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Schwab schwatzt

Jeder darf alles heutzutage im Journalismus.

Klaus Schwab? War da nicht mal was? War der nicht mal wer? Hatte der nicht die Gockelparade WEF ins Leben gerufen und gefühlte 100 Jahre lang geleitet? Bis man ihn recht unschön abservierte?

Und gibt es da nicht den WEF-CEO Børge Brende, der schlappe 1,5 Millionen Franken als Chef einer steuerbefreiten, gemeinnützigen Stiftung verdient? Gibt es da nicht einen Stiftungsrat, normalerweise eine Sache im einstelligen Bereich, der ganze 30 Nasen umfasst? Verdienen nicht insgesamt 11 Spitzenkräfte pro Stück mehr als 900’000 Dollar im Jahr?

Und war da nicht was mit Kontakten von Brende zu Jeffrey Epstein, wofür er sich das Placet von Schwab eingeholt haben will, was der energisch bestreitet? Und fand der diesjährige Zirkus mit dem Imperator Donald Trump nicht in völliger Abwesenheit von Schwab statt, der nächste Jahr sein 40. Jubiläum hätte feiern können?

Und gäbe es zur Art und Weise, über die seine interimistischen Nachfolger stolperten, wie er abserviert wurde, nicht noch dies und das zu sagen, wenn überhaupt?

Aber wozu denn. Die «Bilanz» lud den 87-Jährigen zu einer «Carte Blanche» ein und ist sicher stolz darauf, mit diesem Namen prunken zu können. So stolz, dass der «Blick» das Geschwafel eilfertig übernahm.

In bester Tradition des WEF stapelt Schwab eine Wortblase auf die andere. «Wir stehen vor einer dramatischen, aber wenig greifbaren Krise. Wenn die Wahrheit instabil wird, verliert die Gesellschaft ihre Orientierung.» Wie wahr, wenn man das auf den Intrigantenstadl WEF anwenden würde.

«Unter der Oberfläche politischer Volatilität und technologischer Beschleunigung erodieren zwei Grundlagen: Wahrheit und Vertrauen.»

Wie wahr als Beschreibung der Zustände auf der Führungsetage des WEF.

«Parallel zu diesem Niedergang schwindet auch das Vertrauen.» Wie wahr, wenn man die Ereignisse rund ums WEF der letzten zwei Jahre Revue passieren lässt.

«Transparenz nicht als Leistung, sondern als Praxis; Rechenschaftspflicht nicht als Rhetorik, sondern als Routine.» Wie wahr. Wie war das nun genau mit den Vorwürfen gegen Schwab? Hat sich das alles in Luft aufgelöst oder blieb was hängen? Wurde er eiskalt abserviert, weil er sich zu lange an seinem Stuhl festhielt, oder hat er zwischen Meins und Deins nicht unterscheiden können?

«Die Warnung ist eindeutig: Keine Gesellschaft, keine Institution, kein technologisches System kann lange auf Fundamenten bestehen, an die niemand mehr glaubt.» Wie wahr. Rücktritt im Mai 2024 vom Tagesgeschäft, Peter Brabeck-Letmathe übernahm. Aufgrund der anonymen Denunziation eines Whistleblowers, die an die Medien durchgestochen wurde. Strafanzeige von Schwab, Untersuchung durchs WEF. Im April wurde er als Vorsitzender des Stiftungsrats zurückgetreten. Er verlangte eine Entschuldigung, die er nicht bekam, sein Bild verschwand von der Webseite des WEF.

Anschliessend trat auch Brabeck nicht ganz freiwillig zurück und beschwerte sich über ein toxisches Arbeitsumfeld beim WEF.

Also jemand, der viele Jahre lang der uneingeschränkte Herrscher über diese Zirkusveranstaltung war, wird mit einer üblen Hinterhofintrige mit anonymen Anschuldigungen und Bearbeitung der Medien von seinem Stuhl geschossen; sein Nachfolger beklagt sich ebenfalls über unerträgliche Arbeitsbedingungen.

Und so jemand will die Welt, zumindest die Leser von «Bilanz» und «Blick«, mit seinen weihevollen Worten über Wahrheit und Vertrauen zusossen? Gibt es wenigstens einen wahren Grund dafür, auf den man vertrauen kann?

Aber sicher: in seiner reichlich vorhandenen Freizeit hat Schwab das Werk «Restoring Truth and Trust» herausgegeben, erschienen im Eigenverlag «Schwab Academy». Amazon-Bestsellerrang: 611’509. Ach so.

Gesucht: Sonntagszeitungen

Wo sind sie geblieben, wer hat sie versteckt?

Es war ein guter Plan. ZACKBUM kauft die «SonntagsZeitung» und die «NZZamSonntag», haut sich mit ihnen in die besonnte Wiese und liest.

Allerdings muss es da zu einer fiesen Guerilla-Aktion gekommen sein. Für stolze 6.40 Franken wurden 62 Seiten eines Look-Alike ausgehändigt. Eine Imitation der SoZ, von irgendeinem C-Team zusammengeschustert. Auf der Front, in täuschend ähnlicher Aufmachung, unter dem Original-Logo, ein Riesenschwarzweissfoto von Dutti. Vorwand: «100 Jahre Migros. Erfolge und Skandale».

Autor der mehrteiligen Serie ist der unermüdliche Arthur Rutishauser, dessen Text irgendwie den Weg in diese Nachahmung fand.

Aber sonst? «In der Badi daheim. Bei den Stammgästen am Beckenrand». Wie verzweifelt muss man sein, das eine «Reportage» zu nennen? Und daraus fast eine Doppelseite mit anmächeligen Riesenfotos zu machen?

«An der Sonne. Wann ist es zu viel? Tipps der Ärztin». Wie verzweifelt muss man sein, daraus eine Doppelseite mit einem Riesenriesensymbolfoto zu machen? Und das dann noch «Sonntagsgespräch» zu nennen?

Fast eine Doppelseite, wie der Ortsbildschutz den Neubau eines Hauses blockiert. Wie verzweifelt muss man sein, oder sagten wir das schon?

Riesenfoto von Blocher Vater und Blocher Tochter, auf Heuhaufen sitzend. Kleine Story, dass die SVP mit Bauernverbänden über Kreuz liegt, die die EU-Verträge gut finden. Hätte man in besseren Zeiten eine Meldung, allerhöchstens eine halbe Spalte draus gemacht.

Dann beginnt nach den Badistammgästen das grosse Blättern.

Wirtschaft? Geschichtsstunde über Dutti, und sonst nicht viel.

«Leben & Kultur» und der ganze Rest? Aufmacher: «Während unserer Ehekrise war Chat-GPT wie eine Schulter zum Anlehnen». Der Text könnte von einer KI geschrieben worden sein, hat aber angeblich eine Autorin.

Andreas Vollenweider. Ja, der Harfengott lebt noch und greift auch noch rein.

Dann durfte eine Journalistin auf Kosten des Hauses ein Luxus-Ferienressort in der Provence besuchen. Das sei ihr gegönnt. Allerdings: «Suiten ab 1100 Euro». Pro Nacht, versteht sich, Verpflegung extra. Genau die Preisklasse für den SoZ-Leser.

Rätsel, Rätsel, Rätsel, TV-Programm und ein erschütternder Bericht, wie die Kultur der absaufenden Insel Tuvalu gerettet werden soll.

Dann die Erlösung: das war’s. Bleibt die Frage: wer war das? Die Überreste der «SoZ»-Redaktion oder wurde ausgesourct? Oder hat sich hier jemand einen üblen Scherz erlaubt?

Die gleiche Frage stellt sich bei der «NZZamSonntag». Schlappe 52 Seiten für stolze 7.10 Franken. Die Look-Alike Front:

Wenn der angeblich neue Körperkult sprechen könnte, würde er uns vielleicht etwas sagen. So aber wird eine nichtssagende Doppelseite mit schwellenden Muskelfotos draus.

Zuvor Turnübungen am Sprachreck von Chefredaktor Beat Balzli (mitsamt Bauchlandung beim Abgang) und Zahlensalat zum Dichtestress.
Dann ein Kriminal-Tango-Foto vom Gottseibeiuns Björn Höcke von der AfD. «Wolf im Wolfspelz»; für einen solchen Titel ist nicht mal ein Hitzschlag eine Entschuldigung.

Dann beginnt auch hier das Blättern. Kurzer Zwischenhalt beim Kampffeministen Peer Teuwsen, der die «Debatte» eröffnet mit: «Der Frauenfussball braucht keinen Artenschutz». Gegenteiliges hat auch niemand behauptet.

In der Wirtschaft hat der Chef der Schweizerisch amerikanischen Handelskammer seinen grossen Auftritt. Auch er wird dem Sommerloch dankbar sein dafür.

Der Dilettantenstadl zwischen Klaus Schwab und dem WEF profitiert auch von «und sonst haben wir wirklich nichts?»

«Wissen» droht: «Tod aus Schlafmangel». Die «Kultur weiss Abhilfe: «Museum der Langweile». Also das Zürcher Kunsthaus besuchen, schon schnarcht man friedlich. Dann noch die Sommerquälserie: «Postkarte aus Vaduz». Ein Kaff, das man nie besuchen möchte. Ausser, man will dort seine Stiftung streicheln. Wenn sie einem noch nicht geklaut wurde.

Auch hier endet endlich die Qual. Und auch hier bleibt die Frage: wer war das? Sogar das «Magazin» der NZZaS schlägt fotografisch nach unten alles, was es sich sonst schon leistet.

Wurde auch hier ein Dummy hergestellt und versehentlich ausgeliefert?

Es gäbe auch noch den SoBli? Also bitte, es gibt Grenzen.

So war die Lektüre auf der besonnten Wiese in ungefähr 15 Minuten vorbei. Fast ein Stutz pro Minute für nix. Gut, dass ZACKBUM vorausschauend den Riesenwälzer «Permafrost» von Viktor Remizov dabei hatte. Das sorgt nicht nur wegen des Titels für Abkühlung. Sondern ist ein Riesenstück Literatur, Liga Grossman oder Tolstoi.

Wie man es nicht machen sollte

Zwei aktuelle Fälle kommunikativen Totalversagens.

Da wäre mal ein Herr namens Oliver Washington. Seiner Zeichens Kommunikationschef des Bundesrats Beat Jans. Jahrelang Mitarbeiter des Schweizer Farbfernsehens, also eigentlich ein ausgebuffter Profi.

Der es nicht fertigbrachte, mit der Maturarbeit einer Schülerin so umzugehen, dass sich nicht eine lächerliche Posse daraus entwickelte. Offensichtlich war der Profi beim Interview ins Plaudern gekommen und wollte anschliessend ein paar Passagen streichen.

Eigentlich business as usual, das kriegt normalerweise jeder Anfänger hin, ohne dass irgend jemand etwas merkt. Und die Arbeit wäre wie alle anderen im Archiv der Schule verstaubt. Stattdessen hat es Washington geschafft, einen Riesenwirbel draus zu machen, eine ganze Kaskade von meistens nicht sehr schmeichelhaften Medienreaktionen auszulösen.

Eigentlich wäre es nach einem solchen Vollversagen naheliegend, dass sich Washington selbst für unfähig erklärt, seinen Posten weiter auszuüben. Denn wer so etwas Simples verstolpert, wie soll der mit einer wirklichen Krise unter Erwachsenen fertigwerden?

Aber Dilettantismus war in Bern noch nie ein ausreichender Grund, einen wohlbezahlten Posten loszuwerden. Abgesehen davon, dass das ja auch Trostpreise für ansonsten abgehalfterte Medienmenschen ist, wie auch Pascal Hollenstein beweist. der als Sprachrohr für ein sich ewig in den Medien haltendes Opfer beim Wannerclan in Ungnade fiel und in Bern ein warmes Plätzchen ergatterte.

Der zweite Fall ist noch gravierender. Im Stiftungsrat des World Economic Forum (WEF) ist eine ganze Reihe klingender Namen versammelt. Darunter Königin Rania von Jordanien, der Ex-Nestlé-Boss Peter Brabeck, Laurence Fink, Boss von BlackRock, Al Gore, ehemaliger Vizepräsident der USA, Christine Lagarde, Chefin der EZB, Lubna Olayan, Chefin der Olayan Group, und, und, und.

Dann gibt es noch einen vielköpfigen Vorstand, Managing Directors und ein Executive Committee. Also mehr geballte Fachkraft ist doch eigentlich nicht vorstellbar.

Und dann gibt es Klaus Schwab, den 87-jährigen Gründer des WEF, der nun auch nicht erst seit gestern im Geschäft ist.

Hier trug es sich zu, dass offensichtlich ein interner Intrigant oder Whistleblower das «Wall Street Journal» für einen Blattschuss verwendete. Nachdem erste Anschuldigungen im WSJ noch an Schwab abgeprallt waren, trat er nun blitzartig von seinem Posten als Präsident des Stiftungsrats zurück.

Das sei ihm nahegelegt worden, zudem soll er zuvor damit erpresst worden sein, dass er nur mit seinem Rücktritt verhindern könne, dass schmutzige Details über sein Verhalten an die Öffentlichkeit kämen.

Also ein auch nicht gerade neues Problem, mit dem doch diese Damen und Herren alleine schon des Stiftungsrats locker fertigwerden könnten. Mit dem üblichen Prozedere: sie nehmen zur Kenntnis, dass Schwab alle Anschuldigungen entrüstet zurückweist und Strafanzeige gegen unbekannt gestellt hat. Sie danken Schwab dafür, dass er – um Schaden vom WEF abzuwenden –, sich entschlossen hat, sein Amt bis zum Abschluss einer Untersuchung zur Verfügung zu stellen. Und sie haben selbstverständlich sofort eine angesehene aussenstehende Anwaltskanzlei mit der Untersuchung der Vorwürfe beauftragt.

Bis zum Abschluss gilt natürlich für Schwab die Unschuldsvermutung, unterstreicht der Stiftungsrat. So hätte das jeder Anfänger gemacht.

Aber doch nicht diese Damen und Herren. Die verlieren kein Wort über die Unschuldsvermutung, erteilen Schwab Zutrittsverbot für sein Büro und wollen die Vorwürfe tatsächlich untersuchen. Wie, durch wen, wie lange, kein Wort dazu.

Damit ist vorläufig der grösstmögliche Schaden für alle Beteiligten und für das WEF angerichtet. Sesselkleber Schwab fühlt sich gemeuchelt und ist entsprechend sauer. Die Stiftungsräte wirken wie ein aufgeschreckter Hühnerhaufen, da wird zunächst gegackert und geflattert, dann nachgedacht.

Ob Brabeck nun der richtige Mann ist, um als vorläufiger Ersatz für Schwab wieder Ruhe in den Laden zu bringen, muss doch sehr ernsthaft bezweifelt werden. Nach einer solch blamablen Leistung müsste eigentlich der Stiftungsrat in corpore zurücktreten.

Was er natürlich nicht tun wird. Denn auch beim WEF war Inkompetenz noch nie ein Grund für Rücktritte.

Auch in diesem Fall spielen die Medien nicht gerade eine glückliche Rolle. Denn keinem fiel ein, dass es in der Karriere von Schwab einen viel grösseren Skandal gibt als eine Massage auf Geschäftskosten oder Luxusreisen, deren Spesen auf dem falschen Stapel landeten.

Es handelt sich um den Think Tools-Skandal, auf den lediglich der Betreiber dieses Blogs auf «Inside Paradeplatz» hinwies. Aber auch unter den wenigen verbliebenen Wirtschaftsredaktoren ist Inkompetenz kein Grund, freiwillig zurückzutreten.

Allerdings kommt die nächste Sparwelle bestimmt …

Triebstarkes WEF?

Nun hat’s auch diese Institution erwischt.

Einmal jährlich gibt’s die grosse Kür der Wichtigkeiten, der aufgeblasenen Gockelparaden, wo in Davos jeder Besitzer eines Nachtlagers oder eines Schaufenster den Reibach des Jahres macht, wenn der Event dort stattfindet.

Um ihm einen edlen Schein zu geben, geht es natürlich irgendwo und irgendwie um die Rettung der Welt, zumindest um ihre Verbesserung. Sonst könnten ja nicht so viele Wichtigkeiten mit wichtiger und ernster Miene herumrennen und der Leber solange Saures geben, bis sie den Regenschirm aufspannt.

Da ist doch eigentlich kein Platz für unappetitlich Irdisches, oder doch? Nachdem der «Guardian» bereits David Copperfield als schlimmen Finger enttarnt haben will, was der Zauberer aber abstreitet, hat sich nun das «Wall Street Journal» des WEF angenommen.

Und hat Schauerliches zu berichten. Wobei mal wieder verblüfft, dass die Horden von woken und um jeden Genderstern erbittert kämpfenden Schweizer Journalisten das nicht selbst herausgefunden haben. Sah vielleicht zu sehr nach Arbeit aus.

Auf jeden Fall berichtet das WSJ von einem «toxischen Arbeitsklima». Angestellte sollen von VIP-Gästen sexuell belästigt und von ihren Chefs diskriminiert worden sein. Da kommt einem doch unwillkürlich der Fehltritt von Dominique Strauss-Kahn in den Sinn. Der Superstar der französischen und internationalen Politik, der schon als Präsidentschaftskandidat gehandelt worden war, wurde bei seiner Ausreise aus den USA 2011 am New Yorker Flughafen aus seiner Maschine gezerrt und verhaftet. Er hatte eine «unangemessene Beziehung» zu einem Zimmermädchen eingeräumt, das war dann das Ende seiner Karriere (und Ehe).

Nun also so Ähnliches auch am WEF, wo die grossen Weltenlenker vielleicht auch kleine Bedürfnisse haben, die sie im Machtrausch am Hotelpersonal abreagieren wollen? Ts, ts. Aber damit nicht genug des Schlimmen. Auch Klaus Schwab und seine Mannen (und wenigen Frauen) sollen eine frauen- und schwarzenfeindliche Atmosphäre am Arbeitsplatz zugelassen haben.

So hätten weisse WEF-Manager das unaussprechliche «N-Wort» benutzt, wobei nicht klar ist, ob damit das diskriminierende Nigger oder das neutrale Neger gemeint ist. Dazu Altersdiskriminierung, ab 50 wurde rausgestuhlt, und schwangere Frauen sollen es auch nicht leicht gehabt, sondern mindestens einen Karriereknick erlitten haben.

Natürlich ist das WEF entsetzt über die angeblich wissentliche Veröffentlichung von nachweislich falschen Behauptungen, wie sich eine Sprecherin gegenüber dem «Blick» entrüstet.

Lustig ist hingegen, dass der «Blick» diese Behauptungen einer Zeitung gleich im Titel und im Indikativ übernimmt. Auch die Gutmenschen von Tamedia sehen gleich das «WEF im Strudel eines Skandals». Während «20 Minuten» und ein paar andere vernünftige Medien zurückhaltender titeln: «US-Zeitung berichtet von sexueller Belästigung und Rassismus am WEF».

Aber eigentlich ist es doch hübsch, dass nun auch die Leitung des WEF damit konfrontiert ist, die eigene Unschuld gegenüber anonymen Behauptungen verteidigen und beweisen zu müssen.

Vielleicht könnte man das gleich zum Thema des nächsten Happenings machen. Werden dazu Tamara Funiciello und Agota Lavoyer eingeladen, ist für Unterhaltung gesorgt.

Die letzten Gläubigen

Das WEF ist ein Schatten seiner selbst. Selbst die Demos dagegen …

All das übliche Brimborium fehlt. Wichtige und Mächtige, die in schwarzen, gepanzerten Limousinen durch Davos pflügen. All die Begegnungen «kenne ich den oder muss der mich kennen?». Die Empfänge, Partys, das Come-Together, die prall gefüllten Agenden. Wer hat die beste Suite im ersten Hotel am Platz, wer muss in Zürich übernachten und anreisen?

Wie viele wichtige Präsidenten und Weltenlenker sind anwesend, wo stapeln sich die Privatjets und die ganz grossen Flieger? Alles fehlt, stattdessen haben wir einen Olaf Scholz, eine Christine Lagarde, eine von der Leyen als Ersatzstars. Nicht mal Schnee gibt’s.

Was macht noch Schlagzeilen? Klitschko: «Bleibt die Schweiz passiv, klebt auch Blut an ihren Händen». – «Davos im Metaversum: WEF-Gründer kündigt digitales Grossprojekt an.» – «Die Welt war naiv. Klaus Schwab auch.» – «Oxfarm fordert höhere Steuern für Konzerne und Vermögende

Russland ist ausgeladen, Selenskij hat eine seiner tollen Video-Ansprachen gehalten, bei denen alle ganz betroffen schauen. Und ein ehemaliger Box-Weltmeister bereitet schon das Terrain vor: «Wladimir Klitschko hat die Schweiz zu einem Verbot russischer Staatsmedien aufgefordert. Dort laufe anti-ukrainische Propaganda. «Die Gehirnwäsche findet auch in der Schweiz statt», sagte er in einem Interview mit dem «Blick» am Rande des WEF in Davos.» Gehirnwäsche in der Schweiz? Muss doch was dran sein, dass zu viele Kopftreffer nicht spurlos an Boxern vorbeigehen.

Soweit, so gähn. CNN, die grossen Medien, sie berichten mehr aus Gewohnheit und unter ferner liefen über das WEF. «Blick» ist es aber gelungen, dem «CNN-Starmoderator» Richard Quest in Davos ein Statement zu entlocken. Was erwarte er denn vom diesjährigen WEF? «Nothing

Nicht viel mehr als nichts war auch der erste Versuch eines Protests durch die Jusos: «Nur gerade 60 WEF-Gegner protestieren gegen das Forum. Juso-Präsidentin Ronja Jansen lässt sich von der kleinen Teilnehmerzahl nicht beirren.» (siehe Screenshot vom «Blick» als Artikel-Foto.)

Aber immerhin, in Zürich war wenigstens etwas Action:

Tränengas, Gummischrot, Doppelmoppel-Parole.

Aber die NZZ hält in alter Treue am WEF fest und gönnt dem 84-jährigen Klaus Schwab den grossen Bahnhof, bzw. das grosse Interview. Aber auch ihr fällt es schwer, Fragen zu stellen, die Antworten erhalten, die dem Leser nicht als Ersatz für Schafezählen zum Einschlafen dienen könnten.

Seine Lieblingspose seit gefühlten 100 Jahren.

Auch auf die Gefahr hin, dass der Leser hier wegschnarcht, einige Höhepunkte des Interviews:

  • Die globale Solidarität hätte grösser sein können, das stimmt. Ich glaube, Corona hat uns alle egoistischer gemacht, und die Staaten sind nationalistischer geworden.
  • Ich habe mich angepasst und war online sehr aktiv. 
  • Das Global Village soll zur ersten Metaversum-Anwendung mit einem echten «purpose» werden.
  • Wir erwarten über 50 Regierungs- und Staatschefs und über 200 Kabinettsmitglieder.
  • Als der Krieg ausbrach, erinnerte ich mich an dieses Gespräch. Nun war völlig klar: Der Versuch, Putin zu überzeugen, europäischer zu werden, ist gescheitert. Ich war traurig und entsetzt.
  • Ich glaube, wir erleben tatsächlich gerade Geschichte an einem Wendepunkt.
  • Die Welt wird fragmentierter, wahrscheinlich zerbrechlicher.
  • Ich habe Drohschreiben erhalten, unser Haus wurde fotografiert und das Bild ins Internet gestellt.

Ist noch jemand wach? Dann haben wir noch die endgültige Schlafpille. Denn Schwab wird gefragt, wie es mit den wirtschaftlichen Beziehungen zu China (auch mit der dritten Garnitur am WEF vertreten) stehe: «Das ist die Frage, die dieses fliessende System besonders beschäftigen wird. Wie wird das Verhältnis der neuen westlichen Werteallianz zu China sein? Militärisch, aber auch wirtschaftlich.»

Falls es irgendwelche Antworten auf diese Frage geben sollte, bei denen man nicht sofort wegschnarcht; ZACKBUM wird berichten.

Kleine Umnutzung des früheren Russia House in Davos.

 

 

WEF, waff, wuff

Nach der Lobhudelei nun die Häme. So ungerecht ist die Journaille.

Keiner machte sich am WEF so zum Affen wie der «Blick»-Oberchefredaktor Christian Dorer:

Aber lange Jahre war der Treff der Wichtigen und Mächtigen in Davos nicht nur Bonanza für die lokale Hotellerie. Auch Journalisten ballten sich dort und hetzten sehnsüchtig möglichen Interviewpartnern hinterher.

Die Einladung zu einem Apero riche war dann jeweils der Höhepunkt der Berichterstattung; in Tuchfühlung mit Präsidenten und Weltenlenkern, Bill Gates einmal dabei zuschauen, wie er sich Brotbrösel vom Mund wischt, nicht zu toppen.

Heraus kam ausser Verschwörungstheorien («The Great Reset»), viel Blabla, viel aufgeblasener Wichtigkeit – nichts. Corona machte dann Schluss mit dem fröhlichen Reigen; damit das WEF nicht völlig in Vergessenheit gerät, beschloss der geniale Entertainer Klaus Schwab, den Anlass in den Frühling zu verlegen.

Am Montag geht’s los, und nichts könnte die Unwichtigkeit des Anlasses besser beschreiben als die Tatsache, dass Klaus J. Stöhlker in der «Weltwoche» darüber schreiben darf. Denn das WEF ist nur noch eine Karikatur seiner selbst – genau wie der Autor.

Denn der schreibt über alles mögliche, am liebsten aber doch über sich selbst: «Ich war von Anfang an dabei. Für amerikanische Topmanager, die nicht einmal genau wussten, wo die Schweiz liegt, musste ich Broschüren anfertigen, damit sie sich während ihres Anflugs auf Zürich Kloten und Dübendorf orientieren konnten, wohin sie unterwegs waren. Schweiz und Schweden, Switzerland and Sweden, waren Synonyme, die immer wieder zu Verwechslungen führten.»

Aber es kam noch schlimmer für die Schweiz: «Bald tauchten die ersten sehr reichen Familien aus Asien auf, die vor ihrem Besuch des WEF eine kurze Geschäftsreise durch die Schweiz machten. Manches Souvenir aus Silber oder Gold erinnert mich an Vorträge, die ich vor extrem reichen Kleinfamilien halten musste, um in einer Stunde «Switzerland, this exceptional country» und seine Funktionsweise zu erklären.»

Immerhin, sollte das nicht wie üblich etwas übertrieben sein, haben wir nun eine Erklärung, wieso viele US-Topmanager und reiche Asiaten ein ganz falsches Bild von der Schweiz haben. Berge, Käse und Alpentrottel, die einen merkwürdigen Mix aus Deutsch mit schweizerdeutscher Betonung sprechen, das haben wir nicht verdient.

Denn Stöhlker lässt den Leser auch post festum noch an seinen Erkenntnissen teilhaben, die zwar kreuzfalsch sind, aber mit der Sicherheit eines alternden Grandseigneurs vorgetragen werden: «Es wurde übersehen, dass Wladimir Putin Russland, von Jahr zu Jahr mehr, sanierte. Und Xi Jinping machte aus China eine Erfolgsstory sondergleichen. Aus der ehemaligen Kolonie der Briten wurde die zweitgrösste Wirtschaftsmacht der Welt.»

Dabei übersieht allerdings Welterklärer Stöhlker, dass Putin Russland keineswegs sanierte, sondern vor allem die technologische Rückständigkeit zementierte, mit einer Autokratie alle Reformentwicklungen abwürgte. Und dass China mal Kolonie der Engländer gewesen sein soll, das wüssten die Chinesen ausserhalb von Hongkong aber.

Was weiss Stöhlker noch so? Die Chefin des IWF wolle über Digital- und Kryptowährungen am WEF sprechen: «Was für ein Mist; diese sind soeben zusammengebrochen. Kein vernünftiger Mensch interessiert sich für derlei.» Was für ein Quatsch, natürlich gehört diesen Währungen die Zukunft, nachdem sie ein paar Kinderkrankheiten ausgestanden haben. Sie sind der wohl wirkmächtigste Angriff auf die Herrschaft der staatlichen Notenbanken seit deren Gründung.

Dann driftet der Digital-Native noch in ein Thema ab, von dem er nun wirklich keine Ahnung, aber genau deswegen eine klare Meinung hat: «Das Metaverse hat einen der auffallendsten Showplätze in Davos. Ja, der freie Westen driftet in das Metaverase ab, während Russland, China, Indien und mehr als hundert weitere Staaten, die in Davos nicht mehr vertreten sind, die Zukunft planen.»

Metaverase? Gute Bezeichnung für die Wolke, auf der Stöhlker schwebt und auf das bunte Treiben der Welt hinabblickt. Leider ohne Altersmilde und ziemlich unverständig. Aber wenn man ihn lässt …