Schlagwortarchiv für: Kindersoldaten

Nachzug, komm heraus,

du bist umzingelt. Dieser hier ergab sich nach zähem Widerstand dem «Blick».

Eine der gefürchteten Fragen des Chefs im Newsroom ist: und, was haben wir als Nachzug? Da ducken sich alle, auch wenn das ein Chief Content Officer oder ein Head on and off oder welcher Häuptling mit merkwürdigem Kopfschmuck auch immer fragt.

Geschichte der Attentate?, meldet sich  der erste Kindersoldat des «Blick». Unwirsches Abwinken, haben wir schon. Sicherheitsexperte interviewen, wagt sich der Nächste aus der Deckung. Wegwerfende Handbewegung. Analyse, ob damit Trump die Wahlen gewonnen hat? Ist schon längst in der Mache.

Dann herrscht ein Weilchen tiefes Schweigen. Bis dann einer der wenigen überlebenden Altredaktoren sagt: Schweizer Aspekt. Aha, meint irgend ein Chief (oder Head), guter Ansatz, und wie weiter? Wieder tiefes Schweigen. Dann endlich die Erlösung: wie werden eigentlich unsere Bundesräte geschützt?, fragt einer. Irgend ein Chief weiss, was eine Gelegenheit ist: genau, wollte ich auch gerade vorschlagen, ich übernehme den Lead.

Allgemeines Aufatmen, Business as usual. Einige checken ihre Social Media Kanäle. Andere schnipseln Tickermeldungen zusammen. Dritte googeln irgendwas.

Dann rapportiert die eilig gebildete «Task Force». Allerdings wird das Gesicht des Heads (kann auch ein Chief sein)  immer grimmiger. Denn, nun ja, unsere Bundesräte laufen halt meistens einfach so herum. Keine Bodyguards, keine gepanzerten Limousinen, kein Secret Service, der jeden Gullydeckel aufschraubt. Keine Scharfschützen auf allen Dächern. Riesenmist. Da geht doch noch was, sagt der Headchief, ich will Resultate sehen, und zwar in einer Stunde.

Da werden dann alle Lappalien zusammengekratzt:

«An offiziellen Veranstaltungen, an denen ein Bundesrat angekündigt ist, seien automatisch Mitarbeiter des Bundesamts für Polizei (Fedpol) dabei, verriet Bundesrat Beat Jans (60) kürzlich in einem Interview.»

Hier erreicht der Kratzlöffel dann schon den Boden des Gefässes: «Das Fedpol will sich punkto Bundesratsschutz nicht in die Karten schauen lassen. Gegenüber Blick teilt das Amt mit: «Zu konkreten bestehenden oder möglichen Massnahmen äussern wir uns nicht, um diese in ihrer Wirkung nicht zu beeinflussen.»» Wow, das Fedpol sagt, dass es nichts sagt. Das ist doch vielsagend und muss vermeldet werden.

Dann gewaltiger Rehash, Berset während Corona. Sicherheitscheck bei alt Bundesrat Hans-Rudolf Merz zu Hause. Moritz Leuenberger musste seine Blutgruppe angeben. Schnarch. Ist das alles, fragt der Chiefhead erschüttert.

Nun gut, dann noch der Sprengsatz an der Bundesfeier auf dem Rütli anno 2007. Die Bombe bei Rudolf Friedrich 1984. Und natürlich das Zuger Kantonsparlament 2001.

Aber ingesamt: tote Hose in der Schweiz. Blöd gelaufen. Nix los. Aber da kann nicht ein Headchief plus ein paar Indianer ein paar Stunden vergeblich durchs Archiv gerannt sein. Also schön mixen, Fragetitel drauf, Foto hintendran, und ab die Schneckenpost zur Leserlähmung.

Früher hätte man das in den Papierkorb geschmissen. Heute klatscht man es ins Internet. So ändern sich die Zeiten.

 

Blütenlese «Blick»

Wie ein Online-Auftritt verludert.

Online, das weiss jedes Kind, aber nicht jeder «Blick»-Kindersoldat, ist ein schnelles Medium. Print präsentiert am frühen Morgen das, was bis gestern Nacht so gegen 23 Uhr passierte. Anschliessend ist Druck und Distribution.

Online geht zackzack. Marc Walder, CEO von Ringier, hatte mal beim Start von «Blick TV», seinem «Herzensprojekt»,  die Direktive ausgegeben, dass jedes wichtige Ereignis auf der Welt innert weniger Sekunden dort in Bild und Ton wiedergegeben sein müsse. Schliesslich habe man dafür eine Kooperation mit CNN. Und mit Ladina Heimgartner eine erfahrene TV-Frau an Bord geholt.

Nun ja, «Blick TV» ist inzwischen im Koma und künstlich beatmet, Stück für Stück demontiert. Ein Flop halt. Nicht der erste. Auch nicht der letzte.

Aber zurück zur Blütenlese im «Blick». Da gibt es zum Beispiel die Rubrik «In eigener Sache». Aktualität ist dort die Sache nicht:

Diese brandheisse, aber nicht brandneue News steht dort zuoberst. Seit dem 27. September, immerhin 2023. Sie wurde auch mal aktualisiert, allerdings am 27. September. Aber alles ist relativ. Schauen wir uns die nächsten drei Meldungen in diesem Gefäss an:

Sie sind vom (von links nach rechts) 21. September, vom 6. September (allerdings 2022) und vom 1. September, aber wieder immerhin 2023.

Gut, es mag ja auch beruhigend sein, dass in «eigener Sache» gar nicht so viel zu vermelden ist. Alles ruhig im Hause Ringier. Sozusagen Grabesstille.

Verblüffend hingegen, dass es auch in der Paradedisziplin «People» ewige Werte gibt:

Mit dieser Nachricht erfreut uns «Blick+» seit dem 5. Oktober dieses Jahres zuoberst in diesem Gefäss. Aber immerhin eine Eigenleistung, für die man ungeniert Geld verlangen kann. Nein, nicht wirklich; der Artikel wurde aus dem Konzernorgan «GlücksPost» übernommen:

Gut, dort prangt ein anderes Foto, auf dem Pepe Lienhard allerdings irgendwie älter aussieht als im «Blick». Und der Hund musste auch weg. Aber auf jeden Fall eine Spitzenleistung  von «Blick+», das Bezahlen lohnt sich sicher. Nun ja, zumindest den Anfang der Story (und will man wirklich mehr lesen?) kann auf der Webseite der «GlücksPost» gratis haben. Sagt da einer Leserverarschung? Ein wiederholter Kaktuspenis, beim zweiten Mal gegen Bezahlung, und dann so etwas? Nein, da sagt im Hause Ringier sicher niemand Leserverarschung. Denn das könnte die Arbeitsplatzsicherheit ernsthaft gefährden.

Aber wenigstens das brandaktuelle Ressort «Ausland» brilliert doch sicher mit den neusten Meldungen vom verbrecherischen Überfall auf Israel. Nun ja:

Nur wer bezahlt, bekommt Zugang zu diesem Bericht aus der Ukraine. Vom 6. Oktober 2023.

Aber ach, der hier ist einfach zu schön (und auch schon nicht mehr der Jüngste), um ihn nicht immer wieder zu zeigen. Sagt sich der «Blick», sagt sich ZACKBUM:

So ein Kaktuspenis passt doch immer dazu.

Als Absackerchen noch unser absoluter Liebling, dazu noch brandaktuell (also zumindest auf der «Blick»-Homepage). Ein gewaltiges Thema, ein Durchbruch der Erkenntnis, eine Taktik, die vielleicht auch den Ukrainekrieg entscheidend beeinflussen wird:

Sich auf den Boden fallen lassen, dass wir da noch nicht darauf gekommen sind. Nun, das scheint allerdings das normale Verhalten der Kindersoldaten im «Blick»-Newsroom zu sein, wenn sie von einer News angegriffen werden. Hier allerdings waren sie noch knapp in der Lage, diese SDA-Tickermeldung ins Blatt zu heben.

Oder aber, die ganzen neu installierten Heads, Offiziere, Chiefs und sonstigen Bedenkenträger sind immer noch völlig damit ausgelastet, die Hackordnung untereinander auszukämpfen. Und deswegen kommen sie fast nicht dazu, ihrer eigentlichen Aufgabe nachzugehen. Nur: wie lange das der Leser mitmacht?

Da erhebt sich die Frage: wofür? Worin besteht die Gegenleistung?

Blöd-«Blick», reloaded

Aus der Verrichtungsbox im Newsroom.

Wir brauchen neue Storys über Putin, sagt der Tagesleiter im Newsroom, und die Kindersoldaten, mit nichts mehr bewaffnet als einem Computer mitsamt Internetanschluss, machen sich auf die Suche. Sie picken und scharren und rufen schliesslich kikeriki.

Genaueres regelt dann die Bildlegende im Artikel:

Der Beweis: schlaff herunterhängender Arm. Und überhaupt, wer sich mit der linken Hand am rechten Ohr kratzt, hat ein Problem.

Aber damit nicht genug der verblüffenden Neuigkeiten von und über Putin. Trotz schlaffem Arm sorgt sich der Kremlherrscher nämlich auch um seine Zukunft:

Normalerweise gehören Fluchtpläne von Diktatoren und Autokraten zum Geheimsten, was es so gibt auf der Welt. Hier aber hat «Blick» eine verlässliche Quelle aus erster Hand: das schreibe «auf Telegramm ein Russe, angeblich Kreml-Insider und ehemaliger Geheimdienst-Offizier».

Dieser angebliche Insider weiss um die Vorbereitungen Putins, sollte die Invasion der Ukraine scheitern und die Stimmung in Russland gegen ihn umschlagen: «In diesem Falle würde Putins Flugzeug bereitstehen. Er würde mit seiner Familie und seiner Gefolgschaft nach Syrien flüchten und dort im Exil leben wollen, behauptet der Telegramm-Kanal von «General SVR»

Ein Fluchtplan ist allerdings nur so gut wie sein Flugplan. Und da sieht dann der «Blick» ein klitzekleines Problem: «Der Flug von Russland nach Syrien würde jedoch durch den Luftraum der Türkei führen, ein Nato-Mitgliedsstaat. Würde der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan (68) dem Putin-Flieger die Erlaubnis verweigern, würde dies die schnellste und möglicherweise einzige Fluchtroute Putins zunichtemachen.»

Das wäre dann echt blöd für Putin, wenn er flüchten will, aber nicht fliegen kann. Aber es gibt noch einen Plan B: den Iran. Sollte das mit Syrien nicht klappen, dann halt bei den Mullahs und Ayatollen in Teheran.

Frage: will uns damit der «Blick» auf seinen schlaffen Arm nehmen?