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Die NZZ auf einem Kreuzzug

Mehr Eigenkapital für die UBS? Blöde Idee.

Nun holt die alte Tante schon emeritierte Professoren aus dem wohlverdienten Ruhestand. So darf der ehemalige Professor für Accounting an der Universität Zürich Dieter Pfaff von  Leder ziehen:

«Mehr Eigenkapital macht die UBS nicht automatisch sicherer».

Damit hat er natürlich grundsätzlich recht. Wenn Zockermentalität und Bonusgier herrschen, dann schützt auch ein leicht erhöhtes Eigenkapital nicht vor der nächsten Krise.

Pfaff legt sich schwer ins Zeug: «Mehr Kapital, so die verbreitete Annahme, bedeute automatisch mehr Sicherheit.» Falsch, donnert er: «Gerade diese Annahme verdient Widerspruch

Lustiges Argument: das könne statt zu weniger zu mehr Risiko führen. «Der Grund liegt darin, dass Banken versuchen, die Rentabilität des knapper und teurer gewordenen Eigenkapitals aufrechtzuerhalten.» Dann kommt eine Portion Geschwurbel: «Wer nur auf die rechte Seite der Bilanz blickt, übersieht die linke Seite des Problems: das Verhalten des Instituts

Nehmt das, ihr Eigenkapitalverschärfer von Karin Keller-Sutter abwärts. Hättet ihr nicht gedacht, dass eine Bilanz zwei Seiten hat, die Aktiven und die Passiven. Wahrscheinlich wisst ihr nicht mal, wo das Eigenkapital hier eingereiht wird. Macht aber nichts, das wissen die meisten Wirtschaftsjournalisten auch nicht.

Nach seinen Nebelgranaten biegt der Alt-Professor auf die Zielgerade ein: «Eine kluge UBS-Regulierung misst sich nicht an der Symbolik zusätzlicher Milliarden, sondern daran, ob sie riskanteres Verhalten tatsächlich verhindert. Sonst könnte ausgerechnet jene Verschärfung, die als Lehre aus der letzten Krise gedacht ist, den Keim der nächsten in sich tragen

Tja, wie sagte der Philosoph Adorno so richtig: «Es gibt kein richtiges Leben im falschen.» Das bedeutet hier, dass falsche Voraussetzungen zu falschen Schlussfolgerungen führen.

  1. Wie absurd dieses Argument ist, beweist schon seine Fortschreibung. Das würde also bedeuten: je mehr EK eine Bank vorhält, desto risikoreicher würde sie geschäften. So ab 50 Prozent EK wäre sie dann wohl zum sicheren Untergang verurteilt. Es darf gelacht werden.
  2. Höheres Eigenkapital bedeutet mehr Verlusttragfähigkeit. Mit wenig Eigenkapital gehen die Gewinne an die Aktionäre (und an die Bonusetage), Verluste werden sozialisiert (too big to fail). Dagegen tragen bei mehr EK die Eigentümer mehr Risiko.
  3. Die Behauptung «mehr Eigenkapital = mehr Risiko» ist empirisch nicht robust belegt. Es kann ein gewisses risk-shifting geben, aber insgesamt gibt es weniger Ausfallraten und ein stabileres System.
  4. Banken können Risiko sowieso nicht beliebig erhöhen, genau dagegen gibt es regulatorische Vorschriften und eine Aufsicht.
  5. Die Behauptung unterstellt, dass Banken eine fixe ROE-Zielzahl haben (Return on Investment). Eine vernünftige Bank passt bei einer niedrigeren Leverage mit geringerem Risiko ihre Renditeziele entsprechend an. Denn jede Bank sollte wissen, dass es Rendite ohne Risiko nicht gibt.
  6. Nach den bitteren Erfahrungen der letzten grossen Finanzkrise ist es völlig klar, dass mehr Puffer weniger Insolvenzwahrscheinlichkeit bedeutet. Mehr EK erhöht die Resilienz deutlich.
  7. Im Umkehrschluss würde die absurde Behauptung von Pfaff bedeuten, dass möglichst wenig EK am besten für eine Bank sei.
  8. Last, but not least: eine Bank, deren Bilanzsumme doppelt so gross ist wie das BIP der Schweiz, eine Bank, die schon mehrfach gestrauchelt ist, eine Bank , die gratis eine implizite Staatsgarantie hat, eine Bank, der der Staat 16 Milliarden AT1 Bonds geschenkt hat, sollte diese minime EK-Erhöhung kommentarlos hinnehmen.
  9. Die aktuellen Bankenführer der UBS scheinen der Devise des Versager-Bankers Marcel Ospel nachzuleben: «Die Banken müssen der Politik wieder einmal die Grenzen aufzeigen.»

Wohin das geführt hat, weiss man inzwischen zur Genüge. Zweimal musste die UBS vor dem Abgrund gerettet werden. Dass das beim ersten Mal kein Verlustgeschäft für den Steuerzahler wurde, ändert nichts daran, dass Geldgier, Zockerei und Inkompetenz herrschten. Und beim zweiten Mal musste per Notrecht das Bankgeheimnis geschleift und Kundenverrat begangen werden.

Wieso also der em. Professor Pfaff seine Reputation verspielt und sich als Bankenbüttel aufführt, ist ebenso unverständlich wie die Rolle der NZZ in dieser Debatte.

Wenn die NZZ fies wird

Die alte Tante verliert jeden Anstand.

Beatrice Bösiger kann man als Job-Hopperin bezeichnen. «Wirtschaftsblatt» in Österreich, dann Korrespondentin in Moskau, dann F&W, dann Tamedia und schliesslich ab Oktober 2024 Wirtschaft bei der NZZ.

Das muss noch nicht gegen sie sprechen. Aber offenbar hat sie aus ihrer Wiener Zeit den Schmäh mitgenommen. Die Fähigkeit, zuckersüss Bösartiges abzusondern.

Denn direkte Angriffe der NZZ auf die Forderung des Bundesrats, dass die Monsterbank UBS mit einer doppelt so hohen Bilanz wie das BIP der Schweiz, ihr Eigenkapital um lächerliche 20 Milliarden aufstocken soll, gab und gibt es genug. Dabei bliebe das EK immer noch im niedrigen einstelligen Bereich, was bedeutet, dass mehr als 90 Prozent fremdfinanziert und gehebelt sind.

Das ist so, wie wenn ein Formel-1-Pilot sich den Helm aufsetzt, das Visier runterklappt, nichts mehr sieht – und Vollgas gibt.

Nun beklagt Bösiger nicht etwa die harsche Gegenwehr der too-big-to-jail-Bank. Sondern sie steigt auf eine Metaebene: «Die Debatte um die UBS-Regulierung» sei «entgleist», behauptet sie. Wie das?

Seit Finanzministerin Karin Keller-Sutter «ihre Pläne» (die die Pläne des Gesamtbundesrats sind) präsentiert habe, «wird weniger über den Inhalt der Gesetzesvorlage diskutiert als vielmehr über das Lobbying der Grossbank. Hört man ihr zu, so muss man zum Schluss kommen, ein wahrer Lobby-Tsunami fege über die schutzbedürftigen Parlamentarier hinweg».

Schlimmer noch: «Die bürgerliche Bundesrätin bedient sich sogar eines typischen Arguments der Linken: Sie habe gehört, dass Parlamentarier befürchteten, die UBS könnte die Zuwendungen an ihre Partei kürzen, sagte sie im «Blick»

Nun habe die UBS ihr Lobbying «tatsächlich hochgefahren», räumt Bösiger zuckersüss ein. Um dann Vitriol zu tropfen. Denn «dass sie damit ihre Interessen bei der geplanten Regulierungsverschärfung verteidigt, ist legitim». Also nimm das, jammernde KKS: «Das ist kein Grund, dass die Finanzministerin das Lobbying der UBS ständig zum Thema machen muss. Statt sich immer wieder öffentlich darüber zu beklagen, wäre Keller-Sutter besser beraten, der UBS stärker auf einer inhaltlichen Ebene Paroli zu bieten.»

Damit reduziere sie die Auseinandersetzung «auf eine Stildebatte». Und damit werde sie baden gehen: «Nur mit Klagen über das Lobbying der UBS wird die Finanzministerin im Parlament nicht durchkommen. Zudem können Parlamentarier durchaus damit umgehen, dass diverse Akteure sie von allen Seiten beeinflussen wollen.»

Ds ist nun wirklich hinterfotzig. Eigentlich müsste sich die UBS im Sinne des Trennbankenregimes von ihren Auslandtöchtern trennen, damit deren Risiken nicht in die Schweiz hineinschwappen, wo die Bank über eine implizite Gratis-Staatsgarantie verfügt. Oder aber, sie mindestens ausreichend mit Kapital unterlegen, um das zu verhindern.

Glasklar, für jeden verständlich, der selbst mit Hilfe von Fingern auf vier zählen kann. So minim ist nämlich das harte Eigenkapital der Monsterbank.

Dagegen wehrt sich die Bonus-Etage der Gierbanker mit allem, was modernes Influencertum zu bieten hat. Mit Schreckensszenarien (Schaden für die Schweiz, teure Hypotheken, Arbeitsplatzverlust, Wettbewerbsnachteile, etc.). Mit der absurden Drohung (verkleidet als Prüfung von Optionen), aus der Schweiz wegzuziehen. Als ob die Bank anderswo die Sicherheit hätte, zum dritten Mal vom Staat gerettet zu werden, sollte sie schon wieder am Abgrund stehen.

Zudem zeigt sich die UBS mehr als undankbar für das Geschenk von 16 Milliarden AT 1 Bonds, die ihr vom Staat als Zückerchen auf den Schnäppchen-Deal Credit Suisse draufgelegt wurden.

Da inhaltlich die Sache völlig klar ist, hat KKS völlig recht, wenn sie das arrogante, undankbare und alle Geschütze auffahrende Verhalten der Bank kritisiert. Die damit beweist, was sie gleichzeitig abstreitet: dass die UBS viel zu viel wirtschaftliche, politische und gesellschaftliche Macht hat. Und dass ihre Bankenlenker, geldgierig und bonusgetrieben, keinerlei staatspolitisches Verantwortungsbewusstsein haben.

Stattdessen bemängelt Bösiger, dass sich KKS, nachdem inhaltlich alles klar ist, dieses unverschämte Verhalten der Monsterbank als wenig eidgenössisch abqualifiziert. Womit sie völlig recht hat.

Während die NZZ nicht nur dadurch, dass sie einen als «Experten» verkleideten ehemaligen UBS-Direktor als Gastkommentator gegen diese Kapitalerhöhung wettern lässt, jeglichen Stil vermissen lässt. Denn dieses Detail enthält sie ihren Lesern vor.

Wieso sich allerdings Bösiger als Bankenbüttel betätigt, das ist ihr süss-saures Geheimnis.

Die Zocker-Lobby

Die UBS lobbyiert im roten Bereich.

Eigentlich geht es nur um eine Winz-Witz-Eigenkapitalerhöhung von 20 Milliarden Franken, bei einer Bilanzsumme von 1600 Milliarden. Peanuts, viel zu wenig bei dem systemischen Risiko, das von dieser Monsterbank ausgeht, die ein viel grösseres Rad als das gesamte BIP der Schweiz dreht (einsamer Weltrekord).

Weil aber vom gehebelten EK der Bonus abhängt, wehren sich CEO Sergio Ermotti & Co. mit Händen und Füssen gegen dieses symbolische Pflästerchen. Und setzen Lobbying in einer für die Schweiz bislang ungenannten Dimension ein. Drohen sogar mit Wegzug, als ob sie anderswo eine Gratis-Staatsgarantie (von wegen too big to fail) kriegen würden.

Natürlich ist es auch eine mediale Schlacht, mit interessanten Kampflinien. Dass ein Dumpfschwätzer wie Markus Somm auf die UBS-Propaganda reinfällt, nun ja, bedauerlich, nicht überraschend, so what.

Bedenklicher ist schon, dass die NZZ sich plötzlich zum Sprachrohr der UBS aufschwingt und einen kritischen Kommentar nach dem anderen veröffentlicht, dass diese durch Aktienausgabe kinderleicht zu finanzierende Kapitalerhöhung eigentlich des Teufels sei und unbedingt vermieden werden müsse.

Sonst drohe mehr oder minder der Untergang der Eidgenossenschaft. Sogar ehemalige UBS-Direktoren dürfen hier als «Experte» verkleidet dagegen anstänkern.

Währenddessen ist der «Blick» das Sprachrohr der Kritiker der UBS geworden, wo wahre Experten wie Marc Chesney die dürftigen Argumente der UBS zerpflücken dürfen und sich Bundesrätin Karin Keller-Sutter in gewählten Worten über die Propagandaschlacht der UBS erregen darf: «Es entspricht aber nicht dem gängigen Stil, dass man so dezidiert gegen unsere Institutionen antritt. Das ist ein eher neuer Stil im Umgang eines Unternehmens mit dem Staat.»

Chesney geht noch einen Schritt weiter und prognostiziert die nächste Bankenkrise. Aus einem einfachen Grund. US-Präsident Donald Trump lockert wieder einmal die Regulierungsvorschriften für Banken in den USA: «Erste Erleichterungen sind bereits in Kraft, die zentralen Punkte wie eine tiefere Eigenkapitalquote sollen bis Anfang 2027 folgen. Darüber hinaus werden die Aufsichtsbehörden zurückgebunden und wird ihr Personalbestand erheblich gekürzt», fasst der «Blick» zusammen. Chesney setzt noch einen drauf: «Die Zutaten für die nächste akute Krise sind vorhanden, die Frage ist nur, wann sie kommt.»

Denn die letzte von 2008 begann genau mit solchen Lockerungsübungen.

Aber auch Gegner der Kapitalerhöhung wie der emeritierte Bankenprofessor Martin Janssen kommen zu Wort, er spricht gar von «einer Erpressung des Parlaments». Allerdings nicht durch das Lobbying der UBS, sondern durch die Finanzministerin.

Die NZZ unkt: «Keller-Sutter droht eine Niederlage im Parlament». Auch Beat Balzli steuert einen seiner verpeilten Kommentare bei: «Die UBS-Phobie oder warum die reine Fixierung auf das Kapital von gestern ist».

Tamedia tut das, was das Qualitätshaus an der Werdstrasse am besten kann: es eiert herum und interviewt. Auch CH Media ist sich nicht sicher, ob sich der Wannerclan das Wohlwollen der UBS verspielen will oder nicht. «Scharfe UBS-Regulierung würde Kredite verteuern», darf hier der Gastkommentator Urs Furrer schreiben. Er ist Direktor des Schweizerischen Gewerbeverbandes und offenbar von Finanzkenntnissen eher unbeleckt.

Redaktorin Florence Vuichard flüchtet sich ebenfalls in ein gepflegtes Einerseits-Andererseits: «Der Bundesrat verschärft die Eigenkapitalvorschriften für die Grossbank, macht aber auch Konzessionen.» Ist das gut oder schlecht? Eben, einerseits, andererseits.

Und «20 Minuten» macht ebenfalls das, was das Pendlerorgan am besten kann: es zitiert Artikel der anderen. So habe die «Financial Times» geschrieben, «Parlamentarier hätten führenden UBS-Managern zugesichert, die strengen neuen Vorschriften würden abgeschwächt».

Was die UBS hier tut, ist tatsächlich ein professionelles, nicht gerade billiges Lobbying mit allen Schikanen. Direktkontakte zu Parlamentariern und Medienschaffenden. Einsatz von Verbänden als Multiplikatoren. Drohung mit Abstrichen bei der Parteienfinanzierung.

Zugleich werden die Narrative gesetzt («Schweiz verliert Wettbewerbsfähigkeit, Kapitalregeln gefährden Jobs»). Dazu typisches Framing. Diese Reform gefährde die Schweiz (weniger Kredite, teurere Hypotheken, Schwächung Finanzplatz). «Experten» werden mobilisiert, Reputations- und Elitennetzwerke aktiviert.

Klare Drohungen werden umgeschminkt (Vermeidung des Worts Bestrafung, Ersatz durch «Überdenken» von Optionen).

Bei den Medien ist die Drohung mit Inserateboykott bei unbotmässiger Berichterstattung Vergangenheit. Heute kommen andere Formen von Sponsoring zum Einsatz:

  • Konferenz-Sponsorings (Wirtschaftsforen, Debattenformate)
  • Content-Partnerschaften / Thought Leadership
  • Podcast- und Video-Sponsoring
  • Beilagen, Themen-Specials, Roundtables

Die Drohung mit einem Streichen dieser Anlässe wirkt genauso …

All das belegt ironischerweise genau das, was die Monsterbank abstreitet: sie hat offensichtlich viel zu viel politische Macht, weil sie systemrelevant ist.

Wie bestellt

Die UBS hat ein Milliardenproblem. Die NZZ will helfen.

Ganze 17 Milliarden Dollar stehen im Feuer. Denn die UBS konnte die Credit Suisse nur deswegen zum Schnäppchenpreis übernehmen, weil der willfährige Bundesrat mit heisser Nadel und per Notrecht die AT1-Bonds der untergehenden Bank auf null abschreiben liess.

Nicht nur mit ihrem fatalen Satz «this is not a bail-out», was aber eine der Voraussetzungen für den Totalverlust dieser Zwangswandel-Anleihen gewesen wäre, schuf der Bundesrat mit seiner kompetenten diplomierten Dolmetscherin Karin Keller-Sutter ein scheunengrosses Einfallstor für Milliardenklagen sich geprellt fühlender Anleger.

Darunter nicht nur kleine Würstchen wie CS-Angestellte, die solche Bonds als Bonus, als faules Ei ins Körbchen gelegt kriegten und nun laut «Inside Paradeplatz» auf jegliche Forderungen gegenüber der UBS verzichten sollen. Sondern auch multimilliardenschwere institutionelle Anleger, die überall klagen, wo sie einen Rechtsstand haben. Also vornehmlich den USA und in Grossbritannien.

Aber auch in der Schweiz. Nach längerem Brüten kam das Bundesverwaltungsgericht Anfang Oktober 2025 zu einem vernichtenden Urteil. Der Abschreiber sei sowohl vertrags- wie auch rechtswidrig. Das führte bei der UBS zu Schnappatmung, denn die Gefahr besteht, dass diese 17 Milliarden wieder in die Bücher wandern – als Schulden.

Während es im Ausland eher trübe aussieht (die USA lieben bekanntlich Schweizer Banken), bleibt hierzulande nur der Gang vors Bundesgericht. Das nun eher selten Urteile der Kollegen vom Bundesverwaltungsgericht aufhebt. Da braucht die UBS alle Hilfe, die sie kriegen kann.

Zum Beispiel in Gestalt von Luis Agustin Maiorini. Der juristische Jungspund schreibt noch an seiner Dissertation und ist «Mitarbeiter am Institut für Föderalismus der Universität Freiburg». Und neuerdings Gastautor bei der NZZ. Dort vertritt er die klare Meinung: «Dieses Urteil zur Credit Suisse überzeugt nicht». Sagen wir mal: ihn nicht …

Es ist seine erste Wortmeldung im Blatt für die gehobenen Stände und dem Hort der reinen Wirtschaftswissenschaft. Meinungsstark  und eher kenntnisschwach urteilt Maiorini: «Das Urteil ist nämlich in wichtigen Teilen eine hinreichende Begründung schuldig geblieben, und damit bleibt der Ausgang des bundesgerichtlichen Verfahrens keiner realistischen Prognose zugänglich.»

Dann schiesst er sich selber ins Knie, indem er die sorgfältige Begründung des Bundesverwaltungsgerichts zitiert:

«So überprüft das Bundesverwaltungsgericht im zweiten Teil des Urteils die Verfassungsmässigkeit der zugrunde liegenden Norm und verneint diese: Die Norm sei viel zu unbestimmt und genüge den Anforderungen des Legalitätsprinzips nicht. Betrachtet man den Wortlaut der Bestimmung in der Notverordnung isoliert, ist man geneigt, dem Bundesverwaltungsgericht zuzustimmen

Diese Neigung verkehrt sich dann allerdings in ihr Gegenteil. Denn nun  wird’s so sophistisch, dass jeder mittelalterliche Scholastiker seine helle Freude an diesen Pirouetten hätte. Denn: «Eine Norm ist bekanntlich nicht nur nach dem Wortlaut auszulegen. Die Entstehungsgeschichte, die Systematik und der Sinn und Zweck der Norm sind gleichwertig mit einzubeziehen.»

Wieso denn das? «Hier zeigt sich die Schwäche der Argumentation des Bundesverwaltungsgerichts: Eine Norm, die am selben Tag publiziert wird wie ihr Inkrafttreten und deren Gehalt öffentlich und weit über die Landesgrenzen hinaus medial erläutert wurde, darf nicht nur strikt nach dem Wortlaut ausgelegt werden.»

Im Gegenteil. Eine Norm, die per Notrecht nachgeschoben wird, um die wacklige Anordnung an die Finma zu unterfüttern, diese Milliarden auf null abschreiben zu lassen, ist schlichtweg fragwürdig. Wo kämen wir hin, wenn Erlasse nicht strikt nach ihrem Wortlaut ausgelegt würden? Und was für eine Rolle soll dabei die mediale Erläuterung spielen?

Eine neue Norm hiesse zum Beispiel: Es ist ab jetzt verboten, auf den Boden zu spucken. Da könnte man dann auslegen: nun ja, wenn aber einfach etwas aus dem Mund tropft, dann ist es davon nicht betroffen. Damit würde Gesetzgebung zum Jekami.

Bekanntlich wurde vom Bundesrat auch die mit grossem Getöse in Kraft gesetzte TBTF-Regelung gekübelt. Also die «too big to fail»-Bestimmungen nach der Finanzkrise eins, die eine Wiederholung von Staatsrettungen wie bei der UBS verhindern sollten. Schlussfolgerung Maiorini: «Im Urteil werden also spannende Fragestellungen aufgeworfen, aber nicht beantwortet oder nur unvollständig analysiert

Interessanter als dieser Husarenritt durch das Recht ist die Frage, wieso die NZZ auf die Idee kommt, eine solche furiose Kritik am Urteil des Bundesverwaltungsgerichts zu publizieren. Eine einzelne Kritik? «Professoren sezieren das Verdikt des Bundesverwaltungsgerichts zum Milliardenabschreiber … gibt dem Bundesverwaltungsgericht schlechte Noten», zitiert die alte Tante am 24. Januar eine Urteilsbesprechung. «Das Urteil zu den AT1-Anleihen verunsichert die Anleger», unkte die NZZ Ende Oktober 2025. «Das jüngste Urteil zum Fall CS schränkt den Spielraum des Bundesrats ein», monierte das Blatt nach der Urteilsveröffentlichung. Oder: «Das AT1-Gerichtsurteil zur Credit Suisse wirft viele Fragen auf».

Kritik am Vorgehen des offensichtlich überforderten Bundesrats, Kritik an der ruppigen Art des UBS-VR-Präsidenten Colm Kelleher, der zuerst eine schlappe Milliarde für die CS bot und klarstellte, dass er ohne den Milliardenabschreiber die absaufende Bank nicht übernehmen werde?

Aber nein. Ob die jüngsten, schmerzlichen Abgänge im Wirtschaftsressort der NZZ etwas damit zu tun haben, dass offensichtlich bezüglich der letzten Grossbank der Schweiz der Schongang mit Weichspüler eingelegt wird? Man wird ja wohl fragen dürfen.

Lückenmedien

Zoll-Deal, bravo, bravissimo, die Schweiz ist gerettet.

Ist sie das? War sie vorher verloren? Welchen Preis zahlt die Schweiz insgesamt für die Absenkung der Zölle auf ein europäisches Niveau?

Ist das eine passende Gelegenheit für politische Abrechnungen? Nun, die gibt es immer. Also muss Karin Keller-Sutter zurücktreten? Sich wenigstens schämen? Ist jetzt Guy Parmelin, der Vielgeschmähte, plötzlich der neue Superstar? Und wo bleibt Cassis?

Diese naheliegenden Fragen – und viele mehr – wälzen die Massenmedien in der ewigen Suche nach Ausbau der Story, die ja nun vorläufig erzählt ist.

Ein paar Kleinigkeiten werden da gerne übersehen, weil sie sich abseits der Trampelfade der Mainstreamorgane befinden. Es wird zwar einige Mühe darauf verwandt, auszurechnen, wie viel Trump eigentlich an den Zöllen, den Zusatzzöllen und den Superzusatzzöllen verdient hat.

Es wird schon weniger bemerkt, dass Trumps Berechnung der Zölle aufgrund von Handelsbilanzen absolut gaga ist. Genauso wie die Tatsache, dass er Dienstleistungen, mindestens so bedeutend wie der Warenverkehr, wohlweisslich auslässt. Denn das würde ihm seine schönen Defizite kaputt machen; im Gegenteil, dann müssten die USA gegenüber vielen Ländern Strafzölle zahlen.

Unberücksichtigt bleibt auch, wie viel Zolleinnahmen eigentlich die Schweiz auf US-Waren generiert. Da dazu keine knackige Zahl zur Hand ist, sondern ein wenig recherchiert werden muss, wird hier die Luft recht dünn.

Dabei ist die Rechnung nicht allzu schwierig. Man nehme das Gesamtimportvolumen aus den USA, dazu den handelsgewichteten Zollsatz der Schweiz und Annahmen zur Struktur der US-Exporte in die Eidgenossenschaft.

2024 importierte die Schweiz Waren aus den USA im Wert von etwas über 30 Milliarden US-Dollar. US-Exporte in die Schweiz sind stark industriell geprägt (Metalle, Chemie, Maschinen, Transportgeräte, Computer), wo viele Positionen zollfrei oder niedrig verzollt sind. Dadurch dürfte der effektive Satz für US-Waren bei nahe 0 liegen. Daraus folgt:

  • Anteil der US-Importe an gesamten Schweizer Importen: ca. 7–8 %

  • Anteil zollpflichtiger US-Waren: sehr gering, vermutlich < 2 %

  • Effektiver durchschnittlicher Zollsatz auf US-Waren: wahrscheinlich < 0,2 %

Also 10–40 Mio. Franken pro Jahr Zölle aus US-Waren. Das kann man durchaus als Peanuts, als Pipifax bezeichnen.

Dem gegenüber stehen alleine schon Sondereinnahmen seit Erhöhung der Strafzölle von Hunderten von Millionen Franken durch die USA im Warenverkehr mit der Schweiz.

Wenn man also nicht fälschlicherweise die Handelsbilanz, sondern die Zollbilanz als Grundlage für die Berechnung nimmt, ist die Absenkung von 39 Prozent auf 15 Prozent der Unterschied zwischen saufrech und frech.

Daraus folgt, dass hier keineswegs ein Sieg errungen wurde (der zudem mit Investitionsversprechen von 200 Milliarden Franken mal einfach so, plus sicherlich geheim gehaltenen Zusagen erkauft wurde).

Sondern die USA haben einfach einmal mehr rücksichtslos ihre Marktmacht ausgespielt. Ihre Rolle als immer noch grösste Binnenwirtschaft der Welt. Nach der Devise: wenn’s dir nicht passt, du musst ja nicht in die USA exportieren.

Wie man daraus Jubelmeldungen basteln kann, lässt sich auch nur mit einem allgemeinen Sitten- und Wissenszerfall der Medien erklären.

 

Wumms: Pascal Hollenstein

Wer den als Begleiter hat, braucht keine Feinde mehr.

Es ist eine Karriere, bei der das Kommunikationsgenie Pascal Hollenstein bei jedem Versagen eine Stufe nach oben stolpert.

Furchtbar gerne wäre er Chefredaktor der «NZZamSonntag» geworden. Das sah man im Hause NZZ allerdings entschieden anders. Also entsorgte man ihn auf den Posten der publizistischen Leiter nach unten bei CH Media.

Und als der Wanner-Clan die von der NZZ in einem Joint Venture eingebrachten Titel ganz übernahm, war man an der Falkenstrasse froh, Hollenstein endgültig losgeworden zu sein.

Gegen aussen gab sich Hollenstein zunächst staatstragend, aber intern schnödete er zügellos über seine Leser und bezeichnete die «Luzerner Zeitung» und ihre Regionalausgaben von CH Media als «Abfallprodukt». Diese «alte Milchkuh» müsse man noch solange melken, bis die Leser ausgestorben seien. Und auf keinen Fall den Abopreis senken, obwohl der Inhalt immer dünner wird. Denn die Gewohnheitsleser würden klaglos zahlen. Und wenn sich das Produkt nicht mehr rentiert, dann sei es Zeit, diese Milchkuh zur Schlachtbank zu führen.

Seine Position missbrauchte Hollenstein als Sprachrohr für Jolanda Spiess-Hegglin, der er publizistisch unverbrüchlich die Treue hielt. Bis es im Januar 2022 plötzlich krachte: Abgang Hollenstein von einem Tag auf den anderen. Warum?

Vielleicht mochte das etwas damit zu tun haben, was später von der Journalistin Michèle Binswanger in den #hateleaks enthüllt wurde. Dass Hollenstein zum Klüngel um JSH gehörte, die dafür sorgen wollte, dass ein ihr unliebsames Buch gar nicht publiziert würde.

Dafür gab JSH die Stallorder aus: «Unser Ziel muss es sein, dass sie (Binswanger, Red.) auswandern kann.» Eine unappetitliche Umgebung, in der sich Hollenstein aufhielt.

Das machte nochmal Schlagzeilen, als er nach seinem zackigen Abgang bei CH Media wieder ein trockenes Plätzchen fand. In der Kommunikation des Bundes. Die nächste Stufe der Karriereleiter hochgestolpert: Kommunikationschef von Bundesrätin Karin Keller-Sutter.

Dort werkelte Hollenstein gut bezahlt zwei Jahre vor sich hin, bis es zum nächsten Belastungstest kam: der krachend gescheiterte Zoll-Deal mit den USA. Mit Präsident Trump.

Da hatte sich seine Chefin in den Vordergrund gedrängelt, als amtierende Bundespräsidentin. Sie habe irgendwie den Draht zu Trump gefunden, fabulierte sie. Und liess durchblicken, dass die Verhandlungen schon gut kämen, nicht zuletzt dank ihr. Kommt halt davon, wenn man sich von Hollenstein beraten lässt.

Bevor man in höchster Not zum Telefon greift und den US-Präsidenten anruft, gibt es in jeder Anfänger-Kommunikation eines: Varianten durchspielen. Trump lässt sich besänftigen? Wunderbar. Trump wird aggressiv und sauer? Wie reagieren? Wie den Selenskyj-Effekt vermeiden? Wording. Rollenspiel, nasty questions, Keywords, das Einmaleins halt. Aber doch nicht mit Hollenstein.

Der dürfte wichtigtuerisch zu Belehrung und Schulmeisterei geraten haben. So wie er sie in seinen Kommentaren betrieb, als er das noch durfte.

Sei nächster kommunikativer Geniestreich: als es dann eine schallende Ohrfeige setzte, ruderte KKS mit Höchstgeschwindigkeit zurück. Schliesslich habe nicht sie, sondern das Seco, das Staatssekretariat für Wirtschaft von Kollege Parmelin, die Verhandlungen geführt.

Eine Ausrede, vor der sie jeder Anfänger im Kommunikationsbereich unbedingt hätte abhalten sollen. Aber wer seinen eigenen Abgang bei CH Media mit dem launigen Satz kommentierte «Arbeit wird überschätzt», dem ist halt alles zuzutrauen. Nur keine sinnvolle Arbeit.

Pfeifen im Wald

Die NZZaS sieht die Bankenaufsicht FINMA mit «Superkräften».

Die FINMA ist ein Papiertiger. Sie ist zahnlos, und die wenigen Beisserchen, die sie hat, wendet sie fast nie an. Sie kann ein sogenanntes Enforcement durchführen, also eine Bank dazu zwingen, Anordnungen Folge zu leisten. Oder sie kann die Gewähr entziehen, die Lizenz zum Banking für Kader.

Beides kommt äusserst selten vor. Die Gewähr hat sie bislang nur ein paar Kleinbankern entzogen. Das war bei der UBS oder der verblichenen Credit Suisse nie der Fall. Obwohl es mehr als genug Anlässe gegeben hätte.

Die zum Tode führende Unterkapitalisierung der CS tolerierte die FINMA mit einem sogenannten «Filter», dank dem die Bank vorgaukeln konnte, dass sie alle Vorschriften erfülle. Ein Skandal.

Nun lobt aber die NZZaS neue, vom Bundesrat vorgeschlagene «Massnahmen» über den grünen Klee. «Mächtiger als jeder Banker: Der Bundesrat stattet den Finma-Chef mit Superkräften aus», bollert Zoé Baches schon im Titel.

Dabei spielt natürlich keine Rolle, dass Karin Keller-Sutterthis is not a bail-out») einen der beiden wackelnden Sitze im Bundesrat für die Freisinnigen besetzt.

«Geschäftsbereiche schliessen, Bonuszahlungen verbieten, die Bankführung auswechseln oder gleich die Dividende aussetzen: Die Finanzmarktaufsicht soll künftig früher und einschneidender bei Banken eingreifen können», jubelt sie.

Da habe sich der Bundesrat jeweils für «Maximalforderungen» entschieden: Die UBS «müsste dann ihr Eigenkapital um gut 25 Milliarden Dollar aufstocken, um den Anforderungen gerecht zu werden».

Die Bank stänkert wie zu erwarten dagegen an. Spiegelfechterei, denn sozusagen im Kleingedruckten offenbart sich das Unsinnige an diesem angeblich entschlossenen Durchgreifen. Denn diese neuen Kapitalanforderungen müsste die UBS erst 2035 erfüllen. Genug Zeit für die nächste Bankenkrise. Und wenn dieser Koloss mit einer Bilanzsumme, die doppelt so gross wie das gesamte Schweizer BIP ist, ins Wanken gerät, dann wackelt die Schweiz.

Das wäre dann natürlich unvorhersehbar. Das Lieblingswort der geldgierigen Banker, wenn sie mal wieder richtig Scheisse gebaut haben.

Auch die anderen furchtbar strengen Massnahmen haben einen kleinen Haken: «Zwar handelt es sich erst um Vorschläge, Entscheide werden frühestens in zwei Jahren vom Parlament gefällt.» Also haben die Schweizer Banken, angeführt von der Monsterbank, mindestens zwei Jahre Zeit, mit Lobbying und allen ihren Mitteln diese Vorschläge zur Unkenntlichkeit zu verwässern. Von der Möglichkeit eines Referendums, falls das der Linken dann nicht akzeptabel erscheint, ganz zu schweigen.

Das ist so, wie wenn die Hütte wieder brennt, nachdem das letzte Feuer mühsam und mit Notrecht gelöscht wurde. Der Feuerwehrkommandant wiegt bedächtig das Haupt und sagt: so geht das ja nicht. Diesmal werden wir aber eine Sprinkleranlage und ganz viele Hydranten aufstellen. So etwa in zwei Jahren. Oder in zehn.

Und als Sahnehäubchen: dann kann der Besitzer der Hütte unsere Massnahmen nicht mehr mit jahrelangen Rechtsstreitigkeiten verzögern, es gibt keine aufschiebende Wirkung mehr.

Bevor sich der Feuermann dafür ausgiebig auf die Schulter klopfen könnte, wäre er seinen Posten los.

Schon gibt es Kritik vom Fachmann: «Die Angaben zu den Kriterien einer Frühintervention seien nicht erkennbar, sagt Hans Gersbach, Co-Direktor des Forschungsinstituts KOF der ETH Zürich. Ohne einen klaren Katalog an quantitativen und qualitativen Kriterien öffne sich aber eine Tür zu intransparenten Ermessensentscheiden, gibt er zu bedenken. Das führe zu Unsicherheit und rechtlichen Risiken.»

Um im Bild zu bleiben: der neue Feuerwehrschlauch hat zudem unzählige Löcher.

Unverständlich, wie Baches am Schluss ihres Artikels zu dieser Schlussfolgerung kommen kann: «Für die UBS ist das eine gute Nachricht: Ausgerechnet eine starke Finma könnte ihr dazu verhelfen, dass sie weniger zusätzliches Kapital aufbauen muss.»

Dazu werden ihr Bundesrat, FINMA und alle anderen Bundesbeamten sowieso verhelfen.

In den besseren Zeiten des Journalismus hätte man hier von einer Titel-Text-Schere gesprochen.

Die «Superkräfte» für die FINMA reduzieren sich bei genauerer Betrachtung als mit entschlossener Miene vorgetragene Ankündigungen. In zwei Jahren, in zehn Jahren werden wir dann aber ganz streng werden. Wenn man uns lässt.

Unser inkompetenter Bundesrat

Bonusstreichung als Zückerchen für die Öffentlichkeit. Versemmelt.

Dank dem unermüdlichen Arthur Rutishauser wissen wir: das Handeln des Bundesrats und insbesondere der Finanzministerin Karin Keller-Sutterthis is not a bail-out») beim Untergang der Credit Suisse ist an Unfähigkeit schwer zu überbieten.

Die Bank wurde zum Schnäppchenpreis an den gewieften Colm Kelleher, der mit allen irischen Wassern gewaschene VR-Präsident der UBS, weggeben. Der hatte sich schon längst auf den Fall vorbereitet und bot am Anfang eine schlappe Milliarde. Obwohl die Bank ein Mehrfaches wert war. Dann liess er sich auf 3 Milliarden hochverhandeln und holte sich dafür üppige Garantiezusagen ab. Seine schwierigste Leistung war, bei der legendären Pressekonferenz ein ernstes, staatstragendes Gesicht zu machen und zu unterdrücken, mal schnell aufs Klo zu gehen und schallend zu lachen.

Die zuständige Bundesrätin, gelernte Dolmetscherin, wusste offensichtlich nicht, was sie mit dem Satz «this is not a bail-out» auslösen würde. Genau das wäre die Voraussetzung für die angeordnete Abschreibung von At1-Wandelanleihen im Nominalwert von 16 Milliarden Dollar auf null gewesen. So laufen weltweit Schadensersatzprozesse, während nur das Bundesverwaltungsgericht tatenlos über dem Fall brütet und den Klägern so viele Hindernisse wie möglich in den Weg legt.

Aber in anderer Sache ist es zu einer Entscheidung gekommen. Die angeordnete Streichung von Boni für das mittlere Kader war rechtswidrig. Die Sache ist noch nicht rechtsgültig. Aber in seiner Begründung, aus der Rutishauser genüsslich zitiert, watscht es das Finanzdepartement und den gesamten Bundesrat regelrecht ab:

«Weder die Vorinstanz noch die Beschwerdegegnerinnen haben konkret dargelegt, dass und inwiefern die einzelnen Beschwerdeführenden durch ihr Tun oder pflichtwidriges Unterlassen übermässige Risiken und damit die finanzielle Situation der Verfügungsadressatinnen im März 2023 verschuldet hätten. Es ist auch unbestritten, dass die Vorinstanz keine Abklärungen getroffen hat in Bezug auf diese Frage und den Beschwerdeführenden auch kein rechtliches Gehör gewährte.»

Multiversagen, setzen, Pfeife, heisst das weniger juristisch ausgedrückt.

Und weiter mit Rutishauser: «Die sinngemässe Argumentation von EFD und UBS, die verfügte Streichung oder Kürzung der vertraglichen Ansprüche der Beschwerdeführenden sei notwendig und gerechtfertigt, «weil die Beschwerdeführenden erheblich (mit)verantwortlich seien für die wirtschaftliche Situation der Credit Suisse, welche die Staatshilfe notwendig gemacht habe, stellt somit eine völlig unbelegte und rechtlich irrelevante Behauptung dar», sagten die Richter.»

«Völlig unbelegt und rechtlich irrelevant», da müsste jeder Jurist rot anlaufen und sich ins «Schäm di»-Eckchen stellen. Hier geht es um vergleichsweise läppische 60 Millionen. Aber auch die CoCos AT1 (die sogenannten Todesspiralen-Anleihen) waren Bestandteil von aufgeschobenen Bonusprogrammen, die im April 2023 hätten ausbezahlt werden sollen. Und nicht wurden. Nach diesem Urteil vermutet Rutishauser, dass hier Kläger möglicherweise einen Anspruch auf satte weitere 250 Millionen haben.

Wer soll das bezahlen? Die CS mangels Existenz kann nicht. Die UBS will nicht und kann darauf verweisen, dass das ja eine notrechtliche Anordnung des Bundesrats war, die AT1 auf null abzuschreiben. Also dürfte die Staatshaftung greifen.

Mit freundlichen Grüssen an den Schweizer Steuerzahler, der das dann blechen darf.

Dass sich Keller-Sutter und der Gesamtbundesrat in diesem finanztechnischen Dickicht verstolpert haben, ist eine Sache. Was die ganzen wohlbezahlten juristischen Sesselfurzer im EFD machen, welches Kommunikationsgenie der Bundesrätin den fatalen Satz mit auf den Weg gab, das verschwindet hinter den hohen Mauern der Amtsstuben, wo das bewährte Prinzip gilt: also schuld ist hier keiner, wir verrichten nur unseren Dienst.

Dienst ist Dienst, und Schnaps ist Schnaps. Das gilt auch für Schnapsideen.

Schamlos

Boni für CS-Versager: abkassieren, sagt das Bundesverwaltungsgericht.

Geldgierige Banker kennen nix, wenn es um ihren eigenen Geldbeutel geht. Mit vereinten Kräften, angeführt von einem Versagerrat und einer inkompetenten Führungsriege, führte Missmanagement in erschreckendem Ausmass die einstmals angesehene Credit Suisse in den Abgrund.

Um trotz Milliardenverlusten weiter Boni auszahlen zu können, wurden sogar Filetstücke wie Hypotheken ausgelagert und verpfändet. Ein Skandal im Skandal.

Zwei Monate nach der Notübernahme durch die UBS stricht im Mai 2023 der Bundesrat die Boni von rund 1000 CS-Managern. Vergleichsweise lächerliche 62 Millionen Franken.

Dagegen gelangten zwölf schamlose CS-Banker, stellvertretend für ihre Kollegen, ans Bundesverwaltungsgericht. Das ihnen nun Recht gab. Für diese Kürzung fehle die rechtliche Grundlage, zudem sei sie ein Eingriff in die Eigentumsgarantie. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Ob Gewinn oder Verlust, der Bankerbonus ist ein Menschenrecht.

Statt sich abgrundtief zu schämen, die Bank über Jahre hinweg gegen die Wand gefahren zu haben, statt zur Kenntnis zu nehmen, dass es nicht sein kann, dass für kumulierte 32,3 Milliarden Verlust eine fast gleich grosse Summe an Boni ausbezahlt wurde, haben diese Gierbanker noch die Stirn, sich gegen eine vergleichsweise läppische Kürzung juristisch zu wehren.

Aber das ist noch nicht der ganze Skandal.

Das Bundesverwaltungsgericht stellt fest, dass dem Bundesrat die rechtliche Grundlage für einen solchen Entscheid gefehlt habe.

«Die Frage der Verantwortung der betroffenen Manager ist laut dem Gericht rechtlich irrelevant. Ausserdem konnte der Bund keinem der zwölf beschwerdeführenden Manager ein Fehlverhalten nachweisen», schreibt die NZZ.

Das Sahnehäubchen ist, dass einige der Beschwerdeführer weiterhin für die UBS arbeiten. Ein schwerer Fehler, solche Nulpen weiter zu beschäftigen.

Der Bundesrat, ansonsten mit Notrecht schnell zur Hand, hat hier offensichtlich eine dermassen schwache Begründung für den Entscheid geliefert, dass sie einer rechtlichen Überprüfung nicht standhielt. Eine Klatsche für Karin Keller-Sutter, die hier der Öffentlichkeit Zucker geben wollte und damit kläglich gescheitert ist.

Weder im Grossen, noch im Kleinen ist die Landesregierung in der Lage, Banker in die Schranken zu weisen.

Aber damit ist der Skandal noch nicht zu Ende erzählt.

Auf der anderen Seite entschied der überforderte Bundesrat, per Notrecht der Bankenaufsicht Finma die Anweisung zu geben, AT1-Wandelanleihen im Nominalwert von rund 16 Milliarden Franken auf null abzuschreiben. Dadurch verloren weltweit institutionelle und Kleinanleger ihre gesamte Investition.

Dagegen wird nun überall geklagt, der Reputationsschaden für den Finanzplatz Schweiz ist immens. Auch hier ist die Rechtsgrundlage mehr als wackelig.

Während aber im Fall der Bonusgierigen das Bundesverwaltungsgericht relativ schnell zu einem Entscheid gelangte, verlieren sich diese Klage im Dickicht von rechtlichen Hürden, müssen Akteneinsicht und andere Voraussetzungen für eine erfolgreiche Klage mühsam und teuer erkämpft werden – in der Schweiz.

Ein Entscheid des gleichen Gerichts liegt noch in weiter Ferne. Wahrscheinlich werden zuerst in England oder in den USA Gerichtsentscheide erfolgen.

Sollten sie zugunsten der Kläger ausfallen, kommen auf den Bundesrat – und somit auf den Schweizer Steuerzahler – Milliardenforderung zu, es greift die Staatshaftung für fahrlässiges und gesetzlich nicht gedecktes Verhalten. Aber auch der Bundesrat wird dafür persönlich nicht geradestehen müssen.

Die CS ist noch nicht tot, ihr Kadaver verfault immer noch und lässt übelreichende Blasen platzen.

Ganz abgesehen davon, dass die Boni der obersten Führungsriege, von der mehr als traurigen Gestalt Urs Rohnerweisse Weste») abwärts, nicht mal in der Gefahr stehen, ihre Multimilliardenboni über die lange Zeit des Untergangs hinweg zu verlieren.

Sie werden weder strafrechtlich noch zivilrechtlich verfolgt. Alleine in den USA drohen einigen von ihnen Verantwortlichkeitsklagen für klare Lügen, für ein unverantwortliches Schönschwatzen der lebensgefährlichen Situation der CS.

All das macht den selbstverschuldeten Untergang der Bank, die von Alfred Escher gegründet wurde, zum grössten Skandal der Schweizer Bankengeschichte.

Ganz zu schweigen von den Aktionären, die über Jahre hinweg zuschauen konnten, wie ihre Investitionen durch schreiende Inkompetenz abgeschmolzen wurden.

In der Schweiz ist offenbar nicht einmal die Landesregierung in der Lage, solchem Treiben Einhalt zu bieten. Ganz abgesehen davon dass der Notverkauf an einen cleveren UBS-Boss, der die Bundeszwerge eiskalt über den Tisch zog, erbärmlich war.

Der bot zunächst für eine Bank, die immer noch ein Vielfaches wert war, eine mickrige Milliarde. Und liess sich dann, gegen einen üppigen Strauss von Zusicherungen, um sein angeblich risikohaftes, aber aus staatstragendem Gewissen erfolgendes Handeln abzusichern, auf genauso mickrige drei Milliarden hochhandeln.

Dabei hatte die UBS sich schon lange vor dem Bundesrat auf dieses Ende vorbereitet, eigene Manager in höchste Position der serbelnden Bank gehievt, um haargenau über ihren Zustand informiert zu sein.

Banker können sich alles erlauben, sie kommen damit davon. Das ist die bittere Bilanz dieses Trauerspiels.

 

 

Brandmauern

Die Mauer zum Brandschutz ist in vielen Köpfen verbaut.

«Notfalls müssen X oder TikTok gesperrt werden», verkündet die ins Parlament gerutschte Grüne-Nationalrätin Meret Schneider in der «SonntagsZeitung». In Deutschland ist «Brandmauer» das politische Schlagwort des Wahlkampfs.

Der Grüne Abwrack-Minister Robert Habeck (bitte nicht einklagen) und Kanzlerkandidat weigerte sich, mit der Kanzlerkandidatin Alice Weidel zu debattieren. Dafür durfte der Noch-Kanzler Olaf Scholz gegen den CDU-Kandidaten Friedrich Merz antreten. Obwohl seine SPD etwas oberhalb der Grünen dahindümpelt und die AfD laut Umfragen nach der CDU mit 22 Prozent die wählerstärkste Partei ist.

Asylanten begehen Attentate in Deutschland, Brandmauer. US-Aussenminister Vance hält in München eine Rede. Brandmauer. Bundesrätin Karin Keller-Sutter vermag seinem Aufruf zu Demokratie und freier Rede etwas abgewinnen. Grosse Brandmauer. Der SP-Berufspolitiker und Funktionär Cédric Wermuth übertrifft sich wieder mal selbst: «Anbiederung an den Neofaschismus». Da fehlen die Worte vor so viel dumpfer Demagogie.

In den USA werden Auswüchse des Genderwahns zurückgeschnitten, es gibt wieder nur zwei Geschlechter. Grosse Firmen stellen ihre absurden Diversity-Programme ein. Ganz grosse Brandmauer.

Ursprünglich wurde der Begriff geprägt, um klarzustellen, dass keine der anderen Parteien etwas mit der AfD zu tun haben will. Als der CDU-Vorsitzende Merz im deutschen Bundestag mit den Stimmen der AfD einen Vorschlag zur Verbesserung des Asylchaos erfolgreich einbrachte, stürzten unzählige Brandmauern über ihm ein. Der Vorschlag sei zwar durchaus vernünftig, aber vergiftet und falsch, weil ihm die Bösen zustimmten.

Schon längst sind solche Brandmauern in den Köpfen vieler Journalisten angekommen. Wer ein Widerwort gegen ihre immer verzweifelteren Versuche wagt, mit wokem Geschwafel und der Sprachvergewaltigung Korrekt-Deutsch an den Lesern vorbeizuschieben, wird ausgegrenzt. Debatte war gestern, heute ist Brandmauer.

In der Mediendatenbank SMD gibt es alleine im letzten Monat 1415 Treffer dafür. «Kontoverse Debatte» hingegen kommt 209 mal vor. Sagt einer was, Brandmauer. Was hat er eigentlich gesagt? Völlig egal, er ist Teil der dunklen Seite der Macht.

Aus Verantwortung, weil es in der Schweiz nur zwei grosse Medienkonzerne mit einem wahren Kopfblattsalat gibt, die die öffentliche Debatte beherrschen (und noch ein wenig «Blick»), sie wenigstens als Podiumsorgane zu führen – vergiss es. Das wurde beim grossen Aufräumen und dem Ergiessen von Einheitssosse in alle Organe mit heiligen Eiden beschworen – es findet nicht statt.

Sexismus ist nach wie vor das Lieblingshobby von Tamedia. Dem «Fall Travis» wird online bereits eine eigene Rubrik gewidmet, ständig ausgebaut. «Was den Spitzenfussball so anfällig macht für sexuelle Gewalt», «Der FCZ holt sich mit Benjamin Wendy ein gewaltiges Problem ins Haus», «Unser Dokfilm zeigt, wie ein Zürcher Party.Influencer Frauen sexuell ausnützt». Aber natürlich gilt die Unschuldsvermutung, kicher.

Jenseits jeder Brandmauer ist auch alles, was mit einem Wort zu tun hat: Trump. «Wird die Schweizer Politlandschaft «trumpisiert»?», «Es wächst die Sorge vor einem perfiden Plan des US-Präsidenten». Eine gleichhohe Brandmauer wird um den zweiten Gottseibeiuns aufgezogen: Elon Musk.

Der Ton wird im Allgemeinen keifiger; immer vorne dabei Jacqueline Badran:

«Weshalb schreiben Journalisten lieber Schüleraufsätzchen über die vierte Staffel der Trump-Show, statt über dessen krasse Inkompetenz zu berichten

Berechtigter wäre die Frage: wieso schreiben Journalisten Schüleraufsätzen gegen alles vermeintliche Übel in der Welt, statt sich ihrer eigenen Inkompetenz bewusst zu werden?

Natürlich ist es für Flachköpfe hilfreich, die Welt in ein einfaches Raster zu pressen. Was auch immer Trump, Musk (von Putin ganz zu schweigen) tun, ist übel. Falsch. Gefährlich. Wenn die AfD irgend etwas zustimmt, dann wird das dadurch falsch, auch wenn es vorher vielleicht richtig war. Das macht die Navigation in einer unübersichtlichen Welt einfach. Überall schwimmen Heulbojen im Meer des Nicht-Verstehens, die vor Untiefen und Ungeheuern warnen.

Herausragend ist und bleibt der «Spiegel». «Chaos ist das neue Normal», ««Die Europäer sind feige»», «Eure Empörung hilft nur der AfD», «US-Regierung will gefeuerte Beamte wieder einstellen – hat aber keine Kontaktdaten mehr», «Die Kotzbrocken-Doktrin» (muss jemand raten, wer gemeint ist?), «Erleben wir gerade einen Staatsstreich, orchestriert aus dem Weissen Haus?», «Trumps Feldzug gegen die Wahrheit», «Warum Trumps Vize der AfD hilft», «Wer kann Donald Trump noch stoppen?»

Wie der Schwimmer, der mehrfach Hilfe schreit, und dann absäuft, weil ihn niemand mehr retten will, schreien diese modernen Grossinquisitoren «Faschist, Rechtspopulist, Rassist» bei jeder Gelegenheit, bis sich die Begriffe so abgenützt haben wie ein Reifen ohne Profil. Beliebt sind auch «instrumentalisieren, skrupellos» und «Hass schüren».

Es wird nicht mehr informiert, sondern vergeblich indoktriniert. Nach der alten Propagandamethode: wiederhole das ewig Gleiche immer wieder, und dann nochmal. Es bleibt hoffentlich in den Köpfen stecken.

Gegenseitiges Schulterklopfen in der Journaille ist die einzige Resonanz, die sie bekommen. Wer einem Beruf beim Verelenden zuschauen will, hier wird’s öffentlich aufgeführt.