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Wenn dir dein Produzent in die Fresse haut

Lustige Zustände bei Tamedia: Pelda berichtet, Dietziker  beckmessert.

Das muss man auf der Zunge zergehen lassen. Kurt Pelda ist unbestritten einer der besten Reporter der Schweiz. Im Nahen Osten überall im Einsatz, unter Lebensgefahr und mit beeindruckenden Reportagen. Ein profunder Kenner der Gegend und des Fundamentalismus. Zurzeit noch für Tamedia.

Jörg Dietziker ist ein mittelmässiger Produzent, seit Urzeiten bei Tamedia am Schreibtisch sitzend. Dort entweder die Entlassung oder die Frühpensionierung erwartend.

Nun hat Pelda, wie immer gut dokumentiert, einen ausführlichen Artikel über das üble Zusammenspiel zwischen Seenotrettern im Mittelmeer und Schlepperbanden geschrieben. Das ist nicht das erste Mal, dass diese mehr als anrüchige Komplizenschaft thematisiert wird.

 

Zusammen mit seinem Kollegen Ayoub Al Madani hat Pelda wieder einmal genügend Belege zusammengetragen: «Das Mittelmeer ist zum Massengrab geworden für Menschen, die nach Europa migrieren wollen. Das hält manche Hilfsorganisationen aber nicht davon ab, mit Menschenhändlern zusammenzuarbeiten.»

Inhaltlich gibt es am Artikel nichts zu meckern. Das konstatiert auch Dietziker einleitend: «Der Text von Pelda beginnt faktengerecht.» Da ist der Journalist sicher froh, dass ihm der Sesselfurzer aus der Produktion das zubilligt.

Geht mit dem Beckmesser auf die eigenen Leute los.

Aber das bleibt das letzte freundliche Wort von Dietziker. Von jetzt an haut er dem eigenen Tamedia-Mitarbeiter kräftig eins in die Fresse:

«Dann wird das Ganze zu einem unappetitlichen Mischmasch.»

Der Spezialist für Seenotrettungen Dietziker weiss nämlich: «Zudem ist die Verteufelung der Schlepper, auch wenn es darunter sehr zwielichtige Figuren hat, der falsche Ansatz.»

Dann kommt, so sicher wie der Furz nach dem Essen einer Zwiebel, der Nazivergleich. Denn Juden hätten schliesslich auch Schlepper geholfen, weiss Historiker Dietziker. Damit steht sein Urteil über «die EU, die Schweiz – und Herr Pelda» fest: alle drei «blenden in ihrer Geschichtsverleugnung solche Tatsachen gerne aus

Dann wird Dietziker noch ganz persönlich

Dieziker in seinem Lauf halten weder Ochs noch Esel auf; nun wird’s noch ganz schäbig und persönlich: «Der gute Herr Pelda füllt bald wieder die Lücke des schlechten (Philipp) Gut.» Das nennt man mal ein elegant gesetztes Bonmot. Aber Dietziker kann noch einen drauflegen: «Gut, der während seiner Zeit in Möppels Biotop der nützlichen Idioten mehrfach wegen übler Nachrede verurteilt wurde.»

Dass er nützlich sei, das hat Dietziker nun noch niemand vorgeworfen. ZACKBUM erinnert sich, dass der Produzent schon vor Jahren durch beklagenswerte Unfähigkeit auffiel. Aber deswegen wäre niemand auf die Idee gekommen, mit seinem Namen Schindluder zu treiben.

Hier erreicht der Wahnsinn im Hause Tamedia eine neue Qualität. Zumindest ist es ZACKBUM nicht bekannt, dass schon vorher einmal ein Produzent einem Reporter des eigenen Blatts dermassen und öffentlich über den Mund gefahren wäre.

Besonders putzig ist das Verwenden von völlig sachfremden Behauptungen, weil Dietziker immerhin intelligent genug ist, die Faktentreue und den Kenntnisstand von Pelda nicht anzuzweifeln.

Abmahnung oder gleich fristlose Entlassung?

Von all dem hat der Herr Produzent keine Ahnung, aber, wie es sich für das Haus Tamedia gehört, zu alldem eine Meinung. Die Verteufelung von Schleppern, die Hunderte, wenn nicht Tausende von Menschenleben auf dem Gewissen haben, sei der falsche Ansatz, donnert Dietziker. Also ist der richtige, sie anzuhimmeln? Das wäre wohl das Gegenteil von verteufeln.

Als wäre das nicht schon schräg genug, wirft er dann gleich der EU, der Schweiz und natürlich auch «Herrn Pelda» vor, sie blendeten etwas aus, was gar nie Thema war, und das sei dann «Geschichtsverleugung».

Das müsste eigentlich schon für eine strenge Abmahnung reichen. Dass er in einem verunglückten Wortspiel mit Namen dann noch drauflegt, dass Gut «jetzt PR-Berater» sei und «nach wie vor jenseits von … na ja, Sie wissen schon … und böse – genau wie der gute Pelda», das sollte eigentlich für eine fristlose Entlassung reichen.

Der Gründe gäbe es genug

Zunächst einmal, weil man von einem Produzenten doch erwarten könnte, dass er nicht an der deutschen Rechtschreibung scheitert, dieser bösen. Dann, weil es doch wohl nicht angehen kann, dass ein Mitarbeiter einen anderen öffentlich dermassen anpinkelt.

Hätte es faktische Fehler zu bemängeln gegeben, wäre das wohl ein Thema für eine interne Auseinandersetzung gewesen. Wie Dietziker aber einräumt, gibt es die nicht. Sondern er ledert einfach über einen Kollegen ab, weil ihm die Aussage dessen Artikels nicht passt. Dagegen kann Dietziker zwar keine Argumente anführen, das versucht er aber durch Polemik, Häme und furchtbar verhauene Sprachscherze zu ersetzen.

Sollte Tamedia in irgend einer Form noch Wert darauf legen, ernst genommen zu werden, kann so eine Illoyalität nicht geduldet werden. Natürlich wäre auch eine öffentliche Entschuldigung fällig, wenn jemand in diesem Saftladen noch etwas Rückgrat zeigen will.

Als Philipp Loser im Auftrag seines Herrn einen Konkurrenten und dessen Verlag madig machte und sich dafür entschuldigen musste, war das immerhin ein Versuch, einen Mitbewerber runterzuschreiben. Aber einen Kollegen?

Man stelle sich nur vor, dass Dietziker auch beim Produzieren von Texten dermassen nassforsch seine unqualifizierte Meinung reinmecht. Da muss doch jeder Tamedia-Schreiber echt Schiss kriegen, dass sein Werk diesem aufgeblasenen Rechthaber in die Hände fällt.

 

Unter Tagi-«Kollegen»

Wer abweicht, wird niedergemacht. Der kollegiale Stil der Qualitätszeitung.

Marc Brupbacher ist ein leitender Redaktor bei Tamedia. Er ist weder Virologe, noch hat er eine Ahnung von Epidemiologie. Das hindert ihn nicht daran, als Corona-Kreische öffentlich durchzudrehen. Der Bundesrat? «Komplett übergeschnappt.» Der Gesundheitsminister? «Mit dem bin ich fertig.» Uni-Koryphäen wagen es, eine von seiner abweichende Ansicht zu vertreten? «Nehmt diesen Dreck runter und entschuldigt euch.»

Ein Mann am Rande des Nervenzusammenbruchs, und keiner kümmert sich um seine Behandlung. Wer nicht seiner Meinung ist, «verfügt über die Hirnleistung eines Einzellers». Nun hat Brupbacher einen neuen Anlass zum Kreischen gefunden. Eine neue Mutation habe «das Potenzial, Delta wie ein Kindergeburtstag aussehen zu lassen», hyperventiliert er, ohne Rücksicht auf den Akkusativ.

Da haut es dem Kollegen Kurt Pelda auch den Nuggi raus: «Seit bald zwei Jahren sagt Brupbacher den «Weltuntergang» voraus. Panikmache der übelsten Sorte, von der Realität widerlegt.»

Das tut er nicht ungestraft, denn nun rollt Dampfwalze Sandro Benini herbei: «Sorry, aber das ist polemischer Unsinn», rempelt er Pelda polemisch nieder, «passt du dein Niveau schon mal deinem neuen Arbeitgeber an?»

Dazu muss man wissen, dass Pelda von Tamedia wieder zur «Weltwoche» zurückkehrt, wo man ihm offenbar mehr Freiheiten lässt. Die er schon jetzt ausnützt, indem er seine Meinung zu Brupbacher offen kundtut. Der wiederum seine herumposaunt. Was wiederum Benini, auch in leitender Funktion bei Tamedia, zu Tritten unter die Gürtellinie veranlasst.

Das ist das Niveau, auf dem die sogenannte Qualitätszeitung aus dem Hause Tamedia angelangt ist. Da wäre tatsächlich eine Niveausteigerung dringend nötig.

Eine öffentliche Keilerei wie eine Wirtshausschlägerei unter gut abgefüllten Krakeelern, bevor sie vom Wirt zur Ausnüchterung auf die Strasse geworfen werden.

Es geht gar nicht darum, wer hier recht oder nicht. Es geht darum, dass man selbst unter «Kollegen» kein Erbarmen kennt, wenn jemand den Gottesdienst der einzig richtigen Meinung stört. Solchen Fanatismus gab es zuletzt in der katholischen Kirche oder in kommunistischen Parteien.

Sind wir froh, dass weder Brupbacher noch Benini über deren Machtmittel verfügen. Sonst müsste man sich echt Sorgen um das Wohlergehen von Pelda machen, obwohl der Kriegsreporter ist.

Offenbar verbreitet Mike Müller ein ansteckendes Niveau («Frage an ein ungeimpftes Arschloch»). Will wirklich jemand so einen Komiker sehen? Will wirklich jemand diese Belferer mit B im Nachnamen lesen?

Deutsche Fixierung auf Hitler

Der grosse Kanton im Norden ist mit seiner braunen Vergangenheit noch lange nicht fertig. Was geht das die Schweiz an?

Wer deutsche Informations- und Dokumentationskanäle anschaut, wundert sich. Jeden Abend, aber wirklich jeden, läuft auf mindestens einem eine Dokumentation zu Adolf Hitler. Sein Aufstieg, sein Antisemitismus, seine Kriegsführung, seine Reden, wie er beim sogenannten «Röhm-Putsch» einen Konkurrenten aus dem Weg räumte. Der Holocaust, die SS, seine Helfershelfer, «Hitler privat», «Hitlers Krankheiten».

Daraus schliesst man, dass die Zeit zwischen 1918 und 1945 für Deutschland weiterhin sehr präsent ist. Angebräuntes schon lange wieder salonfähig, Desperados bei Neonazi-Organisationen ihren Sinn im Leben finden, immer wieder neue Blasen aus diesem braunen Sumpf aufsteigen. Wie dichtete Bertolt Brecht seherisch: «Der Schoss ist fruchtbar noch, aus dem das kroch».

Nicht nur in Deutschland, aber vor allem dort, streift jede Schlacht unter Kommentatoren früher oder später das Thema Drittes Reich. Einen erinnert die Debatte, und sei es um Nistplätze für Störche, an diese dunkle Zeit, Wörter werden auf ihre Verseuchung durch die Nazi-Propaganda abgeklopft, Haltungen, Gesinnungen als eindeutig faschistisch denunziert.

Kaum vergangene Vergangenheit

Mangelhafte Aufarbeitung, Kollektivschuld, eine skandalöse und weitgehend ungesühnte Durchseuchung der deutschen Richterschaft mit Nazis und bald einmal Ex-Nazis, NSDAP-Mitglieder aller Orten, die eine neue Karriere machten nach dem Zweiten Weltkrieg, abgesehen von einer Handvoll Prozesse, ein sehr pfleglicher Umgang mit Nazi-Verbrechern. Schliesslich legten die USA das Niveau der Doppelmoral fest, indem sie nicht nur Wernher von Braun, ein opportunistischer Charakterlump, um seiner Raketenkenntnisse willen zum Chefentwickler ihres eigenen Raumfahrtprogramms machten.

Natürlich gab es auch grössere braune Flecken in der Schweizer Vergangenheit, aber Juden an der Grenze abzuweisen, war dann doch nicht ganz das Gleiche wie sie zu Millionen in Todesfabriken umzubringen. Dennoch strotzen vor allem die Kopfblätter von Tamedia zunehmend von Berichten aus braunen Zeiten.

Fast 100 Treffer ergibt eine Stichwortsuche zum Begriff Hitler alleine in Tamedia in den letzten 12 Monaten. 6500 sind es, wenn man die Suche auf den deutschen Sprachraum erweitert. Nichts ist zu abgelegen, um nicht den Schweizer Leser darüber zu informieren. So verbreitet sich Alexandra Förderl-Schmid, stellvertretende Chefredaktorin der «Süddeutschen» in München, auch bei Tamedia über eine neue Hitler-Biografie. Als gebürtige Österreicherin ist sie sicherlich dazu qualifiziert.

Nach dem Sohn nun auch noch der Vater

Nur ist Adolf Hitler auch biografisch wirklich abgegrast, also gibt’s eine neue Biografie über seinen Vater Alois Hitler. Denn in einem Estrich sind doch tatsächlich 31 Briefe aufgetaucht, die Hitlers Vater an einen Bekannten schrieb. Endlich die Gelegenheit, Überraschung, auch ihn als Antisemiten und Judenhasser zu porträtieren. Nur: wie gross ist das Interesse des Schweizer Lesers?

Und wird das auch nicht erlahmen, wenn endlich die von vielen Deutschen herbeigesehnte Biografie von Hitlers Schäferhunden erscheint?

Man kann natürlich sagen, dass solche Artikel immer noch besser sind als ein neuerlicher Amoklauf von Philipp Loser. Auf der anderen Seite wiederspiegelt Tamedia nicht nur in Bezug auf die Vergangenheit deutsche Ansichten und Positionen. Nehmen wir den Hotspot im Mittleren Osten, den Iran und seine Atompolitik.

Deutsche Sicht auf die ganze Welt, in Schweizer Tageszeitungen

Hier versucht die Schweiz, eine neutrale, bzw. vermittelnde Position einzunehmen. Das sieht natürlich Paul-Anton Krüger von der «Süddeutschen» entschieden anders. Mit dem Oberlehrer-Zeigefinger, unverzichtbares Requisit für jeden deutschen Journalisten, schreibt er: «Deswegen ist es richtig, jetzt alles daranzusetzen, den Vertrag trotz seiner Unzulänglichkeiten zu erhalten. In anderen Fragen sollten USA und Europäer massiv Druck auf den Iran machen.» Schön, dass Krüger weiss, was richtig ist. Nur übersieht er vielleicht, dass «die Europäer», die sonst eine bemerkenswert inexistente Aussenpolitik pflegen, das vielleicht tun sollten. Da die Schweiz aber nicht zu «diesen Europäern» gehört, die Auslandberichterstattung von Tamedia grösstenteils zur «Süddeutschen»  …

Neben der Biografie über Hitlers Vater thematisiert Kurt Pelda die Zunahme «antisemitischer Zwischenfälle» in der Schweiz. So verächtlich auch jede Schmiererei oder jedes brunzdumme Grölen von Nazi-Parolen ist: Pipifax, im Vergleich dazu, was in Deutschland inzwischen die Regel ist. Erschwerend kommt hinzu: Der Spezialist für die arabische Welt weicht auf solche Themen aus, weil die grossartige Plattform-Zeitung von Tamedia von seinen dezidierten Ansichten zur Burka-Initiative nichts wissen will und lieber dem kenntnisfreien Unter-Klein-Co-Chefredaktor Mario Stäuble einen bemerkenswert dümmlichen Leitartikel schreiben lässt, wieso die Initiative abzulehnen sei.

Schweine, die Schwein gehabt haben

Keine Lichtblicke, mal was Positives? Aber sicher doch, obwohl man diesen Artikel als feine Spitze gegen gleich zwei Religionen sehen kann, die den Verzehr von Schweinefleisch untersagen:

Wo die Herkunft eines täuschend ähnlichen Artikels keine Rolle spielt.

Richtig, da steht ziemlich prominent «sponsored». Haben also die Schweine zusammengelegt? Nicht ganz:

Feiner Unterschied zu redaktionellem Inhalt.

Versteht jemand dieses Geplauder? Was ist denn Commercial Publishing, die «Unit für Content Marketing»? Geht das auch auf Deutsch? Kein Problem: das ist die Abteilung von Tamedia, die im Auftrag von Werbetreibenden Inserateinhalte so herstellt, dass sie möglichst ähnlich wie ein redaktioneller Beitrag daherkommen. So verdient Tamedia nicht nur an der Publizierung des Inserats, sondern schon an seiner Herstellung. Um damit – what else – den qualitativ hochstehenden redaktionellen Content bezahlen zu können.

Da lachen die Hühner und kichern die Schweine.