen Teil ihres Gehalts zu verzichten, wenn es mal wieder eng wurde. Da drohten sie lieber mit Selbstmord, sollte der Leser nicht wieder einmal ein Finanzloch mit milden Gaben und Spenden stopfen. Aber Eigenbeteiligung, zum Beispiel Reduktion des Fixgehalts von 8000 Franken auf immer noch für ein Start-up erträgliche 7000 oder gar 6000 – niemals. Ausgeschlossen.

Das ist so armselig wie der Inhalt der «Republik». ZACKBUM schlug vor einiger Zeit eine Fusion mit dem «Nebelspalter» vor. Damit wären noch einige weitere Millionäre «an Bord» gekommen, die diese Amateur- und Hobbyveranstaltung durchfinanzieren würden, so wie sie es bei Bruchpilot Somm tun.

Da der inzwischen für seine feudalen Büroräumlichkeiten einen Nachmieter per sofort sucht, könnten die paar überlebenden Nebi-Nasen problemlos Unterschlupf im Rothaus finden. Ist zwar nicht so vornehm, hat aber eine angeschlossene Bar, wo man seinen Frust ertränken kann.

Zudem wäre ein neues Traumpaar des Journalismus geboren. Somm und Seibt, die Wiederbelebung von Dick und Doof.

Alles eine Frage der Moral

Wohin Sittenverluderung führen kann.

Von Israel lernen, heisst Doppelmoral und Heuchelei lernen. Nicht irgendwer, sondern Israels Finanzminister Bezalel Smotrich sagte in einer Rede, es sei «gerecht und moralisch», die zwei Millionen Bewohner des Gazastreifens auszuhungern, bis die israelischen Geiseln zurückgekehrt sein. Aber, fügte er bedauernd hinzu, «die Welt würde das nicht zulassen».

Das vollständige Zitat:

«In der heutigen globalen Realität ist es unmöglich, Krieg zu führen – niemand auf der Welt würde zulassen, dass wir zwei Millionen Bürger verhungern und verdursten lassen, auch wenn es gerecht und moralisch wäre, bis sie unsere Geiseln zurückgeben.»

Laut unabhängigen Beobachtern behindert Israel schon lange Nahrungsmittellieferungen in den Gazastreifen, die Regierung bestreitet das.

Wie moralisch verkommen muss ein Mensch sein, der so etwas sagt? Wie verludert müssen die Sitten in einer Regierung sein, dass ein Minister so etwas sagen darf?

Schnell kommen nun die Relativierer und Whatboutism-Künstler aus ihren Löchern und weisen auf das Massaker vom 7. Oktober hin. Auf das erklärte Ziel des Iran, der Hamas und der Hezbollah, sowie weiterer arabischer Staaten, Israel von der Landkarte zu tilgen. Auf die unzähligen Selbstmordattentate und Terrorakte, die diese fundamentalistischen Wahnsinnigen zu verantworten haben. Auf deren völlig fehlende Bereitschaft, zu einer Verhandlungslösung zu kommen.

Das ist alles richtig.

Aber: Moral ist nichts Relatives. Sondern absolut. Das ist ihr konstituierendes Merkmal, von Immanuel Kant unnachahmlich und gültig hergeleitet. Bei Moral gibt es kein «ja, aber». Kein «im Prinzip schon, aber in diesem Ausnahmefall nicht». Und erst recht kein «die auch, also dürfen wir ebenfalls».

Wer mit der moralischen Überlegenheit des Guten den Kampf gegen das Böse führen will, muss das legitimieren können.

Also muss er sich an das halten, was Kant bislang unübertroffen definiert hat:

«Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.»

Nun kommen die Relativierer aus den Löchern und sagen: Wenn man sich menschenverachtenden, keinerlei moralische Prinzipien befolgenden fundamentalistischen Wahnsinnigen gegenüber so verhält, dann kann man auch gleich Selbstmord begehen.

Das ist völlig falsch. Ein Mensch (oder ein Gemeinwesen), das sich nicht an diesen kategorischen Imperativ hält, ist innerlich verfault, morsch, wird früher oder später untergehen. So war es schon immer in der Geschichte.

Schon kommen die persönlich Betroffenen aus den Löchern und sagen: wenn dein Allerliebstes Opfer einer brutalen und grausamen Gewalttat geworden wäre, dann würdest du auch nicht für Milde für den Täter, verstehen, rechtliche Prinzipien und Resozialisierung plädieren.

Aber genau aus diesem Grund wurde die Blutrache, das Faustrecht und die Lynchjustiz abgeschafft. Weil der einzelne Betroffene verständlicherweise oftmals nicht in der Lage ist, sich an moralische Prinzipien zu halten. Genau dafür gibt es all das, was Amokläufer wie Markus Somm ablehnen: Regelwerke, Kontrollinstanzen, Recht. Statt ruchlose Barbarei.

Das hat sogar die Bibel ziemlich gültig formuliert, obwohl sie nur für Gläubige Letztbegründungen liefert:

«Was hülfe es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewönne und nähme doch Schaden an seiner Seele

Wer sich nicht daran hält, ist keinen Deut besser – zumindest nicht moralisch überlegen – als ein Hamas-Wahnsinniger. Beginnt Relativierung, dann kommt es nur noch auf den Blickwinkel an. Die Iraner, die Hamas, die Hetzbolla halten ihr Vorgehen für gerechtfertigt, moralisch vertretbar, gesegnet durch den Islam.

Früher hielten auch Christen während den Kreuzzügen ihre Blutsäuferei und ihr hemmungsloses Abschlachten und Waten im Blut bei der Eroberung des heiligen Jerusalem für moralisch völlig einwandfrei, weil mit dem Segen der Kirche versehen. «Deus lo vult» ist die christliche Version von «im Namen Allahs». Mit beiden amoralischen Sätzen entäussert sich der Einzelne seiner moralischen Verantwortung und verlagert sie nach oben.

Auf einigen wenigen Inseln der Vernunft und der Moral sind wir aus solchen barbarischen Vorstellungen und Rechtfertigungen herausgewachsen.

Jede Konfrontation mit brutalen Barbaren ist eine neue Herausforderung. Hier zeigt sich, welche amoralischen Charakterlumpen bereit sind, die Prinzipien unserer Zivilisation, die einzige gültige Begründung für unsere moralische Überlegenheit und unser Recht, zwischen Gut und Böse zu unterscheiden, über Bord zu werfen.

Diese Amokläufer unterscheiden sich im Kern in nichts von islamistischen oder fundamentalistischen Wahnsinnigen. Sie sind genauso verächtlich und müssen immer wieder scharf kritisiert werden. Eigentlich sind sie noch schlimmer. Denn im Gegensatz zu Fundamentalisten hatten sie die Möglichkeit, sich mit den Grundzügen und den Gesetzen einer höheren Moral vertraut zu machen. Aber sie sind offensichtlich nicht charakterlich gefestigt genug, um sich daran zu halten.

Für unsere Zivilisation, die wir verteidigen müssen, sind sie mindestens so gefährlich wie die Taliban. Sie sind geistige Selbstmordattentäter. Bereit heute das, morgen dies zu verteidigen und anzupreisen. Sie frohlocken «vom Sozialismus lernen, heisst siegen lernen». Sie behaupten «von der Sowjetunion lernen, heisst siegen lernen.» Dann grölen sie: «Von Israel lernen, heisst siegen lernen.» Morgen schon jubeln sie: «Von China lernen, heisst siegen lernen.» Das kommt eben davon, wenn man ungefestigt ist, seinen moralischen Kompass verloren hat, heute verrät, was man gestern noch als moralisch gut angehimmelt hat.

Es gibt nichts Verächtlicheres.

Von Somm lernen, heisst Unsinn lernen

Nach diesem Artikel ist wieder Schluss mit Somm, versprochen.

Immerhin, Markus Somm hat Israel richtig geschrieben. Das ist für den Marignano-Verunstalter keine Selbstverständlichkeit.

Aber sonst ist alles so falsch, was er schreibt, dass nicht mal das Gegenteil richtig wäre.

Hier bejubelt Somm wie ein schmachtender Backfisch die Mordanschläge der israelischen Regierung auf zwei Führungsfiguren der Hamas und der Hetzbolla in Teheran und Beirut.

Da es sich um zwei üble Gestalten handelte, darf man durchaus klammheimliche Freude über ihr Ableben verspüren. Dass aber im angeblichen Qualitätsorgan Tamedia nun bereits zum zweiten Mal ungehindert Lobgesänge auf illegale Mordtaten erklingen, ist mehr als bedenklich. Bei dem Blatt sind die moralischen und ethischen Massstäbe verrutscht, im Keller gelandet und dort vergessen gegangen.

Aber während sich Robelli noch einigermassen einbremst, kriegt sich Somm gar nicht ein vor Freude. Wie es sich halt für einen Wendehals und Renegaten gehört, der in seiner ihn bis heute verfolgenden Jugend als Trotzkist und Armeegegner vielleicht auch mal für Jassir Arafat schwärmte.

Nun aber brennen ihm sämtliche Sicherungen durch: «Demütigung für das Regime der tödlichen Maulhelden … schlagkräftig … intelligent … wenn im Westen nun die Angsthasen unter den Politikern und Journalisten auch wimmern und vor der Eskalation warnen … die sicherheitspolitisch inkompetenten Demokraten in Washington … Diktatoren bewundern den Starken und verachten den Schwachen … Kommt es zum Krieg? Das ist die falsche Frage».

So hemmungslos wie in seiner Jugend verlässt Somm in seiner besoffenen Israel-Begeisterung den Bereich der demokratischen Rechtsstaatlichkeit und einer regelbasierten Ordnung, der letzte Schutzwall gegen Willkür und Barbarei:

«Der Krieg ist längst da. Wenn der Westen ihn gewinnen will – ob im Nahen Osten, in der Ukraine oder vielleicht bald in Asien, dann helfen uns weder humanitäres Völkerrecht noch UNO, «regelbasierte Ordnung» oder gesundbetende Diplomatie, sondern allein eine hochgerüstete Armee und Politiker, die auch bereit sind, sie in Marsch zu setzen.»

Dabei unterliegt er dem gleichen Grundlagenirrtum, dem er schon als linksradikaler Trotzkist unterlag: wer – wie Somm – weiss, was das Richtige und das Gute ist, dem sind alle Mittel recht, um es gegen das Falsche und Böse zu erreichen.

Wie alle Fanatiker vor ihm und mit ihm meint er, dass da alles erlaubt ist. Und übersieht, dass damit das Gute sich nicht mehr vom Bösen unterscheidet und damit die Legitimität verliert, dagegen vorzugehen. Mit solchem fundamentalistischen Unsinn verschwimmen alle Grenzen.

Auch die Hamas, auch die Hetzbolla sind sicher, für ihre angeblich gute Sache alle bösen Mittel einsetzen zu dürfen. Wo ist da der Unterschied zu Somm?

Bei solchen Amokläufern verschwimmen eben alle Regeln, die kennen keinen Kant mehr, die sind so besoffen von der eigenen Rechtschaffenheit und Unfehlbarkeit, dass sie gar nicht merken, wie sie den Monstern immer ähnlicher werden, die sie zu bekämpfen vorgeben.

Sie regredieren in frühkindliche Muster, wo in der Märchenwirklichkeit die Monster unbezweifelbar böse sind und von den Guten genauso unbezweifelbar auch mit bösen Mitteln besiegt werden, worauf die Welt geheilt und in Ordnung ist.

Mord (wie in diesen Fällen), Folter (wie in israelischen Gefängnissen), Freiheitsberaubung über Jahre hinweg ohne Prozess (wie in Israel und auch in Guantánamo, der illegalen US-Militärbasis auf Kuba), zivile Kollateralschaden mit Tausenden von Toten (wie bei den Kriegsverbrechen der israelischen Armee im Gazastreifen), das bewusste Inkaufnehmen des Todes der verbliebenen Geiseln, eine Konfrontation der beiden Atommächte Israel und Iran (das von Pakistan beliefert wird), das alles gesteuert vom Wunsch des korrupten israelischen Ministerpräsidenten, dem Knast zu entgehen, solange er amtliche Immunität besitzt.

All das ist für Somm ein Anlass zu behaupten, dass man so siegen lernt. Vielleicht, aber nur vielleicht hat Somm in seiner Jugend mal Bertolt Brecht gelesen und erinnert sich an dessen offenen Brief an die deutschen Künstler und Schriftsteller, als Reaktion auf die Wiederbewaffnung der BRD nach dem Zweiten Weltkrieg:

«Das große Karthago führte drei Kriege. Es war noch mächtig nach dem ersten, noch bewohnbar nach dem zweiten. Es war nicht mehr auffindbar nach dem dritten.»

Brecht richtete sich damit gegen alle damaligen Kriegshetzer, er hatte sicherlich auch den nachgeborenen Somm im Sinn. Der verteidigt heute das ruchlose und potenziell existenzgefährdende Tun der israelischen Regierung, er hätte auch bei Diktatoren wie Stalin grosse Zustimmung gefunden: «Aussen- und Sicherheitspolitik hat etwas Barbarisches, Ruchloses.»

Das ist diese besinnungslose Begeisterung des Schreibtischtäters, des feigen Wortschnitzers an seinem Schreibtisch für die grossen Töter und ruchlosen Führer in der Geschichte und Gegenwart, am Handwerk des Tötens in Stahlgewittern und anderswo. Bei Ernst Jünger hatte das noch etwas pervers Faszinierendes, bei Somm ist es nur abscheulich abschreckend und widerwärtig.

Allerdings lehrt die Geschichte, nur nicht den Historiker Somm, dass Potentaten, Regimes oder Regierungen, die Aussenpolitik so barbarisch und ruchlos betreiben, früher oder später – untergehen. Das ging Hitler so, das passierte Stalin, das kann auch das Schicksal Israels sein, wenn es sich nicht so schnell wie möglich von dieser ruchlosen und barbarischen Regierung trennt.

Was auch endlich Tamedia mit dem Kolumnisten Somm tun sollte.

Wumms: Markus Somm

Er gehört zu den Unberührbaren. Aber …

Es sind Zeiten, in denen es nicht viel zu lachen gibt. Umso dankbarer muss man Somm sein, dass er sich kräftig bemüht, unser Zwerchfell zu massieren.

Aber erteilen wir ihm doch selbst das Wort:

«Schliessen Sie jetzt ein Nebelspalter-Abo ab und erhalten Sie als Dankeschön die Möglichkeit, kostenlos eines meiner beiden Bücher «Warum die Schweiz reich geworden ist» oder «Mariagno» (beide im Wert von CHF 45) dazu zu bestellen.»

Das ist mal ein Schenkelklopfer. Wieso nicht ein Abo des «Nebelspalter», den kein Mensch interessiert, mit der Abnahme eines Buchs verbinden, vom dem Somm offensichtlich noch jede Menge Exemplare vor dem Verramschen gerettet hat.

Aber Somm will einen wirklich unterhalten. Sicherlich mit Absicht hat er den Titel seines eigenen Buchs falsch geschrieben. Denn die Schlacht fand bekanntlich bei Marignano statt, und so heisst auch sein Werk.

Was ist eigentlich von einem Historiker und einem Autor zu halten, der nicht mal den Titel seines eigenen Buchs und ein historisch nicht unwichtiges Ereignis richtig buchstabieren kann? Sind wir froh, dass er (noch) keinen Schmöker über Tell geschrieben hat. Den würde er vielleicht als «Tüll» anpreisen …

Das war zunächst am 26. Juli ein «Sonderangebot passend zum 1. August». Der Nationalfeiertag kam und ging. Und Somm blieb offenbar auf seinen Bücherstapeln sitzen. Also legte er nach: «Noch gültig bis zum 4. August», barmte er letzten Feiertag. Dabei pries er nochmals sein Werk «Mariagno» an. Ist das mal wieder peinlich.

Was sein Sozialprestige betrifft, scheint Somm auch so seine Probleme zu haben. Sonst würde er nicht so unterzeichnen: «Dr. Markus Somm, Verleger und Chefredaktor». Ob man so einen Titel auch wegen Unwürdigkeit verspielen kann?

Da gibt ihm ZACKBUM nun, nachdem wir uns alle die Lachtränen abgewischt haben, richtig Saures. Wir haben zwar keine Bücher zu verschenken, aber hochgestochen unterzeichnen können wir auch:

Dr. René Zeyer, Verleger und Chefredaktor (mit mehr Lesern, im Fall).

Der Süddeutsche Anzeiger

Was ist eigentlich noch schweizerisch am Tagi?

Die Berichterstattung über die Irrungen und Wirrungen im US-Wahlkampf? Erledigen die Kollegen von der «Süddeutschen Zeitung» mit ihrer teutonischen Sicht. Ergänzendes leisten AFP/DPA/SDA.

Die Berichterstattung über den Nahen Osten? Newsticker … Gibt es auch Schweizerisches? Moment, doch: «Auf Zürcher Dächern nisten neuerdings Möwen», weiss Angela Barandum. Und scheissen ins, aber lassen wir das.

«Kryptowährung im Aufwind»? SDA-Ticker. Ein recht blutarmes Porträt über den Crowdstrike-Chef George Kurtz, «der Mann, der die Welt verlangsamte» und gerne karierte Anzüge trägt? Vom SZ-Autor Max Muth.

Meinungen? Gibt es noch was Grausameres als Claudia Schumacher oder Markus Somm? Kein Problem, sagt der Tagi, da hätten wir den SZ-Autor Robert Probst. Der macht sich noch im Nachhinein Gedanken über den gescheiterten Hitler-Attentäter von Stauffenberg. Hatten wir da nicht schon alles ein paar Tage zuvor?

Selbst die NZZ vergaloppierte sich beim Thema. Aber da kann der Tagi mit einer Leihmeinung noch locker einen drauflegen. Denn Probst geht es bei seinem Kommentar um ein rein innerdeutsches Problem. Der erschien auch rechtzeitig zum 20. Juli in der «Süddeutschen» und wird dann am 21. von Tamedia nachgereicht.

Zunächst serviert Probst das deutsche Leiden, dass eben nicht alle Deutschen innerlich im Widerstand waren und von den Nazigreueln eigentlich nichts wussten, während sie halt auch als KZ-Wächter nur Befehlen folgten und ihren Dienst versahen. «Die vielfach geäußerte Behauptung, „Opa war kein Nazi“ und/oder wahrscheinlich sogar im Widerstand, bringt weder die erhoffte Entlastung, noch eignet sie sich zur Schuldabwehr.»

Das ist nun für Schweizer Leser sehr bedingt interessant. Auch die irrige Meinung von Probst: «Der Mut und die Entschlossenheit der Verschwörer verdienen den höchsten Respekt.» In Wirklichkeit war der Anschlag eher dilettantisch vorbereitet, und Stauffenberg als wichtigster Ausführender versagte kläglich.

Nun widerspiegelt sich an der Interpretation der Motive der Attentäter um Stauffenberg die typisch deutsche Debatte, welche Rolle die Wehrmacht, der Adel, das Bürgertum in Nazideutschland spielten. Anscheinend kommt nun noch ein weiteres innerdeutsches Problem dazu:

«Die bisher gefährlichste Instrumentalisierung droht nun von rechtsextremen Kreisen. Schon seit einiger Zeit versucht die „Neue Rechte“ Stauffenberg für eine vermeintliche „Konservative Revolution“ in Dienst zu nehmen.»

Da gerät Probst deutlich in Wallungen: Inzwischen hätten «Querdenker, Eiferer und die AfD den Widerstand für sich entdeckt und wenden ihn in zerstörerischer Absicht gegen die Demokratie, Stichwort „Corona-Diktatur“. Hier wird der legitime Widerspruch in einer Demokratie mutwillig mit Widerstand in einem totalitären Regime verwechselt, mit der Absicht, den Parlamentarismus zu delegitimieren».

Wahnsinn, aber damit nicht genug: «Dazu Spaltung, völkische Hetze und einfache Heilsversprechen – kommt einem alles irgendwie bekannt vor».  Da hört Probst wieder mal die braune Liesl läuten. Gegenwehr tut not, solche «lebendige Debatten», wie Probst hier wohl zu führen meint, «sind bestens geeignet, das manipulative Geschwätz vom „Widerstand“ der Extremisten zu entlarven. Und gemeinsam eine Demokratie zu verteidigen, ist sehr viel leichter, als irgendwann für ihre Wiederherstellung kämpfen zu müssen.»

Es ist auch so eine typisch deutsche Eigenschaft, immer den Untergang vor Augen zu haben, am liebsten pompös mit Wagnermusik unterlegt.

Nun hat Deutschland so ungefähr seit 1870 (vorher allerdings auch, nur hiess es nicht so) seine liebe Mühe mit der Demokratie. Eigentlich ständig bis 1945. Seither herrscht hier etwas Ruhe, nicht zuletzt, weil der nicht gerade demokratische erste Arbeiter- und Bauernstaat auf deutschem Gebiet verschwunden ist. Und so hätten sich SPD, CDU, FDP und Grüne in wechselnden Koalitionen weiterhin die Macht teilen können, wenn da nicht die Spielverderber Linke, Projekt Sahra Wagenknecht und vor allem die AfD aufgetaucht wären.

Das alles ist in München durchaus Anlass für Schübe, da schmeckt dann selbst das nach dem Reinheitsgebot gebraute Bier nicht mehr richtig, und die Weisswurst wird verzweifelt auch am Nachmittag verspeist.

Nur: interessiert das den Schweizer Leser einer Schweizer Tageszeitung wirklich? So detailliert, so innerdeutsch? Eigentlich nicht.

Und wenn’s ihn nicht interessiert, wieso bekommt er es dann serviert? Weil die Zentralredaktion von Tamedia über zu wenig Journalisten verfügt? Eigentlich nicht. Woran liegt’s denn dann?

Nun, wie immer stinkt der Fisch vom Kopf. Wer einen solchen Kommentar publiziert, betreibt Leserverarschung. Daran beteiligt sind alle gut bezahlten führenden Personen, von denen es ja genug gibt. Mehr als genug. Wir zählen nochmals auf:

Die Chefredaktion «Tages-Anzeiger»: Raphaela Birrer (rbi), Chefredaktorin. Adrian Zurbriggen (azu), stv. Chefredaktor. Matthias Chapman (cpm), Kerstin Hasse (kh).

Redaktionelle Steuerung: Newschef: Adrian Eng. Tagesleitung: Jacqueline Büchi, Anja Burri. Planungschefin: Ursula Schubiger. Printleitung: Rolf Eisenhut, Tatiana Gruosso, Lukas Lampart, Thomas Möckli, Stephan Reuter, Thomas Wernli, Corsin Zander.

Die «Leitung Analysen und Meinungen» hat  Fabian Renz, aber das ist bereits ein rein ausführendes Organ, der die Befehle der Chefredaktion, zum Beispiel ein Schreibverbot wegen «wir sind beleidigte Leberwürste» exekutieren muss.

Also haben insgesamt 15 Nasen die Chance gehabt, die Frage zu stellen, ob so ein innerdeutscher Kommentar zu einem innerdeutschen und längst vergangenen Thema wirklich die Schweizer Leser interessieren könnte. Entweder haben sie sie nicht gestellt, oder falsch beantwortet. Also versagt.

 

Wumms: Markus Somm

Wie ein Verzweifelnder zum Zyniker wird.

Markus Somm hat schwer zu tragen. Er wurde von Christoph Blocher himself als Chefredaktor und Mitbeteiligter an der «Basler Zeitung» eiskalt abserviert, obwohl er eine hymnische Biographie über ihn geschrieben hatte.

Dennoch sieht er sich als Unternehmer und Medienmanager. Und kaufte den «Nebelspalter», eine der aberwitzigsten Entscheidungen im jüngeren Schweizer Journalismus. Anschliessend machte er so ziemlich alles falsch, was man falsch machen kann. Eine unvollständige, weil sich ständig erweiternde Liste seiner Fehler kommt auf über 30 Positionen. Wozu sie wiederholen.

Der «Nebelspalter» geht den Weg alles Irdischen. Viel Geld verröstet, die Redaktion aufgebläht (inklusive «Assistentin der Chefredaktion»), dann brutal kleingeholzt. Wie man Leute entlässt, das ist immer ein Grandmesser für Anstand. Wie der Chefredaktor des Print-«Nebelspalter» entlassen wurde, ist ein abschreckendes Beispiel für fehlenden Anstand.

Dann hat Somm noch ein tieferreichendes Problem. Er ist Renegat. Er war mal links, sympathisierte mit dem Trotzkismus, solidarisierte sich mit der GSoA, die eine Abschaffung der Schweizer Armee forderte – und einen Achtungserfolg an der Urne erzielte.

Aber statt darauf stolz zu sein, muss er bis heute Abbitte leisten, bereuen, so stramm wie kein anderer Position beziehen. Besonders unappetitlich wird das im Fall Israels. Da ist ihm nichts zu dümmlich, um das Vorgehen der israelischen Regierung und Armee zu verteidigen. Das seien einfach «die Guten», entblödet er sich nicht zu schreiben.

Das kann man noch als intellektuelle Bankrotterklärung stehenlassen. Aber in seinem jüngsten «Memo» übertrifft er sich selbst, und das ist gar nicht so einfach.

Der Propaganda-Chef der israelischen Armee könnte das nicht besser: «Die Israelis haben inzwischen rund 950’000 Palästinenser aus Rafah evakuiert», behauptet er, also Somm. Das ist nett von den IDF. Muss man sich mal vorstellen: Panzer bilden ein Spalier, Militärpolizisten lenken den Verkehr, Soldaten verteilen Erfrischungen, Pioniere bauen währenddessen Zelte auf, installieren Latrinen und Küchen. Armeesanitäter bereiten alles für die medizinische Versorgung von 950’000 Palästinensern vor. Die sehen grosszügig darüber hinweg, dass ihnen noch vor Kurzem der Südwesten des Gazastreifens als sicheres Fluchtgebiet vorgegaukelt worden war. Was gestern noch Zuflucht war, ist heute halt Kriegszone.

Auch dahin waren sie bekanntlich von der israelischen Armee «evakuiert» worden. Nach der Devise: sorry, verpisst euch, wir müssen nun leider alles in Grund und Boden bombardieren, wo ihr gelebt habt. Denn darunter, tief im Boden, haust die Hamas, und die wollen wir  vernichten.

Wenn in den neuen Evakuierungsgebieten nicht alles so klappt, wie es soll, gibt es natürlich nur einen Schuldigen: «Die Versorgung ist jedoch prekär – zumal Hamas, eine Terrororganisation und Virtuosin des angewandten Zynismus, alles dafür tut, dass kaum Hilfsgüter in Gaza eintreffen.» Es ist aber auch zum Verzweifeln. Statt auf Besserwisser Somm an seinem Zürcher Schreibtisch zu hören, behaupten doch verschiedene UNO-Organisationen und NGOs vor Ort, dass sich Israel des Kriegsverbrechens schuldig mache, die Bevölkerung auszuhungern. Wie können die sich alle nur so irren.

Überhaupt sind die Bösen an allem schuld, weil die Guten ja an nichts schuld sein können: «Wenn heute Montag bekannt wurde, dass die Israelis ein Zeltlager in der humanitären Zone bombardiert haben, dann liegt das an diesem widerrechtlichen, kaltblütigen Verhalten der Hamas.»

Wenn es nicht so widerwärtig wäre, wäre es fast lustig: selbst der israelische Ministerpräsident bezeichnet die Bombardierung eines Flüchtlingslagers mit Dutzenden von Toten inzwischen als «tragisches Missgeschick», das er bedauert. Hört denn etwa auch der nicht auf Somm, der keinerlei Anlass für solche Weichheit sieht?

Was für den einen ein schreckliches Missgeschick ist, ist für den anderen halt ein «Kollateralschaden», denn wem sollte man glauben, fragt Somm rhetorisch, «den Terroristen, also ausgewiesenen Massenmördern, die bereits mehrfach der Lüge überführt worden sind

«Oder einem demokratischen Rechtsstaat, der sich im Übrigen der Kritik der ganzen Welt stellen muss» wie die Hamas auch und der ebenfalls schon mehrfach der Lüge überführt wurde?  Nein, den zweiten Teil hat Somm nicht über die Lippen gebracht, denn «die Guten» können doch nicht lügen. Aber:

«Gewiss, für die Flüchtlinge, die als «Kollateralschaden» ihr Leben verloren haben, ist das kein Trost, zumal er sie nie mehr erreichen kann. Krieg ist schrecklich. Gerade weil ständig Unschuldige sterben – das können auch Tausende von Warnungen und Flugblättern nicht ändern.
Umso mehr kommt es darauf an, nicht zu vergessen, wer diesen Krieg ausgelöst hat.»

Ja, Krieg ist eine schlimme Sache. Und immer diese Zivilisten, die der guten Sache im Weg stehen. Und ohne Trost sterben müssen. Aber vielleicht hilft es diesen Unschuldigen posthum, dass sie für das Gute gestorben sind, das halt über Leichen gehen muss, um das Böse zu vernichten.

Was ist denn mit den 300’000 Zivilisten, die trotz allen humanistischen Anstrengungen der Israelis immer noch im Gebiet blöd rumstehen, das ihnen von den Israelis als sicherer Zuflucht angepriesen wurde, jetzt aber auch laut Somm «Kriegsgebiet» ist?

«Keiner von ihnen hat es verdient zu sterben. Hoffentlich nehmen sie die vielen Warnungen und Angebote der Israelis endlich ernst.»

Das ist nun der Gipfel an Zynismus. Sie sollen die Warnungen ernst nehmen und sich in ein neues «humanitäres Gebiet» flüchten. Damit sie dann dort bombardiert werden, so wie sie im vorherigen «humanitären Gebiet» abgemurkst werden.

Und das alles, weil sie dem absurden Kriegsziel im Weg stehen, die Hamas vollständig zu vernichten. Laut Schätzungen sind bislang vielleicht ein Drittel ihrer Kämpfer getötet worden. Sobald Israel sich zurückzieht, werden ihnen Heerscharen von Freiwilligen zuströmen. Aus den Ruinen, aus der völlig zerstörten Infrastruktur des Gazastreifens. Wo nur noch Hass und Rachedurst wachsen, wo Tausende von Eltern ihre Kinder begraben mussten, und Tausende von Kindern ihre Eltern.

Damit stellt ZACKBUM die Berichterstattung über Somm endgültig ein. Es gibt Grenzen für alles. Ausser für ihn.