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Wumms: Michael Hermann

Die Mietmeinung lästert mal wieder bei Tamedia.

Der «Geograph und Politwissenschaftler» ist eine der beiden Allzweckwaffen, wenn es darum geht, vorgefassten Meinungen einen wissenschaftlichen Anstrich zu geben.

Dass Hermann direkt von Staatsaufträgen abhängig ist und daher keinesfalls in völliger Unabhängigkeit zu seinen Meinungen gelangt: was soll’s. Zu seinen regelmässigen Auftraggebern gehören Ämter, die SRG, die Bundesverwaltung und – das BAG.

 

Zu solchen Themen hat er bereits völlig «unabhängig» das gesagt, was seine Auftrraggeber hören wollen. Nun widmet er sich dem Thema Ukraine. Da stellt er das «alte» Europa dem «neuen» gegenüber.

Wie unterscheiden sich die beiden? «So stellte sich Deutschland damals unter Kanzler Schröder mit viel Courage den amerikanischen Kriegstrommeln entgegen. Und dasselbe Deutschland hadert nun kleinmütig mit der Lieferung schwerer Waffen zur Selbstverteidigung der Ukraine. Der Irak-Held Schröder ist als Putins Vasall zu einer der jämmerlichsten Figuren des Westens geworden.»

Das widerspiegelt sich auch in Hassfiguren von Hermann, denen er mutig die Leviten liest:

«Wir brauchen die Gabe, situativ zu handeln, statt in den immer gleichen Reflexen zu verharren. Zu verharren wie jene, die sich stets von der dunklen Seite der Macht angezogen fühlen, wie Roger Köppel, der den amerikanischen Angriff auf den Irak begrüsste und nun Verständnis für Putin aufbringt. Oder wie die demonstrativ Friedliebenden – zum Beispiel Alice Schwarzer oder Jürgen Habermas –, die sich 2003 mit heller Empörung gegen den amerikanischen Imperialismus stellten und nun im Angesicht des russischen Imperialismus zu Zurückhaltung mahnen.»

Was will uns der «Geograph und Politwissenschaftler» damit eigentlich sagen? Schröder war damals sein Held, heute sei der jämmerlich. Köppel fühle sich von der dunklen Seite der Macht angezogen, als sei Publizistik eine Betätigung im Rahmen der «Star Wars»-Serie.

Mit dem nötigen wissenschaftlichen Ernst begegnet Hermann auch Intellektuellen wie Schwarzer oder Habermas. Letzterer ist nun wirklich ein Wissenschaftler, beide haben Gedankengebäude errichtet, in denen sich Hermann heillos verlaufen würde, wenn er überhaupt Zugang fände.

Es wäre ein Ausdruck intellektueller Redlichkeit, Kritik unter Verwendung der Argumente der Kritisierten zu üben. So viel Respekt könnte man eigentlich erwarten, wenn sich jemand Geistesriesen wie Habermas vorknöpft.

Dabei fällt es Hermann nicht einmal auf, dass er sich selbst widerspricht. Er fordert situative Flexibilität statt «immer gleiche Reflexe». Aber genau das stellen die von ihm Angeschnauzten doch unter Beweis. Aber für die leichte Krawallerie, in der Hermann reitet, sind solche Gedankengänge unerreichbar.

Um auf Niveau zu kritisieren, müsste man eines haben, und das ist genau das Problem von Hermann. Sein intellektueller Unterbau reicht lediglich für Wadenbeissereien. Eigentlich müsste ein seriöses Blatt eine solche Kolumne als gewogen und zu leicht befunden zurückweisen. Aber solche Entscheidungen wurden gefällt, als der Journalismus noch nicht zum Jekami verkommen war und die Bedienung der Meinungen der eigenen Klientel nicht das einzige Kriterium für Publizistik.