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Ach, Münger

Der Auslandchef ohne Ausland und ohne Verstand.

Er ist der Meister der Fehlanalyse. «Umso wichtiger scheint, dass das Trump-Comeback verhindert wird», orakelte er ein Jahr vor den letzten US-Wahlen. «Joe Biden bleibt der aussichtsreichste Kandidat, um Donald Trump zu verhindern, ungeachtet der miesen Umfragewerte», behauptete er. Als der aussichtsreichste Kandidat dann wegen erwiesener Senilität zurückgetreten wurde, wiederholte sich Christof Münger: «Es geht bei diesem Wahlkampf nicht um politische Programme, sondern darum, das Comeback von Donald Trump im Weissen Haus zu verhindern. Wie man zu Kamala Harris steht, wird zur Nebensache.»

Aber wieso in der Vergangenheit schwelgen, auch der aktuelle Münger vermag zu erheitern. Muss auch frustrierend sein, sich «Leitung Ausland» zu nennen und unter sich einen verpeilten Enver Robelli als Stellvertreter zu haben. Die beiden Führungskräfte leiten ganze drei Auslandredaktoren. Bitter.

Aber da bleibt die Flucht in die grosse, weite Welt. Zumindest bis nach Ungarn: «Trump verliert seinen Best Buddy in Europa». So kann man das sehen. Interessiert nur keinen.

Richtig peinlich wird’s allerdings, wenn zwischen Redaktionsschluss und Publikation die Welt Münger nicht den Gefallen tut, stehenzubleiben: «Öffnung von Hormuz: Eine wirtschaftliche Verschnaufpause, aber noch nicht das Ende des Kriegs», wusste der Weltenlenker am 17. April. «Nun bietet sich die Chance, den Konflikt beizulegen», orakelte er weise. Dabei sollte er doch wissen, dass der Mad Man im Weissen Haus noch unberechenbarer als die Zahl Pi ist. Und was am 17. geschrieben wird, am 18. bereits obsolet geworden ist.

«Die Interessenlage auf beiden Seiten ermöglichte offenbar eine teilweise Einigung der Regierung Trump mit dem iranischen Regime», will der Kenner der Sachlage wissen. Tja, bessere Kenner der Sachlage würden sich nicht trauen, Aussagen darüber zu treffen, ob die Strasse von Hormus nun offen, zu, halboffen, halbzu oder überhaupt ist. Tanker kehren um, Trump wendet auf dem Absatz, Iran droht, Trump sagt, es gebe ein Abkommen «in ein oder zwei Tagen». Oder es werde wieder bombardiert, oder so. Trump sagt, die USA würden das angereicherte Uran Irans übernehmen. «Irans angereichertes Uran wird nirgendwohin transferiert», sagt der Sprecher des iranischen Außenministeriums. Vielleicht verwechselt Trump Uran und Iran, kann doch passieren.

Also in einem Wort: Kuddelmuddel. Chaos. Widerspruch im Widerspruch. Wer nicht weiss, dass eine Aussage von Trump schon nicht mehr zutreffen kann, bevor er den Satz zu Ende gebrabbelt hat, disqualifiziert sich als Analyst und Kommentator.

Vielleicht sollte sich die Rumpf-Auslandsredaktion von Tamedia darauf beschränken, schlechtere Titel und Leads über die Korrespondentenberichte der «Süddeutschen Zeitung» zu setzen und sie fürs Korsett der Artikellängen im Verschiebebahnhof des Tamedia-Kopfsalats zurechtzuschnitzen.

Denn wie verkündete die publizistische Leiter nach unten: Zur Qualitätssteigerung werde eine neue Artikellänge eingeführt: XS, gleich 1500 A maximal. Das ergänzt die Textlängen S (2500 A), M (4000 A), L (6000) und XL (8000 A). Abweichungen werden nur noch bis zu maximal 150 A toleriert. Eine neue «Weichenstellung für den unabhängigen Qualitätsjournalismus» à la Simon Bärtschi. Mit seiner Schmerzfreiheit könnte er problemlos Pressesprecher von Trump werden.

Dem armen Münger bleibt nur ein einziger wahrer Satz am Ende seiner regelwidrig auf 5000 A gebastelten «Meinung», die gar eine «Analyse» sein soll:

«Deshalb ist noch unklar, wer als Sieger aus diesem Konflikt hervorgeht.»

Klar ist: alles ist unklar. Klar ist: bei Trump weiss man nie. Klar ist: Münger weiss es auch nicht. Unklar ist einzig: wieso hält er dann nicht die Klappe?

Völlig unklar ist: wieso soll jemand für diesen Schrott bezahlen? Oder sagten wir das schon in aller Klarheit?

 

Wahn und Wirklichkeit

Die bekannte Unke Peter Burghardt sieht wieder einmal ein Ende nahen.

Der Korrespondent der «Süddeutschen Zeitung» sah schon das Ende der Demokratie in den USA kommen. Und versuchte verzweifelt, gegen den damals drohenden Wahlsieg von Donald Trump anzuschreiben. Vergeblich.

Aktuell übernimmt das Haus der Qualitätsmedien Tamedia seinen Stuss via München und setzt ihn seinen Lesern zahlungspflichtig vor.

«Weil sich «Post»-Besitzer Jeff Bezos dem US-Präsidenten beugt, laufen der einstigen Bastion für furchtlosen Journalismus Redaktoren und Abonnenten davon. Der frühere Chefredaktor Martin Baron findet deutliche Worte für den Verfall.»

Koinzidenz mit Kausalität verwechseln, ein beliebter Fehler.

Als Kronzeugen für sein Untergangsszenario hat er sich einer sehr glaubhaften Quelle versichert. Des ehemaligen Chefredaktors Martin Baron. Der leitete die WaPo von 2013 bis 2021. «Ich hatte mit dem Schlimmsten gerechnet, aber es ist noch schlimmer», jammert Baron ins Mikrophon. Der Besitzer Jeff Bezos (Amazon) sei vor Trump eingeknickt, indem er der Redaktion untersagte, eine Wahlempfehlung für die gescheiterte Kandidaten Kamala Harris abzugeben. Seither seien «mehr als 300’000 Abonnemente inzwischen bei der «Washington Post» storniert» worden, «genaue Zahlen gibt es nicht». Dafür ist das aber eine ziemlich genaue Zahl.

Die Lage sei furchtbar, unkt Burghardt: «Fast täglich fragen jetzt ehemalige «Post»-Kollegen Martin Baron um Rat. Gehen? Bleiben? Baron spricht mit ihnen die Möglichkeiten durch.» Er erinnert an die glorreichen Zeiten, als zwei mutige Journalisten den damaligen Präsidenten Richard Nixon mit dem Watergate-Skandal zum Rücktritt zwangen.

Das ist Nostalgie, aber die Wirklichkeit sieht mal wieder ganz anders aus, als sie Burghardt beschreibt, der lieber in seiner Gesinnungsblase leben möchte.

Die reale Entwicklung der Abonnentenzahlen sieht so aus:

  • 1993: Die Washington Post erreichte ihren Höhepunkt mit einer durchschnittlichen werktäglichen Auflage von 832.332 Exemplaren und einer Sonntagsauflage von über 1,15 Millionen.

  • 2012: Die werktägliche Auflage sank auf 484.385, was einem weiteren Rückgang von 8,4 % gegenüber dem Vorjahr entspricht.

  • 2016: Die Auflage lag bei 507.615 Exemplaren.

  • 2023: Die durchschnittliche werktägliche Printauflage betrug 139.232 Exemplare.

Digital sieht es so aus:

  • 2018: Über 1 Million digitale Abonnenten.

  • 2023: 2,5 Millionen digitale Abonnenten.

Trotz dieses Wachstums verlor die Zeitung seit Ende 2020 etwa 500.000 Abonnenten und verzeichnete 2023 einen Verlust von rund 100 Millionen US-Dollar. So viel zum erfolgreichen Wirken von Baron.

Das Blatt war am Abserbeln, als es Bezos 2023 für 250 Millionen Dollar in Cash kaufte. Er verpasste ihm den Slogan «Democracy dies in darkness» und investierte seither viele weitere Millionen. Unter Bezos‘ Führung erlebte die «Washington Post» eine umfassende Digitalisierung und Modernisierung. Dazu gehörten der Ausbau des Entwicklerteams, die Optimierung für mobile Endgeräte und die Einführung neuer Einnahmequellen wie Softwarelizenzen und Partnerschaften mit anderen Medienhäusern.

Ohne diesen Investor gäbe es die WaPo nicht mehr, sicherlich nicht in der heutigen Form. Trotz Abgängen und Sparmassnahmen beschäftigt die Zeitung immer noch rund 940 Redakteure. Der «Tages-Anzeiger» hat dagegen noch rund 300 Mitarbeiter, die SZ ungefähr 450. Wobei es schwierig ist, bei den ganzen Rausschmissen den Überblick zu behalten.

Es ist aber keinesfalls so, dass die WaPo erst neuerdings Abonnenten verliert. Gleichzeitig steht Bezos für die Verluste gerade, die die Zeitung immer noch produziert.

Von den 940 Mitarbeitern verliessen eine Handvoll das Blatt unter grossem Getöse. Dennoch bemüht sich eine dreimal so grosse Redaktion wie beim Tagi, rund um die Uhr News zu produzieren, ohne dabei sehr viele Inhalte von einer anderen Zeitung im Ausland zu übernehmen.

Darunter ein Stück wie das von Burghardt, das an Realitätsferne nicht zu überbieten ist, wo Wille und Gesinnung wichtiger sind als eine nüchterne Betrachtung der Wirklichkeit. Es wäre für den Journalisten ein Leichtes gewesen, sich über die wirklichen Zahlen zu informieren und sie seinen Lesern zu präsentieren.

Stattdessen verliert er sich in solchen Nebensächlichkeiten: «Es ist neun Uhr morgens, Martin Baron, den die meisten einfach nur Marty nennen, beugt sich über seinen Laptop. Er wohnt inzwischen die meiste Zeit in Massachusetts. Hemd, Brille, grauer Bart – 70 Jahre ist er alt, einer der renommiertesten Journalisten der USA.»

Schön, dass wir das nun wissen. Aber wie es wirklich um die finanzielle Situation des Blatts steht, welche Bedeutung die Rettungsaktion von Bezos und seine tatkräftige Hilfe bei der Umstellung aufs Digitale hat, das unterschlägt Burghardt seinen Lesern.

Ebenso jede Erwähnung des aktuellen Inhalts. Da muss der Leser schon selber nachforschen, wenn er des Englischen mächtig ist. Dann wird er sehen, dass die WaPo keineswegs lauter Lobeshymnen auf Trump oder seinen Sidekick Elon Musk anstimmt.

Aber Burghardt schreibt lieber nach der Devise: was nicht passt, wird passend gemacht. Oder einfach weggelassen.

Dabei gehört es eigentlich zum Ehrenkodex jedes zurückgetreten Chefredaktors (wie auch jedes anständigen Politikers), dass er vom Altenteil aus nicht seine Nachfolger mit Kritik und launigen Bemerkungen überzieht.

Blöd auch, dass ihm sein Kronzeuge sogar selbst ins Knie schiesst: «Er» (Baron, ZACKBUM) «überfliegt während des Videocalls die aktuelle Ausgabe. Und? «Sieht ziemlich normal aus», sagt er. Da ist an diesem Tag unter anderem ein kritischer Artikel über Donald Trumps Strafzölle.»

Aber immerhin, ein gewünschtes Quote konnte er Baron entlocken: «Meine Sorge gilt dem Verhalten des Eigentümers. Das untergräbt den Ruf der Zeitung.» Das wird dann in einer Bildlegende hochgejazzt zu: «Der Eigentümer untergräbt den Ruf der Zeitung.» Eine solche Schludrigkeit würde man in der WaPo nicht durchgehen lassen.

Aber Burghardt schreibt halt in einer anderen Liga. Seine Art zu schreiben ist in Wirklichkeit Anlass zur Befürchtung, dass so der Journalismus stirbt, sich überflüssig macht, nichts zur Erkenntnis des Lesers beiträgt. Aber das merkt die Unke natürlich nicht.

 

 

 

Der Tamedia-Leser als solcher

verfault gerne kommod in seiner Blubberblase.

Jedes Organ hat die Leser, die es verdient. ZACKBUM ist natürlich begeistert über seine, vor allem, wenn sie so des Lobes voll sind.

Der WeWo-Leser droht mit Kündigung des Abos, wenn er nicht ausschliesslich «Trump ist ein stabiles Genie»-Artikel serviert bekommt.

So weit geht der Tamedia-Leser nicht. Aber wenn Alexandra Kedves sich nicht etwa enthüllende Gedanken über Nacktheit macht, dann übt sie sogar gelegentlich ihren Beruf aus. Zum Beispiel mit einem Interview mit der streitbaren US-Schriftstellerin Lionel Shriver. Die hat eine Dystopie entlang der lustigen These veröffentlicht, dass alle für gleich intelligent erklärt werden und daher Können oder Kompetenz als Kriterien verboten sind.

Was daran allerdings «rasant» sein soll, erschliesst sich nicht ganz. Die Fragen von Kedves sind es nicht: «Wirklich? Warum nicht? Nun ja. Bitte. Wieso?»

Im Interview sagt Shriver trotzdem ein paar freche Sachen. Zum Beispiel, dass die gescheiterte Präsidentschaftskandidaten Kamala Harris «dumm» sei, «eine wandelnde Bügelfalte, ihre öffentlichen Auftritte waren peinlich. Unwählbar». Zusammen mit dem Zitattitel ist es klar, dass das den kommunen Tamedia-Leser schwer in Wallungen bringt. Immerhin 69 (Zwischenstand) haben zum Griffel gegriffen und geben ihrer Empörung über diese Störung ihres geistigen Wohlbefindens in wackeliger Orthografie und verstolpertem Inhalt Ausdruck.

Ein Einziger wagt es, das Gespräch immerhin anregend zu finden. Sonst herrscht erbitterte Gegenwehr, oberlehrerhafte Zurechtweisung: «Es scheint, dass Sie den Hauptzweck der Gründung der EU nie erfasst hat.» Ein wandelndes Fragezeichen: «Frage mich gerade, was den gut ist, was Donalt Trump macht. Mann nenne mir nur 1.» Harsche Verurteilung des neuen US-Gesundheitsministers Kennedy: «Er ist mitschuldig am Tod des Jungen.» Was Shriver sage, «zeigt ihre ressentimentgeladene Ahnungslosigkeit». Im Gegensatz zu der des Kommentators. Ein anderer kommt zum Fazit: «Ein peinliches Interview.» Dazu passt dann ja ein peinlicher Kommentar.

Ein anderer hat den Durchblick: «Über gewisse strecken entlarvt sich Frau Shriver etwas in ihrer Einfältigkeit.» Einer geht noch weiter: «Hysterisches Geschwätz!» Klarer Sexismusverdacht. Einer will mit feiner Klinge arbeiten, fällt aber auf die Schnauze, weil er nicht zwischen legaler und illegaler Immigration zu unterscheiden vermag: «Man kann natürlich als US-Staatsbürger Jahrzehnte lang im UK und dann in Portugal leben, und gleichzeitig gegen Immigranten sein. Besonders Glaubwürdig ist das aber nicht

Einer gesteht völliges Unwissen ein und ist noch stolz darauf: «Wer ist Lionel Shriver ? Noch nie gehört. Offenbar hat sie Bücher geschrieben. Ich denke nicht, dass ich je ein Buch von ihr (ihm ? Lionel ist doch ein männlicher Vorname ? Item) zur Hand nehmen werde. Nach diesem Interview möchte ich jedenfalls lieber nie mehr etwas hören von dieser Person.» Ein etwas höheres, wenn auch inhaltsleeres Niveau: «Eine geschwätzige, sprunghafte und selbstreferenzielle Frau.» Selbstreferenziell, wow.

Ein anderer proletet am Stammtisch:

«Irgendwie peinlich dieses Interview. Voller Widersprüche und Stammtischparolen.»

Man habe Nachsicht mit ZACKBUM, dass wir hier die Lektüre aufgegeben haben; zu viel duschen ist auch ungesund, wenn man durch solchen Gedankenschlamm waten muss.

Für den Medienkrtitiker ist das ein Ausflug in die Katakomben der angeblich so mündigen und kritischen Leser der Qualitätsorgane von Tamedia. Aber Hand aufs Herz, Frau Peppel-Schulz, Frau Birrer, Herr Bärtschi, mit Einsparungen ewig auf der Suche nach Qualitätssteigerung: können Sie wirklich verantworten, täglich einen Beitrag zu solcher Volksverdummung zu leisten? Denn diese unreflektierte Dummschwätzer-Blase haben Sie doch aufgepumpt mit ihrer woken Generallinie und seitenweise Ratschlägen zur inkludierenden, gendergerechten und mit Sternchen durchbohrten Sprache mit hohem Wohlfühlfaktor für alle, garantiert diskriminierungs- und hirnschmalzfrei.

Sticht da jemand hinein, dann entweicht übler, fauliger Geruch. Auf diese Leistung können sie sicherlich stolz sein. Solange es sie samt ihren Organen noch gibt.

 

 

 

Tri, tra, Trump

Ab heute geht’s los. Nur: wohin?

Für die einen bricht Heulen und Zähneklappern aus. Sie haben vor Donald Trump gewarnt. Ihm alle Sünden der Vergangenheit vorgerechnet (und das sind nicht wenige). Sie meckern, dass nun der erste vorbestrafte Präsident ins Weisse Haus Einzug halte.

Sie haben zuvor mit aller Kraft (also gar keiner, man denke nur an Auslandchef Münger von Tamedia) zuerst den senilen Joe Biden als grossartige Gegenfigur hochgejubelt. Dann auf dem Absatz kehrt gemacht und die unbeliebte Kamala Harris als grossartige Gegenfigur hochgejubelt. Bis es dann kam, wie es kommen musste, wenn das das Personal ist, mit dem die Demokraten gegen Trump gewinnen wollten.

Wahlprogramme, Unterschiede? Was für Wahlprogramme? Darüber zu informieren, das hielten die meisten Mainstreammedien nicht für nötig. Wenn Trump gewinnt, wird’s furchtbar, das genügt doch als Wahlprogramm. Wenn Trump gewinnt, sitzt ein Faschist im Weissen Haus, entblödete sich einer der tonangebenden Flachdenker bei Tamedia nicht zu schreiben.

Endlich kommt Trump wieder, jubeln seine (nicht so zahlreichen) Anhänger in den Medien. Der Mann wird aufräumen, die Bürokratie niedermachen, alle seine Versprechungen einlösen. Den Gaza-Krieg hat er ja bereits in einen Waffenstillstand verwandelt, fehlt nur noch die Ukraine. Und mit seinen Zolldrohungen wird er die Nachbarländer und China dazu zwingen, endlich mal was gegen Drogenhandel und Dumpingexporte zu unternehmen.

Was wird’s sein? Nun, die einzig sichere Prognose ist: die Welt wird bis Ende Jahr eine ganz andere sein als heute. Besser, schlechter, das liegt wohl im Auge des Betrachters.

Aber selbst die glühendsten Anhänger Trumps können nicht bestreiten, dass er über ein paar gravierende Charakterdefekte verfügt. Als typischer (und eher erfolgloser) New Yorker Immobilienhai liebt er die hochtourige Sprache; alles muss «great, fantastic, never before, huge, gigantic» sein. Dass es das meistens nicht ist, kratzt ihn überhaupt nicht.

Von vielen Niederlagen abgehärtet, hängt er sein Ego mit einer Penetranz heraus, die höchstens noch von seiner merkwürdigen Frisur übertroffen wird.

Was kommt, ist schwer zu sagen. Wie es dazu kommen konnte, das schon eher. Ist es nicht so, dass noch extremer als in Kerneuropa in den USA sich linksliberale Kräfte, ja die grösseren Teile der demokratischen Partei, nicht mehr um die Anliegen der breiten Bevölkerung gekümmert haben?

Wokeness, gendern, nötige Anzahl von Toiletten, ein ganzer Genderzoo mit über 160 verschiedenen Teilnehmern, political correctness bis zur Hirnstarre, Seminare, in denen sich selbst gestandene Professoren nichts mehr zu sagen trauten, angesichts der Inquisition der rechthaberischen Gutmenschen.

Der Linksliberalismus ist zu dem denaturiert, was er früher so fleissig bekämpfte. Er ist dogmatisch, rechthaberisch, denunzierend, keine von der eigenen Meinung abweichende Äusserung tolerierend geworden. Diversity, dazu das Recht von jedem, sich wegen irgend etwas unwohl zu fühlen, gar zu leiden, berechtigt zu sein, Rücksicht zu fordern, all diese wilden Stammestänze interessieren die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung einen feuchten Dreck.

Wenn das Hoforgan der korrekten Lebensart (nein, neben der «Republik» gibt’s doch Tamedia) mal um mal erbittert zur Kenntnis nehmen musste, dass der überwältigenden Mehrheit seiner Leser das Gendersternchen sowas von an einem gewissen Körperteil vorbeigeht – dann gingt man vom Gas mit solchen Unsinn? Aber nein, dann stellte die Chefredaktorin höchstpersönlich fest, dass da halt noch viel Aufklärungsarbeit vor Tamedia liege.

Kein Wunder, ohne eine pervertierte Genderpolitik bei Beförderungen, nachdem 76 erregte Tamedia-Frauen eine ganze Latte von völlig unbewiesenen Anschuldigungen in den Raum gestellt hatten, wäre Raphaela Birrer doch niemals in ihre Position geglitten.

Trump mag Anlass zu Bedenken geben. Aber was sich die geleistet haben, die ihn mitermöglichten, das ist wirklich besorgniserregend. Die Medien fahren auf dem Weg nach unten weiter. Corona, Ukraine, Trump zum Ersten, Trump zum Zweiten: nichts gelernt, nichts verbessert, nichts seingelassen.

Dabei ist’s doch banal. Wer Trump hasst, braucht nicht ständig in seinem Newsmedium die Bestätigung dafür, dass es vielen Redaktoren auch so geht. Wer ein Anhänger Trumps ist, will sicherlich nicht ständig lesen, wie der eine reinkriegt. Und wer gerne informative, Erkenntnis steigernde, die Wirklichkeit abzubilden versuchende Berichterstattung will, der kann lange suchen – und wird nicht fündig.

Allerdings ist Trump die neue Präsidentschaft recht sportlich angegangen. Mit militärischen Mitteln zu drohen, um die Besitztümer der USA etwas abzurunden, einen solchen offenen Imperialismus hatten wir in den USA lange nicht mehr. Dagegen ist Putin fast ein Weichei, das nur in nächster Nähe seines Territoriums keine Nato-Truppen stationiert sehen möchte.

 

Willkommen zum Alptraum

Grössenwahnsinniges Genie plus aufgeblasener Lügner: das Jahr wird spannend.

Schon bevor der Egomane Nummer eins als Präsident inauguriert wird, fabuliert Donald Trump bereits davon, Kanada, den Panamakanal und Grönland den USA einzuverleiben. Dabei schliesst er tatsächlich den Einsatz militärischer Gewalt ausdrücklich nicht aus.

Schon bevor der Egomane Nummer zwei als offizieller Sonderberater im Amt ist, verbeisst Elon Musk sich in Grossbritannien. Will den Brexit-Hero Farage zuerst mit 100 Millionen unterstützen, um dann handkehrum seine Absetzung zu fordern. Gleichzeitig fragt er sich, ob man Grossbritannien nicht von seiner Regierung befreien sollte.

Unermesslicher Reichtum, dazu unermessliche politische, wirtschaftliche und militärische Macht im Besitz von zwei unguided missiles: das nennt man ein Pulverfass mit kurzer Lunte.

Würde der russische oder der chinesische Präsident solchen brandgefährlichen Unsinn quatschen, man sähe die Halszäpfchen sämtlicher Kommentatoren aller Mainstream-Medien. So aber herrscht gedämpfte Fassungslosigkeit.

««Make Greenland Great again» – Trump will Grönland kaufen und schickt seinen Sohn vor», titelt die NZZ. «Trump kündigt «goldenes Zeitalter an» – droht mit Militäreinsätzen» (bluewin.ch). «Rundumschlag bei aufsehenerregender Pressekonferenz» («Blick»), «Denkwürdiger Auftritt: Trump kündigt «goldenes Zeitalter an» (SDA, die Quelle für fast alle), «Bringt er sich gerade als Nachfolger in Stellung?» (Tamedia holzt eine Meldung der SZ über Trump Junior zusammen), «Panamakanal, Grönland und Gaza – Trump droht mit Militär» («20Minuten»), «US-Expansionspläne: Trump schliesst Militäreinsatz nicht aus» (Tamedia kopiert DPA).

Das ist alles?

Dass der reichste Mann der Welt ein gestörter Lümmel und Rabauke ist, dessen zu einem absurden Börsenwert von 1200 Milliarden aufgeblasene Firma Tesla den grössten Börsencrash aller Zeiten auslösen kann, wenn diese Blase platzt – kein Anlass zu ernsthafter Beunruhigung?

Dass der mächtigste Mann der Welt und Oberbefehlshaber der mit Abstand grössten Militärmaschine nicht nur absurde Strafzölle als Big Stick einsetzen will, sondern offen mit bewaffneten Aktionen zwecks Invasion souveräner Länder droht – kein Anlass zu sehr ernsthafter Beunruhigung? Wäre auch nicht das erste Mal in jüngster Zeit, dass die USA in Panama einmarschieren.

Wird mal wieder geschehen, was wir uns nicht vorstellen können, und könnten wir es, es geschähe nicht, um Karl Kraus zu paraphrasieren?

Dass sich hier zwei Gestörte gefunden haben, in einer Folie à deux, wo sie sich gegenseitig verstärken und im Wahnsinn und Murksen übertrumpfen, kann das gutgehen?

Schwer zu entscheiden, wer der gefährlichste Mann der Welt ist, Trump oder Musk. Der eine operiert  ausserhalb jeglicher gesetzlicher oder demokratischer Kontrolle, der andere scheisst drauf, im Zweifelsfall.

Die medialen Flachdenker, herausragendes Beispiel der Tamedia-Auslandchef Christof Münger (ohne Ausland und Verstand) hatten zuerst den senilen Joe Biden als valablen Kandidaten gegen Trump hochgejubelt. Um dann auf Kamala Harris umzuschwenken, als letzter Notnagel auf die Rampe geschoben, Mission impossible.

Und nun herrscht fassungslose Schnappatmung, weil mal wieder niemand die Programmankündigungen Trumps gelesen hat. Man war zu beschäftigt darüber zu debattieren, ob Trump ein post-, proto- oder vollfaschistischer Populist ist oder nur ein einfacher Faschist, wie ihn der Schweizer Politik-Journalist des Jahres dummdreist beschimpft. Obwohl man ihm sicherlich vieles vorwerfen kann, aber nicht, dass er wüsste, was Faschismus überhaupt ist. Aber das unterscheidet ihn ja nicht von den meisten Medienkommentatoren.

Das Duo Infernal Trump/Musk scheint ein neues Zeitalter des Wahnsinns eingeläutet zu haben. Die Stimme der reinen Unvernunft behauptet: «Zeitenwende dank Trump: Zuckerberg befreit Facebook und Instagram». Kommt halt davon, wenn man wie Roger Köppel als Prinzip hat: Wenn alle dagegen sind, bin ich dafür, aber keine Ahnung, worum es eigentlich geht.

So nebenbei: was Zuckerberg macht, ist eine reine Sparmassnahme. Und wer Freiheit als unbegrenzt versteht, hat keine Ahnung, was Freiheit ist. Sie muss immer begrenzt sein, sonst wird sie zu Willkür, Wahnsinn und Perversion. Wer das Recht einfordert, Kinder zu ficken, nimmt damit keine Meinungsfreiheit in Anspruch. Wer fantasiert, möglichst viele Ungläubige abschlachten zu wollen, um in den Himmel zu kommen, ist auch kein Kämpfer für Meinungsfreiheit.

Richtig ist natürlich, dass in den USA eine völlig verlotterte und abgehobene demokratische Partei, die nichts Besseres als einen Biden und dann eine Harris gegen Trump aufzubieten hatte, grosse Schuld an dessen Wahlsieg trägt. So wie eine degenerierte SPD und eine denaturierte grüne Partei zum unaufhaltsamen Aufstieg der AfD beitragen. Frankreich, Italien, Österreich, überall das Gleiche.

Dieser Reihe von Versagern schliessen sich auch die Medien an. Absurde Genderfragen, wildes Gehampel zum Thema Inklusion und Diskriminierung, ausgeleierte Wiederholungen von Framings und Narrativen wie Rechtspopulist, Rassist, Faschist, Sexist, Klimaschutz als wichtigste und drängendste Aufgabe der Menschheit. In der Ukraine werden westliche Werte verteidigt, und Israel tut das auch. Der «Spiegel», der einen Opportunisten zur Kriegsgurgel mutieren lässt, ihm dafür den roten Teppich ausrollt und kein Widerwort wagt als Symbol für den unaufhaltsamen und sich beschleunigenden Niedergang der sogenannten vierten Gewalt, die schon längst ohne Gehalt unterwegs zum Friedhof ist.

Wo soll das alles enden? Gute Frage. Einzig sichere Prognose: Anfang 2026 wird sich die Welt von der heutigen deutlich unterscheiden. Darauf gibt ZACKBUM eine amtliche Garantie.

Das hat noch gefehlt

Was? Na, das Thema Misogynie.

Dieses Fremdwort beherrscht jede Kampffeministin, die etwas auf sich hält. Was das eigentlich ist? Wir holen tief Luft und machen uns mit Wikipedia schlau:

«Misogynie (von altgriechisch misos „Hass“, und gyne „Frau“) oder Frauenfeindlichkeit ist ein Oberbegriff für soziokulturelle Einstellungsmuster der geringeren Relevanz oder Wertigkeit von Frauen beziehungsweise der höheren Relevanz oder Wertigkeit von Männern. Sie wird sowohl von Männern als auch von Frauen selbst über die psychosoziale Entwicklung verinnerlicht (Sozialisation, Habitualisierung) und stellt die Erzeugungsgrundlage für den hierarchisierenden Geschlechtshabitus von Männlichkeit und Weiblichkeit dar. Sie ist damit die Basis hegemonialer Männlichkeit oder patriarchaler Beziehungsgefüge.»

Nachdem das geklärt ist, weisen wir auf das neuste Gelaber (Pardon, das wäre misogyn, also auf den neusten wertvollen Beitrag von Kerstin Hasse  – was wird denn nun aus der? – und Annik HosmannSie hat an der Universität Zürich Publizistik und Kulturanalyse mit einem Schwerpunkt auf moderner Kunstgeschichte studiert») hin:

Der Inhalt: «Wie konnte es dazu kommen? Wie konnte eine solche offene Misogynie in der Politik plötzlich salonfähig werden? Welche Rolle spielte die Geschlechterdebatte im Wahlkampf? Und sorgen die wieder gelockerten Abtreibungsgesetze in einigen Bundesstaaten für einen kleinen Hoffnungsschimmer?»

Will man das hören? Nein, auch wenn das sicherlich eine misogyne Antwort ist. Denn zum gleichen Thema ergreift auch noch Katharina Riehl das Wort:

Riehl ist auch so eine Absolventin des «Lehramtsstudiums», hat aber diesen Beruf verfehlt und «leitet seit April 2021 mit Stefan Kornelius das Politikressort der SZ». Was ihm überhaupt nicht guttut. Von Tamedia ganz zu schweigen, denn natürlich übernimmt das Qualitätsorgan im Glashaus das wirre Geschreibsel von Riehl. Denn die Mehrheit der US-Stimmbürger, get over it, hat tatsächlich lieber Trump gewählt als eine heisse Luft redende Frau.

Der schliesst sich Riehl an: «Gerade einmal 54 Prozent der amerikanischen Frauen stimmten für Kamala Harris als Präsidentin der Vereinigten Staaten; 44 Prozent hielten Donald Trump für den besseren Kandidaten.» Na und? Soll das etwa heissen, dass Frauen Frauen, Männer Männer wählen sollen? Blonde Männer in erster Linie Trump? Dunkelhaarige und -häutige Frauen dafür unbedingt Harris? Entscheidung nach Geschlecht? Wie blöd ist das denn?

So blöd: «Was also bleibt, ist die bittere Erkenntnis, dass 44 Prozent der amerikanischen Frauen es ganz offensichtlich für eine gute Idee halten, sich von einem unverhohlen misogynen Mann regieren zu lassen.»

Vielleicht halten sie es für eine gute Idee, von einem Kandidaten regiert zu werden, dem sie mehr wirtschaftlichen Sachverstand, mehr Führungsstärke, mehr Beherrschung der Macht zutrauen als einer Frau, die sogar von ihrer eigenen Partei erst in allerhöchster Not und nur deswegen, weil sonst viele Millionen Spendengelder hätten zurückgezahlt werden müssen, als Kandidatin präsentiert wurde.

Aber man kann daraus natürlich – wie aus fast allem – ein Frau-Mann-Ding machen. Sich am Begriff misogyn festklammern. Frauen sollten Frauen wählen. Also Männer Männer. Das ist so bescheuert, dass nicht mal das Gegenteil richtig wäre.

 

Wie der «Blick» eine Grafik versemmelt

Wer’s nicht kann, kann’s nicht.

Eine banale Weisheit, aber dem «Blick» muss man mit Banalitäten kommen. Eigentlich ist eine grafische Aufbereitung von ein paar Zahlen ein Kinderspiel. Zumindest etwas, was Zeitungen seit vielen Jahrzehnten betreiben und beherrschen.

Im Rahmen der allgemeinen und speziellen Sparwut geht auch Sichergeglaubtes wieder verloren. Das zeigt sich dann bei einer Grafik in aller offenen Hässlichkeit.

Natürlich ist es verdienstvoll, vor den Wahlen eine Grafik zu präsentieren, die die wichtigsten Prognosezahlen vereint. Also die Resultate von Umfragen (hier nicht abgebildet) und vor allem das Zuschreiben von Wahlmännerstimmen. (Pfuibä, dass das noch keiner Kampffeministin aufgefallen ist, wo bleiben Tobler & Co., wenn man sie dringend braucht?)

Denn beim etwas merkwürdigen US-Wahlsystem entscheidet nicht die Mehrheit der Stimmen (so hatte Hillary Clinton bedeutend mehr Wählerstimmen als Donald Trump, verlor aber dennoch), sondern die Anzahl der gewonnenen Wahlmänner (und -frauen und everybody beyond, muss ZACKBUM korrektsprachlich hinzufügen).

Hier wird nun Kamala Harris Donald Trump in den klassischen Parteifarben gegenüber gestellt. Links in Blau Harris, in der Mitte die entscheidende Marke von 50 Prozent oder 270 Wahlmännern, die zum Sieg reichen. Soweit, so klar. Nun kann man die Vorhersage wagen, welche Stimmen der Kandidat (generisches Maskulin, you know) auf sicher hat. Das wären bei Harris laut «Blick» 191, bei Trump 122. Daher in sattem Blau, bzw. Rot eingefärbt. Dann kommen die wahrscheinlichen Stimmen, bei Harris 35 und bei Trump 97. Und schliesslich die offenen aus den sogenannten Swing States, hier in einer Art Uringelb wiedergegeben.

Na und, ist doch alles soweit in Ordnung. Nun ja:

Zwischen wahrscheinlich und offen gibt es aber noch eine Farblegende für «eher». So eine Art Blassblau oder Blassirgendwas, abgedämpft zu den Farben für «wahrscheinlich».

Nur: das kommt in der Grafik nicht vor. Da gibt es nur sicher, wahrscheinlich und offen.

Das würde selbst einem Sehbehinderten, einem Farbenblinden, einem oberflächlichen Betrachter auffallen. Aber beim Qualitätsorgan «Blick», dem Kompetenzzentrum für News und Nachrichten, fällt das niemand auf.

Wie peinlich ist das mal wieder? Ach, um dort zu wirken, braucht es eine gute Portion Schamfreiheit. Bringt man die nicht mit, muss man sie sich halt ansaufen.

Das Dutzend Eier

Die Wahrheit ist konkret. Und heisst Donald Trump.

Der Millionär Trump hat ein besseres Gespür für den Durchschnittsami, den Mister Babbitt, als die meisten demokratischen Parteiführer zusammen.

Die machten Ausflüge ins Wolkenkuckucksheim mit Frauenrechten, Demokratie, Inklusion und all so Zeugs. Dabei beschäftigt den Durchschnittsverdiener (11,24 Dollar die Stunde) die Inflation, die Lebenshaltungskosten viel mehr. Wenn ein Karton mit 12 Eiern 8 Dollar kostet (das Doppelte wie vor Corona), ein Pack Toilettenpapier ebenfalls, dann ist das natürlich dem Intellektuellen in seiner Loft ziemlich wurst.

Auch Kamala Harris verlor nie ein Wort darüber, da das auf sie selbst und ihre Amtszeit als Vizepräsidentin zurückgefallen wäre. Heuchler Trump hingegen, der in den letzten 50 Jahren wohl kaum jemals selbst einkaufen ging, hat wieder einmal gezeigt, dass er ein untrügliches Gespür hat, wo dem Volk der Schuh drückt.

Denn dass die allgemeine Inflationsrate beruhigend niedrig ist, ändert nichts daran, dass Artikel des täglichen Bedarfs deutlich teurer wurden, es vor allem kein Ausweichen auf billigere Produkte mehr gibt.

Trumps Wirtschaftsrezepte (so vorhanden) sind natürlich genauso absurd wie die von Harris. Keiner der beiden Kandidaten verlor auch nur ein Wort über die Staatsschulden von 35 Billionen Dollar, das sind 35’000 Milliarden. Im Vergleich dazu beträgt das BIP Deutschland schlappe 4,5 Billionen US-Dollar.

Erschwerend kommt hinzu, dass die Staatsverschuldung deutlich am Steigen ist, schon 2012 die Schwelle von 100 Prozent des US-Bruttoinlandprodukts überstieg und zurzeit bei geschätzten 120 Prozent liegt. Da Schulden solange bezahlbar sind, wie es Gläubiger gibt, die auf die Solvenz des Schuldners vertrauen, ist das noch nicht katastrophal.

Beunruhigender ist, dass der Schuldendienst inzwischen 1133 Milliarden Dollar kostet, das sind 17 Prozent der gesamten Bundesausgaben. Zurzeit zahlen die USA im Schnitt 3,35 Prozent Zinsen, Tendenz steigend.

Aber das sind Gebiete, die beide Präsidentschaftskandidaten weiträumig umfuhren, denn sie machten natürlich beide völlig unrealistische Versprechungen, um Wähler zu gewinnen – ohne Rücksicht auf neue Schuldenberge. Darin stand Harris Trump nicht nach. Aber seit dem berühmten Ausspruch von Hillary Clinton, dass die Hälfte der Unterstützer von Trump ein «basket of deplorables» (ein Korb voller Kläglichen oder Bedauernswerten) sei, ist offenkundig, dass diese Partei (und ihre führenden Intellektuellen) ein ernsthaftes Problem mit der Realität haben.

Dagegen kann Trump, trotz seinem geschmacklosen Hang zu goldüberkrustetem Protz, trotz Trump-Jet, Golfplatz und die Geschmacksverirrung Mar-a-Lago, so tun, als sei er volkstümlich. Eigentlich ist es lachhaft, wenn er in weissem Hemd samt Krawatte im McDonald’s eine Tüte Fries abfüllt. Aber «he’s one of us», dieses Gefühl zu vermitteln, das ist in den USA entscheidend.

Als wahrer Basket of Deplorables haben sich einmal mehr die deutschsprachigen Journalisten erwiesen. Zitieren wir stellvertretend für fast alle einen Quatschkopf von Tamedia:

«Am 5. November wird zum ersten Mal in der Geschichte der Vereinigten Staaten eine Frau zur Präsidentin gewählt. Oder ein Faschist.»

Was sich der Dummschwätzer noch wenige Tage vor der Wahl nicht vorstellen konnte (oder wollte): nun regiert also in den USA ein Faschist. Und was heisst das? Wird eine Bevölkerungsgruppe, eine Ethnie, eine Rasse nun in Konzentrationslager gesperrt, gar vernichtet? Verwandelt sich die US-Demokratie in eine Autokratie, eine Diktatur gar? Besteht der Unterschied zwischen dem amerikanischen und dem russischen Präsidenten nur mehr in der Körpergrösse?

Für all das gibt es nur einen guten amerikanischen Ausdruck: what a crap. Oder noch besser: what a bullshit.

Noch schlimmer ist aber: sollte Trump tatsächlich einen Riesenscheiss (Pardon) anstellen, dann hat die Journaille bereits alle Schimpfwörter, alle Klagewörter, alle negativen Ausdrücke, aller Superlative verballert. Und wird wahrscheinlich sprachlos dastehen.

Was aber ein Segen wäre im Vergleich zu all dem Schrott, der seit dem Rückzug von Joe Biden geschrieben, gesagt und gefilmt wurde.

Auch dafür gibt es schöne amerikanische Ausdrücke. Get over it. Noch besser: get a life. Aber was sollen Journalisten denn machen, würden sie aus ihrer Gesinnungsblase fallen, wo sie schön wohlig unter Luftabschluss vor sich hinfaulen? Sie würden im kalten Hauch der Wirklichkeit elendiglich anfangen zu bibbern, mit den Zähnen zu klappern und zu heulen. Und das wäre auch kein schöner Anblick.

Journalisten? Vogel Strauss ist ihr Wappentier. Wolkenschieber mit wichtiger Miene, erfüllt von einer Mission. Wünsche sind wichtiger als Wirklichkeit. Sie wollen die Welt retten, dafür heben sie ins Fantasialand ab. Nun werden sie wieder kurz japsen – und dann den Amis erklären, wie doof die mehrheitlich sind.

Dabei ist die wahre Tragödie doch: die angeblich grösste Demokratie der Welt hat nur diese beiden Kandidaten für das höchste Amt des mächtigsten Mannes der Welt zu bieten?

Nach einer Wahlnacht-Berichterstattung, die eigentlich nur aus einer schwindenden Hoffnung bestand, jämmerlich.

Weil es ZACKBUM schon früh sagte, darf es hier wiederholt werden: man tritt nicht ungestraft mit einem immer seniler werdenden Kandidaten an, weil man der Vizepräsidentin nichts zutraut – um ihn dann im letzten Moment durch sie zu ersetzen. Die einfache Wahrheit ist: Trump hat nicht gegen Harris, sondern wegen Harris gewonnen.

Wie blöd kann es noch werden?

Die ehemalige Snowboarderin Ursina Haller unternimmt einen Rekordversuch.

Nur gelähmte oder gleichgültige Kontrollinstanzen können erklären, wie so ein Abschnitt überall durchrutscht und im ehemals angesehenen «Magazin» gedruckt wird:

«Obwohl das alles weit weg von mir passiert, merke sogar ich: Seit Kamala Harris amerikanische Präsidentschaftskandidatin ist, geht es mir irgendwie besser. Sie hat mir – zumindest für einen Moment – die Zukunftsangst genommen. Dabei weiss ich gar nicht viel über sie.»

Hier ist so ziemlich alles drin, was modernen Schmierenjournalismus ausmacht. Haller geht es gar nicht in erster Linie um den US-Wahlkampf oder um Harris. Sondern um ihren eigenen Bauchnabel, um sich selbst, um ihre Gefühlswelt. Die sie ungeniert dem Leser aufdrängt, obwohl der sich gar nicht dafür interessiert.

Putzig dann das Eingeständnis des Normalzustands eines Tamedia-Journalisten: sie weiss gar nicht viel über das Subjekt, worüber sie schreibt. Das macht aber nix, weil es sowieso mehr um die eigene Befindlichkeit geht, und da kennt sich Haller natürlich aus.

Also fährt sie fort in der Selbstbespiegelung, nur mühsam verkleidet als angebliches Porträt der Präsidentschaftskandidatin: «Wer dieses Material durchforstet, merkt schnell: Kamala Harris’ Geschichte ist vielschichtig. Jede Charakterisierung ihrer Person ist subjektiv, lückenhaft und oft aus zweiter Hand. Auch diese hier.»

Subjektiv und lückenhaft breitet Haller eine uralte Liebesgeschichte von Harris aus: «Der heute neunzigjährige Brown erzählt in einem Interview: «Es war wundervoll, diese Art von Beziehung mit einer Person zu haben, die sich für die Welt der Politik interessierte und die mit ihrer natürlichen Schönheit und ihrem ansteckenden Lachen die Aufmerksamkeit des Publikums auf sich zog.»» Meine Güte. Frauen machen wirklich so Karriere?

Dann wird es ganz krude: «Es ist nicht übertrieben zu sagen, dass Kamala Harris in der IQ-Lotterie einen Hauptgewinn gezogen hat. Ihr Vater, Donald Harris, war die erste schwarze Person, die eine Wirtschaftsprofessur auf Lebzeiten an der Eliteuniversität Stanford erhielt.» Und ihre Mutter war auch furchtbar schlau. IQ-Lotterie? Intelligenz ist vererblich? What a bullshit, wie der Ami sagt.

Immer wieder kreist Haller um ihr Lieblingsobjekt, um den Zentralstern ihrer Schreibe – um sich selbst: «In meinem Umfeld in den USA sah man Harris unmittelbar nach der Wahl als eine Art Co-Präsidentin, die Joe Biden über kurz oder lang ablösen würde.» So konnte sich ihr Umfeld täuschen.

Aber Umfeld ist das eine, Haller selbst ist das andere, Wichtige. Sie endet mit dem Lied «Freedom» von Beyoncé. Allerdings hat Haller wohl eine merkwürdige Version davon gehört. Denn sie beschreibt die Soul-Stimme so: «Zu kriegerischen Trommeln brüllt Beyoncé: «I’ma keep running ’cause a winner don’t quit on themselves» – ich renne weiter, eine Siegerin gibt nicht auf.» Kriegerische Trommeln? Brüllen? Und dann erst noch schlecht übersetzt …

Aber es geht Haller, richtig geraten, nicht um die Wahlkampfhymne selbst, auch nicht um Beyoncé. Sondern um sich selbst:

«Immer wenn ich dieses Lied höre, bekomme ich Gänsehaut. Ich habe Gänsehaut, weil Kamala Harris auf mich wie jemand wirkt, der die Mühen und Sehnsüchte aller Amerikaner:innen zu verstehen versucht. … Aber vielleicht ist es gerade das, was mich – und andere – an Kamala Harris berührt: Sie zeigt sich als Mensch.»

Quälend lange fast 33’000 A beschäftigt sich Haller mit sich selbst. Einen Mindfuck nennen das die Amis, wenn sich jemand selbst blockiert. Denn Haller will eigentlich über ihre Wunschkandidatin für die Präsidentschaft schreiben. Sie will sie an Begleitern, Familie, Partnern spiegeln. Sie will eigentlich schönschreiben, wieso Harris erst in letzter Verzweiflung von den Demokraten zur Präsidentschaftskandidatin gemacht wurde. Sie erwähnt dabei den wichtigsten Grund nicht: bei jedem anderen Ersatzkandidaten, und es gab einige bessere, hätten die Demokraten die üppigen Wahlspenden für das Ticket Biden/Harris zurückgeben müssen.

Haller lässt schon mal alles aus, was ihr nicht ins persönliche Harris-Bild passt. Aber noch schlimmer: sie lässt eigentlich auch sonst alles aus, was nicht in ihr persönliches Haller-Bild passt. Haller schreibt über Haller, als Vorwand dazu nimmt sie Harris.

Das ist abgründig, um es juristisch unangreifbar auszudrücken. Solch extremer Subjektivismus war im Gonzo-Stil im Schwang. Aber ein paar Irre wie Hunter S. Thompson machten da aus sich selbst ganz schöne Storys. Bei Haller gähnt nur die Langeweile, ohne sich die Hand vor den Mund zu halten.

Journalisten neigen immer dazu, sich selbst – also den Boten – für mindestens so wichtig wie die Botschaft zu halten. Vor allem schlechte Journalisten halten sich sogar für noch wichtiger und haben gar keine Botschaft. Ausser einer: ich über mich, durch mich, mit mir, in mir, ausser mir. Oder einfach: ich. Und sonst gar nichts.

Ob das auch ein Beispiel für die Qualität ist, die sich Simon Bärtschi, aber lassen wir das, das wird langsam zu gemein.

Holzhacker-Journalismus

«Tsüri» zeigt: schreiben darf jeder. Können kann’s nicht jeder.

Das Online-Organ «Tsüri» legt sich mit der alten Tante aus der Falkenstrasse an. Am Gerät sind Nina SchneiderPraktikantin Redaktion») und Simon JacobyChefredaktor»).

Das Organ strotzt vor Meinung, seltener vor Kenntnissen: «Was Sanija Ameti erlebt, ist durchtränkt von Rassismus und Sexismus». So soll die Gesinnungsbubble bei Laune gehalten werden. Ausflüge in die Realität sind weniger gefragt. Lieber schreibt man Artikel, deren These feststeht, bevor der erste Buchstabe getöckelt wird.

Auch hier kommt zuerst das Ergebnis, anschliessend versucht der Artikel, ihm nachzurennen: «Unter dem Chefredaktor Eric Gujer arbeitet sich die NZZ regelmässig an Linken und Woken ab, während sie auf der politisch rechten Seite selbst vor rechtsextremen Begriffen nicht zurückschreckt.»

Das erste Beispiel für diese schreckliche Entwicklung liefert die Statistik. Die Häufigkeit der Verwendung des Wortes «woke». Denn: «Woke-Sein, eigentlich eine ehrenvolle Sache, doch der Begriff wird längst von rechtskonservativen Kreisen als Schimpf- und Schmähwort genutzt.» Der Beweis:

Qed, würde «Tsüri» wohl gerne sagen, wenn es Latein könnte. Die NZZ verwendet den Begriff sogar noch häufiger als die «Weltwoche». Merkwürdig nur, dass der Tagi vor der WoZ auf Platz drei folgt. Gibt es da etwas auch schon einen Hang zu rechtsextremer Begrifflichkeit?

Aber zurück zur NZZ, dort ist es ganz schlimm: «Der Einsatz der NZZ gegen jene, die sich für eine diskriminierungsfreie Gesellschaft einsetzen, zeigt sich auch in diversen Artikeln.» Ein Einsatz gegen Einsetzer; vielleicht sollte man sich weniger um eine diskriminierungsfreie Gesellschaft, dafür mehr um die Beherrschung der deutschen Sprache kümmern.

Zur Beweissicherung greift «Tsüri» auch weit in die Vergangenheit zurück, so zum Beispiel zu einem Artikel vom Februar 2018, in dem sich die NZZ über die gendergerechte Kommunikation an Schweizer Hochschulen echauffierte, oder in den Worten von «Tsüri»: «In ihrem Artikel macht sich die Autorin lustig über die progressive Sprache, die nicht nur die männliche Form nutzt – sie sei unnötig und unschön.»

Dass die Autorin auch kritisiert, dass diskriminierend und notenrelevant gefordert wird, Sprachvergewaltigung mit Gendern zu betreiben, ein lästiges Detail, das besser unerwähnt bleibt.

So gehen schon mal vier Beispiele zum Thema «woke» dahin.

Nun aber, Punkt fünf im Strafregister, geht’s richtig zur Sache: «Pro-Rechts» ist nun der Oberbegriff, Chefredaktor Gujer höchstpersönlich «falle immer wieder mit rechten Positionen und Unterstützung für rechtsextreme Personen auf».

Seine offene Sympathie äussere sich im Titel «Ministerpräsident Höcke, na und? Die deutsche Demokratie hält auch einen zwielichtigen Wahlsieger aus». Ist das aber ein raffinierter Schlingel. Da akzeptiert Gujer doch glatt, dass die AfD in Thüringen die Wahlen gewonnen hat. Wer das tut, ist schon mal im strengen Verdacht des Rechtsextremismus. Dann behauptet er, die deutsche Demokratie vertrage es, wenn der Wahlsieger, wie es Brauch ist, auch Ministerpräsident wird. Und zur Verschleierung schreibt Gujer noch, dass der zwielichtig sei.

Oder mit anderen Worten: was für ein Bullshit von «Tsüri».

Aber das ist nicht alles. Es gibt ja auch den Begriff «Remigration». Der ist pfuibäh, weil: «Die Debatte wurde entfacht, nachdem Correctiv in Deutschland das «Geheimtreffen» von Rechten und Rechtsextremen aufgedeckt hat. An diesem Treffen wurde eine Strategie zur Abschiebung von Migrant:innen entwickelt.»

In Wirklichkeit musste «Correctiv» gerichtlich gezwungen einräumen, dass das weder ein «Geheimtreffen» war, noch, dass dort Strategien zur Remigration diskutiert wurden. Aber lass dir doch Deine Gesinnungsblase nicht durch blöde Fakten kaputtmachen.

Zwei gehen noch. Da geht es um die «Post-Faschistin» Giorgia Meloni, die – wie inzwischen auch immer mehr Politiker in der EU und der Schweiz fordern – das Migrationsproblem mit Auffanglagern ausserhalb der EU lösen wolle. So wie das die dann offenbar auch rechtsradikale EU bereits seit geraumer Zeit in der Türkei tut. Aber auch das ist so ein blöder Fakt, der den Ballon platzen lassen würde. Also lässt ihn «Tsüri» einfach aus. Und das Sahnehäubchen:

«Die liberale Harris wird verspottet, die post-faschistische Giorgia Meloni wird bewundert.»

Dann wird noch vorwurfsvoll hinzugefügt: «Die NZZ-Medienstelle wollte sich trotz zweifacher Anfrage nicht zu diesen Themen äussern.» Da hat «Tsüri» aber Schwein gehabt, denn bei dieser Ansammlung von Verbalinjurien und haltlosen Behauptungen hätte die NZZ auch böse werden können und den Anwalt bemühen.

Aber das Blatt hat richtig entschieden: das ist so blöd, dass eine Reaktion unter seiner Würde ist. Wieso allerdings «Tsüri» diesen strengen Gesinnungsjournalismus betreibt, wo dieser Platz doch bereits von der «Republik» besetzt ist? Oder soll das, wie «Inside Paradeplatz» schon vermutete, ein Bewerbungsschreiben für eine Fusion der beiden serbelnden Organe sein? Kostenfreie Schmiere trifft auf kostenpflichtige. Eigentlich eine gute Idee.