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Neues aus der Manosphere

Hitzschlag bei Tamedia? Männlichkeit im Wahnsinn.

Wieder einmal wird der Mehrheit der Leser Unerquickliches serviert. Tagi-Redaktorin Sabrina Bundi will wissen: «Jeder fünfte Schweizer Mann hegt restriktiv-dominante Männlichkeitsvorstellungen». Seither fragt sich ZACKBUM, wer aus unserem Bekanntenkreis, der mehr als fünf Männer umfasst, diese Ferkel sein mögen.

Natürlich fokussiert sich der Verdacht auf Junge: «Bei 18- bis 24-Jährigen sind es sogar 31 Prozent, die zur Hochrisikogruppe zählen

Bundi ist einschlägig als Manosphere-Kreische bekannt und erregt sich auch darüber, dass Präsident Trump (die völlig richtige) Zahl von 72 Prozent Ausländern in Schweizer Gefängnissen verwendet hat. Die ist natürlich durch so einen kontaminiert und nicht mehr zu gebrauchen. Wir kommen darauf zurück.

Hier bezieht sie sich auf «eine neue Studie», die vom «Jacobs Center for Productive Youth Development, Universität Zürich» veranstaltet wurde. Lähmend lange 102 Seiten verwendete es darauf, zu behaupten, jeder fünfte Mann sei «beispielsweise der Meinung, dass Gewalt ein legitimes Mittel sei, dass ihm gegenüber einer Frau eine Vormachtstellung zusteht, oder dass ein echter Mann niemals Emotionen zeige».

Mitverfasser ist Markus Theunert, Co-Geschäftsleiter von männer.ch. Der Berufsbetroffene fiel schon durch unverschämtes Geplapper über die beiden #metoo-Opfer Kevin Spacey und Till Lindemann unangenehm auf. Mit einem Rechtsverständnis, das in einem Rechtsstaat eigentlich keinen Platz haben sollte. So antwortete er auf die Frage, dass mit Falschanschuldigungen hier eine Karriere ganz und eine andere teilweise zerstört wurde:

«Die Anschuldigungen erwiesen sich ja nicht als falsch, sondern in den beiden konkret untersuchten Fällen als strafrechtlich nicht genügend. Bei beiden Männern gibt es von zahlreichen Menschen ähnliche Anschuldigungen. Es ist für mich schwer vorstellbar, dass da einfach nichts dran sei.»

Hier jammert er: Er «musste kurz leer schlucken, als er die Studienresultate sah – obwohl er sie erwartet hatte: «Wir haben gefunden, was wir vermutet haben.»»

Das ist eine verräterische Aussage, denn diesen Umfragen wird zu recht vorgeworfen: Wenn beispielsweise eine Studie «toxische Männlichkeit», «Frauenfeindlichkeit» oder «Bedrohungsgefühle» untersucht, basiert dies auf Fragebögen und daraus konstruierten Indizes. Die Ergebnisse hängen deshalb stark davon ab,

  • wie Fragen formuliert werden,
  • welche Antworten zusammengefasst werden,
  • wo die Schwellenwerte gesetzt werden.

«Manosphere, misogyne Ideologie, restriktiv-dominant, diskriminierende Einstellungen», kein Kampfbegriff darf fehlen. Und natürlich auch das hier nicht: «Im Jahr 2025 starben 34 Personen wegen häuslicher Gewalt. Drei von vier waren Frauen.» Genauer waren es 23 Frauen, 5 Männer und 6 Minderjährige, was einen Frauenanteil von 67,65 Prozent ergibt. Aber Frauen und Mathematik …

Übrigens gibt es rund 4 Millionen Privathaushalte, womit die Todesquote bei 0,00085 Prozent läge, gerundet bei 0,00.

Aber was interessieren ideologische Fanatiker schon Zahlen, die nicht ihrem Weltbild entsprechen. Übrigens, etwas anderes passt da auch nicht rein. Gibt es eigentlich, wie formulieren wir das politisch korrekt, soziologische, geographische, migratorische Hintergründe zum Entstehen dieser männlichen Vorstellungen?

Nun, räusper, hüstel, Mund verzieh, in einem klitzekleinen Teil einer länglichen Aufzählung wird doch tatsächlich erwähnt, dass bei jungen Männer mit Vorstellungen dominanter Männlichkeit «ihre Väter ausserhalb der Schweiz in patriarchalen Strukturen geboren wurden».

Nein, darf man hier das Wort von Männerfantasien in patriachalisch-islamisch geprägten Kulturen verwenden? Nein, darf man sicher nicht, obwohl das natürlich eine Hauptursache ist.

Da relativiert sich doch auch gleich die Aussage, dass frauenverachtend «jeder fünfte Schweizer Mann» denke.

Denn die Aufteilung nach der Hochrisikogruppe von Männern ergibt dann blöderweise dieses Bild:

Wobei erstaunt, dass Ex-Jugoslawien der Spitzenreiter sein soll, während die Moslems aus Nordafrika & naher/mittlerer Osten lediglich zu 30 Prozent zu dieser angeblichen Gruppe von Frauendiskriminierern gehören.

Allerdings ist ein Umfragesample von ganzen 177 Teilnehmern aus Ex-Jugoslawien und 136 aus Afrika & Co. alles andere als repräsentativ. Nordamerika, Australien, Neuseeland mit 30, Subsahara-Afrika mit 40 oder Ostasien/Polynesien mit 65 Vertretern wurden hingegen «wegen zu kleiner Fallzahlen» ausgeschlossen.

Dass ganz allgemein Gewalttätigkeit einen überproportional hohen ausländischen Hintergrund hat, ist eine Tatsache. Aber die wird  von Studien-Mitautor Denis Ribeaud weggeschwurbelt: «Wichtig ist mir, in diesem Kontext festzuhalten, dass wir Herkunft nicht als Ursache verstehen, sondern als Hinweis auf unterschiedliche soziale und strukturelle Bedingungen.»

Eine Umfrage, deren Antworten das ergeben, was die Fragen insinuieren. Garniert mit allen Kampfbegriffen von Manosphäre abwärts, deren wissenschaftliche Belastbarkeit mehr als fragwürdig ist. Wobei der Faktor Zuwanderung weiträumig umfahren wird. Ein voreingenommener Studienmitarbeiter, eine völlig unkritische Tamedia-Redaktorin: welch eine Mischung.

Ein übles Gebräu, das der überwiegenden Mehrheit der Tamedia-Leser (männlich, weiblich und beyond) sauer aufstösst.

Darf man vielleicht fragen, wieso es keine Untersuchungen zum Männerhass bei Frauen und Frauenverstehern gibt?

Tagi am peinlichsten

Pascal Blum erklimmt den Gipfel der Beknacktheit.

Der Redaktor bei Tamedia ruinierte seinen Ruf schon durch unappetitliches Nachtreten gegen Kevin Spacey. Nachdem der grossartige Schauspieler von allen Anschuldigungen freigesprochen worden war, versuchten noch ein paar Nachzügler, sich ihre 15 Minuten Ruhm zu holen. Was Blum zu einem widerlichen Artikel mit einem widerlichen Titel animierte: «Neue Vorwürfe gegen Kevin Spacey: Wie kann man zu «Saving Private Ryan» masturbieren

Inzwischen ist Blum der König der Schneeflocken, der King der Achtsamkeit geworden, niemand kann ihn beim Thema woker Wahnsinn übertreffen. Zunächst legt ZACKBUM Wert auf die Feststellung, dass das keine Satire ist, höchstens Realsatire:

Hier verabschieden wir uns von unseren nicht-schweizerischen Lesern, denn: «Ungeniertes Anschauen im öffentlichen Raum scheint typisch schweizerisch zu sein. Betroffene erzählen, wie sich der Blick anfühlt – und was er über unsere Gesellschaft verrät.»

Vergesst sexistische Sprüche, vergesst Catcalling, vergesst übergriffiges Verhalten, vergesst frauenfeindliche Bemerkungen, vergesst Populismus, Rassismus und Diskriminierung. Jetzt reden Betroffene über eine bislang unbekannte Form der, nun ja, wovon eigentlich? Virtuellen Vergewaltigung? Nein, das ist eine andere Erfindung. Belästigung? Im Prinzip ja.

Denn es soll den sogenannten «Swiss Stare» geben. Hat den Vorteil, dass es alliteriert, was bei einem sinnentleerten Begriff schon mal gut ist. Woher der kommt? «Im Netz finden sich zahlreiche Beiträge über diese nationale Eigenheit: Wir starren andere Menschen im öffentlichen Raum unaufhörlich an

Ganz schlimm: «Reisende warnen einander in Onlineforen.» Aber auch hier Lebende leiden darunter: «Nelson* erlebt die starrenden Schweizerinnen und Schweizer jeden Tag.» Allerdings traut er sich nicht, mit seinem richtigen Namen zu dieser Behauptung zu stehen. Aber er weiss: «Besonders interessant finde ich den Blick, den ich bekomme, wenn ich im Anzug zur Arbeit gehe oder generell gut gekleidet bin. Da schwingt oft Selbstgefälligkeit mit, aber auch eine Bewunderung für etwas Niedliches – fast so, wie man einen Schimpansen im Smoking anstarren würde

Blum schiebt des Rätsels Lösung nach: «Nelson ist schwarz und lebt und arbeitet in der Schweiz.» Und fühlt sich als Schimpanse im Smoking angestarrt. Hoffentlich braucht er keine therapeutische Unterstützung.

Nach diesem putzigen Beispiel kommt unweigerlich waseliwas? Richtig gestarrt, äh, geraten, die «Psychologieprofessorin Anne Böckler-Raetting an der Universität Würzburg» freut sich, in die Medien zu kommen. Und sei es auch nur in die unterste Schublade beim Tagi. Allerdings sagt sie nichts Nennenswertes, so dass Blum gleich wieder auf «Onlineposts» zurückgreifen muss.

Da kommt es aber knüppeldick:

«Der intensive Blick dringe in die Privatsphäre ein und sei vergleichbar mit einer unerwünschten Berührung.»

Seit Blums Kollege Beat Metzler den Blick-o-Meter erfunden hat, ohne ihn so zu nennen, wurde der übergriffige Gehalt von Blicken nie mehr so brutal entlarvt wie durch diese Schneeflocke. Bei Metzler war’s noch ein Beitrag zu Männer sind Schweine: «Dabei würden viele Männer den Blick, den sie Frauen zumuten, selber gar nicht ertragen.»

Man stelle sich vor, was passiert, wenn sich Männer mit diesem Blick im Spiegel anschauen. Das wäre für sie unerträglich, sie würden ohnmächtig zu Boden sinken oder zu Stein erstarren. Männer als Medusa, auf die Idee muss man mal kommen.

Bei Blum ist das Starren aber geschlechtsunspezifisch, sondern wird am Schweizertum festgemacht. Das hat nun allerdings übel riechendes Rassistisches, ein ganzes Volk pauschal zu Starrern zu erklären.

Diese eidgenössische Unsitte ist gegenüber Nachpfeifen auf der Strasse und solchen Schweinereien noch viel gefährlicher: «Der «Swiss Stare» geht aber weit über alltagssexistische oder -rassistische Muster hinaus. Schweizerinnen und Schweizer starren sich auch gegenseitig an

Für einmal sind nicht nur Frauen (and everybody beyond) Opfer: «Auf den Strassen und Trottoirs wird der ungenierte Blick derweil zum Teil eines Machtkampfs, nicht selten zwischen Männern: Wer als Erstes ausweicht, hat verloren

Vielleicht, aber nur vielleicht, war neben Morgenstern und Hellebarde dieses Starren die Geheimwaffe der alten Eidgenossen, mit der sie die Gegner in die Knie zwangen.

In diese Richtung denkt auch eine weitere anonyme Angestarrte: «Kali hat ein fast poetisches Verständnis von den Situationen gewonnen, in denen sie angestarrt wird. Manchmal komme es ihr vor, als würden die Vorfahren der Schweizerinnen und Schweizer sie bei den Blicken mitbeobachten, sagt sie. Und dann frage sie sich, ob das in den Blicken auch mitschwingt: Vielleicht ist es ja ein Gruss dieser Ahnen an ihre eigenen Vorfahren

Nein, auf diesen Absatz kann man noch so lange starren, er ist und bleibt unverständlich. Schweizer Ahnen starren über die Jahrhunderte hinweg die Ahnen dieser Kali an? Irr.

Nach diesem Starrkrampf von Artikel gibt es eigentlich nur zwei Möglichkeiten. Sie betreffen wie geschrieben nur Schweizer Leser, denn wir sind hier in Rassenkunde unterwegs.

Also, guter Ratschlag: hört endlich auf, unangenehm und übergriffig andere Menschen anzustarren. Denn ihr wollt doch sicher nicht selber angestarrt werden.

Oder aber, wenn ihr das Pech habt, dem Autor dieses Schwachsinns zu begegnen, dann starrt ihn in Grund und Boden. Auf dass er erstarre und einen Schreibkrampf erleide. Bevor seine Leser einen Schreikrampf kriegen.

 

Tief unten

Wieso hält niemand die NZZaS auf?

Die NZZ-Aktionäre waren friedlich gestimmt und winkten an der GV alles durch. Dabei half sicherlich die verfehlte 200-Franken-Dividende, die sich der Verlag eigentlich gar nicht leisten kann.

Während das Stammblatt einigermassen Kurs hält, kennt die NZZaS eigentlich nur das Motto des französischen Autors Joris-Karl Huysmans: «Là-bas», Tief unten. Falls noch so viel Bildung auf der Redaktion existiert.

«Mein Kind ist in der Kita. Droht ihm dort Gefahr?» Da müsste der SoBli protestieren, dass ihm die Konkurrenz ein Boulevard-Thema wegnimmt. Und wenn schon Hemmungslosigkeit ausgebrochen ist: «Lasst Timmy sterben!» Was der Wal aber zur Begeisterung des Publikums ums Verrecken nicht tut. Man vermisst irgendwie eine Teilnahme an der Debatte, ob in Zürich Tauben gekeult werden dürfen oder nicht.

Aber die Kita-Krise gibt schon genug skandalisierbaren Stoff: «Nach Jahren des Wachstums befindet sich die Kita-Branche in einem prekären Zustand.» Beweis? «Das zeigen auch Hilferufe von Betreuerinnen auf Social Media». Echt jetzt?

Die Letzten, die sich an einem Kita-Bashing versuchten, waren die Demokratieretter von der «Republik». Und gingen wie üblich mit ihren unbelegten Vorwürfen baden.

Die NZZaS versucht es mit der Luftpumpe. «Mitte Juni letzten Jahres ging bei einem Ausflug ein «kleiner Bub» verloren». Und wurde in der Obhut eines Buschauffeurs aufgefunden. Furchtbar, ein Systemversagen. Denn «der Fall steht nicht isoliert da». Erst kürzlich ging ein kleiner Bub « am Zürcher Glattpark-See vergessen». Jesses, zwei Fälle. Früher brauchte es für eine Welle mindestens drei. Aber bei den allgemeinen Sparmassnahmen …

Und dann die Übergriffe. Immerhin zwei aktuelle Fälle. Aber für die «tragischen Wiederholungen» muss weit in die Vergangenheit gegriffen werden. 2011, 2019. Immerhin, das sind vier, also eindeutig eine Welle. Und heutzutage kommt dann schnell die Frage auf: «Sollen Männer überhaupt in Kitas arbeiten?» Denn fast alle Übergriffe werden von pädophilen Männern verübt. Deshalb gibt es in Australien bereits einen «nappy ban». «Den männlichen Pädagogen ist es seither verboten, Windeln zu wechseln oder Kinder auf die Toilette zu begleiten

Weil die Doppelseite trotz Riesensymbolbild und dem wie immer absonderlichen Editorial von Beat Balzli noch nicht voll ist, halt noch ein Kasten mit Kommentaren einer Facebook-Gruppe «von Kita-Betreuungs- und Leitungspersonen». Das nennt man heutzutage eine harte Recherche.

Dann räumt der Orbán-Ersatz in Ungarn offenbar bereits kräftig auf. Immerhin ein witziger Titel über einer nicht ganz taufrischen Story: «Zittern auf goldener Toilette».

Überhaupt scheint die Produktion einen Scherzkeks gefrühstückt zu haben. Über neue Gewohnheiten auf dem Bau: «Linie statt Lager hell». Allerdings doch etwas hingeprügelt, so wie das Symbolbild mit fremder Geldnote:

Dann die schon fast obligatorische Haut-die-SVP-Story. Ein japanischer Konzern will 3000 Arbeitsplätze ins Limmattal bringen. «Und die SVP muss sich nochmals fragen, wie sie zum Wachstum steht». Hallo SVP, bitte antworten, die NZZaS wartet.

Dann wieder Abteilung Sauglattismus auf dem Boulevard: «Showdown der Superspermien». Soll das ein Angebot an den SoBli werden, die beiden Blätter zusammenzulegen?

Als wäre es der NZZaS selber peinlich, kommt dann aber endlich ein Artikel, der ganz, ganz oben ansetzt: «Was hält diese Welt eigentlich noch zusammen?» Gute Frage, aber leider soll sie Hans Joas beantworten. Hans who? Der «Soziologe und Philosoph» hat leider nur philosophisches Kleingeld dabei und mäandert etwas um die regelbasierte Weltordnung gestern, heute und vorgestern herum.

Mit Ausflügen ins Absurde: «Ich sehe grosses Potenzial in einem Bündnis global aufgestellter Religionen.» Wunderbar, angeführt von Donald Trump, Benjamin Netanyahu und einem noch nicht liquidierten Religionsführer aus dem Iran wird diese Gemeinschaft dann Friede, Freude, Eierkuchen verbreiten.

Die Wirtschaft, oh je, versucht’s mit einer Titelstory über – Weleda. Ja, diese anthroposophisch angehauchte Hautpflegebude. Dann lebt Klaus Schwab offenbar immer noch, was schön für ihn ist. Benjamin Triebe erklärt anhand des Ölpreises langatmig, was ein ein Margin Call ist und wieso der gefährlich sein kann. Dafür schaut man sich besser den wohl genialsten Film über die Finanzbranche an: eben «Margin Call». Kevin Spacey wie immer grossartig, sogar Demi Moore liefert ab, und Jeremy Irons als Big Boss ist unerreicht. Von der Story ganz zu schweigen; endlich versteht hier auch der Laie, welcher Wahnsinn in den grossen Finanzhäusern regiert.

Nicht viele Tierfreunde macht sich dann die NZZaS mit der ausführlichen Darstellung, wie segensreich so ein Walkadaver am Meeresgrund sein kann, dank ihm entstehe «ein einzigartiges Ökosystem». Ob man dem Blatt vielleicht sagen sollte, dass dieser Timmy mit seiner Höhe von 1,6 m aus dem flachen Wasser ragt?

Und wenn sie schon dabei ist, sich Freundinnen zu machen:

«Frauenherrschaft gab es noch nie».

Wumms. Denn «für die Existenz eines Matriarchats gibt es bis heute null Belege». Hui, das kann Ärger geben.

Die Hochkultur widmet sich dann tatsächlich dem Biopic über Michael Jackson. Auch hier ist der Titel noch das Beste: «Weder schwarz noch weiss». Wer dann schon immer mal wissen wollte, was eine «Belieberin» ist (nein, nicht das, was einige männliche Schweine unter den Lesern jetzt denken), sollte unbedingt S. 52 lesen. Alle anderen: einfach überblättern.

Tja, und damit hat sich’s auch fast ausgeblättert. Und man ist geplättet, um diesen Kalauer nicht ungenutzt zu lassen.

Wenn das so weitergeht, wird der Sonntag noch zeitungsfrei.

 

 

 

Achtung, «Spiegel»

Schon wieder? Ist’s diesmal wenigstens wahr?

Nach der verbalen Belästigung, nach der Beweisumkehr, dass die Beschuldigung sexuelle Belästigung nicht bewiesen werden muss, weil sie auch auf einem Gefühl beruhen kann, gibt es jetzt neu die «virtuelle Vergewaltigung».

Weiss auf Schwarz schenkt der «Spiegel» seine neuste Titelgeschichte über angebliche «sexualisierte Gewalt» ein. Das letzte Mal ist das nicht wirklich gut gegangen. Der Frontalangriff auf den Sänger von «Rammstein» endete kläglich und peinlich.

Nun also eine Schauspielerin und Moderatorin, die nach einer Scheidung ihren Ex-Mann beschuldigt. «Der soll pornographische Bilder und Videos verschickt haben, in denen Frauen auftreten, die ihr täuschend ähnlich sehen». Er soll sich zudem über Fake-Accounts als Collien Fernandes ausgegeben und mit Männern zum Telefonsex verabredet haben.

Woher der «Spiegel» das wissen will? Von Fernandes:

«Später soll er angefangen haben, über die falschen Profile zu sprechen, über die darüber verschickten Fotos und Videos, den Telefonsex. Er müsse ihr etwas beichten, soll er gesagt und dabei am ganzen Körper gezittert haben. »Ich war das, ich habe das getan«, habe er dann erklärt. So erzählt es Fernandes.»

Was sie getan hat: «Fernandes erstattete Ende 2025 in Spanien Anzeige gegen Ulmen, es geht um verschiedene Delikte: Anmaßung des Personenstands, öffentliche Belei­digung, Offenlegung von Geheimnissen, wiederholte Kör­perverletzung im familiären Nähe­verhältnis und schwere Bedrohung. Ihre Anwälte reichten den 40-seitigen Schriftsatz beim Bezirksgericht in Palma de Mallorca ein, bei der Abteilung, die Gewalttaten gegen Frauen verfolgt.»

Der Beschuldigte will sich zu den Vorwürfen nicht äussern. In den 34’500 A der Titelgeschichte streut das Hamburger Blatt nebenbei ein: «Das Verfahren in Spanien befindet sich noch in einem frühen Stadium, für Ulmen gilt die Unschuldsvermutung.»

Um fortzufahren: «Die Recherchen des SPIEGEL legen nahe, dass das Paar eine toxische Beziehung geführt hat, die über viele Jahre mutmaßlich von Machtdemons­trationen, Manipulationen und teils auch Übergriffen Ulmens geprägt war.»

Wenn die Unschuldsvermutung tatsächlich noch etwas gelten würde, hätte das Schweigen des Beschuldigten den «Spiegel» zumindest zu Vorsicht anhalten sollen.

Denn es gibt nicht nur Rammstein, es gibt nicht nur das Relotius-Problem, das bis heute anhält. Nämlich dass dessen Fälschungen nur möglich waren, weil sie Narrative der «Spiegel»-Leitung bedienten.

Das letzte Mal, als der «Spiegel» einer angeblich übel sexistisch misshandelten Frau das Wort erteilte, stellte sich im Nachhinein heraus, dass fast alle ihre Anschuldigungen falsch oder nicht beweisbar waren. Dennoch kosteten sie dem Beschuldigten seine Reputation und seine Karriere.

Besonders bitter für ihn war, dass er aus Geldmangel den Versuch aufgeben musste, den «Spiegel» ins Recht zu fassen. Nur Roger Schawinski ging damals der Sache auf den Grund und veröffentlichte seine Recherche als Buch, In dem er überzeugend darlegte, wie der ehemalige Chefredaktor zum Opfer einer frustrierten Karrieristin wurde.

Aber aus dieser Peinlichkeit scheint der «Spiegel» nichts gelernt zu haben. Rico Bandle zählt in einem lesenswerten Kommentar («Im Sog der Empörung») in der NZZ eine ganze Reihe von Fällen auf, in denen das vermeintliche Opfer der Täter war und der angebliche Täter das Opfer wurde.

Andreas Türk, Jörg Kachelmann, Till Lindemann, Luke Mockridge und auch Kevin Spacey: «Den Machtmissbrauch von Männern zu enttarnen, ist fast schon zu einer eigenen journalistischen Disziplin geworden

Natürlich ist es denkbar, dass die Vorwürfe hier zutreffen. Dann ist der Ex-Mann der Schauspielerin wirklich ein besonders abstossender Widerling. Wobei auch sie, wie ihre Vorgängerin im «Spiegel», trotz angeblich schrecklicher Behandlung jahrelang bei ihm blieb.

Sollte sich aber herausstellen, dass die Anschuldigungen auch hier nur teilweise oder im rechtlichen Sinn gar nicht zutreffen, dann ist wieder einmal eine Karriere zerstört.

Noch absurder: inzwischen gibt es Demonstrationen auf den Strassen, machen sich männliche Kampffeministen schwer von der Urschuld niedergedrückt, ein Mann zu sein, tiefschürfende Gedanken, wieso ein solch absonderliches Verhalten wie hier behauptet, angeblich alle Männer etwas angehen würde.

Von denen werden entweder Schuldbekenntnisse oder öffentlich geäusserter Abscheu erwartet. Was angeblich gute Freunde des Schauspielers bereits tun und sich, damit die Sonne der Aufmerksamkeit auch auf sie scheint, öffentlich von ihm distanzieren.

Dass er schweigt, ist wohl nicht die beste Taktik, mit diesen Anschuldigungen umzugehen. Allerdings sollen seine Anwälte bereits Schriftsätze vorbereiten, die den wieder im roten Bereich drehenden Medien Mores lehren sollen. Im Fall des Sängers von Rammstein ist das dem auch hier beauftragten Anwalt vorzüglich gelungen.

Trotz allen Bemühungen des «Spiegel», von einem einzigen Fall auf eine ganze Welle im Internet zu schliessen: diese Problematik geht an der Lebenswirklichkeit von 99 Prozent der Leser vorbei. Bei ZACKBUM sind es 100 Prozent.

Fernandes trat gestern bei einer Demonstration auf – mit schusssicherer Weste, nachdem sie zuvor ihr Erscheinen wegen angeblichen Morddrohungen abgesagt hatte. Wenn das keine geschickte Erregungsbewirtschaftung ist …

 

Medien-Meute

Nichts Schlimmeres, als nicht recht zu haben.

Es war der Höhepunkt der #metoo-Hysterie. Reihenweise wurden Stars und Sternchen angeblicher sexueller Übergriffe beschuldigt, die oftmals Jahrzehnte zurücklagen.

Kevin Spacey, der geniale Schauspieler («House of Cards»), wehrte sich erfolgreich dagegen. Freispruch auf ganzer Linie – aber finanziell ruiniert und ohne Aufträge.

Ein weiterer Fall war der Rammstein-Sänger Till Lindemann. An ihm arbeitete sich sogar der «Spiegel» mit einer Titelgeschichte ab:

Der NZZ-Autor Ueli Bernays verlor völlig die Orientierung und titelte: «Till Lindemann und Rammstein: Aus dem Künstler ist ein Täter geworden». Selten ist auf die Unschuldsvermutung so laut gepfiffen worden. Auch der «Blick» japste los, musste dann aber schnell den Schwanz einziehen.

Nach einem Artikel voller unbelegter Vermutungen, was der Rammstein-Sänger wohl mit Fans anstellen würde, die kreischend in der Row Zero stehen und es als höchstes Glück empfinden, anschliessend zur After-Party eingeladen zu werden, musste er den Artikel schnell löschen, und Ringier gab «nach Abmahnung gegenüber unserem Mandanten eine strafbewehrte Unterlassungserklärung ab», vermeldeten die Anwälte des Sängers triumphierend.

Den Vogel schoss wie meist Tamedias Amok-Redaktor Andreas Tobler ab. Der machte sich zur Witznummer, indem er einerseits die Unschuldsvermutung beschwor. Andererseits aber forderte:

«Die Rammstein-Konzerte sollten abgesagt werden».

Schnee von gestern. Auch in diesem angeblichen Fall endete alles im freien Fall, im Nichts. Keine Anschuldigung hielt der genaueren Überprüfung stand, anonyme Heckenschützinnen kamen davon, verschwanden oder wurden sogar verurteilt.

Nun verträgt die Journaille aber nichts schlechter als öffentlich vorgeführt zu werden. Wenn aus der mit Füssen getretenen Unschuldsvermutung erwiesene Unschuld wird, könnte man wenigstens erwarten, dass die Füsse stillgehalten werden und peinlich berührtes Schweigen herrscht.

Aber nein. «Scharfer Protest gegen Einladung von Till Lindemann zu Opernball», tritt der «Spiegel» nach. Denn Leipzig wagt es doch tatsächlich, an seiner Einladung von 40 VIPs festzuhalten, darunter der Sänger.

Triumphierend vermeldet das Blatt: «Ein Leipziger Bündnis namens »Gemeinsam gegen sexualisierte Gewalt und Machtmissbrauch« kritisierte die Entscheidung der Veranstalter in einem offenen Brief scharf. Eine juristische Entlastung könne keine moralische sein, heißt es darin. Die Einladung Lindemanns sende »ein fatales Signal« an Betroffene sexualisierter Gewalt. Nach Angaben des Bündnisses haben bereits mehr als 180 Leipziger Kulturinstitutionen, Vereine und Einzelpersonen das Schreiben unterzeichnet.»

Es soll eine Demonstration unter dem Motto «Kein Ball für Täter» geben, Sachsens Vizeministerpräsidentin hat ihre Teilnahme am Ball bereits abgesagt.

Wenn der woke Rechthabermob tobt, dann sind ihm Tatsachen völlig egal. Juristisch unschuldig? Na und, vor deren selbstherrlichem Moraltribunal ist er schuldig und gehört ausgeladen. Mindestens.

Angebliche Opfer werden zu Tätern, der vermeintliche Täter zum Opfer. Eine solche peinliche Niederlage kann die Journaille nicht auf sich beruhen lassen. Ganz am Schluss geht der «Spiegel» noch knirschend seiner Berichterstatterpflicht nach:

«Der Musiker Till Lindemann war 2023 in die Schlagzeilen geraten, nachdem mehrere Frauen ihm sexuelle Übergriffe und Machtmissbrauch vorgeworfen hatten. Die Berliner Staatsanwaltschaft stellte die Ermittlungen im August 2023 mangels hinreichenden Tatverdachts ein. Lindemann hat die Anschuldigungen stets entschieden bestritten

Dass nicht nur «Blick», sondern auch der «Spiegel» selbst in schweres juristisches Sperrfeuer der Anwälte von Lindemann geraten war – wieso das erwähnen. Dass diese Titelgeschichte wohl der absolute Tiefpunkt in Relotius-Liga war – kein Wort darüber. Dass sämtliche Ermittlungen eingestellt und es nicht mal zu einer Anklage kam – das kann man bösartig so darstellen, wie es der «Spiegel» formuliert.

Till Lindemann, Luke Mockridge, Finn Canonica, Till Schweiger, Kevin Spacey. Die Liste liesse sich beliebig verlängern. Nach Corona erreichte hier die Sittenverluderung der Medien einen neuen Tiefpunkt.

 

Schludriger «Spiegel»

Die Rammstein-Affäre wird zum «Spiegel»-Skandal.

Die Anwälte des Rammstein-Sängers Till Lindemann haben «Strafanzeige wegen Urkundenfälschung und versuchten Prozessbetrugs gegen die Verantwortlichen des Spiegel» eingereicht.

In einer Titelgeschichte hatte das Blatt behauptet, verschiedene Frauen hätten Anschuldigungen gegen den Sänger erhoben. Ein Journalist mit Vollklatsche in der Schweiz hatte sogar gefordert, dass wegen diesen wilden Behauptungen die Konzerte der Band abgesagt werden sollten. Wobei aber die Unschuldsvermutung gälte.

Auch das Hamburger Oberlandesgericht hat inzwischen die Verfügung der Vorinstanz bestätigt.

«Danach ist es dem Spiegel weiterhin untersagt, den Verdacht zu erwecken, Till Lindemann habe Frauen bei Konzerten der Gruppe Rammstein mithilfe von K.o.-Tropfen bzw. Drogen betäubt oder betäuben lassen, um ihm zu ermöglichen, sexuelle Handlungen an den Frauen vornehmen zu können».

So viel zum Ende dieser unappetitlichen Medienhatz, in der sich einmal mehr fast alle unter grober Missachtung der Unschuldsvermutung auf ein angebliches Sexmonster gestürzt hatten. Allerdings konnte der Sänger, ähnlich wie Kevin Spacey, genügend finanzielle Mittel aufbringen, um sich erfolgreich gegen diese Denunziationen zur Wehr zu setzen. Im Gegensatz zu Spacey ist Lindemann sogar nicht Bankrott gegangen.

Und lässt weiterprozessieren, wobei – auch hier gilt die Unschuldsvermutung – eine unglaubliche Schlamperei des angeblich so seriösen Nachrichtenmagazins zum Vorschein kommen könnte.

Das hatte nämlich im Verfahren zwei eidesstattliche Versicherungen von Frauen eingereicht. Sie sollen von einer «Zoe» und einer «Sophie W.» stammen. Dabei fiel den Anwälten von Lindemann auf, dass die Versicherung von Zoe auf einer Seite mit einem unvollständigen Satz endete, während auf der nächsten Seite nur die Unterschrift der Dame stand.

Darauf hingewiesen, räumte der «Spiegel» ein, dass die ursprünglich eingereichten Eidesstattlichen gar nicht von diesen beiden Frauen stammten und reichte zwei neue ein. Ein Versehen des eigenen Prozessbevollmächtigten, behauptet das Blatt.

Das ist nun nicht gerade ein Kavaliersdelikt, daher die Strafanzeige.

Dieser Fall wirft ein Schlaglicht darauf, auf welch dünnem Eis sich der «Spiegel» bewegt, wenn es darum geht, sich der «#metoo»-Bewegung anzudienen. Nicht einmal die behaupteten eidesstattlichen Versicherungen zwecks Beleg der Vorwürfe sind gerichtsfest.

Ähnlich spielte es sich auch beim Roshani-Skandal ab. Der «Spiegel» gab der Redaktorin, die gefeuert worden war, weil sie ihren Chef wegmobben wollte, ungefiltert die Gelegenheit, rachsüchtig über diesen Chef herzuziehen – mit offensichtlich unwahren oder unbewiesenen Behauptungen. Leider ging dann dem Betroffenen das Geld aus, er musste seine Klage gegen das Nachrichtenmagazin abbrechen.

Gerade ein Organ wie der «Spiegel» lebte und lebt davon, dass seine Aufdeckung von Skandalen belegt werden kann. Das ist ihm in der Vergangenheit mehrfach und grandios gelungen, man denke an den Neue-Heimat-Skandal oder die Parteispendenaffäre. Aber in den letzten Jahren macht das Blatt mehr mit internen Affären von sich reden; der Posten des Chefredaktors ist zum Schleudersitz geworden, und der GAU mit Claas Relotius bewies, wie sehr Gesinnung, voreingenommene Meinung und die fatale Tendenz, vor der Recherche oder Reportage bereits das Ergebnis zu definieren, Einzug gehalten haben.

Auch wenn das von der letzten verbliebenen Edelfeder Ullrich Fichtner wortgewaltig schöngeschrieben wurde, obwohl ihn Relotius die angestrebte Stelle des Chefredaktors kostete, sind das alles Symptome eines bedauerlichen Niedergangs.

Von der einstigen Grösse ist penetrante Arroganz übriggeblieben, tiefe Verunsicherung wird durch markige Worte überspielt, die Berichterstattung über die Präsidentschaftswahlen in den USA ist ein anhaltendes Desaster.

Der Kampf gegen die AfD nimmt krankhafte Züge an, immer mehr Leser geben resigniert auf. Bedauerlich ist der Niedergang deswegen, weil es gerade heute ein journalistisches Kraftwerk bräuchte, wie es der «Spiegel» einmal war. Allerdings fing der Niedergang schon an, als der Gründer, Herausgeber und langjährige Chefredaktor Rudolf Augstein auf die dem Zeitgeist geschuldete Idee kam, den Mitarbeitern die Mehrheit am Unternehmen zu schenken.

Das bereute er später bitterlich, aber es war nicht mehr rückgängig zu machen. Seither sind Primadonnenkämpfe, Intrigen und persönliche Befindlichkeiten oftmals wichtiger als unternehmerische Entscheidungen. Ein Trauerspiel, das vielleicht einmal zum Trauerfall wird.

Das kommt davon, wenn das unmögliche «sagen, was ist» durch das idiotische «sagen, wie es sein sollte» abgelöst wird.

Bock als Gärtner

Ueli Bernays tritt in der NZZ gegen Rammstein & Co. nach.

Aufhänger für ihn ist das Buch von Daniel Drepper, Lena Kampf: «Row Zero. Gewalt und Machtmissbrauch in der Musikindustrie». Wer sich in solch vermintes Gebiet begibt, sollte wenigstens ordentlich identifiziert werden. So ist Drepper Mitgründer des sogenannten Recherchezentrums «correctiv», das unlängst mit einem teilweise auf Fälschungen beruhenden Bericht über ein sogenanntes Geheimtreffen in die Schlagzeilen geriet. Diverse wilde Behauptungen mussten zurückgenommen werden, ein mehr als peinliches Schauspiel.

Lena Kampf arbeitet im Ressort Investigative Recherche bei der «Süddeutschen Zeitung». Auch die hat sich in letzter Zeit nicht gerade mit Ruhm bekleckert, siehe Fall Aiwanger oder die Bespitzelung der eigenen Redaktion durch die Chefredaktion.

NZZ-Autor Bernays fiel beim Fall Rammstein durch eine grobe Entgleisung auf: «Till Lindemann und Rammstein: Aus dem Künstler ist ein Täter geworden», so titelte der Vorverurteiler, bis dann Vernunft einkehrte und so abgeschwächt wurde:

Allerdings war sich die NZZ zu fein, diese Korrektur für den Leser kenntlich zu machen. Die unanständige Behauptung im Text blieb allerdings stehen: «Ob es sich dabei um einvernehmlichen Sex gehandelt hat, ist kaum zu eruieren. Jedenfalls gab es kaum ein klares Ja.» Was Bernays da alles wusste. Als dann sämtliche Anschuldigungen gegen den Rammstein-Sänger im Sand verliefen, schwieg er verkniffen, schwieg sozusagen des Sängers Unhöflichkeit.

Aber nicht nur, wenn es um woke Denunziationen geht, ist Bernays vorne dabei. Auch Musiker mit einer ihm quer rüberkommenden politischen Meinung kriegen ihr Fett ab: «Achtung, Roger Waters ist wieder unterwegs. … breitbeinig und zielbewusst in alle möglichen Fettnäpfe … Plattform für diesen Wüterich … sein aufgeblasener Idealismus und seine Besserwisserei lassen ihn oft als Ritter von hässlicher Gestalt erscheinen.»

Also schlechte Voraussetzungen, um eine sachliche Buchrezension zu erwarten. Das ist sie natürlich auch nicht:

«In einem Buch kratzt ein deutsches Autorenduo an alten Rocker-Mythen». Das Groupie-Wesen, ja ja. Wie soll man volljährige weibliche Fans, die sich freiwillig ihren Popidolen andienen, nur vor sich selbst beschützen? Indem man von einer Zeitenwende schwafelt:

«Lange haben die Fans den selbstgerechten Sexkult ihrer Pop- Götter gefeiert oder zumindest akzeptiert. In den letzten Jahren aber haben sich die Sensibilitäten verändert. Seit man Michael Jackson den Missbrauch von Minderjährigen postum nachgewiesen hat, ist ein Star nach dem anderen ins Fadenkreuz eines kritischen, zumeist feministischen Blicks geraten

Da bewegt sich Bernays zunächst höchstens im Streubereich der Wahrheit, um es höflich zu formulieren. Ein Kläger wirft dem King of Pop posthum vor, ihn als Kind sexuell missbraucht zu haben. Und die Merkwürdig-Justiz der USA hat diese Klage – 15 Jahre nach dem Tod Jacksons – nun zugelassen, dann halt gegen dessen Produktionsfirma und Nachlassverwalter.

Vielleicht sollte man erwähnen, dasss der gleiche Kläger noch 2005 für Jackson vor Gericht aussagte. Das nahm er später zurück und scheiterte bereits 2021 als angebliches Missbrauchsopfer vor Gericht. Nun also ein neuer Anlauf, bei dem es, mangels Täter, nur um Geld geht. Aber solche Differenzierungen sind für Bernays natürlich zu kompliziert und würden seinen Thesen- und Gesinnungsjournalismus unangenehm stören.

Oder einfach: Jackson wurde weder zu Lebzeiten noch posthum Missbrauch «nachgewiesen». Ausser, man nimmt Behauptungen als «Nachweis», was eigentlich mit dem Niveau der NZZ nicht kompatibel sein sollte.

Dann leiert Bernays die Liste von Popstars runter, denen sexueller Missbrauch vorgeworfen wurde. Meistens aus finanziellen Absichten oder aber, damit sich das angebliche Opfer eine Scheibe vom Ruhm des angeblichen Täters abschneiden konnte. Selbst der Prozess gegen Harvey Weinstein muss inzwischen neu aufgerollt werden. So bleibt der Fall des verurteilten Sexualstraftäters R. Kelly ziemlich einsam stehen.

Nachdem Bernays immerhin darauf hingewiesen hat, dass es durchaus auch zu wilder Lynchjustiz in den sozialen Medien kommen kann, urteilt er am Schluss dennoch streng: «Sexhungrige Altstars sollten ihre Triebe nicht mehr auf Kosten überforderter Fans befriedigen können.»

Laut Bernays sollten also angeblich sexhungrige Altstars darauf verzichten, der Versuchung nachzugeben, wenn hysterische Fans sich für die Row Zero rekrutieren lassen, sich wunschgemäss einkleiden und ausser Rand und Band geraten, wenn sie zur Afterparty eingeladen werden, bei denen es allen Beteiligten klar ist, dass nicht in erster Linie Mikado gespielt und mit abgespreiztem kleinem Finger Tee getrunken wird?

Statt solche unsinnige Forderungen aufzustellen, hätte sich Bernays vielleicht mal eingehender mit seinem eigenen Fehlverhalten und den Vorverurteilungen vieler Kollegen (herausragend Andreas Tobler von Tamedia, der nassforsch forderte, «es gilt die Unschuldsvermutung», dass alle Rammstein-Konzerte in der Schweiz abgesagt werden müssten) beschäftigen.

Mit der Frage, wie es sein kann, dass beim Vorwurf «sexuelle Belästigung vor 20 Jahren» der Beschuldigte seine Unschuld beweisen muss, von Social Media und von Schmiermedien vorverurteilt wird, und wenn er dann wie Kevin Spacey siegreich aus allen Prozessen hervorgeht, ruiniert und um seine Karriere beraubt dasteht.

Mit der Frage, ob sich Unken wie Bernays und Tobler nicht haftbar oder schadenersatzpflichtig machen, wenn sie kolportieren, denunzieren und vorverurteilen.

Zauberhaft

Nun also auch David Copperfield.

Die «#metoo»-Bewegung ist schon längst entzaubert. Als oftmals missbrauchter Knüppel, um sich an Prominenten abzuarbeiten. Entweder, um etwas vom Schein deren Prominenz auf sich selbst abzulenken – oder aus rein finanziellen Erwägungen.

Als letztes grosses Opfer blieb der grosse Schauspieler Kevin Spacey zurück. Von allen Vorwürfen freigesprochen, aber ruiniert und für Jahre ohne seinem Talent entsprechende Rollen. Shit happens, sagen da die harten Vertreter von #metoo» (wenn sie überhaupt etwas sagen). Denn Typen wie Andreas Tobler sind schnell bereit, das Canceln von allen Konzerten von Rammstein in der Schweiz zu fordern. Aber wenn sich dann seine Unschuld herausstellt, schweigt er feige.

Nun hat es also noch den Zauberer David Copperfield erwischt. Es ist sozusagen das übliche Vorgehen. 16 Frauen beschuldigen ihn öffentlich, ihnen gegenüber sexuell übergriffig geworden zu sein. Die Vorfälle sollen sich von den späten Achtzigerjahren bis 2014 ereignet haben. Also der jüngste liegt 10 Jahr zurück; allesamt jenseits der Verjährungsfristen. Angezeigt wurde kein einziger dieser angeblichen Übergriffe.

Eines der möglichen Opfer behauptet unter Namensnennung, sie sei 1988 als damals 17-Jährige von Copperfield unter Drogen gesetzt und während einer Ohnmacht missbraucht worden. Schon 2007 hatte ihn eine frühere Schönheitskönigin bezichtigt, sie sexuell missbraucht zu haben. Da das in den Einzugsbereich des FBI fiel, untersuchte die Behörde zwei Jahre lang, ohne Ergebnis. Dieselbe Frau wurde dann später wegen der gleichen falschen Anschuldigung gegen ein anderes Opfer zu einer Geldstrafe verurteilt.

Schon 2018 hatte Copperfield geradezu seherisch vor der Verwendung falscher Anschuldigungen gewarnt, weil sie den tatsächlichen Opfern schadeten.

Das alles bedeutet nicht, dass all diese behaupteten Übergriffe erfunden oder imaginiert seien. Es ist nicht auszuschliessen, dass Copperfield ein Sexmonster mit einer Vorliebe für blutjunge Frauen ist. Die er mit dem Versprechen, ihnen bei ihrer Karriere behilflich zu sein, mehr oder minder willig machte, seinen Avancen nachzugeben. Oder die er unter Drogen setzte, damit sie ihm wehrlos ausgeliefert waren.

Nur: auch Copperfield beteuert und lässt durch seine Anwälte ausrichten, dass er sich niemals «unangemessen» verhalten habe, schon gar nicht gegenüber Minderjährigen. Er weist auch darauf hin, dass das nicht das erste Mal sei, dass er mit solchen (niemals zu einer Verurteilung führenden) Vorwürfen konfrontiert werde.

Schuld oder Unschuld ist hier nicht beweisbar. Nur hat die Anschuldigung «sexueller Übergriff» die fatale Folge, dass der Angeschuldigte eigentlich seine Unschuld beweisen muss. Reines Leugnen, Unschuldsvermutung, im Zweifel für den Angeklagten, der Nachweis muss über jeden vernünftigen Zweifel hinaus erfolgen, all diese Prinzipien des Rechts sind hier ausser Kraft gesetzt.

Stattdessen wird gemeint und vermutet. Die einen meinen, dass Copperfield doch sicher Zaubertricks angewendet habe, um Groupies ins Bett zu kriegen. Andere meinen, dass man es dem doch schon ansehe. Wieder andere meinen, dass er ein weiteres Opfer der sich wirklich wiederholenden gleichen Masche ist. Viele Jahre später melden sich Frauen nicht etwa bei den Strafbehörden, sondern bei den Medien, in diesem Fall dem «Guardian».

Der titelt recht merkwürdig: «Enthüllt: Magier David Copperfield wird des sexuellen Fehlverhaltens von mehreren Frauen beschuldigt». Das hätte eine «US-Investigation» des «Guardian» ergeben. Was für eine Untersuchung? Offensichtlich haben sich diese Frauen bei der Zeitung gemeldet, während Copperfields Anwälte die Anschuldigungen als «nicht nur komplett falsch, sondern auch völlig unplausibel» zurückweisen.

Nun ist es normalerweise eher schwierig, ein Ereignis, das wohl unter vier Augen vor vielen Jahren stattgefunden haben soll, zu beweisen. Es ist fast noch schwieriger, zu beweisen, dass es nicht stattgefunden hat.

Sicher ist einzig: damit ist auch der Ruf von Copperfield schwer beschädigt. Sollten sich auch diese Anschuldigungen (womit nicht gesagt sein soll, dass es keine widerlichen sexuellen Übergriffe unter Ausnützung von Jugend oder Machtgefälle gebe) in Luft auflösen, bleibt sicherlich mehr als ein schlechter Geruch zurück.

So wie Spacey, wie beim Sänger von Rammstein, wie bei anderen deutschen Prominenten. All denen klebt bis an ihr Lebensende an: war da nicht mal was? Aber sicher, wenn man reich und berühmt ist, dann kommt man aus allem heraus. Wobei sich bei solchen Anschuldigungen gerade zeigt, dass auch das Gegenteil der Fall ist.

Was hier besonders befremdet: die überdeutliche Parallelität zum Fall Rammstein. Ein mutmassliches Opfer meldet sich und steht mit Namen und Gesicht zu seiner Anschuldigung, die allerdings im Jahr 1988 stattgefunden haben soll. Dann melden sich weitere mutmassliche Opfer, fast alle anonym. Und alle diese 16 Frauen konnten bis heute niemals über das ihnen angetane Unrecht sprechen? Keine einzige kam auf die Idee, direkt nach dem Vorfall Anzeige zu erstatten? Aber jetzt bricht es gleichzeitig aus ihnen heraus?

Beschuldigt – schuldig

Unverzeihlich, dass Kevin Spacey von allen Vorwürfen freigesprochen wurde.

Er verlor die Rolle seines Lebens in der genialischen US-Serie «House of Cards». Er wurde aus einem abgedrehten Film herausgeschnitten, seine Szenen mit einem anderen Schauspieler nachgespielt. Spacey verlor sein gesamtes Vermögen, weil er es für seine Verteidigung ausgeben musste.

Die Karriere eines der besten Schauspieler unserer Zeit wurde brutal und abrupt unterbrochen. Weil Anschuldigungen von sexuellen Übergriffen erhoben wurden. Vielfach Jahre zurückliegend und oftmals aus pekuniären Gründen, oder damit sich der Denunziant ein Weilchen im Sonnenschein der medialen Aufmerksamkeit wichtig vorkommen konnte.

Zum Schluss wurde Spacey überall von allen Anwürfen freigesprochen, Sieg auf ganzer Linie. Ein bitterer Sieg, denn um ihn zu erringen, hatte Spacey alles verloren. Und die harte Fraktion der «#metoo»-Inquisitoren – wie in SZ oder Tagi – schrieb selbst das noch zu einem Freispruch zweiter Klasse um. Der Mann sei halt berühmt und reich, das habe geholfen.

Wie keifte Tamedia im November 2017? «Kevin Spacey im freien Fall. Seit Jahren hat der Schauspieler junge Männer belästigt und genötigt.» Soll haben? Ach was, beschuldigt heisst schuldig. Dass vor und während der Prozesse die Unschuldsvermutung galt, nach den Freisprüchen die Unschuldsgewissheit – was kümmert das diese verpeilten Rechthaber, die sich nicht eingestehen wollten, dass sie wie in anderen Fällen (Rammstein) zu wilder Hatz geblasen hatten. Ohne jede Rücksicht auf Ausgewogenheit oder Unparteilichkeit.

Spacey hat seither keine nennenswerte Rolle mehr bekommen, steht aber noch. Nun ist auch noch das Urteil gegen Harvey Weinstein aufgehoben worden. Ist dann mal gut mit solchen Hetzjagden? Aber nein, der Tagi hat noch nicht genug:

«Neue Vorwürfe gegen Kevin Spacey: Wie kann man zu «Saving Private Ryan» masturbieren

So widerlich wie der Titel ist auch der Inhalt des neuen Schmierenstücks. Filmredaktor Pascal Blum referiert den Zweiteiler auf dem englischen Channel 4 «Spacey Unmasked». Der Inhalt, laut Blum: «Zehn Männer kommen darin vor, praktisch alle äussern sich zum ersten Mal über das Verhalten des gefallenen Stars von «American Beauty» und «The Usual Suspects». Eine ganze Reihe von Vorwürfen, von ungewünschten Berührungen bis zu sexuellen Übergriffen. Vorwürfe, die nicht Teil von Gerichtsprozessen waren.»

Oder mit anderen Worten: schon wieder versuchen Denunzianten, mit Anschuldigungen gegen Spacey öffentliche Aufmerksamkeit zu erregen. Wie die meisten solcher Vorwürfe haben sie zwei Dinge gemein: die Vorfälle liegen Jahre zurück, wurden nie angezeigt, wären längst verjährt – und beruhen auf  Behauptungen, was sich in Zweisamkeit oder ohne stützende Zeugenaussagen abgespielt haben soll. Also in einem Wort: übel.

Das sieht Blum aber ganz anders: ««Spacey Unmasked» mag motiviert sein von der Empörung darüber, dass der Starschauspieler von allen Vorwürfen freigesprochen wurde. Ein aktivistischer Angriff ist es dennoch nicht. Dafür sind die Interviews zu wenig sensationslüstern

Eine Dokumentation mit diesem Titel sei kein «aktivistischer Angriff»? Ja was denn sonst? Immerhin verlinkt Blum auf ein längliches Interview, das ein sichtlich angefasster Spacey auf X gegeben hat. Darin bestreitet er vehement die Vorwürfe, soweit er sich erinnern kann, nach so vielen Jahren. Allerdings sei sein Verhalten vielleicht manchmal peinlich gewesen, aber sicher nicht strafbar.

Damit meint Blum, seiner Pflicht zur Ausgewogenheit Genüge getan zu haben. Dabei hat er die bereits mit dem Titel in den Sand gesetzt. Der ist von abfeimter Fiesheit. Denn mit der Frageform will Blum vermeiden, diese Anschuldigung als wahr zu übernehmen. Das ist  ungefähr so scheinheilig, wie wenn er publizieren würde: ich sage ja nicht, dass Spacey ein homosexuelles Sexmonster ist.

Also wieder «much ado about nothing», wie der Shakespeare-Schauspieler Spacey deklamieren könnte. Bei einem so widerwärtigen Titel, wie ihn der Tagi gewählt hat, würde es ihm aber wohl die Sprache verschlagen.

Archäologie des Verschwindens

Was weg ist, fehlt nicht. Oder doch?

Wer erinnert sich noch an die grossen Debatten, ob eine Impfung gegen Corona nützt oder schädlich ist? Ob Ungeimpfte potenzielle Massenmörder seien? Da liefen Corona-Kreischen wie Marc Brupbacher zu Höchstformen auf, sahen völlige Verantwortungslosigkeit herrschen («Der Bundesrat ist völlig übergeschnappt») und das Ende der Welt nahen.

Vorher völlig unbeachtete Wissenschaftler überboten sich in Ankündigungen von Todeszahlen (Wissenschaftler Althaus gewann mit dem Höchstgebot von 100’000 Toten in der Schweiz).  Eine Task Force ermächtigte sich, verantwortungsfrei allen Politikern, inklusive Bundesrat, der sie eigentlich zwecks stillen Beratungsdienstleistungen ins Leben gerufen hatte, Noten, Ratschläge und besserwisserische Forderungen zukommen zu lassen.

Das Maskentragen war nicht nur obligatorisch, sondern Nicht-Träger wurden öffentlich an den Pranger gestellt; alle Dissidenten von der medial unterstützten Regierungslinie wurden als Corona-Leugner, Aluhutträger, Verschwörungstheoretiker und willige Gefolgsleute von üblen Rechtspopulisten beschimpft. Wer an bewilligten Demonstrationen teilnahm, war ein nützlicher Idiot, wer sie mit Treicheln begleitete und den eidgenössischen Schlachtruf «Horus» anstimmte, ein Faschist.

Welche Schäden die hysterische und überzogene Politik wirtschaftlich und gesellschaftlich angerichtet hat – Schwamm drüber.

Vorbei, verweht, vergessen.

«#metoo», die grosse Bewegung gegen männliche Herrschaft, Übergriffe von Mächtigen auf Abhängige, der Aufschrei lange schweigender Frauen. Neben wenigen sinnvollen Anklagen produzierte die Bewegung eine Hexenjagd, diesmal aber auf Männer. Harvey Weinstein, als Sexmonster entlarvt und in den Knast gesteckt. Kevin Spacey und so viele andere: falsch beschuldigt, ruiniert, fertiggemacht, und wenn sie Jahre später von allen Anwürfen freigesprochen werden, interessiert das niemanden mehr wirklich. Die doppelte Endmoräne dieser Bewegung trägt die Namen Anuschka Roshani und Till Lindemann. Sie als Falschbeschuldigerin, er als Falschbeschuldigter.

Erinnert sich noch jemand daran, dass der heruntergekommene «Spiegel» dem Rammstein-Sänger sogar eine Titelgeschichte widmete, Roshani ihre grösstenteils frei erfundenen und längst widerlegten Anschuldigungen dort veröffentlichen durfte? Dass nun auch noch ein gefallener linker Starreporter seine Karriere beenden musste, weil ihm anonym verbale Übergriffe und ein angeblicher körperlicher Übergriff vorgeworfen werden, wobei eine medienbewusste Medienanwältin eine zwielichtige Rolle spielt: war da mal was?

Vorbei, verweht, vergessen.

«We stand with Ukraine», jede bessere WG machte neben der Pace-Fahne Platz für eine Ukraine-Flagge. Der ehemalige Schauspieler Volodymyr Selenskyj, an die Macht bekommt dank der Millionen eines ukrainischen Oligarchen, der sich damit eine Amnestie von gewaltigen Unterschlagungen erkaufte, wurde zum neuen Superhelden des Widerstands. Selbst eine Modestrecke in der «Vogue» mitsamt vor zerschossenen Flugzeugen posierender Gattin konnte diesem Image keinen Abbruch tun. Endlich war die Welt wieder in Ordnung. Nach dem bösen chinesischen Virus nun der böse russische Autokrat.

Seither dürfen Ukrainer und Russen in einem Stellvertreterkrieg verbluten. Der völkerrechtswidrige Überfall hat bislang Schäden in der geschätzten Höhe von 1000 Milliarden US-Dollar angerichtet. Zahlen wird die nicht Russland, auch nicht die Ukraine. Und erst recht nicht China oder Indien. Wer bleibt? Genau, in erster Linie die EU. Da gab es neulich eine gross angekündigte ukrainische Offensive. Wie geht’s der, wo steckt sie, ist sie erfolgreich, erfolglos, ist die Ukraine am Ende oder Russland oder beide? Wen interessiert’s im Moment, der arme Selenskyj versucht verzweifelt, darauf aufmerksam zu machen, dass es Hamas-Terrorismus und russischen gäbe. Dabei zählen seine westlichen Verbündeten ihre Munitions- und Waffenlager durch und fragen sich, womit sie allenfalls Israel unterstützen wollen.

Vorbei, verweht, vergessen.

Ein Treppenwitz ist dagegen, dass der grosse Shootingstar der Schweizer Literatur, der mehrfach preisgekrönte Kim spurlos verschwunden ist. Das eint ihn mit dem anderen grossen Gesinnungsblasenschreiber Lukas Bärfuss, von dem man auch noch kein ordnendes Wort zu den aktuellen Weltläufen gehört hat. So viel zu der gesellschaftspolitischen Verantwortung des Schriftstellers, die immer als Begründung herhalten muss, wenn mehr oder minder begabte Schreiber meinen, ihre persönliche Meinung zu diesem und jenem interessiere eine breitere Öffentlichkeit. Ach, und wo bleibt Sibylle Berg, die nach Plagiatsvorwürfen und leichten Zweifeln an der Authentizität von Reportagen auch deutlich leiser geworden ist.

Ein Treppenwitz im Treppenwitz ist, dass die Webseite von «Netzcourage» seit Tagen nicht mehr erreichbar ist, und ausser ZACKBUM ist das noch niemandem aufgefallen, bzw. keiner hält es für nötig, darauf hinzuweisen, dass nun Tausende, na ja, Hunderte, öhm, Dutzende, also eine Handvoll von Cybermobbing-Opfern unbeholfen und ungeholfen rumstehen. Ach, und es können wieder ungehemmt «Cockpics» verschickt werden, wovon angeblich bereits jede zweite Frau belästigt wurde. Nun kommt auch noch die andere Hälfte dran.

Vorbei, verweht, vergessen.

Sich prügelnde Eritreer, überhaupt Nachrichten aus den Elendslöchern dieser Gegend, aus Äthiopien, Sudan, Somalia, aber auch Tschad, Niger? Ach ja.Falsche Hautfarbe, keine nennenswerten Rohstoffe, Pech gehabt. Hat noch nie gross interessiert, interessiert aktuell überhaupt nicht. Armenier? Ach ja, die Armenier, war da nicht neulich was? Der religiöse Autokrat Erdogan, der die Errungenschaften Atatürks aus reiner Machtgier rückgängig gemacht hat und die Türkei ins Mittelalter zurückführen will, bombardiert als Kriegsverbrecher kurdische Lager in Syrien? Na und, ist aber doch in der NATO, hilft bei den Flüchtlingsströmen und daher ein Guter. Mohammed bin Salman, auf dessen Befehl hin ein Dissident unter Bruch aller diplomatischer Regeln in einer saudischen Botschaft brutal ermordet und zerstückelt wurde – nun ja, ein Freund des Westens, Waffenkäufer und Besitzer von Ölquellen. Da sehen wir ihm doch sein Gemetzel im Jemen auch gleich nach.

Vorbei, verweht, vergessen.

Hunderttausende von Kindern, denen bei der Kakaoernte Gegenwart und Zukunft gestohlen wird, die missbraucht, gequält, geschlagen, erniedrigt werden? Das wurde vom Läderach-Skandal überstrahlt, von der erschütternden Enthüllung, dass Läderach Senior als Mitglied einer Freikirchen-Sekte mitverantwortlich dafür war, dass vielleicht zwei oder drei Dutzend Zöglinge eines Internats ein wenig psychisch oder physisch misshandelt wurden.

Das Zurich Film Festival kündigte sofort erschreckt die Partnerschaft. Das gleiche Filmfestival, das den geständigen Vergewaltiger einer Minderjährigen Roman Polanski noch einige Jahre zuvor den Ehrenpreis fürs Lebenswerk überreicht hatte. Das gleiche Filmfestival, das ohne Skrupel solche Schoggi verteilt hätte, wenn das Problem nur darin bestanden hätte, dass sie mit ausbeuterischer Kinderarbeit gewonnen wird. Na und, Westafrika, Schwarze, who cares.

Vorbei, verweht, vergessen.

Israel, Israel, Israel. Ein bestialischer Überfall, das Abschlachten von Zivilisten. Das Vorgehen einer Mörderbande, wie es nur mittels der mittelalterlichen Todesreligion Islam möglich ist. Und schon wieder werden die Fundamente der Aufklärung in Frage gestellt. Es ist diskussionslos widerwärtig, dass in Deutschland (und in kleinerem Umfang auch in der Schweiz) antisemitische Ausschreitungen stattfinden. Wer die Sache Palästinas mit radikalfundamentalistischen Wahnsinnigen wie Hamas vermischt, ist ein Vollidiot und schadet der Sache Palästinas schwer. Aber wer Antisemitismus als wohlfeiles Totschlagargument gegen jede, auch gegen berechtigte Kritik an Israel verwendet, schadet einer fundamental wichtigen Sache unserer westlichen Gesellschaft: dem freien Diskurs. Der Überzeugung, dass nur im Austausch von Argument und Gegenargument, von Meinung gegen Meinung Erkenntnis und somit Fortschritt möglich ist.

Niemand hat das anschaulicher auf den Punkt gebracht als der ehemalige Pfaffenbüttel Giuseppe Gracia: «Wer Israel für Dinge kritisiert, die er bei anderen Staaten akzeptiert, ist ein Antisemit.» Wer Israel kritisiert, muss also zuerst Vorbedingungen erfüllen, die von Gracia und seinen Gesinnungsgenossen selbstherrlich aufgestellt werden. Wer Israel kritisiert, muss zuerst eine Litanei herunterbeten, welche anderen Staaten er auch kritisiert. Wer Israel kritisiert, muss zuerst Bekenntnisse ablegen. Zu oder gegen oder über. Sonst sei er Antisemit. Wer sagt «Israel verübt im Gazastreifen Kriegsverbrechen», dürfte das laut diesen Zensoren allenfalls nur sagen, ohne als Antisemit beschimpft zu werden, wenn er vorher sagt «Russland verübt Kriegsverbrechen in der Ukraine, die USA verüben Kriegsverbrechen überall auf der Welt, der Iran verübt Kriegsverbrechen, Saudiarabien, die sudanesische Regierung» usw. usf.

So wie früher die Inquisition forderte, dass Bekenntnisse abgelegt werden mussten, bevor in von ihr bestimmtem engem Rahmen Kritik an der Kirche geübt werden durfte. Bis man ihr dieses Recht wegnahm. So wie man es heute all diesen Anti-Aufklärern wegnehmen muss. Denn wer da zuschaut, wenn freie Rede beschränkt werden soll, ist das nächste Opfer.

Oder ganz einfach: grausame Kriegsverbrechen, die gegen Israel begangen werden, rechtfertigen, erklären, beschönigen nicht Kriegsverbrechen, die Israel begeht. Dass für persönlich Betroffene Hamas-Anhänger Tiere sind, die vernichtet werden müssen, ist menschlich verständlich. Dass der israelische Verteidigungsminister von menschlichen Tieren spricht, die als solche behandelt werden müssten, ist inakzeptabel. Ein militanter Israel-Verteidiger hat vor Kurzem in der NZZ eine richtige Frage gestellt: Wie kann Israel auf monströse Taten reagieren, ohne selbst zum Monster zu werden?

Auch beim Kampf gegen Monster darf man nicht selbst zum Monster werden. Auch gegen Palästinenser gab es Massaker, oder hat man die Namen Sabra und Schatila samt der üblen Rolle Israels bereits vergessen? Erinnert man sich schon nicht mehr an den Werdegang des aktuellen israelischen Ministerpräsidenten, den nur sein Amt vom Knast trennt? Entschuldigt, relativiert, verniedlicht, erklärt das die bestialischen Massaker der Hamas? In keiner Art und Weise. Aber es hilft dabei, nicht auf Stammtischniveau dumm zu schwätzen.

Das Schlimmste, was den Palästinensern in den letzten Jahren passiert ist, ist die Machtübernahme durch fundamentalistische Islamisten, durch Anhänger einer menschenverachtenden Todesreligion. Was Hamas will, ist Zerstörung, sie haben keinerlei positive Perspektive. Weder für Israel, noch für die Palästinenser. Was will aber Israel? Wo bleibt hier der gesunde Menschenverstand, der freie Diskurs, die konstruktive Debatte?

Einfache Frage: sollte es Israel gelingen, die Hamas zu liquidieren, wie es sein erklärtes Ziel ist: und dann?

Vorbei, verweht, unmöglich.