Schwab schwatzt
Jeder darf alles heutzutage im Journalismus.
Klaus Schwab? War da nicht mal was? War der nicht mal wer? Hatte der nicht die Gockelparade WEF ins Leben gerufen und gefühlte 100 Jahre lang geleitet? Bis man ihn recht unschön abservierte?
Und gibt es da nicht den WEF-CEO Børge Brende, der schlappe 1,5 Millionen Franken als Chef einer steuerbefreiten, gemeinnützigen Stiftung verdient? Gibt es da nicht einen Stiftungsrat, normalerweise eine Sache im einstelligen Bereich, der ganze 30 Nasen umfasst? Verdienen nicht insgesamt 11 Spitzenkräfte pro Stück mehr als 900’000 Dollar im Jahr?
Und war da nicht was mit Kontakten von Brende zu Jeffrey Epstein, wofür er sich das Placet von Schwab eingeholt haben will, was der energisch bestreitet? Und fand der diesjährige Zirkus mit dem Imperator Donald Trump nicht in völliger Abwesenheit von Schwab statt, der nächste Jahr sein 40. Jubiläum hätte feiern können?
Und gäbe es zur Art und Weise, über die seine interimistischen Nachfolger stolperten, wie er abserviert wurde, nicht noch dies und das zu sagen, wenn überhaupt?
Aber wozu denn. Die «Bilanz» lud den 87-Jährigen zu einer «Carte Blanche» ein und ist sicher stolz darauf, mit diesem Namen prunken zu können. So stolz, dass der «Blick» das Geschwafel eilfertig übernahm.
In bester Tradition des WEF stapelt Schwab eine Wortblase auf die andere. «Wir stehen vor einer dramatischen, aber wenig greifbaren Krise. Wenn die Wahrheit instabil wird, verliert die Gesellschaft ihre Orientierung.» Wie wahr, wenn man das auf den Intrigantenstadl WEF anwenden würde.
«Unter der Oberfläche politischer Volatilität und technologischer Beschleunigung erodieren zwei Grundlagen: Wahrheit und Vertrauen.»
Wie wahr als Beschreibung der Zustände auf der Führungsetage des WEF.
«Parallel zu diesem Niedergang schwindet auch das Vertrauen.» Wie wahr, wenn man die Ereignisse rund ums WEF der letzten zwei Jahre Revue passieren lässt.
«Transparenz nicht als Leistung, sondern als Praxis; Rechenschaftspflicht nicht als Rhetorik, sondern als Routine.» Wie wahr. Wie war das nun genau mit den Vorwürfen gegen Schwab? Hat sich das alles in Luft aufgelöst oder blieb was hängen? Wurde er eiskalt abserviert, weil er sich zu lange an seinem Stuhl festhielt, oder hat er zwischen Meins und Deins nicht unterscheiden können?
«Die Warnung ist eindeutig: Keine Gesellschaft, keine Institution, kein technologisches System kann lange auf Fundamenten bestehen, an die niemand mehr glaubt.» Wie wahr. Rücktritt im Mai 2024 vom Tagesgeschäft, Peter Brabeck-Letmathe übernahm. Aufgrund der anonymen Denunziation eines Whistleblowers, die an die Medien durchgestochen wurde. Strafanzeige von Schwab, Untersuchung durchs WEF. Im April wurde er als Vorsitzender des Stiftungsrats zurückgetreten. Er verlangte eine Entschuldigung, die er nicht bekam, sein Bild verschwand von der Webseite des WEF.
Anschliessend trat auch Brabeck nicht ganz freiwillig zurück und beschwerte sich über ein toxisches Arbeitsumfeld beim WEF.
Also jemand, der viele Jahre lang der uneingeschränkte Herrscher über diese Zirkusveranstaltung war, wird mit einer üblen Hinterhofintrige mit anonymen Anschuldigungen und Bearbeitung der Medien von seinem Stuhl geschossen; sein Nachfolger beklagt sich ebenfalls über unerträgliche Arbeitsbedingungen.
Und so jemand will die Welt, zumindest die Leser von «Bilanz» und «Blick«, mit seinen weihevollen Worten über Wahrheit und Vertrauen zusossen? Gibt es wenigstens einen wahren Grund dafür, auf den man vertrauen kann?
Aber sicher: in seiner reichlich vorhandenen Freizeit hat Schwab das Werk «Restoring Truth and Trust» herausgegeben, erschienen im Eigenverlag «Schwab Academy». Amazon-Bestsellerrang: 611’509. Ach so.












