Wie der Herr, so das Gescherr
Meinungspluralismus à la NZZ.
God Almighty hat den Kurs vorgegeben. Ein militärischer Angriffskrieg gegen den Iran sei «legitim». Das ist das missbräuchliche Kosewort für eine illegale Aktion. Denn entweder ist etwas legal – oder es ist illegal. Wenn etwas legitim oder anders herum illegitim ist, dann bedeutet das, dass es nach dem persönlichen Wertekanon des Autors eigentlich legal oder illegal ist. Nur traut er sich nicht, das so zu sagen.
Aus nicht gerade legitimen Gründen. Nun gilt auch bei der NZZ, um es in ihrem Niveau auszudrücken: «Plane qualis dominus, talis et servus». Wenn also Eric Gujer vor einer Woche in seinem grossen Weltenlenker-Samstagskommentar dem Krieg seinen Segen gibt, dann darf Beat Balzli in der NZZaS nicht hintenan stehen:
«Trumps fahrlässige Vorgehensweise verunmöglicht es vielen, die Sinnhaftigkeit der Intervention zu sehen – obwohl es sie gibt. Der Schlag gegen Iran mag aus Sicht mancher Völkerrechtler illegal sein, sie lassen aber nicht nur Israels Bedrohungsempfinden ausser Acht. Das toxische Grossmachtdenken, die tägliche Repression gegen die Bevölkerung und das Erschiessen Zehntausender Demonstranten machen das Regime der Mullahs zu einem legitimen Ziel.»
Während Gujer noch im Prognose-Modus schrieb, leitet Balzli seine Legitimation mit einer Kritik an Trump ein, die wiederum mit einer ellenlangen Ausführung über den lachhaften Auftritt der First Lady als Leiterin einer Sitzung des Uno-Sicherheitsrats.
Überhaupt ist diese Ausgabe der NZZaS geprägt von unheilschwangerem Geraune und hilflosen Fragen: «Denn er weiss nicht, was er tut», wandelt Gordana Mijuk einen Filmtitel mit James Dean ab. «Doch was nun?», fragt sie fassungslos, um dann fast zwei Seiten darauf zu verwenden, die Frage nicht zu beantworten.
Weiter im Slalom: «Mehr als ein paar Wochen werde Iran den amerikanisch-israelischen Angriffen nicht standhalten können, sagt Rez Zimmt, renommierter Kenner der islamischen Republik. Dennoch könne das Regime in Teheran überleben». Nun ja, wenn Petra Ramsauer am Gerät ist, dann wird’s immer merkwürdig widersprüchlich. Dass Zimmt Direktor beim «Institut für Studien zur nationalen Sicherheit» in Tel Aviv ist, tut seiner wissenschaftlichen Neutralität sicherlich keinen Abbruch.
Dann eine journalistische Gratwanderung:

«Blick in die Moschee in Schlieren», sagt die Bildlegende. Was allerdings jedem auffällt: der «Blick» ist eine «Illustration», wie es verschämt in 4-Punkt-Schrift oben rechts heisst.
Hier führt Wunschdenken den Griffel bei der Titelsetzung: «Orban schwächelt». Das tut er in der NZZaS allerdings bereits seit Jahren.
Dann wird die NZZ mal wieder ihrem Ruf als Sprachrohr der FDP gerecht. «Ein Ja wäre ein kolossaler Schuss ins eigene Knie», darf Co-Präsident Benjamin Mühlemann unwidersprochen behaupten. Seine Tätigkeit als Parlamentarier und Kommunikationsberater und Lobbyist für nicht ausgewiesene Auftraggeber ist hingegen kein Thema.
Auf der Debatte-Seite tut dann Markus Bernath das, was machtlose Journalisten immer am liebsten tun: machtvoll fordern und kritisieren. «Europa am Nullpunkt: Es darf nicht zu Trumps Aufräumservice werden.» Denn: «Jetzt ist ein eigener Kurs gefragt, um nicht ins Chaos zu geraten.» Schreibt euch das hinter die Ohren, ihr Pfeifen. Bundeskanzler Merz hält erschrocken beim Aufräumen inne, EU-Chefin von der Leyen starrt bleich auf den Nullpunkt, Präsident Macron setzt mutig einen eigenen Kurs, während sie alle Bernath danken.
Merke: Wirklich lächerlich macht man sich, wenn man sich der Lachhaftigkeit seines Geschreibsels dank stolzgeschwellter Brust und mit tapfer geschulterter Bedeutungsschwere gar nicht bewusst ist.





























































