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Leserbeschimpfung

Soll man nicht machen, kann man aber machen.

Business as usual bei den Gazetten ist, den Leser zu belehren, ihm gute Ratschläge auf allen Gebieten mit auf den Weg zu geben und ihn mit den flachbrüstigen Weltsichten der Redaktoren zu belästigen. Die meist von tiefer Humorlosigkeit und übler Laune begleitet sind, dargeboten in holprigem Deutsch. Als wollten die Schweizer Journalisten illustrieren, was Franz Kafka über ihren Dialekt gesagt hat: das sei mit Blei ausgegossenes Deutsch.

Aber wer war schon Kafka, nicht wahr, Frau Zukker.

Aber nur ZACKBUM leistet sich eine echte Leserbeschimpfung. Natürlich nicht gegen die Leser dieses hochstehenden Organs gerichtet. Aber gegen die mehrheitlich Finanzmenschen, die «Inside Paradeplatz» lesen.

Da veröffentlichte ZACKBUM-Redaktor René Zeyer kürzlich diesen hier:

Fand nicht allzu viel Zuspruch, aber das ist nicht das Problem. Hingegen grosses Problem: von zwischenzeitlich 36 Kommentatoren merkten ganze zwei (plus ein ewig alles Lobender), dass es sich nicht um eine reale Beschreibung aus eigenem Erleben handelte. Das wäre dann Tamedia-Niveau gewesen, also unterirdisch.

Die meisten Kommentatoren steuerten eigene Erfahrungen mit Nachbarn bei oder gaben gute oder weniger gute Ratschläge, wie man solche Konflikte vermeiden oder beilegen könne. Ein paar regten sich darüber auf, was denn so ein Beitrag auf IP zu suchen habe.

Nur zwei Genies merkten, dass es sich doch vielleicht um eine Parabel handeln könnte. So wie «Vor dem Gesetz» von Kafka, ohne dass sich jemand mit dem vergleichen könnte.

Nun gibt es hier zwei Möglichkeiten. Der Autor ist blöd, weil er den IQ seiner Leser gröblich überschätzt hat. Er hätte halt am Anfang oder am Schluss in deutlichen Worten darauf hinweisen müssen, dass es sich um eine Parabel handle. Vielleicht hätte er auch noch erklären müssen, was das ist, damit es auch alle Leser (und Leserinnen) verstehen.

Vielleicht hätte er auch die Sinnhaftigkeit in diesem Vorgehen erläutern sollen. Oder den Vorwurf entkräften, wieso er diesen Umweg wähle statt direkt über Israel, die USA und den Iran zu schreiben.

Die zweite Möglichkeit: der IP-Kommentator ist noch blöder, als es sich der Autor vorstellen konnte, und dessen Vorstellungskraft diesbezüglich ist nahezu grenzenlos. Denn der Autor ist alt genug, um sich noch an die Zeiten zu erinnern, als ein Leserkommentar noch eine Sache war, bei der diverse Hürden zu überwinden waren. Ein Papier in eine Schreibmaschine (falls vorhanden) einspannen, Fehler mit Tipp-Ex korrigieren, in ein Couvert falten, die richtige Adresse herausfinden, zukleben, Briefmarke draufkleben und in den Briefkasten damit.

War einer mutig durch feige Anonymität, wanderte das Schreiben in den Papierkorb.

Aber heute kann jeder Trottel spontan ins Mäusekino Smartphone töckeln, das Korrekturprogramm eliminiert die schlimmsten Schnitzer, Fake-Absender dran, und ab die Mail.

Obwohl Algorithmen und menschliche Kontrolleure bis zu 50 Prozent des Schrotts rausfiltern, wimmelt es an den Klowänden des Internets von Kommentaren, bei denen man sich ernsthaft fragt, ob die Alphabetisierung breiter Bevölkerungsschichten wirklich so eine gute Idee ist.

Und wenn wir schon bei Selbstbespiegelung und Bejammern sind. Unser Lieblings-Chefredaktor Roger Köppel machte mal wieder eine Pirouette und schrieb: «Das Völkerrecht ist eine gefährliche Abstraktion, eine Illusion».

Das verlangte nach Erwiderung: «Weltwoche-Chefredaktor vergaloppiert sich mit seinen amoralischen Ausschweifungen zum Völkerrecht». Die tatsächlich auch in der «Weltwoche» erschien.

 

ZACKBUM klopft sich auf die Schulter? Nein, das ist nicht der Grund der Erwähnung. Sondern: was immer man von Köppel halten mag, kein anderer Chefredaktor in der Schweiz (im deutschsprachigen Raum) würde sich in seinem eigenen Blatt niedermachen lassen. Keiner. Und das war nicht das erste Mal.

Plus fun facts: Zeyer bekam mehr Likes als Köppel (aktuell 215 zu 180). Allerdings viel mehr Dislikes (492 zu 57). Dafür wieder viel mehr Kommentare (110 zu 34).

Denn merke: auch der WeWo-Leser atmet gerne in seiner Gesinnungsblase, und nicht alle hatten den grossen Löffel dabei, als der Herr Hirn vom Himmel regnen liess.

Während natürlich die ZACKBUM-Konsumenten alle einen grossen Kübel aufstellten.

 

 

Bern traut sich was

Wetten, dass das intern zu reden gab?

Juristin Rahel Guggisberg traut sich was. Sie thematisiert die massiv zunehmenden Ladendiebstähle und Taschendiebstähle in Bern. Das verzeiht man ihr sogar das Unwort «Ladenbesitzende».

Die Kantonspolizei sehe «einen massiven Anstieg an Vermögensdelikten», wie es im Behördensprech heisst. Nicht nur das, die Diebe gehen immer dreister vor. Pardon, die Diebe, Diebinnen und auch ihre nonbinären, hybriden, fluiden und Trans-Vertreter. Verlangen gleich das Öffnen der Kasse oder werden pampig, wenn man sie beim Diebstahl erwischt. Oder rempeln sogar Ladenpersonal an, das sie gestellt hat.

Guggisberg schleicht sich auch an die entscheidende Frage heran. Welchen, nun ja, welchen Migrationshintergrund haben die Diebe? Da zitiert sie vorsichtig:

«Auf der Plattform X konkretisierte die Kantonspolizei in der vergangenen Woche: Die Mehrheit der Angehaltenen stammt aus Maghreb-Staaten. Des Weiteren handelt es sich auch um Personen aus der Schweiz, Deutschland, Rumänien, Bulgarien Frankreich, Kosovo, der Türkei und Sri Lanka.»

Für den Nicht-Maghreb-Kenner: darunter versteht man Tunesien, Algerien, Marokko und Westsahara, allenfalls auch Libyen und Mauretanien. Ihr Problem: sie kommen mit völlig falschen Vorstellungen in die Schweiz und stellen einen meist erfolglosen Asylantrag.

«Sie zeigen dann aus Enttäuschung ein aggressives Verhalten. Es sind teilweise komplett frustrierte junge Männer, die frech und kräftig sind und nicht davor zurückschrecken, andere zu bedrohen», zitiert Guggisberg Jonas Weber, Professor für Strafrecht und Kriminologie an der Uni Bern.

Zudem stellt sich hier das gleiche Problem wie beim minderjährigen Messerstecher von Zürich: Das Schweizer Strafrechtssystem «schreckt diese Menschen nicht ab».

Das Problem ist nicht auf die Schweiz beschränkt, weiss der Professor: «Diese kriminellen jungen Männer aus Nordafrika reisen in der Regel in Westeuropa herum und kommen nicht extra in die Schweiz, um hierzubleiben, so der Strafrechtsprofessor. Sie sind auf Wanderschaft. Solange sie genügend Energie haben und sich ihnen keine anderen Optionen bieten, werden sie weiter reisen und sich mit Straftaten über Wasser halten

Also das, was man gemeinhin als Kriminaltouristen bezeichnet. Besonders perfid ist dabei noch die Methode, die vor allem von östlichen Diebesbanden angewendet wird. Sie schicken Kinder los zum Diebstahl. Die Beute müssen die dann den Erwachsenen aushändigen; werden die Kinder in flagranti erwischt, sind sie noch nicht strafmündig.

Es ist dem Berner Ableger von Tamedia hoch anzurechnen, dass er sich traut, auf dieses Thema aufmerksam zu machen. Wir sind gespannt auf die Reaktion der Gutmenschenfraktion in Zürich, die das Phänomen sicherlich konzeptualisieren, einordnen und vor dem soziologischen-kulturellen Hintergrund einer Diaspora, der Entwurzelung und der postkolonial verschuldeten Zukunftslosigkeit in den Maghrebstaaten schönschwätzen wird und fordern, dass die reiche Schweiz sich doch gefälligst mehr Mühe bei der Integration dieser Jugendlichen geben sollte.

Gesprächsangebote, Gruppentherapien, aufeinander zugehen, in Dialog treten, das muss die richtige Antwort sein. Eine Kommentator:in* zeigt tapfer den richtigen Weg: «Ein weiterer Grund dass die Polizei sofort aufhören soll kriminelle Taten nach Herkunft der Täter auzuschluesseln! Denn das fördert doch bloss die Vorurteile und Rassismus & Islamophobie gegen die doch meist friedlichen, integrierten & fleissigen Migrant*nnen

Der geneigte Leser fragt sich allerdings, ob das nicht fiese Ironie ist, verkleidet in diesem Geschwafel. Inklusive wackliger Beherrschung der deutschen Interpunktion. Ein anderer Kommentator bringt’s auf seine Art auf den Punkt: «Ja meint ihr denn wirklich, wir können hier einfach uns voll fressen und voll saufen, während der Maghreb zugrunde geht? Immer noch nicht begriffen dass die Welt so viel Reichtum auf der einen Seite und so viel Armut auf der anderen Seite nicht aushält

Wir hoffen für ihn, dass er sich nur in homöopathischen Dosen ernährt und bei seiner Forderung, dass «wir stinkreichen Schweizer von unserem Geld abgeben müssen», mit gutem Beispiel vorangeht.