Toujours l’amour?
«Sascha Britsko arbeitet als Reporterin für «Das Magazin»». Das gibt ihr kein Recht zum Leserquälen.
Fast 22’000 A, plus Bilder von gnadenloser Belanglosigkeit. Es ist unsere ständige Klage, dass Journalisten, mangels anderem Stoff, die Betrachtung des eigenen Bauchnabels nicht nur für zweifellos berichtenswert halten. Sondern das auch ausgiebig und gnadenlos und ohne Rücksicht auf die Leserschaft tun.
Nichts zu banal, um nicht aufgeschrieben zu werden. Zunächst ist das gemietete Zimmer der Dame nicht genehm. Riecht nach Zigaretten, brr, aber noch schlimmer: «Mein Blick fällt auf den Zettel, der an der Matratze angenäht ist. 140 x 190cm. Grrrrr. In der Beschreibung stand «grosses gemütliches Bett, 160 x 200cm».» Um insgesamt 30 cm beschissen worden, unverschämt, diese Froschfresser.
Auch weiterhin liegen Himmel und Hölle nah beieinander: «Ich sitze in einem Café, vor mir ein Café au Lait, hinter mir ein gutaussehender Kellner, der unterschwellig flirtet. Um mich herum französische Chansons.» Aber: «Dass ich den ganzen Morgen mit dem ÖV-Abo gekämpft habe, verschweige ich. Ebenso, dass ich danach eine halbe Stunde brauche, um meine Induktionsherdplatte zu kapieren.» Ähm, bei unserem kürzlichen Besuch in Paris klappte das mit dem ÖV-Abo aber tadellos.
Dann wird es noch unverständlicher, wieso sich Britsko über Zigarettengeruch in ihrem Zimmer beschwert: «Für den Fall, dass ich mich einsam fühle, habe ich mir eine Liste mit Aktivitäten zusammengestellt. Zum Beispiel: Alleine in der Brasserie sitzen und rauchen.» Vielleicht sollte man ihr schonend beibringen, dass man in einer Brasserie schon lange nicht mehr rauchen darf.
ZACKBUM gesteht: hier fingen wir an zu scrollen. Schnell. Sehr schnell. Und blieben an diesem Satz hängen: «Paris ist die Stadt der Liebe. Ich bin seit sieben Jahren vergeben und vermisse nichts.»
Und dann endlich, selten empfand man so viel Erlösung beim Schlusskapitel: «Ich sitze auf dem Koffer und kämpfe mit dem Verschluss. Ich habe viel zu viel eingekauft. Mein Zug geht in zwei Stunden, ich habe kaum geschlafen und bin noch beschwipst vom gestrigen Abschied, glücklich und traurig zugleich.» Also doch toujours l’amour? Der Leser weiss es nicht, will es auch gar nicht wissen. Der, dem sie vergeben ist, vielleicht schon.
Der Leser ist hingegen auch glücklich, dass er das hinter sich hat. Von Trauer kann allerdings keine Rede sein. Nur von Fremdschämen in extremis. Man fragt sich, ob es Mut ist oder völlige Indolenz, dass man diese Aufreihung von Belanglosigkeiten, Nebensächlichem, Uninteressantem und Peinlichem wirklich dem Leser des einstmals renommierten «Magazin» zumutet.
Es ist ein Stück, das laut schreit: stellt mich endlich ein. Zieht den Stecker raus. Wie muss ich Euch denn noch quälen, damit das endlich geschieht? Liebe Frau Britsko, haben Sie doch Erbarmen. Wir versichern eidesstattlich: was oberhalb und unterhalb und in ihrem Bauchnabel vor sich geht, interessiert keinen. Niemand. Überhaupt nicht. Wir winseln um Gnade.







Acht Seiten, schonungslos bebildert, schonungslos entblösst, wie dem Journalisten die Finger seiner linken Hand abhanden kamen. Und was das für ihn bedeutet. Früher hätte man den Mann vor sich selbst geschützt und ihm nahegelegt, das seinem intimen Tagebuch anzuvertrauen. Heutzutage hilft man ihm bei der Selbstentblössung. Unsäglich, schändlich.






«… unzulässige Verdachtsberichterstattung, … von einer Übernahme einseitiger Vorwürfe Abstand nehmen».

