Tamedia gaga
Der Medienkonzern kann Kommunikation – nicht.
Flugwetter im Medienkonzern ohne Medienkompetenz. Dass dem unfähigen Management von Tamedia nichts anderes als Rausschmeissen einfällt, ist das eine.
Dass es von Bullshit Bingo in gröbster Form begleitet wird, ist das andere. Aber noch nicht alles. «In eigener Sache» wird geschwurbelt, dass es den verbliebenen Lesern schlecht wird: «Die Arbeit auf den Redaktionen wird neu gestaltet. Wir modernisieren uns so, dass die Organisation für die künftigen Entwicklungen adäquat aufgestellt ist.»

Die adäquate Aufstellung äussert sich so: «Im Zuge dieser Veränderungen ist ein Abbau von 34 Vollzeitstellen geplant.» Und die Folgen sind diese:
«Auftrag und Anspruch bleiben für uns gleich: Wir wollen auch künftig starken Journalismus für unsere Leserinnen und Leser machen. Unsere Redaktionen sorgen weiterhin für eine relevante, verlässliche und vielfältige Berichterstattung.»
Das bedeutet zunächst, dass es 37 völlig überflüssige Mitarbeiter gab, deren Abgang die «vielfältige Berichterstattung», erst noch «relevant und verlässlich», in keiner Form beeinträchtigt.
Unter dieser Kurzmeldung geht’s mit Absurditäten weiter.

Aber es wäre ja nicht Tamedia, wenn nicht noch zur allgemeinen Belustigung ein Sahnehäubchen draufgelegt würde:

Tamedia verzichte «zum Beispiel bei Berichten über Todesfälle, Straftaten und Unglücke auf die Kommentarmöglichkeit». Bleibt die Frage, ob es sich hier um eine Straftat oder um ein Unglück – oder beides – handelt.
Denn das Geschwurbel geht natürlich weiter: «Der Dialog mit den Leserinnen und Lesern ist der Redaktion ein zentrales Anliegen und Teil einer funktionierenden öffentlichen Debatte.» Es darf gelacht werden, denn viele Leser von ZACKBUM beschweren sich immer wieder darüber, dass ihre Kommentare, obwohl respektvoll und sachlich, abgewiesen werden.
Aber es wäre nicht Tamedia, wenn damit die Story bereits zu Ende erzählt wäre. Denn das grosse Medienhaus ist selbst in der Kommunikation in eigener Sache unfähig.
So war die Kommentarfunktion unter dieser Bankrotterklärung zunächst geöffnet. Ob subversive Sabotage oder schlichtweg Schlamperei, man weiss es nicht. Das brachte dann begeisterte Zuschriften ein, zum Beispiel diese hier:

Da war’s dann schnell vorbei mit dem angeblich zentralen Anliegen des Dialogs mit den Lesern. Schwups, die Kommentarfunktion wurde deaktiviert, die vorhandenen Kommentare wurden gelöscht.
Denn Bullshit Bingo ist das eine, Kritikunfähigkeit und Dialogverweigerung das andere, reale.
Eigentlich wäre diese Unfähigkeit zum Lachen, wenn es für die Betroffenen nicht so traurig wäre.
Allerdings hätten die starken Meinungsträger in der Redaktion durchaus Möglichkeiten, sich kritisch zu Wort zu melden. Doch dazu bräuchte es etwas, was ihnen vollständig abgeht: Zivilcourage.
Dafür neigen sie zu unfreiwilliger Komik. So vermeldet der Allein-zu-Haus-Chef der «SonntagsZeitung» einen seiner fleissig vielen Artikel so:

Der von ihm interviewte CEO kündigt einen neuen Stellenabbau mit dem forschen Satz «Wir sind kein Zombie» an. Das in einem Blatt, das gerade einen erneuten Stellenabbau angekündigt hat. Aber sicher auch kein Zombie sein will. Zudem beachte man die hohe Einschaltquote und die Kommentardichte bei Rutishauser.
Wenn im Glashaus an der Werdstrasse der Letzte (oder die Letzte) das Licht ausmacht, ist wieder einmal ein Medienorgan an der Inkompetenz der Chefetage zu Grund gegangen. Die hat ihre Schäfchen längst ins Trockene gebracht und besteigt mit wohlgefüllten Taschen voller Abfindungen die Rettungsboote. Während die Galeerensklaven im Bauch des absaufenden Schiffes unermüdlich ruderten. Obwohl es um sie immer einsamer wurde.
Bis zum gluck, gluck.








