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Das zweite Magazin des Grauens

Fotofinish zwischen dem «Magazin» von Tamedia und dem der NZZaS.

Während das derangierte Tagi-Produkt einen Journalisten über das Abhandenkommen seiner Hand lamentieren lässt, perseveriert die NZZamSonntag über «Das Paradies der Greise»: «Nirgends leben mehr Alte als in Monte Carlo». Wahnsinn, und wir dachten, das sei in Altersheimen so.

Die erste redaktionelle Seite drängt einen Kalauer förmlich auf:

Links Käse, rechts Käse. Links im Bild, rechts im Buchstaben. Links spürt man den Geruch, rechts riecht man ihn: «Am Pfingstwochenende kam nicht nur der Hochsommer in die Stadt, plötzlich waren da auch Horden von Teenagern.» Ach was. «Fakt ist: Teenie-Hormone brachten die ersten Sommernächte des Jahres zusätzlich zum Vibrieren!» Hä?

Ach so: «Ganz anders in Monaco, wo die Alterspyramide unterdessen auf dem Kopf steht. Im Fürstentum wollen Rentner möglichst lange leben und Mittelalte nicht altern.» Das nennt man ohne Zwischengas krachend geschaltet. Von Andrea Bornhauser, «stv. Teamleitung». Titel gibt’s.

Schlimmer geht immer, sagt sich (und dem Leser) dann Nelio Biedermann. Das ist sozusagen der neue Kim de l’Horizon (by the way: wo ist der eigentlich abgeblieben?). Biedermann ist 22 Jahre alt, hat einen Roman über eine ungarische Adelsfamilie geschrieben, der von einem enthemmten Feuilleton gelobt, von Peer Teuwsen in der NZZ hingegen als «Kitsch-Porno» abgeledert wurde.

Auf jeden Fall darf Biedermann im Wechsel mit Raphaela Roth und Christoph Zürcher eine Kolumne bedienen. Fremdschämen inklusive: «Ich klingle an der Haustür von Patti Smith, als wären wir befreundete Kinder … Während wir an ihrem Schreibtisch nebeneinander Widmungen in unsere Bücher schreiben … Als ich am Abend im Flieger zurück nach Zürich sitze und den Flugmodus einschalte, sehe ich, dass sie mir noch geschrieben hat. Have a safe flight. I’m so happy we met.»

Auch Patti Smith hat so ihre schwachen Momente.

Das gilt eigentlich kontinuierlich für Sacha Batthayany (Interviewreihe «Radikale Liebe», radikal grauenhaft). Der durfte einen der langweiligsten Orte dieser Welt besuchen: Monte Carlo. Üppig und schlecht bebildert darf er die Erkenntnis auswalzen, dass dort viele Alte leben: «In Wirklichkeit hat sich dieser Ort in den vergangenen zwanzig Jahren in ein exklusives Altersheim unter Palmen verwandelt.»

18’500 A, die die Lebenserwartung des Lesers nicht unbedingt steigern, wenn er sich tatsächlich durchquält. Am Schluss noch die Frechheit, Bob Dylans Hymne «Forever Young» als «Soundtrack zu dieser Geschichte» zu missbrauchen.

Schon mit 35 hingegen ist man alt genug für das «Wein-und-Käse-Alter». Ein «neuer Trend», was denn sonst. Richtig peinlich wird es, wenn der Autor nassforsch auf frech macht: «Dabei war Wein für mich immer das prätentiöse Arschloch unter den Getränken. Das fing schon beim Einkauf an. Wie oft stand ich vor Regalen und fragte mich, ob ich den Wein mit der schönen Etikette, den unter 10 Franken oder den biologischen nehmen sollte?» Geschrieben wie von einem prätentiösen, ähm, Stinker.

Dann behauptet einer: «Warum plötzlich alle Emily Sundberg lesen». ZACKBUM behauptet: tut niemand. Ausser ein paar Zehntausend New Yorker, die hip und dabei sein wollen.

Apropos, wer in der «Konsumkultur» mit Sonja Siegenthaler hip und dabei sein will, muss sich unbedingt die neue Baignoire-Sonnebrille von Cartier zulegen. Gibt’s zwar nur als Limited-Edition in 800 Exemplaren.

Dabei gäbe es doch Alternativen:

Schlappe 33’485 Franken, dafür mit MWSt. Allerdings portemonnaieschonend online nicht erhältlich.

Will man noch Antworten auf Fragen, die man niemals stellen würde? Bitte sehr, dafür ist Henriette Kuhrt zuständig:

«Darf ich mich über Stadttauben ärgern

Man muss sich allerdings über die abschliessende Serie von aussagelosen, schlecht fotografierten Bildern der «Fotokünstlerin» Lisa Sorgini ärgern. Diesmal: «Auf dem Bild ist mein ältester Sohn bei einem Besuch in einem abgelegenen kleinen Dorf mitten in Australien zu sehen. Gleich nach unserer Ankunft entdeckte er den Esel – es war Liebe auf den ersten Blick

Früher, ja früher einmal waren solche Magazine dafür gedacht, den Werbekunden Hochglanzumgebung auf edlerem Papier zu offerieren. Inzwischen sind die grösstenteils geflüchtet. In den Orkus ist ebenfalls der Inhalt geflüchtet; der letzte Leser macht dann mal das Licht aus.