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Wumms: Thomas Gottstein

Es kann immer nur einen geben. Den Boss, The Man. Aber wie macht man PR für den?

Es gibt den berühmten Ausspruch des PR-Mannes Farner: «Gebt mir eine Million, und ich mache aus einem Kartoffelsack einen Bundesrat.» Das blieb uns bislang, oberflächlich betrachtet, erspart.

Wer und warum machte eigentlich Thomas Gottstein zum CEO der immer noch zweitgrössten Bank der Schweiz? Schliesslich ist die Credit Suisse «too big to fail», systemrelevant. Wenn’s richtig eng wird, darf der Steuerzahler aushelfen.

Dr. Thomas Gottstein ist seit etwas mehr als zwei Jahren der Chef der CS. 1995 erwarb er den Doktortitel in Finanz- und Rechnungswesen an der Universität Zürich. Anschliessend verlief seine Karriere eher unauffällig. Bis man dringend einen Nachfolger für Tidiane Thiam brauchte, der über einen Überwachsungsskandal gestolpert war.

Unauffällig, Schweizer, kann sympathisch lächeln: gebongt, den nehmen wir, sagte sich der Verwaltungsrat, der vorher durch Fehlgriffe aufgefallen war. Auch da war dann Feuer im Dach; während VR-Präsident Urs Rohner alle Skandale seelenruhig ausgesessen hatte, lupfte es seinen Nachfolger schon nach kurzer Zeit. Zu schlampiger Umgang mit Corona-Regeln, zu grosser Hang zu Freiflügen im Firmenjet. Daher musste er dann fliegen, aber natürlich mit goldenem Fallschirm. Also vergoldetem, die richtig saftigen Zeiten sind auch da vorbei.

Blieb also Gottstein als Fels in der Brandung. Nur: da gibt es einen Hasardeur aus Australien, der ein höchstwahrscheinlich kriminelles Schneeballsystem in Form eines Lieferketten-Fonds betrieb. Lex Greensill verfügt über das, was man im Geschäftsleben haben muss. Sympathisches Lächeln, überzeugendes Auftreten, angeblich grossartiges Geschäftsmodell. Zwischenfinanzierung von Lieferantenforderungen, Erklärungen würden zu weit führen, super Sache, der Burner, Gewinn garantiert, Verlust ausgeschlossen.

Solche grossartigen Geschäftsmodelle enden eigentlich immer gleich. Sie laufen ein Weilchen, alle sind glücklich und hauen sich auf die Schultern, dass es kracht. Dann gibt es ein paar klitzekleine Probleme, aber don’t panic, kriegen wir hin.

Nun könnte man, wenn man mit Milliarden im Feuer ist wie die CS, schnell auf die Bremse treten, einfrieren und einen Stiefel voll rausziehen. Aber «CS will not let you down», soll der sympathisch lächelnde Gottstein dem Sympathieträger Greenshill telefonisch versprochen haben.

Nun gibt es die Unsitte, gute Kunden mit Lombardkrediten spekulieren zu lassen. Also die Bank streckt vor. Geht’s gut, sind alle zufrieden. Geht’s schlecht, kommt der gefürchtete Margincall. Die Bank verlangt Nachschuss an Sicherheiten, sonst muss sie den Kredit leider glattstellen. Das führte dann zu Notverkäufen asiatischer Kunden von Greensill-Anteilen.

Statt nun den Stecker zu ziehen, soll die CS, sympathisch lächelnd, nochmals 140 Millionen Kredit in den absaufenden Fonds geschossen haben. So versuchte man, aus dem Schlamassel still und leise rauszukommen. Bis sich am 1. März 2021 das Kartenhaus Greensill-Fonds zusammenfaltete. Milliardenschaden für die CS.

Und seit einem Jahr versucht Gottstein, seine Beteiligung an dieser Katastrophe wegzulächeln. Äussert man sich kritisch dazu, bekommt man ein nettes Mail der CS, man hätte sie doch zur Stellungnahme einladen sollen. Bietet man ihr das generös an, wird aber wieder die Räuspertaste gedrückt, Sendepause. Und wahrscheinlich sympathisch gelächelt. So macht man Öffentlichkeitsarbeit.

Thomas Gottstein. Sympathie- und Anzugträger.