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Wumms: Marcus Keupp

Quatsch erzählen? Na und, einfach weiter Quatsch erzählen.

Beim «Militärexperten» und Dozenten an der Militärakademie der ETH Zürich stellen sich ernsthaft zwei Fragen:

  1. Ist er ein Rohrkrepierer?
  2. Ist er ein von Moskau bezahlter Diversant?

Denn sein öffentliches Wirken begleitet eine Spur von Fehleinschätzungen, Fehlprognosen und unbeirrter Rechthaberei.

So meinte der grosse deutsche Stratege: «Russland wird den Krieg im Oktober verloren haben.» Zu dieser schneidenden Prognose kam er «aufgrund mathematischer Berechnungen». Wahrscheinlich hantierte er mit Fantastillionen, dividiert durch null. Blöd nur: er meinte den Oktober 2023. Blöd nur: das haben die Russen bis heute nicht eingesehen.

Auf die Anfrage, was er denn im Nachhinein zu diesem Schlag ins Kontor sage, reagierte er nicht.

Das hielt ihn nicht davon ab, auch im April 2024 an seiner im März 2023 geäusserten Prognose festzuhalten, dass Russland den Krieg im Oktober 2023 verloren habe. Allerdings nur «strategisch».

Als Militärökonom erlaubt er sich auch Prognosen allgemeiner Art: «Der Kollaps des russischen Finanzsystems ist nur noch eine Frage von Tagen.» Aber diese Tage verstrichen ohne Kollaps – im März 2022.

Unbeschadet solcher Quatschaussagen findet der «Blick» immer wieder Gelegenheit, den Fehlprognostiker zu interviewen, der unbeirrt behauptet: «Wenn es so weitergeht, wird Russland den Krieg verlieren.»

Die grosse Keule hat er für alle parat, die versuchen, ohne das zu billigen, die Motive Putins zu ergründen. Diese Menschen seien «moralisch verrottet».

Nun ist Weihnachten bekanntlich Saure-Gurken-Zeit im Journalismus. Da sind Redaktionen zu Verzweiflungstaten bereit. Zum Beispiel der «Blick» zu dieser:

Nein, das ist nicht der Stehsatz von 2022, 2023, 2024 oder Anfang 2025. Das ist alt und neu zugleich.

Das Interview beginnt mit einer ganz kritischen Frage von Ausland-Reporter Samuel Schumacher:

«Herr Keupp, im April sagten Sie, Russland verliere den Krieg, wenn es so weitergeht. Bleiben Sie dabei?
Marcus Keupp: Wenn die westliche Waffenhilfe weitergeht und Russland weiterhin so viel Personal und Material durchbrennt, dann ja. Russland lebt von seinen Reserven. Und diese Reserven gehen aus.»

Dass Russland laut Keupp eigentlich schon mehrfach verloren habe und ausserdem sein Finanzsystem kollabiert sei, diese Erinnerung erspart Schumacher allerdings dem Fantasten.

Dafür lässt Keupp neue Ratschläge auf den wehrlosen Leser herabregnen. Gefragt, was das denn kosten würde, meint der «Militärökonom» knapp: «Das weiss ich nicht.» Muss ihn als wohlbezahlten ETH-Professor auch nicht weiter kümmern, würde ja der Steuerzahler der EU berappen.

Allerdings ist er nach einigen bitteren Erfahrungen mit Prognosen der Niederlage Russlands vorsichtiger geworden: «Der Krieg wird auch 2026 weitergehen.» Obwohl er doch schon mehrfach verloren wurde.

Auch der Kollaps steht nicht mehr unmittelbar bevor: «Aber die Fantasie, Russland sei ein Märchenland mit unbegrenzten Ressourcen, fängt langsam an zu bröckeln.»

Vom Zusammenbruch zum Bröckeln und zurück. Das Einzige, was hier bröckelt, ist die Sinnhaftigkeit dieser wilden Behauptungen.

Das hier nennt man militärisch eine Ausweichstrategie, eine Frontbegradigung, ein Ablenkungsmanöver, das Zünden von Nebelgranaten: «Russlands Krieg gegen uns ist bereits im vollen Gang. Man muss schon sehr tief schlafen, um das nicht zu merken.» Natürlich sei das ein «hybrider Krieg», denn: «Das Einzige, was derzeit noch fehlt, sind mechanisierte Mittel: Panzer und dergleichen.»

Aber Vorsicht, wenn wir alle innehalten beim Singen von Weihnachtsliedern und aus dem Tiefschlaf erwachen, hören wir da nicht leise und fern, nein, nicht das Rieseln von Schnee, aber das Rasseln von Panzerketten?

Keupp entlässt uns ganz unfriedlich ins Fest: «Für Russland ist Krieg besser als Frieden

Was er nicht erwähnt: für ihn ist ein Interview besser als kein Interview. Denn: «Dieses Jahr ist Marcus Keupps neues Buch «Spurwechsel – die Welt nach Russlands Krieg» erschienen.» Und wer will ihn denn noch interviewen.

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Monsterbank UBS

Licht ins Dunkel ihrer Entstehung.

Es folgen zwei im wahrsten Sinne des Wortes gewichtige Artikel. Sie werfen ein neues Schlaglicht auf die Entstehung der Monsterbank UBS. Einiges ist schon bekannt, anderes – wie die Existenz spezieller Bail-in Bonds in der Höhe von 57 Milliarden Franken – ist ZACKBUM neu. Und wir verstehen mehr davon als der durchschnittliche UBS-Kundenberater.

Diese Schuldpapiere spielen deshalb eine besondere Rolle, weil alleine ihre Existenz bedeutet, dass die grossartigen Too-big-to-fail-Regeln (TBTF), die die Schweiz nach der grossen Bankenkrise von 2008 entwickelt hat, schlichtweg nicht funktionieren können. Ganz einfach deswegen, weil die Abwicklung einer Bank von der Grösse der Credit Suisse Auswirkungen auf den internationalen Finanzmarkt hätte.

Da haben Big Player, in erster Linie die USA, ein paar entscheidende Wörtchen mitzureden, also waren die TBTF schlichtweg von Anfang Makulatur. Denn wenn solche Bonds beispielsweise in den USA oder in England begeben werden, sind die dortigen Aufsichtsbehörden am Drücker. «Schweizer» TBTF-Regeln: Mit grossem Trara angekündigt, diskutiert und verabschiedet. Reine Spiegelfechterei.

Im Fall der CS-Katastrophe stellte der Steuerzahler ungefragt über 250 Milliarden Franken ins Feuer. Daraus folgt die logische Frage, ob die Schweiz eine UBS-Katastrophe finanziell überleben würde. Dass die stattfinden könnte, darauf weisen nicht nur Grossmannssprüche von führenden UBS-Kadern hin, die mal wieder substanziell wachsen wollen, zu den «Big Five» aufschliessen. Solche Töne hörte man das letzte Mal, als der Versager Marcel Ospel meinte, er könne es mit den aalglatten, smart-brutalen und von reiner Geldgier getriebenen US-Investmentbankern aufnehmen.

Aber damals mussten nur vergleichsweise läppische 50 Milliarden ins Feuer gestellt werden. Heute wäre der Betrag wohl mindestens 20 Mal so gross, müsste die UBS gerettet werden. Als weit mehr als das gesamte BIP der Schweiz.

Banker können aus einer banalen Bilanz einen Dschungel machen mit so vielen Lianen, Bäumen, Unterholz, Bewertungs-Absurditäten, dass am Schluss niemand mehr genau sagen kann, wie viel verlustabsorbierendes Kapital die Bank denn nun in Wirklichkeit hat. Denn das echte, harte Eigenkapital ist der Sicherheitspuffer bei Katastrophen. Der hat für den Banker aber den Nachteil, dass er im Nicht-Krisenfall einfach so rumliegt, keine boniwirksamen Aktivitäten entfaltet.

Daher wehrt sich auch UBS-Boss Ermotti erbittert gegen jede Forderung, das Eigenkapital der UBS hinaufzusetzen. Das sei einfach teuer, blöd, wirtschaftsschädlich. In Wirklichkeit ist ein echtes Eigenkapital von 20, besser 25 Prozent die beste Garantie, dass im Fall der Fälle genügend Reserven vorhanden sind, um dem Steuerzahler Ungemach zu ersparen.

Der immer noch nicht aufgearbeitete Untergang der CS beweist, dass es weiterhin dringend nötig ist, Regeln für solche Katastrophen aufzustellen – und umzusetzen. Neben deutlich erhöhtem Eigenkapital wäre auch eine wasserdichte Aufspaltung der UBS in einen Schweizer und einen internationalen Teil sinnvoll. Geht hierzulande was schief, ist der potenzielle Schaden überschaubar. Geht weltweit was in die Hose, kann die Schweiz nicht in Regress genommen werden.

Was spricht dagegen? Ein überforderter Bundesrat, eine zahnlose Bankenaufsicht, ein nicht durchsetzungsfähiger Chef der SNB, machthungrige und geldgierige UBS-Kader  – und eine uninformierte und abgelenkte Bevölkerung. Dabei ist die Beantwortung der Frage, wie die Monsterbank UBS gezähmt werden könnte, für die Schweiz viel bedeutender und existenzieller als die Kriege in der Ukraine oder im Nahen Osten.

Daher ein Sondertag Monsterbank bei ZACKBUM.

Wie desolat nur schon die Informationslage ist, beweisen folgende zwei Artikel von Urs Schnell. Von Haus aus Dokumentarfilmer, liefert er eine um Längen bessere Analyse ab als die versammelte Schweizer Wirtschaftspresse, die sich schon während den hektischen Tagen vor dem Ende der CS regelmässig von angelsächsischen Wirtschaftsmedien abtrocknen liess.

Bezeichnend ist auch, dass diese Beiträge auf «Infosperber» einzig von Lukas Hässig auf «Inside Paradeplatz» und von ZACKBUM aufgenommen werden. Sonst herrscht dumpfes Schweigen oder die Forderung nach Frieden auf Erden.

Also, lieber Leser, auf, auf. Ist nicht kurz, ist nicht ganz einfach (aber flüssig geschrieben) – und ungemein erhellend. Oder ist Euch das eigene Portemonnaie völlig egal?

Evergrande? Ach ja

Fällt da gerade ein Reissack in China um? Oder geht es um Grösseres?

Wir alle kennen die Fotos von Hochhäusern in unüberblickbarer Zahl, die in China überall aus dem Boden gestampft werden. Evergrande Group ist der zweitgrösste Immobilienkonzern im Reich der Mitte. Rund 125’000 Mitarbeiter, 60 Milliarden Franken Umsatz. Schon vor zwei Jahren wies das Unternehmen Schulden in der Höhe von 247 Milliarden Euro aus. Der Berg ist inzwischen auf über 300 Milliarden Euro gestiegen.

Eine tickende Zeitbombe. Seit zwei Jahren krebst der Gigant vor sich hin, hangelt sich von einer Bankrottvermeidung zur nächsten. Er ist zum Symbol für die strukturellen Probleme der chinesischen Wirtschaft geworden. Es wurden Wohnungen verkauft, die noch gar nicht gebaut waren. Mit diesem Geld wurden Löcher in aktuellen Projekten gestopft, Neugeld wurde mit Kreditaufnahme hereingeschaufelt. Sollte der Koloss zusammenbrechen, würde das Schockwellen durch die chinesische Wirtschaft senden, hätte das weltweite Auswirkungen, hätte das Auswirkungen auf die chinesische Gesellschaft, weil Abertausende damit ihre Vorauszahlung für eine Wohnung loswären.

Also ein Problem, das in seiner Dimension nicht weit von der Klimaerwärmung entfernt ist. Aber ausser der «Financial Times» und anderen angelsächsischen Qualitätstiteln interessiert das im Normalfall niemanden so wirklich.

Nun hat Evergrande in den USA Gläubigerschutz beantragt, nach Chapter 15. Das dient normalerweise dazu, einem kriselnden Unternehmen Luft zu verschaffen, damit es sich allenfalls wieder aufrappeln kann.

Das wiederum hat zur Voraussetzung, dass es sich um einen Liquiditätsengpass handelt, nicht um ein Solvenzproblem. Aber nach eigenem Bekunden hat Evergrande – nicht zuletzt wegen Corona – in den letzten Jahren 81 Milliarden Dollar Verlust gemacht. Das, die gigantischen Schulden im Vergleich zum Umsatz, und vor allem diese Art von Schneeballsystem als Geschäftsmodell machen eine Rettung von Evergrande sehr unwahrscheinlich. Sollte nicht der chinesische Staat eingreifen, was er schon mehrfach ausgeschlossen hat.

Also Anlass zu tiefer Besorgnis, welche Auswirkungen ein Bankrott haben könnte, welchen Krater der Fall in China, in der ganzen Weltwirtschaft verursachen würde.

Im stetigen Bemühen der Qualitätstitel nach Einordnung und Unterscheidung von Wichtigem gegen Unwichtiges sollte sich das sicherlich widerspiegeln. In der Mediendatenbank für die Schweiz findet man auch in den letzten 2 Jahren 3600 Treffer für Evergrande.

Allerdings: 12’000 für «Klimaerwärmung». 47’000 für «Hitze». Und 100’000 für «Klima». Der Journalismus geht vor die Hunde. Oder sagten wir das schon? Aber halt: das «Klimalabor» der «Republik» wird’s dann rausreissen. Garantiert. Irgendwann. Irgendwie.