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Ach, die WoZ

Das Blatt hat seine Stärken. Und Schwächen.

Wenn der Fluss der medialen Berieselung verelendet, versiegt, vertrocknet, kommen Kieselsteine im Flussbett zum Vorschein, die man gemeinhin übersieht. Zum Beispiel die WoZ.

Sie hat ihre bedauerlichen Schwächen. Wenn ausgerechnet im Organ, wo Mitarbeiter sich noch durchaus daran erinnern können, dass man ihnen «Moskau einfach» zurief, die existenzbedrohenden Sanktionen gegen Jacques Baudrussische Desinformation») applaudiert werden, dann spinnt nicht die Welt, sondern die WoZ.

Wenn nostalgisch «Internationalismus ist ein Überlebensmechanismus» vorgebetet wird, wider alle Realität und Wahrscheinlichkeit, dann löst das nur Bedauern aus. Wenn «Superschurken in Davos» getitelt wird, kann man sich die Lektüre sparen.

Wenn WoZ-Redaktorin Sarah Schmalz über den «Mord in Minneapolis» auf der Frontseite vom Leder zieht, gerät sie dermassen ins Hyperventilieren, dass sie sich gleich zweimal korrigieren (lassen) muss. Ein lässlicher Fehler im Eifer des Gefechts: sie unterschiebt ein Zitat dem «Tages-Anzeiger». In Wirklichkeit stand in der «SonntagsZeitung»:

«Wenn Horden maskierter Beamter in Kampfmontur aufmarschieren und zum Widerstand ausgebildete Bürgerrechtler sie konfrontieren, wird Gewalt unausweichlich.»

An dieser Feststellung ist eigentlich nichts zu meckern. Vielleicht etwas empathielos, vor allem im Licht der zweiten Tötung durch ICE-Beamte, aber das konnte der SoZ-Korrespondent Martin Suter damals nicht wissen.

Dann gibt Schmalz aber Vollgas: «Während in den USA am Wochenende Zehntausende Menschen gegen die Tötung der Frau protestierten, versagen die hiesigen Leitmedien bei der Einordnung der Ereignisse komplett.» Tschakata.

In der Online-Ausgabe des gleichen Kommentars heisst es dann: «... versagt ein Teil der hiesigen Leitmedien bei der Einordnung der Ereignisse komplett». Hoppla.

Nun könnte man meinen, in einem transparenten Blatt wie der WoZ wird eine solche Meinungsänderung transparent ausgewiesen. Nun ja: «** Korrigenda vom 15. Januar 2026: Wir haben in diesem Satz eine Präzisierung vorgenommen.» Präzisierung? Nun, welche hiesigen Leitmedien haben denn zum Beispiel nicht versagt?

Nun aber zu den Sonnenseiten. Präsident Trump eskaliert auch den Konflikt mit Mexiko. Grossraumanalysen allenthalben. Die WoZ schreibt: «Das Ungleichgewicht zwischen den USA und Mexiko hat sich seit Donald Trumps aggressiver Politik verschärft. Die Folgen für die Menschen zeigen sich in der Grenzstadt Ciudad Juárez.» Reporter Anne Haas hat schlichtweg die Grenzstadt Ciudad Juárez besucht. Hingehen, hinschauen, aufschreiben. So ging mal Journalismus.

Mali? Mali? Ist das eines der Shitholes in Afrika, von denen Trump gelegentlich spricht und die es nur ganz, ganz selten in die Spalten der Leitmedien schaffen? Denn in Mali gibt es nicht mal einen Völkermord wie im Sudan oder wie in Äthiopien, also was soll’s. Die WoZ schreibt: «Islamistische Terroristen bedrohen Mali und versuchen, die Hauptstadt Bamako durch eine Benzinblockade lahmzulegen. Viele prophezeiten schon den Zusammenbruch des Landes. Doch sie unterschätzten den Mut der Tankwagenfahrer

Reporter Isso Ehrich ist hingegangen und berichtet aus der belagerten Hauptstadt. Hingehen, hinschauen, aufschreiben. So ging mal Journalismus.

Die WoZ schreibt: «Eigentlich sollte das Zusammenleben in Aleppo Vertrauen zwischen der Regierung und den Kurd:innen schaffen. Stattdessen kam es zu schweren Kämpfen, Vertreibungen und gezielten Angriffen auf Wohnviertel. Nun wächst die Sorge, dass der fragile Frieden ganz kippt.» Reporter Anna-Theresa Bachmann berichtet vor Ort. Hingehen, hinschauen, oder sagten wir das schon.

Selbst der Cartoon in der aktuellen Ausgabe ist ziemlich lustig, was man nicht immer von ihm behaupten kann:

WoZ, 22. Januar 2026

ZACKBUM stimmt daher in den Chor der Rechthaber und Verteiler von wohlmeinenden Ratschlägen ein: mehr Reportagen, weniger Meinung. Zuerst Hirn einschalten, dann losschreiben. Und eine Spur mehr Selbstkritik: so ein Artikel wie über Baud geht gar nicht. Aber Mexiko, Mali, Syrien: das ist die richtige Richtung.

Ach, und an der aktuellen Werbekampagne könnte man auch noch etwas arbeiten, die hat viel Luft nach oben …

Das pure Elend

Korrektur am «correctiv»? Nur unter Zwang.

Die Story war gut. In einer Potsdamer Villa treffen sich finstere Gestalten. Von der AfD, sogar der CDU, dazu Identitäre, dazu Martin Sellner. Sicherlich wurde der Ort absichtlich so gewählt, dass die Wannseekonferenz ganz in der Nähe stattfand.

Und in diesem Geheimtreffen wurden finstere Pläne geschmiedet, was nach einer Machtergreifung alles zu geschehen habe. Das alles wäre niemals ans Licht der Öffentlichkeit gelangt, wenn nicht mutige und ingeniöse Mitarbeiter von «correctiv» das Treffen unterwandert hätten. Einer schlich sich als Teilnehmer ein, andere machten einen Lauschangriff, Dritte fotografierten wie wild so viele Teilnehmer, wie sie erwischen konnten.

Dann die grosse Enthüllung, der Aufschrei in den Medien, das Entsetzen. Ist ja alles noch schlimmer, als befürchtet. Bei diesem konspirativen Austausch wurde darüber fantasiert, dass nach der Übernahme der Regierungsgewalt Massendeportationen stattfinden müssten. Eine Reinigung des Volkskörpers, auch unbeschadet, ob jemand Besitzer des deutschen Passes ist. Die Herkunft, das Erbgut entscheidet, ob er weiterhin in Deutschland bleiben darf.

Das wurde dann lang und breit und rauf und runter in den Medien gespielt, natürlich auch in der Schweiz. Es kam zu Massendemonstrationen «gegen rechts», die versammelte Empörungslinke setzte Zeichen und machte ein betroffen-mutiges Gesicht im Kampf gegen den Neofaschismus.

Über 2000 Artikel verzeichnet das Medienarchiv zum Thema. Da traf es sich auch gut, dass «correctiv» mit viel Steuergeld unterstützt wird, der Mitgründer von «correctiv» Daniel Drepper Ende letzten Jahres Leiter des Rechercheverbundes von WDR, NDR und SZ geworden war. Die Organisation behauptet, überparteilich zu sein. Allerdings gibt nun die Co-Geschäftsführerin ihren Posten auf, um die Grünen im kommenden Wahlkampf zu unterstützen.

So fabulierte dann zum Beispiel das Qualitätsblatt «Tages-Anzeiger»: «Geheimtreffen mit Neonazis: AfD-Politiker sollen Vertreibungspläne gegen Einwanderer geschmiedet haben». Oder: «Die grausamen Ziele der AfD werden salonfähig». Oder: «Scholz vergleicht «Remigrations»-Pläne mit Rassenideologie der Nazis». Und überall wurden Zeichen gegen rechts gesetzt.

Die Story war gut. Die Story war zu gut, um wahr zu sein. Denn erstens war das überhaupt kein Geheimtreffen; nachdem solche Anlässe häufig von Linksradikalen gestört oder sogar sabotiert wurden, wurde mit Einladungen gearbeitet. Kommen konnte jeder, der wollte. Zweitens waren die Behauptungen von «correctiv» über geplante Massendeportationen und erzwungener «Remigration» schlichtweg erstunken und erlogen.

Nun kam aber Teil zwei der Story, die viel zu gut war, um wahr zu sein. Da unter den Teilnehmern auch angesehene und versierte Juristen waren, forderte einer die Medien auf, diese Falschbehauptungen zurückzunehmen, zu korrigieren. Wie es sich gehört. Nur: Weigerung auf breiter Front. Also musste zu juristischen Massnahmen gegriffen werden. «Spiegel», ZDF, NDR und SWR waren nur nach schmerzlichen Niederlagen vor Gericht knirschend bereit, diese Falschbehauptungen zu korrigieren.

Und in der Schweiz? Der «Tages-Anzeiger» verbriet fast 30 Artikel zum Themenbereich «Geheimtreffen». In keinem einzigen macht er darauf aufmerksam, dass die «correctiv»-Behauptungen unwahr sind. Auch sonst herrscht Schweigen im Blätterwelt. Nur die üblichen verdächtigen, die «Weltwoche» und ZACKBUM haben auf diesen Skandal hingewiesen. Und, das muss man ihr lassen, die NZZ. Sie schrieb schon im August völlig richtig:

«Die Plattform «Correctiv» musste den Text «Geheimplan gegen Deutschland» korrigieren. Dennoch halten viele deutsche Medien an der ursprünglichen Version fest. Das zeugt von mangelnder Selbstkritik

Dummschwätzer von «tsüri» behaupten noch heute wider Vernunft und Verstand, dass «correctiv» ein «Geheimtreffen» von «Rechten und Rechtsextremen aufgedeckt» habe, «an diesem Treffen wurde eine Strategie zur Abschiebung von Migranten:innen entwickelt», schmiert das Lückenmedium noch am 25. Oktober in seinen Gaga-Artikel «8 Beispiele, die den Rechtsrutsch der NZZ beweisen». Dabei ist das ein Beispiel, das die schludrige Recherche von «tsüri» beweist.

Auch der «Spiegel» hält an der Mär fest, dass das «Medium «Correctiv» im Januar enthüllt» habe, dass heimlich «über massenhafte «Remigration» aus Deutschland» gesprochen worden sei, wie er noch am 19. Oktober schrieb.

Es ist nachvollziehbar, dass Gesinnungsorgane wie Tamedia und andere begeistert die Lügenstory von «correctiv» kolportierten. Denn sie passt perfekt in die Welt voller Vorurteile der Redaktionen.

Aber nachdem einzelne Teilnehmer sich mühsam eine Richtigstellung vor Gericht erstritten und schon alleine aus finanziellen Gründen nicht jedes Organ einzeln einklagen können, ist es Ausdruck des Elendsjournalismus von heute, dass all die damaligen Schreihälse «Geheimtreffen! Massendeportation! Auch von Deutschen! Neonazis!» nicht den Anstand haben, die Korrektur von «correctiv» wenigstens zu vermelden.

«tsüri» ist entschuldigt, bei solchen Wadenbeissern lohnt sich wirklich nicht der Aufwand, sie zu zwingen, ihre Falschmeldungen zu korrigieren.

Aber ein Qualitätsorgan wie der Tagi? Füttert seine Leser mit Fake News und korrigiert sie nicht? Wie sich seine Redaktoren noch täglich im Spiegel anschauen können – ein Rätsel. Sie keifen gegen den notorischen Lügner Trump, fuchteln mit dem Zeigefinger und sind voll moralischer Empörung, selbst der Wahrheit und Wahrhaftigkeit verpflichtet.

Meinen sie wirklich, dass so viel Heuchelei auf die Dauer gutgehen kann?

Wie es in Deutschland ludert

Relotius ist nur eine Ausprägung des linken Schreibens in die Bedeutungslosigkeit und Unglaubwürdigkeit.

Zwischen «#metoo»-Erregungswellen und angebliche Enthüllungen über rechtsradikale Schweinereien gibt es nur graduelle Unterschiede – und grosse Ähnlichkeiten.

Ähnlich ist vor allem, dass am Anfang ein Riesengeschrei steht. Kevin Spacey, Rammstein, Copperfield, furchtbar. Irgend einer «enthüllt» den Skandal, die Meute hechelt los und bauscht weiter auf. Bis ein völlig Entgleister sogar forderte – mit Hinweis auf die Unschuldsvermutung –, dass die Konzerte von Rammstein in der Schweiz präventiv abgesagt werden sollten.

Phase zwei ist dann jeweils verkniffenes Schweigen, wenn sich die Anschuldigungen in Luft auflösen – und Organe mit rechtlichen Schritten dazu gezwungen werden müssen, Falschbehauptungen richtigzustellen.

Sehr ähnlich verhält es sich mit dem «Geheimplan gegen Deutschland» der Plattform «Correctiv» oder dem Versuch der «Süddeutschen Zeitung», im Wahlkampf dem Chef der Freien Wähler in Bayern zu diskreditieren. Beides startete bombastisch – und verröchelte winselnd.

Dabei wäre es so schön gewesen. Finstere Rechtsradikale aus AfD und CDU treffen sich insgeheim in der Nähe von Potsdam, um ungeniert «Deportationspläne» von Migranten, sogar solchen mit deutschem Pass, zu besprechen und voranzutreiben. Knallharten Recherchierjournalisten sei es dabei gelungen, an diesem «Geheimtreffen» teilzunehmen, das gar nicht so geheim war.

Inzwischen musste «Correctiv» gezwungenermassen einige Behauptungen korrigieren und zurücknehmen. Sehr dünnhäutig werden sie, wenn ihnen in der medienkritischen Plattform «Übermedien» (sozusagen das deutsche ZACKBUM) vorgeworfen wird, sie hätten nach dem «Prinzip Nichtbeleg und Grossdeutung» angeschwärzt. Die seien «von Neid zerfressen», japste der Geschäftsführer von «Correctiv» zurück. Auch die «Tagesschau» musste in zweiter Instanz dazu gezwungen werden, eine haltlose Behauptung zu löschen. Das Gericht schrieb ihr (und  dem «Spiegel» und vielen anderen Medien) ins Stammbuch: «Prozessual ist von der Unwahrheit der Behauptung der Antragsgegnerin, es sei bei dem Treffen in Potsdam die Ausweisung deutscher Staatsangehöriger diskutiert worden, auszugehen.»

Eine Riesenklatsche. Damit endet vorläufig eine «Enthüllung», die ungeheuerliche Wirkung hatte; Hunderttausende gingen auf die Strasse, um «gegen rechts» zu demonstrieren; Politiker überschlugen sich dabei, diese furchtbaren Pläne zu verurteilen.

Wie demagogisch abgefeimt, suggestiv und ungenau der Text von «Correctiv» ist, dafür nur ein Beispiel: «Knapp acht Kilometer entfernt von dem Hotel (wo das für alle per Anmeldung zugängliche Treffen stattfand, Red.) steht das Haus der Wannseekonferenz, auf der die Nazis die systematische Vernichtung der Juden koordinierten.» Diese üble Assoziation wurde im «Spiegel» nicht etwa kritisiert, sondern als «nicht nur legitim, sondern geboten» gelobt.

Der Treppenwitz dabei ist, dass zum Thema Remigration nur gesagt wurde, was die AfD schon lange öffentlich vertritt: nicht-assimilierte Staatsbürger sollten durch «Anpassungsdruck» zur Rückwanderung gedrängt werden. Während die SPD – natürlich unkritisiert – fordert, Antisemiten auch nachträglich den deutschen Pass wegzunehmen.

Im Fall des bayerischen Politikers Aiwanger wurde ihm von der SZ unterstellt, er habe vor vielen Jahren als Jugendlicher ein abstossendes Flugblatt verfasst, das sich über den Holocaust amüsierte. Als sich herausstellte, dass seine Urheberschaft – von ihm bestritten – in keiner Form belegbar war, entblödete sich der Chefredaktor der SZ (das war noch vor der Plagiatsaffäre) nicht, sich mit diesem Satz von allen journalistischen Prinzipien zu verabschieden: «Auf die Urheberschaft kommt es nicht mehr an, der Rest ist schon schrecklich genug.» Damit meinte er aber nicht das Vorgehen seiner Zeitung.

Seither herrscht verkniffenes Schweigen, alleine die NZZ getraut sich, Klartext zu schreiben: «Die Redaktion musste den Text «Geheimplan gegen Deutschland» korrigieren – viele deutsche Medien scheuen bis heute die Aufarbeitung.» Autorin Beatrice Achterberg führt noch ein weiteres Beispiel der abgrundtiefen Heuchelei der «Correctiv»-Macher an. Einerseits empören die sich über angebliche Deportationspläne der Rechten. Andererseits schreibt einer ihrer Reporter und Mitautor des «Geheimplan»-Schmierenstücks angesichts des starken Zuspruchs für AfD, BSW und Linke in Ostdeutschland, dass es doch nicht angehe, dass «eine Mehrheit der ehemaligen DDR-Bürger, die nur 1/6 der Gesamtbevölkerung stellen, mit der Westbindung das Erfolgsmodell der Bundesrepublik zerstören.»

Sein Lösungsvorschlag: man müsse über eine «Trennung» der neuen Bundesländer, der Ex-DDR, von der BRD nachdenken. Also sozusagen die Zwangsausbürgerung von Millionen von Deutschen.

All das ist dermassen hanebüchen und wirft ein grelles Licht darauf, was ZACKBUM schon lange sagt. Nicht die Arglist der Zeiten oder die Umstände haben die Medien in die Krise geführt. Ein wenig auch, aber in erster Linie ist es dieses Versagen, diese Einäugigkeit, diese Unfähigkeit zur Selbstkritik, diese voreingenommene und angeblich belehrende Schmiere, die Leser und zahlende Konsumenten in Scharen davontreibt.

Denn wer will denn – unabhängig von seiner eigenen politischen Überzeugung – Geld für solch journalistisches Desaster, für Offenbarungseide am Laufmeter, für mit ideologischer Brille geschriebene Propagandamachwerke ausgeben.

Korrekt beknackt

Es darf gelacht werden, wenn der Tagi korrigiert.

Fehler sind menschlich, wo gehobelt wird, es kann alles passieren. Der Sprüche im Journalismus sind genug. Auch ZACKBUM bekennt sich zu einer bedauerlichen Schwäche, Namen im ersten Anlauf richtig zu schreiben. Von ärgerlichen Vertippern ganz zu schweigen.

Aber ZACKBUM vereinigt Verleger, Chefredaktor, Herausgeber, Bildredaktor, Textchef, Produzent, Autor, Faktenchecker  und einiges mehr – in einer Person. Aber leider haben wir kein Korrektorat.

Im Rahmen der Sparmassnahmen zur Qualitätsverbesserung hat Tamedia auch beim Korrektorat schwer abgeholzt. Das führt dann aktuell zu einer Häufung von brutal komischen Korrekturen, unter dem Titel «Korrekt».

Da hätten wir vom vergangenen Freitag diesen hier:

Der Zürcher Tagi weiss nicht im ersten Anlauf, dass der nicht unbekannte Politiker Jositsch für Zürich im Ständerat sitzt? Au weia. Hoffentlich verwechselt die Redaktion nicht nächstens Zwingli mit Calvin.

Am Mittwoch zuvor wusste der Tagi nicht, dass der berühmte Zürcher Künstler Mario Comensoli 1922 geboren wurde. Die Redaktion vermutete, es sei 1943 gewesen. Und vielleicht lebt Picasso noch, sicher aber Elvis.

Auch wenn es um den sensiblen Schneeflocken auf der Redaktion unliebsame Themen geht, schludert der Tagi. So musste er am 17. Juni einräumen:

Darunter, weil dieses Korrigendum auf der «Debatte»-Seite erschien, fordert das Blatt seine Leser auf: «Schreiben Sie Ihre Meinung». Für ein «uns» war dann leider kein Platz auf der Zeile. Was sich der Tagi wohl damit für einen Shitstorm einhandelte?

Lässt sich das noch steigern? Kaum, aber der Tagi macht auch Unmögliches möglich:

Lottozahlen ist nun eine echt heikle Sache. Denn es passiert gelegentlich, dass Lottospieler die Korken knallen lassen, weil sie meinen, den Jackpot geknackt zu haben. Dabei wurden sie nur Opfer einer schludrigen Redaktion.

Dieses «Korrekt» erschien ebenfalls letzten Freitag; auf der «Kehrseite», in sicherer Distanz zur Richtigstellung bezüglich Jositsch. Lässt sich das noch steigern?

Das ist nun eigentlich unmöglich, aber der Tagi …

Denn auch die korrigierten Zahlen, nun, das glaubt selbst einem seriösen Organ wie ZACKBUM keiner, daher der Beweis:

Wer findet den Unterschied? Richtig, die 8 hat sich beim Tagi in eine 6 verwandelt. Das dürfte nun weltrekordverdächtig sein. In einer peinlichen Korrektur der Lottozahlen nochmals eine falsche Zahl angeben, Wahnsinn.

Das ist nun Leserverarsche mit Anlauf. Damit hat sich der Tagi Häme kübelweise eingebrockt. Statt sich um Gendersternchen, inkludierende Sprache, die Abschaffung von Diskriminierungen aller Art, also um Themen zu kümmern, die der überwältigenden Mehrheit der Tagi-Leser so was von egal sind, könnte es die Redaktion vielleicht mit vereinten Kräften schaffen, die Lottozahlen beim ersten Mal, spätestens beim zweiten Mal richtig abzuschreiben. Es heisst doch «Die Zahl», «die Lotterie», «die Ziehung», also kann das doch gendertechnisch keine Probleme geben. Und es heisst «die Korrektur». Es heisst sogar die Korrektur der Korrektur, wobei hier das «der» keinesfalls ein männlicher Artikel ist, liebe Tagi-Schneeflocken …

 

Die «Republik» korrigiert sich ins Elend

Eine Bitte, die besser nicht ausgesprochen worden wäre.

Auf «Inside Paradeplatz» erschien der Artikel «Die Steuerhinterzieher-«Republik». Nach längerem verkniffenen Schweigen haute es nun der stellvertretenden Geschäftsführerin des Rechthaber-Organs aus dem Rothaus in Zürich den Nuggi raus. Sie bat René Zeyer um eine Korrektur einiger Passagen seines Artikels.

Abgesehen davon, dass sie vieles nicht korrigiert haben wollte, schrieb sie sich damit zusätzlich ins Elend. Da diese Bitte an René Zeyer persönlich gerichtet ist, veröffentlichen wir hier die gewünschten Korrekturen. Samt ihren Korrekturen.

Zum besseren Verständnis: Originalzitate aus dem Artikel sind in Normalschrift. Korrekturwünsche der «Republik» kursiv, deren Korrekturen zur Richtigstellung sind rot ausgezeichnet.

Lieber Herr Zeyer

Liebe Frau Hemmer 

Im gestrigen Artikel in „Inside Paradeplatz“ zu den von uns vorgenommenen Steuerrückstellungen sind Ihnen einige Fehler unterlaufen. Wir bitten um Korrektur: 

In diesem Korrekturwunsch sind der «Republik» einige Fehler unterlaufen. Wir korrigieren am gegebenen Ort.

«Rund einen doppelten Jahresumsatz hat das Organ der guten Denkungsart offensichtlich nicht korrekt versteuert.“

«Seit Gründung bis zum Jahr 2020 wurden viele Millionen vereinnahmt, ohne dass darauf ein Rappen an den Staat abgeführt wurde.“

Die Summe an erhaltenen Beiträgen, die mit der Gewinn- anstatt der Schenkungssteuer erfasst wurden, beläuft sich über alle Jahre auf rund CHF 2 Mio. Dabei handelt es sich um Zahlungen von Dritten. Die Zahlungen von Genossenschafterinnen und Genossenschafter wurden alle korrekt erfasst. Es handelt sich nicht um viele Millionen. Und die Zahlungen wurden, wie auch im Newsletter geschrieben, durchaus versteuert, fälschlicherweise bei den Gewinn- anstatt bei den Schenkungssteuern.

Für CHF 2 Millionen falsch deklarierte Einnahmen CHF 830’000 als Steuernachzahlung zurückstellen? Das wäre eine zusätzliche Steuer von 41,5 Prozent nach schon bezahlten Gewinnsteuern von 8 Prozent im Kanton Zürich. Absurd. Zumal die Schenkungssteuer 16 Prozent beträgt …

Wir rechnen vor: Laut ihrer Behauptung müsste die «Republik» auf «rund CHF 2 Mio.» noch maximal 8 Prozent nachzahlen (Differenz zwischen 8 Prozent bezahlter Gewinnsteuer und 16 Prozent Schenkungssteuer). Das macht nach Adam Riese CHF 160’000. Wofür ist dann die Differenz von CHF 670’000 zurückgestellt, wenn keine Strafsteuern fällig werden?

«Allerdings war es dann doch etwas tollkühn, auf im Maximum 13,4 Millionen Franken keine Steuern zu zahlen.“

Siehe oben. Die von Ihnen genannte Maximalsumme existiert nicht. 

Siehe oben. Die von Ihnen genannte Zahl kann nicht stimmen.

«Im Juni 2022 traten der ehemalige Chefredaktor Christof Moser sowie Tobias Asch aus dem Verwaltungsrat der Republik AG zurück.

Unter anderen Katharina Hemmer als stellvertretende Geschäftsführerin und Oliver Fuchs, der Chefredaktor a.i., traten dafür ein.

Wohl nach der Devise: Einen nächsten Dummen findest du immer. Die Deutsche Hemmer ist auch im Vorstand der „Project R Genossenschaft“, ein weiterer Bestandteil des Konzerns.“

Wie Sie ebenfalls unseren Newslettern entnehmen können: Christof Moser trat im Juni 2019 aus dem Verwaltungsrat aus. Tobias Asch ist im November 2021 nicht mehr zur Wahl angetreten. Und ich selbst bin nicht im Vorstand. 

Laut SHAB Publikation vom 9.6.2022 ist zu diesem Datum «Asch, Tobias Hans, von Basel, in Zürich, Mitglied des Verwaltungsrates, mit Kollektivunterschrift zu zweien; Moser, Christof, von Arni (BE), in Zürich, mit Kollektivunterschrift zu zweien», zurückgetreten.

Laut derselben Publikation ist neu «Hemmer, Katharina, deutsche Staatsangehörige, in Zürich, stellvertretende Geschäftsführerin, mit Kollektivunterschrift zu zweien; Fuchs, Oliver, von Hägendorf, in Zürich, mit Kollektivunterschrift zu zweien» eingetreten.

«Denn die neckische Formulierung „wir haben im letzten Jahr festgestellt“ soll darüber hinwegtäuschen, dass hier im schlimmsten Fall Steuerhinterziehung vom Gröbsten veranstaltet wurde.

Dafür dürften die Rückstellungen von 930’000 Franken höchstens dann ausreichen, wenn das Steueramt beide Augen zudrückt und die Ohren verschliesst.

Offensichtlich wurden mehrere Jahre lang – um es sanft zu formulieren – unvollständige Steuererklärungen abgegeben.“

Bei der zurückgestellten Summe handelt es sich, wie auch im Newsletter erwähnt, um einen Maximalbetrag. Unsere Steuererklärungen waren nicht unvollständig, vielmehr haben wir einige gespendete Beträge vermutlich steuerlich falsch (als steuerbaren Ertrag statt Schenkung) qualifiziert.“ 

Das ist reine Rabulistik und keine Korrektur.

«Hier ist nun die Frage, ob Genossenschaft und AG eine Selbstanzeige eingereicht haben und der Tatbestand den Steuerbehörden vorher nicht bekannt war.

In diesem Fall ist es möglich, dass keine Strafe ausgesprochen wird. Andernfalls sind neben der Steuernachzahlung noch Strafsteuern fällig.“

Wie wir auch im Newsletter schrieben: Den Fehler haben wir selber festgestellt, die entsprechenden Nachdeklarationen haben wir mittels Selbstanzeigen in den entsprechenden Kantonen proaktiv bei den Steuerverwaltungen eingereicht. Es fallen keine Strafzahlungen an, was bereits von den Kantonen bestätigt wurde, die die Eingaben behandelt haben.

Weil das die «Republik» bisher nicht kommuniziert hat, wurde es als Frage formuliert. Dass die doppelte stv. Geschäftsführerin davon schreibt, dass «wir Selbstanzeigen in den entsprechenden Kantonen proaktiv bei den Steuerverwaltungen eingereicht» hätten, macht aber hellhörig. Alles Plural, also kein Verschreiber. Aber wieso versteuert die Genossenschaft und die AG, beide mit Sitz in Zürich, in mehreren Kantonen? Gibt es da noch zusätzliche Steuersitze, vielleicht in Freienbach SZ oder einer anderen Steueroase?

«exorbitanten Salärs von im Schnitt 150’000 Franken im Jahr (auf eine Vollzeitstelle berechnet)“

Diese Berechnung ist falsch. Sie finden die genauen Zahlen im Geschäftsbericht. Die Republik zahlt zwar einen guten Einheitslohn, doch er liegt deutlich unter 150’000 Franken im Jahr. 

Laut Geschäftsbericht beträgt die Lohnsumme fürs «Personal» und ohne Freelancer CHF 4’927’680. Ebenfalls laut GB hat die «Republik» durchschnittlich 45 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter respektive 34,5 Vollzeitäquivalente. Macht nach Adam Riese CHF 142’831 pro Vollzeitstelle. Dazu kommen noch Fringe Benefits usw., was locker CHF 150’000 ergibt und keineswegs einen Einheitslohn, der «deutlich» darunter liege.

«der aktuell 11-köpfige Verwaltungsrat der AG und der 9-köpfige Vorstand der Genossenschaft“

Wie Sie sowohl dem Newsletter auch unserer Website entnehmen können, bestehen Verwaltungsrat und Vorstand nach Abschluss der laufenden Urabstimmung voraussichtlich aus drei Personen: Sylvie Reinhard, Alfonso von Wunschheim und Roger de Weck. Vor der Urabstimmung waren es fünf (Peter Schmid, Sylvie Reinhard, Constantin Seibt, Regina Meier Güntert und Alfonso von Wunschheim.

Wie Sie dem Zefix entnehmen können, besteht der VR aus sechs Personen, nicht aus fünf.  Kollektivunterschrift zu zweien bei der Genossenschaft Project R haben 9 Personen, darunter Hemmer. Sie ist sowohl in der AG wie in der Genossenschaft «stellvertretende Geschäftsführerin».

Besten Dank und freundliche Grüsse,

Katharina Hemmer

Bitte um Kenntnisnahme und ebenfalls freundliche Grüsse

René Zeyer

Kohle aus Katar

Zeichen und Wunder. Blocher TV reagiert auf ZACKBUM.

Wir amüsierten uns mehrfach darüber, dass Christoph Blocher in der Ewig-Soap «Blocher TV» zweimal unwiderprochen behauptete, der grüne deutsche Vizekanzler sei nach Katar gegangen, um dort Kohle einzukaufen.

Beim ersten Mal gab’s noch Leserkritik, dass man da nicht so beckmesserisch sein solle. Als Blocher nachlegte, dass Vizekanzler Habeck in Katar wirklich Kohle kaufen wolle, denn unter der Wüste liegt offenbar lauter Kohle, verstummten die Kritiker.

Der Moment der Wahrheit ab Minute 1.45 …

Nun dauerte es bis zu Folge 768, als Matthias Ackeret bei Minute 1.45 doch tatsächlich eingriff. Er habe «Zuschriften» bekommen, dass Blocher den Kohlebergbau in Katar erwähnt habe, und er, Ackeret, habe das nicht korrigiert, weil es ihm auch nicht aufgefallen sei. Zwei Mal. Ob da vor der Sendung am frühen Morgen schon etwas gezwitschert wird?

Aber gut, nun ist’s so weit. «Da habe ich mich undeutlich ausgedrückt», räumt Blocher ein, denn direkt einen Fehler zugeben, das geht ja nun nicht so schlank von der Hand. Eine Minuten später, nach den üblich weitschweifigen Ausführungen, räumt Blocher dann tatsächlich einen Fehler ein, natürlich sei Habeck nach Katar gegangen wegen – Öl. Und gut, auch wegen Gas. Aber Kohlekraftwerke wolle der Grüne ja auch wieder in Betrieb nehmen.

Schön, dass wir helfen konnten.

Wumms: Jean-Martin Büttner

Die moderne Form, Äxgüsi zu sagen.

Die zusammengelegte und dadurch erstarkte Berner Lokalredaktion haute vor Kurzem eine Politikerin in die Pfanne:

Nachdem der Titel doch Stirnrunzeln auslöste, verschlimmbesserte man:

Das war ziemlich ruppig, unfair und faktisch falsch. Als der Journalismus noch sauber und anständig war (also manchmal), hätte das wohl eine nachträgliche Entschuldigung oder zumindest Richtigstellung nach sich gezogen.

Aber die heutigen Qualitätsmedien belieben, solche Probleme anders zu lösen:

Tamedia schickt einfach seine Allzweckwaffe Jean-Martin Büttner in die Schlacht. Der braucht das Geld und liefert ein für seine Verhältnisse eher schlapp geschriebenes Porträt der Politikerin ab, das sich immerhin in der Tonlage und im Inhalt von der Diffamierung zuvor unterscheidet.

Büttner stellt hier nochmal klar: «Selbst wenn sie mit den Anliegen eines Politikers übereinstimmt, ist sie noch lange nicht mit seinem Vorgehen einverstanden. «Aber wenn die Verhandlungen scheitern, werden noch viel mehr Menschen sterben. Das will doch niemand, oder?»»

Aber natürlich muss sich auch Büttner deutlich distanzieren: «Dass man für einen Diktator Verständnis haben soll, der die Zivilbevölkerung in der Ukraine massakriert und gezielt zivile Objekte bombardieren lässt, um eine maximale Zahl von Opfern und Flüchtlingen zu erreichen, bleibt unverständlich

Das nennt man zwischen Skylla und Charybdis hindurchschreiben. Denn Büttner kann natürlich seine Kollegen von der «Berner Zeitung/Der Bund» auch nicht im Regen stehen lassen. Das erklärt wohl die Lustlosigkeit, mit der er sich dieser Pflichtaufgabe entledigt hat.

Wumms: Rafaela Roth II

Jubeln ja. Antworten nein. Daher Roth Reloaded.

Rafaela Roth arbeitet unermüdlich daran, das Niveau der NZZaS zu senken. Sei es mit der Wiederholung eines Interviews mit einer erstaunlich langweiligen Psychiaterin, die bereits zuvor zum gleichen Thema – sie hat ein Buch geschrieben – von der «SonntagsZeitung» interviewt wurde. Ihr Werk handelt von Dummheit, kein Scherz.

Dann schrieb Roth ein Jubelporträt einer angeblich herausragenden Medienanwältin aus der Backfischperspektive. Dumm nur, dass um die Veröffentlichung herum diese Anwältin eine Klatsche nach der anderen einfing.

Grund genug, Roth Gelegenheit zur Stellungnahme zu geben. In der Anfrage beschrieb ZACKBUM kurz die Situation:

– Klatsche vor dem Bundesgericht. Es kommt selten vor, dass einer Anwältin so die Leviten gelesen werden, dass sie nicht mal die formalen Voraussetzungen einer Beschwerde erfüllt hat.

– Klatsche als Anwältin von Patrizia Laeri. Bereits ihre Anträge auf superprovisorische Verfügungen und Löschung eines kritischen Artikels wurden abgelehnt. Nun hat das Handelsgericht das nächste für RA Zulauf vernichtende Urteil gesprochen. Niederlage auf ganzer Linie, happige Kosten für ihre Mandantin.

Deshalb wollte ZACKBUM wissen:

Nachdem Sie mit diesem Artikel dermassen daneben gelegen sind, kann der Leser der NZZaS eine Korrektur aus Ihrer Feder erwarten?

Anders gefragt: Hielten Sie es nicht für einen Akt journalistischen Anstands, ein dermassen verschriebenes Porträt richtigzustellen?

Oder nochmal anders gefragt: wenn jemand aufgrund Ihres Jubelartikels auf die fatale Idee käme, RA Zulauf zu mandatieren, müssten Sie sich da nicht eine Mitschuld am wahrscheinlichen Ausgang geben?

Aber Selbstkritik scheint nicht die starke Seite von Roth zu sein. Sie liess die Leiterin Kommunikation der NZZ antworten: «Vielen Dank für Ihre Anfrage, die mir Rafaela Roth gerne weitergeleitet hat. Sie möchte dazu keine Stellung nehmen.» Das hat nun überhaupt keinen «Hauch von «Boston Legal»». Sondern ist bloss sackschwach.

 

Fehlerkultur

Billionen, Millionen, Hunderttausende? Ist doch egal.

Gedruckt ist gedruckt. Das ist dann blöd, wenn beispielsweise 500 Millionen steht, wo eigentlich 500’000 richtig wäre.

Ein häufiger und beliebter Fehler von unterbelichteten Wirtschaftsjournalisten ist, das englische «one billion» mit «eine Billion» zu übersetzen. Naheliegend, aber falsch. Auf Englisch kennt man die Milliarde nicht, und eine deutsche Billion wäre dann eine «trillion».

Was der Wirtschaftsjourni kann, kann Kulturjournalist Jean-Martin Büttner schon lange. Zum Vielschreiber mutiert, äussert er sich auch zum Fall einer Amerikanerin, die vom verstorbenen US-Verbrecher Jeffrey Epstein sexuell missbraucht und angeblich auch an seine Bekannten weitergereicht worden sei. Darunter auch Prinz Andrew.

Nun habe die inzwischen 39-Jährige damals einen Deal bekommen. Schweigegeld, was all ihre Begegnungen betrifft. Zuerst hantiert Büttner dabei mit der doch etwas überraschenden Zahl von 500 Millionen Dollar. Fällt im Qualitätsorgan Tamedia mit unendlich vielen Kontrollstellen, Produzenten, Blattmachern, Tagesverantwortlichen, Internet-Verantwortlichen plus Korrektorat – niemandem auf.

Also kommt’s so ins Netz. Das fällt dann aber doch dem einen oder anderen aufmerksamen Leser auf:

Diese Kommentare bleiben, der Text sieht allerdings neu so aus:

Weil im Internet eben – im Gegensatz zum Print – spurlos radiert, korrigiert, verändert werden kann, ist es bei Qualitätsmedien Brauch, bei solchen Änderungen eine Anmerkung dranzuhängen, dass in einer ersten Version von 500 Millionen Dollar die Rede war, das aber inzwischen aufgrund von Leserhinweisen korrigiert worden sei, und Entschuldigung auch.

Das ist wie gesagt bei Qualitätsmedien so. Bei Tamedia heisst es einfach «aktualisiert vor …». Mehr Aufhebens wird doch wegen so einem kleinen Fehler nicht gemacht.

Bei jedem Gendersternchen wird dreimal der Sitz überprüft, es werden ganze Seiten über die richtige Verwendung einer nicht-diskriminierenden, nicht-ausgrenzenden Sprache verschwendet. Es werden ganze Abhandlungen zu Binnen-I, Doppelpunkt, Sternchen und anderem Woke-Wahnsinn verfasst. Aber ein Korrigendum bei einem zwar nebensächlichen, aber doch peinlichen Fehler? I wo, digital radiert und verbessert, dann Schlamm drüber.