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Schlagwortarchiv für: Leitlinien

René Zeyer

Blabla-«Blick»

18. April 2024/1 Kommentar/in Allgemein/von René Zeyer

Ehrfurcht bitte. Es kommt Gesalbtes, Gelabertes und Geschwurbeltes.

Wer das noch nicht wusste: «Blick steht für relevanten, umfassenden und unterhaltsamen Journalismus in der Schweiz.» Sagt da einer: das wüsste ich aber? Ts, ts, zur Strafe gehen wir nun diese «redaktionellen Leitlinien» durch.

Dabei stossen wir gleich auf ein erstes Problem: ihre Erläuterung ist über 10’000 A lang, und dabei ist das «Editorial Mission Statement der Ringier AG» gar noch nicht mitgezählt. Das ist aber 2400 A schlank, immerhin. Ach so, nein, das war nur seine Ankündigung, in Wirklichkeit ist es noch viel kürzer.

Sein Kernsatz: «Ringier macht Journalismus, der informiert, unterhält und Vertrauen schafft. Er verpflichtet sich den Werten der Demokratie, der Menschenwürde und der Freiheit.» Wir vermissen aber den Einsatz für den Weltfrieden und die Abschaffung des Hungers. Das ist noch nicht alles. Es folgt, so gehört sich das heute für jede Firma, die etwas auf sich hält, die Liste von ewig gleichen Worthülsen: «Exzellenz, Wahrheit, Offenheit, Unabhängigkeit, Verantwortung, Publikum, Respekt».

Zweites Problem: in wohl jeder Ausgabe des «Blick», im Online-Auftritt liesse sich täglich mindestens ein Verstoss gegen diese hehren Begriffe festellen.

Drittes Problem: wieso werden die denn für den «Blick» dermassen ausgewalzt? Um sich besser lächerlich zu machen? Greifen wir nur einen Unterpunkt in dieser ellenlangen Abhandlung auf: «Unabhängigkeit der Redaktion».

«Die Redaktion arbeitet unabhängig von jeder äusseren Einflussnahme. Sie veröffentlicht, was sie für aktuell, relevant und ethisch richtig hält. Sie entscheidet frei von politischen, weltanschaulichen oder wirtschaftlichen Direktiven und persönlichen Ideologien. Blick trennt klar zwischen redaktionellen Inhalten, Werbung und bezahlten Service-Angeboten. Inhalte, die nicht in der Verantwortung der Redaktion entstehen, werden entsprechend gekennzeichnet (etwa als «Sponsored Content», «Branded Story», «Anzeige», «Publireportage», «In Kooperation mit …»).»

Da brennen die Oberschenkel vom Klopfen, und die Packung Taschentücher wird von Lachtränen durchweicht. Warum? Nun, sagen wir so: man suche auf ZACKBUM nach dem Stichwort «Blick». Das sollte genügen. ZACKBUM hofft: auch Michael Ringier, Marc Walder oder Ladina Heimgartner haben herzlich gelacht, als sie das lasen.

Es ist uns bewusst, dass unsere Leser wieder mal um Gnade winseln, daher greift ZACKBUM nur noch ein weiteres Stichwort heraus: «Nicht-Diskriminierung».

«Blick respektiert Geschlechteridentitäten und stellt in seiner Berichterstattung Personen so dar, wie sie sich identifizieren (männlich, weiblich, non-binär, transgender etc.). Bei den inklusiven Schreibweisen bevorzugt Blick neutrale Begriffe (z. B. Feuerwehrleute statt -männer), wechselt männliche und weibliche Form ab oder benutzt beide. Generisches Femininum, Genderstern, Doppelpunkt und Ähnliches sind in einzelnen Formaten in bestimmten Blick-Produkten möglich.»

Und noch dies: Man stelle sich vor, dass jeder Kindersoldat, jeder der wenigen gestandenen Redaktoren, jeder der unzähligen Heads, Chiefs und Officers diese Richtlinien auswendig lernen muss, bevor er auch nur auf eine Taste drückt.

Kann man sich das vorstellen? Nein, das kann man sich nicht vorstellen. Denn es ist unvorstellbar. Aber immerhin: wer sich fragte, warum «Blick» nicht nur auflagemässig in den Abgrund fährt, wieso «Blick» mit grossen Buchstaben und bunten Bildern völlig enteierten Ex-Boulevard-Journalismus macht, der muss nur dieses Geschwurbel durchlesen. Dann ist ihm alles klar.

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2024/04/Bildschirmfoto-2024-04-16-um-11.30.25.png 433 943 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2024-04-18 05:00:362024-04-16 21:23:00Blabla-«Blick»
René Zeyer

Morgenstern oder Genderstern?

23. August 2023/6 Kommentare/in Allgemein/von René Zeyer

Gibt es Hoffnung? Kommt SRF zur Vernunft?

Wenn das stimmt, hat sich die Halbierungsinitiative bereits gelohnt. Wie CH Media vermeldet, werden die «publizistischen Leitlinien» von SRF mal wieder überarbeitet. Dafür ist auch genügend Work Force vorhanden, denn die journalistisch Tätigen sind bekanntlich beim Zwangsgebührensender in der Minderheit.

Da man den Journalisten am Leutschenbach nicht über den Weg traut, wird deren Schaffen engmaschig eingehagt, sie sind sozusagen von Leitlinien umzingelt. Dazu gehörte neben vielem, vielem anderen:

««Genderneutral und diskriminierungsfrei berichten.» SRF erliess die Regeln Mitte 2021. Seither sind sie leicht angepasst und gestrafft worden. In der aktuellen Version findet man zum Beispiel folgenden Satz nicht mehr: «Auf den sozialen Plattformen kann man auch den Genderstern einsetzen, wenn es den Erwartungen der Zielgruppe entspricht.»»

So vermutet Francesco Benini, der normalerweise gute Quellen hat, dass der Genderstern generell nicht mehr erwünscht sei. Der übrige Wahnsinn ist allerdings weiterhin unagetastet. Also die Vermeidung der traditionellen und bewährten Form des generischen Maskulinum, stattdessen Journalistinnen und Journalisten, Reporterinnen und Redaktoren, Reportierende und ähnlicher Unsinn.

Gesprochene Genderpause oder Knacklaut, «Bürger:innen», da und dort erhebt die Sprachvergewaltigung im Namen des Guten weiterhin ihr hässliches Haupt.

Die einsetzende Vorsicht hat sicher auch damit zu tun, dass alle Anhänger:Innen* dieses Unfugs immer wieder in Meinungsumfragen herbe Nackenschläge einstecken müssen. 75 Prozent der Bevölkerung geht eine «gendergerechte Sprache» schwer am Allerwertesten (männlich) vorbei. Erschrocken schurigelte Tamedia seine Leser als «wenig sprachsensibel». Dabei hatten doch Andreas Tobler und andere Konzernjournalisten schon ganze Seiten in der «SonntagsZeitung» darauf verschwendet, den Lesern die angeblich «korrekte» Verwendung, also die Verkomplizierung, die Verhunzung, die Vergewaltigung der deutschen Sprache (weiblich) näherzubringen.

All das beruht auf dem banalen Irrtum, Genus mit Geschlecht zu übersetzen. Welch ein fataler Fehler, den abstrakten Begriff Gattung für Blödis verständlich zu machen. Seither meinen Blödis, dass es bei den drei Gattungen im Deutschen um Geschlechter gehe. Und dass eine Inkludierung heilsame Auswirkungen auf die Welt habe, während eine sogenannte Männersprache ganz schlimm sei.

Wie absurd das ist, beweisen schon mal Sprachen wie Türkisch, wo es Genus nicht gibt. Stimmte diese Theorie, müssten in der Türkei Frauen so was von inkludiert, gleichberechtigt und nicht diskriminiert sein. Absurder Blödsinn, aber das hat noch nie einen Fanatiker abgehalten, fanatisch zu sein.

Aber zu den Aufregern für die Schweizer Bevölkerung gehört auf Platz drei die «Genderdebatte und Wokeness». Das erbittert natürlich die kühnen Kämpfer:Innen*** für Sprachmisshandlung. Mit dem leidenden Blick eines Märtyrers schütteln sie den Kopf. Zu blöd, dass das Volk halt blöd ist. Unsensibel. Rückständig, ja unbelehrbar. Aber seufzend führen sie ihren Kampf fort.

Liebhaber (und Liebhaberinnen) der Sprache sehen aber einen leisen Hoffnungsschimmer am Horizont aufblitzen. Licht am Ende des dunklen Tunnels. Aber wir haben uns schon so oft getäuscht …

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2023/08/Bildschirmfoto-2023-08-22-um-09.45.11.png 386 666 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2023-08-23 05:00:272023-08-22 20:37:13Morgenstern oder Genderstern?

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