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Ach, Häsler

Der Mann gibt nicht auf. ZACKBUM schon.

Es gibt die Koalition  der Willigen. Die Achse des Bösen. Und dann gibt es Georg Häsler. Nur echt im Kämpfer, mit Vollbart und grimmigem Blick. Und mit düsteren Ansagen und markigen Forderungen in der NZZ.

Diesmal:

«Eine Koalition der Vernünftigen muss die Geschicke in die Hand nehmen – über die Sicherheitspolitik hinaus – und ein Programm für mehr Einigkeit und mehr Widerstandskraft erstellen.»

Offensichtlich ist unser Stossseufzer Wer stoppt Häsler? unerhört verschallt. Nun reitet er wieder, und ZACKBUM weiss, wann genug ist. Also ein letztes Mal die Kriegsgurgelgurgel.

Diesmal greift er gleich am Anfang weit in die Geschichte zurück: «Das alte Bern ging satt, selbstgefällig und an der feudalen Sorglosigkeit der Patrizier unter.» Ach was. Und das junge, also zumindest aktuelle Bern?

Gemach, auch sein neues Steckenpferd, historischer Ausflug, muss Häsler zuerst zu Tode reiten: «Gewiss, das Ancien Régime hatte sich längst überholt, und es herrschte damals Krieg in unmittelbarer Nähe.» Also war damals doch einiges anders als heute. Oder nicht? «Aber das Denken der politischen Elite scheint sich kaum verändert zu haben.»

Potz tausend: «Auch der Bundesrat von 2026 – und mit ihm die Berner Blase aus Beratern, Verbandsfunktionären und Parlamentariern – glaubt, die Kriege der Gegenwart gingen die Schweiz im Grunde nichts an.»

Alles schlappe Zivilisten, Weicheier, Drückeberger. Dabei ist es mal wieder Mathäi am Letzten: «In der Welt der realen Rüstungspolitik rast der Schweiz die Zeit davon.» Und nur einer kann mit ihr Schritt halten, mit der rasenden Zeit. Der rasende Häsler natürlich.

Alle anderen hingegen, ein Bild des Jammers: «Eine vernünftige Sicherheitspolitik ist gegenwärtig blockiert – wie fast alle grösseren Projekte des Bundes

Kurzer Marschhalt, um dem Herrn aus Herrliberg eine reinzuhauen: «Die SVP unter ihrem Vordenker Christoph Blocher setzte die Versatzstücke der bürgerlichen Schweiz nach ihrem Gutdünken wieder zusammen – zu einer Karikatur eines supersouveränen Landes, das es nie gegeben hat

Himmels willen, was tun, ausser beten? «Es braucht deshalb jetzt dringend eine Koalition der Vernünftigen, die die Dinge an die Hand nimmt. Politikerinnen und Politiker aus allen Parteien, denen es nicht darum geht, die eigene Blase zu bespassen, sondern im Landesinteresse zu handeln

Das bestünde worin? Auf Spassbremse Häsler hören, heisst endlich wieder siegen lernen: «Die Bedrohung schafft eine hohe Dringlichkeit, jetzt Geld in die Hand zu nehmen, um mindestens die nötigen Mittel für die Luftverteidigung zu beschaffen

Da geht noch einer: «Statt endlos um die Neutralität zu tanzen, könnte die Koalition der Vernünftigen einen neuen Anlauf nehmen, das Dach-Format – die Zusammenarbeit der deutschsprachigen Länder – zu einer Alpenallianz mit Frankreich, Italien und Slowenien zu erweitern: für einen gemeinsamen Luftschirm

Gerade ist er so schön mit dem Luftschirm am Abheben, da erinnert er sich plötzlich, dass a) der Platz dann mal alle ist, und b) mit einer Artikelklammer doch der Anfang am Schluss wieder aufgenommen werden muss. Aber woher nehmen, und nicht stehlen? Da kraulte sich Häsler gedankenverloren den Bart und kam auf diese Glanzidee:

«Als die Franzosen das alte Bern besetzten, raubten sie den Staatsschatz der gnädigen Herren. Die volle Kasse nützte nichts. Der Legende nach liegt das Berner Gold vor der Küste Ägyptens. Die Republik der Patrizier zerfiel. Eine neue, beständige Ordnung begann erst 1848 mit dem modernen Bundesstaat, der jetzt – wie schon im Ersten und im Zweiten Weltkrieg – vor einer Bewährungsprobe steht. Die Schweiz braucht ein Programm für mehr Einigkeit und Widerstandskraft

Und ZACKBUM (wohl auch seine Leserschaft) braucht dringend eine Häsler-Pause. Mit reichlich Gurgelwasser.

Häsler rides again

Wenn ein kalter Krieger heissläuft …

Von Operettengeneral Georg Häslers einstigem Optimismus, dass die Ukrainer nicht nur tapfer, sondern auch siegreich für unsere westlichen Werte sterben, ist nicht mehr viel übrig: «Das Szenario geht von einer weiteren Eskalation des Kriegs in Europa aus: Russland hat die Ukraine in die Knie gezwungen, Kiew musste die besetzten Gebiete abtreten. Eine Schutztruppe unter britisch-französischer Führung versucht, den Kreml vor einem weiteren Vorrücken abzuhalten.» Und in der Schweiz gehen die Lichter aus.

Über den Wehrwillen (und die Wehrfähigkeit) der Eidgenossen muss man sich allerdings Sorgen machen, wenn man weiss, dass Häsler auch noch Oberst der Schweizer Armee ist. Man beachte diese Lachnummer von Selbstdarstellung auf LinkedIn:

Der tieffliegende Hubschrauber sieht so schwarz in die Zukunft wie auf seinem Symbolbild, da die Schweiz viel zu wenig für die Landesverteidigung ausgebe: «Der grosse Krieg in Europa wäre womöglich schon wieder vorbei, bis die Schweizer Armee nach diesem Plan einigermassen kriegstauglich wäre – eine solche Sicherheitspolitik ist schlicht verantwortungslos.»

Nun, ein «grosser Krieg in Europa», also ein militärisches Vordringen Russlands in den NATO-Bereich, würde die Schweiz vor ganz andere Probleme stellen. Denn in einer radioaktiv verseuchten Umwelt hat Sicherheitspolitik eine eher geringe Priorität im Vergleich zum blossen Überleben.

Aber natürlich brennt’s niemals nur in Europa: «Die USA rechnen im Zeitraum zwischen 2027 und 2030 mit einem chinesischen Angriff auf Taiwan.» Dass China bis dahin nicht im Ansatz genügend eigene Kapazitäten für eine Chip-Produktion aufgebaut hätte, ist dem Weltstrategen offenbar entgangen. Daraus melkt Häsler ein weiteres Schreckensszenario. Die USA seien nicht mehr in der Lage, zwei Kriege gleichzeitig zu führen (wann waren sie das eigentlich mal?). Sie würden sich auf den Pazifik konzentrieren, Europa schutzlos zurücklassen, und: «Wer sich nicht verteidigen kann, zieht den Krieg förmlich an.»

Die Geschichte der Schweiz nach dem Zweiten Weltkrieg muss umgeschrieben werden. Da sie sich noch nie selbst verteidigen konnte, war sie offenbar Schauplatz unzähliger Kriege. Aber stell dir vor, es ist Krieg, und nur Häsler schaut hin.

Dann fällt er wieder in längst überkommene militärische Vorstellungen zurück. Luftverteidigung sei von oberster Priorität. Da ist selbst der militärische Laie und Alt-Bundesrat Kaspar Villiger weiter; chirurgische Eingriffe in essentielle Infrastruktur wären heutzutage gefährlich. Und von Cyberkriegsführung hat Häsler auch noch nie was gehört. Kein Wunder, als Fan von Hubschraubern …

Aber Häsler schreitet zur Befehlsausgabe:

«Eine externe Arbeitsgruppe erarbeitet bis im Spätsommer konkrete Vorschläge. Die konsequente Umsetzung ist eine Frage des politischen Willens.
Für den Wiederaufbau der Armee hingegen braucht es kurzfristig auch Mehreinnahmen. Zur Wahl stehen die direkte Bundessteuer, die eigentliche Wehrsteuer, die vor allem von den Besserverdienenden bezahlt wird, oder die Mehrwertsteuer. Weil es bei der Landesverteidigung um eine Gemeinschaftsaufgabe geht, ist eine Finanzierung über den Konsum, also die Mehrwertsteuer, vorzuziehen, weil davon alle betroffen sind

Und schon haut er wieder völlig daneben. natürlich wäre eine kurzfristige Finanzierung über die Direkte Bundessteuer, die nicht umsonst mal Wehrsteuer hiess, das richtige Mittel, nicht etwa die Mehrwertsteuer, deren Anhebung zu Verteidigungszwecken genauso abgelehnt würde wie für den Klimaschutz. Es macht ja genau den Charme der Wehrsteuer aus, dass sie Gutverdiener überproportional zur Kasse bittet, und nicht die Mehrheit der Stimmberechtigten.

Auch für die Armee hat Häsler knarrende Befehle parat: «In der Pflicht ist auch die Armee selbst. Alles, was nicht der Verteidigung dient, muss weg. Weniger Verwaltungsarbeit, weniger Immobilienaufwand, weniger Nostalgie, dafür mehr Flexibilität bei der Digitalisierung und mehr flüssige Mittel für Investitionen.» Kleiner Spartipp: wie wäre es mit dem Ausserdienststellen von Obersten?

Und am Schluss will er das, was schon immer der Traum aller militärischen Gaukler war, die eierlegende Wollmilchsau: «Die Schweiz braucht eine glaubwürdige Armee zur Kriegsverhinderung – und gleichzeitig gesunde Finanzen, um die Folgen einer weiteren Eskalation des Kriegs bewältigen zu können.»

Weitere Eskalation im Sinne eines europäischen Krieges? Da geht es dann allerdings mehr um die Frage, ob in einer atomaren Strahlenwüste die Lebenden die Toten beneiden werden oder nicht.