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Wie der Herr, so das Gescherr

Meinungspluralismus à la NZZ.

God Almighty hat den Kurs vorgegeben. Ein militärischer Angriffskrieg gegen den Iran sei «legitim». Das ist das missbräuchliche Kosewort für eine illegale Aktion. Denn entweder ist etwas legal – oder es ist illegal. Wenn etwas legitim oder anders herum illegitim ist, dann bedeutet das, dass es nach dem persönlichen Wertekanon des Autors eigentlich legal oder illegal ist. Nur traut er sich nicht, das so zu sagen.

Aus nicht gerade legitimen Gründen. Nun gilt auch bei der NZZ, um es in ihrem Niveau auszudrücken: «Plane qualis dominus, talis et servus». Wenn also Eric Gujer vor einer Woche in seinem grossen Weltenlenker-Samstagskommentar dem Krieg seinen Segen gibt, dann darf Beat Balzli in der NZZaS nicht hintenan stehen:

«Trumps fahrlässige Vorgehensweise verunmöglicht es vielen, die Sinnhaftigkeit der Intervention zu sehen – obwohl es sie gibt. Der Schlag gegen Iran mag aus Sicht mancher Völkerrechtler illegal sein, sie lassen aber nicht nur Israels Bedrohungsempfinden ausser Acht. Das toxische Grossmachtdenken, die tägliche Repression gegen die Bevölkerung und das Erschiessen Zehntausender Demonstranten machen das Regime der Mullahs zu einem legitimen Ziel.»

Während Gujer noch im Prognose-Modus schrieb, leitet Balzli seine Legitimation mit einer Kritik an Trump ein, die wiederum mit einer ellenlangen Ausführung über den lachhaften Auftritt der First Lady als Leiterin einer Sitzung des Uno-Sicherheitsrats.

Überhaupt ist diese Ausgabe der NZZaS geprägt von unheilschwangerem Geraune und hilflosen Fragen: «Denn er weiss nicht, was er tut», wandelt Gordana Mijuk einen Filmtitel mit James Dean ab. «Doch was nun?», fragt sie fassungslos, um dann fast zwei Seiten darauf zu verwenden, die Frage nicht zu beantworten.

Weiter im Slalom: «Mehr als ein paar Wochen werde Iran den amerikanisch-israelischen Angriffen nicht standhalten können, sagt Rez Zimmt, renommierter Kenner der islamischen Republik. Dennoch könne das Regime in Teheran überleben». Nun ja, wenn Petra Ramsauer am Gerät ist, dann wird’s immer merkwürdig widersprüchlich. Dass Zimmt Direktor beim «Institut für Studien zur nationalen Sicherheit» in Tel Aviv ist, tut seiner wissenschaftlichen Neutralität sicherlich keinen Abbruch.

Dann eine journalistische Gratwanderung:

«Blick in die Moschee in Schlieren», sagt die Bildlegende. Was allerdings jedem auffällt: der «Blick» ist eine «Illustration», wie es verschämt in 4-Punkt-Schrift oben rechts heisst.

Hier führt Wunschdenken den Griffel bei der Titelsetzung: «Orban schwächelt». Das tut er in der NZZaS allerdings bereits seit Jahren.

Dann wird die NZZ mal wieder ihrem Ruf als Sprachrohr der FDP gerecht. «Ein Ja wäre ein kolossaler Schuss ins eigene Knie», darf Co-Präsident Benjamin Mühlemann unwidersprochen behaupten. Seine Tätigkeit als Parlamentarier und Kommunikationsberater und Lobbyist für nicht ausgewiesene Auftraggeber ist hingegen kein Thema.

Auf der Debatte-Seite tut dann Markus Bernath das, was machtlose Journalisten immer am liebsten tun: machtvoll fordern und kritisieren. «Europa am Nullpunkt: Es darf nicht zu Trumps Aufräumservice werden.» Denn: «Jetzt ist ein eigener Kurs gefragt, um nicht ins Chaos zu geraten.» Schreibt euch das hinter die Ohren, ihr Pfeifen. Bundeskanzler Merz hält erschrocken beim Aufräumen inne, EU-Chefin von der Leyen starrt bleich auf den Nullpunkt, Präsident Macron setzt mutig einen eigenen Kurs, während sie alle Bernath danken.

Merke: Wirklich lächerlich macht man sich, wenn man sich der Lachhaftigkeit seines Geschreibsels dank stolzgeschwellter Brust und mit tapfer geschulterter Bedeutungsschwere gar nicht bewusst ist.

 

Ei, Ei, Geeiertes

Die NZZaS geht mal wieder auf grosse Fahrt. Mit dem U-Boot.

ZACKBUM lernt, ihn zu lieben:

«Der Louis XIV für Arme zerschlägt mit dem Zollhammer die Schweizer Illusion von der Sister-Republic, liess als Groupie von Wladimir Putin die Ukraine-Krise bis vor kurzem fahrlässig schleifen – und provoziert mit seiner erratischen Aussenwirtschaftspolitik gegenüber China und Co. den nächsten Crash. Denn das System ist fragil geworden. Hinter der goldenen KI-Kulisse, dieser Blase aller Blasen, nagt etwas Toxisches an der amerikanischen Wirtschaft.»

Eine solche Anhäufung von schiefen Bildern, schrägen Zusammenhängen und kruden Ableitungen, das ist gekonnt. Das kann eigentlich nur Beat Balzli, der Chefredaktor der NZZaS. «Louis XIV für Arme, Groupie von Putin, Toxisches nagt», wir wollen auch von dem Zeugs, das Balzli nimmt, bevor er in die Tasten greift.

Geht da noch einer? Aber ja, das ganze Editorial ist voll davon, noch ein Müsterchen: «Der Mittelstand leidet unter steigenden Strom- und Lebensmittelpreisen, irrt auf einem flauen Jobmarkt umher, zahlt immer seltener Kredite zurück.» Irrt auf dem flauen Jobmarkt herum, man stelle sich das vor, kann es aber ohne die Hilfe von verbotenen Substanzen nicht.

Aber dann, die Erleuchtung, Durchleuchtung, die NZZaS schaut hinter die Maske des Kremls, geschmackvoll illustriert auf der Front und drin:

Stefan Scholl hat den Röntgenblick und durchschaut die unsichtbare Hand, die den Kreml – ja was eigentlich? An Fäden bewegt? Aber es ist ja gar nicht der Kreml, sondern wohl die Basilius-Kathedrale vor dem Kreml auf dem Roten Platz. Ist hier das Zentrum des «Zarenreichs des Schweigens»?

Und wer ist Stefan Scholl? Die Wiedergeburt von Peter Scholl-Latour? Oder will Scholl die Lücke füllen, die der lebenslange Kreml-Astrologe Ernst Kux hinterliess? Denn das Schöne an solchen Zeichendeutereien ist: eigentlich weiss niemand nichts Genaues, was hinter den Kremlmauern passiert. Ausserdem ist das ein völlig gegendarstellungsfreier Raum. Die Herrschenden im Kreml haben sich noch nie bemüssigt gefühlt, irgend einen Quatsch, der über sie geschrieben wird, richtig zu stellen.

Auch wenn Scholl so tut, als könne er Mäuschen spielen: «Am Mittwoch sass Wladimir Wladimirowitsch Putin in einem anderen abgedunkelten Zimmer des Kreml.» Er weiss noch viel mehr: «Seine Videokonferenzen hält Putin übrigens nicht im Tüllkabinett ab, sondern in noch einem anderen Saal des Kreml – oder auf seiner Datscha Nowo-Ogarjowo westlich Moskaus. Dort verbergen dunkelbraune Vorhänge die Terrassentüren.» Dunkelbraun, sieh mal an.

Also neben dem Editorial reine Platzverschwendung.

Anschliessend wird es leider nicht besser:

Wenn es eine Story gibt, die einen noch längeren Bart als Castro hat, dann diese. Wie die CIA ihn zu ermorden versuchte und Che Guevara in Bolivien ermordete. Da schnarchen selbst Träger von Che-Leibchen gnadenlos weg.

Dann, auf Seite 11, endlich, kann sich die NZZaS dem wichtigsten Thema für alle Liberalen nicht mehr entziehen. Warum hat sich die FDP mit Dreiviertelmehrheit entkernt, entleibt, alles über Bord geschmissen, wofür sie seit ihrer Gründung stand? Wieso war die FDP nicht mal so clever, den EU-Verträgen zuzustimmen, aber das Ständemehr zu fordern? Damit würde dieser Unterwerfungsvertrag sicherlich abgelehnt werden. Aber nein, auch dagegen ist die herumeiernde Partei.

Selbst die beiden Ex-Präsidenten Gössi und Burkart sind für das Ständemehr, genauso wie grosse Teile der Parteibasis. Das wird eine Gratwanderung für die NZZ und die NZZaS werden, aber hallo.

Sehr laut ins Fäustchen lachen kann nur die SVP:

Auf Seite 19 geht dann Markus Bernath der Lieblingsbeschäftigung der meisten Journalisten nach: recht haben und andere zurechtweisen. Diesmal trifft es den deutschen Bundeskanzler, obwohl nun wirklich alle alles über dessen Bemerkung zum «Stadtbild» gesagt haben. Doch Bernath tritt nach: «Probleme benennen ist richtig. Aber bitte mit klaren Worten». Es ist leider nicht bekannt, ob sich Merz schon für den Ratschlag bedankt hat.

Und sonst? Was sonst?

Muss das wirklich sein?

Die NZZaS lässt es knallen – als Wiederholungstäter.

Kommt bekannt vor: ein visueller und inhaltlicher Kracher auf der Frontseite, dann auf Seite 2/3 links Sprachnotstand im Editorial, daneben intellektueller und visueller Notstand.

Alleine die Headlines und die Ausstattung der Stücke rufen dem Leser zu: lies mich nicht, sonst wirst du die Verschwendung deiner Lebenszeit bereuen. Chefredaktor Beat Balzli verwirrt mit dem Titel «Heute macht der Säbelzahntiger mal Pause». Daneben walzen Alain Zucker und Peer Teuwsen eine Denkpause auf vielen Zeilen aus: «Die Sippenhaftung ist zurück», behaupten sie. Boykottaufrufe träfen «die Falschen», Israel sei «kein Apartheitstaat». Schludrige Formulierungen zeugen von schludrigem Schreiben:

Auf welchem Niveau wird hier geholzt?

«Als die Bewegung mit Wirtschaftsboykotten nicht weiterkam, hat sie sich zunehmend auf die Kultur kapriziert. Die Szene ist ein wildes Amalgam aus antisemitischen Kapitalismusgegnern, Russlandapologeten, Postkolonialisten und Mitläufern, die in holzschnittartigen Tiktok-Videos politisiert wurden und seither in moralischer Selbstzufriedenheit alles Israelische böse und alles Palästinensische gut finden

Das ist, mit Verlaub, gerüttelter Schwachsinn auf einem Argumentationsniveau, wie es Trump oder Vance auch nicht schlechter hinkriegten. Zudem wünschte man sich, dass die NZZaS mit dem gleichen Furor gegen die Ausformungen des Boykotts von russischen Künstlern vom Leder ziehen würde.

Beim Iwan hingegen darf der kalte Krieger Markus Bernath seine Betriebstemperatur hochschrauben: «Man darf sich nichts vormachen: Europa steht bereits in einem militärischen Konflikt mit Russland.» Man kann sich nichts vormachen: der Mann ist ein Kriegstreiber erster Güte.

Ein trauriges Kapitel ist die Gewichtung in dieser Ausgabe der NZZaS. Eine Seite nostalgische Verklärung von Robert Redford. Seine «Persönlichkeit war einzigartig». Nichts dagegen einzuwenden, er gehört auch zu den Lieblingen von ZACKBUM. Aber dafür ein paar lumpige Zeilen zum Tod von Fredi Heer? Das ist mehr als schäbig.

Dafür als Aufmacher auf der Seite «Nachrufe» die Nacherzählung des Lebens eines Überläufers aus Nordkorea, den nun wirklich niemand kennt. Das ist geradezu unverschämt.

«So sad», würde Trump zu dieser Ausgabe sagen. Dabei hätte er den Schnarch-Aufmacher der «SonntagsZeitung» noch gar nicht gesehen:

Und Zufälle gibt’s; auch auf Seite eins der SoZ:

Aber immerhin, der Tod von Fredi Heer schafft es hier auch auf Seite eins.

Auf Seite zwei lebt der ansonsten zurechnungsfähige und kompetente Arthur Rutishauser in seinem Editorial den Traum «wenn Wünschen helfen würde» aus. Und fantasiert: «Kurzfristige Interessen von Aktionären, die auf die schnelle Rendite aus sind, sollte man ignorieren. Die haben mit dieser Denke schon die CS und die Swissair ruiniert.»

Da aber diese Aktionäre Mehrheitseigner sind, lässt sich das schlecht ignorieren. Und CS oder Swissair wurden in erster Linie durch ein inkompetentes Management ruiniert.

Unwillkürlich an die Werbung «für ä tüüfä gsundä Schlaaf»® erinnert fühlt man sich beim Aufmacher von «Leben & Kultur». Als gälte es, eine Kriegsberichterstattung anzukündigen, hämmert der Lead:

«Philippe Zweifel hat sich für Sie durch Möbelhäuser, Testbetten und Rückenschmerzen gekämpft».

ZACKBUM hofft, dass dadurch kein neuer IV-Fall entstanden ist.

Schnarchblatt

Nachreichung der NZZaS.

So sieht es wohl in den Redaktionsstuben der NZZaS aus. So fühlt sich auf jeden Fall der Leser. Denn alles gute Zureden hilft nichts:

«Selbsthilfegruppe der Superreichen»? Mag sein, dass das allerhöchstens die 300 Reichsten laut «Bilanz» interessieren könnte. Aber sonst? Den NZZaS-Leser? Null. Und aufgemerkt, es gibt den Hype um die sogenannte «Dubai-Schokolade». Schnarch.

Kann man das noch steigern? Aber sicher:

Merkels Selfie mit einem Flüchtling anno 2015, das «ich bin verzweifelt und mir fällt einfach nix ein»-Thema «Das Für und Wider des Trinkens», ein guter Ratschlag an den Bund und ein Skiprofi mit Liebeskummer. Da schlägt die Stirn unsanft auf der Zeitung auf, aber der Besitzer merkt es nicht, weil er zuvor in Tiefschlaf versetzt wurde.

Dann, es war zu befürchten, das Editorial von Beat Balzli. Immerhin diesmal mit Selbstkritik: «Ich weiss nicht, wie es Ihnen geht» (das ist mal wieder ein genialischer Einstieg), «aber ich kann es nicht mehr hören.» Oh, meint er damit das Verlesen seiner Editorials? Mutig, mutig. Nein, er polemisiert gegen «die radikalste Kariesförderung, seit es Dubai gibt». Hä? «...wohlstandsverwahrloste Gesellschaft … süsses Gift des Eskapismus … lieber Krümel statt Krieg, lieber Schoko statt Schüsse.» Glücklicherweise sind ihm hier die Stabreime ausgegangen, und man fragt sich (vergeblich), was dem Mann denn über die Leber gelaufen ist. Hat er die neusten Leserzahlen gezeigt bekommen?

Aber die NZZaS fragt sich: gibt es tatsächlich noch Leser, die noch nicht weggeschnarcht sind? Das lässt sich ändern – mit einem Rösti-Interview, sauglatt illustriert:

Augen auf, man beachte den Hammergag: der Tacho steht auf null.

Noch mehr Sauglattismus im Illustrativen? Aber sicher:

Achtung, Gag, komm heraus, du bist umzingelt. «Kampf», hihi, «rote Zahlen», hoho. Und drüber hängen drei verschieden grosse Typos in der Luft, oder sagten wir das schon. Also der AD vom Tagi ist nach vollbrachter Untat wenigstens nach Berlin abgehauen …

Weiter im Text? Muss das sein? Markus Bernath erteilt aus dem fernen Wien Angela Merkel und den Deutschen eine Lektion, was sie wirklich zu tun hätten: «Dabei wäre heute Anerkennung der Realität von Krieg und Wirtschaftswandel gefragt», ihr Schnarchnasen und Nostalgiker.

Und dann? Dann geht das grosse Blättern weiter, sollte man aufgewacht sein. Oder könnte einen eine solche Story innehalten lassen?

Anstatt viel zu meinen, könnte Kulturchef Peer Teuwsen mal für etwas Kultur in seinem Gärtchen sorgen. Oder soll das hier irgend etwas mit diesem Begriff zu tun haben?

Ein Ranking der TV-Weihnachtswerbung? Das würde sich nicht mal «watson» trauen, und die machen aus allem ein Listical.

Aber, nicht verzweifeln, ab hier beginnt der wahre Lesespass:

ZACKBUM konnte sich angesichts der Überfülle von hässlichen Dingen schwer entscheiden, aber in unsere engere Wahl ist das hier geraten, vielleicht ein neckisches Geschenk für Elch Teuwsen:

Dicht gefolgt von diesem Weihnachtsbaum:

Einer geht noch:

Sowohl für den traditionsbewussten wie auch für den modernistischen Vogel. Und als Absackerchen, was darf in einer solchen Sammlung niemals fehlen? Richtig, die unpraktischste Saftpresse der Welt, dafür von Philippe Starck:

Aber Vorsicht, die darf nicht vor dem Leser der NZZaS stehen, das kann zu Kopfverletzungen führen, wenn das Haupt darniedersinkt.

 

 

NZZ am Sinken

So muss man inzwischen NZZaS ausschreiben.

Wie tief kann’s noch gehen? Sagen wir so: wenn ein Kommentar von Frank A. Meyer im «SonntagsBlick» geistreicher und eleganter geschrieben ist als das meiste, was in der neusten Ausgabe der NZZaS steht, dann steht es schlecht um sie.

Meyer zieht hier über die jammernden Linken her, dass es eine Art hat und Leselust bewirkt.

Während sich die NZZaS mehr auf das Auslösen des Gähnreflexes konzentriert:

Wie erziehe ich mein Kind richtig, ein Cover-Aufmacher für die NZZaS? Und drunter die Reklame für ein Buch, das ein tieffliegender Tagi-Redaktor zusammen mit einem Ex-Redaktor geschrieben hat? Als grosse Aufmacher.Story? Wie verzweifelt muss diese Redaktion mal wieder gewesen sein.

Selbst dem stellvertretenden Editorial-Schreiber Daniel Foppa fällt nichts Bemerkenswertes ein, und dabei ist man sich von Beat Balzli schon Einiges gewohnt. Gesteigert wird das Elend wie üblich noch durch riesige Illustrationen im Post-Gaga-Dada-Stil:

Gut getroffen, dass das illustrierte Haus aber völlig gerade und waagrecht steht. Auch eine solche halbseitige Platzverschwendung lässt einen am gesunden Menschenverstand aller Beteiligten zweifeln:

Was die Platzverschwendung oberhalb des Fotos betrifft, scheint die NZZaS in einen Wettbewerb mit der Online-Ausgabe vom Tagi treten zu wollen: wer kann schlimmer?

Ich, ich, sagt die NZZaS:

Markus Bernath, die Unke aus Wien, scheint den Trump-Schock nicht ganz überwunden zu haben. So fantasiert er in seinem Aufmacherkommentar: Trump wolle «keinen ukrainischen Präsidenten Selenski, der vor der Kamera erklärt, dass die USA sein Land im Stich lasse, und der dann womöglich an die Front geht, um den Heldentod zu sterben». Selenski und Heldentod? Echt?

So labert es sich dahin; selbst die Autobiografie der Rapperin Loredana ist der NZZaS eine Seite wert.

Wie kann man das Elend noch beschreiben? Die «Reise»-Beilage, natürlich bezahlte Werbung, ist interessanter als das Hauptblatt. «Z, die Substanz des Stils», überbietet sich wieder mit absurd bepreister Mode. «Oberteil und Jupe aus Viskose von Bottega Veneta» schlappe 8000 Franken. Oder ein «Langhaar-Sportmantel», für dessen Tragen man Schmerzensgeld verlangen müsste, der aber 14’030 Franken kostet. Richtig beruhigend, dass wieder Diverses «Preis auf Anfrage» ist. Ein Collier von Chopard allerdings nicht, das nette Weihnachtspräsent kostet bloss 205’500 Franken.

Und wenn das «NZZ am Sonntag Magazin» mit der «Vermessung der Unterwelt» tatsächlich mal einen interessanten Beitrag hat, dann verdirbt Paula Scheidt, «Chefredaktorin Magazin», mit einem weiteren überflüssigen Editorial die gute Laune. Auch sie muss, Überraschung, noch ihren Senf zur Wahl von Trump geben und leitet dann zu einem hemmungslosen Lob über: «Meine kluge Kollegin Kerstin Netsch und ihr Lifestyle-Team kuratieren die Bellevue-Seiten Woche für Woche mit viel Detailliebe, Expertise und Stilbewusstsein für Sie».

Das gelingt ihnen so toll, dass sich ZACKBUM Mal für Mal aus reiner Qual darüber lustig macht. Wie auch dieses Mal. Als Aufmacher eine «Winter Vegan Capuche», die so aussieht, wie sie heisst. Ungeniessbar:

Dazu passend der «Vegipass» mit «150 Bons für 115 vegane Angebote», ein Deospray für müffelnde Turnschuhe (kein Witz) und ein Buch einer gewissen Jovana Reisinger: «eine atemberaubend eloquente Tour de Force durch die Luxus-Triade Schlaf (meterlange Hotelbett-Laken!), Nahrung (Schlemmermaus!) und Kleidung (Dior, aber fake!)» (Klappentext).

Kann man auch billiger haben, aber nach der Lektüre hilft sicher das hier:

Richtig, das ist ein elastischer Boxsack namens «Punch a Wall», ein weiterer Höhepunkt aus «Bellevue».

Problemblatt NZZaS

Leider (noch) keine Besserung in Sicht.

Immerhin, eine gewisse Konsequenz ist Chefredaktor Beat Balzli und seinen Mannen (generisches Maskulin) nicht abzusprechen.

Balzli hangelt sich in seinen Editorials von einem Tiefpunkt zum nächsten. Entweder ist es unverständlich, was er vor sich hinmurmelt, oder von erschreckender Banalität: «Wie werden Historiker im Rückblick urteilen?», hebt er diesmal an. Na, wie immer: mit überlegenem Wissen im Nachhinein. Aber nicht mal das weiss Balzli, stattdessen räumt er ein: «Wir wissen es nicht. Wir kennen die Zukunft nicht – die Vergangenheit und die Gegenwart hingegen schon.» Das sind Sätze von wahrhaft erhabener Einfalt.

Wie die Faust aufs Auge passen dazu auch die übergrossen Illustrationen dieser Ausgabe.

Echt jetzt? Die rasend originelle High-Noon-Visualisierung durch die Beine des Revolverhelden? Und wenn der kleine Mann hinten Donald Trump sein soll, wer ist dann der vorne? Der Autor Markus Bernath? Und ist «Der Wunsch nach dem starken Mann» gutes Deutsch? ZACKBUM fragt ja nur.

Auch die NZZaS, darin ähnelt sie langsam dem Tagi, kann noch einen drauflegen:

Echt jetzt? Wer ist denn hier der Pisolero hinter den Rauchschwaden? Eindeutig  nicht Trump; falsche Haarfarbe. Und wieso schiesst der knapp am Betrachter vorbei? Sind das Fliegen, die ihn umschwirren, oder löste der Schuss Schmutzränder von der Kleidung? Und dann dieser rote Fleck rechts neben der Knarre. Wurde er selbst getroffen? Soll das einen Streifschuss symbolisieren? Aber dann müsste er doch am Ohr sitzen. Schliesslich: stimmt die Perspektive beim Revolver oder sitzt die Mündung direkt auf der Trommel?

Lustig ist dann auch, dass sich ein Mann – Andreas Mink – Gedanken darüber macht, «warum Frauen ihn wählen». Wo Trump doch ein sexistisches Schwein ist, eigentlich («grab them by the pussy»). Aber wenn die NZZaS mal einen Illustrator beschäftigt, dann muss der im Multipack liefern und lässt dafür kein Klischee aus:

Echt jetzt? Was will uns «American Heartbreak» sagen? Eine Anspielung auf das Album von Zach Bryan? Oder gar «Brokeback Mountain», der Film über schwule Cowboys? Und reitet der einsame Cowboy hier in den Sonnenuntergang (eher) oder in den Sonnenaufgang (auch denkbar)? Und was hat das alles mit unseren Kenntnissen der USA zu tun?

Schliesslich, was meint Alan Cassidy mit dieser selbstkritischen Feststellung: Obwohl wir alle ein Stück weit Amis seien,  seien wir «wenn es um amerikanische Politik geht, auch machtlos. Wir nehmen an ihr Teil, aber haben nichts zu sagen». Nun ja, das sagt der Autor aber auf rund 7700 A.

Dann zeigt die NZZaS, dass man nicht nur Illustrationen, sondern auch Symbolbilder in den Sand setzen kann:

Zudem ist die obere Seitengestaltung das Allerletzte, oder sagten wir das schon? Völlig verloren hängen Schweiz, NZZ am Sonntag in Versalien und die Seitenzahl in der Luft. Drunter viel sinnloser Weissraum, dann ein aufgeblasenes Symbolfoto, damit der Lead Weiss auf Hellgraublau reinpasst. Brr.

Aber, die ZACKBUM-Leser ahnen es, die NZZaS kann sich noch weiter steigern. Wie sie das schafft? Mit einer Illustration plus einem Schuss Sauglattismus (man achte auf den sauglatten Titel):

Ein echter Schenkelklopfer. Vornehme NZZaS-Leser klopfen leise auf den Tisch oder lassen die Kaffeetasse mit dem Löffel erklingen.

Irgendwie passt dazu das missglückte Inserat der Migros:

Hier versinkt gerade ein Blumenkohl in hellbraunem Resopaltisches, eventuell Laminat. Und ob man den Slogan (abgesehen davon, dass er bescheuert ist) wirklich so schreibt? «Migros macht meh für d’Schwiiz»? Wieso nicht auf Deutsch? Wäre noch genauso beknackt, aber lesbarer. Und wieso macht die Migros mehr, wenn sie doch im Bild und im Preis weniger macht? Weniger ist das neue Mehr? Au Backe.

Dafür kann die NZZaS nichts; für dieseIllustration hingegen schon:

 

 

 

 

 

 

Toll sind auch immer Wimmelbilder mit vielen Soldaten, hier sogar noch apart farblich sortiert:

Aber auch alleine mit einem Titel kann man schon eine gehörige Portion Nonsens vermitteln, nicht wahr, Patti Basler: «Damit eine Ampel funktioniert, darf nur eine Farbe leuchten.» Dada oder gaga, das ist hier die Frage.

Wohin es führt, wenn man auf Teufel komm raus alliterieren will, zeigt die NZZaS hier:

Irgendwie wird auch die Werbung in der NZZaS mit leichtem Wahnsinn infiziert, muss man schon sagen:

Das kommt heraus, wenn man auf Teufel komm raus ein Foto von Trump in seiner Werbung verwenden will. Operation gelungen, aber Message tot.

Neben Balzli gibt es auch noch eine zweite Kolumnistin, die mit jedem Beitrag um Hilfe fleht: denn ihr fällt wirklich nichts ein:

Echt jetzt? Hohl, hochtrabend, Wortgeklingel, pseudogelehrt. Ein echter Nicole Kopp halt. Dann ist Peer Teuwsen mal wieder jeder Vorwand recht, um eine Dienstreise zu tun:

Der Initiator dieser Schulen sitzt in New York. Das war dann wohl doch zu teuer, also musste Teuwsen mit Amsterdam Vorlieb nehmen, weil dort angeblich «das Epizentrum einer Bewegung» sei.

Aber zurück zu misslungenen Illustrationen:

Echt jetzt? Liess sich der Illustrator von der Migros-Werbung inspirieren und zeigt deshalb einen ins Kornfeld sinkenden Clausewitz? Aber auch aus einem solchen Augenpulver kann man noch Trost ziehen: das war’s dann. Für diesen Sonntag. Lieber Herr Gujer … Aber der Herr scheint etwas harthörig zu sein.

Die NZZaS antizipiert den Leser

Anders kann man den neusten Geniestreich auf dem Cover nicht erklären.

Auf jeden Fall setzt ZACKBUM dagegen ein klares Zeichen: wir verschliessen unsere Augen keinesfalls vor all dem Negativen, das die NZZaS wieder serviert. Wir meiden auch nicht«mittlerweile schlechte Nachrichten».

Das ist mal die anmächelige Titelgeschichte an diesem Sonntag. Drunter sorgt lediglich Leo Eiholzer etwas für Aufsehen, indem er verkündet: «Bundesräte lassen heikle Sitzungen nicht protokollieren».

Weiter unten regiert dann wieder das untere Mittelmass:

«Zu wenig Akademiker», das ist der Zwilling von «zu viele Akademiker». Den gnadenlos gut illustrierten «Trost der Natur» verspürt die US-Schriftstellerin Sigrid Nunez. Sigrid who? Never mind.

Und wann gibt es denn schon mal keine «neue Debatte um Sterbehilfe», und wann sind Michelin-Sterne schon nicht Fluch und Segen.

Auf Seite zwei setzt Beat Balzli seine Erfolgsserie niemand versteht meine Editorials fort. Soll er darüber schreiben, sinniert Balzli, dass «der Uno-Generalsekretär in der Show der Brics-Staaten zu Putins Hofnarren schrumpft?» Oder sollte er sich darüber freuen, dass die Schuhmarke Künzli gerettet wurde? So eiert er sich mal wieder durch. Er wolle nicht schwadronieren, behauptet er, über einen erschlaffenden «Resilienzmuskel», über Hypersensibilität, über «woke Beschallung mit Achtsamkeitsparolen». Hä? Never mind, versteht keiner, versteht er wohl selbst nicht. Am Schluss schreibt Balzli: «Ich danke Ihnen, dass Sie durchhalten». Bitte sehr, aber einfach ist’s nicht.

Der Rest der Doppelseite ist – Überraschung – dem Ukrainekrieg gewidmet, unter dem merkwürdigen Titel «Der neue Feind heisst Crink». Das scheint ein neues Gestaltungselement zu sein, die Story über Sahra Wagenknecht und Oscar Lafontaine trägt den Titel «Bünzli meets Marx».

Der Anfang der Story ist auch nicht viel verständlicher, auch wenn ein leichter Oberton von Häme mitschwingt:

«Oskar chauffiert, schwarzer Audi, schwarze Klamotten, der 81-Jährige bringt das Gefährt sicher auf dem Haltestreifen vor der Halle des Flughafens Saarbrücken zum Stehen. Auf der Beifahrerseite entsteigt Madame im knapp sitzenden Kostüm. Sahra Wagenknecht muss zur Arbeit, auf nach Berlin, wieder ein bisschen deutsche Politik kaputthacken.»

Alter Sack kann noch autofahren, «Madame» trage ein knapp sitzendes Kostüm, worin sie deutsche Politik «kaputthackt». Dass Markus Bernath unerträglich ist, hat er schon vorher unter Beweis gestellt.

Dann aber eine Thema, das die ganze Schweiz bewegt. Also einen Teil. Also einen kleinen Teil. Also eigentlich niemanden, nicht mal die Kühe:

«In Zeiten von Laktoseintoleranz»? Oh je.

Der AD oder wer auch immer darf sich immer ungehemmter in der NZZaS austoben. Titelschrift ist Titelschrift? Ach was, geht doch auch anders:

Plötzlich Grossbuchstaben, plötzlich Halloween-Schrift? Oder hat man in der normalen Typo bloss nicht das Sonderzeichen für Tod gefunden? Aber auf jeden Fall: was soll das, und was ist der erkennbare Sinn? In diesem Unsinn.

Apropos, fällt dem Illustrator gar nichts ein, vergreift er sich am berühmten Bild des armen Poeten in seinem Kämmerchen von Carl Spitzweg:

Eigentlich zeigt hier Simon Tanner nur, dass das Original viel besser ist:

Aber das ist nicht mal das Hauptproblem. Wieso soll der modernisierte arme Poet einen Artikel illustrieren, der über den angeblichen «Rückzug aus der Welt» sinniert? «Fast die Hälfte der Bevölkerung verzichtet inzwischen auf News», lamentiert Alain Zucker. Kein Wunder, kann man nur sagen … Unfreiwilliger Humor strahlt immerhin ein Zwischentitel aus: «Sind News wie Zucker»? Eher nein.

Herausragend wieder das «historische Bild», das die verzweifelte Beäugung von Lochkarten zeigt, auf denen im Jahr 2000 in Florida die damaligen Präsidentschaftswahlen entschieden wurden. Bush wurde per richterliches Dekret zum Sieger erklärt, wahrscheinlich hatte aber in Wirklichkeit Al Gore gewonnen.

Ressort «Wirtschaft»? Totalpleite. Oder interessiert wirklich irgend jemanden das hier?

Wieso nicht einfach das Eingeständnis: mir ist mal wieder einfach gar nichts eingefallen?

Und schon schwirrt die NZZaS wieder ins Unverständliche ab:

«Tückische Tränen»? Gibt es ausser der Alliteration irgend einen Grund für diesen Titel? Und für dieses Symbolbild?

Dann aber der Hammer, der Skandal. Nach dieser Story wird der Beruf der Blumenarrangeurin nicht mehr der gleiche sein:

Und selbst bei einem so traurigen Thema kann es die NZZaS nicht lassen, ein trauriges Symbolbild dazuzustellen.

Und dann, ja dann, widmet sich Peer Teuwsen einem bislang noch völlig unbeackerten Kunstthema.

Über Marina Abramovic haben nun wirklich schon alle alles geschrieben. Alle, ausser Teuwsen. Hätte es wirklich nicht gebraucht.

Dann, das ist wohl die beste Nachricht, ist auch diese NZZaS zu Ende. Sagen wir es mit Balzli: man muss dem Leser gratulieren, der es bis hierher ausgehalten hat. Denn leicht macht es ihm die NZZaS nicht. ZACKBUM zweifelt langsam an God Almightys Allgegenwart. Es kann doch niemand erzählen, dass Eric Gujer diesen Schrotthaufen liest und dabei keine Adrenalinschübe kriegt. Oder aber, schrecklicher Gedanke, ist Gujer doch nicht unfehlbar, sondern fehlbar? Kann auch er sich irren? Hält er diese NZZaS vielleicht für gut?

Aber nein, solch gotteslästerlichem Gedanken wollen wir nicht anhängen. Die Wege des Herrn sind halt unerfindlich. Aber irgendwann passiert dann mal was, beim Teutates.

 

Wenn Beat Balzli in den Ferien ist …

… dann macht die B-Mannschaft ein B-Blatt.

«Paula und die Kollegen stehen für herausragenden Journalismus», behauptete Balzli. Für das Magazin trifft das schon mal nicht zu, und für das Hauptblatt? Da ist der Ständer des herausragenden Journalismus Daniel Foppa am Gerät. Und hebt gleich mal die Eigentherapiesitzung der Chefredaktorin Paula Scheidt aufs Cover:

Übrigens, die fünf politisch korrekt ausgewählten Menschen haben weiter nichts zu bedeuten. Sie sollen bloss die Frage illustrieren, da das Magazin dafür einen scheusslichen Typotitel wählte. Brr.

Sein Editorial missbraucht der stellvertretende Chefredaktor Foppa für Reminiszenzen an (der lebt noch) Wolf Biermann. Der grösste Wendehals aller Zeiten («Die Erde wird rot, so oder so») drischt inzwischen verbittert auf alles ein, was links ist. Und links beginnt für Biermann knapp neben seinem linken Augenwinkel. Obwohl Biermann mal noch linker als Sahra Wagenknecht war, ist sie für ihn (und für Foppa) inzwischen eine «Linkspopulistin».

Was für ein gehaltvoller Beitrag für die anstehenden Landtagswahlen in Deutschland. Aber immerhin, eine gute Nachricht kann Foppa verkünden: «In dieser Nummer ist zudem die letzte Kolumne von Rolf Dobeli zu lesen.»

Was ist sonst noch zu lesen? «Die Zoomer zeigen ihre Kraft». Ungefähr 90 Prozent der Leser dürfte nicht wissen, was das denn schon wieder ist. Auf jeden Fall spiele es sich in Asien und Afrika ab, ein zweiter Grund, weiterzublättern. Dabei gerät man aber vom Regen in die Traufe:

Das ist vielleicht eine demagogische Illustration; es fehlen eigentlich nur noch die Hörner auf dem Kopf …

Dann «trotzt eine blinde Lehrerin Putin», was mutig und edel von ihr ist, aber vielleicht nicht wirklich eine Seite über die russische Opposition wert.

«Gülle vor Geld», ein geschmackvoller Titel über der Story, dass viele Bauern die Pensionskassen-Reform ablehnen wollen.

Erschütternd dann «Report&Debatte». Aufmacherbeitrag: «Keine Jahreszeit passt so gut zum Zeitgeist wie der Sommer». Die ehemalige Volontärin Gina Bachmann hat wohl ihren Schulranzen wiedergefunden, mitsamt «mein liebes Tagebuch». Pennälergedanken in der NZZaS? Au weia. Schon der Anfang wirkt wie eine kalte Dusche: «Wie wir ins Wasser springen und das Boot hinter uns schaukeln lassen. Wie wir nachts im Garten sitzen und die Fledermäuse über unseren Köpfen zählen.» Neben diesem Schulaufsatz-Anfang hätte der Lehrer notiert: Schwülstig. Und seit wann befinden sich Fledermäuse in einem Garten?

Aber man denkt schnell mit Wehmut an dieses Geschreibsel zurück, denn Patti Basler ist aus den Ferien zurück. Leider. Eine irre Volte macht dann Markus Bernath, der Kriegskorrespondent aus dem sicheren Wien. Er konstatiert, dass die Sprengung der Nord-Stream-Pipelines wohl tatsächlich von Selenskyj höchstpersönlich angeordnet und von der Ukraine ausgeführt wurde. Peinlich für alle Beteiligten, vor allem für die deutsche Regierung. Aber Bernath weiss Rat und Trost: diese Pipelines hätten «vor allem nie gebaut» werden sollen. Ja dann, fort mit Schaden.

Immerhin, die «Wirtschaft» bringt ein wenig Lesestoff, über den Stellenabbau bei der UBS und über die Schmonzette, dass die Schuhfirma On «seit Jahren gratis Garten und Pool der Schweizer Botschaft in den USA für einen Werbe-Event nutzen darf».

Nicole Kopp, die dem Kolumnentitel «Geld & Geist» Hohn spricht, kümmert sich diesmal um die Frage: «Fühlen Sie sich häufig müde? Vielleicht leiden Sie unter sozialem Jetlag». Nein, nur bei der Lektüre überkommt einen ein Schlafbedürfnis, wie man es sonst nie verspürt.

Und die «Kultur»? Sagen wir so: im Vergleich zur Kultur bei Tamedia ist sie ein gewaltiges Ereignis, grosses Kino. Was aber nicht viel heisst.

Wenn Balzli aus den Ferien zurückkommt, wartet ein ganzer Haufen Arbeit auf ihn. Denn God Almighty Eric Gujer ist nicht bekannt dafür, dass er solchem Hallodri und wildem Treiben und ungenierter Nabelschau allzu lange zuschaut.

 

 

Macht’s KI besser?

Wie die NZZaS beweist: nein.

Diese Illustration ist, wie man mit der Lupe der Byline entnehmen kann, mittels KI hergestellt worden. Sie vermischt den angestaubten Groove der 70er-Jahre mit der Art, ein Gesicht zu modellieren, wie es im Anfängerkurs für Zeichner geübt wird. Prozentzeichen in den Augen, das rundet das Bild noch mit einem Schon-wieder-Effekt ab.

Aber wer weiss, vielleicht wäre eine hausgemachte Illu noch viel schlimmer herausgekommen. Aber das ist nur die Ouvertüre für noch viel Schlimmeres.

Mal im Ernst, lieber Beat Balzli, das soll die erste Doppelseite im Heft sein? Ein misslungener Wortscherz als Titel, ein riesengrosses, aber völlig inhaltsleeres Visual, umrahmt von einem ungeheuerlichen Textriemen, der zudem in seiner Aussage so dünn ist, dass man auch eine Kurzmeldung daraus machen könnte?

Seich und Scheich, Schleich und reich, wären das nicht wenigstens bessere Titel gewesen? Oder noch besser: hätte man den Platz nicht entschieden besser verwenden können?

Aber immerhin, auf Seite vier fährt die NZZaS mit einer Berichterstattung fort, die sonst kein Organ leistet: «Was tun die israelischen Siedler, während im Gaza gekämpft wird? Ein Besuch im Westjordanland». Denn häufig wird übersehen, dass in der illegalen Besiedlung und durch die massenweise Ermordung von Palästinensern auch hier Israel nicht wirklich darum bemüht ist, irgendwann einmal die Voraussetzungen für eine Verhandlungslösung zu schaffen.

Hier schwafelt die Direktorin einer NGO, die sich für die Interessen der Siedler einsetzt: «Es gibt ein palästinensisches Heimatland, das von den Vereinten Nationen geschaffen wurde. Es heisst Jordanien.» Und wer meint, religiöser Wahnsinn sei von der Hamas gepachtet, wird von ihr eines Schlechteren belehrt: «Es ist unsere religiöse Pflicht, das Land zu besiedeln, das Gott uns gegeben hat.»

Auf Seite 12 setzt die NZZaS dann ihr Tradition fort, mit einer denunziatorisch-unanständigen Fotografie das Niveau deutlich nach unten zu senken:

Selbst der Chefredaktor der NZZaS sähe ziemlich bescheuert aus, wenn man ihn so fotografierte. Das tat das Blatt schon bei einem AfD-Politiker, ohne sich dafür zu schämen. Da wir damals nur eine nassforsche Antwort der Unternehmenskommunikation bekamen, als ZACKBUM Beat Balzli anfragte, was er denn davon halte, verzichteten wir diesmal.

Obwohl hier nicht nur das Foto, sondern auch der Titel von einer unanständigen Häme ist, die nichts mit seriösem Journalismus zu tun hat.

Völlig von der Rolle ist dann auch der Aufmacher der Kommentar-Seite. Der Fern-Korrespondent Markus Bernath aus Wien meldet sich zur Abwechslung nicht mit einem Aufruf zur Fortsetzung des Gemetzels in der Ukraine zu Wort. Aber er kann sich dennoch ins Absurde steigern: «Das Heilige Römische Reich muss Vorbild der EU werden». In Wien ist sicherlich die Toleranz gegenüber Bedepperten und Belämmerten grösser als anderswo auf der Welt. Wieso aber die NZZaS einen solchen Titel (vom Inhalt ganz zu schweigen) dem fassungslosen Leser vorsetzt, das muss das süsse Geheimnis eines neuen Chefredaktors bleiben, der seinen Laden offensichtlich noch nicht im Griff hat.

Das gilt auch für die Story «Krieg gegen die Frauen. … Sexualisierte Gewalt im Krieg ist uralt, über ihren Einsatz als Kriegstaktik spricht man aber erst seit kurzem». Es ist bis zu einem gewissen Grad erlaubt, eine verschnarchte Uralt-Story verbal im Lead aufzupumpen. Aber hier verlassen Gina Bachmann und Raphaela Roth definitiv den Streubereich der Wirklichkeit. Letztere nicht zum ersten Mal. Über Vergewaltigung als Bestandteil der Kriegsführung wird schon seit vielen Jahren geforscht und publiziert. Auch wenn das die beiden Damen vielleicht nicht mitbekommen haben sollten.

Der ungebremste Niedergang setzt sich auf Seite 23 fort. Hier versemmelt Nicole Althaus mal wieder ein im Prinzip interessantes Thema. Nein, es ist nicht dir Rede von Wechseljahren, sondern von Charisma. Spannende Sache, nur: charismatische Menschen überschritten Grenzen, weiss Althaus. Das ist noch ein – wenn auch langweiliger – Ansatz. Ungenießbar macht das Folgende dann der Nachsatz: «Aber warum sind das oft vor allem Männer?»

«Oft vor allem», deutlicher kann man die Unsicherheit der Autorin, ob sie da auf dem richtigen Weg sei, nicht ausdrücken. Immerhin: das warnt den intelligenten Leser davor, weiter seine Zeit zu verschwenden. Dass man die Seite ohne Erkenntnisverlust überblättern kann, beweisen auch Aline WannerFast wie die Werbung einer Sekte») und Rolf DobelliSeien Sie unzuverlässig») mit ihren Titeln. Danke schön.

«Wirtschaft»? Der reichlich vorhandene «Sponsored Content» ist mit Abstand das Interessanteste … Aber immerhin, die «Kultur» glänzt für ein Mal mit einer Abrechnung mit dem unfähigen Direktor von «Pro Helvetia». Nach dieser Breitseite ist es immerhin fraglich, ob er wirklich bis 2025 im Amt überleben wird.

Das beschwingt, bis man zur letzten Seite gelangt. «Die Summe aller Frauen, Teil 42». Das Grauen nimmt kein Ende.

 

Ist nicht lustig

Die NZZaS macht Gähn-Journalismus.

Neuer Chefredaktor, das verheisst eigentlich immer Neues. Neuer Auftritt, neuer Elan, neue Schwerpunkte. Neuer Auftritt, das ist Beat Balzli immerhin gelungen. Die Frontseite ist nun nicht mehr der Furz eines AD, sondern eine modernem Journalismus entsprechende Seite eins.

Aber sonst?

Büchertipps als Aufmacher, Nicole Althaus darf sich schon wieder ihrem Lieblingsthema, der Menopause, widmen. Ein parteipolitischer Schuss vor den Bug des SP-Kandidaten Beat Jans. Der Wolf. Die Armee. Gähn.

Ein Editorial als ordnungspolitischer Zwischenruf gegen Demokratiemüdigkeit. Schnarch. Kriegsgegurgel, die «prahlenden Russen» gegen die «kriegsmüden Europäer»: Stefan Scholl und Markus Bernath dürfen ihre Steckenpferde zu Schanden reiten. Wieder und wieder. Man reiche das Riechsalz.

Blätter, blätter. «Die Hälfte der Menschheit muss durch die Wechseljahre». Und das, seit es die Menstruation gibt. Aber muss das die andere Hälfte der Menschheit, dazu die Hälfte der Frauen, die es noch vor sich haben, die dritte Hälfte, die es hinter sich hat, wirklich lesen? Man reiche Streichhölzer für die Augenlider.

Bis Seite 22 durfte man hoffen, dass die Seite mit der Gastkolumne der «Scherz, du bist umzingelt»-Komikerin Patti Basler, dem leider immer noch nicht vollständig pensionierten Felix E. Müller und dem Rezyklier-Monster Rolf Dobelli gespült wurde. Aber nein, hier sind diese Schlafwandler.

Dann aber der Aufreger: «Eine gut getarnte Geldvernichtung», so fährt die NZZaS der Verteidigungsministerin Viola Amherd an den Panzer. Ob sie das auch täte, wenn die in der FDP wäre?

Zoé Baches und Jürg Meier machen den Sargdeckel über der Credit Suisse nochmal auf. Tapfer, aber völlig sinnlos. Neu-Kolumnistin Nicole Kopp hat herausgefunden, dass Smartphone, asoziale Medien und der E-Mail-Posteingang von der Arbeit ablenken. Ratschlag: «Hauptsache, die Konzentration kehrt zurück.» Oder das Schlafbedürfnis. Um diese uralte Erkenntnis lauwarm zu servieren, dafür sollte sie eigentlich gecancelt werden. Aber sie ist eine Frau, also wird das nicht geschehen.

Ach, und dann gibt es Ilja Trojanow immer noch. Gut zu wissen, gut für ihn. Schlecht für den Leser.

Apropos: «Die Summe aller Frauen, Teil 41». Zum Einschlafen noch ein Alptraum. Super.