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Chronik eines angekündigten Skandals

Am Unispital Zürich starben 70 Herz-Patienten, die anderswo überlebt hätten. Strippenzieher waschen weiter ihre Hände in Unschuld.

Von Isabel Villalon*

«Inside Paradeplatz» zeigt wieder einmal, wie kompetenter Journalismus geht. Mit dem folgenden Artikel und der Kritik an der verantwortlichen Regierungsrätin Natalie Rickli, die derweil im «Tages-Anzeiger» Weissewaschen betreiben darf. 

Es gibt Beiträge, die möchte man gar nicht erst schreiben. Man tut es doch, der Öffentlichkeit zuliebe, der Gesellschaft zuliebe, den Schwächeren zuliebe.

Spulen wir den Film zurück.

Im Jahr 2006 gründet der Israeli Yossi Gross zusammen mit seinem Vater Amir das Medtech-Start-up mit dem Namen Valtech Cardio Ltd. in Or-Yehuda, einem Vorort von Tel Aviv.

Gross entstammt aus dem Dunstfeld des Investors Eyal Liftschitz, Besitzer des israelischen Investment Fonds Peregrine Partners.

Liftschitz steuert das Grundkapital von lediglich 1,5 Millionen US Dollar für die Valtech Cardio Ltd. und hält 10 Prozent an der Unternehmung.

Vater und Sohn Gross dürften weit grössere Beteiligungen halten – Mehrheitsbeteiligung.

Und nun der Zeitsprung.

Im Jahr 2011 beteiligt sich der italienische med. pract. Francesco Maisano (weder doktoriert noch habilitiert) an der immer noch eher mickrigen israelischen Valtech Cardio Ltd.

In welchem Umfang?

Wieviele Aktien-Optionen er für seine Mitarbeit an der Entwicklung des zukünftigen Star-Produkts „Cardioband“ vertraglich zugesichert bekam, bleibt unbekannt. Noch.

Die versprochenen Aktien-Optionen dürften jedoch erklecklich gewesen sein, denn Maisano gibt Vollgas.

Einerseits nutzt er als Leiter der Herzklinik des Universitätsspitals Zürich (USZ) das Renommee der Klinik, um weltweit bei potentiellen Käufern der Valtech Cardio Ltd. mit CEO Yossi Gross auf Roadshow zu gehen.

(Entsprechende Roadshow-Präsentationen liegen auf meinem Schreibtisch.)

Andererseits setzt er das noch zu wenig erforschte Implantat Cardioband, an dem er als Erfinder mitwirkte, bei Patienten am USZ ein. Zu vielen Patienten.

Auch in Deutschland findet Valtechs Cardioband handverlesene, willige Operateure. Das Ziel ist, möglichst rasch das „CE Zertifikat“ für das Implantat zu erhalten.

Warum? Kasse.

Doch darauf kommen wir später zurück.

Die Leser werden sich nun sicher fragen: Dürfen experimentelle Implantate einfach so auf Schweizer Patienten losgelassen werden?

Nun, das System sieht sogenannte Einzelfallbehandlungen vor. Diese bedürfen einer vorgängigen Bewilligung von Swissmedic und der kantonalen Ethikkommission.

Diese zwei Organisationen haben sämtliche Cardioband-Eingriffe des med. pract. Maisano durchgewunken.

Warum?

Eine Frage lautet: Wurden zentrale Informationen seitens Maisano den Bewilligungsgebern vorenthalten?

Erstaunlich ebenfalls, dass den zuständigen Regierungsräten als obersten Aufsehern über die Zürcher Spitäler die vielen Sonderbewilligungen für Einzelfallbehandlungen mit experimentellen Implantaten an der Herzklinik des USZ nicht zugetragen wurden.

Kontrollmechanismen?

Anfang 2017 kauft die kalifornische Edwards Lifesciences die kleine Valtech Cardio Ltd. Die israelische Tageszeitung Haaretz erklärt triumphalisch: „Israel‘s Valtech sold for as much as 1 Billion US Dollar.“

Up-Front Zahlung von 340 Millionen, Restzahlungen gemäss abgemachten Milestones. Einer davon: Erhalt des „CE Zertifikats“ für das Cardioband, 50 Millionen Dollar Zahlung.

Kassiert.

Laut Angaben der israelischen Presse seien eigentlich nur 70 Millionen US Dollar in die diversen Produktentwicklungen der Valtech investiert worden (gemäss Eigenangaben des CEO). Geniales Geschäft.

Auf Kosten von wem?

Der renommierte Herzchirurg Professor Thierry Carrell traut im April 2018 seinen Augen nicht, als er in das Herz eines Cardioband-Patienten schaut.

Im Vorhof der linken Herzkammer zwei lose Schrauben aus Titan, je sechs Millimeter lang. Mit jeder Pumpbewegung des Herzens kullern sie herum.

Wer das überlebt hat einen Sechser im Lotto gewonnen.

Dr. med. André Plass, der spätere Whistleblower, schreibt einen Brief mit schwersten Vorwürfen zulasten Maisano an die Gesundheitsdirektion und an USZ-CEO Gregor Zünd.

Daraufhin wird der Whistleblower in bekannter Salamitaktikmanier plattgemacht. Karriere beendet. Ziviler beruflicher Tod auf Raten.

Die Cover-Up-Maschinerie des Kantons Zürich beginnt leise in den Hinterhöfen der Macht, wie eine träge, tonnenschwere Walze, zu dampfen. Böswillig, langsam, je nachdem beides.

Im Juni 2020 reicht Erika Ziltener, damalige Leiterin der Patientenstelle des Kantons Zürich, Strafanzeige gegen Francesco Maisano bei der Staatsanwaltschaft des Kantons ein.

Sorgfaltspflichtverletzung, begangen vom Chef der USZ-Herzklinik Maisano. Antwort? Nichtanhandnahme.

Der Tages-Anzeiger rollt den Fall auf, dieses Medium bleibt ebenfalls am Ball. Immer wieder erscheinen Artikel.

Kritisch werden die Maisanos Aktivitäten hinterfragt. Seit dem Jahr 2020 hat Regierungsrätin Natalie Rickli ein vollumfängliches Maisano Dossier auf ihrem Tisch.

Antwort? Volle Deckung.

Sprich, bezahlte Anwälte für eine interne Untersuchung aufbieten. In diesem Fall Walder Wyss und Partner.

Diese winden und würgen sich in ihrem Bericht durch – so gut, wie es halt der kaputte Sachverhalt erlaubt.

Lassen die Kardinalfrage jedoch aus: Wieviele Millionen kassierte Francesco Maisano aufgrund des Verkaufs von Valtech Cardio Ltd. an Edwards Lifesciences, deren erklärter Kaufgrund das „Star-Produkt“ Cardioband war?

Auch der Zürcher Kantonsrat wird als wichtiges Cover-Up-Zahnrad gebraucht. Unter dem Vorsitz einer FDP-Frau, Arianne Moser, kommt die Subkommission USZ zu einem Schluss, der nicht das Papier wert ist, auf das es gedruckt wurde.

Die Äffare Maisano sei eine Art Hahnenkampf unter Ärzten. Whistleblower gegen Maisano. Surreale Welt der dunklen Zürcher Machtstuben, wie eingangs erwähnt.

Trotzdem, Spitalrats-Präsident Martin Waser wird von Rickli in Pension geschickt, USZ-CEO Zünd darf bleiben.

Unter Zünd wirkt Maisano in der Herzchirurgie und darf nach Auffliegen des Skandals mit höchsten Tönen und Ehren zurück nach Italien gehen.

Es folgt ein weiteres offenbarendes Kapitel. Der Nachfolger Maisanos an der Herzklinik, Professor Paul Robert Vogt, muss im April 2024 vors ein Zürcher Gericht, wegen eines gegen ihn angestrengten Prozesses in einem anderen Fall.

Die Bezirksrichterin sprach Vogt vollumfänglich frei. Doch Vogt sagt in seinem Plädoyer:

Im Zeitraum von 2016 bis 2020 sind 150 Patienten unter fragwürdigen Umständen verstorben, es herrschte unethisches und kriminelles Verhalten an der USZ Herzklinik.“

Die Antwort der Gesundheitsdirektion des Kanton Zürich in üblicher Manier. Mauern.

Die Vorfälle seien schon alle untersucht worden. Punkt.

Doch so einfach liessen sich die Aussagen vor Gericht des Nachfolgers von Maisano nicht in den Wind schlagen. Die ganze Affäre drohte dem System Zürich vollkommen zu entgleiten.

Eine vollständige, wirklich unabhängige Untersuchung musste her, bevor es zu noch grösseren Reputationsschäden für die Zürcher Institutionen kommt – schliesslich ist die Schweiz ja auch ein Rechtstaat.

Oder nicht?

Der Spitalrat als direktes Aufsichtsorgan des USZ beauftragt im August 2024 den ehemaligen Bundesrichter Niklaus Oberholzer mit der Führung einer unabhängigen Untersuchungskommission.

Deren dramatische Schlussfindung und die Entschuldigung des Spitalrates für das Geschehen sind seit gestern bekannt.

Und nun, welche Fragen stellen sich? Warum hat das System Kanton Zürich so lange die Cover-Up-Maschinerie walten lassen?

Warum ist Regierungsrätin Natalie Rickli noch auf ihrem hochdotierten Posten? Warum hat die Staatsanwaltschaft Zürich seit 2020 nichts unternommen (trotz Strafanzeige seitens Patientenstelle Zürich)?

Welches surreale Spielchen trieb Arianne Moser, ehemalige FDP-Kantonsrätin, Zuständige für die USZ-Subkommission im Parlament, heute im VR der zur AG mutierten ehemaligen Kantonsapotheke?

Weshalb winkten sowohl die kantonale Ethikkommission als auch Swissmedic die Sonderbewilligungen für nicht erprobte Implantate in solcher Anzahl durch?

Wer wird nun die Angehörigen der Verstorbenen und die lebenslang Geschädigten entschädigen? Mit wessen Geld?

Eine Schlussbemerkung für die Staatsanwaltschaft Zürich: Israel liefert keine eigenen Staatsbürger aus.

Im Fall Italien könnte eine Auslieferung an die Schweiz verweigert werden, müsste aber nicht. Selbstverständlich gilt für alle Beteiligten die Unschuldsvermutung.

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*Der Artikel erschien zuerst auf «Inside Paradeplatz». Mit freundlicher Genehmigung.

Wer deckte den Herz-Skandal auf?

Raphaela Birrer lehnt sich zu weit aus dem Fenster.

Wie begossene Pudel stehen all die Politiker (und einige Journalisten) da, die den Skandal an der Herzklinik der Uni Zürich den Medien in die Schuhe schieben wollten – oder ihn kleinreden und vernütigen.

Mindestens 70 tote Patienten zu viel, schwere Verfehlungen, ein geldgieriger Chefarzt, der ungehemmt walten und wüten konnte, versagende Aufsichtsorgane bis in die Regierung: es ist ein veritabler Skandal, dessen Aufarbeitung viel zu lange gedauert hat. Inzwischen dreschen natürlich alle auf den Ex-Klinikchef Francesco Maisano ein.

Viel zu leise wird aber der Whistleblower André Plass gelobt, der unermüdlich und ungehört auf die unerträglichen Zustände hinwies – und das mit dem Verlust seiner Stelle bezahlen musste. Und der Herzchirurg Paul Vogt, der unerschrocken und öffentlich darauf hinwies, dass es unter seinem Vorgänger viel zu viele Tote gab – was ihm eine Anzeige und einen Freispruch auf ganzer Linie einbrachte.

Unerschrocken meldete sich auch Tamedia-Oberchefredaktorin Raphaela Birrer mit einem ihrer gefürchteten Kommentare zu Wort:

Die Zeit der Götter in Weiss ist schon längst vorbei – nur nicht am Unispital Zürich. Und ob sie dort vorbei ist, ist angesichts weiterer Skandale doch sehr die Frage.

Auf jeden Fall stapelt Birrer die üblichen Betroffenheit-Vokabeln aufeinander: «… noch schlimmere Missstände … Ausmass der Verfehlungen ist schockierend … komplett versagt … Zahl der Todesfälle erschütternd … für die Opfer zu spät …»

Um mit dem üblichen Blabla zu enden: «Immerhin scheinen mit dieser umfassenden Ausleuchtung die Weichen dafür gestellt, dass sich ein derart weitreichendes und tödliches Systemversagen nicht wiederholt.»

Ach ja? Mit vielen Jahren Verspätung? Im zweiten Anlauf? Wobei am Unispital nach dem Skandal vor dem Skandal ist. Stichwort Urologie, allgemeine Governance-Schwächen, Defizite in Führung und Kontrolle, ungehemmte Bereicherung auf der Chefetage.

Allerdings nimmt man es auch bei Tamedia mit der Wahrheit nicht allzu genau. So behauptet Birrer kühn:

«Der «Tages-Anzeiger» hatte die Missstände im Mai 2020 erstmals publik gemacht.»

Das liegt nun höchstens noch knapp im Streubereich der Wahrheit. Denn bei diesem Artikel ging es lediglich um mögliche Beschönigungen der Anwendung dieses Cardiobands, mit dessen Erfindung sich der Klinikchef eine goldene Nase verdiente, wobei es vom Käufer heute nicht mehr hergestellt wird – untauglich.

In diesem Artikel ging es in keinem Wort um erhöhte Mortalität, es war mehr so ein Einzelschuss ins Blaue.

Denn der erste Artikel war eine breite Recherche der deutschen «Welt am Sonntag», die am 2. Juli 2023 erschien. Intern waren die Probleme schon seit 2019 bekannt – ohne dass etwas unternommen wurde.

Am Tag darauf zog Tamedia online nach. Dabei wurde der Konzern aber vom Finanzblog «Inside Paradeplatz» abgetrocknet, der schneller war. Die richtige Aufarbeitung erfolgte dann erst am 9. Juli in der «SonntagsZeitung».

Und anschliessend räumte Lukas Hässig auf IP den beiden Exponenten Plass und Vogt immer wieder breiten Raum ein, ihre vernichtende Kritik zu äussern – wobei das Unispital und die politisch Verantwortlichen erbitterte Gegenwehr entfalteten. Auch ZACKBUM beteiligte sich an der Debatte und übernahm auch immer wieder Beiträge aus IP.

Ende Juni 2024 legte die WamS dann nach. Unter dem Titel «Ein Gewinn fürs Herz», rollte sie nochmals den Skandal an der Herzklinik des Unispitals Zürich auf. Auf 35’000 A sezierte das deutsche Blatt die unglaublichen Zustände in Zürich und das Versagen bei der Aufarbeitung. Regierungsrätin Rickli verlangte damals übrigens eine «Richtigstellung» von der WamS – die sie natürlich nicht bekam, weil die Recherche wasserdicht war.

Also herrscht nun allerorten echte oder geheuchelte Betroffenheit – und ein rette sich, wer kann, aus der Verantwortung.

Tamedias Birrer legt noch ein Scheit drauf und brüstet sich mit Lorbeeren und Meriten, die ihrem Medienhaus sicher nicht zustehen.

Skandal

Lukas Hässig soll ums Verrecken angeklagt werden. Eine Justiz-Zwängerei.

Auf Betreiben des Mitangeklagten von Pierin Vincenz sollte der Herausgeber des Finanzblogs «Inside Paradeplatz» wegen Verletzung des Bankgeheimnisses angeklagt werden.

Die Staatsanwaltschaft stellte das Verfahren insgesamt drei Mal (!)  ein, wogegen Beat Stocker immer wieder Einsprache erhob. Die Staatsanwaltschaft, immer wieder zum Jagen getragen, ging sogar soweit, in den Redaktionsräumen und im privaten Bereich von Hässig Hausdurchsuchungen durchzuführen.

Der Journalist verlangte die sofortige Versiegelung des Einbehaltenen und bekam Recht. Daraufhin stellte die Staatsanwaltschaft ein weiteres Mal das Verfahren ein.

Hintergrund ist ein weiterer Justizskandal, das Verfahren gegen den gefallenen Starbanker Vincenz und seinen Kompagnon, der sich weiterhin für einen ganz grossen Strategen hält – obwohl er erstinstanzlich sogar eine höhere Strafe erhielt. Alle appellierten gegen das Urteil, das Obergericht verpasste daraufhin dem Staatsanwalt und dem Bezirksgericht eine schallende Ohrfeige, indem es das Urteil aufhob und die Anklageschrift als ungenügend und weitschweifig abkanzelte.

Daraufhin klatschte das Bundesgericht das Obergericht ab, womit der Prozess inzwischen ins achte Jahr geht. Eine Justizposse.

Die Grundlage für das drakonische Vorgehen gegen Hässig liefert das 2015 verschärfte Bankengesetz, das selbst die Weitergabe von geleakten Bankdaten unter Strafe stellt. Eine Kriminalisierung des Journalismus, eine beispiellose Fehlleistung des Parlaments, unter dem Einfluss der Bankenlobby.

Hässig als One-man-Show hat eine ganze Reihe von Finanzskandalen aufgedeckt, nicht zuletzt die Affäre Vincenz. Mit hoher Risikobereitschaft und natürlich abgestützt auf Dokumente und Unterlagen, die ihm zugespielt wurden. Damit sorgt Hässig regelmässig für mehr Primeurs als die weitgehend zahnlose Wirtschaftspresse der Schweiz.

Immerhin wird über diese Zwängerei des Obergerichts Zürich breit berichtet – nur die NZZ hält sich vornehm zurück und hat bislang kein Wort über diesen Justizskandal verloren.

Das Obergericht sieht im «Weiteroffenbaren» einen Verstoss gegen das Bankengesetz, ein Anschlussdelikt wie Hehlerei oder Geldwäscherei. Eine absurde Konstruktion, der das Interesse der Öffentlichkeit an der Aufdeckung von Finanzskandalen diametral entgegensteht.

Andere Wirtschaftsredaktionen haben aus Schiss vor dieser Auslegung des Gesetzes bereits auf Berichterstattung feige verzichtet. Obwohl sie wie im Fall Tamedia über ganz andere finanzielle Ressourcen verfügen als Hässig.

Der muss schon mal die Hälfte der Verfahrenskosten und als Gipfel der Perversion dem Kläger Stocker eine Parteienentschädigung von 1400 Franken bezahlen.

Aber statt dass hier durch die Medien ein Aufschrei geht, sich die grossen Verlage im Namen der Pressefreiheit hinter Hässig scharen und dieses Fehlurteil scharf kritisieren, kommen sie knapp ihrer Berichterstatterpflicht nach.

Zu oft hat der Einzelkämpfer sie abgetrocknet und als Schnarchnasen demaskiert.

Auf der anderen Seite betreibt er tatsächlich manchmal einen Borderline-Journalismus mit seinem Ansatz, täglich einen Knaller rauszuhauen. Und dann toben sich in seinen Kommentarspalten frustrierte und übellaunige Finanztrottel aus, die mit ihren Anwürfen allzu oft die Grenze zum Justiziablen überschreiten.

Grosse Finanzinstitute wissen heutzutage: selbst die Androhung von juristischen Schritten kann häufig genügen, damit ein Medium die Publikation eines Berichts seinlässt. Denn selbst wenn das Geldhaus am Schluss verlieren sollte: die Kosten, die es dem Medium verursacht, werden heutzutage nur sehr ungern in Kauf genommen.

Da kennt Hässig nichts, und hoffentlich startet er ein Crowdfunding, um diese neuerlichen und völlig überflüssigen Rechtskosten abzufedern. Denn ohne seine Stimme läge die Berichterstattung über Finanzskandale im Argen.

Der Grenzgänger

Daniel Ryser hat mal wieder den Arbeitgeber gewechselt.

Der Mann ist flexibler als ein Gummibärchen. Von der WoZ wechselte er zur «Republik», beschimpfte dort in einer selten schlampig recherchierten Serie («Die Infokrieger») alle Kräfte des Bösen wie «Weltwoche» und Co. und insbesondere deren Chefredaktor Roger Köppel.

Dann gab’s bei der «Republik» einen kantigen Abgang. Die «Republik» setzte ihn in bewährter Manier in den Sand und musste ihm ein hübsches Sümmchen zahlen. Aber man hat’s ja.

Dann tauchte Ryser zur allgemeinen Überraschung an der Seite von Darth Vader auf und schrieb fleissig für die WeWo. Rings und lechts, was soll’s, man muss ja von was leben.

Und nun die nächste Häutung, Ryser hat beim «Infosperber» angeheuert. Redaktionsleiter Hannes Britschgis Alterswerk. Ob der Abschied von der WeWo friedlich oder nicht erfolgte, ist nicht bekannt.

Auf jeden Fall eine Gelegenheit für ZACKBUM, sich das Organ, von Urs P. Gasche gegründet, mal genauer anzuschauen. Redaktor René Zeyer war ein Weilchen beim gleichzeitig entstandenen «Journal21» unterwegs, bis er dort die tiefer gelegte Toleranzschwelle übertrat. Unvergesslich, als er sich das letzte Mal in eine Redaktions-Telco einwählte, sich höflich vorstellte, eisiges Schweigen, dann rappelte sich Heiner Hug auf: «Wir wollen hier aber über Dich sprechen, ohne Dich.» So hört sich gelebte Pluralität an.

Das war aufs falsche Pferd gesetzt. «Journal21» riecht immer mehr nach Altherrenschweiss plus leichte Inkontinenz. «Infosperber» hingegen mausert sich trotz bescheuertem Namen immer mehr zu einer lesenswerte Alternativquelle.

«Iran-Krieg: Die Uno und die EU sind die grossen Verlierer», eine Analyse, in der mehr Gehirnschmalz steckt als im ganzen Geseire von Tamedia und NZZ. Ryser richtet in einem grossen Artikel den Amok und Berufs-Provokateur Nicolas A. Rimoldi hin, der mal wieder vor Gericht stand und wegen eines alle Grenzen des guten Geschmacks überschreitenden Blöd-Spruchs verurteilt wurde.

Helmut Scheben geht kenntnisreich der Geschichte der Zensur nach, «Man muss die Verletzung des Völkerrechts klar benennen», sagt Professor Oliver Diggelmann von der Uni Zürich zum Angriffskrieg gegen den Iran. Christoph Schütz macht den Presserat darauf aufmerksam, dass er einmal mehr viel zu spät urteilt und dabei erst noch seine eigenen Richtlinien über Bord wirft.

Gut, es kommentiert auch Werner Vontobel, und eine Kampffeministin macht sich mit einer Brandrede gegen die Bezeichnung «minderjährige Frau» lächerlich. Aber das sind Kollateralschäden.

Dafür haben wir Rudolf Strahm, auch Gasche publiziert weiterhin fleissig und kampfeslustig. Dazu werden auch immer wieder Artikel von Lukas Hässig auf seinem «Inside Paradeplatz» übernommen.

Und neben seinem Stück über Rimoldi hat Ryser bereits wie meist fleissig in die Tasten gegriffen, «Störsender ohne Störung», ein interessanter Kommentar zur SRG-Initiative, bei dem man nicht weiss, ob der Mann nun dafür oder dagegen ist oder nur seine eigene journalistische Zickzacklinie aufarbeiten möchte. Plus natürlich Trump-Bashing, was in der WeWo nicht so genehm war.

Also alles in allem Buntes und Munteres. Stiftungs- und spendenfinanziert, mit dem Slogan: «Infosperber sieht, was andere übersehen».

Manchmal entstehen auch hier Artikel am Schreibtisch, die vor Ideologie triefen und die Wirklichkeit als störendes Element betrachten. So behauptet eine Martina Frei über Kuba: «Kranke und Verunfallte können nicht mehr versorgt werden, weil es an allem fehlt. Schuld ist die Sanktionspolitik der USA.» Erstens waren und sind die USA der drittgrösste Aussenhandelspartner Kubas, was sich schlecht als Sanktionspolitik verkaufen lässt. Zweitens: Schon seit Langem sind Lebensmittel und medizinische Artikel von allen Restriktionen ausgenommen. Nur hat Kuba nicht das Geld, um alles Nötige zu kaufen. Drittens gibt es nun tatsächlich zum ersten Mal ein vollständiges Ölembargo, was natürlich völkerrechtswidrig ist. Und viertens ist die Autoblockade durch ein völlig verfehltes Wirtschaftssystem die Hauptursache für die Malaise. Eine karibisch-fruchtbare Insel, die über 90 Prozent der Lebensmittel importieren muss, das ist ein hausgemachtes Desaster.

Aber man kann halt nicht alles über alles wissen, auch nicht beim «Infosperber». Der dennoch eine interessante Nahrungsergänzung ist.

Wallis als Schande der Schweiz

Aber nur ein kleiner Finanzblog thematisiert das Totalversagen.

Die Tragödie von Crans-Montana. Unfassbar, was in der eigentlich überregulierten Schweiz möglich ist. Eine Bar als Todesfalle, die Hälfte der Opfer sind Minderjährige, die gar nicht dort sein durften. Untaugliches Dämmmaterial, zusätzlich verengte Fluchttreppe, einziger Notausgang wahrscheinlich verriegelt und zugestellt. Keine Feuerlöscher, unqualifiziertes Personal, überfüllt und renoviert im Do-it-yourself-Verfahren.

Staatsanwaltschaft und Regierung halten Händchen während einer Pressekonferenz. Gewaltenteilung? Doch nicht im Wallis. Der Gemeindepräsident beschimpft den «Spiegel», als der es wagt, kritische Fragen zu Brandschutz und Kontrolle zu stellen:

«Wer sind Sie, so etwas zu verlangen! Ich habe den Anstand, Sie nicht so zu behandeln, wie Sie es verdienen, und zwinge mich dazu, Sie darüber zu informieren, dass die Kantonspolizei für die Information der Presse zuständig ist.»

Das Wirteehepaar mit dubioser Vergangenheit wird zunächst nur als Auskunftspersonen vernommen, läuft weiterhin frei herum, obwohl es sich der Strafverfolgung durch die Rückkehr nach Frankreich entziehen könnte.

Seine Leibwächter bedrohen einen «Blick»-Journalisten massiv. Bewilligungen, Nachweis von Sicherheitskontrollen, Brandschutzmassnahmen? Ach was.

Wurden entsprechende Unterlagen gesichert, die Amtsräume der zuständigen Behörden durchsucht, der Gemeindepräsident gemassregelt, der nicht nur sich, sondern die ganze Schweiz der Peinlichkeit und Lächerlichkeit preisgibt?

Die Mainstreammedien zerflossen tagelang in Mitleid (sofern sie den Fall nicht anfänglich verschnarchten wie das Schweizer Farbfernsehen), stammelten das übliche «unfassbar, Tragödie, unbeschreiblich» und hielten Überlebenden sowie regelmässigen Besuchern das Mikrophon vor die Nase.

Plus natürlich die Fachleute, die erklärten, was bei massiven Verbrennungen medizinisch möglich ist und welche Überlebenschancen die mehr als 100 Schwerverletzten haben.

Kritische Nachfragen überliessen sie weitgehend dem Finanzblog «Inside Paradeplatz»*, der mit journalistischer Gründlichkeit und Geschwindigkeit auf die Katastrophe reagierte, obwohl das nicht gerade seine Kernkompetenz ist.

Dabei ist sonnenklar: das Wallis ist die Schande der Schweiz. Das Wallis stellt in zentralen Bereichen einen systematischen Gegenentwurf zu rechtsstaatlichen, institutionellen und gesellschaftlichen Standards der Schweiz dar und schadet damit dem Anspruch der Schweiz als transparentem, modernem Rechtsstaat.

Systematische Vetternwirtschaft, auffällige Nähe zwischen Behörden und Eliten, minimalistische oder verzögerte Umsetzung von Bundesrecht und Volksentscheiden. Und schliesslich wählten die Walliser den ehemaligen CVP-Präsidenten Christophe Darbellay zum Staatsrat. Obwohl kurz zuvor bekannt wurde, dass der streng katholische Verteidiger der Heiligkeit der Ehe sich einen Seitensprung mit Folgen geleistet hatte.

Bekannt wurde er, weil er sich anfänglich weigerte, die finanziellen Folgen seiner Sünde zu übernehmen.

Kann man von den Behörden eines solchen Kantons erwarten, dass sie die Ursachen der Brandkatastrophe und das Ausmass des Behördenversagens konsequent aufarbeiten?

Der Ehemann der Staatsanwältin ist im Weinhandel tätig und beliefert Gastro-Betriebe. Und so weiter.

Wie schreibt Lukas Hässig richtig: «Sicheres Land, hyperkorrekte Beamte, rigorose Kontrollen, umfassender Katastrophenschutz – alles, an das die eigenen Bürger und die ganze Welt glaubten, ist in den Flammen im Party-Keller einer Alpen-Bar aufgegangen.»

Seine bittere Bilanz:

«Was macht der Bundesrat? Justizminister Beat Jans hat mit einem Blumenstrauss – keinem Bouquet – Crans-Montana am Samstag seine Aufwartung gemacht. Von seiner Rede ist nichts hängengeblieben.

Guy Parmelin liess die Fahnen auf halbmast setzen, ist schon am Donnerstabend, dem Tag der Tragödie, an der ersten grossen Pressekonferenz aufgekreuzt, wo er den Opfern versprach, die Schweiz würde sie nicht im Stich lassen.

Seither? Schweigen. Die Regierung in Bern scheint wie gelähmt, jene im Wallis schützt die eigenen Leute, eine offensichtlich überforderte Ermittlerin darf weiterhin passiv bleiben, kritische Medien kriegen Drohungen und werden zusammengestaucht.»

Dagegen raffen sich die ersten Mainstreammedien langsam dazu auf, sich die Tränen abzuwischen und die Stirne leicht zu runzeln: «Die Rolle der Behörden rückt in den Fokus», behauptet neuerdings Tamedia. Bei diesem Qualitätsorgan vielleicht, bei IP war das schon in der Nacht der Tragödie der Fall.

Auch die NZZ ist aufgewacht: «In Crans-Montana sind verheerende Fehler gemacht worden – die Behörden schulden den Opfern und ihren Angehörigen lückenlose Aufklärung». Aber was passiert, wen die Walliser diese Aufklärung schuldig bleiben und alles nach kantonaler Eigenart zuschwiemeln und in die Verjährung gleiten lassen?

Dazu fällt auch ihr nichts ein, der «Blick» hechelt einfach der Aktualität hinterher: «Inferno-Paar darf nicht mehr wirten». Ohne diese  schaumstoffweiche Reaktion der Walliser Behörden zu kommentieren.

Aber gut. Crans-Montana, Venezuela, Ukraine, Iran und noch ein bisschen Gazastreifen, das ist auch viel auf einmal für die zum Skelett runtergesparten Redaktionen. Bei denen offenbar nicht immer die Besten das grosse Rausschmeissen überlebten.

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*Packungsbeilage: René Zeyer veröffentlicht regelmässig auf «Inside Paradeplatz».

 

Das Schweigen der Belämmerten

Gibt es ausser Lukas Hässig noch Wirtschaftsjournalisten?

Da gibt es den Fall des ehemaligen Nestlé-Chefs Laurent Freixe. Der arbeitete 39 Jahre für den Nahrungsmittelkonzern mit dem vertrauenserweckenden Namen.

Neben seiner Tätigkeit fand Freixe allerdings immer wieder Zeit, auf Freiersfüssen zu wandeln. Das zweite Mal brach ihm das allerdings das Genick.

Lukas Hässig von «Inside Paradeplatz» spricht von einer «Mata Hari des Schweizer Food-Multis». Das etwas schiefe Bild sei ihm verziehen. «Corporate Casanova» für Freixe ist hingegen durchaus treffend.

Es ist so, dass wieder einmal IP als erstes Medium im Juli über diese problematische Liaison des Nestlé-Chefs mit einer direkten Untergebenen berichtet hatte.

Zunächst stritt Nestlé jegliches Fehlverhalten auf höchster Ebene ab, das habe eine interne Untersuchung zweifelsfrei bewiesen. Nachdem IP aber nachstocherte, wurde dann Bär & Karrer mit einer externen Untersuchung beauftragt.

«Ein Cover-up fürs Governance-Lehrbuch», kritisiert Hässig in seinem neusten Beitrag. Und rückt den eigentlich verantwortlichen ins Zentrum: Nestlé-VR-Präsident Paul Bulcke. Denn Freixe ist bereits dessen zweiter Fehlgriff in kurzer Zeit:

«Zuerst entwickelte sich Mark Schneider zum esoterischen Milliarden-Vernichter, dann entpuppte sich Freixe als Corporate Casanova

Das ist ziemlich blöd für einen Verwaltungsrat, zu dessen vornehmsten Aufgaben es gehört, die Geschäftsleitung mit fähigen und stabilen Leuten zu besetzen.

Blöd ist das auch für die übrigen Medien, die inzwischen hinterherhecheln. Tamedia vermeldet in ihrem Artikel immerhin: «Ende Juli berichtete der Finanzblog «Inside Paradeplatz» darüber, dass Freixes Beziehung zu einer Mitarbeiterin innerhalb der Firma für Gesprächsstoff sorge.»

Andere Organe, darunter «Blick» und NZZ oder CH Media, verklemmen sich jeden Hinweis auf den eigentlichen Urheber. Der wie im Fall Vincenz ein hohes Risiko einging.

Denn hätte sich seine aus internen Quellen gespeiste Story als Ente erwiesen, und anfänglich stritt Nestlé jegliches Fehlverhalten seines Chefs ab, dann hätte er mit teuren Schadenersatzansprüchen rechnen müssen.

Die Reputation des CEOs des Nahrungsmultis Nestlé. Die Reputation der Firma selbst. Alleine die Abwehr rechtlicher Schritte wäre teuer geworden.

Aber erst, als Nestlé publik machte, dass es seinen schnell verliebten CEO fristlos gefeuert hatte, sprang die übrige Journaille auf und wusste es im Nachhinein mal wieder schon immer.

Aber vorher? Ist da was? Schauen wir lieber mal, ob sich Hässig in die Nesseln gesetzt hat oder nicht, bevor wir uns auch mit dem Riesen anlegen. Der schliesslich als Inserent nicht ganz unbedeutend ist.

So die Haltung der übrigen Wirtschaftsjournaille. Nur Arthur Rutishauser fällt noch gelegentlich durch Sonderleistungen auf. Wie er sich an der verblichenen CS abarbeitet. Oder an der Migros zum 100., wo das Versagen einer ganzen Managergeneration den orangen Riesen ins Wanken gebracht hat.

Aber sonst? Nicht einmal eine kompetente Analyse der US-Zollpolitik kann der Schweizer Wirtschaftsjournalismus liefern.

Vorherrschende Meinung: da sieht man’s; wäre die Schweiz in der EU, wäre ihr das nicht passiert. Die hat schliesslich 15 Prozent herausverhandelt.

Bullshit, würde da Präsident Trump sagen. Zum einen musste die EU absurde Verpflichtungen eingehen, die weder sie noch die USA erfüllen können. Zudem stänkert Trump bereits wieder, dass ihm die EU-Digitalgesetze nicht passen und er deswegen neue Strafzölle erwägt.

Also nichts von Sicherheit und Stabilität durch überlegenes Verhandlungsgeschick.

Wirtschaft ist zentral wichtig für das Wohlergehen. Eine wache Wirtschaftspresse könnte einiges Unheil verhindern oder zumindest verantwortungslose und raffgierige Akteure etwas bremsen.

Aber in der Schweiz? Eine One-man-Show.

 

Packungsbeilage: ZACKBUM-Redaktor René Zeyer publiziert regelmässig auf IP.

 

 

Wenn Journalisten über Journalisten schreiben …

… wird der «umstrittene Journalist» Lukas Hässig unfreundlich abgewatscht.

«Tim Wirth schreibt oft Portraits und Hintergründe. Für den «Züritipp» interviewt er zudem internationale und nationale Musikerinnen und Musiker.»

Also geradezu prädestiniert dafür, ein Porträt über den Finanzblog «Inside Paradeplatz» und seinen Herausgeber Lukas Hässig zu schreiben. Ist es das Geld wert, hinter der Bezahlschranke?

Erste Zweifel kommen schon bei der Spitzmarke auf: «Umstrittener Zürcher Journalist». Wer streitet denn um ihn; das ist ein unscharf-wolkiges Adjektiv, das insinuieren soll: zweifelhaft. Unflat bereits im ersten Wort. Es geht so weiter:

«Kontroverser Blog, 150’000 Klicks will der 60-Jährige pro Tag erreichen, der Ton ist dramatisch und gehetzt, er publiziert auch Halbgares und Verletzendes und wurde deshalb schon mehrmals eingeklagt und auch verurteilt. Er musste Entschädigungen bezahlen, Artikel oder Textstellen löschen und Gegendarstellungen publizieren. Wie oft, bleibt unklar, schwammige Trennung von Fakten und Meinungen auf «Inside Paradeplatz», auch männliche Politiker sagen, dass Hässig sie faktenfrei angegriffen habe.»

Eine hübsche Portion Häme, auch mit anonymen Quellen, dazu zitiert er Hässigs ehemaligen SoZ-Chefredaktor AndreasDuschdas») Durisch, der längst in die Beratung gewechselt hat. Oder entblödet sich nicht, ungeeignete Zeugen wie Jolanda Spiess-Hegglin oder das Mitglied ihres Beirats Martin Steiger zu zitieren, ohne dessen Interessensbindung auszuweisen.

Natürlich gibt es auch eine Portion Lob: «Seine investigativen Recherchen deckten bedeutende Skandale im Schweizer Finanzsektor auf.» Gleich abtemperiert: «Kritiker werfen dem Portal mangelnde Faktentreue sowie diskriminierende Berichterstattung vor

Dass angebliche weibliche Opfer weitgehend vor Gericht krachende Niederlagen erlitten, erwähnt er hingegen nicht.

Einen zentralen Punkt umfährt er geflissentlich: wie ist es möglich, dass Hässig als One-man-Show den Vincenz– Skandal aufdeckte, die Millionenentschädigung für den Ex-Novartis-Chef Daniel Vasella, um nur zwei Beispiele zu nennen?

Das hat zwei Gründe. Erstens schnarcht die Wirtschaftsredaktion von Tamedia vor sich hin, trotz des unermüdlichen Arthur Rutishauser. Zweitens wendet man sich zuerst an Hässig, wenn man Interna zu enthüllen hat. Weil man weiss, dass der Mann sich traut, die auch rauszuhauen. Obwohl er damit immer wieder existenzgefährdende Rechtshändel riskiert.

So wie beim Anlass des Artikels. Der rachsüchtige Kompagnon von Pierin Vincenz hat als Privatkläger die Staatsanwaltschaft mehrfach dazu gezwungen, eine absurde Ermittlung wegen einer angeblichen Verletzung des Bankgeheimnis wieder aufzunehmen. Das führte zu einer Razzia bei Hässig. Ein Schlag ins Wasser, denn sein Antrag auf Versiegelung des abtransportierten Materials hatte Erfolg.Auf den Kosten, wie auch in seinem epischen Streit mit der UBS, bleibt er jeweils sitzen. Wie sagt Hässig so richtig:

«Wenn ich eingeklagt werde, kann ich anfangen, 1000er-Noten rauszuschmeissen

Dass er allerdings in Überdehnung des Rechts auf freie Meinung seine Kommentarschreiber an der ganz langen Leine hält, was ihm schon schmerzliche Verluste bescherte, das sollte er besser in den Griff kriegen.

Ein Porträt ist immer seine subjektive Sache. Ein guter Porträtschreiber versucht, für den Leser ein möglichst realitätsnahes Bild des Porträtierten zu schreiben.

Da er Herr der Beispiele zur Charakterisierung und der ausgewählten Zitate ist, kann er dem Bild einen Spin geben, eine Färbung. Wenn er ein schlechter Porträtschreiber wie Tim Wirth ist. Ein Lohnschreiber, der nie im Leben auf die Idee käme, ein kritisches Porträt über seinen Big Boss Pietro Supino oder über den geldgierigen Coninx-Clan zu schreiben.

Und seitdem der bei ZACKBUM auf der Shitlist stehende besinnungslose Gesinnungsschreiber Philipp Loser mit einer unsäglichen Rempelei gegen den Konkurrenten Hanspeter LebrumentDer Alte auf dem Berg») baden ging, er sich dafür entschuldigen musste und der Artikel gelöscht wurde, traut man sich auch nicht mehr an die Konkurrenz heran.

Ausser, sie heisst Hässig. Was bleibt da als Framing? Wilder Typ, frauenfeindlich, haut oft Halbgares und News aus der Gerüchteküche raus, hat’s nicht so mit den Fakten. Obwohl er da und dort einen Primeur landet.

Man könnte genauso unfundiert eine Lobeshymne auf Hässig anstimmen. Journalismus als Jahrmarkt der Beliebigkeit. Wie man ein gutes Porträt schreibt, das lernt man heute offenbar weder am MAZ noch bei einem «Kompaktkurs der Henri-Nannen-Schule». Die immerhin noch so heisst, während der Henri-Nannen-Preis (den auch der «Spiegel»-Fälscher Relotius gewann), inzwischen in «Stern»-Preis umbenannt wurde.

Aber das wäre eine andere Geschichte.

Packungsbeilage: ZACKBUM-Redaktor René Zeyer publiziert regelmässig auf IP.

«Republik»-Rabulistik

Die Zahlen-Akrobaten vom Rothaus sind unverbesserlich.

«Wachsen gegen die Wahrscheinlichkeit», flötet die «Republik» in ihrem Newsletter. Und behauptet: «Die Republik wächst weiterhin. Seit Frühsommer 2024 steigt Ihre Anzahl, liebe Verleger, stetig an.»

Diese Behauptung hat einen planwirtschaftlichen Charme. Denn auch da gab es den Plan – und die Wirtschaft und die Wirklichkeit. Im Dezember 2024 machte sich ZACKBUM lustig über die Zahlen-Akrobaten, die es niemals schaffen, widerspruchsfrei über ihre wirtschaftliche Lage Auskunft zu geben.

Ob es ein paar «Verleger» mehr oder weniger hat, ob mit Sonderaktionen und Billigangaboten die Abzahlen aufgehübscht werden oder nicht: die bittere Realität ist, dass die Retter der Demokratie nur deswegen noch Kuschelatmosphäre für 8000 Franken im Monat spielen können, weil zwei reiche Erben mit tiefen Taschen Rangrücktritt bei ihren Darlehen erklärt haben. Oder auf Deutsch: das Geld ist aller Wahrscheinlichkeit nach futsch, macht ja nix.

Und so kuschelig ist die Atmosphäre schon lange nicht mehr. Christof Moser, der Gründer: rausgemobbt. Sein Nachfolger: abserviert. Ein Starreporter so ruppig und ohne Anhörung rausgepfeffert, dass es im Nachgang richtig teuer wurde für die «Republik».

Währenddessen tendiert die journalistische Leistung gegen null. Der ehemalige Starschreiber Constantin Seibt hat sich in einem Jahr genau 14 Mal zu Wort gemeldet. Entweder mit Sprachdurchfall (Rekord: 47’500 A) oder ungewöhnlich knapp (Kurzstreckenrekord: 6000 A).

Richtig abgehoben wird es bei den Plänen. 33’000 Abos, das Wolkenkuckucksheim einer Expansion nach Deutschland, wo 100’000 Abos zu holen wären. Umsatzzahlen, die nie erreicht, aber behauptet werden. Angebliche Skandale, die zusammenfallen wie ein Soufflee in der kalten Luft der Wirklichkeit.

So geht’s munter weiter. Die Anzahl der Abos steige stetig an, mit dieser Behauptung verabschiedet sich die «Republik» in den Sommer. Nun ja, alleine im März 2025 verliessen 2800 «Verleger» das lecke Schiff. Von Januar bis Juni kamen 6400 Abos jeglicher Art hinzu. Währenddessen verliessen 5970 Zahler den Verlag. Ein Zugewinn von schlappen 430 Wildentschlossenen. Kann man als stetigen Anstieg verkaufen.

Die ausgewiesene Gesamtzahl dümpelt bei knapp 29’000 vor sich hin, selbst die einstmals als überlebensnotwendig behauptete Zahl von 30’000 scheint unerreichbar.

Was nicht schrumpft, ist die Payroll. 45 Nasen ruhen sich auf ihr aus, darunter ein «Head Growth Marketing», einer für «Community Support», ein «Projektleiter Klimalabor» (dem geht’s ungefähr so gut wie dem Klima), und gleich zwei teilen sich in die Chefredaktion. Dazu kommen 17 «regelmässige Mitarbeiter», darunter einer für die «Gesamtkonzeption». Dann hätten wir noch die Geschäftsführung, drei Nasen Overhead und den vierköpfigen Verwaltungsrat, den mal Roger de Weck präsidieren sollte.

Als der sich etwas genauer mit dem Thema Verantwortlichkeit eines VR beschäftigte, suchte er das Weite.

Geblieben sind alles in allem 70 bezahlte Ladies and Gentlemen und wohl auch einige beyond.

Nichts ist nebensächlich genug, um als Steckenpferd zu Tode geritten zu werden. Gibt es aber einen Anschlag auf die Pressefreiheit durch die Razzia auf den Finanz-Blog «Inside Paradeplatz», dann schweigt die «Republik». So wie die meisten Medien in der Schweiz lieber ihr Mütchen am «umstrittenen» Herausgeber Lukas Hässig kühlen, der im Alleingang diverse Skandale aufdeckte. Mehr als die 70 Cracks im Rothaus.

Vielleicht wäre es sinnvoller und ehrlicher, als ständig grosse Töne zu spucken, sich auf die Herausgabe einer Hauszeitung an der Langstrasse zu beschränken. Denn irgendwann sollte man diesem Leiden ein Ende machen.

Razzia bei „Inside Paradeplatz“

Eine gefährliche Justizposse.

Die Vincenz-Affäre klebt dem Herausgeber von IP wie ein Stück Hundekot an der Schuhsohle.

Neben vielen anderen Scoops enthüllte Lukas Hässig vermutlich krumme Geschäfte des gefallenen Raiffeisen-Stars Vincenz und seines Kompagnons Beat Stocker.

Das führte zur ersten Verurteilung eines führenden Bankers zu Knast. Sein Bundesgenosse kassierte sogar eine noch höhere Strafe. Die Urteile sind noch nicht rechtskräftig, weil sich hier eine weitere Justizposse entfaltete, verursacht durch einen überforderten Staatsanwalt und Sänger.

Die Staatsanwaltschaft eröffnete 2019 ein Verfahren gegen IP wegen vermuteter Verletzung des Bankgeheimnisses. Hand dazu bietet eine gemeingefährliche Verschärfung dieses Tatbestands aus dem Jahr 2015.

Wenn eine Grossbank wie die UBS unter gütiger Mithilfe des Bundesrats via Notrecht das Bankgeheimnis pulverisiert und tausendfachen Kundenverrat begeht, ist das kein Anlass für eine Strafuntersuchung.

Wie anders als aus mutmasslichen internen Quellen der Bank Bär konnte Hässig es wagen, diesen Skandal öffentlich zu machen.

Normalerweise ist es klar, dass das öffentliche Interesse an solchen Schwiemeleien genügt, um Strafuntersuchungen abzuklemmen.

Zudem ist es in diesem Fall völlig unklar, ob nicht eine Drittperson IP diese Informationen zur Verfügung stellte. Also sistierte die Staatsanwaltschaft 2021.

Dagegen erhob Stocker als Privat-Anzeigeerstatter Einsprache vor dem Obergericht. Und bekam Recht. Die Staatsanwaltschaft sistierte mit ausführlicher Begründung 2023 ein zweites Mal.

Stocker, mit dem Blick fürs Wesentliche, rekurrierte ein zweites Mal, wieder erfolgreich.

Im Herbst 2024 eröffnete die STA III erneut ein Strafverfahren.

Gedrängt von Stockers Anwalt verfügte sie im Mai 2025 eine Hausdurchsuchung von Hässigs Büro und seiner Wohung.

Das fand am 3. Juni statt. Hässig beantragte sofortige Siegelung der behändigten Unterlagen und Geräte.

Immerhin konnte er im Bericht lesen: „In der aufgeräumten Wohung konnten keine weiteren Sicherstellungen erhoben werden.“

Jahre nach der Aufdeckung des Skandals muss sich Hässig weiterhin mit dieser Zwängerei herumschlagen, die mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ergebnislos enden wird.

Das kostet Geld, Zeit und Nerven. Und ist ein weiterer Skandal in dieser an Skandalen überreichen Affäre.

Packungsbeilage: René Zeyer publiziert regelmässig auf IP.

Jammern auf billigem Niveau

«Inside Paradeplatz» begrüsst einen neuen Mitautor.

Mark van Huisseling ist sonst eher dafür bekannt, dass er (Markenzeichen Nebensätze in Klammern) in der «Weltwoche» und anderswo die Schönen und Reichen und ganz schön Reichen und die Prominenten mit genau der richtig dosierten Menge an Ironie begleitet, die sie noch vertragen.

Da erzählt er auch gerne von seinen Autos, Sonnenbrillen und sonstigen Statussymbolen. Nun taucht er aber erstaunlicherweise als Autor bei «Inside Paradeplatz» auf. Obwohl zuvor noch nicht wirklich als Finanzspezialist aufgefallen, poltert er hier: «Lykke-Pleite: Gründer Olsen droht Strafantrag».

Für Leser, die mit Bitcoins und anderen Blockchain-Währungen nicht auf Du und Du sind: das ist so ein Krypto-Handelsplatz, wo man diese virtuellen Währungen handeln kann. Denn bei allem Faszinosum von Bitcoin & Co.: Die Anwendung im täglichen Leben ist eher beschränkt, die Hoffnung auf Währungsgewinne unbeschränkt. Und gerade hat doch Bitcoin die Marke von 100’000 Dollar durchstossen.

Wobei die einzige Wahrheit bislang in dieser Welt ist: Kryptowährungen sind für Leute, die «no risk, no fun» als Lebensmotto haben. Nun ist es gemeinhin so, dass der Gentleman und auch der Beobachter der High Society geniesst und schweigt. Oder aber leidet und schweigt.

Aber nicht so van Huisseling. Der drischt auf IP kräftig auf den Krypto-Opa Richard Olsen ein:

«Am Freitag vergangener Woche schloss Richard Olsen, Gründer und CEO von Lykke, seinen Krypto-Handelsplatz. Seither können Kundinnen und Kunden des Schweizer Unternehmens ihr Wallet, eine elektronische Brieftasche, nicht mehr öffnen.»

Das ist natürlich furchtbar für die Betroffenen, darauf muss die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit gelenkt werden, auch auf IP. Da jammert Mark (wir sind per du, wieso das hier ändern): «Man bekommt dann zwar recht als Gläubiger, aber kein Geld. Stattdessen einen Verlustschein, der sich zum Aufhängen über der Toilette eignet, beispielsweise.»

Ds ist ja schon furchtbar, aber Mark hat auch keine gute Meinung von unseren Strafverfolgungsbehörden: «Bei uns geht es darum, einen allfälligen Täter zu schützen, nicht seine Opfer, so sieht’s aus. Einige Geschädigte wählen deshalb einen anderen Weg, den sogenannten Strafantrag

Das hätte laut Mark den Vorteil, dass die Geschädigten direkten Zugriff auf das persönliche Portemonnaie von Olsen hätten.«Der Nachteil: Noch ist unklar, ob Olsen, ein Urenkel von Julius Bär, dem Gründer der Zürcher Privatbank, Geld hat (ein Steuerauszug von ihm wurde angefragt)».

Das ist ja alles ganz furchtbar für die Betroffenen, denen man höchstens vorwerfen könnte, dass sie zu blöd waren, die Handelsplattform, die ihre Kryptowährung verwaltet, genauer unter die Lupe zu nehmen. Denn bei allen unbestreitbaren Vorteilen, die Kryptowährungen haben: wer bei einer Schweizer Bank Schweizerfranken deponiert hat, kann davon ausgehen, dass er einen Teilbetrag (oder den vollen Betrag bei Voranmeldung) problemlos in Cash ausgezahlt bekommt. Das ist bei Kryptos definitiv anders.

Aber zurück zu Mark. Irgendwo im Artikel outet er sich in einer seiner legendären Klammerbemerkungen:

«(Enthüllung: Ich bin Geschädigter sowie Mitglied einer Gruppe, die einen Strafantrag vorbereitet.)»

Dann wird Mark, der Demagogie aus eigener Betroffenheit nicht abgeneigt, noch richtig fies: «Die nachdenkliche Nachricht zum Schluss: In Amerika wurde ein Krypto-Plattformbetreiber mit Namen Sam Bankman-Fried wegen Taten, die teilweise vergleichbar sind, zu über zwanzig Jahren Gefängnis verurteilt.»

Meine Güte, aus Verzweiflung ein Vergleich mit der US-Wildwest-Justiz, die absolut und in keiner Form auf die Schweiz übertragbar ist?

Disqualifiziert ihn das, einen anklägerischen Artikel darüber zu schreiben, wie ihm selbst Geld abhanden kam? Disqualifiziert ihn das, darüber zu schreiben dass er sich hübsche Extraprofite in einem volatilen Markt erhoffte? Disqualifiziert ihn  das, weil er offensichtlich in eigener Sache medialen Druck aufbauen möchte?

Ja, das disqualifiziert ihn und leider auch ein wenig IP, das dieses Selbstmitleidgejammer veröffentlicht.