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Lustig ins neue Jahr

Immerhin: es darf weiterhin gelacht werden.

Diesmal danken wir Matthias Chapman dafür. Unfehlbar, wie ZACKBUM halt ist, haben wir den stellvertretenden Chefredaktor mit dem verkniffenen Gesichtsausdruck wohlweislich von möglichen Sparrunden ausgeschlossen.

Einige unserer Vorschläge wurden bereits befolgt (Kerstin Hasse), bei anderen (Raphaela Birrer, Bruno Ziauddin) steht der Vollzug noch aus. Und ob der Wiederauftritt von Anuschka Roshani, die auf den Chefsessel klettern wollte und darob gefeuert wurde, eine Qualitätsverbesserung darstellt?

Aber zurück zum «Leitartikel zum Jahreswechsel». Den traut sich Oberchefredaktorin Birrer offenbar nicht zu (auch diese Bemerkung wird nicht dazu dienen, dass das Schreibverbot gegen René Zeyer aufgehoben wird).

Also muss Grüssaugust Chapman ans Gerät.

Aber schon der Titel löst eine erste Lachsalve aus. Es «bricht eine neue Zeit an». Ach was. Statt dass sich die alte Zeit wiederholt? Ist morgen nicht immer neuer als gestern? Gibt es statt Anbruch auch Abbruch? Wie wäre es mit «Für unser Land bricht die alte Zeit ab?» Oder, à la Karl Kraus (ChatGPT hilft): bricht eine dicke, dünne, krumme, altehrwürdige, grosse oder kleine Zeit an?

Oder ganz banal: bricht überhaupt nichts an, sondern ist’s einfach 1. Januar geworden, was nach dem 31. Dezember unausweichlich und keinesfalls neu ist?

Nun wäre der Jahreswechsel die Gelegenheit für gute Vorsätze, vernünftige Versprechen, den Willen zur Besserung. Zum Beispiel, indem sich die Schreibtäter des absaufenden Tamedia-Schiffs bewusst werden, dass sie die Reise in die Bedeutungslosigkeit nicht mit markigen verbalen Auftritten begleiten sollten.

«Go down with a smile», das ist die Haltung von Joker in den Batmanfilmen.

Rechthaberei, unverlangte Ratschläge, unqualifizierte Kritiken, das ist die Haltung von Chapman.

In einem Leitartikel zum Jahreswechsel könnte man von einem wohlbezahlten Mitglied der Chefetage doch ein paar Gedanken dazu erwarten, wie es gelingen könnte, den Tagi zu retten. Zum Beispiel, indem man Pietro Supino …, aber diesen Gedanken wagt Chapman nicht mal unter der Bettdecke zu Ende zu führen.

Stattdessen: «Die wirtschaftspolitische Demütigung und die geopolitische Verschiebung haben Folgen für die Schweiz … zwingt auch die Schweiz, sich militärisch für den Ernstfall zu rüsten ... »

Aber damit hat er sich erst warmgelaufen, wir kommen zum ersten wahren Silvesterknaller:

«Jetzt an Silvester kann man es auch so sagen: Nach der (je nach Sichtweise bitteren oder lehrreichen) Erkenntnis im 2025 muss die Schweiz die Weichen für die Zukunft stellen.»

Es ist hingegen eher selten, dass die Weichen für die Vergangenheit gestellt werden, besonders nicht an Silvester.

Nun aber munter zu Befehlen und Anweisungen: «Klar ist: Das Land muss … Das heisst einerseits mehr Mittel für die Armee und andererseits …»

Aber es gibt Probleme, bei denen sogar Chapman eingestehen muss: «Kompliziert gestaltet sich die wirtschaftspolitische Neupositionierung

Da verliert sich selbst ein Grossdenker wie er in einem Dickicht von Fragen ohne Antworten.

Doch dann der Durchbruch ins Licht der Erkenntnis: «Ganz zu schweigen von Europa: Mit der EU steht unser Verhältnis erneut auf dem Prüfstand.»

Nun spricht er ein grosses Wort gelassen aus: «Die Wahrheit ist …» Endlich, was ist die Wahrheit? «Der Handel mit den drei Grossen EU, USA und China ist so wichtig, dass die Schweiz ihre Handelsstrategie mit Diversifizieren bestenfalls gut abrunden kann.»

Öhm, dunkel ist die Wahrheit und geheimnisvoll bis unverständlich, um es abgerundet auszudrücken.

Nun, der Platz neigt sich selbst für einen Leitartikel zum Jahreswechsel dem Ende zu, also hurtig noch ein letzter Ratschlag: «In dieser Gemengelage braucht es Weitsicht, Kompromissbereitschaft und natürlich gut eidgenössischen Pragmatismus.»

Endlich spricht einer aus, was sonst niemand zu denken wagt.

Aber leider muss sich Chapman dann noch selbst diesen besinnlichen Schlussakkord kaputt machen:

«Die Bewältigung der Pandemie war – mit all ihren Fehlern – so ein Fall. Es gibt also guten Grund, das neue Jahr optimistisch in Angriff zu nehmen.»

Ob hier Corona-Kreische Marc Brupbacher die Feder geführt hat? Und apropos Bewältigung: gab es so was bezüglich all der Fehler, bezüglich allem hysterischen Gejapse, der Denunziation von Massnahmenkritikern als Schwurbler, Verschwörungstheoretiker und potenzielle Massenmörder, die zwangsgeimpft werden müssten (Forderung eines durchgeknallten Tagi-Politchefs), so etwas wie Selbstkritik, Aufarbeitung bei Tamedia?

Kein Sterbenswörtchen gab’s. Denn neben den gut eidgenössischen Qualitäten, die Chapman aufzählt, gibt es noch andere, weniger schöne: verkniffenes Schweigen, Wegducken, Aussitzen, Verwedeln und Ignorieren. Alles auf Kosten der Glaubwürdigkeit.

Also nichts Neues beim Tagi für 2026.

Da hat ZACKBUM auch eine Prognose: das wird nicht gut enden.

 

Unvergessen, unverzeihlich

Einer zeigt Grösse, die anderen bleiben so, wie sie waren und sind.

Der bekannte englische TV-Moderator Piers Morgan hat sich bei Novak Djokovic entschuldigt. Während der damaligen Covid-Hysterie hatte er den Weltklasse-Tennisspieler beschimpft, weil der sich weigerte, sich gegen Covid-19 impfen zu lassen.

Trotz gegenteiliger Zusicherung durfte Djokovic 2022 nicht an den Australien Open teilnehmen und verbrachte sogar ein paar Tage in Auslieferungsarrest. Die Erkenntnis, dass diese Impfung keinesfalls vor Ansteckung schützt, brachte Morgan spät, aber nicht zu spät dazu, sich für seine damalige harsche Verurteilung zu entschuldigen.

Djokovic nahm das gelassen entgegen, meinte aber, dass ihn die damaligen Ereignisse weiterhin belasten.

«Der Weltranglistenerste ist zum Symbol der Egozentrik, der Uneinsichtigkeit, der Ungleichheit und zu einem weltweiten Anführer der Impfgegner geworden», 

keifte damals der ehemalige Tamedia-Qualitätsjournalist René Stauffer. Als ein australischer Richter Djokovic freiliess, sei das «wie ein Schlag ins Gesicht» gewesen.

Schlimmer noch: das Urteil sei «brandgefährlich für Melbourne und Australien. In der Stadt drohen nun Tumulte … Sollte er tatsächlich als Spieler in die Rod Laver Arena schreiten, ist ein Aufruhr garantiert», fantasierte er völlig von der Rolle.

Das blieb der Welt dann erspart. Aber nicht weitere Schludrigkeiten und Rempeleien Schweizer Medien. Der Mann renne in ein «Fiasko», behauptete die SoZ, samt eines Fotos, das übel denunziatorischer nicht sein könnte.

Er spielt «Russisches Roulett» (CH Media). Die damalige «Chefredaktorin Sport» des «Blick» wusste: «Die Pointe in der Aussie-Open-Geschichte ist, dass Djokovic am Flughafen festsass und offenbar das Land wieder verlassen muss.» So Steffi Buchli, die als Chefredaktorin später scheiterte, aber angeblich von Sport etwas verstand.

«Und täglich grüsst der Drama-King», verballhornte die «Blick»-Fachkraft den Titel eines schönen Films, der das nicht verdient hätte.

Ein Vollpfosten aus dem Hause Tamedia sah schon den «tiefen Fall eines grandiosen Tennisspielers» voraus, eines «Schwurblers» auch, der eine «grosse Narrenfreiheit» geniesse. Und die Serben? «Wer in diesen Tagen die serbische Krawallpresse liest, der wähnt sich kurz vor einem Weltkrieg.»

Typisch für diese -itsch. Unzivilisiert, unrasiert, aggressiv, grössenwahnsinnig, gefährlich halt.

Da gäbe es von Stauffer abwärts genügend Gründe, sich nicht nur zu schämen, sondern auch zu entschuldigen. Das gilt natürlich auch für die Corona-Kreische Marc Brupbacher, der inzwischen zur Klima-Kreische mutiert ist.

Aber all diese Journis kämen nicht im Traum auf diese Idee. Sie waren und sind Symbole «der Egozentrik, der Uneinsichtigkeit».

Auch Simon Graf diagnostizierte: «Djokovic geht im Herbst seiner Karriere immer mehr auf in seiner Rolle als Aussenseiter.» Ein langer Herbst fürwahr.

Hatz auf einen Serben mit rassistischen Ober- und Untertönen. Unqualifiziertes Gekeife, nachplappern, was damals Mainstream war, wo jeder Impfgegner befürchten musste, als potenzieller Massenmörder beschimpft zu werden, wo der damalige Bundeshaus-Chef Denis von Burg von Tamedia sich nicht entblödete, vom Bundesrat Durchgreifen und Zwangsimpfen zu fordern.

Inzwischen hoffen all diese damals Ausgerasteten, dass sich niemand mehr an ihre damaligen Peinlichkeiten erinnert. Diesen Gefallen kann ihnen ZACKBUM nicht tun.

Auf die Idee, dass vielleicht auch hier Entschuldigungen fällig wären, kommt natürlich keiner von ihnen. Morgan hat immerhin diese Grösse. Sie bleiben, was sie immer waren: klein und hässlich. Disqualifiziert, unglaubwürdig, ohne Rückgrat oder Anstand.

 

 

Serientäter

ZACKBUM möchte vom Tagi lassen. Aber der lässt es nicht zu.

Das Forschungszentrum Öffentlichkeit und Gesellschaft (FÖG) nennt es «News-Deprivation». Und die nehme immer mehr zu. Bereits 46 Prozent der lesefähigen Bevölkerung der Schweiz informiere sich nicht mehr über die klassischen Newsquellen.

Eigentlich heisst das News Avoidance, aber das FÖG ist nach dem Tod von Kurt Imhof auch nur noch eine Schatten seiner selbst. Denn Deprivation ist natürlich gaga: das bezeichnet den Zustand der Entbehrung, des Entzuges, des Verlustes oder der Isolation von etwas Vertrautem sowie das Gefühl einer Benachteiligung.

Auf jeden Fall bemüht sich Tamedia nach Kräften, diese Zahl zu steigern. Mit einer unbekömmlichen Mischung aus Alarmismus, Rechthaberei, erhobenem Zeigefinger, Selbstbetrachtung und Abkehr von klassischem News-Journalismus.

Michael Marti fragt sich im Tagi völlig zu recht: «Wer sich also vor den News-Deprivierten gruselt, sollte sich zuerst fragen und dann verstehen, wovor viele dieser News-Deprivierten sich gruseln.» Allerdings vermeidet er tunlichst die naheliegenden Antwort: vor dem Tamedia-Journalismus.

Die Sopranistin Netrebko singt im Opernhaus? Ja schon, aber weil ein verlorenes Dutzend ein paar ukrainische Flaggen schwenkt, kam es dabei angeblich zu Misstönen. Ganz abgesehen davon, dass sich die Primadonna assoluta angeblich nicht deutlich genug von Putin und dem Ukrainekrieg «distanziert» habe. Unglaubliches Kulturbanausentum.

Dann der Alarmismus:

Marc Brupbacher, ehemals bekannt als Corona-Kreische und Beschimpfer von Bundesräten, hat umgesattelt. Klima ist schliesslich nachhaltiger als so ein flüchtiges Virus.

Der ehemalige Bundesrat Ueli Maurer gehört zu den Lieblings-Watschenmännern des Tagi. Kaum hat eine reingekriegt, weil er den Leonhard-Kreis präsidiert, der für Meinungspluralismus eintritt (was ist das, fragt sich fassungslos der Tagi-Redaktor, es gibt doch nur eine Meinung, nämlich die richtige, also meine), bekommt er schon wieder einen Kübel Häme übers Haupt geschüttet:

Für Tagi-Redaktorin Nicoletta Gueorguiev, eine Allzweckwaffe («Disney einigt sich im Rechtsstreit mit US-Schauspielerin Gina Carano», oder «Walliser sollen ihre Weihnachts­beleuchtung um 1 Uhr nachts abschalten»),wird eine freie Debatte gleich mit «umstritten» gelabelt. Obwohl Streit doch der einzig sichere Weg zu neuer Erkenntnis ist.

Sie beschwert sich: «Weder auf der Website noch im Programm ist indessen ersichtlich, welche Beiträge wissenschaftlich fundiert sind und welche nicht.» Bevor sie solche unfundierte Beschwerde erhebt, sollte sie sich vielleicht mal informieren, was man unter «wissenschaftlich fundiert» versteht. Nämlich Beobachtung, Experimente, Datenerhebung, Hypothesenbildung, Überprüfung und Veröffentlichung in Fachkreisen.

Dazu ein Beispiel: wenn der Tagi behauptet, er  betreibe «Qualitätsjournalismus», möchte ZACKBUM mal gerne eine wissenschaftlich fundierte Beweisführung dafür sehen. Sonst muss man das zumindest als «umstritten» bezeichnen …

Dann kommen wir zur Abteilung «wenn Wünsche wahr werden sollen»:

Meint Claudia Franziska Brühwiler. Angeblich «die meistgesuchte Forschende der HSG». Allerdings mit eher spärlichen Veröffentlichungen, während sie auch für den Tagi zu zu «den profiliertesten USA-Kennerinnen der Schweiz» gehöre. Was sie von Fehlprognosen aber noch nie abgehalten hat.

Dann hätten wir noch die Pflege von Randgruppenproblemen:

Wie viele lesbische Paare es in der Schweiz gibt und wie viele von ihnen vor diesem Problem stehen, ist schwer eruierbar. Im Jahr 2022 haben rund 350 lesbische Paare geheiratet. Wie viele das mit einem Kinderwunsch verbinden? Alle? Die «Ehe für alle» trat am 1. Juli 2022 in Kraft. Nehmen wir an, dass es seither 1000 Heiraten gab. Selbst wenn alle diese Paare einen Kinderwunsch verspürten und per Adoption befriedigen wollen, so wären das rund 0,01 Prozent der Wohnbevölkerung …

Schliesslich noch ein Beitrag zu «die Welt ist schlecht und wird immer schlechter»:

Woher kommt diese Zahl, wie wird sie eruiert, wie verlässlich ist sie? Alles journalistische Fragen, auf die das Qualitätsorgan Tagi nur rudimentäre Auskünfte erteilt. Bzw. einfach abschreibt, was die NGO «Save the Children» behauptet. Diese Organisation ist auf vielen Gebieten in schwerer Kritik, interner Kultur, Führungsstruktur, Kommunikation und politischer Stellungnahme. Plus wie meist bei solchen NGO die Saläre der Führungsschicht. Aber das soll doch eine knackige Schlagzeile nicht kaputtmachen.

Das ist von einem beliebigen Tag das gesammelte Bemühen von Tamedia, den Leser davon zu überzeugen, dass es rausgeschmissenes Geld ist, dafür auch noch etwas zu bezahlen. Ausser natürlich für Masochisten, Anhänger einer strengen Belehrung oder für Menschen, die gerne testen wollen, ab wann sie depressiv werden.

 

Das tägliche Morgengrauen

Was der Tagi dem Leser auf seiner Webseite zumutet.

Im Rahmen des Qualitätsjournalismus, wie ihn Simon Bärtschi unablässig predigt (apropos, wo ist der Mann eigentlich; mit Raphaela Birrer und Jessica Peppel-Schulz ihrem Avatar in Klausur?), macht der Tagi mit einem Interview auf:

Die letzten Befürworter einer engeren Anbindung an die EU machen inzwischen auf Pfeifen im Wald. Allerdings gnädig versteckt hinter der – momentan funktionierenden – Bezahlschranke.

Da muss der Tagi selbst gleich mitpfeifen:

Fürchtet Euch nicht, lieber Kinder und Tagileser, der schwarze Mann geht nicht mehr um, jetzt ist es ein blondgefärbter. Die Formulierung ist grossartig: «Donald Trump wirft seinen Schatten auf die bevorstehende Klimakonferenz.» Aber das ist doch genial, endlich ein Beitrag von ihm gegen die Klimaerwärmung.

Dann nimmt sich der Tagi eines lebensbedrohenden Problems an. Denn wer wusste das schon:

Wuff, sagt da der Chihuahua und guckt böse.

Aber jetzt kommt die Hammermeldung des Tages. Der Aufreger. ZACKBUM sagt nur «Trump«. Eben. Was macht der Bengel denn nun schon wieder? Er ist doch noch gar nicht im Amt, aber trotzdem stellt er schon Sachen an. Er telefoniert nämlich. Hallöchen, Trump kann telefonieren, Wahnsinn, und ohne, dass ihm dabei die Frisur verrutscht. Aber das ist noch nicht alles:

Er telefoniert nicht nur, sondern auch noch mit Präsident Putin. Das tut man doch nicht. Aber tut das Trump? Nun, das Telefonfräulein von der Vermittlung muss geplaudert haben. Denn diese Weltsensation schreibt das Weltblatt Tagi der «Washington Post» ab.

Genauer gesagt, das Tagi lässt abschreiben, denn er übernimmt einfach eine Meldung der DPA. Man kann ja auch nicht alles bei der «Süddeutschen Zeitung» kopieren, nicht wahr.

Nun noch eine Herzschmerz-Meldung:

Meine Güte. Rita weint. Öffentlich. Um Liam Payne. Schluchz. Das ist ein Lebenszeichen von Tagi «Kultur». Allerdings bleibt die scheintot, denn es ist auch von der DPA übernommen.

Nun ist die Schreckensbotschaft, dass Trump telefoniert, natürlich nicht die einzige aus dem bösen Wirken des Gottseibeiuns, den eine Mehrheit von völlig verpeilten Amis doch fahrlässig nochmal zum Präsidenten gewählt hat, obwohl die besten Kräfte von Tamedia streng davon abgeraten hatten. Und jetzt hat er auch noch den letzten der sieben Swing States für sich entschieden. Also peinlicher untergehen als die Demokraten mit ihrer Notlösung Harris kann man wirklich nicht.

Aber gut, dass der Tagi wachsam bleibt und eine neue Rubrik, gleich nach den Räbeliechtli, eingeführt hat:

«Der Kampf»? Was ist nur in den Tagi gefahren, dass er sich nicht entblödet, eine Assoziation zu «Mein Kampf» herzustellen?

Wieso beschränkt sich das Blatt nicht auf seine wohlfeilen Ratgeber?

Immerhin, Marc Brupbacher bleibt am Ball, bzw. am Virus. Das nennt man mal Durchhaltevermögen. Es ist für die Volksgesundheit zu hoffen, dass er nicht dem Rausschmeissen zwecks Qualitätssteigerung zum Opfer fällt.

Allerdings könnte man sich – so im Rahmen des Qualitätsmanagements – etwas mehr Koordination zwischen den verschiedenen Rubriken vorstellen. Denn einerseits haben wir ja «Trump zurück an der Macht». Aber dann haben wir noch «International», und unter der umsichtigen Leitung von Christof Münger fällt denen halt auch nix anderes als ein Ticker ein – und halt Trump, who else?

Da fehlt nur noch die Berufs-Unke, der Demagoge Peter Burghardt aus Washington, die Abrissbirne des seriösen Journalismus. Denn wenn es eigentlich nichts zu sagen gibt, dann muss er einen Kommentar schreiben. Wobei schon der Titel einen ankräht: ja nicht weiterlesen, Zeitverschwendung:

Denn auch der ungeübte Tagileser weiss: wenn ein Kommentar beginnt mit «Noch ist völlig offen …», dann muss man sofort abbrechen.

Nun aber die Rubrik für Euch, liebe Kinder und Nachwuchsleser, sorgfältig gestaltet von den Kindersoldaten im Newsroom:

Dass die meisten der hier angepriesenen Umzüge schon Vergangenheit sind, das kann einen Qualitätsjournalisten doch nicht erschüttern.

Apropos Qualitätsjournalismus, ein lobhudelndes Porträt über diese Windmacherin und Angeberin? Wie schrieb ZACKBUM in seinem Porträt über sie so richtig:

Grossmäulige Mimose, eine Schweizer Wunderwuzzi. Wenn das die Zukunft sein soll –jung, dynamisch, laut, erfolglos –, au weia. Das sieht Qualitätsjournalist Michael Marti entschieden anders.

Nun aber noch ZACKBUMs absolute Lieblingsgeschichte, ein richtiger Heuler, geht ans Herz, hat auch eine gesellschaftspolitische Komponente, denn sicherlich ist der Klimawandel auch daran schuld:

Besonders rührend ist die Beschreibung eines Augenzeugen, wie Gus den Sandstrand für Schnee hielt und versuchte, darauf auf dem Bauch zu rutschen, wie das Pinguine halt so tun. Hier ist der kühne Abenteurer im Bild:

Beruhigend zu wissen, dass Gus von der Vogelpflegerin Carol Bidulph liebevoll betreut und aufgepäppelt wird:

«Nicht einmal in ihren kühnsten Träumen hätte sie geglaubt, jemals einen Kaiserpinguin zu betreuen, sagte Biddulph. «Es ist einfach unglaublich. Es ist ein Privileg, Teil der Reise dieses Vogels zu sein.»»

Aber hallo. Eine solche liebevolle Betreuung würde sich auch so manches palästinensische Kind wünschen. Von sudanesischen, äthiopischen und eritreischen ganz zu schweigen. Aber die können halt nicht so süss auf dem Bauch durch Sand rutschen.

Walder – Berset: Ende einer Affäre

Formaljuristische Gründe schützen das Duo.

Es war (und ist) einer der grösseren Skandale der jüngeren Schweizer Mediengeschichte. Als Beifang bei anderen Untersuchungen kam heraus, dass es während der Pandemie einen regen Mailaustausch zwischen dem Ringier-CEO Marc Walder und dem damaligen Gesundheitsminister Alain Berset gab.

Die auch sonst ein enges Verhältnis pflegten; so durfte Berset als Modepuppe durch das Ringier-Organ «Interview» tänzeln und wurde nicht nur dort gefällig und wohlwollend behandelt.

«Der Medienmanager und Journalist war vertrauter, ja inoffizieller Mitarbeiter des Bundesrats», schrieb die «Weltwoche» maliziös. Sie veröffentlichte Auszüge aus diesem Austausch, in dem Walder dem Bundesrat Ratschläge erteilte, die dieser auch umsetzte.

Andererseits liess Bersets Department via den damaligen Kommunikationschef Peter Lauener dem Ringier-Boss vertrauliche Vorabinformationen zukommen, die dieser dann an die «Blick»-Redaktion weitergab.

Walder reagierte bekanntlich hysterisch auf Corona; ein Video zeigte ihn, wie er stolz bekanntgab, dass er seine Redaktionen angewiesen habe, staatliche Massnahmen bedingungslos zu unterstützen und auf jegliche Kritik zu verzichten.

Das führte zu einer Teilentmachtung von Walder, der aber weiterhin der gesetzte Nachfolger von Michael Ringier bleibt, einem schweren Glaubwürdigkeitsproblem vom «Blick», der mit selten blödem «Statement» behauptete, völlig unabhängig in der Themenwahl und Positionierung zu sein. Und zu einer Krisensitzung des Bundesrats, in der Berset in den Ausstand treten musste.

Personell ist die Affäre ausgestanden. Lauener, der sogar vier Tage im Knast verbringen musste, hat längst als Bauernopfer gekündigt. Berset ist unterwegs zu höheren Weihen. Und Walder muss höchstens den wachsenden Einfluss von Ladina Heimgartner fürchten, ist aber ansonsten fest im Sattel. Während der damalige «Blick»-Oberchefredaktor Christian Dorer, der sich tapfer für seine Chefs in die Schlacht geworfen hatte, wegen niemals spezifizierten Vorwürfen entsorgt wurde.

Eine vollständige Veröffentlichung (und Verwendung in Strafverfahren) des Mailwechsels wäre sicherlich ein wichtiger Beitrag zur Transparenz in dieser üblen Affäre.

Das wird aber nicht geschehen. Nach zwei Jahren reiflicher Überlegung hat das Zwangsmassnahmengericht Bern mit ortstypischer Geschwindigkeit entschieden, dass die bei Hausdurchsuchungen sichergestellte Kommunikation nicht verwendet werden darf. Zum einen wegen Redaktionsgeheimnis und Quellenschutz, zum anderen, weil Lauener bei der Beschlagnahmung von Unterlagen bei ihm keinen Antrag auf Versiegelung stellen konnte.

Wieso sich ein Verlagsmanager auf journalistischen Quellenschutz berufen kann, ist schleierhaft. Aber selbst wenn diese Begründungen formaljuristisch in Ordnung gehen: damit bleibt ungeklärt, wie weit diese Partnerschaft zwischen einem Bundesrat und einem mächtigen Medienmanager ging.

Damit bleibt unaufgeklärt, wie eng das Päckli geschnürt wurde – wohlwollende Berichterstattung gegen Vorabinformation, plus Ratschläge des hypochondrischen Ringier-Bosses an einen damals offensichtlich überforderten Schönwetterbundesrat, der sich ohne jegliche Vorkenntnisse oder Erfahrungen plötzlich mit einer veritablen Krise konfrontiert sah und ihr mit der Einberufung von Task Forces und markigen Auftritten zu begegnen suchte.

Unvergessen auch die Behauptung von Berset, dass Impfen wirke und schütze. Das ist inzwischen vollständig widerlegt.

Aber dieses traurige Kapitel reiht sich ein in den anhaltenden Skandal, dass auch in der Schweiz die Medien sich weigern, ihr fragwürdiges, trauriges, einseitiges und zu hysterischen Übertreibungen neigendes Verhalten während der Pandemie aufzuarbeiten.

Beim «Blick» überboten sich Virologen mit Untergangsprophezeihungen von Zehntausenden von Toten und einem zusammenbrechenden Gesundheitssystem. Beim «Tages-Anzeiger» amtierte die Corona-Kreische Marc Brupbacher, der selbst Bundesräte übel beschimpfte, der damalige Politchef forderte gar eine Zwangsimpfung aller.

Da gäbe es jede Menge Bedarf, die eigene Rolle kritisch zu hinterfragen. Aber wenn Medien etwas nicht können (neben vielem anderen), dann ist es Selbstkritik. Immer gross im Austeilen, aber ein Glaskinn, wenn es ums Einstecken geht.

Wieso darf Tobler noch schreiben?

Für einmal Kampagnenjournalismus auf ZACKBUM.

Die Schmierereien des Konzernjournalisten Philipp Loser werden hier aus hygienischen Gründen ignoriert. Wieso Covid-Amok Marc Brupbacher noch ein Gehalt bei Tamedia bezieht, ist unverständlich. Immerhin ist Undemokrat Denis von BurgJetzt muss Berset die Gegner endlich zur Impfung zwingen») verstummt.

Aber es erhebt sich verschärft die Frage, wieso es bei Andreas Tobler nicht schon längst für ein Schreibverbot reicht. Ein Auszug aus seinem Schreibstrafregister:

– Einen Mordaufruf gegen Roger Köppel verharmlost er zu einem wegen dessen Aussagen verständlichen «Theatermord».

– Er ranzt gegen den dunkelhäutigen Naidoo, dessen «Antisemitismus und die Homophobie» sollten weggemobbt werden, denn «Hass ist keine Meinung». Unkenntnis allerdings auch nicht.

– Proteste gegen «Cancel Culture» seien Meinungen von «rechtskonservativen Populisten gesetzten Alters».

Roger Schawinski warf Tobler Plagiat und unsaubere Zitiermethoden vor, verwendete dabei selbst unautorisierte Zitate des Autors. Als der ihm anbot, die Sache vor laufendem Mikrophon zu klären, kniff Tobler feige.

– Tobler feierte die Idee, dass die Bührle-Sammlung enteignet und dem Kunsthaus geschenkt werden sollte.

– Tobler forderte, dass Konzerte von Rammstein in der Schweiz gecancelt werden sollten, obwohl angeblich auch hier die «Unschuldsvermutung» gelte. Als sich alle Vorwürfe gegen den Sänger in Luft auflösten, schwieg Tobler feige.

– Tobler wirft dem Altbundesrat Blocher demagogisch ein «Doppelspiel» im Umgang mit angeblichen Rechtsradikalen vor, ohne diesen Anwurf auch nur im Ansatz zu belegen.

– In der Affäre Bührlesammlung schreibt Tobler der WoZ ab, mangels eigenen Recherchierfähigkeiten, das tut er auch bei «watson».

Der ewige Student (seit 2015 versucht er, an der Uni Bern zu promovieren) hat neben all diesen unangenehmen Angewohnheiten noch eine wirklich unappetitliche: er ist ein feiger Angstbeisser. Wird er von ZACKBUM um eine Stellungnahme angefragt, kneift er genauso wie bei Schawinski. Dafür keift er dann in seiner Gesinnungsblase auf Twitter: «Jesses, was ist denn das? Kann bitte mal jemand nachschauen, ob es dem Mann gut geht?» Dabei kriegt er Zustimmung von einer anderen Tamedia-Nullnummer: «Dem Mann scheint es wirklich nicht gut zu gehen», echot Philippe Reichen, der Amok-Korrespondent und Denunziant aus der Welschschweiz.

Worauf Tobler zurückholpert: «Wenn er Texte schreibt, kann man wenigstens davon ausgehen, dass seine Vitalfunktionen intakt sind.» Wenn man das nur auch von ihm behaupten könnte.

Was für ein Niveau eines angeblichen Kulturjournalisten, der in einem Ressort tätig ist, das mit kulturloser Abwesenheit in allen kulturellen Angelegenheiten glänzt. Aber vielleicht ist Tobler zu sehr mit seiner «geplanten Dissertation» beschäftigt, die «einen Beitrag zur Ästhetik und Geschichte des Gegenwartstheaters leisten» soll.

Um ZACKBUM zu zitieren: Wir können es wirklich kaum erwarten, welcher Plagiatsskandal sich da entwickeln wird.

Allerdings fragen wir uns zunehmend, wieso Pietro Supino nicht dafür sorgt, dass sich Tobler seiner akademischen Graduierung vollamtlich widmen kann. Der Tamedia-Leser – mit Ausnahme der wenigen Mitglieder in Toblers Gesinnungsblase – würde es ihm auf Knien danken. Denn der Mann ist eine echte Rufschädigung für den Medienkonzern.

Daher erhebt ZACKBUM als ceterum censeo (Tobler, nachschlagen) die Forderung: Schreibstopp für Tobler!

Saubere Kampagne

Die NZZ ist auf dem Kriegspfad. Gegen die SVP. Mit Wiedererkennungswert 100.

Lange Zeit sah es nach einer mehr oder minder friedlichen Koexistenz aus. Natürlich wurmte es die FDP und ihr Hoforgan NZZ gewaltig, dass die SVP vom Schmuddelkind zur stärksten Partei der Schweiz aufstieg, während die Freisinnigen von Niederlage zu Niederlage wanken.

Aber angesichts Blochers «letztem Auftrag» kommt die alte Tante in Wallungen. Mit voller Kriegsbemalung wirft sich Christina Neuhaus in die Schlacht. Gerade erst topfte sie den SVP-Übervater Christoph Blocher ein, erteilte aber auch Ihren FDP-Bundesräten klare Handlungsanweisungen.

Nun folgt der zweite Streich: «In Deutschland gilt die SVP als Vorbild für die AfD», fängt sie maliziös ihr Interview an. Als Gesprächspartner hat sie sich Damir Skenderovic ausgeguckt, «ein Experte für Rechtsparteien». Das ist leicht untertrieben. Skenderovic ist sozusagen der Marko Kovic für Vergleiche von Rechtspopulisten und anderem Geschmeiß.

Wird das abgerufen, ist er jederzeit zur Stelle. Im Juli 2023 diktierte er dem Rechtsextremismus-Spezialisten Marc Brupbachermit Berset bin ich fertig») ins Mikrophon, dass natürlich die AfD und die SVP zur gleichen Parteienfamilie gehörten. Wichtig dabei: «Es geht darum, sich von Rechtspopulisten klar abzugrenzen. Es geht um die Frage der Zusammenarbeit. Wenn man mit ihnen kooperiert und Allianzen und Koalitionen eingeht, legitimiert man ihre Anliegen.»

Nun darf er seine dünnen Aussagen in der NZZ rezyklieren. Da scheint der Zweck die Mittel zu heiligen, denn anders ist es nicht zu erklären, dass nochmal die gleichen Antworten abgefragt werden wie weiland im Tagi. Lassen sich SVP, AfD und die österreichische FPÖ überhaupt vergleichen? «Bis zu einem gewissen Grad, ja. Bei allen drei Parteien handelt es sich um rechtspopulistische Parteien. In der Geschichtsforschung spricht man von den klassischen Parteifamilien». Eins zu eins rezyklierter Stehsatz des Spezialisten, mit einem Ausflug in die unbekannten Seiten der Geschichtsforschung.

Und was ist nun mit der SVP? Die hat sich «von einer bäuerlich-konservativen Partei zu einer rechtspopulistischen Partei entwickelt». Und was ist denn dann eigentlich Rechtspopulismus, liefert Neuhaus das nächste Stichwort: «Definitionskriterien für Rechtspopulismus sind primär die Anti-Eliten-Haltung, eine nationalistische und fremdenfeindliche Politik und die Ausgrenzung von Minderheiten», rattert Skenderovic herunter.

Auch dass sich die SVP an demokratische Spielregeln halte, salviert sie nicht vom Etikett «rechtspopulistisch»: «Der Ruf nach einem Volksentscheid ist die klassische Forderung jeder populistischen Partei.» Komisch, diesen Ruf stösst aber auch die FDP, sogar die SP gelegentlich, manchmal, nicht zu selten aus. Aber Neuhaus geht es nicht darum, den Westentascherforscher auf logische Fehler hinzuweisen, sondern sie sieht sich mehr als Stichwortgeberin, damit er Altbekanntes nochmal abnudeln kann.

Denn von rechtspopulistisch ist es natürlich nur noch eine kleine Gedankenbrücke zu rechtsradikal: «Wenn in der SVP  jemand nationalsozialistisches Gedankengut äussert oder die Shoah relativiert, distanziert sich die Partei immer sehr schnell. Gleichzeitig pflegen einzelne SVP-Exponenten seit Jahren regelmässig Kontakte zu rechtsextremen Kreisen.»

Da muss sogar Neuhaus pseudo-widerprechen: «Die SVP pflegt weder Kontakte zu ausländischen Parteien noch zu rechtsextremen Parteien oder identitären Gruppierungen.» Darauf demagogisch einfältig die Antwort des «Experten»: «Das nicht, aber es kommt immer wieder zu punktuellen Verbindungen. Andreas Glarner war Mitglied der rechtsextremen Bürgerbewegung Pro Köln, und in Winterthur hat die SVP-Nationalratskandidatin Maria Wegelin die Medienarbeit an Mitglieder der Jungen Tat delegiert. Es gibt eine Geschichte solcher Beziehungen. Was es aber nicht gibt, ist eine Aufarbeitung.»

Nun ja, Glarner hat diese Mitgliedschaft schon lange gekündigt, Wegelin ist von ihren Parteiämtern zurückgetreten, was man vielleicht zur Not als Aufarbeitung bezeichnen könnte. Wenn man nicht übelwollte.

Es ist interessant, wie selbst bei der NZZ die Sicherungen der Qualitätskontrolle durchbrennen, wenn es um diesen Feldzug gegen die SVP geht. Dass ein dünn qualifizierter Experte im Wesentlichen nochmals genau das Gleiche verzapfen darf, was er schon letztes Jahr beim Tagi loswerden durfte, ist ein seltener Tiefpunkt des Intelligenzblatts von der Falkenstrasse.

Hat die Interviewerin dieses inhaltlich fast deckungsgleiche Interview im Tagi vergessen oder schlichtweg ignoriert? Oder findet sie: das kann man nicht häufig genug wiederholen? Auf jeden Fall ist das so peinlich wie die einfältigen Antworten …

Rechtsexperten von Tamedia

Der Dilettantenstadl, wie er leibt und lebt.

Gleich drei Koryphäen vom sogenannten «Investigativdesk» haben gemeinsam zum Griffel gegriffen. Bei solch geballter Fachkompetenz muss ja Gewaltiges rauskommen.

In der Tat. Gewaltiges Geschwurbel. Denn Christian Brönnimann, Lukas Lippert und Catherine Boss (wo bleibt da Ladies first?) beantworten eine brandneue, brandheisse, noch nie gestellte Frage: «Sind vor Gericht wirklich alle gleich?»

Allerdings merkt man deutlich: können nicht gestohlene Datenberge durchgeackert und willkürliche Auszüge triumphierend der gelangweilten Öffentlichkeit präsentiert werden, ist das Ergebnis der Bemühungen recht dürftig.

Das Trio nimmt die Fälle Vincenz und Zölch zum Anlass, eine ergebnisoffene Frage zu stellen: «Behandelt unsere Justiz mutmassliche Wirtschaftskriminelle aus gehobenen Kreisen gleich konsequent wie Kleinkriminelle mit weniger Ressourcen?»

ZACKBUM will ja nicht die Pointe eines immerhin fast 9000 A langen Werks vorwegnehmen. Oder doch: die Antwort ist, blöde Frage, natürlich nein.

Das ist doch sonnenklar, liegt auf der Hand, ist mitsamt den Gründen längst bekannt, als Thema uralt, als Klage seit den alten Römern bekannt. So what, könnte man einfach sagen. Endlich mal ein Artikel, der aus einer kurzen Frage, einer noch kürzeren Antwort und dann tschüss besteht. Den restliche Platz könnte man doch mit launigen Meldungen aus München füllen. Bier, Katzen, Bürgermeister, Themen gäbe es doch genug.

Aber nein, wozu sind hier Recherchiergenies am Gerät? Die machen tapfer einen Ausflug ins Archiv, wo höchste Staubgefahr herrscht, der sie aber mutig trotzen. Also zerren sie drei Fälle ans Tageslicht, nicht ohne die Staubschicht abzupusten. Vielleicht hat Marc Brupbacher zuvor Masken verteilt.

Dann schneiden sie diesen Fundstücken von White-Collar-Kriminalität einen «Nordafrikaner» (hat das nicht ein Geschmäckle nach postkolonialistischem Rassismus, wir fragen ja nur) gegen, der in einem Restaurant aus einer Handtasche 100 Franken mopste. Und dafür ins Gefängnis kam.

Dann Aufschwung ins Allgemeine und Experte Martin Killias, der auch als emeritierter Strafrechtsprofessor leicht amokig bleibt und von einer «Art Klassen-Strafrecht» erzählt. Jaw drop factor 100, würde da eine krampfhafte Imitiatorin von Jugendsprache sagen.

Schlussgag: Die Anklageschrift im Fall Vincenz scheiterte nicht zuletzt, weil sie nicht übersetzt worden war. Aber, oh Graus: «Als sich ein Asylbewerber gegen einen auf Deutsch verfassten Strafbefehl wehrte, weil er ihn nicht lesen konnte, entschied das Bundesgericht 2019, die fehlende Übersetzung sei kein Grund, den Strafbefehl aufzuheben

Sein Recherchedesk polieren, unschuldige Leute fertigmachen, grosses Gedöns wegen «Leaks», «Papers» und «Secrets» machen, das ist halt nicht das Gleiche wie eine sorgfältige Darstellung rechtlicher Fragen. Dafür müsste man vielleicht mal etwas Einmaleins studieren, dann wüsste man, dass eine Anklageschrift und ein Strafbefehl nicht ganz das Gleiche sind, und sich mit der Behauptung gegen einen Strafbefehl zu wehren, man habe ihn nicht verstanden, ist zwar ein netter Versuch, hat aber nichts damit zu tun, wenn ein Angeklagter die Anklageschrift nicht versteht.

Dass es eine Klassenjustiz gibt, das wurde schon vor und nach Kurt Tucholsky (nur googeln, Recherchiercracks) umfangreich beschrieben. Dass man mit mehr Geld mehr recht bekommt, was soll daran neu sein? OJ Simpson konnte sich als Mörder sogar aus einem Mordprozess herauswinden (wurde dann aber im Zivilprozess verurteilt). Einem Bernie Madoff nützte aber sein ganzes Geld nicht, als sein Schneeballsystem aufflog. Er sitzt bis zum Lebensende im Knast.

Dass der Fall Vincenz & Co. wieder auf Feld eins gelandet ist, ist nicht unbedingt dem Geld der Angeklagten zu verdanken. Das ist zudem ohnehin sichergestellt, für sie nicht zugänglich. Die Anklageschrift ist in erster Linie an der Unfähigkeit des Staatsanwalts gescheitert, nicht am Geld der Angeklagten. Alles absurde Vergleiche.

Reiche Angeschuldigte können sich bessere Anwälte leisten. Eine erschütternde Erkenntnis. Wenn es um grössere Summen geht, sind Bankräuber schwer im Nachteil gegenüber geschickten Finanzbetrügern. Eine erschütternde Erkenntnis. Nachdem das Urteil gegen Vincenz aufgehoben wurde, ist noch kein einziger Schweizer Bankenlenker (und verdient hätten es ach so viele) im Knast gelandet. Dafür viele Kleinkriminelle. Das ist eine erschütternde, aber nicht neue Erkenntnis.

Ist das ungerecht? Aber ja. Ist das neu? Aber nein. Das ist so simpel wie die Feststellung, dass sich Reiche mehr leisten können als Arme. Das ist von einer brunzblöden Banalität. Wieso wird es dann veröffentlicht? Offensichtlich als Beschäftigungstherapie für das Recherchedesk, das gerade keine gestohlenen Datenberge auf den Schreibtisch geschüttet bekommt. Und selber was richtig recherchieren, zum Beispiel die Hintergründe des Falles Roshani im eigenen Haus, dafür ist das Trio entweder zu feige oder zu unbegabt.

Journalismus schafft sich ab

Das kann kein Geschäftsmodell mehr sein.

Journalisten opinieren, räsonieren, analysieren, schätzen ein, meinen, fordern, wissen es besser. Das ist zwar manchmal mühsam, aber erlaubt.

Journalisten spielen sich als als Genderpäpstinnen wie Andreas Tobler, als Konzernbüttel wie Philipp Loser, als Kriegsgurgeln wie Georg Häsler, als Panikkreischen wie Marc Brupbacher oder als Stimme der Gutmenschen wie Reza Rafi auf. Das ist manchmal unerträglich, aber Ausschuss wird überall produziert.

Journalisten kreieren Narrative und Framings. Sie bestehen darauf, dass Donald Trumps Konkurrenten durchaus noch intakte Chancen hätten, genügend Delegiertenstimmen zu sammeln, um Kandidat der Republikaner in den Präsidentschaftswahlen zu werden. Damit wiederholen sie ihre Fehler bei den vorletzten Wahlen: am Schluss erklären zu müssen, wieso sie krachend danebenlagen. Journalisten sind nicht sehr lernfähig. Das ist extrem dumm. Dummheit existiert überall und ist bekanntlich lernbar.

Aber es gibt einen heiligen Gral im Journalismus, an dem man sich nur dann vergreift, wenn man sich abschaffen will. Es handelt sich um ein Einverständnis zwischen Journalist und Leser, das nicht mutwillig oder fahrlässig missbraucht werden darf.

Die einstmals auflagemässig grösste Zeitung der Welt hat dieses Prinzip sogar zu ihrem Titel gemacht. «Prawda», Wahrheit. Sie hatte versprochen, ihren Lesern nur die Wahrheit zu erzählen. Lenin und Trotzki kamen unabhängig voneinander auf die Idee, eine solche Zeitung zu publizieren. Ihr Herausgeber war der spätere langjährige Aussenminister der Sowjetunion Molotow. Er agierte im Hintergrund, offiziell gab es rund 40 Herausgeber, die von der zaristischen Zensur regelmässig verhaftet und zu drei Monaten Gefängnis verurteilt wurden. Sie waren sogenannte Sitzredakteure, dazu bereit, für anderen Strafen abzusitzen, die sie sich mit dem Verbreiten der Wahrheit einhandelten.

In ihren besten Zeiten hatte sie eine Auflage von über 10 Millionen Exemplaren. Allerdings verbreitete sie immer weniger die Wahrheit, immer mehr Lügen. Damit entkernte sie sich.

Nun kann man zu Recht fragen, was denn eigentlich die Wahrheit ist und wer zwischen Lüge und Wahrheit unterscheiden darf und die Autorität dafür hat. Niemand und jeder. Niemand ist im Besitz einer objektiven, einzig wahrhaftigen Wahrheit. Jeder glaubt an seine Wahrheiten, viele wollen wissen, dass sie die Wahrheit kennen.

Also ist alles relativ, alles erlaubt? Nein, eben nicht.

Denn es gibt eine unausgesprochene Vereinbarung zwischen Berichterstatter und Konsument. Der Konsument bezahlt normalerweise dafür (sei es entweder mit Geld oder seiner Aufmerksamkeit oder seinen Daten), dass er sich darauf verlassen kann, dass ihm in Berichten über Gegenden oder Ereignisse, die er nicht kennt, kein Bären aufgebunden wird.

Wird diese Geschäftsgrundlage aufgehoben, ist der Journalismus am Ende. Sein Tod tritt nicht sofort, aber auf Raten ein. Deshalb beschäftigten viele Redaktionen früher Mitarbeiter, die sich der sogenannten Dokumentation widmeten. Also alle Fakten und Tatsachenbehauptungen checkten, die in einem Artikel vorkamen. Sie taten das zum Schutz des Redaktors vor Irrtümern und zum Schutz des Konsumenten vor Falschinformationen.

Sie sind als eine der ersten Abteilungen den Sparmassnahmen zum Opfer gefallen. In der Schweiz existieren sie nicht mehr. Gelegentlich werden mit grossem Brimborium Journalisten beauftragt, einen sogenannten Faktencheck durchzuführen. Das ist aber nicht mehr das gleiche.

Im deutschen Sprachraum leistet sich der «Spiegel» noch die grösste Dokumentarabteilung. Darauf ist er besonders stolz und wird nicht müde, die vielen Stationen aufzuzählen, die ein Manuskript durchlaufen muss, bis es publiziert wird. Der Grossfälscher Class Relotius sprengte diese Reputation in die Luft. Ihm gelang es jahrelang unentdeckt, frei erfundene Reportagen zu publizieren, bei denen sogar nachprüfbare Angaben wie Distanzen oder örtliche Beschaffenheiten erschwindelt waren, um dem Spin der Story zu dienen. Nicht einmal das fiel den Faktencheckern des «Spiegel» auf.

Sie waren, mitsamt allen anderen Kontrollinstanzen, voreingenommen. Sie hatten das Interesse verloren, zu schreiben, was ist. Sie wollten beschreiben, wie es sein sollte. Wie es ihrer Meinung nach zu sein hatte. Sie machten den alten erkenntnistheoretischen Zirkelschluss: wenn ich mit einer vorgefassten Meinung an die Wirklichkeit herangehe, finde ich in der Wirklichkeit das, was ich zuvor hineingetragen habe. Oder noch schlimmer: wenn ich es nicht finde, erfinde ich es.

Das ist keine lässliche Sünde, sondern eine Todsünde. Dafür gibt es leider im Schweizer Journalismus immer mehr kleine und grosse Beispiele. Eine Aufzählung wäre endlos, aber es sind zwei Tendenzen zu erkennen. Am häufigsten betroffen davon ist Tamedia. Dort hat eine wahrhaftige Verluderung der Sitten stattgefunden.

Die Leser belehren und mit absurdem Genderwahn quälen zu wollen, das ist verkaufsschädigend, aber noch nicht tödlich. Den Lesern keine Reportagen, sondern die Wiedergabe vorgefasster Meinungen zu servieren, das ist dumm, aber noch nicht tödlich.

Sich immer wieder dabei ertappen zu lassen, dass die vorgefassten Meinungen so stark sind, dass die Wirklichkeit, wenn sie nicht passt, passend gemacht wird, das ist tödlich. Wenn ein Präsident eine Meinung vertritt, die dem Berichterstatter nicht passt, dann ist es dennoch seine Pflicht, sie dem Leser wiederzugeben. Denn dafür bezahlt er, weil er selbst weder am WEF anwesend ist, noch Zeit oder Lust hat, die ganze Rede im Wortlaut anzuhören.

Wenn aber schon im ersten und auch im letzten Satz des Berichts die Wirklichkeit, höflich ausgedrückt, umgebogen wird, dann fühlt sich der Leser zu recht verarscht, wenn er das entdeckt. Und glücklicherweise gibt es in der Schweiz noch so etwas wie eine Pressefreiheit, wo solche Verbiegungen aufgedeckt und denunziert werden können. Das unterscheidet die Schweiz von Russland und der Ukraine.

Berichterstattung, wenn sie etwas wert ist, sollte dazu dienen, dem Käufer und Konsumenten dabei zu helfen, die grosse, weite Welt und auch seine nähere Umgebung besser zu verstehen. Oder zu begreifen, dass vieles, was sich abspielt, komplex, widersprüchlich, unübersichtlich, nicht fassbar ist. Die beiden aktuellen Beispiele dafür sind der Ukrainekrieg oder der Krieg im Gazastreifen. Noch nie verfügten wir über dermassen viele Informationsquellen, noch nie waren wir so ungenügend informiert.

Daraus entstehen Verschwörungstheorien, das sei Absicht, Manipulation, Bevormundung, von finsteren Mächten orchestriert, um die öffentliche Meinung in ihrem Sinn zu beeinflussen. Aber die Wahrheit ist hier viel banaler. Natürlich gibt es Heerscharen von Spin Doctors, die sich diesen Versuchen widmen. Natürlich wird Selenskyj – im Gegensatz zu Putin – hochkarätig und sorgfältig beraten, wie er öffentlich aufzutreten hat. Vom gedrechselten Inhalt seiner Reden bis zu seiner Kleidung, seinem Gesichtsausdruck.

Aber das wäre durchschaubar, wenn man sich die Mühe machte. Wenn sich der 100. Todestag eines Welterschütterers wie Lenin jährt, um das zweite aktuelle Beispiel zu nehmen, dann wäre eine Würdigung, eine Auseinandersetzung auf Niveau mit seinen Taten geboten, vor allem in einem Intelligenz-Blatt wie der NZZ. Wenn stattdessen übelwollend die Krankheitsgeschichte seiner letzten Jahre ausgebreitet wird, ist das zwar kein Verstoss gegen das Wahrheitsgebot, aber so jämmerlich, dass der Leser sich auch fragt, wieso er dafür einen Haufen Geld zahlt.

Fazit: Journalismus, der die Übereinkunft mit seinen Konsumenten einseitig aufkündigt, schafft sich damit ab. Das ist nicht den Umständen geschuldet. Sondern selbstverschuldet. In der Schweiz steht Tamedia am nächsten vor diesem Abgrund, gefolgt vom «Blick».

Alter Schnee bis in die Wohnungen

Ist es schon Zeit für den Winterschlaf?

Ja, sagt die «SonntagsZeitung». Wer angesichts der Welt- und  Nachrichtenlage so ein Cover wagt, schafft es offenbar selbst in einer Verrichtungsbox, dem gesunden Büroschlaf zu frönen.

Aber für etwas Leserverarsche reicht es immer. So schreibt Arthur Rutishauser in seinem Editorial: «Wenn in London, so wie gestern, Hunderttausende für einen Waffenstillstand in Gaza demonstrieren, dann geschieht das nicht im luftleeren Raum.» Wie wahr, allerdings geschah das für Tamedia im nachrichtenlosen Raum.

Daneben steht ein leicht nach eingeschlafenen Füssen riechender Artikel über «Das Netzwerk der Hamas in der Schweiz». Die meisten «News» hier haben einen höheren Wiedererkennungswert. Aber he, immer wieder gut, das Gleiche zu lesen.

Interessanter ist hingegen eine Untersuchung von Rico Bandle, wohin der woke Wahnsinn mit «Black Live matter» und dem Narrativ der «Dekolonialisierung» an diversen Unis geführt hat. Nämlich zu wissenschaftlichem Unsinn, zu einseitigen Veranstaltungen, zu Freudenbekundungen über das Massaker an Israelis, zu Thesen wie der, dass Israel absichtlich Wildschweine aussetze, um Palästinensern zu schaden.

Sonst nicht viel Nennenswertes, ausser vielleicht ein Artikel, der Christof Münger gar nicht gefallen wird: «Jünger wird er nicht», schreibt da Peter Burghardt über den senil werdenden US-Präsidenten Joe Biden. Blöd halt, wenn der Schweizer Auslandchef fast nur Mitarbeiter der «Süddeutschen Zeitung» hat …

Aber etwas Platz für Primitiv-Holzerei ist immer. Denn die von Tamedia gehätschelte Ständeratskandidatin ist bezüglich Wohnsitz etwas in die Bredouille geraten. Da hilft doch immer ein «die schon ein wenig, die anderen aber auch»:

Der «Fokus» widmet ein PR-Interview der umtriebigen Chefin von Visionapartements, die für Manager & Co. Businessbleiben anbietet.

Dann eine lecker-schlüpfrige Doppelseite über den «Schweizer Bauernkalender», wo sich Männlein wie Weiblein recht unbekleidet in aufreizenden Posen darbieten. Strenger Sexismusverdacht!

Auch die Wirtschaft wartet mit brandheissen News auf: «Banken verlangen, dass René Benko Geld nachschiesst». Na gehns, na schans, öis leiwand, wie da der Österreicher sagt. Und wirklich wahr, die Grafik zur Veranschaulichung des Benko-Imperiums, die sollte nicht wieder und wieder abgestaubt und ins Blatt gehoben werden.

Auch mit einer ungeheuerlichen News wartet der ewige Geldonkel Martin Spiller, ehemaliger Chef der SoZ, in dieser Ausgabe auf: «Geld attraktiv anlegen ist nicht ganz gefahrlos». Ja potztausend, wenn das all die Anleger gewusst hätten, die ihr Geld attraktiv anlegen wollen.

Ebenfalls mit einem Problem, das nun nicht gerade vor Neuheit platzt, wartet «Leben & Kultur» auf. Sagen wir mal so: was soll denn das mit Leben oder mit Kultur zu tun haben? «Ich fühle mich weder als Mann noch als Frau». Denn «Nemo ist zurück» und zudem «nonbinär». Das ist sein Problem, mit dem er uns eigentlich durchaus in Ruhe lassen könnte. Dass er sich von einer Romanfigur von Jules Verne aber den Künstlernamen geklaut hat, das sollte man ihm nicht durchgehen lassen. Denn Kapitän Nemo war nun eindeutig nonnonbinär.

Wenn alles nichts hilft, das Blatt trotz aller notbinären, äh nonbinären Meldungen einfach nicht voll werden will, dann gibt es nur ein Allheilmittel. Genau, den neuen Trend: «Wieso manche junge Menschen bewusst offline leben». Aber verflixt, der Bund will einfach nicht aufhören, was tun? In allerletzter Verzweiflung halt ein Interview mit dem Historiker Thomas Maissen. Das Motto der Ausgabe ist wirklich: Winterschlaf für jedermann, leicht gemacht.

Aber das Elend ist immer noch nicht zu Ende. nun kommt noch der «zurzeit wichtigste Interiortrend». Wahnsinn, worin besteht denn der? Im «schön gedeckten Tisch». Aber hallo: «geknotete Servietten» (nicht zu verwechseln mit Serviettenknödeln), «gerippte Gläser» (nein, nicht vergrippte Gläser), «Riesenboom im Keramikbusiness» (es wird mehr Geschirr verkauft) und dann der Brüller: «Tischdecken ist zum grossen neuen Hobby geworden». Ach was, endlich die Abkehr vom mit Pappdeckeln und Einweggeschirr auf mit Papierbahn gedecktem Tisch.

Aber aufgepasst, lieber Leser, erhebe das ermattete Haupt vom Hobbytisch: «Sind wir gerade in einer Corona-Welle?» Wo ist Marc Brupbacher, wenn man ihn mal braucht? Denn Felix Straumann ist dem Thema nicht gewachsen: «Wie stark das Virus zirkuliert, bleibt unklar». Dafür braucht es anderthalb Seiten, inklusive Riesen-Aufmacherfoto einer sich schneuzenden Frau.

Dann aber, endlich, ein Artikel der Selbstkritik: «Warum wir manche Dinge nicht wissen wollen». Zum Beispiel: dass die gesamte Crew der «SonntagsZeitung» ein lähmend langweiliges Schnarchblatt gemacht hat.

Was auch für den Reise-Abschluss gilt. Hier wird ein Fotoband vorgestellt. Gähn. Über ein Coffeetable Book, das die schönsten Reisedestinationen abbildet. Schnarch. Von James Bond. Da ist man eher geschüttelt als gerührt. Nun gebe es «Schnappschüsse dieser Abenteuertrips endlich gebündelt als Bildband». Das nennt man mal Wirkung, wenn  der Verlag der Redaktion ein Gratisexemplar zuschickt. Wobei der Rezensent Stefan Fischer nicht mal in der Lage ist, den korrekten Preis zu recherchieren. «Ca. 135 Fr.», schreibt er vage. Es kostet bei Amazon haargenau 120 €. Aber hallo, vielleicht wird auch schon am Strom oder am Internet bei Tamedia gespart.

Tröstlich: während des Winterschlafs werden die Körper- und Geistesfunktionen eh runtergefahren.