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Peinlich, Reloaded

Senden oder empfangen. Ist doch Hans was Heidi.

Mit amtlicher Trockenheit vermeldet die Nachrichtenagentur SDA: «Die Kommunikation des Innendepartements wird künftig von einem Zweierteam geleitet. Bundesrat Alain Berset hat Gianna Blum und Christian Favre zur Co-Leiterin respektive zum Co-Leiter Kommunikation ernannt.»

Das ist gendermässig korrekt formuliert. Die Neubesetzung war nötig geworden, weil der bisherige Stelleninhaber Peter Lauener plötzlich unpässlich geworden war. Er musste ein paar Tage in U-Haft verbringen, weil er in das Visier des Sonderermittlers Peter Marti geraten war, der die Crypto-Affäre untersucht.

Die Neubesetzung ist allerdings durchaus pikant. Denn Blum ist zurzeit noch auf der Payroll des Ringier-Verlags; als Bundeshausredaktorin des «Blick». Nun sind die freundschaftlichen Beziehungen zwischen Ringier-CEO Marc Walder und Bundesrat Alain Berset notorisch. Walder vermeldete in einem Skandal-Video, dass er seine Redaktionen angewiesen habe, jeweils die Regierungspolitik während der Pandemie kräftig zu unterstützen. Berset seinerseits spazierte als Dressman und Interviewer durch ein Prestige-Blatt des Ringier-Verlags, als dessen Chefredaktorin nebenbei die Gattin von Walder amtiert.

So bleibt sozusagen alles en famille. Sauhäfeli, Saudeckeli, sagt man da umgangssprachlich. Es zeugt nun von einer gewissen Unverfrorenheit des bekennenden Privatfliegers Berset, eine solche Personalentscheidung zu treffen. Offenbar hat sich Blum durch ihre liebedienerische Berichterstattung im Sinne ihres obersten Vorgesetzten für diese Position empfohlen.

Statt die Handlungen Bersets wohlwollend zu kommentieren, darf sie sie nun wohlwollend vermitteln. Zugegeben kein grosser Unterschied. Verwunderlich ist allerdings, dass diese pikante Personalie in den Medien wenn überhaupt nur kühl-neutral zur Kenntnis genommen wird. Es würde wohl auch nicht für Aufregung sorgen, wenn Blum dereinst den Weg ins Haus Ringier zurückfindet.

Der Journalist und der Staat

Darf Quellenschutz alles?

Der Journalist ist auf Informationen angewiesen. Heutzutage ist die übliche Methode, Informationen abzuschreiben. Von einer Nachrichtenagentur, von ausländischen Quellen, auch mal von der Konkurrenz.

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Aber eigentlich wäre die Idee, dass sich der Journalist Informationen beschafft. Durch recherchieren, untersuchen, nachhaken, überprüfen. Das kann sich im legalen Bereich abspielen, also der Journalist konsultiert nur Informationen, die auch öffentlich zugänglich sind. Das ist aber eher der langweiligere Bereich. Richtig spannend wird es, wenn eine Information ans Tageslicht kommt, von der einige meinen, dass sie dort nicht hingehört.

Weil sie geschützt ist. Privatsphäre, Geschäftsgeheimnis, Amtsgeheimnis, Staatsgeheimnis. In solchen Fällen ist der Journalist häufig auf eine Quelle angewiesen, modern-deutsch den Whistleblower. Also jemand mit Zugang zu klassifizierten Informationen, die er – gegen Geld oder aus Überzeugung – an die Öffentlichkeit bringen möchte.

Hier hat der Journalist nun ein Privileg wie der Arzt oder der Anwalt: den sogenannten Quellenschutz. Er muss nicht verraten, wer ihm eine Information gesteckt hat. Im Prinzip.

Konkret will zurzeit ein Sonderermittler wissen, wie es zur sogenannte «Cryptoaffäre» kommen konnte. Kurz gefasst war das der Skandal, dass in eine vielverwendete Schweizer Verschlüsselungsmethode eine Hintertür eingebaut war, durch die befreundete Geheimdienste den Informationsaustausch der Verwender der Verschlüsselung abgreifen konnten. Ziemlich peinlich, da die Schweiz anpries, dass sie als neutraler Staat eben Qualitätsware und einbruchssichere Verschlüsselungsmaschinen liefern könne.

Offenbar half hier eine Quelle innerhalb der Bundesämter, und diese Quelle machte sich damit natürlich des Bruchs des Amtsgeheimnisses schuldig. Und Journalisten, die diese Informationen verwendeten, möglicherweise auch. Wie das genau ablief, will nun Sonderermittler Peter Marti herausfinden. Dafür unterzieht er Journalisten einer Befragung.

Wie persoenlich.com zusammengestellt hat, wurden bereits Marc Walder (CEO Ringier), Res Strehle, Thomas Knellwolf (Tamedia), Kurt Pelda und andere einvernommen. Nun ist es mit dem Quellenschutz eben so eine Sache.

Wenn jemand behauptet, ZACKBUM und sein Herausgeber seien in Wirklichkeit von Nordkorea und Russland bezahlte Influencer, dann ist das einwandfrei strafrechtlich relevant. Sagt dieser Jemand dann, er habe dafür drei voneinander unabhängige und seriöse Quellen, die ihm auch entsprechende Zahlungen gezeigt hätten, er könne die aber nicht nennen – Quellenschutz –, dann geht das natürlich nicht.

Denn entweder erbringt dieser Jemand vor Gericht den Wahrheitsbeweis für seine Behauptungen, oder aber er wird verurteilt. So einfach ist das. Trotzdem erhebt sich Geschrei in den Medien, mit diesen Einvernahmen werde die Pressefreiheit strapaziert, die Informationsbeschaffung gefährdet, denn Medien seien nun mal auf Quellen angewiesen. Daher sei diese Untersuchung brandgefährlich.

Das ist Unsinn. Ein Journalist, der an einer Geheimnisverletzung beteiligt ist, muss damit rechnen, dafür zur Verantwortung gezogen zu werden. Das ist halt sein Berufsrisiko. Durch seine Tätigkeit steht er nicht einfach über dem Gesetz. Es ist vielmehr ein Ausdruck von Feigheit und Drückebergerei, wenn Journalisten gerne Geheimnisverletzungen ausschlachten möchten, aber ohne Folgen.

Das gelingt ihnen auch regelmässig mit sogenannten Papers und Leaks. Das sind in Wirklichkeit gestohlene Geschäftsunterlagen, und was die Journalisten mit ihrem Ausschlachten tun, ist nichts anderes als Hehlerei. Aber die Bestohlenen sitzen meist auf kleinen Inseln im Meer oder in Ländern wie Panama, und von dort aus ist es eher schwierig, gegen diese Verletzung des Geschäftsgeheimnisses rechtlich vorzugehen.

Das gilt halt nicht, wenn eine Information aus der Schweizer Bundesverwaltung tropft.

Zudem werden im Protest zwei Dinge zusammengeworfen, die nicht zusammen gehören. Im Fall des Ringier-CEO Walder untersucht der Sonderermittler offenbar, ob es zwischen dem Ringier-Verlag und dem Departement des Bundesrats Alain Berset eine Art Gentleman Agreement gab. Ringier bekommt exklusive Vorabinformationen und zeichnet dafür ein positives und wohlwollendes Bild des Bundesrats.

Es gibt zumindest Indizien für diesen Verdacht. Die persönliche Nähe von Berset und Walder ist bekannt. Der Bundesrat nahm beispielsweise an der Premierenfeier des neuen Ringier-Produkts «Interview by Ringier» teil. Darin war er als Fotomodel und als Interviewer aufgetreten, eigentlich unerhört für einen amtierenden Bundesrat. Zudem hatte Walder in einem inzwischen berüchtigten Video «nur unter uns» bekannt gegeben, dass er seine Redaktionen weltweit angewiesen habe, die Regierungspolitik in der Bekämpfung der Pandemie zu unterstützen und wohlwollend zu begleiten.

Diese Thematik unterscheidet sich völlig von der Frage, wer allenfalls das Amtsgeheimnis in der Cryptoaffäre verletzt hat. Es ist allerdings ein geschickter kommunikativer Schachzug, das miteinander zu vermischen. Aber darauf fallen hoffentlich nicht allzu viele Journalisten – ausserhalb von persoenlich.com – herein. Oder?

Der Preis der Regierungstreue

Marc Walder, Ringier, «Blick», «Blic» und Putin: alles Ansichtssache.

Das Faszinierende am Journalismus ist, dass die Realität Geschichten liefert, die man sich nicht besser oder verrückter ausdenken könnte. Was wir auf den folgenden Zeilen berichten, könnte ebenso gut aus einem bitterbösen Roman über die Branche stammen, doch es ist die wahre Story des vielleicht mächtigsten Medienmanagers im Land – eine Story über die Glaubwürdigkeitskrise und den Zustand des Journalismus im Jahr 2022.

Sie erinnern sich: Am 31. Dezember veröffentlichte der «Nebelspalter» ein Video, in dem Marc Walder, CEO des international tätigen Ringier-Konzerns («Blick»), verriet, dass er die Ringier-Redaktionen weltweit angewiesen habe, in der Pandemie die Regierung zu unterstützen. Die Reaktionen auf die Enthüllung innerhalb und ausserhalb der Branche waren praktisch überall dieselben: Walders Direktiven wurden als Anschlag auf die journalistische Unabhängigkeit und die Glaubwürdigkeit der Medien als kritischer vierter Macht im Staat gehandelt. Verleger Michael Ringier musste sich auf der Frontseite des «Blicks» entschuldigen. Ein weiteres «Mea culpa» sandte Walder an den Bruderkonzern Axel Springer in Berlin, den er wegen seiner massnahmenkritischen Berichterstattung in dem Video scharf attackiert hatte.

Stargast bei Journalistenpreis

Das zweite Kapitel dieser unglaublichen, aber wahren Geschichte sollte am 28. Juni im ewigen Kultlokal Kaufleuten in Zürich über die Bühne gehen. Dort fand die 42. Verleihung des Zürcher Journalistenpreises statt, der wichtigsten Auszeichnung dieser Art in der Schweiz. Und wer war als «Keynote-Speaker» und Stargast angekündigt? Marc Walder. Noch ein halbes Jahr zuvor hatten sich die Medien nach der Walder-Video-Enthüllung des «Nebelspalters» in kritischen Kommentaren überboten. Von «Gift für die Demokratie» sprach der «Tages-Anzeiger» und meinte: «Das untergräbt die Glaubwürdigkeit der Medien». «Medien unter Generalverdacht: Deswegen ist Marc Walders Video so fatal», titelte die «Neue Zürcher Zeitung». Mit seinen Aussagen rücke Walder «den seriösen Journalismus in ein schiefes Licht», so die NZZ.

Wie schief müssen denn die Scheinwerfer eingestellt sein, wenn ausgerechnet bei der Verleihung des prestigeträchtigsten Schweizer Journalistenpreises Marc Walder seinen grossen Auftritt haben sollte? Er, der nach einhelliger Meinung der Medien mit seinen Video-Aussagen der Glaubwürdigkeit des Journalismus einen solchen Schaden zugefügt hat?

Serbische Ehrenmedaille für Marc Walder

Doch es kommt noch dicker. Der dritte Akt ging am Dienstag, dem 28. Juni 2022, in Belgrad über die Bühne. Dort überreichte der serbische Präsident Aleksandar Vučić Marc Walder die «serbische Ehrenmedaille für die Förderung der digitalen Transformation und die Ankurbelung der nationalen Wirtschaft». Wie es der diabolische Drehbuchschreiber dieser Realsatire will, fand die Verleihung in Belgrad am selben Tag statt wie die Feier des Zürcher Journalistenpreises. Walder musste sich deshalb kurzfristig im Kaufleuten abmelden, um vom serbischen Staatspräsidenten mit Pauken, Trompeten und einem Meer von serbischen Flaggen empfangen zu werden.

Ein Schuft, wer vermutet, dass Walders Anweisung auch an seine Redaktion in Serbien, einen Regierungskurs zu fahren, irgendeinen Einfluss auf die Verleihung der «serbischen Ehrenmedaille» an den Ringier-CEO gehabt haben könnte.

Ringier-Blatt verehrt Putin als Helden

Wie problematisch die notorische Nähe von Marc Walder zu den Mächtigen dieser Welt ist, zeigt sich in diesen Tagen exemplarisch am Ringier-Produkt «Blic», dem Pendant des schweizerischen «Blick». Das serbische Boulevard-Blatt fährt im Ukraine-Krieg einen propagandistischen Russland-Kurs und betreibt Heldenverehrung für Wladimir Putin. «Russland wärmt sich in der Ukraine gerade auf», titelte der «Blic» am 9. Juli. Illustriert war der Artikel mit zwei Grossaufnahmen von Putin und einem Bild des Kreml-Sprechers. Am 2. Juli lobte der «Blic» Putin als «entspannten Präsidenten». Und am 30. Juni, zwei Tage nach der Verleihung der Ehrenmedaille an Marc Walder aus der Hand des serbischen Präsidenten, brachte der «Blic» aus dem Hause Ringier mehrere Oben-ohne-Porträts samt Video von Putin, in denen sich der Kreml-Herrscher und Kriegstreiber als gestählten Kämpfer in Macho-Pose inszeniert. Übertitelt war der Artikel mit dem Putin-Zitat: «Wenn sie sich ausziehen würden, wäre das ein ekelhafter Anblick». Eine Anspielung auf die G7-Führer, die Putin kritisiert hatten, wie der «Blic» monierte.

Veganer Boulevard in der Schweiz

Bedenkt man, dass Serbien vor nicht allzu langer Zeit selbst einen brutalen Angriffskrieg gegen Nachbarstaaten auf dem Balkan geführt hat, bekommt die aktuelle Berichterstattung des Ringier-Blatts «Blic» zusätzlich einen üblen Beigeschmack. Während der «Blick» in der Schweiz die Regenbogen-Fahne der politischen Korrektheit hochhält und eine Art veganen Boulevard macht, jubelt das serbische Schwesterblatt «Kriegsheld» Wladimir Putin zu. Irgendwie ist das konsequent: regierungstreu ist schliesslich beides. Der Preis, den Ringier dafür bezahlt, ist der fortgesetzte Verlust der journalistischen Glaubwürdigkeit.

Mitarbeit: Mihajlo Mrakic

*Dieser Artikel erschien zuerst auf nebelspalter.ch. Mit freundlicher Erlaubnis des Autors.

Wumms: Marc Walder

Der Ringier-CEO wandelt sich zum Weltenlenker.

Marc Walder sieht sich immer mehr als Staatsmann. An der Seite von Bundesrat Alain Berset, der sich als Dressman und Interviewer für eine Ringier-Zeitschrift missbrauchen lässt.

Zwei Glatzen- und Amtsträger unter sich.

Als nicht so heimlicher Helfer auf internationalem Parkett, der eine ganz gewichtige Rolle bei Gerhard Schröders Besuch in Moskau gespielt haben will. Walder in geheimer Mission, beteiligt am Versuch, das Gemetzel in der Ukraine zu beenden. Wunderbare Story, leider endete alles in Lächerlichkeit.

Aber ein Walder gibt nicht so schnell auf. Ein Walder muss Prioritäten setzen. So war er als Gastredner bei der Verleihung des Zürcher Journalistenpreises vorgesehen. Vielleicht hätte er dort erklären können, wie er es beinahe im Alleingang schaffte, die ersehnte Steuermilliarde für die Verlegerclans zu versenken.

Aber stattdessen musste der VR-Delegierte von Somedia Andrea Masüger bei der Begrüssung im Zürcher Kaufleuten verkünden, dass der Ringier-Mitbesitzer seinen Auftritt kurzfristig habe platzen lassen. Ein «osteuropäischer Staatspräsident» habe Walder dringend sprechen, konsultieren wollen.

Bedeutungsschwangeres Ausatmen im Publikum. Wer mag das wohl gewesen sein? Vielleicht brauchte Viktor Orbán Rat? Oder wollte sich Wolodymyr Selenskyj für einen Tennismatch verabreden? Oder aber – bei Rasputin – könnte es sein, dass der Gottseibeiuns aus dem Kreml Lust auf einen gemeinsamen Ausritt verspürte? Gibt es nun neben der von Scholz und der von Cassis organisierten Friedenskonferenz noch eine dritte?

Welche Rolle spielt dabei Schröder? Wird Frank A. Meyer die Sonne seiner Anwesenheit leuchten lassen? Da wehte der Mantel der Geschichte einen Moment lang durchs Zürcher Kaufleuten, und solche eifrig debattierten Fragen liessen die Preisträger etwas in den Hintergrund treten.

Für Möchtegerns ist das allerdings als Begründung einer kurzfristigen Absage nicht zu empfehlen. Sorry, da ist Präsident Biden auf der anderen Linie, muss Schluss machen – lieber nicht. Wollte gerade dem Chauffeur sagen, dass er dem Aston Martin Guzzi geben soll, aber da klingelte doch von der Leyen durch – ja nicht. Hätte so gerne meine Rede gehalten, aber wenn Macron mal in Fahrt kommt, kann man ihn ganz schlecht bremsen – bitte nicht.

Das gilt auch für die Erwähnung von «osteuropäischen Staatspräsidenten». Denn in Wirklichkeit war es so, dass Walder es vorzog, sich in Belgrad vom serbischen Präsidenten Aleksandar Vučić eine «Ehrenmedaille» anheften zu lassen. «Ich möchte Herrn Walder meinen Dank für seinen unermüdlichen Einsatz und seinen ansteckenden Enthusiasmus bei der Förderung Serbiens als Geschäfts- und Investitionsstandort aussprechen», lobhudelte der Präsident.

Dass sich Walder lieber von einem lupenreinen Demokraten dekorieren lassen als am Zürcher Journalistenpreis sprechen wollte, ist das eine. Dass diese Kollision nicht erst ganz kurzfristig erkennbar war, das andere. Was meint denn Masüger? Auf Anfrage von ZACKBUM antwortet er: «Herr Walder hat seine definitive Absage vor ca. 10 Tagen gemacht. Es war auch nicht mehr möglich, in so kurzer Zeit eine Ersatzperson zu gewinnen. Für einen solchen Anlass, der Monate im Voraus geplant wird, ist das durchaus im letzten Moment.»

Also «letzter Moment» laut Masüger heisst dann: vor zehn Tagen kriegte ich eine Mitteilung. Sonderlich, sehr sonderlich.

Walder will Kleinholz machen

Ein Artikel, drei Klagen. Da ist einer ziemlich sauer.

«Goliath gegen David: Gleich mit einer dreifachen Klage gehen der Ringier-CEO und die Medienkonzerne Ringier sowie Ringier Axel Springer Schweiz gegen die Branchenplattform vor. Sie monieren eine Persönlichkeitsverletzung und unlauteren Wettbewerb.» Philipp Gut berichtete als Erster von einem frisch entbrannten Rechtsstreit.

Marc Walder, CEO Ringier, die Ringier AG in Zofingen und Ringier Axel Springer Schweiz klagen gegen Ursula Klein und gegen die Press Media AG, die den «Klein Report» herausgibt. Der «Mediendienst der Schweizer Kommunikationsbranche» publiziert normalerweise eher unauffällig vor sich hin.

Nun hat er aber mit dem Artikel «Ringier streicht Bootsausflug und verärgert einmal mehr die Pensionierten» höchsten Zorn beim Medienkonzern ausgelöst. Nicht etwa durch diesen Titel und die Meldung, mit der Streichung hatte CEO Walder eigentlich nichts zu tun. Aber Klein nahm das Thema zum Anlass, einige spitze Bemerkungen über Walders Privatleben zu machen. Daher wird wegen Persönlichkeitsverletzung und unlauterem Wettbewerb geklagt, die Löschung der Passagen über sein Intimleben und eine Genugtuung in der Höhe von 5000 Franken verlangt.

Gut referiert in seinem Artikel (hinter Bezahlschranke) ausführlich die Behauptungen Kleins. Das wollen wir wohlweislich unterlassen, denn auch eine Wiederholung oder ein Zitat schützt nicht davor, auch noch gleich eingeklagt zu werden, wenn der Zorn des Khans noch nicht verraucht ist. Im Original lässt sich der Artikel vom 27. Mai immer noch nachlesen. Das sei ihr in ihrer 35-jährigen Karriere noch nie passiert, lässt sich Klein zitieren: «Brennt bei denen die Hütte

Die Antwort darauf liegt wohl eher in einem anderen Kriegsschauplatz begraben. Denn Klein hatte mit Anlauf gegen das Medienarchiv SMD und Swissdox geklagt, an denen Ringier beteiligt ist – zusammen mit der TX Group und der SRG. Dabei behauptete Klein, dass dort ihre Artikel unter Verletzung ihres Copyrights gespeichert seien. Und da sie tatsächlich eine 35-jährige Karriere hinter sich hat, läpperte sich das gewaltig, sie wollte mal kurz so eine Million erstreiten.

Entsprechend teuer wurde der Prozess vor dem Handels- und dann auch noch vor dem Bundesgericht. Allerdings endete das zweimal mit einer empfindlichen Niederlage für Klein, die keine Million kassieren konnte und stattdessen auf happigen Anwalts- und Gerichtskosten sitzen blieb. Das mag ihren Furor gegen das Haus Ringier erklären. In einem Artikel, der eigentlich mit dem Privatleben von Walder nicht das geringste zu tun hat, ein paar saftige Anekdoten aus seiner Ehe zu erzählen, das war wohl auch nicht sehr geschickt.

Man sieht sich vor dem Friedensrichter, und dann wird wohl auch dieser Prozess seinen Gang durch die Instanzen antreten. Allerdings sieht es auch hier nicht wirklich gut aus für Klein.

 

Ringiers Liebling Berset

Das nennt man einen Spagat.

Im Nachgang zur ausser Kontrolle geratenen Liebesaffäre von Bundesrat Alain Berset haben die beiden Geschäftsprüfungskommissionen des Parlaments das Ergebnis der Untersuchungen veröffentlicht:

Gelegenheit für den «Blick», hörbar aufzuatmen und Walders Liebling mal wieder wie einen Blues Brother zu zeigen:

Kein Wunder, stehen die Damen auf den feschen Herrn.

Nun gibt es da allerdings so ein klitzekleines, heikles Problem in der ganzen Affäre. Der «Blick» ist nun allerdings nicht so blöd wie der Tagi und liesse das unter den Tisch fallen. Keineswegs, wenn man weit, weit hinunterscrollt, kommt man doch zu diesem feschen Bild des BB, also des BR:

Hier merkt man allerdings der Titelgebung deutlich an, dass sich der Redaktor bewusst war, welche engen Bande zwischen Ringier-CEO Walder und dem Bundesrat existieren, der sich ja auch schon mal als Dressman und Interviewer in einem Ringier-Organ blamierte. Denn von «soll» kann keine Rede sein; die Mails wurden eingestandenermassen gelöscht. Sie hätten nämlich den Vorwurf belegen können, dass Berset Kräfte seines Departements dafür einsetzte, sein privates Schlamassel aufzuräumen.

Aber was kann er auch dafür, dass er mit oder ohne Hut so attraktiv ist …

Unfair!

«Blick» vergreift sich an Bundesrat Berset.

Eigentlich ist er der Liebling der Ringier-Presse. Spätestens seit er sich als Dressman und Mitarbeiter von «Interview by Ringier» lächerlich machen durfte. Aber nun das:

Das ist ein starkes Stück. Es ist zwar schon zu spät, aber dermassen rüpelhaft darauf hinweisen, dass BR Berset obenrum ohne Haupthaar ist, also wirklich.

Ob sich «Blick» auch traut, dem Mitbesitzer und CEO Marc Walder den gleichen Ratschlag zu geben?

Wenn schon, denn schon, findet ZACKBUM.

So unsensibel sich der «Blick» gegenüber Haarproblemen zeigt, so feinfühlig wird er, wenn es um ein anderes Körperteil geht, das verlorenging. Denn oh Schreck, eine 16-Jährige findet einen abgetrennten Daumen. Abgebrüht, wie die heutige Jugend halt ist, machte sie gleich ein Foto, das der «Blick» als «zVg» – zur Verfügung gestellt – auch publizierte. Allerdings könnte es ja sein, dass Leser mit schwachem Magen so einen abgetrennten Daumen nicht vertragen. Was tun? Dem Ingeniör ist nichts zu schwör. Also verpixelt das Boulevardblatt den angeblichen Daumen, bis das Foto so ziemlich alles zeigen könnte. Einen Blumenstrauss, einen Nacktarsch-Pavian, ein rauchendes Campingfeuer – oder einen abgetrennten Daumen:

 

 

Steile Lernkurve nach unten

CH Media haut Blick-TV – völlig uneigennützig. Blick-TV keilt zurück. Völlig unnütz.

Die grossen Medienclans der Schweiz setzen auf unterschiedliche Strategien. Ringier auf internationalen Gemischtwarenladen mit hohem Digitalanteil. TX Group auf nationalen Gemischtwarenladen mit streng getrennten Profitcentern, die alle den gleichen Profitansprüchen genügen müssen. Sonst wird gespart, bis es kracht.

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CH Media setzt mehr auf die elektronische Karte. Keine grossen Handelsplattformen, dafür das grösste Kopfzeitungsmodell der Schweiz plus Radio und TV. Lassen wir die NZZ mal aussen vor.

Von dort kommt Francesco Benini, der wohl gerne Chefredaktor der NZZaS geworden wäre. Allerdings stand ihm Jonas Projer in der Sonne, der wiederum von «Blick TV» eingewechselt wurde. Also mindestens zwei Gründe für Benini, auf CH Media genau diesem TV-Experiment Ringiers kräftig eins über die Rübe zu geben.

«Die Erwartungen waren hoch – aber das Interesse klein: Blick-TV als Fernsehsender ist gescheitert», titelte CH Media am Freitag. Von 17 Nachrichtensendungen am Tag sei das Angebot auf drei geschrumpft. Zusammenfassung: «Blick-TV wollte ein lineares Fernsehen sein und produziert nun vor allem Abrufvideos.»

Auch der Markt habe nicht wie erwartet reagiert, schreibt Benini: «Mitarbeiter berichten, dass die Nutzerwerte für die Angestellten anfänglich sichtbar gewesen seien. Als sich herausgestellt habe, dass das Publikumsinteresse gering sei, hätten die Vorgesetzten die Statistik verschwinden lassen.»

Also alles in allem dürfte sich die «Herzensangelegenheit» des Ringier-CEO Marc Walder bald versenden, vermutet Benini: «Auch das Erreichen der kommerziellen Ziele rückte in weite Ferne. Für Blick-TV investierte Ringier einen Millionenbetrag – die genaue Summe nennt das Unternehmen nicht. Schon nach weniger als einem Jahr war klar, dass das Projekt redimensioniert werden muss. Marc Walder hatte Blick-TV am Anfang drei Jahre Zeit gegeben, um die Gewinnschwelle zu erreichen. Die Vorgabe stellte sich schnell als unerreichbar heraus.»

Eine vernichtende Kritik kann noch verstärkt werden

Vernichtend, lässt sich das noch steigern? Aber ja. Dann, wenn die ansonsten unsichtbare Oberchefin der «Blick»-Gruppe das Wort ergreift. Richtig, die Rede ist von Ladina Heimgartner, Mitglied «Executive Board», «Head of Global Media» und «CEO der Blick-Gruppe».

Die Dame mit der ausklappbaren Visitenkarte fiel das letzte Mal unangenehm auf, als sie sich im verloren gegangenen Abstimmungskampf um die Medienmilliarde mit einer Meinungskolumne zu Wort meldete. Böse Zungen behaupten, dass sie damit einen kleinen, aber feinen Beitrag zur Ablehnung an der Urne leistete.

Sie ernannte damals das Geschenk an notleidende Medienclans kurzerhand zur «überlebenswichtigen Übergangslösung». Das veranlasst natürlich die Frage, ob nun Ringier und gar auch Heimgartner nicht länger überlebensfähig sind. Es gibt immerhin zwei Gründe, an der Zukunft von Ringier zu zweifeln. Eben das Fehlen dieser überlebenswichtigen Hilfe. Und das Wirken von Heimgartner.

Die wirft sich nämlich für «Blick-TV» in die Bresche, wobei sie als ehemalige TV-Frau auch eigentlich die nötigen Voraussetzungen mitbringen sollte. Mangels anderer Angebote ergreift sie dafür gerne die Gelegenheit, auf persoenlich.com zurückzuschlagen. Und wie: «Der Artikel ist in weiten Teilen tendenziös und in einigen Punkten sogar schlichtweg falsch». Zack und bum.

Falsch ist falsch. Oder so

Nun macht Heimgartner allerdings etwas, was wohl selbst beim Rätoromanischen TV nicht gern gesehen würde: sie dementiert Behauptungen, die gar nicht im Artikel aufgestellt wurden : «Unsere Zahlen sind so hoch wie nie, das gilt für die Views bei Breaking-News im Live und erst recht bei Videos on Demand (VoD).» Benini hat nicht das Gegenteil behauptet. Nur, dass die Messung der Zuschauerzahlen verschwunden sei. Und neue, konkrete Zahlen nennt Heimgartner nicht. Schliesslich habe man die Rechte an der Übertragung von Eishockey-Matches erworben, führt Heimgartner weiter ins Feld; «würden wir dies tun, wären die Zahlen schlecht? Sicher nicht».

Wir können dem Fettnäpfchen nicht ausweichen, dass es sich hier wohl um angewandte weibliche Logik handle. Denn der Erwerb von Ausstrahlungsrechten kann sowohl ein Zeichen für Wohlergehen wie auch für die Suche nach mehr Reichweite sein.

Dann lehnt sie sich bar jeder Logik weit aus dem Fenster: «Blick TV wollte nie ein linearer Fernsehsender sein, sondern war von Beginn an als Digitalangebot mit Fokus auf mobile Nutzung gedacht und wurde auch so beworben.»

Vielleicht sollte zur steilen Lernkurve von Heimgartner gehören, nicht linear dem Oberchefredaktor Christian Dorer zu widersprechen. Der sagte nämlich zur Lancierung von «Blick-TV»: «Blick TV wird zum CNN für die Schweiz: Es ist der erste Breaking-News-Sender des Landes, die Zuschauerinnen und Zuschauer erhalten News, Einordnung, Analysen und Unterhaltung – also alle bisherigen BLICK-Themen in TV-Form.»

Linear oder digital oder so

Nun ist CNN doch eher ein linearer TV-Sender, und genau den wollte «Blick-TV» nachahmen, indem verkündet wurde, dass es von 6 bis 23 Uhr zu jeder vollen Stunde «eine neue Sendung mit den aktuellsten Top-News» gebe.

Nach dieser verlorenen Schlacht weiss auch Heimgartner, dass Angriff die beste Verteidigung ist und keilt noch zurück. Man habe schliesslich dazugelernt: «Wer diese Lernkurve als Zeichen für «Scheitern» werte, habe die Grundregeln der digitalen Transformation nicht verstanden, so Heimgartner weiter. «Eine steile Lernkurve ist für uns ein Zeichen von Stärke. Wir sind stolz darauf.»»

17 Stunden Live-Programm wurde versprochen. Das riecht nach linear, sieht wie linear aus und ist linear. Oder war’s. Ist das vielleicht peinlich, wenn sich eine TV-Frau an den Begrifflichkeiten vergreift. Statt einfach zuzugeben: falsch gestartet, rumgerudert, neue Versuche. Lernkurve eben, allerdings bei horrenden Kosten. Besonders resilient, um ihren Lieblingsausdruck zu verwenden, scheint das nicht zu sein. Sie selbst ist’s allerdings sehr.

Wumms: Alain Berset

«Blick« knallhart: das grosse Berset-Interview.

Bösartige Zungen behaupten, es gäbe spezielle Beziehungen zwischen dem Ringier-Verlag und unser aller Knutschkugel, Bundesrat Alain Berset. CEO Marc Walder soll regierungsfreundliche Berichterstattung befohlen haben, Männerfreundschaft. Dagegen musste sich schon Michael Ringier wehren, die sieben Zwerge in der Chefredaktion der «Blick»-Gruppe griffen gemeinsam zum Griffel und betonten ihre Unabhängigkeit.

Nun liefert «Blick» einen weiteren Beweis, dass das alles Fake News sind. Denn:

Grosses Interview; so gross, dass es in mehrere Video-Schnipsel aufgeteilt wurde.

Da wurde der Gesundheitsminister echt gegrillt. Schonungslose Fragen: «Was war der grösste Fehler?» Aber auch einfühlsam und sensibel: «Wie schwierig war das für Sie?» Seiner Frau seinen Seitensprung zu gestehen? Aber nein, wir sind hier zwar schon im unerschrockenen, meinungsstarken, kritischen, schonungslosen Brutal-Interview, wie es sich für unabhängigen Journalismus gehört.

Aber man merkt der Interviewerin deutlich an – nicht nur, weil sie ständig auf ihre Spickzettel schauen muss -, dass Arbeitsplatzsicherung höchste Priorität hat.

Kritisches Nachfassen, Festnageln, Widersprüche verfolgen? Ach was. Sonst ruft noch Berset bei Marc an und beschwert sich. Droht damit, dass er für die nächste Ausgabe von «Interview» nicht mehr als Dressman und Mitarbeiter zur Verfügung stünde. Und das wollen wir doch alle nicht.

Merken Sie schon was?

Demokratie, Meinungsfreiheit, Medienkontrolle. Schon gefährdet?

Soweit man die etwas merkwürdige Kampagne der Befürworter der Medienmilliarde verstehen konnte, wäre im Fall einer Ablehnung zumindest die Meinungsfreiheit, sicherlich die regionale Berichterstattung, auf jeden Fall die pünktlich am Morgen eingelieferte Papierzeitung in Gefahr.

Eigentlich auch der Meinungspluralismus, qualitativ hochstehender und unabhängiger Journalismus, wohl gleich die gesamte Demokratie. Da eigentlich nur die «Republik» sich aufs Banner geschrieben hat, die Demokratie zu retten, ist das Online-Organ mit 50 Nasen speziell gefordert.

Nun schlägt wohl Wilhelm Tell nicht mehr mit einer gerollten Tageszeitung auf eine stilisierte Mauer ein, auf der «Fake News» steht. Könnte das zur Folge haben, dass wir von solchen Fake News überrollt, beziehungsweise eingemauert werden?

Dann war es ja auch so, dass zumindest die Geschäftsleitung von Tamedia und CH Media, auch die Boss-Etage, gross Klage geführt hat, was alles passieren wird, sollte das Medienpaket abgelehnt werden.

Besonders beeindruckend war für ZACKBUM der traurige Gesichtsausdruck von Peter Wanner, als der gestand, dass ohne die Zusatzkohle sein ganzer Konzern dann mal rote Zahlen schreiben werde. So in ein paar Jahren allerdings erst.

Die sieben Zwerge der «Blick»-Chefredaktion äusserten sich gemeinsam

Ringier hingegen sandte gemischte Signale aus. Der CEO Marc Walder betätigte sich als Helfershelfer des Referendumskomitees. Sein Verleger und immer noch Besitzer Michael Ringier  betätigte sich als Walder-Verteidiger. Die «Blick»-CEO und Global Head of irgendwas führte vor, dass es mit der Trennung zwischen Verlag und Redaktion nicht weit her ist. Vielleicht wollte sie auch mal gerne ihr Konterfei im «Blick» sehen, anders ist Ladina Heimgartners viel zu späte und viel zu lachhafte Intervention nicht zu erklären.

Die sieben Zwerge aus der Chefredaktion der «Blick»-Gruppe behaupteten in einer gemeinsamen Mitteilung, dass sie niemals nicht sich ihre Ausrichtung, Artikel oder Meinungen von oben befehlen liessen. Während Walder das Gegenteil bewies und Heimgartner ebenfalls die Mauer zwischen Verlag und Publikationsorgan einriss, als hätte sie das von Willi Tell gelernt.

Leider gelang es dem Verlegerverband nur unzureichend, genügend Kleinverlage mit Dackelblick aufzubieten, die von ihrer regionalen Wichtigkeit schwärmten und den Gefahren warnten, sollten sie nicht ein paar Krümel von der Milliarde abkriegen.

Es ist vielleicht noch etwas früh, aber ZACKBUM meint: es kann Entwarnung gegeben werden. Die Medienlandschaft der Schweiz ist auch nach der Abstimmung haargenau die gleiche wie zuvor. Das ist allerdings nicht unbedingt eine gute Nachricht