Schlagwortarchiv für: Kosmos

Linke Genossenschaft = Pleite

Nun ist auch noch das Zürcher Café Boy am Ende.

Für Nicht-Zürcher mal kurz erklärt. Es gab lange Jahre die linke Institution «Cooperativo». Das Restaurant, wohin man nicht unbedingt wegen des Essens ging, verkörperte die beste Tradition einer linken Kooperative. Die Wände waren mit Werken von Mario Comensoli geschmückt, es gehörte zum guten Ton der Linken, der linken Schickeria, der Tagi-Belegschaft und vielen anderen, hier regelmässig zu verkehren. Dann ging das Restaurant Pleite.

Das «Kulturzentrum» Kosmos war eine Installation, in der mit grosser Kelle angerichtet wurde. Dass die überdimensionierten Kinosäle dank idiotischer Programmierung leer blieben, dass die meisten Angebote nur Zuspruch in der Gesinnungsblase fanden, dass Einnahmen in einem dramatischen Missverhältnis zu den Ausgaben standen – na und, wollen wir uns solchen bürgerlichen Normen unterwerfen?

Als die Kacke richtig am Dampfen war, verkauften die cleveren Erblinken und Teilhaber ihre Shares noch schnell an einen blauäugigen Gutmenschen. Der liess Kassensturz machen – worauf der von ihm eingesetzte neue Verwaltungsrat blitzschnell zum Konkursrichter eilte, aus Schiss vor Konkursverschleppung. Die Initianten jammerten über sich selbst und die Ungerechtigkeit der Welt. Das Schicksal der über 70 Angestellten, die von einem Tag auf den anderen wegen ihres Versagens auf der Strasse standen, war ihnen scheissegal.

Diese Katastrophe wurde von üblen Beschimpfungen einer schreibenden Schmachtlocke begleitet, dass dieser Bankrott doch wohl übereilt und vermeidbar gewesen sei. Dass Daniel Binswanger selbst einem Organ vorsteht, dass nur dank ständigen Bettelaktionen und der Drohung mit Selbstmord bis heute vor sich hinsiecht, was soll’s. Auch die «Republik» muss doch nicht spiessbürgerlichen Vorstellungen von Wirtschaftlichkeit gehorchen.

Dann hätten wir die Rote Fabrik, wie der Name schon sagt Spielplatz für alles Linke, Woke, Bewegte, Antikapitalistische. Allerdings nimmt das Haus gerne ein paar Millionen Subventionen mit. Nur: nicht mal so reicht das Geld. Nach einem Putsch im Führungsgremium wurde die Kulturinstallation gegen die Wand gefahren. Dank Steuersubventionen nicht Pleite, aber es mussten ziemlich ruppig Mitarbeiter entlassen und Freiräume geschlossen werden.

Das Zürcher Schauspielhaus, ein wokes Multimillionengrab von Steuergeldern, dem das zahlende Publikum in Scharen wegläuft.

Dann gibt es eine einzige Ausnahme von der Regel: das Zürcher Kunsthaus. Hier zeigt die bürgerliche Schickeria, angeführt vom Ex-SNB-Präsidenten Philipp Hildebrand, dass telegen aussehen kein Garant dafür ist, die Finanzen im Griff zu haben.

Und nun das Café Boy. Es trägt diesen etwas merkwürdigen Namen, weil es 1934 von der Proletarischen Jugend Zürich erbaut wurde, als Treffpunkt für junge Arbeiter. Dann ging alles so seinen Gang und auch den Bach runter.

2019 dann der Neustart. Eine Genossenschaft übernahm das Ruder. Ihr Name liess allerdings schon damals Übles ahnen: «Genossenschaft Wirtschaft zum Guten Menschen». Da steckte (hoffentlich) eine Prise Selbstironie drin.

Wie der «Tages-Anzeiger» berichtet, schrieb der Präsident der Genossenschaft, der SP-Gemeinderat Marco Denoth, den übrigen Mitgliedern, «die Türen sind ab 21. Juni für immer geschlossen». Das habe man gemeinsam mit den Angestellten beschlossen. Denoth fiel bislang eigentlich nur dadurch auf, dass er herausgefunden hatte, dass das Ampelmännchen (!) nun einwandfrei diskriminierend sei und dringend gegendert werden müsse.

Die Angestellten haben das aber noch nicht so ganz mitgekriegt; das Lokal sei jeweils im Sommer samstags geschlossen, steht auf der Webseite, Reservationen kann man noch zu einem beliebigen Datum eingeben. Allerdings ist diese Ankündigung schon verräterisch. Samstag ist einer der stärksten Besuchstage für Restaurants. Nur kein Stress, sagte sich offenbar die Mannschaft.

Was ist denn passiert? Covid natürlich, die Allerweltsausrede. Das übliche Gequengel: «Unser Team war super, das Konzept sehr gut, aber es hat einfach nicht gereicht. Der Start mit der Pandemie lastete zu stark auf uns, sodass wir keine Reserven für die letzten schlechten Monate mehr hatten

Die Pandemie ist scheint’s schon länger vorbei, und wenn Team und Konzept und überhaupt super waren, wieso waren dann die letzten Monate schlecht? War das Lokal zu gut für diese Welt? War vielleicht der «Siedfleisch Boy» für stolze 42 Franken zu teuer? Oder ein währschafter Hackbraten für exorbitante 38.50? Oder wurde zu wenig Terra Cupa Montefalco für 98 Franken gebechert? Mundete ein mittelmässiger Chateauneuf du Pape für 105 Franken nicht richtig? Gab es zu wenig Gelegenheit, mit «Zürischaum» für 96 Franken anzustossen? Das Flascherl ist im Einzeleinkauf für 34 Franken zu haben. Hier wird offenbar das gesunde kapitalistische Prinzip, Einkauf mal drei, angewendet.

Von der ursprünglichen Idee, ein Treff für weniger Kaufkraftstarke zu sein, ist schon lange nichts mehr übriggeblieben.

Immerhin, dem Personal wolle die Genossenschaft bei der Stellensuche beistehen. Kleiner Tipp für die Entlassenen: wenn eine Genossenschaft den Laden führt, in weitem Bogen umfahren …

Die Rote Fabrik fehlte noch

Desaster auf Desaster. Welch ein Trauerspiel.

«Republik», «Kosmos», «TagesWoche», «bajour», es scheint ein Gesetz der Serie zu geben. Denn nun reiht sich auch noch die Rote Fabrik in den bunten Reigen gescheiterter oder scheiternder linker Projekte ein.

Besonders peinlich war bislang der «Kosmos». Von grossmäuligen Erblinken ins Leben gerufen, fahrlässig gegen die Wand gefahren, der Steuerzahler darf aufräumen. Alle Beteiligten schoben sich gegenseitig die Schuld zu und jammerten über die eigene Befindlichkeit. Die über 70 auf einen Schlag arbeitslosen Angestellten gingen ihren ganz schwer an dem Körperteil vorbei, mit dem sie meistens denken.

Und jetzt das. 1980 erblickte das Kulturzentrum Rote Fabrik in Zürich das Licht der Welt. Nachdem es zu den Opernhauskrawallen gekommen war, weil dieser Kulturtempel mit 61 Millionen Steuergeldern alimentiert wurde, wollte das Bürgertum seine Ruhe haben und spendierte 2,3 Millionen Subventionen für dieses alternative Kulturzentrum.

Immerhin 42 Jahre lang ging das einigermassen gut, während in dieser Zeit doch alles in allem fast 100 Millionen Franken Steuergelder verbraten wurden. Neben dem Kulturzentrum gab es mehrere Tentakel, war alles furchtbar alternativ, und das Restaurant Ziegel au Lac blieb seiner Linie von Anfang an treu, mittelmässiges Essen und Trinken mit lausigem Service und steifen Preisen zu verbinden. Die Angestellten verstanden ihren Job immer schon mehr als Gesprächstherapie denn als Dienst am Kunden.

Nun ist aber plötzlich Feuer im Dach. «Zwei Wochen zuvor hatte der Vorstand erfahren, dass sich für das Jahr 2023 ein Defizit von einer halben Million Franken» auftue, schreibt der Tagi. Irgendwie kommt einem das seit dem «Kosmos» bekannt vor. Alles super, alles prima, eigentlich keine Probleme, und plötzlich macht es rums und die Bude ist fast pleite. Als wären die Verantwortlichen Banker, schwafeln sie dann plötzlich von Unvorhersehbarem.

Nun scheint aber der unfähige Vorstand von Mindereinnahmen, ungeplanten Mehrausgaben und vor allem «fehlendem Selfcontrolling bei der Personalplanung» überrascht worden zu sein. Offenbar liegt die Wurzel des Übels in einer turbulenten Mitgliederversammlung vom Sommer 2021, in der der alte Vorstand weggeputscht und durch sich spontan zur Verfügung stellende Nachwuchskräfte ersetzt wurde.

Offensichtlich haben die keine Ahnung von der banalen Tatsache, dass man nicht unbedingt mehr Geld ausgeben sollte, als man einnimmt. Oder vielleicht liessen sie sich von der «Republik» beraten, die macht das schliesslich auch so.

Nun ist auch noch das letzte langjährige Vorstandsmitglied zurückgetreten, und auf die Frage des Tagi, wie es denn zu diesem Schlamassel habe kommen können, wird die naseweise Antwort gegeben: «Die vielen unterschiedlichen Gründe für die aktuelle finanzielle Lage sind nachvollziehbar und belegt.»

Das ist Dummschwatz für: dem Vorstand war offensichtlich ein Budget, die Finanzierbarkeit von Stellen und ähnlicher bürgerlicher Kram schnurz. Nun müssen schlagartig fast 400’000 Franken bei den Angestellten gespart werden, es wird zu Entlassungen kommen. Die «Fabrikzeitung» wird eingestellt, das Programmangebot zusammengestrichen, also mit der Axt dreingeschlagen.

Wie es möglich ist, dass unbemerkt bei einem Gesamtbudget von knapp 3,5 Millionen Franken, von denen lediglich knapp eine Million selbst erwirtschaftet werden, plötzlich angeblich aus heiterem Himmel die Pleite droht – ein Abgrund von Verantwortungslosigkeit.

Man kann sich vorstellen, wie die Mitglieder der Gesinnungsblase in der Roten Fabrik schäumen würden, wenn ein bürgerlicher Betrieb aus heiterem Himmel verkündete, dass man gerade eben erfahren habe, dass man fast pleite sei und dringend Mitarbeiter rausschmeissen müsse, so als Weihnachtsgeschenk.

Das ist nicht lustig, das ist auch kein Anlass zur Häme. Aber es ist schon verblüffend, wie ein linkes Unternehmen nach dem anderen implodiert – und jedesmal ein fahrlässig-unfähiger Umgang mit eigenem und fremden Geld die Ursache dafür ist.

Natürlich ist die Steuersubvention der Roten Fabrik ein Klacks im Vergleich  zur Kohle, die die Stadt ins Schauspielhaus und in die Oper steckt. Das ist aber kein Freipass dafür, schludrig und liederlich mit diesem Geld umzugehen. Und die Unfähigkeit des Vorstands müssen nun, wie üblich, die Angestellten ausbaden. Die sich Weihnachten auch ein wenig anders vorgestellt hatten.

Aber immerhin weiss man nun, wieso die Fabrik rot ist. Weil sie sich schämt, von solchen Pfeifen geleitet zu werden.

 

 

Wumms: Patrick Frey

Schamlos und unanständig, der Mann.

Patrick Frey ist einer der Erblinken, die mit dem woken Kulturtempel «Kosmos» in Zürich eine Millionenpleite hinlegten. Er verkaufte seine Aktien noch rechtzeitig an einen gutmütigen Investor, jammerte aber anschliessend herum, wie ihn das persönlich getroffen habe und wie ungerecht die Welt so sei.

Nun muss der Steuerzahler einen Millionenschaden wegräumen, und das Schicksal der über 70 Angestellten, die von einem Tag auf den anderen auf der Strasse standen, interessierte weder Frey noch die anderen Bruchpiloten einen Dreck.

Das wären nun genug Gründe, einfach mal die Schnauze zu halten und den moralisch erhobenen Zeigefinger unten zu behalten. Wer dermassen moralfrei handelt, sollte wenigstens den Anstand haben, etwas in sich zu gehen.

Aber doch nicht Frey. Der keift gegen einen Kommentar von Michèle Binswanger: «Weder «hält» Judith Butler «die Gräueltaten der Hamas für legitim», noch sagt sie im Interview, «wer die Hamas als Terroristen bezeichne, mache sich des Genozids mitschuldig». Der Vorwurf eines «moralischen Bankrotts» fällt auf Binswanger und diese Art von Journalismus zurück.»

Es ist richtig, dass Butler in dem Interview Israel des Genozids beschuldigt. Es ist auch richtig, dass Butler 2006 sagte, dass es extrem wichtig sei, die Hamas und die Hetzbolla als «soziale Bewegungen zu verstehen, die fortschrittlich, links, Teil der globalen Linken» seien.

Ob Frey hier weiter recht hat oder nicht, ist für einmal völlig unerheblich. Wer selbst einen solchen Bankrott hingelegt hat, hat nicht lebenslänglich, aber doch eine hübsche Zeitlang jedes Recht verwirkt, anderen in irgend einer Form Bankrott vorzuwerfen. Tut er es dennoch, fällt das auf ihn zurück.

Aber das zeichnet diese Art von Gutmenschen aus: sie sind völlig schamfrei.

Lotterladen Kosmos

Unglaublich, was im Konkurs des «Kosmos» in Zürich zum Vorschein kommt.

Ein «Kosmos-Kino-Kartenhaus» nennt Lukas Hässig auf «Inside Paradeplatz» den gescheiterten Kultur-Tempel der Zürcher Kunst-Schickeria. Die federführenden Erblinken haben sich aus dem Staub gemacht, SBB, Steuerzahler und andere bleiben auf ihren Forderungen sitzen. Mit freundlicher Genehmigung übernehmen wir die Recherche.

Von Lukas Hässig*

Die Schweizerische Bundesbahnen SBB, wie der Staatskoloss ausgeschrieben heisst, meldet im Konkurs der Kosmos-Kultur AG Forderungen über 26,7 Millionen Franken an.

Das zeigt der Kollokationsplan von Anfang Oktober. Der listet total fast 32 Millionen Gläubiger-Forderungen gegenüber der Eventstätte der „Linken“ an Zürichs Europaallee auf.

Die ging vor 11 Monaten mit Karacho Pleite. Noch vorhandene Aktiven: 150’000 Franken.

House of Cards, Ausgabe Little Big City.

Gescheitert sind die Macher hauptsächlich am SBB-Mietvertrag, der dem Bahn-Unternehmen jährlich rund 1,5 Millionen einbringen sollte – je zur Hälfte für das Gastro- und das Kino-Angebot.

Die fast 27 Millionen offenen Guthaben geteilt durch die Jahresmiete von 1,5 Millionen ergeben 18 Jahre.

So viele Jahres-Entschädigungen sind die Kosmos-Kultur-Betreiber aus dem Lager der „Erb-Linken“, die ihren Reichtum nicht selbst erarbeitet, sondern geerbt haben, den SBB schuldig.

Sprich: dem Steuerzahler.

Der betriebswirtschaftliche Schlendrian bei den Kosmos-Linken wird damit durch jenen der Staatsbahnen noch übertroffen.

Und wie.

Es kommt noch besser – oder schlechter, für den Bürger.

Der Kanton Zürich war sich auch nicht zu schade, dem Kosmos bis zum bitteren Ende die Stange zu halten.

452’000 Franken hat die „Finanzverwaltung des Kantons Zürich“ unter Säckelmeister Ernst Stocker von der SVP jetzt als Forderung gegenüber den Traumtänzern der alten Kosmos AG angemeldet.

Verbrieft ist das Guthaben im „Darlehensvertrag vom 19.05.2021 samt Zinsen“, wie auf Seite 47 des Kollokationsplans steht.

Weiter im Takt aus der Kantons-Administration, wo die Beamten jedem säumigen Normalo sofort die Daumenschrauben anziehen, bei den Kultur-Phantasten aber jahrelang wegschauten.

Die „Direktion der Justiz und des Innern“ des Kantons Zürich unter der Leitung von SP-Regierungsfrau Jacqueline Fehr meldete 79’887.30 Franken als offenes Guthaben an.

Grund: „Forderung aus Unterstützung des Transformationsprojektes“.

Was immer das ist.

Weiter im Takt mit verschleudertem Steuergeld:

EWZ, das städtische Stromwerk, hat fast 30’000 Franken offen, die Stadt Zürich rennt gut 12’000 Franken geschuldeten Quellensteuern hinterher.

Dann gibt es noch eine „Bürgschaftsgenossenschaft für KMU“, die sitzt in St.Gallen und hatte den Kosmos-Betreibern in der Pandemie ruckzuck eine halbe Million „Covid-19-Kredit“ überwiesen.

Den grössten Ausfall im Lager der Zürcher Gläubiger hat die Kantonalbank. Sie gab den Kosmos-Leuten einen Kreditrahmen von 2 Millionen.

Davon kann sich die ZKB 1,4 Millionen Franken ans Bein streichen. So viel haben die Kredit-Recovery-Leute der Bank als offene Forderung beim Konkursamt Aussersihl-Zürich angemeldet.

Dies unter „Forderung aus Kreditvertrag vom 04.10.2022“, heisst es dazu auf Seite 49.

Neben diesen staatlichen Grossgläubigern, bei denen man sich fragt, wieso die nicht früher eingeschritten sind, haben unzählige Privatpersonen sowie kleine und grosse Privatfirmen Geld mit dem Kosmos verloren.

Von einer Adria Film mit 7’000 Franken über die Brauerei Falken in Schaffhausen mit 13’000 zu Warner Bros. Entertainment mit 6’000 und Terlinden Textilpflege mit 3’000.

Ein Scherbenhaufen der Extraklasse.

Im Konkursverfahren hat die SBB selbstverständlich ihre finanziellen Interessen bestmöglich wahrgenommen“, sagt ein Sprecher auf die Frage, ob gegen die Kosmos-Verantwortlichen geklagt würde.

Die Sinnhaftigkeit einer Geltendmachung von weitergehenden Ansprüchen prüft die SBB mit den spezialisierten Juristen.“

Laut einer ZKB-Sprecherin kommentiere die Bank “mögliche ehemalige oder existierende Kundenbeziehungen nicht”.

Grosse Profiteurin des Debakels der “Salon-Linken” ist die rechte NZZ-Gruppe. Die erhielt von den SBB den Zuschlag für den Kosmos, den sie neu unter „Frame“ betreibt.

Übergangen wurden Mitbewerber wie die Neugass Kino AG. Die wurde ausgetrickst mit der Auflage der SBB, dass nur einen Vertragspartner wolle – für Gastro und Filmsäle zusammen.

Die NZZ erhielt dann doch den Zuschlag, obwohl ihr Zürcher Film-Festival ZFF sich lediglich um die Kinos kümmert, während das Restaurant und die Bar übergangsmässig bei einem jungen, innovativen Unternehmer landeten.

Im Frame herrscht derweil gähnende Leere. Michael Steiners hochgelobter „Early Birds“-Streifen fällt beim Publikum durch.

Netflix-Filme kommen im Kino selten auf Touren“, meint Steiner, der mit „Grounding“ durchgestartet war, als Grund. „Siehe Box Office von Roma & The Irishman.“

*Mit freundlicher Erlaubnis des Autors.

Wie IP den Tagi abtrocknet

Nicht nur Primeurs im Finanzwesen …

Dass Lukas Hässig und seine wenigen Mitstreiter* regelmässig die Finanzmedien der Schweiz abtrocknen, hat schon Tradition. Die unverschämte Millionenzahlung an Vasella, IP hat sie aufgedeckt. Das lustige Treiben von Pierin Vincenz bei «Raiffeisen»: IP hat ihn im Alleingang zu Fall gebracht.

Nun wildert der muntere Finanzblog auch noch auf Gebieten, wo der krankgeschrumpfte Tagi eigentlich noch letzte Reste von Sachkompetenz zeigen sollte: im Zürcher Lokalen.

Statt selbst zu recherchieren, ahmt nun der Tagi das nach, was in seiner Mantelredaktion Gang und Gebe ist. Statt selber zu schreiben, kupfert man einfach Angeliefertes aus München ab, die «Süddeutsche Zeitung» füllt den mageren Platz.

Was dort Recht ist, kann im Zürich-Teil doch nicht Unrecht sein, sagt sich Tagi-Redaktor Jan Bolliger und schreibt fleissig ab: «Laut dem Online-Medium «Inside Paradeplatz» sollen nun die beiden Bewerberinnen gemeinsam in das Gebäude am Ende der Europaallee einziehen.»

Gemeint ist, dass die SBB als Vermieter wohl einen Nachmieter für die bankrott gegangene Kosmos-Liegenschaft gefunden haben. Also genau gesagt zwei, wie «Inside Paradeplatz» vermeldet. Damit würden die SBB markant von der Ausschreibung abweichen, in der sie einen Bewerber suchten, der sowohl die Kinosäle wie das gastronomische Angebot übernehmen wollte.

IP feuert dann auch noch eine Spitze gegen das Zürcher Film Festival (ZFF) ab, das neben der Commercio-Gruppe zum Handkuss kommen soll. Die NZZ hatte das ZFF von der Lebensgefährtin des gescheiterten CS-VR-Präsidenten Urs Rohner übernommen, für teures Geld. Nun wird das ZFF inzwischen grosszügig von Stadt und Kanton Zürich mit Steuergeldern subventioniert, auch der Bund steht da nicht abseits.

Diesen nicht unbedeutenden Teil der Story von IP lässt der Tagi allerdings aussen vor. Man hat ja nicht Platz für alles. Lustig ist hingegen die Schlussbemerkung von Bolliger: «Das Kulturhaus, gegründet von Filmemacher Samir und Buchhändler Bruno Deckert, ging im vergangenen Dezember bankrott. Der Konkurs war begleitet von gegenseitigen Vorwürfen der Mitgründer und der zahlreichen Verantwortlichen, die den Betrieb während seines fünfjährigen Bestehens geleitet hatten.»

Auch ihm sind, wie allen wohlhabenden Aktionären des Illusionsprojekts «Kosmos», die mehr als 70 Angestellten, die von einem Tag auf den anderen auf der Strasse standen, keine Bemerkung wert. Denn das waren die Hauptleidtragenden der verantwortungslosen Verantwortlichen, die lieber über ihr eigenes Befinden lamentierten und allen anderen, nur nicht sich selbst die Schuld an diesem Desaster gaben. Genauso angeschmiert waren übrigens auch viele Firmen und Privatpersonen, die bereits ein Event im «Kosmos» geplant und bezahlt hatten.

Wie es nun mit den Verantwortlichkeiten des Kosmos-VR und seiner Betreiber steht, das muss noch aufgearbeitet werden.

Währenddessen wildert das Einmann-Orchester mit musikalischen Begleitern IP auch noch in anderen Gefilden. Während sich Lukas Hässig an einem einzigen Tag der Sonderboni der CS, eines Lecks bei der Helsana und neuen Gebräuchen bei der Raiffeisen annimmt, erläutert Militärexperte Albert Stahel unermüdlich die Kriegslage in der Ukraine. Banken-Professor Hans Geiger lässt sich regelmässig zu aktuellen Finanzthemen interviewen, und selbst Beni Frenkel läuft in seiner Kritik an «Laeri’s Start-up» trotz Deppen-Apostroph zu Höchstformen auf und lässt kein gutes Haar an «ElleXX». Völlig zu recht. Aus einem Umsatz von bescheidenen 181’000 Franken wollen die Betreiberinnen eine Bewertung von sagenhaften 16 Millionen herausmelken (lassen). Sie gehen dafür bei den sogenannten «Members» von einer Wachstumsprognose von 300 Prozent pro Jahr aus und wollen bereits 2023 einen Umsatz von einer satten Million realisieren, der dann bis 2026 auf sagenhafte 26,3 Millionen steigen soll.

Selbst im Prospekt werden diese Wachstumsraten als «ambitioniert» beschrieben, was im Finanzsprech das Wort für leicht wahnsinnig ist.

Besonders lustig ist Frenkels Ironie, was die Besucherzahlen von ElleXX betrifft. Die betrage seit dem Launch «mehr als 220’000 Menschen». Super, hämt Frenkel, gleichviel Klicks habe Roger Köppel an einem einzigen Tag.

Während die Zahl von Abonnenten bei ElleXX seit einem halben Jahr bei rund 1000 dümple. Plus: «Mit einem Säule 3a-Angebot für Vontobel und ihrem „Gender Equality Tracker“ für die Migros Bank kommt die ElleXX derzeit auf ein paar Zehntausend Franken Einnahmen

Vernichtender geht’s nicht mehr, und da sich Frenkel diesmal jeglicher sexistischer Seitenhiebe enthält, kann man gespannt sein, was Laeri und Co. diesmal als Entgegnung einfällt.

*Packungsbeilage: Auch ZACKBUM-Redaktor René Zeyer schreibt gelegentlich auf «Inside Paradeplatz».

Spar-NZZaS

Früher Abschluss, weniger Inhalt. Merkt man was?

«Auf einen Teil der Aktualität verzichten, Produktion früher abschliessen und den Umfang leicht reduzieren.» Das bedauert der NZZaS-Chefredaktor Jonas Projer ausserordentlich.

Der immer noch nicht bewältige Cyberangriff macht der alten Tante weiterhin zu schaffen. Und das gerade an Ostern, wo sich die Redaktionen sowieso mühsam von Thema zu Thema hangeln und bei jedem Fundstück lauter gackern als die Henne beim Eierlegen. Oder der Hase beim Eierverstecken, oder so.

Wagen wir wieder einen Blick aufs Cover, womit will die NZZaS den Leser erfreuen?

Vergiftete Trüffelsuchhunde im Piemont (gut, das ist das «Magazin», das ist sowieso ausser Kontrolle und Konkurrenz), die Psychologin sagt etwas zur Arbeitskultur, dann ein Anriss auf die (Verlags-)Beilage Bildung (ein Inserateschmiermittel).

Dann ein Titel mit dem sich, mutig, die NZZaS beim Schweizer Hauptexporteur (mit Abstand) nicht gerade beliebt macht. Ein netter Hinweis darauf, dass nicht nur im «Kosmos», sondern in der Kultur ganz allgemein Millionen verlocht werden, insbesondere während Corona.

Die brennende Riesenrose soll, welche merkwürdige Wahl an Ostern, dafür Werbung machen, Artikel über Paartherapien zu lesen. Vielleicht sollte der verantwortliche Blattmacher auch mal …

Seite zwei ist dann nicht gerade ein Beweis dafür, dass der geschrumpfte Platz sinnvoll genutzt wurde. Ein suspendierter Geistlicher, der gleichgeschlechtliche Paare segnete – in Italien. Ein Riesenfoto und minimaler Text über Trump. Der wurde doch, breaking news, angeklagt.

Dann ein Abgesang auf den verglühenden Politstar Robert Habeck. Fast boulevardesk, die NZZaS. Zuerst einen hochschreiben, um ihn dann besser niedermachen zu können.

Dann ein Artikel, wie er auch problemlos im Ersten Weltkrieg hätte erscheinen können. Abgründig:

Das hätte Ernst Jünger nicht besser dichten können: «Ukrainische Kriegsversehrte kommen als Helden in das Prothesenzentrum in Kiew und werden erst einmal zu dem gemacht, was sie sind: Patienten. Sie wollen aber nur eins, zurück an die Front

Den Patienten wurden meistens Beine oder Arme weggeschossen oder -gesprengt. Beim Kriegshetzer-Autor muss man sich eher ums Hirn Sorgen machen.

Was macht eine Redaktion, wenn sie schon ziemlich auf dem Zahnfleisch läuft? Richtig, einen Artikel über das E-Voting. Den muss man nicht mal neu schreiben …

Wirklich lustig in seiner gelungenen Mischung aus Einblicken ins eigene (hoffentlich nicht erdichtete) Beziehungsleben und allgemeinen Schlussfolgerungen ist dann der Hauptkommentar von Chefredaktor Projer. Der erwähnt allerdings die beiden wohl wichtigsten Schmiermittel in einer Ehe nur indirekt: Humor und Selbstironie.

Dann kolumnieren allerdings Aline Wanner und Patrick Imhasly. Also hatte man doch zu viel freien Platz. Aber dann, auf Seite 15, aber immerhin, wird ein Thema aufgenommen, das an diesem Wochenende eine gewisse Bedeutung hatte: «An Ostern ist Wirklichkeit geworden, was niemand für möglich hielt». Ja was denn, dass eine katholische Priesterin diesen Kommentar schreibt? Nicht ganz, es ist eine reformierte Pfarrerin …

Dann kommt der eindeutige Tiefpunkt der Ausgabe. Dennis Frasch behauptet, viele Menschen seien «Im Banne des Gauklers». Er fragt sich und den Leser: «Warum glauben Menschen, was nachweislich falsch ist? Ein Abend mit Ganser und seinem Publikum.» Wer den Artikel liest, findet spontan eine erste Antwort: weil es solche Artikel gibt.

Er ist vier Spalten lang. Fast zwei davon verbraucht Frasch, um ausgewählte Exemplare des Publikums zu beschreiben. Dann will er ganze zwei Tricks der «Ganserichen Rhetorik» entlarven. Mässig überzeugend. Fraschs Tricks sind hingegen offensichtlich. Ausgewählte Beobachtungen und Behauptungen «Eine weisse Taube flimmert über die Leinwand. Bald sind es Verschwörungstheorien.» Bis dann aber mal eine kommt, sind wir bereits auf der letzten Spalte angelangt.

Der «Höhepunkt des Abends» sei «der angebliche Putsch 2014 in Kiew, der mit der Flucht des ehemaligen Präsidenten Wiktor Janukowitsch endete. Ganser sagt, das Ganze sei eine von amerikanischen Geheimdiensten gesteuerte Verschwörung gewesen

Obwohl das nicht nur Ganser sagt, sondern auch eine ganze Reihe ernstzunehmender Wissenschaftler, zitiert Frasch eine Nada Boskovska, Professorin für Osteuropäische Geschichte an der Universität Zürich. Die ist zwar ausgewiesene Spezialistin für Makedonien oder «Die russische Frau im 17. Jahrhundert», aber als Ukraine-Kennerin ist sie noch nicht sonderlich aufgefallen. Auf jeden Fall sagt sie hier wunschgemäss, es sei «kein ausländischer Putsch» gewesen.

Womit dann Ganser wohl als Verschwörungstheoretiker entlarvt und bis auf die Knochen blamiert wäre. Nein, das ist eher der Autor – und das Blatt, das so eine erbärmliche und weitgehend argumentenfreie Hinrichtung publiziert. Denn selbstverständlich kann man Gansers Ansichten kritisieren. Aber können sollte man das halt schon. Dass Frasch als freier Journalist  häufig für das Qualitätsmedium «watson» arbeitet, muss nicht unbedingt gegen ihn sprechen. Aber auch nicht für ihn.

Schon alleine wegen des Autors muss der Artikel «Der Warner, der abgestraft wurde», gelobt werden. Denn Felix E. Müller hat hier schon einige Male Dresche bezogen. Nun aber hat er offenbar den ehemaligen VR der Credit Suisse Jean-Daniel Gerber dazu gebracht, aus dem Nähkästchen zu plaudern. Beziehungsweise Müller seine Abschiedsrede zugänglich zu machen, die Gerber 2015 beim «Chairman’s Dinner» hielt. In Anwesenheit von Urs Rohner und der GL sowie dem VR kanzelte er die Entschädigungspolitik ab und nannte viele Faktoren, die schliesslich zum Untergang der CS führten.  Dafür sei er dann nachträglich von Rohner per Mail gerüffelt worden.

Einen hübschen Knaller hat dann der Bund «Kultur» zu bieten. «Was ist mit den 80 Millionen passiert?» So viel schüttete der Bund während Corona-Zeiten für sogenannte «Transformationsprojekte» aus, zusätzlich zu Ausfallentschädigungen. Knackeboul, (30’000 Franken), die Fondation Beyeler (95’800) und natürlich der «Kosmos»-Bruchpilot Samir (173’142) bekamen Steuergelder für «Transformationsprojekte».

455 Millionen zahlte der Bund, um Kulturbetriebe während der Pandemie am Leben zu erhalten. Darüber hinaus gab es bis vor Kurzem (allerdings wohl nicht bis «Oktober 2023» wie die NZZaS schreibt) 80 Millionen obendrauf. Allerdings: von den entsprechenden «Transformationsprojekten» ist keine Spur sichtbar. Was machte Knackeboul mit seinen 30’000 Franken? Auf wiederholte Anfragen antworte sein Management: «keine zeitlichen Kapazitäten für ein Interview».

Da bleibt der NZZaS nur spitze Ironie: «Womöglich befindet er sich gerade in einer intensiven Phase der Transformation.» Allerdings fände er Zeit, bis zu fünfmal am Tag zu twittern. Ach, und Samirs Produktionsfirma antwortet erst gar nicht auf die Anfrage. Ach, und der gescheiterte «Kosmos», bei dem Samir regelmässig für leere Kinosäle und jede Menge interne Querelen sorgte, kriegte auch noch 300’000 Franken. Wohl dafür, sich in den Bankrott zu transformieren.

Allerdings: Ende Oktober müssen Schlussabrechnungen eingereicht und von einer externen Treuhandfirma überprüft werden. «Spätestens dann könnte der eine oder andere Betrieb ziemlich ins Schwitzen kommen«, vermutet die NZZaS. Wetten, dass allen genügend Geschwurbel und Geschleime einfallen wird?

Man würde sich fast versöhnt von der NZZaS verabschieden, wenn auf Seite 53 nicht die 6. Folge einer Fortsetzungsgeschichte von Jan Weiler erschienen wäre. Ein Kulturchef, der das zu verantworten hat, müsste fristlos einer anderen Tätigkeit zugeführt werden. Welcher? Schwer zu sagen, denn was kann Teuwsen eigentlich?

Wumms: Kosmos

Impfung gegen Gedächtnisverlust.

Am 5. Dezember hat das Salonlinken-Projekt «Kosmos» Schlag auf Fall den Betrieb eingestellt. Nach jahrelangem Gewurstel überprüfte ein professioneller Verwaltungsrat die Bücher, die Liquidität und die Perspektive.

Worauf er zum Schluss kam: Bücher deponieren. Jetzt. Sofort. Denn es gibt gewisse Haftbarkeiten für VR, Stichwort Konkursverschleppung. Wahrscheinlich ist allerdings, dass das ganze Schlamassel unaufgeräumt im Orkus verschwindet. Glück für all die Versager, die das «Kosmos» über die Jahre versenkt haben.

Aber: am 5. Dezember verloren von einem Tag auf den anderen über 70 Mitarbeiter ihre Einkünfte. Statt am Montag in welcher Funktion auch immer tätig zu werden, standen sie vor verschlossenen Türen und mussten den Weg aufs RAV antreten.

Nun hätte man meinen können, dass unter den vielen Multimillionären, die sich in der Sonne eines sogenannt alternativen Kulturzentrums aufplusterten, ein paar den Anstand gehabt hätten, wenigstens einen Fonds für Härtefälle zu äufnen. Damit es keine traurigen Weihnachten werden.

Schliesslich sind sie alle so humanistisch gestimmt, so solidarisch mit allen Unterdrückten und Beladenen, leiden so unter der menschenverachtenden, kalten kapitalistischen Profitoptimierung, ohne jede Rücksicht auf den Menschen und seine Bedürfnisse.

Aber haben sie das gemacht, hat ein Einziger von ihnen soziales Gewissen nicht nur wie eine Monstranz vor sich hergetragen, sondern geliefert, wenn er moralisch dazu verpflichtet wäre? Hört man fast 2 Monate nach dem Bankrott irgendwo ein Bekenntnis zur gelebten Solidarität?

Bevor ZACKBUM speiübel wird, sparen wir uns die Antwort.

Kosmische Welten

Manchmal wird die Welt klein und hässlich.

Ausserhalb von Zürich interessiert es eigentlich niemanden. Auch innerhalb von Zürich interessiert es nur eine kleine Blase von links-alternativen Kultur-Fuzzis. Und all diejenigen, die sich ungeheuer progressiv vorkamen, vor stolzgeschwellter Brust kaum laufen konnten, wenn sie im «Kosmos» einen Café Latte schlürften und dafür viel zu viel bezahlten.

Hier wurde mal mit der richtig grossen Kelle angerichtet, es sollte ein «kulturelles Zentrum» geschaffen werden, ein Bindeglied zwischen der kapitalistisch-geschniegelten Europaallee und der schauerlich anrüchigen Langstrasse. Edles Holz wurde verbaut, Kinosäle perfekt ausgestattet, in die sich aber nur wenige Gäste verliefen, wenn uninteressante, aber aufrechte Streifen aus der weiten Welt des Gesinnungsfilms dargeboten wurden.

Das Zurich Film Festival wollte die Infrastruktur benutzen. Aber nein, zu Bling-Bling, pfuibäh. Matthias Ackeret wollte mit dem Namensgeber Christoph Blocher das Buch «Das Blocher-Prinzip» im «Kosmos» besprechen. Verträge gemacht, Plakate gedruckt, dann ein Nein, das gehe dann doch nicht, aus «ideologischen Gründen».

«Kosmos» ist nicht nur geschäftlich gescheitert, und zwar krachend. «Kosmos» ist auch an seinen eigenen Ansprüchen gescheitert, eine Begegnungsstätte, ein Forum für Meinungsaustausch zu sein. Stattdessen verkrachten sich die Betreiber, wie es sich für ein linkes Unternehmen gehört. Stattdessen spielten Finanzen keine Rolle, wie es sich für Erblinke gehört. Schliesslich brach völlige Verantwortungslosigkeit aus, als nicht mehr zu übersehen war, dass der «Kosmos» implodiert, überschuldet ist, illiquide. Was angeblich kurz vorher niemandem aufgefallen war.

Als sei das nicht der Misere genug, gesellt sich dazu eine oberpeinliche Berichterstattung. Dass die schreibende Schmachtlocke Daniel Binswanger in der «Republik» etwas von einem angeblichen Putschversuch von Rechten schwafelte, je nun. In diesem Magazin herrscht das Prinzip, dass der Inhalt überlanger Auslassungen nur zufällig etwas mit der Realität zu tun hat.

Aber auch das sogenannte Qualitätsorgan «Tages-Anzeiger» machte bei der Berichterstattung über diese Pleite eine jämmerliche Figur. Genauso jämmerlich wie das dröhnende Schweigen aller sonst so eloquenten Gutmenschen, Linken, Alternativen und Solidarischen in der Stadt Zürich.

Hier hätten sie mal Gelegenheit gehabt, gelebte Solidarität mit ein paar Dutzend in der Vorweihnachtszeit auf der Strasse stehenden Mitarbeitern zu zeigen, mit Gewerbetreibenden, die den Fehler machten, den Betreibern ohne Vorauskasse etwas zu liefern. Mit einer ganzen Latte von Veranstaltern, die Events fest gebucht (und teilweise schon bezahlt hatten), die sich nun – meist vergeblich – um Ersatz bemühen müssen.

Dass man mit einer Idee geschäftlich baden geht, das kann durchaus passieren. Dass ein Millionenunternehmen mit eigener Revisionsstelle so krachend gegen die Wand fährt, das ist schon aussergewöhnlich. Dass ein gut bestückter Verwaltungsrat von alldem nichts gewusst haben will, aber dennoch ein halbes Jahr vor dem Ende Knall auf Fall zurücktrat, das ist schon verdächtig. Dass man einen naiven und blauäugigen Neu-Investor nach allen Regeln der Kunst über den Tisch zog, das ist schon widerlich.

Dass das Meinungsmonopolblatt am Ort in einer Art über diesen Skandal berichtet, dass daraus ein weiterer Skandal entsteht, das ist ziemlich einmalig. Man stelle sich vor, der «Nebelspalter», «Die Ostschweiz» oder jedes beliebige Unternehmen, dass sich konservativen Kreisen zuordnen lässt oder gar von SVP-Exponenten geleitet wird wie die «Weltwoche», man stelle sich vor, ein solches Unternehmen würde einen solchen Bankrott hinlegen. Dabei würde sich herausstellen, dass die Bude schon längst hoffnungslos überschuldet war, keine Chance zum Überleben hatte, aber dennoch fröhlich Gelder aufnahm und haltlose Versprechungen in die Zukunft hinein machte.

Man stelle sich zudem vor, dass alle Verantwortlichen jegliche Verantwortung weit von sich weisen würden. Man stelle sich zudem vor, dass das Schicksal der unter dieser Unfähigkeit leidenden Angestellten, die von einem Tag auf den anderen auf der Strasse stünden, keinem der Besitzer auch nur ein Wort des Bedauerns entlocken würde.

Wenn man sich all das vorstellt, kann man sich problemlos die Reaktion der Mainstream-Medien, angeführt von Tamedia, vorstellen. Bei den Kommentaren sähe man das Halszäpfchen der Kommentatoren, so erregt wären die beim Toben. Es würde mit Adjektiven nicht gespart werden, zuvorderst «menschenverachtend, unfähig, typisch, Theorie und Praxis, eiskalt, unsolidarisch, die Kosten des eigenen Versagens dem Staat aufbürden», etc.

Es würden die hässlichsten Fotos der Exponenten herausgesucht und aufs Papier geklatscht, es würden Zitate aus dem Zusammenhang gerissen, es würden alle Wünsche nach Gegenrede oder Richtigstellung abgeklatscht, weil man diesen rechtskonservativen Hetzern ja nicht noch eine Plattform bieten wolle.

Es würde die gesamte noch vorhanden Recherchierkapazität darauf verwendet werden, die finanziellen Hintergründe auszuleuchten, überall Fragezeichen anzubringen, Schlamperei, Pfusch, Unfähigkeit, lächerliche Inkompetenz anzuprangern. Immer mit der maliziösen Bemerkung, dass ausgerechnet diejenigen, die weniger Staat forderten, nun die Kosten ihres Versagens zum Teil der Allgemeinheit aufbürdeten.

Und es würde lautstark darüber gezetert, dass Multimillionäre wie Blocher und Konsorten keine Anstalten zeigten, ein kleines Stückchen ihres Riesenvermögens dafür auszugeben, um individuelle Härten abzufedern. Es wäre von hässlicher Fratze, Schein und Sein, von Demaskierung, von einem Realitätscheck die Rede, davon, wie hehre Worte schal und hässlich an der Realität zerschellen.

All das und noch viel mehr würde durch die Echokammern gespielt und in unendlichen Variationen wiederholt werden. Es würden Konsequenzen gefordert, Verantwortlichkeiten angemahnt, Haftbarkeiten, es würden allfällige Straftatbestände wie Konkursverschleppung in den Raum gestellt. Es würde alles Schlechte, Hinterlistige, Fiese an Motiven unterstellt.

Aber beim «Kosmos»? Aber nein. Da darf einer der Mitbegründer, einer der Verantwortlichen, einer der Versager sein eigenes Leiden bejammern: «Ich muss sagen: Dieser Schnitt, Schlüssel abgeben, Tür zu, Zettel raus, das ist schon bitter.» Er leidet an sich selbst, bei der Betrachtung des eigenen Bauchnabels. Und darf das Gesülze unwidersprochen raushauen, ohne gefragt zu werden, was für Gefühle er denn gegenüber den Opfern seiner Unfähigkeit aufzubringen im Stande ist.

Schlimmer als geschäftliches Versagen ist das menschliche. Diese demaskierende Heuchelei, das Suhlen in der eigenen Befindlichkeit, das unwidersprochen blühender Unsinn über den angeblichen geschäftlichen Erfolg verzapft werden kann. Dass mit keinem Wort Verantwortung übernommen wird, kein Wort des Bedauerns über die Schicksale von Angestellten oder Lieferanten geäussert – oder eingefordert wird.

Im Gegenteil, inzwischen hat sich auch Oberschwurbler Daniel Binswanger wieder zu Wort gemeldet. Nachdem er kurz Mitgefühl mit den Mitarbeitern geheuchelt hat, stellt er Fragen. Dumme und unsinnige Fragen. Zum Beispiel: «Warum haben die SBB nie eine Umsatz­miete akzeptiert?» Vielleicht deswegen, weil es einen bindenden Mietvertrag mit einer fixen Summe gab? Würde Binswanger akzeptieren, wenn man sein Gehalt vom von ihm generierten Umsatz abhängig machte, obwohl er über einen Arbeitsvertrag mit fixem Salär verfügt?

Er kann sich aber noch steigern, bis zum Gipfel der Absurdität: «Aber war es sinnvoll, das «Kosmos» in den Konkurs zu treiben?» Zu treiben? Ein rettungslos überschuldetes und illiquides Unternehmen?

Dann wird Binswanger noch richtig bösartig. Die beiden letzten VR «behaupten, die unhaltbare finanzielle Lage des «Kosmos» sei ihnen verheimlicht worden. Das erscheint wenig glaubwürdig.»

Wie glaubwürdig Binswanger selber ist, zeigt ein Redaktionsschwanz zu diesem Geschreibsel: «In einer früheren Version schrieben wir, dass die SBB nie Mietzahlungen erlassen hätten, richtig ist: Die SBB haben Mietzahlungen zu Teilen erlassen. Wir haben den Text zudem um eine Stellungnahme der SBB ergänzt. Und um Miss­verständnisse zu vermeiden, haben wir die Stelle bezüglich Monica Glisenti präzisiert.»

Mit anderen Worten: Quatsch, Quatsch und nochmals Quatsch geschrieben. Ist das vielleicht peinlich.

Der vorhersehbare Bankrott des «Kosmos» ist ein Trauerspiel. Seine Beschreibung in den Mainstream-Medien ist aber an Widerlichkeit und Verlogenheit nicht zu überbieten.

Geld wert? Tamedia

Das letzte Bezahlorgan unserer Serie: Tamedia.

Mit der Ausgabe vom Mittwoch wollen wir überprüfen, ob der «Tages-Anzeiger» Fr. 4.60 wert ist, die er am Kiosk kostet.

Dafür gibt es 36 Seiten, was einen Seitenpreis von 13 Rappen ergibt.Damit liegt der Tagi auf Augenhöhe mit dem «Blick», ist billiger als die NZZ (16 Rappen) und teurer als die Organe von CH Media (11 Rappen). Als Kaufanreiz bietet der Tagi oberhalb des Bundes das hier:

Sagen wir so: damit wird wohl kein rasender «muss haben»-Wunsch ausgelöst. Auch die Anrisse über «goldene Modejahre», «praktische Präsente» (was man nicht alles des Stabreims wegen reinwürgt) und «Hella Pick» (was, Sie kennen diese «grosse Journalistin» nicht?) überdecken nicht wirklich die doch gähnende Leere auf dem Rasen.

Auf Seite zwei folgt dann die Lieblingsrubrik fast aller Journalisten im Hause Tamedia: «Meinungen». Eva Novak meint, dass sich die «Politik Gedanken machen» solle. Worüber? Ob die Schweiz als neutrales Land keine Waffen in Kriegsgebiete exportieren dürfe, andererseits aber eine eigenständige Rüstungsindustrie behalten möchte. Wir sind gespannt, wie sie der «Politik» beim Denken zuschauen wird. Auf jeden Fall bekommt sie von Novak schon mal eins übergebraten im Titel: «Die Schweizer Rüstungspolitik ist verlogen.»

Der Reserve-Co-Chefredaktor Mario Stäuble meint, dass die Zürcher Regierungsrätin Jacqueline Fehr «nicht gut» dastehe. Er donnert: «Die Verfehlungen gehen über ein einzelnes Leak hinaus. Jetzt braucht es Aufklärung.» Eine interessante Position eines mehr oder minder führenden Mitarbeiters eines Organ, das doch immer wieder und mit grossem Trara Datenleaks ausbeutet.

Auf «Seite Drei» ist die Falschschreibung des Numerale wohl Warnhinweis auf den Inhalt. Es geht um die Untersuchung eines Gletschervorfelds durch eine Forscherin, die dort keinen Stausee sehen will. Eine echte Schnarch-Seite zum Überblättern.

Nun hatte der Tagi wie alle Printzeitungen an diesem Tag das Problem, dass er natürlich nicht aktuell über die Bundesratswahlen berichten konnte. Was tun? Na, da hilft doch immer ein Interview mit einer Ex-Bundesrätin, die nicht gerade mit Arbeit überlastet ist und sich gerne mit grossem Foto und ein paar Worthülsen in der Zeitung sieht:

Ohne frauenfeindlich sein zu wollen: das interessiert nun wirklich keinen, wie sich Calmy-Rey vor 20 Jahren in dem Moment fühlte, als sie in den Bundesrat gewählt wurde.

Mit der Bildauswahl auf der folgenden Seite zeigt Tamedia allerdings, dass Prognosen nicht so seine starke Seite ist:

Was war denn «International» so los? Nicht wirklich viel, laut Tagi, denn der Deutschland-Korrespondent darf sich um ein aussageloses Riesenfoto der deutschen Regierungsmannschaft herum darüber verbreitern: «Scholz muss die Zeitenwende jetzt auch wollen». Das ist eine so tiefe wie verwirrliche Aufforderung. Muss er wirklich, und was passiert, wenn er nicht will? Zwingt ihn dann Korrespondent Dominique Eigenmann dazu? Und was ist denn eigentlich eine «Zeitenwende»? Hat irgendetwas mit Alter zu tun, suggeriert der erste Satz: «Noch nie sah eine Regierung schneller alt aus als diese.» Da sich auf den Riesenfoto auch Ausseniminsterin Baerbock befindet, ist das keine sehr galante Bemerkung.

Mehr Ausland, Wirtschaft? Ach nö, lieber nicht. Dann aber der «Hintergrund». Alexandra Föderl-Schmid, stellvertretende Chefredaktorin der «Süddeutschen Zeitung» im fernen Wien, füllt eine Seite über Hella Pick. Hella who? Bitte, die ««Guardian»-Legende, aussenpolitische Expertin, Herzenseuropäerin».

Über Pick weiss Wikipedia: «In Deutschland wurde sie vor allem durch ihre Auftritte im «Internationalen Frühschoppen mit Werner Höfer bekannt.» Diese Sendung gab es von 1952 bis 1987. Was auch mit dem stolzen Alter der «Legende» korrespondiert, das wir hier nicht enthüllen wollen.

Die «Zürich»-Seite wird natürlich von der Datenaffäre und Jacqueline Fehr dominiert. Es bleibt aber genug Platz, um über die Zukunft des «Kosmos»-Gebäudes nach dem Bankrott zu spekulieren. «Schule, Kongresszentrum, Nachtclub?» Offenbar ist man da ideenmässig breit aufgestellt und denkt an die Zukunft. Die Gegenwart von über 70 gefeuerten Angestellten und auf ihren Rechnungen sitzengebliebenen KMU, nun ja, man kann doch nicht an alles gleichzeitig denken.

Etwas verwirklich wird es auch beim Artikel «Frau Seiler lädt zum psychedelischen Salon», wo es irgendwie um «die therapeutischen Möglichkeiten psychoaktiver Substanzen» geht, wobei sich jeder Scherz darüber verbietet, was die Autorin Tina Fassbind wohl beim Verfertigen des Stücks geraucht hat.

Titel wie «Rebellion in der Mode – war da mal was?» wollen offenbar dem Leser sagen: entweder bist du bereit für eine Zeitreise in die Vergangenheit – oder blätter schnell um. ZACKBUM hat sich für letzteres entschieden.

Schliesslich die WM, das Debakel, schreiberische Trauerarbeit. Natürlich muss sich auch das Entsenden von Sportredaktoren nach Doha amortisieren, also wird mit brüllender Originalität über englische Fans in einem «Pub in Doha» berichtet. Dreimal darf der Leser raten, was die Engländer im Pub wohl so treiben …

Hohen Nutzwert versprüht dann die Seite «Wolle oder Synthetik? Worauf Sie bei der Sportunterwäsche achten sollten». ZACKBUM gesteht allerdings: bei Sportunterwäsche achten wir auf garnix.

Dann begleitet einen die Wissensseite zum Ausgang: «Neuer Anlauf gegen das Artensterben». Sagen wir so: diese Ausgabe war nun nicht unbedingt ein Anlauf gegen das Artensterben bei Printtiteln.

Viel Meinungen, viel Fussball, viel Altes und Uraltes, penetranter Rechthaberjournalismus, Flucht in die Zukunft bei ungeklärten Fragen in der Gegenwart beim «Kosmos», ist das alles Fr. 4.60 wert?

Antworten wir im Tagi-Stil: das muss besser, wertiger werden. Es braucht eine Zeitenwende, sonst sieht der Tagi so alt aus wie einige Protagonisten dieser Ausgabe. Oder kurz: nein.

 

Die Kosmos-Skandale

Inzwischen ist klar: es gibt fünf Skandale um den Bankrott.

Skandal Nummer eins: Einzig und alleine Lukas Hässig vom Finanzblog «Inside Paradeplatz» recherchiert die nackten Zahlen, die hinter dem Konkurs der Kultur-Seifenblase «Kosmos» stehen. Sein Ergebnis ist niederschmetternd: «Kosmos war nur ein einziges Jahr in den schwarzen Zahlen».

Schon 2018, ein Jahr nach dem Start, machte das «Kosmos» happige 1,2 Millionen Franken Verlust. Alleine von Januar bis Ende Juni 2022 wurden es 1,5 Millionen Miese. Nur 2021 gab es mal knapp 400’000 Franken Gewinn. Allerdings nur durch Härtefall-Gelder und Darlehensverzicht. Also war das «Kosmos» von Anfang bis Ende eine Geldvernichtungsmaschine.

Skandal Nummer zwei: Statt diese Zahlen selbst zu recherchieren, lässt Tagi-Reserve-Co-Chefredaktor Mario Stäuble zwei der Mitgründer des «Kosmos» unwidersprochen Unsinn erzählen: «Fakt ist, 2017 bis 2020 florierte das Kosmos. (…) Unsere Umsätze stiegen stetig, der Trend zeigte aufwärts. Abwärts ging es erst im Jahr 2020, als wir abtraten.» Fakt ist, dass das blühender Bullshit ist. Fakt ist auch, dass es oberpeinlich ist, dass das angebliche Qualitätsorgan Tagi einen solchen Quatsch unwidersprochen abdruckt: ««Ja, das Haus war schon immer zu gross, die hatten keine Ahnung von Zahlen» –, aber das muss ich in aller Schärfe zurückweisen. Unsere Finanzen waren solide und mit den branchenüblichen Kennzahlen hinterlegt.» Wolkenkuckucksheim wäre noch eine milde Bemerkung dazu, wenn sich Stäuble auch nur ansatzweise vorbereitet hätte.

Mindestens so schlimm ist, dass die beiden Mitgründer Bruno Deckert und Martin Roth die Mitinitianten Samir und Steff Fischer anschwärzen dürfen, ohne dass die Gelegenheit hätten, sich dagegen zu wehren. Eigentlich müsste ein solches Interview, immerhin mit Beteiligung einer führenden Figur des Tagi, zu einer sofortigen Entlassung führen, dermassen peinlich ist diese journalistische Fehlleistung.

Die beiden Interviewpartner dürfen ohne Gegenwehr einen Blödsinn nach dem anderen verzapfen:

««Kosmos» ist als Marke nicht tot und könnte wie Phoenix aus der Asche aufsteigen.»

Skandal Nummer drei: statt diesem persönlichen Betroffenheitsgesülze und dem Verbreiten von einseitigen, falschen Behauptungen zu widersprechen, zeigt dieses Interview ein weiteres Mal, dass es sowohl den sonst so solidarisch-betroffenen Tagi-Journalisten wie diesen beiden Leidens- und Jammergestalten völlig wurst ist, das durch ihre Unfähigkeit 72 Mitarbeiter im Dezember auf der Strasse stehen und diverse Kleingewerbetreibende auf offenen Rechnungen sitzen bleiben. Das wird mit keinem Wort thematisiert.

Genauso egal ist es ihnen, dass letztlich der Steuerzahler für ihre geschäftliche Unfähigkeit aufkommen muss, sei es, indem der Staatsbetrieb SBB sich Millionen ans Bein streichen muss, sei es, dass ein Millionen-Covid-Kredit nicht zurückbezahlt wird, sei es, dass die Allgemeinheit via RAV die finanziellen Folgen dieser Verantwortungslosigkeit zu übernehmen hat.

ZACKBUM sagte es bereits, wir wiederholen es: zum Kotzen.

Der vierte Skandal besteht darin, dass auch hier die Revisionsstelle BDO bis zum Schluss keinen Anlass sah, die desolate Lage des «Kosmos» offen anzuprangern. BDO testiert ebenfalls die Bücher der Geldvernichtungsanstalt «Republik», die zudem möglicherweise Steuern in Millionenhöhe hinterzogen hat und dafür urplötzlich Rückstellungen von einer runden Million vornehmen musste. Zuvor war BDO nichts aufgefallen …

Der fünfte Skandal besteht darin, dass der vorletzte Frauen-Verwaltungsrat im Frühling dieses Jahres Knall auf Fall zurücktrat. Seine Präsidentin Monica Glisenti behauptet bis heute, dass er die Lage transparent und offen dargestellt habe. Dem widersprechen sowohl der nachfolgende Verwaltungsrat wie auch der offensichtlich blauäugige letzte Investor, der noch eine Million verpulverte. Beide sagen, dass man ihnen gegenüber die Lage beschönigt habe und Informationen vorenthalten worden seien. Daraus werden sich hoffentlich interessante Verantwortlichkeits- und Haftungsfragen ergeben. Auch bezüglich einigen cleveren Aktionären, die noch rechtzeitig vor dem Bankrott ihre Aktien dem nächsten Dummen verkauften.

Zu den Skandalen innerhalb des «Kosmos» gesellt sich nun eine Berichterstattung, die jeglichem journalistischem Qualitätsanspruch Hohn spricht. Die Angestellten des «Kosmos» stehen unverdient und ohne Schuld auf der Strasse. Die Interview-Genies Mario Stäuble und Silas Zindel vom Tagi hätten es verdient, sich zu ihnen zu gesellen.

Diese unerhörte Fehlleistung muss unbedingt in die Geschichte der bittersten Stunden des Qualitätsjournalismus eingehen.