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Wumms: Charlotte Walser

Nicht nur die, liebe Tamedia-SZ-Korrespondentin in Washington.

Natürlich sind die zunehmenden Ausfälligkeiten (und juristischen Drohungen und Klagen) von US-Präsident Donald Trump gegen die Medien schockierend. Weil sie einer Strategie folgen.

Sie pauschal als «Feinde des Volkes» zu beschimpfen, einigen Exponenten mit Pech und Schwefel und «Einschläfern» zu drohen, das ist der typisch-widerliche Trump-Stil, den selbst seine Fans gerne peinlich berührt ignorieren.

Darauf weist Walser wortgewaltig und zu recht hin.

In einem anschliessenden Kommentar behauptet sie:

«Dass Grundprinzipien einer liberalen demokratischen Gesellschaft wie die Pressefreiheit durch den Präsidenten der USA systematisch untergraben werden, wird vielleicht der nachhaltigste Schaden der Trump-Ära sein.»

Dann schwingt sie sich – Lieblingsbeschäftigung einfluss- und machtloser Journalisten – zu Ratschlägen auf, die niemand hört oder befolgen wird:

«Es sind die USA, welche die Rede- und Medienfreiheit einschränken. Das sollte im Umgang mit dem Land Konsequenzen haben.»

Welche Konsequenzen sollten das sein? Mit dem Zeigefinger wackeln? Ernsthaft die Stirne runzeln? Mit einem Fön Trumps Haare verwuscheln? Da schweigt die tapfere Kämpferin gegen die Einschränkung der Rede- und Meinungsfreiheit.

Nun ist Europa von Washington aus gesehen durchaus ein Stückchen weit weg. Aber wenn sie schon in der SZ und im Tagi publiziert – wäre da die Erwähnung von anderen Einschränkungen der Meinungsfreiheit nicht angebracht?

So kann in den USA beispielsweise Russia Today weiterhin empfangen werden – wie in der Schweiz. Aber nicht in der EU. Denn so weit geht deren Auffassung von Meinungsfreiheit dann doch nicht.

Hat Walser den Versuch der damaligen deutschen Bundesinnenministerin Nancy Faeser vergessen, im Juli 2024 das Magazin «Compact» zu verbieten? Erst das Bundesverwaltungsgericht hob dieses Verbot ein Jahr später wieder auf.

Und während sich die EU (und Walser) fürchterlich darüber aufregen, dass die US-Regierung ein paar Europäern ein Einreiseverbot verhängt hat, bestrafte die gleiche EU gerade zwei Schweizer Staatsbürger mit viel drastischeren Sanktionen. Mit solchen, die ihre soziale und bürgerliche Existenz hochgradig gefährden.

Und während die USA über 12’000 Personen auf ihrer «Specially Designated Nationals and Blocked Persons List» (SDN) führen, kommt die EU inzwischen auch auf eine vierstellige Zahl von sanktionierten Personen.

In beiden Fällen erfolgt das weitgehend rechtsstaatfrei. Anhörung, Gegenwehr, Gerichtsurteil, Unschuldsvermutung – ach was.

Selbstverständlich sind Ausfälligkeiten von Trump gegen die Medien, seine Druckversuche und seine unzähligen Klagen mehr als bedenklich und haben es verdient, kritisiert zu werden.

Allerdings: die EU dazu aufzufordern, dass dieses Verhalten Konsequenzen haben sollte, das hat schon etwas bedrückend Lächerliches. Denn Trump begründete seine jüngsten Einreiseverbote damit, dass die sanktionierten Personen die Meinungsfreiheit gefährden würden.

Die wiederum auch von der EU gefährdet wird. Die zwar lauthals gegen deren Einschränkung durch die Trump-Regierung protestiert, aber die eigenen Sanktionen geflissentlich übersieht.

Das nennt man Heuchelei, die eines Tartuffe würdig ist. Den es auch in weiblicher Gestalt gibt …

 

Besserwisserin

Heute feststellen, dass gestern heute morgen war. Grossartig.

Sonja Zekri ist die grosse Nahost-Spezialistin. Deswegen sitzt sie auch in (fast) jeder Talkshow. Und füllt die «Süddeutsche Zeitung» mit ihren Meinungsartikeln. Dabei hält sie sich an ein beeindruckendes intellektuelles Niveau. So weiss sie zum Beispiel:

«Der Sturz von Baschar al-Assad hat selbst US-Geheimdienste überrumpelt. Dabei war der Untergang des Regimes absehbar – wenn man die Zeichen beachtet hat.» Das kann Zeichendeuterin Zekri. Allerdings: Im Nachhinein Zukunftsprognosen abzugeben, das ist keine grosse Kunst.

Das ist so wie: Dass es gestern regnete, hat alle überrumpelt. Dabei war das absehbar, wenn man die Zeichen beachtet hat. Was allerdings die grosse Zeichendeuterin auch nicht vorher der Welt mitteilte, erst nachher.

Ein Blick ins Archiv zeigt allerdings, dass Zekri selbst in den vergangenen Jahren niemals Zeichen gegeben oder beachtet oder beschrieben hat, dass der Untergang Assads absehbar gewesen sei. Dieses Wissen hat sie offensichtlich für sich behalten.

Sie ist überhaupt Spezialistin für fast alles, was schon viel ist. Sie studierte Slawistik und war im Feuilleton der SZ. Dann war sie Korrespondentin in Moskau. Was das alles mit dem Nahen Osten zu tun hat? Nichts, wenn man diese Zeichen richtig deutet. Bis 2020 leitete sie dann das Feuilleton der SZ. Und berichtet aus Kairo «über den arabischen Raum». Wow.

Das befähigt sie nicht nur dazu, aus der Vergangenheit in die Zukunft zu schauen. Nein, sie kann das auch aus der Gegenwart heraus, was der Tagi als kleiner Bruder (oder kleine Schwester, oder hybrid oder nonbinär (notbinär will das Korrekturprogramm daraus machen, der fiese Schlingel)) von der SZ übernimmt:

Wobei sie doch zuerst in die Vergangenheit schweifen muss und über das Öffnen eines Foltergefängnisses schreibt. Allerdings handelt es sich um Abu Ghraib im Irak, das kurz vor seinem Sturz von Saddam Hussein aufgesperrt wurde – und dann als Foltergefängnis der USA zu unrühmlicher Bekanntheit kam.

Auch hier weiss die Seherin inzwischen mehr: «Heute weiss man: Der Irak wurde tatsächlich zum Modellfall, allerdings für das Risiko, das die kenntnisfreie Einmischung einer Supermacht in eine komplizierte Gesellschaft bedeutet.»

Was soll nun dieser Vergleich bedeuten? Eigentlich nichts: «Syrien und Irak könnten freilich unterschiedlicher nicht sein. Im Irak erzwangen äussere Kräfte den Umsturz, in Syrien aber stützten fremde Mächte das Regime. Den Umsturz schafften die Syrer allein.»

Also vergleicht sie Nicht-Vergleichbares und reiht in diese Nicht-Vergleiche auch noch Ägypten, Libyen, Jemen und Tunesien ein. Schlussfolgerung: «Was heisst das für Syrien? Dass es ein vernünftiges Erwartungsmanagement braucht.»

Ohä, Erwartungsmanagement, und erst noch ein vernünftiges, hätte ZACKBUM nie gedacht, dass Syrien so etwas dringend braucht. Aber immerhin, Zekri erteilt dem neuen Machthaber ihren Segen: «Syriens neuer starker Mann Ahmed al-Sharaa, der sich in seiner Al-Qaida-Zeit Abu Mohammed al-Jolani nannte, macht vieles richtig.» Das Lob aus dem Mund einer unverschleierten Frau wird ihn sicherlich von Herzen freuen. Aber natürlich muss Zekri auch warnend die Stimme erheben:

«Umso riskanter wäre es, jetzt schon auf freie Wahlen zu drängen. Ohne freie Medien, ohne vertrauenswürdige Institutionen, ohne ein Minimum an Loyalität gegenüber dem Staat und eben nicht nur gegenüber der eigenen Religion, der ethnischen Gruppe oder dem Stamm, so hat der britische Wirtschaftswissenschaftler Paul Collier herausgefunden, werden Wahlen zur Schaufensterveranstaltung.»

ZACKBUM gratuliert nebenbei auch dem Wissenschaftler Collier, der diese Banalität herausgefunden hat und dafür eigentlich den Nobelpreis verdient hätte. Aber Zekri auch, denn sie spart wirklich nicht mit guten Ratschlägen für ein Gedeihen Syriens. Allerdings ist auch hier die bange Frage: hört man auf sie?

«Dringend müssten die westlichen Länder nun Kontakt zu Syriens neuer Führung aufnehmen. Denn wenn sie sich nicht engagieren, auch dafür ist Syrien ein Beispiel, werden andere es tun.»

Die Türkei, Israel, Europa, die USA, keiner wird von ihren Ratschlägen verschont. Vielleicht muss sie schon bald wieder darauf hinweisen, dass es halt schlecht herausgekommen ist, wie sie schon richtig damals schrieb, weil niemand auf sie gehört hat und niemand ihre Zeichen zu deuten wusste. Das ist halt das schreckliche Schicksal aller Kassandras. Sie sagen das Unvermeidliche voraus, aber niemand hört auf sie, deshalb trifft es dann ein. Aber die Welt wäre eine viel bessere, würde sie auf Zekri hören. Davon ist zumindest ein Mensch felsenfest überzeugt.