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Manipulierte Umfragen? Niemals

Kritiklose Medien übernehmen unglaubwürdige Behauptungen.

Ein IT-Fachmann hat in einem detaillierten Artikel dargelegt, wie einfach es ist, Online-Umfragen zu manipulieren. Es braucht lediglich Grundkenntnisse im Programmieren und etwas Energie.

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Er hat das an einem Beispiel bewiesen, wo er eine «Community-Umfrage» des SRF ins Gegenteil drehte. Zuerst waren 62 Prozent der Voter für verschärfte Massnahmen gegen Covid-19. Aber am Schluss 62 Prozent dagegen.

Vorher …

… und nachher.

 

Das motivierte SRF sogar zu einem interpretierenden Artikel. Genau gleich wurden die Online-Umfragen von Tamedia kritisiert. So ähnlich wie beim Fall Berset herrschte zunächst ohrenbetäubendes Schweigen im Blätterwald und in den elektronischen Medien. Offenbar war die Stallorder ausgegeben worden: gar nicht erst ignorieren.

Dann aber bequemte sich zum Beispiel Tamedia dazu, einen SDA-Artikel zu übernehmen. Denn Eigenrecherche war gestern, vor allem in eigener Sache. Also titelt der Tagi:

«Tamedia und SRF sehen keine Manipulationsgefahr bei Umfragen».

Das durchführende Meinungsforschungsinstitut GFS darf sagen: «Es ist nicht möglich, unsere Umfrageergebnisse zu manipulieren.» Denn: «Die repräsentativen Umfragen basierten hauptsächlich auf telefonischen Befragungen.»

Artikel geschlossen, alle Fragen offen

Das sind erstaunliche Aussagen. Noch erstaunlicher, dass Tamedia diesen Artikel von SDA unkommentiert und ohne Ergänzung übernimmt. Am erstaunlichsten, dass sowohl SRF wie Tamedia ankündigen, zukünftig auf solche Online-Umfragen verzichten zu wollen.

Warum denn das, wenn es keinerlei Gefahr gibt, dass die Resultate manipuliert werden könnten? Aber diese realitätsverweigernde Position beinhaltet noch mehr Fragwürdiges. Mit keinem Wort wird darauf eingegangen, dass der Autor des Artikels darauf hinweist, dass er mehrfach versuchte, bei den verantwortlichen von SRF eine Stellungnahme oder eine Reaktion zu erhalten. Vergeblich.

So war auch die Reaktion von angefragten Redaktoren oder Fachorganen. Anfänglich leises Interesse, dann Schweigen. Es ist offenkundig, dass man diese Aktion am liebsten totgeschwiegen hätte. Es ist ein Armutszeugnis für die übrigen Medien, dass ein Finanzblog diesen Artikel schlussendlich brachte, obwohl das nicht wirklich das Kernthema von IP ist.

Der Artikel ist eher lang, dafür detailliert und überzeugend in der Beschreibung, mit welch einfachen Mitteln die Ergebnisse von Online-Voting manipuliert, ins Gegenteil verkehrt werden können. Die Darstellung inklusive Programmier-Angaben ist so akkurat, dass die Veranstalter offenbar Kopisten fürchten, die einfach dieses Wissen anwenden.

Aus diesem Grund wird offensichtlich auf weiteres Voting verzichtet.

Grosses Geschrei dort, verkniffenes Schweigen hier

Nun ist es so, dass immer gerne und ausführlich über Manipulationsversuche vor Wahlen berichtet wird – im Ausland. Es wird auch ein grosses Geschrei veranstaltet, wenn Impfskeptiker eine Konzerttournee während der Impfwoche «sabotieren» und die Künstler teilweise nur vor einer Handvoll Leute auftreten. Was denen aber egal ist, Fixhonorar wurde vereinbart.

Nur in ganz gewählten Worten wurde darauf hingewiesen, dass die horrende Summe von rund 100 Millionen Franken für diese Impfwoche schlichtweg rausgeschmissenes Steuergeld war. Das Problem: ein guter Teil wurde in Werbekampagnen investiert, in den objektiven Qualitätsmedien.

Tamedia – wie SRF auch – verfügt nun aber über ein eigenes «Investigativ-Team», auf das der Konzern sehr stolz ist. Dieses Team widmet sich immer wieder dem Ausschlachten von Hehlerware, also der Publikation von Informationen aus gestohlenen Geschäftsunterlagen.

Hier hätte es aber die Gelegenheit gehabt, ein mögliches Problem im eigenen Hause zu untersuchen. Denn wenn solche Votings so einfach zu manipulieren sind, gibt es hier ein gröberes Qualitätsproblem. Wenn sie nicht zu manipulieren sind, wie SRF und Tamedia behaupten, wieso werden sie dann schlagartig eingestellt?

Immerhin quetscht sich SRF eine kurze Stellungnahme raus, die der Grundaussage (nicht manipulierbar) widerspricht:

««Hier hat sich gezeigt, dass Manipulationen der Ergebnisse tatsächlich möglich sind», sagt Alexander Sautter, Leiter Digitale Kanäle SRF, «das ist ein Fehler.» User-Votings werden gestoppt.»»

Wenn eine mehr als detaillierte Beschreibung der Manipulationsmethode vorliegt, wieso wird mit keinem Wort darauf eingegangen? Wenn diese vor Publikation auf IP den Verantwortlichen bei SRF und Tamedia vorlag, wieso gab es keine Reaktion? Das alles sind Fragen, denen ein Investigativjournalist gerne und mit Energie nachgehen müsste.

Wo bleibt die Investigation, der Faktencheck?

Das sind Fakten, die ein Faktenchecker sofort unter die Lupe nehmen sollte. Das ist ein Skandal, der sofort kommentiert werden müsste. Aber wo ist denn das «Recherchedesk»? Wo sind die Faktenchecker von Yannick Wiget abwärts?

Aber wenigstens die Konkurrenz in unserer pluralistischen Medienszene wird sich doch die Gelegenheit nicht entgehen lassen, hier den Mitbewerbern an den Karren zu fahren? Schliesslich gibt es noch CH Media, Ringier, NZZ und ein paar Versprengte. Der «Blick» meldet sich zum Thema Abstimmungen und Umfragen zu Worte:

War das was? Ach was, sagt sich der «Blick».

Auch hier: Eigenrecherche null, auch der Boulevard übernimmt einfach den SDA-Ticker:

Eigenrecherche? Wir doch nicht, sagt sich der «Blick».

Und CH Media? Sind hier Umfragen ein Thema? Allerdings:

Weiterhin hohe Meinung von Umfragen bei CH Media.

Schliesslich die NZZ: die lebt dem guten Prinzip nach, dass sie bestimmt, was ein aktuelles Thema ist – und was nicht. Umfragemanipulation ist es nicht. Ein weiterer Blick auf die Tiefebene des Schweizer Qualitätsjournalismus.

Nur IP legt fröhlich nach: «SRF unter Druck». Aber ob dieser Druck eines Einzelkämpfers ausreicht?

Umfrage oder Dummfrage?

Wie leicht lassen sich Online-Umfragen manipulieren? Kinderleicht.

 

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SRF fühlt immer wieder den Puls des Publikums. Mit Umfragen. Beispiel: «Die Coronazahlen steigen in der Schweiz. Sind Sie für schärfere Massnahmen zur Eindämmung des Virus?»

Hier könnte man zunächst an der Formulierung mäkeln; was sind schärfere Massnahmen, und wieso sollen die das Virus garantiert eindämmen?

Aber darum geht es nicht. Das Abstimmungsresultat pendelte nach rund 10’000 Votes um 62 Prozent dafür, 38 Prozent dagegen. Das dürfte, wenn man den feuchten Finger in die Luft hält, auch ungefähr der Stimmungslage in der Bevölkerung entsprechen, nimmt man die 40 Prozent, die gegen das Covid-Gesetz gestimmt haben.

Und dann kam die Wende …

Insgesamt wurden bei diesem Online-Voting laut Zähler 54’033 Stimmen abgegeben. Also eine recht repräsentative Abstimmung. Allerdings veränderte sich das anfängliche Resultat bedeutend. Am Schluss stand es immer noch 62 zu 38. Nun aber waren 62 Prozent GEGEN schärfere Massnahmen.

Das konnte ja wohl nicht mit rechten Dingen zu und hergehen. Tat es auch nicht. Dieses Resultat wurde von einem IT-Fachmann manipuliert. Um zu zeigen, wie einfach das geht, wenn man über Programmierkenntnisse verfügt und einen Bot basteln kann. Mit etwas Gelenkigkeit kann man auch Zutrittsbeschränkungen wie ein Captcha ausbremsen.

Natürlich entscheidet sich niemand bei einer Abstimmung aufgrund einer solchen Umfrage für ein Ja oder ein Nein. Aber die Masse einer Mehrheit lässt auch niemanden wirklich kalt. Daher ist dieses Experiment erschreckend. Nicht nur, wie leicht eine solche Manipulation ist. Sondern auch in den Folgen.

Die Manipulation ist beunruhigend, die Folgen auch

Zunächst handelt es sich ja nicht um ein Gaga-Voting für den «Journalisten des Jahres» usw., wo man ebenfalls beliebig oft seine Stimme abgeben konnte. Sondern die Veranstalter sind hier das SRF, Tamedia und ähnliche Player.

Die ganze Sause beschreibt der Autor umfangreich bis länglich auf «Inside Paradeplatz». Die Frage: wieso denn auf einem Finanzblog, lässt sich leider leicht beantworten. Weil sonst niemand davon Notiz nehmen wollte.

Das stimmt allerdings nicht ganz. SRF selbst nahm durchaus vom Resultat Notiz und schrieb einen Kommentar dazu. Peinlich, beunruhigend.

Fordert das die Community oder ein Manipulator?

Noch beunruhigender ist aber, dass der IT-Fachmann dieses sichtbare Resultat seiner Manipulation, inklusive der verwendeten Methode, bei SRF und bei verschiedenen Medien zur Kenntnis brachte. Reaktion? Null. Inzwischen raffte man sich zu einem fadenscheinigen Dementi auf.

«Satte Mehrheit lehnt weitere Verschärfungen ab …»

Dabei schreibt er auf IP: «Letztlich ist es einfach so, dass bei Online-Befragungen, bei jeder Arbeit am Computer, niemand feststellen kann, ob die Eingaben durch einen Menschen oder durch ein Programm erfolgen.» Noch schlimmer ist eigentlich, dass er sich gar keine grosse Mühe zur Verschleierung machte. So stammten alle von seinen Progrämmchen abgegebenen Votes von der gleiche IP-Adresse.

Ist es tatsächlich so einfach?

Das müsste eigentlich jedes anständige Voting-Programm misstrauisch machen und ausflaggen. Worauf dann ein Mensch draufschauen und sagen müsste: hallo, das stimmt doch was nicht. Allerdings liesse sich auch das ohne grosse Mühe vermeiden, indem eine Unzahl verschiedener IP-Adressen generiert wird, als ob die Stimmen aus ganz verschiedenen Gegenden der Schweiz von völlig verschiedenen Computern aus abgegeben würden.

Wie schreibt der Autor:

«Epilog: Ist es wirklich so einfach? Ja, es ist in der Tat sehr einfach.

Mit den hier angeführten Informationen kann jede/r, der einigermassen computergewandt ist, mit einem einzelnen Gerät pro Tag (je nach Länge der Umfrage) zwischen einigen wenigen Tausend bis hinauf in einen sechsstelligen Bereich für oder gegen etwas „abstimmen“.»

Bedenklich ist eben auch, dass bedingt durch die Verelendung des Journalismus, den Todessparmassnahmen und eine atemlos-klickgetriebene Abfüllmentalität vertiefte Recherchen, sinnvolle Reportagen, bei denen der Puls der Bevölkerung genommen wird, immer seltener werden. Oder überhaupt eingespart worden sind.

Stattdessen kommt so eine Umfrage immer repräsentativ und interessant daher, oft schafft es das veranstaltende Organ, damit auch in den Medien zitiert zu werden. Das Zitat «wie eine Umfrage im Auftrag von Tamedia ergab» zum Beispiel, rentiert die Ausgabe schon, wenn es auf SRF in der «Tagesschau» verwendet wird; die Wiedergabe in Konkurrenzmedien ist dann noch das Sahnehäubchen.

Anschliessend werden tiefschürfende Analysen und Kommentare dazu abgegeben. Obwohl das Datenfundament überhaupt nichts mit der Meinung in der Öffentlichkeit zu tun hat. Und Bots, kleine Programme, haben keinerlei eigene Meinung.