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Schlagwortarchiv für: Kommentarfunktion

René Zeyer

Tamedia gaga

8. Oktober 2026/9 Kommentare/in Allgemein/von René Zeyer

Der Medienkonzern kann Kommunikation – nicht.

Flugwetter im Medienkonzern ohne Medienkompetenz. Dass dem unfähigen Management von Tamedia nichts anderes als Rausschmeissen einfällt, ist das eine.

Dass es von Bullshit Bingo in gröbster Form begleitet wird, ist das andere. Aber noch nicht alles. «In eigener Sache» wird geschwurbelt, dass es den verbliebenen Lesern schlecht wird: «Die Arbeit auf den Redaktionen wird neu gestaltet. Wir modernisieren uns so, dass die Organisation für die künftigen Entwicklungen adäquat aufgestellt ist.»

Die adäquate Aufstellung äussert sich so: «Im Zuge dieser Veränderungen ist ein Abbau von 34 Vollzeitstellen geplant.» Und die Folgen sind diese:

«Auftrag und Anspruch bleiben für uns gleich: Wir wollen auch künftig starken Journalismus für unsere Leserinnen und Leser machen. Unsere Redaktionen sorgen weiterhin für eine relevante, verlässliche und vielfältige Berichterstattung.»

Das bedeutet zunächst, dass es 37 völlig überflüssige Mitarbeiter gab, deren Abgang die «vielfältige Berichterstattung», erst noch «relevant und verlässlich», in keiner Form beeinträchtigt.

Unter dieser Kurzmeldung geht’s mit Absurditäten weiter.

Aber es wäre ja nicht Tamedia, wenn nicht noch zur allgemeinen Belustigung ein Sahnehäubchen draufgelegt würde:

Tamedia verzichte «zum Beispiel bei Berichten über Todesfälle, Straftaten und Unglücke auf die Kommentarmöglichkeit». Bleibt die Frage, ob es sich hier um eine Straftat oder um ein Unglück – oder beides – handelt.

Denn das Geschwurbel geht natürlich weiter: «Der Dialog mit den Leserinnen und Lesern ist der Redaktion ein zentrales Anliegen und Teil einer funktionierenden öffentlichen Debatte.» Es darf gelacht werden, denn viele Leser von ZACKBUM beschweren sich immer wieder darüber, dass ihre Kommentare, obwohl respektvoll und sachlich, abgewiesen werden.

Aber es wäre nicht Tamedia, wenn damit die Story bereits zu Ende erzählt wäre. Denn das grosse Medienhaus ist selbst in der Kommunikation in eigener Sache unfähig.

So war die Kommentarfunktion unter dieser Bankrotterklärung zunächst geöffnet. Ob subversive Sabotage oder schlichtweg Schlamperei, man weiss es nicht. Das brachte dann begeisterte Zuschriften ein, zum Beispiel diese hier:

Da war’s dann schnell vorbei mit dem angeblich zentralen Anliegen des Dialogs mit den Lesern. Schwups, die Kommentarfunktion wurde deaktiviert, die vorhandenen Kommentare wurden gelöscht.

Denn Bullshit Bingo ist das eine, Kritikunfähigkeit und Dialogverweigerung das andere, reale.

Eigentlich wäre diese Unfähigkeit zum Lachen, wenn es für die Betroffenen nicht so traurig wäre.

Allerdings hätten die starken Meinungsträger in der Redaktion durchaus Möglichkeiten, sich kritisch zu Wort zu melden. Doch dazu bräuchte es etwas, was ihnen vollständig abgeht: Zivilcourage.

Dafür neigen sie zu unfreiwilliger Komik. So vermeldet der Allein-zu-Haus-Chef der «SonntagsZeitung» einen seiner fleissig vielen Artikel so:

Der von ihm interviewte CEO kündigt einen neuen Stellenabbau mit dem forschen Satz «Wir sind kein Zombie» an. Das in einem Blatt, das gerade einen erneuten Stellenabbau angekündigt hat. Aber sicher auch kein Zombie sein will. Zudem beachte man die hohe Einschaltquote und die Kommentardichte bei Rutishauser.

Wenn im Glashaus an der Werdstrasse der Letzte (oder die Letzte) das Licht ausmacht, ist wieder einmal ein Medienorgan an der Inkompetenz der Chefetage zu Grund gegangen. Die hat ihre Schäfchen längst ins Trockene gebracht und besteigt mit wohlgefüllten Taschen voller Abfindungen die Rettungsboote. Während die Galeerensklaven im Bauch des absaufenden Schiffes unermüdlich ruderten. Obwohl es um sie immer einsamer wurde.

Bis zum gluck, gluck.

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2026/10/Bildschirmfoto-2026-10-07-um-09.29.23.png 355 1000 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2026-10-08 05:00:132026-10-07 15:08:26Tamedia gaga
René Zeyer

Der Tagi ganz unten

20. Juni 2026/12 Kommentare/in Allgemein/von René Zeyer

Hochtönende Selbstbeschreibung als Fiktion, aschgraues Verhalten als Wirklichkeit.

10 teilweise lachhafte «eiserne Regeln» (die nicht kommentiert werden dürfen), publizistische Leitlinien, Blabla beim «Tages-Anzeiger»: «Mit seiner faktenbasierten und tiefgehenden Aufbereitung nationaler und regionaler Entwicklungen setzt der Tages-Anzeiger Massstäbe – stets ausgewogen und verlässlich.» Noch mehr Blabla: «Unsere Medienschaffenden stehen für Qualität und Vielfalt.»

«Tiefgehend» ist nicht schlecht, wenn damit tiefergelegt, nach unten offen, abwärts gemeint ist.

Und aller schlechten Dinge sind drei: «Der Tages-Anzeiger verbindet Glaubwürdigkeit und Relevanz und bleibt so ein unverzichtbarer Begleiter in einer immer komplexeren Welt.» Das behauptet im Namen der Redaktion Raphaela Birrer.

Zu diesen «Medienschaffenden» (die das unermüdlich tun, daher der falsche Gebrauch des Partizips Präsens) gehören Schmierfinken wie Philipp Loser, Andreas Tobler oder Michael Marti. Der zog unausgewogen und unverschämt über den SVP-Nationalrat Thomas Matter her.

Verborgen hinter der Bezahlschranke behauptete Marti, Matter reihe sich «freiwillig oder unfreiwillig» in diese «Tradition» ein:

«Antisemitische Hetze stilisierte schon im 18. Jahrhundert jüdische Männer zur Gefahr für Mütter und Töchter. In den USA diente der angebliche Schutz weisser Frauen dazu, rassistische Gewalt gegen schwarze Männer zu rechtfertigen.»

Unglaublich, ein Skandal. Jede Redaktion, die noch etwas Ehre im Leib hätte, würde sich, angeführt von ihrer Chefredaktorin, für diesen Absturz ins bodenlos Unanständige vor ihren Lesern entschuldigen und diesen Marti mindestens abmahnen, wenn nicht fristlos entlassen. Stattdessen passierte er alle Kontrollinstanzen und löste dort sicherlich ein hämisches «har, har, gut gegeben» aus.

Erschwerend kam noch hinzu, ein Kollektivwerk des Versagens, dass der Artikel zunächst mit einem Ferienfoto der Familie Matter illustriert war, auf dem auch seine Töchter unverpixelt zu erkennen waren. Offenbar wurde dann interveniert oder wenigstens die Rechtsabteilung mahnte zu Vernunft und Anstand, die Gesichter der Töchter wurden verpixelt. Im dritten Anlauf wurde dann das Foto ausgetauscht.

Offenbar aus Furcht vor drastischeren Massnahmen veröffentlichte der Tagi eine «Meinung: Replik von Thomas Matter». Hier darf sich der Politiker zur Wehr setzen:

«Obwohl der Autor zugeben muss, dass Gewalt gegen Frauen ebenso real sei wie Belästigungen im öffentlichen Raum, behauptet er gleichzeitig, das alles sei bloss ein «Narrativ». Dann stellt er mich in eine Reihe von Tätern, die «antisemitische Hetze» oder «rassistische Gewalt» ausgeübt haben. Und schon sind nicht mehr die belästigten Frauen das Thema, sondern Thomas Matter als verspätetes Produkt der mörderischen Judenhasser und Mitglieder des Ku-Klux-Clans.»

Das hätte eigentlich eine viel stärkere Reaktion verdient. Aber je nun. Damit ist das Elend noch nicht zu Ende erzählt. Unter der «Meinung», nein, der «Analyse» von Marti versammelten sich rund 300 Leserkommentare. Unter ihnen viele durchaus kritische. Aber schwups, plötzlich verschwanden sie allesamt. Einfach so.

Bei Matters Replik stand von Anfang an «Die Kommentarfunktion ist deaktiviert». Wieso? «Bei bestimmten Themen erhalten wir wiederholt unangemessene Kommentare, sodass trotz erheblichem Moderationsaufwand kein sachlicher Austausch zustande kommt. Deswegen verzichten wir zum Beispiel bei Berichten über Todesfälle, Straftaten und Unglücke auf die Kommentarmöglichkeit.»

Worum es sich hier aber nicht handelt. Was für ein Unsinn. Tamedia ist trotz KI, Algorithmen und schlecht bezahlten Kommentar-Checkern nicht in der Lage, dieses Gefäss einigermassen sauber zu halten? Was die One-man-Show Lukas Hässig auf «Inside Paradeplatz» locker schafft? Und stellte sich plötzlich heraus, dass die bereits publizierten Kommentare unter Marti doch irgendwie «unangemessen» waren?

Dann kommt noch eine Portion Gesülze, was die verbleibenden Leser extra sauer macht: «Der Dialog mit den Leserinnen und Lesern ist der Redaktion ein zentrales Anliegen und Teil einer funktionierenden öffentlichen Debatte. Die Kommentarspalten bleiben deshalb wo immer möglich geöffnet.» Oder werden nachträglich geschlossen und gelöscht.

Wohl aus diesem Grund hat sich die Anzahl Leser seit 2000 schlichtweg halbiert. Waren es damals noch rund 650’000, sind es aktuell circa 288’000. Minus 362’000 oder 56 Prozent.

Online hatte der Tagi 2020 seinen Höhepunkt erreicht, bis zu 1,1 Millionen User. Das ist inzwischen auf 800’000 monatliche Nutzer abgebröckelt. Minus 27,25 Prozent.

Die Ursachen? Völlig klar. Zum einen das Runtersparen bis zum Skelett, Ausdünnen, copy/paste aus München, aber immer höhere Preise verlangen. Zum anderen die ständige Belehrung und Belästigung des Lesers mit woken und abseitigen Themen; Jubelartikel über ideologisch genehme Künstler, absurde Beschreibungen von angeblicher Gewaltbereitschaft von Männern gegenüber Frauen – und eben solche Schmierereien, einem SVP-Politiker zu unterstellen, er stehe in der Tradition von Judenhassern und weissen Rassisten.

Der Letzte macht dann das Licht aus im Glashaus.

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2026/06/Bildschirmfoto-2026-06-18-um-14.50.21.png 320 709 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2026-06-20 05:00:262026-06-18 15:15:26Der Tagi ganz unten
René Zeyer

Anonymer Feigling

28. April 2026/14 Kommentare/in Allgemein/von René Zeyer

Zum Beispiel ein gewisser Ludwig Detusch.

Der kräht zu einem Interview in der «Weltwoche»: «Sagte Zeller Medienkolumnist oder Medienkommunist? – Der erwähnte Gonzo-Journalist Ryser arbeitet übrigens seit 25.4.2024 für die Weltwoche! – Bezüglich SRF sind die erwähnten Massstäbe völlig falsch: SRF unterdrückt ständig Neuigkeiten, die nicht links oder woke genug sind (so wie auch Zeyer selber ihm missliebige Themen und Kommentare in Zackbum unterdrückt). – Bezüglich Gültigkeit von Gesetzen: Nein. (Was ist z. B.mit den Deutschen, welche die damals gültigen Nazigesetze gebrochen haben?)»

Da daran nichts stimmt (Daniel Ryser arbeitet für «Infosperber», Zeyer unterdrückt keine missliebigen Themen, dieser Detusch konnte 156 Kommentare auf ZACKBUM veröffentlichen, und der Vergleich mit Nazigesetzen ist völlig abwegig), wollten wir das persönlich richtigstellen.

Also mailten wir auf die angegebene Adresse ldetusch@bluewin.ch. Und siehe da: das Schreiben kam als unzustellbar zurück.

Dass Kommentarschreiber ein Pseudonym, aber eine korrekte Mailadresse verwenden, ist akzeptabel. Dass Kommentarschreiber eine Fake-Mailadresse verwenden und so die Kommentarfunktion missbrauchen, ist niederträchtig.

Feige hinter völliger Anonymität versteckt, krähen sie ihre Meinung in die Öffentlichkeit, ohne in irgend einer Form dazu zu stehen oder allenfalls (so wie der Betreiber der Plattform) dafür haftbar gemacht zu werden.

Was diese Heckenschützen mutwillig in Kauf nehmen: sollte ihr Kommentar juristische Folgen haben, haftet der Betreiber der Plattform, und sie sind fein und feige raus.

Also dreht ZACKBUM für einmal den Spiess um und stellt diesen Anonymus an den Pranger.

Allerdings übersehen diese Deppen, dass man sie notfalls über ihre IP-Adresse, den Return-Path oder über Reverse DNS Lookup dingfest machen kann. Das würde aber einen Aufwand bedeuten, den diese miesen Typen nicht wert sind.

ZACKBUM hat weder die Zeit noch die Ressourcen, bei einer einigermassen glaubhaft erscheinenden Mail-Adresse jeweils nachzuprüfen, ob sie wirklich existiert. Allerdings muss jeder Kommentar moderiert und kontrolliert werden. Was bei inzwischen rund 20’000 kein geringer Aufwand ist.

Wer die Möglichkeit benutzt, via ZACKBUM seine Meinung öffentlich zu machen, sollte der Plattform den mindesten Respekt erweisen, den der Anstand gebietet, und unsertwegen unter Pseudonym kommentieren, aber unter Hinterlegung einer korrekten Mailadresse, die natürlich nicht veröffentlich wird.

ZACKBUM wird das zukünftig vermehrt stichprobenartig überprüfen. Sollte dieser Aufwand ausarten oder ergeben, dass massenhaft Fake-Adressen verwendet werden, müssten wir allenfalls die Kommentar-Funktion abschaffen.

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2026/04/Bildschirmfoto-2026-04-27-um-09.25.13.png 571 1146 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2026-04-28 04:45:412026-04-27 09:37:37Anonymer Feigling
René Zeyer

20min will sauber kommentieren

20. August 2021/6 Kommentare/in Allgemein/von René Zeyer

Überraschung. Vor dem Kommentieren steht nun das Registrieren.

Eine Ansage von der reichweitenstärksten Zeitung der Schweiz: «Kommentieren geht nur noch mit Login». Damit solle Schluss sein mit «anonymen, deplatzierten Aussagen».

Ansage mit Werbefilmchen für Vollblöde.

Wunderbar, schon ist das Internet wieder ein Stück sauberer und anständiger geworden. Oder nicht? Wohl eher nicht. Vor Kurzem erst versuchte die schreibende Sparmassnahmen der NZZaS, «20 Minuten» über die dortigen Kommentare an den Karren zu fahren. Pensionär Felix E. Müller holte die Faschismus-Keule hervor. Bei der Konkurrenz hätten sich mal wieder in den Kommentarspalten die Nazi-Vergleiche gehäuft; verwendet vor allem von Kritikern der Corona-Politik.

Schliesslich habe sich der Chefredaktor von «20 Minuten» veranlasst gesehen, dazu «Stellung zu nehmen», fabuliert Müller. Das sei aber gründlich in die Hose gegangen. Stimmte zwar nicht, und «20 Minuten»-Chefredaktor Gaudenz Looser holte im Dialog mit einem Vertreter der jüdischen Gemeinde in der Schweiz weit aus, um Notwendigkeit und Grenzen eines lebhaften Austauschs in den Kommentarspalten zu verteidigen:

«Wir machen das Kommentar-Management heute viel besser und aufwändiger als früher, wir haben ein geschultes Freischalterteam, das von einem eigenen Ressort eng betreut wird.»

Aber trotz all diesem Pipapoh scheinen die rund 10’000 Kommentare, die täglich einlaufen, das Freischalterteam zu überfordern. So wurde geradezu zackbum mit Wirkung sofort bekannt gegeben: «Die Einführung der Login-Pflicht für Kommentare hat zum Ziel, einen angeregten Austausch zwischen den Kommentarschreibenden in anständiger Tonalität zu ermöglichen.»

Endlich anständige Debatten in den Kommentaren?

Wenn das das Ziel sein soll, logischer Umkehrschluss, war das bis anhin nicht möglich. Nun muss man als mildernden Umstand anführen, dass das Kontrollieren von massenhaft Kommentaren zu den unappetitlicheren Aufgaben im Internet gehört. Je nach Thema und Stimmungslage müssen bis zur Hälfte aller Einsendungen in den Orkus befördert werden.

Denn früher musste sich der Kommentarschreiber die Mühe machen, ein Blatt Papier in die Schreibmaschine einzuspannen, darauf zu tippen: «Sie rechts-/linksradikales Arschloch, Sie haben doch keine Ahnung, Sie verdammter Trottel, wir werden Ihnen eins in die Fresse hauen; ein besorgter Bürger», das anschliessend eintüten, frankieren, adressieren und auf den Weg zu bringen, wobei es unweigerlich im Abfall landete.

Heutzutage kann sich der gleiche Amok eine Gratis-E-Mail zulegen und lospoltern. Verstösst er dabei gegen Regeln des Anstands oder des Strafgesetzbuchs, muss er normalerweise nicht viel befürchten, wenn er auch nur über rudimentäre Kenntnisse verfügt, die IP-Adresse seines Computers zu verschleiern.

Anpreisungen wie früher auf einer Kaffeefahrt.

Dementsprechend tiefergelegt sind viele Debatten, die Kommentatoren verbeissen sich schnell ineinander, führen Privatfehden, kommen meilenweit vom Thema ab und unweigerlich hagelt es Nazi-Vergleiche, früher oder später. Amoks krähen schnell «Zensur», pochen auf Meinungsfreiheit, und häufig gleicht eine Kommentarspalte einer Wirtshausschlägerei zu vorangeschrittener Nachtstunde, inklusive Lallen und Beschädigung des Inventars.

Nach 576 Kommentaren wurde hier abgeklemmt; geschlossen.

Hört sich toll an, ist es aber weniger

Allerdings lässt diese Massnahme von «20 Minuten» doch einige Fragen offen. Wir haben spasseshalber den Anmeldungsprozess durchexerziert. Wer in der Lage ist, eine neue Hotmail-Adresse zu generieren, ist als Peter Meier, Nickname Poltergeist, weiterhin problemlos dabei. Was könnte ihn neuerdings daran hindern, weiterhin zu rempeln: «Die Versager im Bundesrat sollten alle verhaftet werden»?

Kein Problem, dann weiter im Text …

Nicht mehr und nicht weniger, als ihn vorher daran hinderte, hindert nun. Also muss man die Massnahme wohl so verstehen, dass schon eine gewisse Prozentzahl von «20Min»-Lesern an der Hürde des Registrierprozesses scheitern wird. Ein anderer Prozentsatz wird vielleicht kurz zusammenzucken, ob «du blödes Arschloch», gekeift aus dem sicheren Schutz der Anonymität, nun auf ihn zurückfallen könnte.

Chefredaktor Looser nimmt exklusiv Stellung

Looser verteidigt die Massnahme auf Anfrage von ZACKBUM: «Algorithmen und Kontrolle sind nie perfekt und werden es auch künftig nie sein. Aber die Loginpflicht ist eines von vielen Elementen in unserer Qualitätssicherungsoffensive.» Die Massnahme sei schon Anfang dieses Jahres geplant gewesen, aber «es gab dann technische Issues mit der Login-Verknüpfung».

Wieso soll denn ein solches Registrieren mehr Anstand bewirken? «Weil den Kommentierenden bewusster ist, dass sie nicht anonym sind. Unangebrachte Inhalte können so auch leichter juristische Folgen haben.» Und möglicherweise weniger Traffic? «Das nehmen wir in Kauf.

Eine tiefere Anzahl Kommentare erlaubt uns eine bessere Kontrolle. Der Anteil der Kommentare, die wegen Kapazitätsgrenzen nicht manuell freigeschaltet werden können, dürfte damit sinken.»

Wie aber bspw. der Amok-Journalist Reda El Arbi beweist, muss man kein Halbanalphabet und Volltrottel sein, um mit Kommentaren in den strafrechtlichen Bereich zu gelangen.

Abschreckendes Beispiel? Reda El Arbi.

Es gibt wohl eine Grenze, an der alle Versuche scheitern, etwas Anstand und Benehmen in die Welt der Kommentare und der Social Media zu bringen. Aber beim zunehmenden Sittenzerfall ist jede Massnahme zu begrüssen.

https://www.zackbum.ch/wp-content/uploads/2021/08/Komment5.jpeg 413 651 René Zeyer https://zackbum.ch/wp-content/uploads/2020/06/logo1.svg René Zeyer2021-08-20 07:30:202021-08-20 06:41:4920min will sauber kommentieren

  • Kleines Vademecum für Kommentarschreiber27. August 2020 - 16:08
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