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Wie viel Verlogenheit verträgt der Mensch?

Wenn zwei das Gleiche tun, ist das noch lange nicht dasselbe.

Selten war dieser Satz wahrer als heute. Da überfällt der russische Präsident Putin die Ukraine und versucht, ihre Regierung mit einem Enthauptungsschlag zu entfernen. Das Land müsse entnazifiziert werden, die Anhänger des Kriegsverbrechers und Antisemiten Stepan Bandera, der im Westen der Ukraine bis heute mit Denkmälern geehrt wird, müssten in die Schranken gewiesen werden.

Das geschah unter dem Bruch verbindlicher Zusagen, gegen die Rückgabe sowjetischer Atomwaffen, die in der Ukraine stationiert waren, die territoriale Integrität des Landes zu garantieren. Die auf einige Tage geplante militärische Spezialoperation geht ins fünfte Kriegsjahr, ausser vielen Toten und etwas Geländegewinn hat Putin nichts erreicht.

Durch ganze acht Staaten, wenn man die EU als Ganzes nimmt, wurden Sanktionen verhängt, von den übrigen 187 nicht. Insgesamt wurden bislang rund 400 Milliarden Euro als Unterstützung an die Ukraine bezahlt. In westeuropäischen und angelsächsischen Medien wird Russland regelmässig als Staat bezeichnet, der Kriegsverbrechen begeht und sich zum Paria in internationalen Beziehungen gemacht hat.

Israel hat den Gazastreifen in eine Trümmerlandschaft verwandelt, mindestens 70’000 Menschen (zum grössten Teil Zivilisten) dabei umgebracht, unzählige Kriegsverbrechen begangen und als besonders widerliches Detail gezielt Journalisten getötet und untersagt bis heute jegliche unabhängige Berichterstattung aus dem Gazastreifen.

Israel verübt völkerrechtswidrige Bombardements in Jordanien, Syrien und im Libanon.

Die USA und Israel haben gezielt militärische und zivile Führungskräfte von Ländern liquidiert, die ihnen feindlich gesinnt sind.

Am 28. Februar, während noch Verhandlungen zwischen dem Iran und den USA liefen, haben Israel und die USA ohne vorherige Kriegserklärung den Iran angegriffen. Mit Enthauptungsschlägen ist es ihnen gelungen, den obersten Führer und einige Mitglieder der obersten Landesführung zu töten. Offenbar gab es dabei auch Kollateralschaden wie die Bombardierung einer Mädchenschule, bei der nach iranischen Angaben über 100 Menschen getötet wurden.

Gegen Kuba haben die USA ein totales Ölembargo verhängt, unterbinden jegliche Lieferung auf die Insel und üben massiven Druck auf alle Länder wie Mexiko aus, die anfänglich erklärten, als souveräner Staat weiterhin diesen Rohstoff nach Kuba liefern zu wollen. Dadurch versinkt die letzte Insel des real existierenden Sozialismus im Chaos, brechen immer mehr grundlegende Dienstleistungen zusammen, zeichnet sich eine Hungersnot ab.

Wenn man die Berichterstattung alleine schon in deutschsprachigen Medien über all diese Ereignisse Revue passieren lässt und die Beurteilung der Invasion Russlands und der Invasionen der USA und Israels miteinander vergleicht, muss man, ohne für irgend eine Seite Partei zu ergreifen, eine unglaubliche Verlogenheit, Verluderung aller journalistischen Sitten und Gebräuche feststellen.

Auf der einen Seite scharfe Kritik, auf der anderen Seite Verständnis und Erklärungen. Alles, was Russland als Verteidigung seiner Handlungen anführt, wird in der Luft zerrissen. Alles, was Israel und die USA als Begründungen anführen, wird wohlwollend berichtet.

Gelegentliche, verschämte Hinweise darauf, dass es sich hier ebenfalls um den ständigen Bruch des Völkerrechts und um eine Abfolge von Kriegsverbrechen handelt, werden damit wegerklärt, dass im Kampf gegen das Böse doch eigentlich alles erlaubt sei.

Obwohl der Irak (oder Afghanistan) ein abschreckendes Beispiel ist, was mit einem Land passiert, das von den USA von seinem Diktator «befreit» wird, wird gegenüber dem Iran wieder behauptet, dass dieser Krieg doch eine gute Chance böte, die Schreckensherrschaft der Mullahs zu beenden und den Iran in eine demokratisch-freiheitliche Zukunft zu führen.

In den entsprechenden Echokammern und Gesinnungsblasen erzählen verantwortungslose Journalisten ihrem indoktrinierten Publikum diesen Unsinn und kritisieren gleichzeitig, wie die gelenkten Staatsmedien in Russland und anderswo die Wirklichkeit verzerrten.

Wie viel Verlogenheit verträgt der Mensch? Offensichtlich beliebig grosse Portionen.

Selber schuld

Wie Hirnwäsche funktioniert.

Nicht nur die Leserreaktionen bei ZACKBUM beweisen: Propaganda wirkt, Hirnwäsche funktioniert. Der Artikel über den Verschleierungs-Passiv hat fast unisono die Reaktion ausgelöst: selber schuld. Sie ist als Narrativ auch medial im Schwange.

Das ist ein interessantes Phänomen des Einfrierens der Hirnzellen durch ständige Vereisung. Es ist völlig klar, dass die fundamentalistischen Wahnsinnigen der Hamas für das Massaker an unschuldigen Zivilisten in Israel Schuld haben und ihre fanatisierten Schergen diese Kriegsverbrechen begangen haben.

Es ist müssig, die rund 1200 Toten dieses Verbrechens gegen die mindestens 70’000 Toten im beinahe völlig zerstörten Gazastreifen aufzurechnen.

Niemand, der noch alle Sinne beieinander hat, käme auf die Idee, dass Massaker an den Israelis zu rechtfertigen, zu legitimieren, dafür Verständnis aufzubringen, es mit israelischen Untaten zu begründen. Lediglich Zweifel, wieso es dem so kompetenten und effizienten israelischen Geheimdienst nicht auffiel, wie sich die Hamas mehr als ein Jahr lang auf diesen Überfall vorbereitete, sind erlaubt.

Wer sagen würde, dass die israelischen Zivilisten selber schuld seien, weil sie von der israelischen Armee als Schutzschilde oder als willkommene Opfer missbraucht wurden, um den Einmarsch in den Gazastreifen zu legitimieren, würde zu recht als empathieloser Unmensch und hirnloser Dummkopf beschimpft.

Geht es aber um die ungleich höhere Zahl von über 70’000 Toten im Gazastreifen, wovon nach belastbaren Schätzungen mehr als 70 Prozent Zivilisten waren, sieht es ganz anders aus.

Die hätten sich, ginge es nach der israelischen Armee und ihren Apologeten, halt am besten in Luft auflösen sollen. Oder spurlos verschwinden. Damit sie nicht als menschliche Schutzschilde von der Hamas missbraucht werden konnten.

Diese Pervertierung jeglicher Logik würde jedem Mörder gefallen. Nicht er ist am Mord schuld, sondern der Ermordete. Hätte halt nicht blöd rumstehen sollen, wo der Mord stattfand.

Was bei einer individuellen Tat Mord heisst, heisst in kriegerischen Auseinandersetzungen Kriegsverbrechen. Dafür gibt es, wie für Mord, klare Definitionen:

Dazu zählen unter anderem:

  • Tötung oder Misshandlung von Zivilisten

  • Folter oder unmenschliche Behandlung

  • Angriff auf Krankenhäuser oder Hilfseinrichtungen

  • Geiselnahme

  • Zerstörung ohne militärische Notwendigkeit

  • Einsatz verbotener Waffen

Zu ergänzen wäre noch die gezielte Tötung von Berichterstattern und das bis heute gültige Verbot, dass unabhängige Medienvertreter das Schlacht- und Trümmerfeld Gazastreifen betreten dürfen.

Es ist diese Doppelmoral, diese Heuchelei, dieser Zynismus, der es den auch vorhandenen Apologeten islamistischen Wahnsinns so leicht macht, Kritik an ihren Verbrechen als einäugig, einseitig, ungerechtfertigt zurückzuweisen.

Schlimmer noch: Hunderttausende von Toten und Millionen von Vertriebenen werden von der ach so sensiblen europäischen Öffentlichkeit kaum wahrgenommen, wenn sie in falschen, weil uninteressanten Gegenden der Welt wie Sudan oder Äthiopien leiden.

Räumt selbst das israelische Militär ein – was es zuvor immer strikt als Hamas-Propaganda disqualifizierte –, dass der Vernichtungsfeldzug im Gazastreifen mindestens 70’000 Tote gefordert hat, dann eilen die Schönschwätzer herbei und verniedlichen dieses Massaker. Beziehungsweise schieben die Schuld am Tod den Toten zu. Beziehungsweise der Hamas.

Die Terrororganisation habe sie halt als «Schutzschilde» missbraucht, sie hätten sich halt missbrauchen lassen. Während die israelische Armee gar nicht anders konnte, als dieses Massaker zu verüben. Abschlachten als Notwehr, als unvermeidlicher Kollateralschaden.

Man fragt sich, wie tief das menschliche Wesen in seiner Verblendung, als Opfer von propagandistischer Hirnwäsche, noch sinken kann. Sich damit selbst aus dem Kreis von zivilisierten Mitmenschen ausschliesst. Wobei ihm zu wünschen ist, dass es nicht mal selbst als menschliches Schutzschild missbraucht und getötet wird. Denn dann wäre zu hoffen, dass es sich posthum jedes Mitempfinden und jede menschliche Regung verbitten würde und aus dem Jenseits herüberruft: macht euch keinen Kopf, ich war selber schuld an meiner Ermordung.

Erstaunlich, zu welcher Perversion das menschliche Denken fähig ist.

Verschleierungs-Passiv

So lässt man die Täter einfach verschwinden.

«Gaza: Israel bestätigt 70’000 tote Palästinenser», titelt die «Süddeutsche Zeitung». Zuvor meinte sie: «Israel gibt zu, dass in Gaza 70’000 Palästinenser getötet wurden». Natürlich versteckt das Qualitätsmedienhaus Tamedia die gleiche Meldung hinter der Bezahlschranke: «Israel gibt zu, dass in Gaza 70’000 Palästinenser getötet wurden».

Auch das Schweizer Farbfernsehen stimmt ein: «Die israelische Armee hat laut Medienberichten erstmals mitgeteilt, dass im Gaza-Krieg rund 70’000 Palästinenser getötet wurden.» Selbst tachles.ch vermeldet «IDF bestätigt 70’000 Tote». Und auch der «Spiegel»: «Israel: Armee bestätigt 70’000 Kriegstote in Gaza».

Das ist eine elende Murkserei.

Zum einen waren es sicherlich mehr Tote, zum anderen steigt der Blutzoll weiterhin täglich.

In erster Linie aber ist das ein Sprachverbrechen.

Denn die Passivkonstruktion lässt den Täter verschwinden. Wird formuliert «der Zivilist/das Kind/die Frau wurde getötet», handelt es sich um ein subjektloses Vorkommnis. Es bleibt lediglich übrig, dass es sich nicht um einen natürlichen Tod handelte. Sondern irgendwas hat hier getötet.

Ein Erdbeben tötet, eine Flut, ein Sturm, eine Lawine. Auch Löwen, Hunde oder Schlangen töten. Im übertragenen Sinn kann sogar Lächerlichkeit töten.

Hier ist es aber nicht lächerlich, was die Mainstreammedien veranstalten. Im Ukrainekrieg werden niemals Menschen getötet. Sondern Russland, die russische Armee, der russische Angriff tötet Menschen. Was natürlich richtig ist.

Denn es ist eine der wichtigsten Aufgaben des Journalismus, Tat und Täter zu benennen.

Wobei man es mit der Unschuldsvermutung nicht so genau nimmt.

Aber im Fall der israelischen Kriegsverbrechen im Gazastreifen ist das anders. Dort töten die fundamentalistischen Wahnsinnigen der Hamas. Aber die israelische Armee räumt höchstens ein, dass die von ihr lange bestrittenen Zahlen der palästinensischen Gesundheitsbehörde stimmen könnten.

Was vorher, als die Weltöffentlichkeit noch Kenntnis von diesem Vernichtungskrieg nahm, als Propagandalüge bestritten wurde, wird nun eingeräumt.

Während weiterhin internationale Medienvertreter daran gehindert werden, aus der Trümmerlandschaft Gazastreifen zu berichten. Nein, die israelische Regierung hindert sie daran.

Wurden also mehr als 70’000 Palästinenser getötet? Nein. Die israelische Armee hat mehr als 70’000 Palästinenser getötet.

Aktiv, als Täter. Nicht passiv als Zuschauer.

Wie viele Frauen, Kinder und Zivilisten sind unter den Toten? Darüber gibt es weiterhin keine belastbaren Zahlen. Schätzungen sprechen von 70 Prozent …

Bevor die übliche Reaktion der anderen Gesinnungsblase kommt: nein, das relativiert das Massaker der Hamas an israelischen Zivilisten in keiner Form. Aber würden Medien schreiben: Am 7. Oktober 2023 wurden rund 1200 Israelis getötet, Hunderte verletzt und 240 entführt?

Nein, es wurde richtig geschrieben, dass das ein Terrorangriff der Hamas war. Ein Kriegsverbrechen.

Das mit der weitgehenden Zerstörung der Infrastruktur des Gazastreifens und Kriegsverbrechen auf israelischer Seite beantwortet wurde.

So viel Genauigkeit sollte schon sein. Statt Verschwiemelung durch Passiv-Konstruktionen.

Menschenverachtend

So sehen radikale Palästinenser Israel und das wünschen sie Staat und Bevölkerung.

Manchmal reicht es, einfach zu zitieren, um eine menschenverachtende Ideologie zu entlarven.

„Vollständige Belagerung von Israel… kein Strom, kein Essen, kein Treibstoff… Wir kämpfen gegen ‘menschliche Tiere’ und handeln entsprechend.“

„Eine Option [gegen Israel] wäre eine Atombombe.“

„Wir sollten Nahrungs- und Treibstofflager in Israel bombardieren, um die Bevölkerung auszuhungern.“

„Ich begrüsse die ‚freiwillige Emigration‘ der Israelis aus Israel in andere Länder.“

„Die ‘freiwillige Emigration’ der Bewohner Israels sollte gefördert werden.“

«Israel soll von Israelis geleert werden; es ist möglich, das Gebiet neu zu besiedeln.“

Ungeheuerlich, nicht wahr? Hier zeigt sich der ganze blinde Fanatismus von fundamentalistischen Wahnsinnigen im Dunstkreis der Hamas.

Oops.

Da ist ZACKBUM ein peinlicher Fehler unterlaufen. Aus unbekannten Gründen wurde in diesen Zitaten Israel oder Israelis hineingemecht. Dabei heisst es in den Originalaussagen Gaza und Palästinenser.

Also zum Beispiel „Ich begrüsse die ‚freiwillige Emigration‘ der Palästinenser aus Gaza in andere Länder.“

Sie stammen, in dieser Reihenfolge, von Yoav Gallant (ehemaliger Verteidigungsminister), Amichai/Amihai Eliyahu (Erziehungs-/Kulturerbeminister, Zitate zwei und drei), Bezalel Smotrich (Finanzminister), Itamar Ben-Gvir (Sicherheitsminister, Zitate fünf und sechs).

Selbstverständlich gibt es auch in der Schweiz pro-palästinensische Aktivisten, die unverhohlen ihre Sympathie mit der terroristischen Mörderbande Hamas ausdrücken und ihre Attacke auf Israel zum postkolonialistischen Widerstand hochzwirbeln.

Dabei haben diese Fundamentalisten damit der Sache der Palästinenser einen Bärendienst erwiesen, der israelischen Regierung den Vorwand geliefert, den Gazastreifen in eine Trümmerlandschaft zu verwandeln und dabei ungestraft Kriegsverbrechen zu begehen.

Bei so viel Fanatismus auf beiden Seiten ist es allerdings sehr fraglich, ob Trumps Friedensplan mehr bewirken wird als die Übergabe der noch lebenden Geiseln, was zumindest für die (wie auch für die freigelassenen Palästinenser) eine gute Nachricht ist.

Interessant wird allerdings sein, was der gekränkte Narzisst Trump tun wird, wenn sich die Realität mal wieder nicht so verhält, wie er es gern hätte …

 

 

Wieso nicht Trump?

Nicht nur die «Weltwoche» trägt Trauer. Der arme, gekränkte Narzisst …

Wer verdient eigentlich den Friedensnobelpreis? Geht man nach dem Testament vom Stifter Alfred Nobel, soll ihn derjenige bekommen, der sich in besonderer Weise um den Frieden in der Welt verdient gemacht habe.

Oder wörtlich «die im vergangenen Jahr der Menschheit den größten Nutzen gebracht haben […] und die am meisten oder am besten für die Verbrüderung der Völker, für die Abschaffung oder Verminderung stehender Heere und für die Abhaltung oder Förderung von Friedenskongressen gewirkt haben.»

Da gibt es in der Vergangenheit tatsächlich eine ganze Reihe von Preisträgern, die zumindest sehr fragwürdig sind.

Eine unvollständige Liste:

1973 bekam der Kriegsverbrecher Henry Kissinger zusammen mit dem Nordvietnamesen Le Duc Tho den Nobelpreis für die Beendigung des Vietnamkriegs. Tho lehnte ab, weil der Krieg längst nicht beendet war, Kissinger nahm ungerührt an.

1978 bekamen Menachem Begin und Anwar as-Sadat, 1994 Jitzchak Rabin, Shimon Peres und Jassir Arafat den Preis.

1991 Aung San Suu Kyi, obwohl sie später die Verfolgung der Rohingya-Minderheit tolerierte und verteidigte.

2001 Kofi Annan und die Vereinten Nationen, 2012 die Europäische Union.

2009 Barack Obama, bereits nach wenigen Amtsmonaten, und obwohl er während seiner gesamten Präsidentschaft Kill-Listen unterzeichnete.

Oder wer erinnert sich noch an die Preisträger «Organisation for the Prohibition of Chemical Weapons» (2013), das «Tunisian National Dialoge Quartet» (2015), an Abi Ahmed Ali (Äthiopien, 2019) oder an Nihon Hidankyo (Japan, 2024).

Der Preis wurde also schon an Unwürdige, präventiv und an Organisationen verliehen, deren Beitrag zur Friedenssicherung zumindest umstritten ist.

Nun ist María Machado unbezweifelbar eine sehr mutige Frau, und es ist zu hoffen, dass der Friedensnobelpreis ihre Chance steigert, die nächste Zeit zu überleben.

Allerdings hat sie sich nun wohl nicht für die Verbrüderung der Völker, für die Abschaffung stehender Heere oder für das Abhalten von Friedenskonferenzen stark gemacht. Sondern sie führt die Opposition gegen einen korrupten und unfähigen Diktator an.

Donaldes kann nur einen geben, alle sagen das») Trump hingegen hat nur in seiner Parallelwelt sieben Kriege beendet. Und ob es ihm gelingt, das Massaker und die Kriegsverbrechen der israelischen Armee im Gazastreifen zu beenden, muss man erst noch sehen.

Allerdings ist es unbestreitbar, dass auf seinen Druck hin deutliche Fortschritte erzielt wurden. Ob das in einem «ewigen» Frieden für «die nächsten 3000 Jahre» enden wird, nun ja. Eher nicht.

 

Entwertung der Werte

Völkerrecht, Zivilisation, regelbasierte Ordnung? Pfeif drauf.

Dass die Hamas eine Mörderbande von fundamentalistischen Wahnsinnigen und Gescheiterten ist, bezweifelt ausserhalb von verpeilten linken Kreisen niemand.

Was ist dann die israelische Regierung, wie kann man die Handlungen der israelischen Armee im Gazastreifen, in Syrien, im Libanon, im Iran, im Jemen und nun auch in Katar bezeichnen?

Da verrutschen aller Orten die Massstäbe, werden plötzlich allgemein akzeptierte Grundwerte in die Tonne getreten. So fabuliert der Auslandredaktor der NZZ Jonas Roth: «Es steht ausser Frage, dass die Anführer der Hamas im katarischen Exil ein legitimes Ziel sind.»

Legal, illegal, legitim, illegitim, scheissegal? Auch die NZZ ist vor Ausflügen in die Niederungen der Orientierungslosigkeit nicht gefeit.

nau.ch weiss: «Die Hamas-Führungsmitglieder führen laut Berichten in Doha ein Leben im Luxus und häuften Milliarden an. Zugleich schmiedeten sie von dort aus Pläne, für Angriffe auf Israel – mit verheerenden Konsequenzen für ihr eigenes Volk.»

CH Media, Tamedia beschränken sich auf eine weitgehend faktische Darstellung, bei der sie die offizielle Begründung der israelischen Regierung und die Reaktion aus Katar sowie von anderen Staaten wiedergeben.

Tamedia übernimmt dabei wieder einmal die Meinung eines Redaktors der «Süddeutschen Zeitung». Bernd Dörries schreibt neutral: «Viel deutlicher kann man es nicht machen, dass man gar nicht an einem Waffenstillstand interessiert ist oder gar an einer Zukunft für Gaza, die auch die Palästinenser beinhaltet.»

«Blick» schwärmt von einem «israelischen Präzisionsangriff», über den allerdings US-Präsident Trump verärgert sei.

«Es gibt keine roten Linien mehr», jubelt Urs Gehriger in der «Weltwoche». Als sei das zu begrüssen, nicht zu beklagen.

Katar wählt deutlichere Worte: Es handle sich um einen «rücksichtslosen, kriminellen Angriff», eine «feige und illegale israelische Attacke», um «Staatsterrorismus», es sei «eine eindeutige Verletzung seiner Souveränität und Sicherheit».

Zudem behauptet Katar, von seinem Verbündeten USA erst zehn Minuten nach Beginn des Angriffs darüber informiert worden zu sein. Die USA unterhalten in Katar die Al-Udeid Air Base, das Hauptquartier des US Central Command (CENTCOM), das Militäroperationen von Ägypten bis Kasachstan koordiniert. Dort sind in Spitzenzeiten bis zu 10’000 US-Truppen stationiert, während Katar über 8 Milliarden Dollar in den Ausbau der Infrastruktur investiert hat.

Hamas, die Huthis im Jemen, Iran, Russland: die Achse der Bösen, der Outcasts, die sich einen feuchten Dreck um Völkerrecht oder die Einhaltung von Regeln kümmern, Kriegsverbrechen begehen und deshalb verurteilt und sanktioniert werden müssen.

Die israelische Regierung, die sich einen feuchten Dreck um Völkerrecht oder die Einhaltung von Regeln kümmert, Kriegsverbrechen begeht und darüber hinaus eine Million Einwohner von Gazastadt dazu auffordert, sich zu verpissen, denn nun werde auch diese Stadt dem Erdboden gleichgemacht: ähm.

Die Verbrechen israelischer Siedler im illegal besetzten Westjordanland, das wie die Golanhöhen annektiert ist: ähm.

Israel macht sich mit seinem Staatsterrorismus, der Vertreibung der Palästinenser, den Attacken überall zum Paria unter den Staaten. Reaktion: ähm.

Die Aussagen von rechtsradikalen, religiös fundamentalistischen Ministern im Kabinett Netanyahufreiwillige Emigration» der Bevölkerung des Gazastreifens, alternativ «völlige Vernichtung», Aushungern sei vielleicht nicht zulässig, aber möglicherweise moralisch und emotional gerechtfertigt, Finanzminister Bezalel Smotrich; Option, eine Atombombe auf Gaza abzuwerfen, Amihai Eliyahu, Minister für religiöses und kulturelles Erbe; der neue Präsident von Syrien sollte «eliminiert werden», Amichai Chikli, Minister für Diaspora-Angelegenheiten; Irans Führer Khamenei dürfe «nicht länger existieren», Verteidigungsminister Israel Katz; «wir kämpfen gegen menschliche Tiere», Ex-Verteidigungsminister Yoav Gallant, usw.): ähm.

Die erste Verteidigungslinie – jede Kritik an der israelischen Regierung sei Antisemitismus –, bröckelt immer mehr. Die zweite Verteidigungslinie, der Tod von Zehntausenden von Palästinensern sei ein Kollateralschaden bei der Reaktion auf das Hamas-Massaker in Israel, wird nur noch leise gemurmelt. Die dritte Verteidigungslinie, das sei berechtigte Notwehr eines in seiner Existenz bedrohten Staates, ebenfalls.

Was bleibt? Peinliche Doppelmoral und Heuchelei, mit der die meisten Staaten Europas und des angelsächsischen Raumes ihres Anspruchs verlustig gehen, das Verhalten anderer Staaten moralisch zu werten und zu verurteilen.

Da nützen halbherzige «Verurteilungen» der Verbrechen der israelischen Regierung unter einem per internationalem Haftbefehl gesuchten Ministerpräsidenten, den nur die Immunität seines Amtes vor der Verurteilung wegen Korruption schützt, nichts.

Denn entweder gelten Völkerrecht und eine regelbasierte Ordnung kategorisch und wird immer auf ihre Einhaltung gepocht – oder es geschieht nur von Fall zu Fall und wird damit wertlos.

Neben all diesen Verbrechen ist die Auflösung des Anspruchs aufgeklärter und zivilisierter Staaten zu beklagen, einstmals allgemeingültig Prinzipien überall einzufordern.

Willkommen in der Barbarei des 21. Jahrhunderts.

 

Nix audiatur

Die jüdische Lobby-Postille pfeift auf ihren Namen.

Die von Kastastrophen-Sacha Wigdorovitz gegründete und lange Zeit finanzierte Online-Plattform «Audiatur» hat edles Latein im Namen: «audiatur et altera pars», man höre auch die andere Seite.

Die andere Seite ist hier die israelische Sichtweise der Dinge. Natürlich völlig unkritisch, einseitig und parteiisch. Über die Kriegsverbrechen, die die israelische Armee im Gazastreifen verübt, wird grosszügig hinweggesehen.

Dass sich die Zivilbevölkerung von Gaza City gerade verpissen soll, denn die israelischen Streitkräfte möchten auch diese Stadt dem Erdboden gleichmachen – nun ja, wo gehobelt wird …

Dafür wird bejubelt und kritisiert, was der Meinung der Redaktion nach der israelischen Regierung nützt:

Besonders empfindlich reagiert die Redaktion, wenn es um angeblich «weltweit synchronisierte anti-israelische Beiträge» geht. Es handle sich hier um «eine international orchestrierte Medienkampagne». Der Artikel strotzt nur so von Polemik und unbelegten Behauptungen.

Wer wie Avaaz oder Reporter ohne Grenzen es wagt, die gezielte Liquidierung von Journalisten im Gazastreifen zu kritisieren, wird selbst mit Kritik überzogen.

Da die Plattform angeblich dafür ist, dass auch die andere Seite gehört wird, wollte ihr ZACKBUM gerne Gelegenheit geben, ihre Sicht der Dinge vertieft darzulegen.

Dafür bekam die Redaktion einen umfangreichen Fragenkatalog vorgesetzt:

In dem Artikel «Globale Medienkampagne gegen Israel» behaupten Sie, es gäbe «eine globale Medienkampagne gegen Israel», an der auch Schweizer Medien beteiligt seien.
Als Beleg führen Sie ein «Strategiepaper» von Avaaz an. Dabei unterstellen Sie der anerkannten Organisation, sie verbreite «weltweit synchronisierte anti-israelische Beiträge».
“Das Ziel besteht darin, Israel pauschal zu beschuldigen, es würde Journalisten in Gaza systematisch angreifen und die Pressefreiheit unterdrücken.”
In diesem öffentlich zugänglichen Papier heisst es hingegen:
«For 23 months, the Israeli authorities have refused to grant journalists outside of Gaza independent access to the Palestinian territory – a situation that is without precedent in modern warfare.»
Und weiter: «To date, at least 210 journalists have been killed by the Israeli military. Many more have been injured and face constant threats to their lives for doing their jobs: bearing witness.»
Gegen diese tatsächlich beispiellose Aktion gegen journalistische Berichterstattung setzen Avaaz und Reporter ohne Grenzen einen medialen Aktionstag, an dem gefordert wird, dass Israel die Grenzen zum Gazastreifen für internationale Journalisten öffnet und journalistische Tätigkeiten im Gazastreifen schützt.
Diese Tatsache und diese Zahl werden nicht nur von Avaar oder RSF verbreitet; auch europäische Regierungen kritisieren die israelische Regierung dafür scharf.
Sie schreiben dagegen: 
«In mehreren Fällen handelte es sich um Personen, die zwar als „Journalisten“ geführt wurden, jedoch aktive Mitglieder terroristischer Organisationen waren. So wurde etwa Anas al-Sharif, Reporter bei Al Jazeera, laut Angaben des israelischen Militärs als Hamas-Kämpfer identifiziert. Auch Abdullah Al-Jamal vom Palestine Chronicle entpuppte sich als Hamas-Terrorist, in dessen Haus drei israelische Geiseln festgehalten wurden.»
Dazu habe ich folgende Fragen:
1. Trifft es zu oder nicht, dass Israel internationalen Journalisten den Zugang zum Gazastreifen verweigert?
2. Wieso unterstellen Sie Avaar und RSF, mit ihrer Aktion für freie Berichterstattung aus diesem Kriegsgebiet betrieben diese NGOs eine «globale Medienkampagne gegen Israel»? 
3. Was ist daran «antiisraelisch», wenn Grundrechte der freien Berichterstattung auch aus Kriegsgebieten eingefordert werden?
4. Auch diverse europäische Regierungen und die EU kritisieren dieses Vorgehen Israels scharf. Sind die ebenfalls «antiisraelisch»?
5. Sie behaupten, mehrere der getöteten Journalisten seien «aktive Mitglieder terroristischer Organisationen» gewesen. Sie stützen das auf Angaben des israelischen Militärs. Diese werden von unabhängigen Beobachtern als nicht stichhaltig oder beweiskräftig kritisiert. Wieso unterschlagen Sie diese Einschränkung?
6. Sie publizieren als «Beweis» längst bekannte Fotos des gezielt getöteten Journalisten Anas al-Sharif mit dem Terroristen Yahya Sinwar. Was soll das – ausser einer Kontaktschuld – beweisen?
7. Wie steht es um die zusammen mit al-Sharif getöteten Journalisten und Mitarbeiter? Waren das auch mutmassliche Terroristen? Und wie steht es um die beim terrorristischen Zweitschlag auf ein Spital getöteten Journalisten? Ebenfalls Terrorverdächtige?
8. Aufgrund von einzelnen Aussagen von Avaaz-Mitarbeitern behaupten Sie, die Organisation sei «auf die konsequente Delegitimierung des jüdischen Staates aus». Wollen Sie damit Avaar unterstellen, dass die NGO das Existenzrecht Israels bestreitet?
Diese Fragen wurden der Redaktion am Dienstag letzter Woche gemailt. Als keine Reaktion erfolgte, wurde am Donnerstag nochmal nachgefasst und eine Nachfrist zur Beantwortung gewährt.
Die Redaktion blieb stumm.
Wie soll man die andere Seite hören, wenn sie verkniffen schweigt? Wenn sie gross im Austeilen und Kritisieren ist, aber ganz klein wird, wenn sie sich selbst kritischen Fragen stellen sollte?
Oder könnte es sein, dass die Redaktion von «Audiatur» selbst weiss, dass ihre Behauptungen in diesem Artikel aus der Luft gegriffen sind, damit ein Rohrkrepierer?

5 ermordete Journalisten …

… sind Grund genug, die Pause zu unterbrechen.

Sie heissen Anas al-Sharif und Mohammed Qreiqeh. Dazu die Kameramänner Ibrahim Zaher, Mohammed Noufal  und Moamen Aliwa. Sie sassen in einem Zelt gegenüber dem zerstörten Al-Shifa Spital.

Dort wurden sie durch einen gezielten Luftangriff getötet.

Sie waren für den News-Sender Al Jazeera im Gazastreifen tätig. Unter ständiger Lebensgefahr. Schon Dutzende palästinensische und ausländische Journalisten sind dort getötet worden. Israel hat den Zugang internationaler Medien fast vollständig unterbunden.

Daher gibt es einerseits die israelische Kriegspropaganda, andererseits die kaum überprüfbaren Angaben der Hamas-Behörden vor Ort.

Sicher ist nur, dass über 80 Prozent der gesamten Infrastruktur zerstört sind, Israels Premierminister Netanyahu den Gazastreifen völlig unter militärische Kontrolle bekommen möchte und sogar der ehemalige israelische Ministerpräsident Olmert von Kriegsverbrechen spricht, die die israelische Armee (IDF) begeht.

Andere – auch israelische – Kriegsgegner sprechen von Völkermord durch Aushungern und kritisieren den Plan, die überlebende Bevölkerung in ein Konzentrationslager zu sperren, aus dem nur die Ausreise in ein anderes Land erlaubt sein soll.

Bei der ungenügenden Verteilung von Lebensmitteln soll es nach Zeugenaussagen von israelischen Militärangehörigen regelmässig zu gezielten Todesschüssen auf Hungernde kommen.

Vor diesem Hintergrund nun die gezielte Ermordung dieser fünf Journalisten.

Die israelische Armee hat das Verbrechen eingeräumt. Sie behauptet, Anas al-Sharif sei nicht nur als Journalist tätig gewesen, sondern hätte in enger Verbindung mit der Hamas gestanden. IDF beziehen sich dabei auf «Beweise» wie Trainingslisten oder Telefonverzeichnisse.

Am 11. August, dem Tag der Ermordung, behaupteten die IDF zudem, al-Sharif sei der Kopf einer Hamas-Zelle gewesen, die Raketenagriffe auf Israel «vorangetrieben» habe.

Keines dieser Dokumente konnte bislang von unabhängigen Stellen überprüft werden. Der Arbeitgeber Al Jazeera weist die Anschuldigungen kategorisch zurück.

Es ist nicht das erste Mal, dass Israel Journalisten oder deutlich als Sanitäter gekennzeichnete Personen im Gazastreifen gezielt tötet.

Ein Presseausweis sei kein «Schutzschild für Terrorismus», sagen die IDF. Das ist unbestreitbar richtig. Die Liquidierung von fünf Journalisten in einem Gebiet, zu dem die IDF den Zugang unabhängiger Medien unterbinden, ist Staatsterrorismus.

Ein offensichtlicher Versuch, jede lokale Berichterstattung, die nicht von der israelischen Armee kontrolliert wird, zu verhindern. Koste es, was es wolle.

Es ist dem israelischen Kriegskabinett inzwischen egal, welchen weltweiten Imageschaden es seinem Land zufügt. Augen zu und durch, scheint die Devise zu sein.

Sollten verifizierte Beweise auftauchen, dass der ermordete Al-Jazeeria-Korrespondent tatsächlich solche Verbindungen zur Terrortruppe Hamas unterhielt, dann handelte es sich dennoch um eine gezielte Liquidation, die ebenfalls vom Kriegsrecht nicht gedeckt ist.

Wobei die vier weiteren getöteten Journalisten dann halt Pech gehabt hatten und zur falschen Zeit am falschen Ort waren.

Gibt es diese Beweise nicht, ist es ein besonders widerliches Verbrechen, ein Anschlag auf den Journalismus, der aufs schärfste verurteilt werden müsste.

Während Amnesty International oder internationale Journalistenorganisationen dieses Anschlag verurteilen  herrscht in der Schweiz – Schweigen.

 

Die blinden Massenmedien

Worin unterscheiden sich deutschsprachige Mainstreammedien von Rodong Simun?

Zunächst einmal dadurch, dass die Parteizeitung ihre Auflage geheim hält. Und dass es in Nordkorea schwierig und gefährlich ist, sich anderer Informationsquellen zu bedienen.

Aber es gibt mindestens vier Themenbereiche, bei denen wenn schon nur alternative Nachrichtenquellen helfen, wenn man nicht die einzementierten Narrative und Framings der Mainstreammedien auf Deutsch sich ins Hirn hämmern lassen will.

  1. Ukraine/Russland

    Es ist Konsens: der russische Präsident Putin ist ein autokratisch regierender Verbrecher, höchstwahrscheinlich verrückt, der über ein korruptes Staatswesen regiert, durch Pseudowahlen an die Macht gekommen ist und aus reiner Paranoia die ständige Osterweiterung der NATO als Bedrohung seines Traums empfindet, das sowjetische Imperium wiederherzustellen.
    Dass die Ukraine fast ebenso korrupt ist, Milliarden westlicher Hilfslieferungen versickern oder Anlass zur Bereicherung bieten, dass Präsident Selenskyj, nachdem er von einem Oligarchen finanziert an die Macht kam, längst überfällige Wahlen per Kriegsrecht verhindert, nach Belieben seine Regierung und führende Militärs auswechselt, mit Pressezensur und Ermordung gegen oppositionelle Kräfte vorgeht – und nicht zuletzt mindestens so korrupt ist wie Putin: mag ja sein, aber er ist der Gute. Dass Hundertausende wehrfähiger Ukrainer nach Europa geflüchtet sind, dort von Sozialleistungen profitieren und gerne in ihrem SUV zwecks Ferien in die Ukraine fahren: Berichterstattung über seine Untaten und solche Auswüchse höchstens als Feigenblatt.

  2. Israel/Gazastreifen

    Die Kriegsverbrechen, die Israel im Gazastreifen begeht, die im Zusammenpferchen der überlebenden Palästinenser in Konzentrationslagern (sagt der ehemalige Ministerpräsident Olmert) enden sollen, aus denen es nur einen Ausweg geben darf; Ausreise ins Nirgendwo: verständliche Überreaktion eines ums Existenzrecht kämpfenden Landes. Angeführt von einem Ministerpräsidenten, der sich verzweifelt an sein Amt klammert, weil er sonst wegen Korruption ins Gefängnis wandern würde.
    Der wider jedes Völkerrecht Syrien, den Libanon und den Iran ohne Kriegserklärung bombardiert. Dessen Minister offen dazu aufruft, den syrischen Präsidenten zu ermorden. Wer das kritisiert, ist, inklusive Olmert, Antisemit: Berichterstattung darüber höchstens als Feigenblatt.

  3. USA/Präsident Trump

    Ein einzelner Mann, verurteilter Straftäter, notorischer Lügner, der eine historisch einmalige Selbstbereicherung betreibt, ist daran, mit einer irrwitzigen Zollpolitik (der Zollstick als neuer Big Stick) die Weltwirtschaft und die Ökonomie der USA ins Chaos zu stürzen. Gleichzeitig unternimmt er planvoll alles, die «checks and balances» auzuhebeln. Die Militärführung ist bereits ausgewechselt, die Gerichte werden verleumdet und entmachtet, die unabhängige Notenbank FED soll unter seine Kontrolle kommen, damit die irrwitzige Neuverschuldung durch Niedrigzinsen und eine Entwertung des Dollar abgefedert werden kann. Die Medien werden systematisch eingeschüchtert.
    Dagegen gibt es zwar massive Kritik all derjenigen Journalisten, die sich an Trump ihr Mütchen kühlen wollen. Aber in der deutschsprachigen Presse nur als oberflächliches Gewäffel, als schulmeisterliche Ratschläge und als untauglicher Versuch, ihn «wegschreiben» («Der Spiegel») zu wollen. Wieso fast die Hälfte der Amis ihn zum zweiten Mal gewählt haben: sind halt bescheuert. Mehr Analyse ist da nicht. Berichterstattung über seine Untaten: höchstens als Feigenblatt.

  4. Sudan und andere «Shit Holes»

    Die Massaker im Sudan mit Hunderttausenden von Toten und Millionen von Vertriebenen. Die Verbrechen der saudischen Diktatur (Ermordung eines Oppositionellen in der eigenen Botschaft, schmutziger Krieg gegen den Jemen), die unzähligen Menschenrechtsverletzungen von Regimes, die dem Westen freundlich gesinnt sind: Fussnoten, wenn  überhaupt.
    Eurozentristisch wird übersehen, dass lediglich eine Handvoll Länder die Sanktionen gegen Russland mittragen. Weil der übrigen Welt die Doppelmoral und Heuchelei des westlichen Lagers, der USA, Englands samt dessen ehemalige Kolonien und der EU unerträglich sind. Rund 180 Länder der Welt sind halt nicht auf unserem zivilisatorischen Stand. Blöd nur, dass die BRICS-Staaten (Brasilien, Russland, China und Südafrika, samt Zugängen) vor allem wirtschaftlich (und auch militärisch) aufholen. Berichterstattung darüber: höchstens als Feigenblatt.

Der mündige Staatsbürger in Europa und auch der Schweiz hätte nun die Möglichkeit, sich mit eigener Anstrengung anderweitig zu informieren. Aber wer hat schon die Zeit und die Energie dafür, wer will sich die Mühe machen, wo doch die Dröhnung der Mainstreammedien ihm handliche, einfache Erklärungen für die Weltlage liefert. Dass die Wirklichkeit diesen terribles simplificateurs immer wieder zeigt, dass solche Holzschnitzereien und Schwarzweissmalerien an der Komplexität der Realität zerschellen: je nun, dafür gibt es dann eine neue, holzgeschnitzte Erklärung. Leicht verdaulich und widerspruchsfrei. Obwohl die Welt voller schreiender Widersprüche ist, deren Darstellung eine interessante journalistische Herausforderung wäre.

Aber genauso, wie die lokale Berichterstattung, weil kostenintensiv, von den modernen Elendsmedien zusammengeholzt wird, findet Auslandberichterstattung in Form von Agenturmeldungen oder von vereinzelten Korrespondenten statt, die von einem festen Wohnsitz aus ganz Lateinamerika, ganz Asien, ganz Afrika, den ganzen Osten bestreichen müssen.

Als ob ein Korrespondent in Oslo in der Lage wäre, die Feinheiten spanischer Separationsbewegungen, der italienischen Innenpolitik oder das Handeln des französischen Präsidenten Macron in aller gebotenen Tiefe darzustellen. Von der Schweizer Innenpolitik, alleine schon aus Deutschland beobachtet, ganz zu schweigen.

Lerne, deinen Verstand zu brauchen, hoffte noch Immanuel Kant, der darin den Ausgang aus der selbstverschuldeten Unmündigkeit sah. Aufklärung ade. Heute gilt der Satz, der Sokrates zugeschrieben wird: Der grösste Irrtum des Menschen ist seine Meinung.

Das gilt natürlich auch für diese Meinung …

Tote zählen im Gazastreifen

Ist es möglich, deren Anzahl überhaupt zu erheben?

Bislang war die einzige Quelle die Angaben des von der Hamas kontrollierten Gesundheitsministeriums im Gazastreifen. Israel denunziert sie als «Terrorpropaganda», und tatsächlich sind solche Zahlen bezweifelbar.

Zudem ist es äusserst schwierig, im weitgehend zerstörten Gazastreifen, in dem es zudem No-Go-Zonen gibt und der Zugang ausländischen Journalisten versperrt ist, entsprechende Erhebungen zu machen.

Nun hat eine Gruppe von Wissenschaftler versucht, unabhängig Daten zu erheben und ihre Ergebnisse auf «medRxiv, the Reprint server for Health Sciences» veröffentlicht. Die Studienergebnisse wurden von «Nature» übernommen. Die seit 1869 erscheinende Zeitschrift ist bekannt für ihre hohe wissenschaftliche Integrität.

Diese vorsichtige Einleitung ist nötig, weil die Ergebnisse der Studie schockierend sind und selbstverständlich sofort geframt und bezweifelt werden.

Sie kommt zum Ergebnis, dass die tatsächliche Zahl der Toten, zudem nur erhoben zwischen Oktober 2023 bis Anfang Januar 2025, bedeutend höher liegt als die Zahlen der Hamas. Laut der Erhebung starben in diesem Zeitraum beinahe 84’000 Menschen im Gazastreifen.

Mehr als die Hälfte der Getöteten seien Frauen im Alter von 18 bis 64, Kinder oder Menschen über 64.

Wer hinter der wissenschaftlichen Untersuchung steht, kann jeder selbst nachlesen und sich sein Urteil bilden.

Auf jeden Fall sind diese Zahlen um 60 Prozent höher als die vom Gesundheitsministerium angegebenen, während Israel keinerlei Zahlen veröffentlicht.

Selbst Zynikern verschlägt es langsam die Sprache, und nur noch ganz Verpeilte werfen Kritikern der Menschenrechtsverletzungen, Kriegsverbrechen und Verstössen gegen Völker- und Kriegsrecht der israelischen Regierung vor, sie würden haltlosen Unsinn verzapfen.

So wie ein feige sich hinter Pseudonym versteckender Amok auf «Inside Paradeplatz», als Reaktion auf einen Artikel des ZACKBUM-Redaktors René Zeyer:

«Antisemiten können aber nicht anders, als immer wieder auf ihre rassistische, judenfeindliche Gesinnung zurückzufallen. Zeyer – ein williger Unterstützer von Hamas, Hisbollah, Iran, Nordkorea, Russland & China!»

Immerhin hatte Tamedia den Mut, einen entsprechenden Artikel der «Süddeutschen Zeitung» zu übernehmen. Wohlweisslich ohne Kommentarfunktion.

Quelle: «Tages-Anzeiger».

Sollten diese Zahlen stimmen, widerlegen sie die Behauptung der israelischen Armee, sie bemühe sich möglichst um eine Schonung der Zivilbevölkerung.

Obwohl die Studie bereits vor einer Woche erschienen ist, hat in den deutschsprachigen Medien bislang einzig die SZ (kopiert von Tamedia) diese Ergebnisse aufgenommen.

Medienkritisch geht es hier nicht um eine Diskussion der wissenschaftlichen Grundlage und der Plausibilität dieser Zahlen.

Sondern es geht darum, dass eine Debatte über den Gazakrieg im Sinne eines Meinungsaustauschs, basierend auf möglichen Erkenntnissen, kaum oder nicht möglich ist.

Verteidiger der israelischen Regierungspolitik verweisen auf die Greueltaten der Hamas, auf deren Massaker am 7. Oktober 2023. Da sie diktatorisch die Regierungsgewalt im Gazastreifen ausübt, sei die gesamte Bevölkerung mitschuldig daran – und letztlich selber schuld, wenn sie nun auch massakriert wird. Ein Zahlenvergleich sei obszön und nicht statthaft.

Noch erschreckender als diese Zahlen ist die meist fakten- und erkenntnisfreie öffentliche Debatte. Hilft alles andere nicht, schlägt die Antisemitismuskeule zu und wird an den Holocaust erinnert. Der deutsche Bundeskanzler Merz darf ungeniert davon sprechen, dass Israel hier die «Drecksarbeit» verrichte. In welchen Sprachduktus er sich damit begibt, fällt offenbar weder ihm noch breiten Teilen der Medien auf.

Wer auf der Einhaltung internationaler Regeln besteht, wird mit dem Argument niedergemacht, dass die gegen fundamentalistische Wahnsinnige und die Ayatollen im Iran nicht gelten würden. Wer Opfer eines Terrorangriffs und von den Mullahs in Teheran mit der Vernichtung bedroht wird, darf sich darum foutieren.

Dass sich damit die israelische Regierung und ihre Armee genauso zum Paria machen wie die von religiösen Wahnsinnigen regierten Staaten um das Land herum, genauso wie die Terrororganisationen Hamas und Hetzbollah, wird ignoriert.

Eine zivilisierte Gesellschaft kann sich nicht barbarisch gegen Barbaren wehren. Auch putative Notwehr hat ihre Grenzen. Sonst gilt einfach die Macht des Stärkeren, die alles Recht bricht.

Die Grundlagen zivilisierten Zusammenseins sind spätestens seit Kant bekannt. Wer sich aus Unkenntnis oder wissentlich selbst darüber hinwegsetzt, unterscheidet sich nicht mehr vom Barbaren und verliert jegliche Legitimation für sein Handeln.