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Wumms: Andreas Tobler

Was entsteht, wenn Tobler auf die «Republik» trifft? Ein Schleimpfropfen.

Ihr freiwilliger Beitrag für ZACKBUM

Was passiert, wenn Konzernjournalist Andreas Tobler auf den NZZaS-Chefredaktor Jonas Projer trifft? Ein von Vorurteilen und üblen Unterstellungen gespickter Text. Denn Tobler wusste schon, bevor Projer sein Amt antrat, dass der «dem Qualitätsanspruch der «NZZamSonntag» widerspricht».

Nichts Besseres schmierte die «Republik» hin. Kolportage von anonymen Quellen, angefüllt mit Geschwurbel: «Doch das ist keine Geschichte über die Erschöpfung des Jonas Projer. Es ist eine über Verführung, Macht­demonstrationen und falsche Erwartungen.»

Was passiert, wenn der Automechaniker Tobler (von Tieferlegen hat er viel Ahnung) auf die «Republik» trifft? Ein serviles Porträt entsteht, bei dem Schwurbler Constantin Seibt und der völlig freiwillig und kurzfristig zurückgetretene Chefredaktor Oliver Fuchs unwidersprochen alles schönschwätzen können, was in letzter Zeit schiefgelaufen ist.

Ein ständiges Gehen (und auch ein wenig Kommen) auf allen Ebenen im Magazin? «Die zahlreichen Wechsel erklärt Seibt mit ihrem heroischen Anspruch, im Tagesgeschäft des Journalismus den «endgültigen Text» zu schreiben.» Der eigentliche Gründer und Langzeitchefredaktor Christof Moser trat Knall auf Fall zurück und redigiert heute aus dem fernen Berlin Texte. Zudem sagt er, er sei mit einer «Ansammlung von Inkompetenz, Mobbing und schlechten Entscheidungen konfrontiert» worden, Verirrte und Verwirrte blieben in einem Sumpf zurück, aus dem sie nicht mehr herausfänden.

Ach ja, salbadert Seibt, «sie seien nicht so gut im Streiten, daher gebe es manchmal «Zeiten der Ruhe – und manchmal wieder Zeiten, in denen wir miteinander sprechen»». Man stelle sich nur vor, was Tobler gekräht hätte, wenn sich der ehemalige Chefredaktor der NZZaS so über die Zustände in seinem Blatt geäussert hätte.

Eine Million Rückstellungen für mögliche Steuervergehen? «Wenn man sie «formal leicht anders verbucht hätte», wäre die Sache okay gewesen.» Habe man nicht alles besser machen wollen als andere? «Ehrlich gesagt, finde ich das die erste dumme Frage, die in diesem Gespräch gestellt wird», sagt Seibt.»

Ist nicht eine gewisse Ermüdung der Leserschaft zu konstatieren, angesichts so ellenlanger wie langweiliger Artikel? ««In diesem Jahr haben wir uns nochmal um etwa 10 Prozent gesteigert, auf etwas über 2600», sagt Oliver Fuchs», das ist die durchschnittliche Anzahl von Lesern eines Artikels am Veröffentlichungstag.

2600? Für ZACKBUM wäre diese Zahl völlig okay, als branchenspezifische One-Man-Show. Aber für das Millionen verschlingende «Republik»-Magazin mit fast 50 Mitarbeitern, die allerdings auch keinen wesentlich höheren Ausstoss als ZACKBUM hinkriegen?

Wie es – wenn die überhaupt noch vorhanden sind – alle Qualitätskontrollen bei Tamedia durchgehen lassen, dass diese 16038 Anschläge voller Bullshit eine Seite der SoZ füllen, ist völlig unverständlich.

Es ist Schreiberling Tobler unbenommen, weder die NZZaS noch deren Chefredaktor zu mögen. Es ist ihm als persönliche Meinung unbenommen, die «Republik» und Constantin Seibt zu mögen. Es ist ihm auch unbenommen, den Oberfrauenversteher zu spielen. Es ist unverzeihlich, dass er schon mal die Aufforderung «Roger Köppel tötet. Tötet Köppel Roger» als «Theatermord» verniedlichte. Es ist die Frage, ob diese Lobhudelei und Schönschreibung übler Zustände eine Stellenbewerbung sein soll oder nicht.

Es ist aber eine Frechheit, dem zahlenden Publikum einen solchen Murks zu servieren.

Wie geht’s?

ZACKBUM erhört den Wunsch der NZZaS.

Lauter kann man nicht nach einer kritischen Bestandsaufnahme rufen. NZZaS-Chefredaktor Jonas Projer gönnt sich mehr als eine halbe Seite für ein Editorial, in dem er seine ersten 12 Monate Revue passieren lässt.

Grossmütig verzichtet er auf Seitenhiebe gegen übelwollende Kollegen der Konkurrenz, die ihm bei Amtsantritt die Fähigkeit absprechen wollten, das Flaggschiff der Sonntagsmedien lenken zu können. Ausser, dass er mit übelwollenden Kollegen sprach, die ihn dann mit übellaunigen Porträts in die Pfanne hauten, hat er eigentlich keinen von aussen erkennbaren Fehler begangen.

Also sieht es durchaus danach aus, dass er nochmal 12 Monate «die raschelnde Ruhe des Sonntagsmorgens» beliefern wird. Mindestens. Aber womit?

Die Wahrheit ist konkret, wusste schon Bertolt Brecht. Also konkret die Ausgabe vom 23. Oktober 2022. Schon auf dem Cover müssen wir etwas kritisieren, was auch im Blatt selbst schon mehrfach – leider bislang vergeblich – zu Beanstandung Anlass gibt. Das Verbraten von viel wertvollem Zeitungsplatz mit inhaltsleeren, überdimensionalen und wenig aussagekräftigen Bildern und Illustrationen. Ein Smiley mit der Zeile «Wie geht es dir?» anstelle des lächelnden Mundstrichs, das ist doch der NZZaS nicht würdig.

Der dazugehörige Zeitgeist-Text; ein Psychologe hat mal wieder Bedeutendes herausgefunden, allerdings ist die Bedeutung bereits verraucht, bevor die NZZaS zu Altpapier wird, das sollte die NZZaS lieber der Konkurrenz auf den billigeren Plätzen überlassen.

Der Aufrüttler über die offenbar unhaltbaren Zustände an der Ballettschule Basel hingegen ist, obwohl im Gefolge des Skandals von Zürich, erstklassige Recherchearbeit. Dass die NZZaS dafür allerdings die Mitarbeit des Basler Leichtgewichts «Bajour» benötigte, schmälert die Leistung ein wenig. Befremdlich, dass die Schulleitung, mit den ausführlich dokumentierten Vorwürfen konfrontiert, jede Schuld abstreitet. Entweder handelt es sich hier um die kollektive Hysterie von vielen Ex-Schülerinnen, oder aber das Kader der Schule leidet unter galoppierendem Realitätsverlust.

Genauso gute, weil interessante und recherchierte Kost ist der Artikel über die angeblich so saubere und ökologische Fernwärme, die in Wirklichkeit eine CO2-Schleuder ist, viel Gas verbraucht, das Rezyklieren erschwert und durch Ausbau immer mehr Kehrrichtimporte aus dem Ausland braucht. Eine gute und gnadenlose Abrechnung mit einer rotgrünen Mär.

Dass das Abführen des ehemaligen chinesischen Präsidenten Hu Jintao als «Bild für die Geschichtsbücher» ausnahmsweise seinen Platz verdient hat, ist unbestreitbar. Welch merkwürdige Machtdemonstration und Demütigung auf Chinesisch. Wieso dazu allerdings auf dem Rest der Zeitungsseite erklärt wird, dass man sowieso nie erfahren werde, was sich genau abgespielt habe, ist dann eher Slapstick als seriöse Analyse.

Ärgerlich ist dann aber sowohl das Riesenfoto wie der Text zum unheimlich schwachen Abgang der englischen Premierministerin. Man kann deren Versuch, Rezepte des österreichischen Ökonomen August von Hayek anzuwenden, mit Fug und Recht kritisieren.

Das hätte allerdings zur Voraussetzung, dass man dessen Werke gelesen hat – und dass man neben reiner Polemik auch inhaltlich etwas zu bieten hätte. Beides geht der Autorin Bettina Schulz ab.

«Gruppe libertäre Ideologen, … im Sinne neoliberaler Vorstellungen, … Hetze des Rechtsextremisten Nigel Farage, … Boris Johnson liess sich willig vor den Karren der Ideologen spannen, … neoliberale Hardliner, … Werte der konservativen Partei wurden über den Haufen geworfen, … die Finanzmärkte straften den ideologischen Fanatismus so brutal ab …»

Wer so austeilt, sollte vielleicht etwas mehr als oberflächliche Schlagwörter zur Stützung seiner Abrechnung auf Lager haben. Nach dieser Philippika kommt Schulz zum warnenden Fazit: «Fraglich ist, wer im Land begriffen hat, wie gefährlich der Einfluss der Brexit-Extremisten und neoliberalen Ideologen ist

Noch fraglicher ist, wieso die NZZaS dieser ideologischen, einseitigen, dünnen Brutalpolemik eine Seite einräumt. Da hätte man etwas weniger intellektuell Leichtgewichtiges erwarten dürfen. Das hier hat so etwa das Niveau von kleinen Kläffern, die sich jahrzehntelang am Marxismus abarbeiteten. Ohne das geringste intellektuelle Niveau, aber mit Verve.

Parteipolitisch lustig wird es, wenn sich die NZZaS an der Werweisserei beteiligt, ob Albert Rösti nun Bundesrat wird oder nicht. Schliesslich ist das für die FDP, die dem Blatt nun unbestreitbar näher steht, nicht unwichtig. Eigentlich kann die liberale Partei, die um ihre beiden Sitze bangen muss, nur hoffen, dass sich die SVP möglichst blutig bei der Suche nach einem Nachfolger für Ueli Maurer zerlegt. Dafür hat sie sich hier aber – im Gegensatz zur hämischen SoZ – zu einem staatsmännischen Ton verstanden.

Im «Hintergrund» hilft uns Peer Teuwsen bei der Entscheidung, ob man das Werk «Blutbuch» lesen sollte oder nicht. Vielen Dank für die Erkenntnis: auf keinen Fall. Bestärkt, wenn überhaupt nötig, wird man zusätzlich durch den Ratschlag von Linus Schöpfer: «Bitte lesen Sie das Buch». Als Appetithäppchen serviert er eine kurze Szene, die angeblich auch noch «Heiterkeit» ausstrahlen soll.

Der Erzähler liege «neben seinem neusten Gspusi», und nun kommt der Ausbruch von Heiterkeit; wir zitieren das Zitat:

«Farid liegt da, er schwitzt aus den Augen. Ich stehe in unserer Asche. «Aber ich heisse doch Thilo», sagt Farid.»

Das soll Heiterkeit ausstrahlen? Das soll Literatur sein? Prätentiöse Kacke wie «ich stehe in unserer Asche», während man im Bett liegt? Aus den Augen schwitzen, statt weinen? Farid will Thilo heissen? Heiterkeit ob dieses Gestammels kommt höchstens ins Form eines hilflosen Gekichers auf, wieso dieser Schrott mit Preisen geehrt wird. Aber es musste ja so kommen, dass sich der Kulturbetrieb nach der Verleihung des Büchner-Preises an einen Unwürdigen zu steigern vermag.

Das kann auch die NZZaS, indem sie die für Lobhudeleien am untauglichen Objekt zuständige Rafaela Roth über die Initiatorin des «ersten Lehrstuhls für Gendermedizin» schwärmen lässt. Da schafft auch Aline Wanner mit ihrer Medienspalte, dass die Recherchierdauer im Fall überhaupt nicht per Definition für Qualität sorge. Es sollten im Gegenteil öfter «die Arbeiten jener gewürdigt werden, die in hoher Kadenz kurz und klar und schnell die Welt erklären». Also genau das tun, wogegen die NZZ und die NZZaS doch mit aller Kraft anzuschreiben versuchen.

Es kommt allerdings einem Mann zu, den Höhepunkt im Genre Bauchnabelbetrachtung zu setzen. Patrick Imhasly, Redaktor im vom Chefredaktor ausdrücklichgelobten Ressort Wissen, lässt den Leser am Schicksal seiner Familie teilhaben, die doch tatsächlich durch eine Corona-Infektion geschwächt wurde. Bedauerlicherweise zeigte der Nachwuchs kein grosses Interesse an solidarischer Mithilfe, bedauert Imhasly. Aber: «Dafür hat das heimtückische Virus meine Frau und mich noch mehr zusammengeschweisst.» Da wünschen wir eine weitere, lange Ehe, fragen uns aber, wieso ein Wissenschaftsredaktor von einem «heimtückischen Virus» faseln kann.

Dann eine weitere Doppelseite, auf der sozusagen das Schlechteste aller möglichen Welten zusammentrifft. Eine riesige Illustration voller unverständlich-raunender Symbolik. Und ein Text der «erfolgreichsten Krimiautorin der Schweiz», die schon andere Themen in der NZZaS vergeigt hat. Diesmal versucht sie einen Mord zu begreifen, der von seltener Abscheulichkeit ist. Welche Worte findet denn die Literatin? «Ein qualvoll langes Sterben, das sich niemand vorstellen kann, niemand vorstellen mag.»

In einem Pennäleraufsatz mag das vielleicht noch durchgehen, aber es gibt dann schon eine Tradition der Gerichtsberichterstattung, einen Gerhard Mauz, der ein Niveau vorlegte, das man nicht mutwillig so unterbieten darf. Mauz schrieb mit einer den Leser in den Bann ziehenden Anteilnahme, verstehend, nicht wertend, aber klar urteilend, von der Christine Brand etwa so weit entfernt ist wie Lukas Bärfuss von der Beherrschung der deutschen Sprache.

Dafür arbeitet sich die «Wirtschaft» an einem heiklen und interessanten Thema ab. Wieso sind die Exporte der Schweiz nach Russland, immerhin im Wert von rund 2,2 Milliarden Franken in diesem Jahr, nicht deutlich gesunken, nach den Sanktionen? Denn dieser Betrag entspricht ziemlich genau dem Vorjahr, dem Jahr vor dem Krieg.

Eine Bling-Bling-Uhr von dermassen ausgesuchter Geschmacklosigkeit versöhnt dann für einmal mit der Übergrösse des Fotos.

Und die Konkurrenz am Sonntag? Ach ja, welche Konkurrenz?

 

 

Die «Republik» im freien Fall

Das Organ hat jeden Qualitätsanspruch verloren. Warum nur?

Von Stefan Millius*

Mit dem Zweiteiler über die angeblichen verschwörungstheoretischen «Infokrieger» innerhalb der Schweizer Medienlandschaft hat das Onlinemagazin «Republik» die Latte punkto journalistische Leistung kürzlich sehr tief gelegt. Mit einem Porträt über Jonas Projer, dem Chefredaktor der «NZZ am Sonntag», spazieren die Republikaner nun aber sogar noch bequem unter dieser Latte durch.

Das vorweg: Ich habe nie verstanden, warum der einstige «Arena»-Moderator Projer Chefredaktor der «NZZ am Sonntag» geworden ist. Nichts gegen interdisziplinäres Denken, aber eine Chefposition in einem der traditionsreichsten Zeitungsverlage, ohne je wirklich im Printbereich nennenswert tätig gewesen zu sein? Das ist im besten Fall mutig, im schlechtesten Fall einfach nur absurd.

Ich fand Projer nie speziell gut, und neben einigen durchschnittlichen Auftritten in der «Arena» sind mir auch einige besonders schlechte geblieben. Sprich: Ich bin weder befreundet noch verwandt noch verschwägert mit ihm und habe auch sonst keinen Grund, dem Mann die Stange zu halten.

Aber man soll jedem eine Chance geben, und nachdem ich nun kein besonders eifriger Leser dieses Sonntagsblatts bin, masse ich mir auch kein Urteil darüber an, wie gut oder schlecht Projer seinen Job erledigt. Abgesehen davon, dass es mir auch ein bisschen egal ist, er steht ja nicht auf meiner Lohnliste.

Bedeutungslose Begegnung

Die «Republik» hat dem Chefredaktor nun ein grosses Porträt gewidmet. Zugänglich nur für Abonnenten, aber wer eine kostenlose Proberunde machen will, bitte sehr, hier ist der Link.

Erstaunlicherweise versuchen es die Autoren für einmal mit einem völlig neuen Ansatz: Sie haben mit dem Mann sogar wirklich gesprochen. Die nationale Verschwörung rund um angebliche rechte Verschwörerjournalisten wurde dereinst ja weitgehend ohne Rücksprache mit den namentlich Aufgeführten bestritten. Es ist offen gesagt einigermassen frustrierend, wenn man wie ich offenbar eine der führenden Figuren der Verschwörungsbewegung ist und dann nicht einmal über die flache Erde, Reptiloide und Kinderquäl-Netzwerke im Innern von Bergen schwadronieren kann vor den Journalisten, die einen in diese Schublade stecken.

Die persönliche Begegnung nützte im Fall von Jonas Projer allerdings nichts. Denn noch bevor die Tür zur «NZZ am Sonntag» aufging, wussten die Leute von der «Republik» ganz offensichtlich bereits, dass der Gegenstand ihrer «Recherche» (selten habe ich so gerne Anführungszeichen gesetzt) total daneben ist und dass sie diesen Eindruck ihren Lesern unbedingt auch vermitteln wollen.

Noch einmal: Mich hat Projer bisher rein beruflich nie besonders beeindruckt. Was aber hier mit ihm geschieht, lässt einen staunend zurück. Und man freut sich als Aussenstehender, dass es wenigstens nur vor dem sehr überschaubaren Publikum der «Republik» passiert. Das ist in etwa, wie wenn ein Kegelclub in Bratislava schlecht über mich redet: Klar, schade, aber doch mit begrenzter Wirkung.

Anonymes Frustabladen

Jedenfalls: Projer wird regelrecht demontiert. Als unmöglicher Chef, als unmöglicher Mensch, als empathielos, als unfähig und so weiter. Offenbar hat der Mann in seinem bisherigen Berufsleben so gut wie nichts richtig gemacht. Deshalb wurde er wohl nach der SRF-Karriere auch zuerst von Ringier und dann von der NZZ abgeworben. Müssen alles Deppen sein dort, nicht?

Die Grundlage für diese Einschätzung für den Artikel? In erster Linie anonyme Beurteilungen einstiger Angestellten.

Was ist das wert? Ich habe als Medienkleinunternehmer in den letzten 20 Jahren alles in allem vermutlich etwa 30 Leute beschäftigt. Es wäre sicher kein Problem, darunter auch zwei oder drei zu finden, die ein vernichtendes Urteil über mich abgeben. Dabei geht immer vergessen, dass es erstens stets zwei Perspektiven gibt und zweitens in aller Regel eine Vorgeschichte, die man von aussen nicht kennt und die zu einem Zerrbild führen kann.

Wie genau sollen wir als Leser beurteilen, ob sich da nicht einfach ein frustrierter Ex-Angestellter mit eigenen Problemen völlig subjektiv den Ärger vom Leib geredet hat? Warum ist ein Max Mustermann, von dem wir nichts wissen, glaubwürdiger als der Protagonist des Stücks?

Er gendert nicht? Hilfe!

Das zweite Element der Demontage ist – ganz «Republik»-like – die eigene Einschätzung darüber, was richtig und was falsch ist. So sei Projer beispielsweise nicht besonders affin gegenüber Themen wie Woke und Gender, wie die Autoren sichtlich aufgebracht festhalten. Huch. Wie kann er nur!

Also, mal im Ernst: Nur weil aktuell die halbe Welt durchdreht und lieber heute als morgen die Biologie und die deutsche Sprache gleich auch noch abschaffen würde, muss ein Journalist das doch nicht mitmachen, um als edel und gut durchzugehen. Was bitte ist denn das für ein schräger Vorwurf? Ist es wirklich unzulässig, nicht auf jeden Zug aufzuspringen, der gerade durchfährt? Ich würde ja gerne bei dem ganzen Zirkus mitmachen, einfach um meine Ruhe zu haben, aber ich habe gar nicht genügend Fenster zuhause, um alle Fahnen aufzuhängen, die nötig wären für das politisch korrekte Bekenntnis – LGBTQ+, BLM, Greta-Starschnitt und so weiter.

Erstaunlich und ziemlich einzigartig ist es aber vor allem, auf wie viel Kritik das Porträt – das eigentlich einfach ein am Desk geplanter und dann in die gewünschte Richtung gedrehter Verriss ist – in der eigenen Community stösst. Die Kommentare der «Republik»-Leser zum Artikel sind grösstenteils negativ. Viele finden, Projer sei an sich doch gar kein nennenswertes Thema. Andere schreiben, sein Führungsstil sei das Problem des Unternehmens und nicht das der Öffentlichkeit. Eine dritte Gruppe hält das oben Beschriebene – die nicht mal ansatzweise verhüllte Voreingenommenheit – für problematisch.

Liebesentzug der Leserschaft

Jedenfalls sind viele der Abonnenten nicht glücklich mit der Leistung. Dazu muss man wissen: Bisher war die Beziehung zwischen Schreibern und Lesern der «Republik» eine unbefleckte Romanze, gegen die Bücher von Rosamunde Pilcher wie griechische Tragödien wirken. Alle haben sich gern, alle klopfen sich auf die Schultern, alle versichern sich gegenseitig, wie recht sie doch haben.

Und nun das: Ein Hauch von Kritik.

Und dieser unerwartete Liebesentzug kommt nicht gut an bei der Redaktion. Die «Republik» pflegt ihre Community im Kommentarbereich aktiv, was ich löblich finde. Im Regelfall. Einer der beiden Autoren des Projer-Artikels, und ich musste wirklich drei Mal hinschauen, ob ich das nun richtig gelesen habe, antwortete auf eine der Rückmeldungen so:

Also: Der Autor eines Porträts befindet öffentlich, der Gegenstand seines Artikels sei ein Mensch, den man meiden sollte. Na gut, immerhin ehrlich.

Ich bin nun wirklich kein Menschenfreund erster Güte und freue mich auch dann und wann, wenn ich bestimmten Gesellen aus dem Weg gehen kann. Aber öffentlich festhalten, jemand sei ganz allgemein zu meiden? Das ist harte Kost. Vor allem aus dem Mund beziehungsweise der Tastatur eines Journalisten, der gerade über diese Person geschrieben hat. Ich meine, ich müsste nun auch nicht unbedingt mit Karl Lauterbach in All-inclusive-Ferien verreisen, aber meinen Lesern empfehlen, den Mann grundsätzlich zu meiden? Das ist eine ganz andere Kategorie.

Journalisten als Antipathie-Vermittler

Oder sagen wir es frank und frei: Es ist widerlich. Aber gleichzeitig für uns Konsumenten überaus nützlich. Wenn man diese Zeilen des Herrn Albrecht gelesen hat, weiss man, wie ernst man sein Stück über Jonas Projer nehmen muss. Mit einem Rucksack voller Antipathie bei jemandem auftauchen, ihm vorgaukeln, man wolle mehr über ihn als Person erfahren, nur um ihn dann im Artikel so darzustellen, dass ihn möglichst auch jeder Leser nicht (mehr) leiden kann? Und dann noch im Dialog mit der Leserschaft schreiben, dass der Typ irgendwie total zum Speien ist?

Da scheint mir mein eigener Karma-Rucksack im Vergleich schon fast positiv gefüllt.

Ein bisschen Ursachenforschung. Wie verschiedene Quellen berichten, leidet die «Republik» derzeit unter einer Abwanderungswelle von bezahlenden Lesern. Wie gross und nachhaltig und existenzbedrohend diese ist, weiss ich nicht. Aber dass die Nerven allmählich etwas blank liegen, ist unübersehbar. Offensichtlich reagiert das Onlinemagazin auf die aktuelle wirtschaftliche Entwicklung, indem es inzwischen völlig unübersehbar all das Lügen straft, was es einst über sich selbst versprochen hat.

Denn die jüngsten Artikel, die mir begegnet sind, lassen nur ein Urteil zu: Billiger und unjournalistischer geht es nun wirklich nicht. Dagegen ist das Hausfrauenblatt «Die Frau von heute» ein Investigativmedium.

Hilflose Provokationsversuche

Früher war das Schlimmste, was man über die «Republik» sagen konnte, dass sie uns gerne auch mal die pure Irrelevanz in 70’000 und mehr Anschlägen serviert. Man musste regelrecht unbezahlte Ferien nehmen, um sich da durchzulesen. Natürlich wurde das Ganze obendrauf als objektive Stimme verkauft, war aber gleichzeitig unschwer erkennbar mit massivem Linksdrall ausgestattet. Doch das wiederum ist inzwischen so gewöhnlich, dass man es nicht mal mehr erwähnen muss.

Nun versucht die Zürcher Truppe offenbar etwas anderes: polarisieren, provozieren, auf die Trommel schlagen. Das aber, und in diesen Disziplinen fühle ich mich nun doch halbwegs zu einer Meinungsabgabe berufen, muss man auch erst einmal können. Selbst wenn die Botschaft der Provokation unterm Strich platt ist: Die Art und Weise, wie man sie serviert, darf es nicht sein. Nie. Jedenfalls nicht, wenn man angetreten ist, um den Journalismus neu zu erfinden, wie es die «Republik» seinerzeit getan hat. Man straft sich damit ja selbst Lügen.

Denn offen gesagt: Würde man das Projer-Porträt auf eine für den Durchschnitt verträgliche Länge eindampfen, hätte das auch auf «Watson» oder nau.ch stehen können. Direkt neben den Kätzchenvideos.

Das Problem, und offenbar ist das den verakademisierten Intelligenzbesten der Redaktion im Zürcher «Rothaus» selbst nicht bewusst: Sie haben sich von Anfang an ein Publikum geschaffen, das sich wie die Macher der Zeitung als etwas Besseres fühlen will. Ich weiss nicht, wie viele der knapp 30’000 Abonnenten jemals wirklich eines dieser täglich erscheinenden Textmonster zu Ende gelesen haben, aber darum ging es ja gar nie. Man wollte einfach am Abend bei einigen veganen Häppchen und der organisch produzierten Alternative zu einem Apérol Spritz dem Tischnachbarn verkünden, dass man «Republik»-Leser ist. Das ist doch so schön urban und weltoffen und man schläft danach besser.

Proleten statt Intellektuelle ansprechen

Aber nun macht das Magazin plötzlich munter Ausflüge in eine unappetitlich proletenhafte Ecke, zwar natürlich immer noch linksbewegt und damit mit der «richtigen» Haltung, aber inhaltlich so dünn wie die «Tierwelt» (pardon, falls sich diese in der Zwischenzeit gemacht haben sollte). Auch wenn die Autoren versuchen, das mit immer noch viel zu vielen Zeichen und mühsam konstruierten szenischen Zwischenspielen zu verschleiern. Ich könnte den Inhalt des «Infokrieger»-Zweiteiler und des Projer-Porträts problemlos auf fünf Zeilen zusammenfassen, mehr Gehalt war da nicht drin.

Nebenbei bemerkt: Das ganze Zeug liest sich nicht mal besonders schön. Und was das angeht, bin ich unerbittlich. Man kann mir auch puren Unsinn servieren, ich habe dennoch eine gute Zeit, wenn man mich wenigstens sprachlich verwöhnt.

Also gilt neuerdings bei der «Republik» ganz offensichtlich: Weg mit den hohen Ansprüchen und gnadenlos an die niederen Instinkte appellieren. Nur ist das eben nicht das, was die Abonnenten wollen. Die möchten sich suhlen in abgehobenen Ergüssen mit ganz vielen Zahlen und Querverweisen und Studien und Stimmen von moralisch aufgeladenen Experten, die kein Mensch kennt. Von all dem bleibt zwar am Ende des Textes jeweils nicht mehr viel übrig an Substanz, aber immerhin klingt es schlau.

Was die Abonnenten hingegen nicht wollen: mitverfolgen, wie Autoren ihre persönliche Antipathie gegenüber einer Person auf der Grundlage möglicherweise nicht mal existierender, aber sicher nicht qualifizierbarer Beurteilungen von Dritten bestätigen lassen und das als «Porträt» verkaufen.

Ungeliebte Führungsperson? Gähn.

Ich muss sagen: Nach dieser Lektüre ist mir Jonas Projer schon fast sympathisch. Der Mann hat sehr schnell Karriere gemacht, was ihm die sichtlich über den eigenen Werdegang frustrierten Autoren mehrfach im Text zum Vorwurf machen. Auf dieser Strecke hat er vermutlich nicht alles richtig gemacht, aber wer bitte tut das denn schon? Welche Führungsfigur wird von allen Untergebenen nur abgöttisch geliebt? Wer schafft sich keine Feinde auf dem Weg nach oben? Wer muss nicht mit Missgunst rechnen? Was ist neu daran?

Was diesen Artikel auszeichnet, ist lediglich, dass diese persönliche Missgunst Dritter, die man immer findet, endlich auf Journalisten trifft, die geradezu gieren nach negativen Feedbacks und sie noch so gerne kolportieren, weil sie der eigenen Einschätzung entsprechen. Das hat die «Republik» gemacht: Solange gesucht, bis jemand das sagte, was sie hören wollte. Und hat sich damit definitiv verabschiedet von den eigenen Ansprüchen.

Das passiert, wenn man nervös wird. Wenn man auf dem eingeschlagenen Weg ein paar Kratzer abkriegt und dann hektisch versucht, sich neu zu erfinden. In einer Disziplin, von der man keine Ahnung hat. Denn auch Demontage will gelernt sein.

PS: Dieser Text hat über 13’000 Zeichen und ist damit ein wahres Monstrum verglichen mit meinen sonstigen Beiträgen.. Das reicht aber bei Weitem noch nicht, um die Leute bei der «Republik» zu beeindrucken.

*Stefan Millius ist Chefredaktor «Die Ostschweiz». Dieser Text erscheint auf www.stefanmillius.ch. Zur stetigen Lektüre empfohlen.

Schmieren-«Republik»

Jonas Projer soll weggeschrieben werden. Warum nur?

Ist der Ruf erst ruiniert, schreibt sich’s ungeniert. Das scheint das neue Motto des Hauptquartiers der unbelegten Unterstellungen zu sein. ZACKBUM fragte sich, wie es wohl gelingen könnte, das Niveau eines Artikels über eine angebliche Verschwörung von rechten Publizisten und Organen zu unterbieten. Schnell lieferte das Organ die Antwort: es geht.

Vor Kurzem rempelten zwei «Republik»-Schmierfinken rund 30 namentlich erwähnte Journalisten an, plus einige Organe. Keiner und keines bekam die Möglichkeit, zu den absurden Unterstellungen etwas zu sagen; nur mit einem einzigen der «Info-Krieger» wurde gesprochen. Allerunterste Schublade.

Im Tamedia-Konzern arbeitet sich Lohnschreiber Andreas Tobler am neuen Chefredaktor der NZZaS ab. Bevor der überhaupt sein Amt antrat, wusste Tobler bereits («widerspricht auch dem Qualitätsanspruch der «NZZ am Sonntag»), dass das so nicht gehe. Auch Kurt W. Zimmermann liess sich in der «Weltwoche» von einem bei Ringier gescheiterten Informanten mit Verleumdungsmaterial über Projer abfüttern und publizierte. ZACKBUM waren diese Behauptungen ebenfalls angeboten worden – wir verzichteten, da uns keine zweite Quelle dafür namentlich genannt wurde.

Nun hatte Tobler mit einem Verriss von Projer nachgelegt, mit liefergelegtem Niveau. Das brachte er zusammen mit Sandro Benini auch gegenüber der «Weltwoche» zum Einsatz. Dort wollte man einen Massenexodus von Kolumnisten herbeischreiben. Erwähnt wurde unter anderen Kriegsreporter Kurt Pelda. Dass der zuvor wegen unerträglichen Arbeitsbedingungen bei Tamedia gekündigt hatte (und von einem Sesselfurzer dort zum Abgang übel beschimpft wurde), das vergassen die aufrechten Mietschreiber zu erwähnen. Und wo gegen Projer geholzt wird, darf natürlich das Organ der Demokratieretter nicht fehlen.

30’000 Zeichen Häme unter dem Titel «Der Aufsteiger» sind’s geworden. Hier zeichnen Philipp Albrecht (Erweckungserlebnis nach «Blick») und Ronja Beck (vorher raus und rein bei der «TagesWoche») für ein Stück Kloakenjournalismus verantwortlich. Wes Geistes Kind er ist, bewies Albrecht schon bei seinem Abgang aus dem Club der Zürcher Wirtschaftsjournalisten. Nachdem dort ein paar Abstimmungen nicht so ausgegangen waren, wie es diesem Demokratieretter in den Kram passte, zog er sich schmollend zurück. Denn Demokratie macht ihm nur Spass, wenn sie in seinem Sinne funktioniert.

Die Jahresmitgliedschaft, obwohl geschuldet, zahlte Albrecht dann auch nicht, wieso sich an Vereinsstatuten halten, wenn man muff ist. Natürlich bekam er von ZACKBUM Gelegenheit, dazu Stellung zu nehmen: «Das habe ich völlig vergessen, vielen Dank für Ihren Hinweis, Herr Zeyer.»

Bare Münze, was anonyme Heckenschützen labern

Die «Republik» verwendet eine Methode, die in den Untiefen des Gerüchtejournalismus inzwischen offenbar anerkannt ist: «Die Republik hat mit zwei Dutzend Personen gesprochen, die mit Projer beruflich zu tun hatten oder immer noch haben.»  Nur: mit drei Ausnahmen haben die alle keine Namen. Sind also anonyme Heckenschützen, die aus dem einen oder anderen Grund gerne aus dem Dunklen austeilen möchten. Für einen Schmiereartikel sind das gute Lieferanten von Anekdoten, aber der Leser hat keine Ahnung, aus welchen Motiven sie Bösartiges über Projer verzapfen.

Zunächst wird sein Aufstieg, seine Karriere, sein Einsatz, seine Bekanntheit gelobt. Mehrfacher Preisträger beim «Schweizer Journalist», als dessen Preis noch etwas wert war. Man könnte kurz der Illusion verfallen, dass die «Republik» sich tatsächlich um ein aufrechtes Porträt bemüht. Aber wer das Magazin kennt, weiss, das dem nicht so ist, es handelt sich nur um einen angetäuschten Wangenkuss. Nachdem seine in der «SonntagsZeitung» enthüllte Auszeit nachgeplappert wird, wird die wahre Absicht enthüllt:

«Doch das ist keine Geschichte über die Erschöpfung des Jonas Projer. Es ist eine über Verführung, Macht­demonstrationen und falsche Erwartungen.»

Es wäre eine falsche Erwartung an die «Republik», dass sie selbst gröbere Anwürfe mit etwas anderem als anonymen Behauptungen belegen würde: «Bei kritischen Geschichten wird er zum Verhinderer. Ein Opportunist in der Sache, loyal nach oben. Mit Themen wie MeToo und Wokeness bekundet er Mühe. Sein Führungs­stil: fragwürdig bis problematisch. Das sagen mehrere Personen bei SRF, Ringier und der «NZZ am Sonntag».»

Die Autoren wissen, wie man mit einer kurzen Beschreibung eines Settings kräftig Stimmung gegen den Porträtierten machen kann: «Und doch ist Jonas Projer dort, wo er eben ist: ganz weit oben. Jetzt gerade im Büro des CEO der NZZ an der Falken­strasse, mit Blick auf See und Sechseläuten­platz. Aus den Lüftungs­rippen hinter uns weht seit zwei Stunden unablässig kalte Luft ins Büro. Vor uns Jonas Projer und eine Unternehmens­sprecherin. Zwischen uns drei Smart­phones im Aufnahme­modus.» Dazu noch: «Beim Gespräch im CEO-Büro funkelt unter dem Kittel die Rolex.»

Gernegross im Chefbüro, kalter Wind, traut sich nicht alleine, Kontrollfreak mit gleich drei Aufnahmegeräten, trägt Rolex. Trägt eine dieser Beschreibungen etwas Sinnvolles zum Verständnis des Porträtierten bei? Nein, deshalb wäre dieser Absatz – und nicht nur dieser – bei einem Qualitätsorgan gestrichen worden. Aber Qualität, das war gestern. Heute ist Häme.

Häme, Aufgewärmtes und Narrative

Und Aufgewärmtes. Wir lesen zum dritten Mal die Fake News, wie Projer eine Story von Peter Hossli über Bundesrat Berset verhindert haben soll. Wird durch die Wiederholung nicht richtiger, aber das nennt man das Setzen eines Narrativs.

Ein anderes Narrativ von Hämejournalismus ist, dass man den Porträtierten etwas sagen lässt, dem dann widersprochen wird: ««Blödsinn», sagt eine Person, die die «NZZ am Sonntag» inzwischen verlassen hat. «Ich kenne niemanden, der wegen der ‹Transformation› gegangen ist.»» Blödsinn ist es, selbst eine «Person», die in keinem Abhängigkeitsverhältnis zur NZZ mehr steht, nicht dazu aufzufordern, namentlich hinter ihre Aussage zu stehen. Aber eben, anonym macht mutig.

Wir kommen schon zum Höhepunkt der «Republik»-Story. Wieder wird Projer zitiert, mit seiner Kritik an Aspekten der «#metoo»-Bewegung: «Problem zwei: Anonym vorgebrachte Vorwürfe würden Täter schützen, Betroffenen selten helfen und «(jene) beschädigen (…), die zu Unrecht beschuldigt werden».» Den beiden Schmierfinken von der «Republik» fällt nicht einmal auf, dass das eine genaue Beschreibung ihrer Methode ist. Dazu reicht der IQ offenbar nicht aus.

Vom dreckigen Dutzend der angeblichen Gesprächspartner werden nur drei namentlich erwähnt. Projers stellvertretende Redaktionsleiterin bei der «Arena» und Peter Wälty. Franziska Egli ist des Lobes voll, Wälty, bei Ringier nicht zuletzt an Projer gescheitert, hält sich bedeckt und wird mit einer Nullaussage zitiert: «Aber was sicher ist: Der Typ war eine Challenge

Anonyme Giftspritzen machen sich dagegen Luft: «Frühere Mitarbeiterinnen beschreiben einen Journalisten, konstant vor der Überforderung. Einer, der sich nach oben verkaufen kann, dem aber mangels unternehmerischen Gespürs der Reifen platzt. Einer, der die Verantwortung für Fehler nach unten abschiebt, mit dem man keine Probleme haben will, Wider­worte kann er schon mal als Verrat am Projekt deuten.»

Und das soll ein Porträt sein?

Wunderbar auch die Beschreibung eines Vorgangs und seine absurde Verbindung mit einem bösartigen Angriff gegen Projer: «Damit die Schein­werfer keine unerwünschten Schatten auf das Gesicht des Chef­redaktors werfen, muss die Raum­höhe erweitert werden.»

Als Schlussknaller führen die beiden Schreiber noch einen angeblich stammelnden Projer vor.

Das soll ein Porträt sein? Ob diese Republikaner überhaupt wissen, was ein journalistisches Porträt ist? Ist bei  diesen 30’000 Zeichen irgendwo auch nur ein Hauch zu spüren, dass man sich um eine gerechte, anständige, umfassende, kritische, aber gerechte Darstellung eines Menschen in einer Führungsposition bemüht hat?

Wenn Positives erwähnt wird, dann nur, um die Fallhöhe deutlich zu machen. Wenn Projers Qualitäten erwähnt werden, dann nur, um sein Scheitern mit ihnen zu schildern. Wie heisst es so hämisch: «Zu Ringier kam Jonas Projer als Star. Heute ist vom Sternen­staub nicht mehr viel übrig.»

Auf die Welt kam die «Republik» mit volltönenden Ankündigungen von hochstehendem Journalismus. Davon ist nur Schmiere geblieben: «Wir recherchieren, fragen nach, ordnen ein und decken auf. Und liefern Ihnen Fakten und Zusammenhänge als Grundlage für Ihre eigenen Überlegungen und Entscheidungen.»

Nehmen wir diesen Artikel. Recherchiert wurde, indem anonyme Giftspritzen abgemolken wurden. Wenn die Zitate nicht gleich erfunden sind, statt einem Dutzend bloss vier Quellen befragt wurden – woher soll das der Leser wissen? Nachfragen, einordnen, aufdecken? Fehlanzeige. Fakten und Zusammenhänge? Fehlanzeige. Grundlage für eigene Überlegungen des Lesers? Was soll der nach diesem manipulativen-polemisch-demagogisch-einseitigen Artikel anderes überlegen als: Projer ist in jeder Beziehung eine Fehlbesetzung als Chefredaktor.

Fremdschämen des Lesers, billiges Bedienen von Narrativen, aufpumpen der eigenen Gesinnungsblase mit dem üblen Geruch anonymer Lästerer, zu feige, mit ihrem Namen einzustehen. Das ist von den grossartigen Ansprüchen am Anfang übriggeblieben.

 

 

 

Entrüstung über Jonas Projer

Sich von der Konkurrenz porträtieren lassen? Ziemlich mutig.

Journalisten haben ein Problem. Also sie haben viele Probleme, aber eines der grössten ist: sie nehmen sich selbst viel zu wichtig. Der Bote kommt ihnen mindestens so bedeutend vor wie die Botschaft. Eitel sind sie auch noch, und Kritik vertragen sie eher schlecht bis überhaupt nicht.

Es gibt also einige Gründe dafür und dagegen, sich in einem Medium porträtieren zu lassen. Es braucht eine besondere Art von Mut, das von der direkten Konkurrenz bewerkstelligen zu lassen.

Jonas Projer hat diesen Mut – oder soll man von Tollkühnheit sprechen? Er ist noch nicht einmal ein Jahr amtierender Chefredaktor der NZZaS. Schon bevor er diese Stelle antrat, fiel es einem Tamedia-Konzernjournalisten ein, ihn präventiv wegschreiben zu wollen:

«Als jetziger Chefredaktor bei einem Boulevardmedium wie Blick TV widerspricht Projer auch dem Qualitätsanspruch der «NZZ am Sonntag» – und der linksliberalen Positionierung des Blattes

Der Autor Andreas Tobler wetteifert mit Philipp Loser darum, der willigste Konzernjournalist zu sein. Loser ging mit einem Schmierenstück über den Verleger Hanspeter Lebrument unangefochten in Führung, bekam dann aber wegen übertriebener Härte die rote Karte gezeigt. Tamedia entschuldigte sich, der Artikel wurde gelöscht, weil er angeblich nicht den Qualitätsstandards des Hauses entsprach.

Das Qualitätsorgan Tamedia sah aber keinen Handlungsbedarf, als Tobler sehr viel Verständnis für einen Mordaufruf gegen den Verleger und Chefredaktor Roger Köppel zeigte. Ganz vorne dabei ist Tobler auch, wenn es um die Beförderung der Genderwahns geht. Ganz klein und hässlich wird er allerdings, wenn man ihm Gelegenheit zur Stellungnahme geben will. Austeilen ja, rechtfertigen niemals.

Also alles in allem ein Schreiberling, von dem man sich nicht wirklich gerne porträtieren lassen möchte. Aber Tobler hat, wie damals Loser, den Auftrag gefasst. Wieso allerdings Projer mitmachte und ein paar Quotes beisteuerte, muss wohl sein süsses Geheimnis bleiben.

Es ist allerdings wohl kein Zufall, dass es bislang kein von der Konkurrenz geschriebenes Porträt über Arthur Rutishauser, Patrik Müller oder Christian Dorer gibt.

Projers unverdientes Glück ist allerdings, dass Tobler ein selten schwacher Recherchierjournalist ist. Schwatzhaft, wie die Branche so ist, hätte es doch möglich sein sollen, ein paar saftige, natürlich anonyme Anschwärzungen auszugraben. Insbesondere von ehemaligen Mitarbeitern der NZZaS, die ihren Abgang mehr oder minder Projer zu verdanken haben. Oder denen er in der Sonne steht, weil sie selber gerne Chef geworden wären.

Aber um ein Riesenfoto herum schafft es Tobler eigentlich nur, eine einzige News auszugraben, die er auch gleich im Titel verbrät: Projer hatte sich am Anfang des Ukrainekriegs eine Auszeit genommen. Oder um es im demagogischen Duktus von Tobler zu formulieren: er kam an seine Grenzen, «brauchte bereits eine Auszeit». So etwas ist Tobler noch nie passiert, das wäre angesichts seines mageren Ausstosses auch überraschend.

Aber hier kann Tobler nur raunen, dass sich «seit einigen Wochen die Zeichen häufen, das(s) bei Projer vieles nicht mehr rundläuft: Mehrere namhafte Journalisten kündigten innert kürzester Zeit ihre Jobs.»

Was hat Tobler denn sonst noch so ausgegraben? Himmels willen, als Mitglied der «Zunft zum Schmieden» schlug Projer doch tatsächlich das Thema «aussterbender Beruf des Schmieds» vor. Das habe «auf der Redaktion zu reden gegeben», will Tobler wissen. Damit hat er aber bereits seine «News» verballert; so ungefähr ab der Mitte des ellenlangen Stücks wird es grausam repetitiv.

Und belehrend: «Sollte man als Chefredaktor nicht seine Kräfte besser einteilen und seine Grenzen kennen, um solche Absenzen zu vermeiden», fragt Tobler streng. Er ist offenbar der Auffassung, dass nur ein ewig präsenter Chef seine hohen Massstäbe erfüllt, und eine zweiwöchige Absenz von Rutishauser könnte sich Tobler offensichtlich niemals vorstellen.

Eigentlich gibt es eine verblüffende Parallelität zwischen der verunglückten Reportage von Rafaela Roth über eine Waffenshow und diesem Versuch, dem Chef eines Konkurrenzorgans eine reinzuwürgen. Vom Versuch, ein wirklichkeitsnahes Porträt abzuliefern, sind beide Stücke meilenweit entfernt. Gerade über Projer, der nun tatsächlich als Quereinsteiger und Multitalent eine interessante Figur ist, könnte man ein spannendes Werk abliefern.

Aber die Voraussetzung dazu ist natürlich: wenn man das könnte. Wenn man das wollte. An beidem hapert es bei Tobler. Da bleibt nur, Geheimrat Goethe zu zitieren: «So fühlt man Absicht, und man ist verstimmt.»

Oder moderndeutsch formuliert: sackschwach. Gewollt und nicht gekonnt. Übler Konzernjournalismus. Und erst noch nix ausgegraben. Zeitverschwendung.

Steile Lernkurve nach unten

CH Media haut Blick-TV – völlig uneigennützig. Blick-TV keilt zurück. Völlig unnütz.

Die grossen Medienclans der Schweiz setzen auf unterschiedliche Strategien. Ringier auf internationalen Gemischtwarenladen mit hohem Digitalanteil. TX Group auf nationalen Gemischtwarenladen mit streng getrennten Profitcentern, die alle den gleichen Profitansprüchen genügen müssen. Sonst wird gespart, bis es kracht.

Ihr freiwilliger Beitrag für ZACKBUM

CH Media setzt mehr auf die elektronische Karte. Keine grossen Handelsplattformen, dafür das grösste Kopfzeitungsmodell der Schweiz plus Radio und TV. Lassen wir die NZZ mal aussen vor.

Von dort kommt Francesco Benini, der wohl gerne Chefredaktor der NZZaS geworden wäre. Allerdings stand ihm Jonas Projer in der Sonne, der wiederum von «Blick TV» eingewechselt wurde. Also mindestens zwei Gründe für Benini, auf CH Media genau diesem TV-Experiment Ringiers kräftig eins über die Rübe zu geben.

«Die Erwartungen waren hoch – aber das Interesse klein: Blick-TV als Fernsehsender ist gescheitert», titelte CH Media am Freitag. Von 17 Nachrichtensendungen am Tag sei das Angebot auf drei geschrumpft. Zusammenfassung: «Blick-TV wollte ein lineares Fernsehen sein und produziert nun vor allem Abrufvideos.»

Auch der Markt habe nicht wie erwartet reagiert, schreibt Benini: «Mitarbeiter berichten, dass die Nutzerwerte für die Angestellten anfänglich sichtbar gewesen seien. Als sich herausgestellt habe, dass das Publikumsinteresse gering sei, hätten die Vorgesetzten die Statistik verschwinden lassen.»

Also alles in allem dürfte sich die «Herzensangelegenheit» des Ringier-CEO Marc Walder bald versenden, vermutet Benini: «Auch das Erreichen der kommerziellen Ziele rückte in weite Ferne. Für Blick-TV investierte Ringier einen Millionenbetrag – die genaue Summe nennt das Unternehmen nicht. Schon nach weniger als einem Jahr war klar, dass das Projekt redimensioniert werden muss. Marc Walder hatte Blick-TV am Anfang drei Jahre Zeit gegeben, um die Gewinnschwelle zu erreichen. Die Vorgabe stellte sich schnell als unerreichbar heraus.»

Eine vernichtende Kritik kann noch verstärkt werden

Vernichtend, lässt sich das noch steigern? Aber ja. Dann, wenn die ansonsten unsichtbare Oberchefin der «Blick»-Gruppe das Wort ergreift. Richtig, die Rede ist von Ladina Heimgartner, Mitglied «Executive Board», «Head of Global Media» und «CEO der Blick-Gruppe».

Die Dame mit der ausklappbaren Visitenkarte fiel das letzte Mal unangenehm auf, als sie sich im verloren gegangenen Abstimmungskampf um die Medienmilliarde mit einer Meinungskolumne zu Wort meldete. Böse Zungen behaupten, dass sie damit einen kleinen, aber feinen Beitrag zur Ablehnung an der Urne leistete.

Sie ernannte damals das Geschenk an notleidende Medienclans kurzerhand zur «überlebenswichtigen Übergangslösung». Das veranlasst natürlich die Frage, ob nun Ringier und gar auch Heimgartner nicht länger überlebensfähig sind. Es gibt immerhin zwei Gründe, an der Zukunft von Ringier zu zweifeln. Eben das Fehlen dieser überlebenswichtigen Hilfe. Und das Wirken von Heimgartner.

Die wirft sich nämlich für «Blick-TV» in die Bresche, wobei sie als ehemalige TV-Frau auch eigentlich die nötigen Voraussetzungen mitbringen sollte. Mangels anderer Angebote ergreift sie dafür gerne die Gelegenheit, auf persoenlich.com zurückzuschlagen. Und wie: «Der Artikel ist in weiten Teilen tendenziös und in einigen Punkten sogar schlichtweg falsch». Zack und bum.

Falsch ist falsch. Oder so

Nun macht Heimgartner allerdings etwas, was wohl selbst beim Rätoromanischen TV nicht gern gesehen würde: sie dementiert Behauptungen, die gar nicht im Artikel aufgestellt wurden : «Unsere Zahlen sind so hoch wie nie, das gilt für die Views bei Breaking-News im Live und erst recht bei Videos on Demand (VoD).» Benini hat nicht das Gegenteil behauptet. Nur, dass die Messung der Zuschauerzahlen verschwunden sei. Und neue, konkrete Zahlen nennt Heimgartner nicht. Schliesslich habe man die Rechte an der Übertragung von Eishockey-Matches erworben, führt Heimgartner weiter ins Feld; «würden wir dies tun, wären die Zahlen schlecht? Sicher nicht».

Wir können dem Fettnäpfchen nicht ausweichen, dass es sich hier wohl um angewandte weibliche Logik handle. Denn der Erwerb von Ausstrahlungsrechten kann sowohl ein Zeichen für Wohlergehen wie auch für die Suche nach mehr Reichweite sein.

Dann lehnt sie sich bar jeder Logik weit aus dem Fenster: «Blick TV wollte nie ein linearer Fernsehsender sein, sondern war von Beginn an als Digitalangebot mit Fokus auf mobile Nutzung gedacht und wurde auch so beworben.»

Vielleicht sollte zur steilen Lernkurve von Heimgartner gehören, nicht linear dem Oberchefredaktor Christian Dorer zu widersprechen. Der sagte nämlich zur Lancierung von «Blick-TV»: «Blick TV wird zum CNN für die Schweiz: Es ist der erste Breaking-News-Sender des Landes, die Zuschauerinnen und Zuschauer erhalten News, Einordnung, Analysen und Unterhaltung – also alle bisherigen BLICK-Themen in TV-Form.»

Linear oder digital oder so

Nun ist CNN doch eher ein linearer TV-Sender, und genau den wollte «Blick-TV» nachahmen, indem verkündet wurde, dass es von 6 bis 23 Uhr zu jeder vollen Stunde «eine neue Sendung mit den aktuellsten Top-News» gebe.

Nach dieser verlorenen Schlacht weiss auch Heimgartner, dass Angriff die beste Verteidigung ist und keilt noch zurück. Man habe schliesslich dazugelernt: «Wer diese Lernkurve als Zeichen für «Scheitern» werte, habe die Grundregeln der digitalen Transformation nicht verstanden, so Heimgartner weiter. «Eine steile Lernkurve ist für uns ein Zeichen von Stärke. Wir sind stolz darauf.»»

17 Stunden Live-Programm wurde versprochen. Das riecht nach linear, sieht wie linear aus und ist linear. Oder war’s. Ist das vielleicht peinlich, wenn sich eine TV-Frau an den Begrifflichkeiten vergreift. Statt einfach zuzugeben: falsch gestartet, rumgerudert, neue Versuche. Lernkurve eben, allerdings bei horrenden Kosten. Besonders resilient, um ihren Lieblingsausdruck zu verwenden, scheint das nicht zu sein. Sie selbst ist’s allerdings sehr.

Wumms: Christoph Mörgeli

 

These ist gut. Widerspruch ist schlecht. Also ist Weglassen Trumpf.

Christoph Mörgeli hat seine Sternstunden. Der gut fundierte Hinweis darauf, dass Tamedia im Glashaus nicht mit Steinen auf die Bührle-Sammlung schmeissen sollte, war hervorragend. Denn die Coninx-Sammlung böte auch Anlass zu vertiefter Untersuchung. Nur kommt das keinem kritischen, unabhängigen Raubkunst-Jäger im Hause in den Sinn. Warum bloss?

In der aktuellen «Weltwoche» geht Mörgeli aber mit einer spekulativen These auf die Pirsch – und landet im Gebüsch. «Wer unterdrückte in der NZZaS die Berichterstattung über Bundesrat Bersets Affären?», raunt er inhaltsschwanger.

Nun wird’s einen Moment kompliziert. Mörgeli enthüllte einen Seitensprung samt Amtsmissbrauch. Daraufhin wurde er zuerst mit Schweigen bestraft, dann mit Kritik überschüttet. Nur Peter Hossli fügte in der NZZaS die nette Note hinzu, dass sich Bundesrat Berset mit der Staatskarosse vom Liebesnest in Freiburg im Breisgau nach Bern zurückkutschieren liess.

Dann schrieb Kurt W. Zimmermann die Räuberpistole, dass Hossli eigentlich noch viel mehr Munition gehabt hätte, aber Jonas Projer, frisch im Amt, seinen ersten Fehlentscheid traf und die fertige, zweiteilige Story abwürgte.

Liegt alles nur im weit, zu weit gefassten Streubereich der Wahrheit. Das hätte Mörgeli auf ZACKBUM nachlesen können. Nun klappert er noch mit seiner These hinterher, dass eigentlich der pensionierte und abgehalfterte Ex-Chefredaktor Felix M. Müller als Berater von Projer seine Finger im Spiel gehabt hätte. Der fällt regelmässig mit peinlichen Medien-Kolumnen auf.

Lass weg, was deine Räuberpistole stört, meinte Mörgeli offenbar. Also zählt er die wenigen Organe auf, die auf Zimmis Story aufsprangen. In der kurzen Liste fehlt allerdings das Online-Medium, das am ausführlichsten und am besten drüber berichtete.

Die Bescheidenheit verbietet uns, seinen Namen zu nennen. Wir sind doch nicht vom Aff bisse.

Viel Gezimmer um nichts?

Die «Weltwoche» hat einen Angriff auf die NZZaS lanciert. Ist was dran?

Die Story ist gut. Der damals frischgebackene NZZaS-Chefredaktor Jonas Projer zensiert einen Artikel des Grossrechercheurs Peter Hossli. Der wollte in monatelangem Muckraking herausgefunden haben, dass Bundesrat Alain Berset nicht nur eine, sondern mehrere Liebesaffären unterhalten habe.

Das gehöre deswegen nicht zur Privatsphäre, weil Berset angeblich auch sein Amt ausgenützt habe, um sich selbst und seinen Gespielinnen Vorteile zu verschaffen. Ein erstes Müsterchen hatte der «Weltwoche»-Redaktor Christoph Mörgeli ans Licht gebracht, dem die Akten einer Strafuntersuchung zugespielt wurden, die gegen eine abgelegte Geliebte Bersets lief.

Die hatte den Bundesrat im Nachgang der Affäre zu erpressen versucht, wogegen er die Bundespolizei in Marsch setzte. Dazu trug Hossli damals noch bei, dass Berset sich von seiner Staatskarosse von einem Liebeswochenende in Freiburg in Breisgau nach Bern zurückkutschieren liess. Da aber der Gebrauch auch zu privaten Zwecken anscheinend erlaubt ist, überstand Berset diesen Skandal im Amt.

Kurt W. Zimmermann zitiert in seiner Medienkolumne fleissig angebliche Erkenntnisse Hosslis: «Er redete mit mehreren Frauen, die intime Beziehungen zum Bundesrat hatten, unter anderem mit einer Diplomatin, einer Angestellten der Bundesverwaltung und einer Journalistin.» Dabei habe Hossli auch thematisiert, wie weit Berset seine Amtsbefugnisse missbraucht habe.

Auf Anfrage habe sich Projer «weggeduckt» und weder bestätigen noch dementieren wollen, dass es eine solche Recherche gegeben habe. Auf persoenlich.com keilte Projer zurück, dass eigentlich nichts an diesem «Weltwoche»-Text stimme.

Genauer betrachtet ist die Lage unübersichtlich

Hossli ist inzwischen wieder bei Ringier gelandet, diesmal als Leiter der Journalistenschule. Der für «Hintergrund» zuständige Redaktor der NZZaS hat ebenfalls gekündigt und twitterte, dass er keinen Journalisten kenne, der «höhere Qualitätsanforderungen an seine Arbeit» stelle. Damit will er offenbar Projer entgegentreten, der zwar auch seine Hochachtung vor Hossli bekundete, aber unerbittliche Qualitätsansprüche bei der NZZ erwähnte.

Damit insinuierte Projer, dass die Recherche von Hossli denen nicht genügt habe. Inzwischen ist natürlich das übliche Geraune losgegangen. Weder Tamedia, noch CH Media waren über die Personalie Projer sonderlich begeistert, Konzernjournalist Andreas Tobler schrieb sogar im Voraus einen vernichtenden Verriss über Projer:

«Als jetziger Chefredaktor bei einem Boulevardmedium wie Blick TV widerspricht Projer auch dem Qualitätsanspruch der «NZZ am Sonntag» – und der linksliberalen Positionierung des Blattes

Ringier ist sowieso nicht gut auf ihn zu sprechen, weil er nach nur knapp einem Jahr als Aushängeschild «Blick TV» verliess. Als Ausdruck der Ungnade und in Form einer kindischen Trotzreaktion wollte ihn Ringier nicht aus seinem Vertrag entlassen, was dazu führte, dass zwischen Ankündigung und Stellenantritt sechs Monate ins Land gingen.

Viele Beobachter fragten sich damals, ob Projer dieses Interregnum überlebt. Tat er. Nun ist es aber von der Zeitachse her so, dass dieser Artikel von Hossli, sollte es ihn denn geben, in dieser Zeit entstand. Mitte September hatte Mörgeli in der «Weltwoche» die erste Bombe platzen lassen: «Frau, von Bersets Truppe plattgewalzt».

Nach einer Schreck- und Schweigesekunde sprangen die Mainstreammedien dem Gesundheitsminister zur Seite, da funktionierten Seilschaften, auch nicht zuletzt im Hinblick auf das Mediengesetz, gegen das erfolgreich das Referendum ergriffen worden war.

Klare Diagnose: Projer, der Bremser. Oder Fehldiagnose?

Wenn nun die NZZaS mit weiteren Skandalen nachgelegt hätte, nicht nur mit einer Autofahrt, wäre das Schicksal von Berset wohl besiegelt gewesen. Also klare Diagnose: Vielleicht schon in der Zeit des Vorgängers Luzi Bernet, sicherlich aber während der Amtszeit der Reichsverweserin Nicole Althaus recherchierte Hossli wie wild, schrieb einen saftigen Zweiteiler, und als eine seiner ersten Amtshandlungen trat Projer auf die Bremse.

Daraufhin kündigte der Reporter und der Ressortleiter ebenfalls. Skandal, wieso will Projer diesen Bundesrat schützen? Er hat doch politisch nicht mal das Heu auf der gleichen Bühne.

Soweit die Aussensicht. Bei näherer Betrachtung gibt es aber ein paar Probleme. Die Öffentlichkeit kennt logischerweise den Inhalt des Artikels nicht. Seine Brisanz – und die seriöse Unterfütterung durch Fakten, Gespräche, Aussagen, Indizien – wird lediglich von Zimmermann behauptet. Über dessen Seriosität als Recherchierjournalist kann man durchaus geteilter Meinung sein.

So behauptete er schon mal, Christoph Blochers Kolumnen würden auch im «Tagblatt der Stadt Zürich» erscheinen, das zu dessen kleinem Medienimperium gehört. Eine Ente. Schon zum Antritt Projers widmete Zimmermann dem Ereignis eine ganze Kolumne, die aber vor Falschaussagen nur so tropfte. Patrik Müller und Christian Dorer hätten schon vor Projer die Chefredaktion angeboten bekommen. Blöd, dass die nichts davon wussten.

Schlimmer noch: während die loyal zu ihren Verlagshäusern stünden, hätte Projer «kein Problem mit Illoyalität». Zack. Bei Ringier habe der TV-Mann gehen müssen, weil er in «eine charakterliche Sackgasse» geraten sei. Bum. Zimi wollte wissen: «Am Schluss war der nicht teamfähige Projer im Newsroom des «Blick» völlig isoliert.»

Seine Erkenntnisse stammten – Überraschung – vom Hörensagen, aus nicht genannten Quellen. Auch ZACKBUM wurde damals dieser heisse Scheiss angeboten – wir forderten eine zweite Bestätigung mit Namensnennung – als die zugesagt wurde, aber ausblieb, lehnten wir ab.

Skrupellose Leberwurst

Zimi hatte weniger Skrupel, und als wir das damals kritisierten, spielte er beleidigte Leberwurst. Vorher hatte er noch getönt, dass er mal eine Kolumne über ZACKBUM schreiben wolle. Gestrichen.

Man kann also durchaus sagen: Zimi als Quelle seriöser, harter Fakten – kann man so oder so sehen. Zimi wollte Projer schon ganz am Anfang wegschreiben, ist ihm nicht gelungen. Da Zimi offensichtlich nachtragend ist, probiert er es nochmal.

Nur einige Wenige kennen den Inhalt der Reportage von Hossli. Wir sind also auf Informationen aus zweiter, dritter Hand angewiesen. Aus Quellen, die eher trübe sind. Es gibt allerdings ein Detail, das ZACKBUM tatsächlich von zwei voneinander unabhängigen Quellen bestätigt bekam.

Zimmermann behauptet in seiner Kolumne, «die Rechtsabteilung des Hauses NZZ checkte, wie üblich, den Text auf juristische Risiken ab». Was er nicht schreibt, und was ZACKBUM glaubhaft versichert wurde: der Text bestand diesen Check nicht.

Wir haben also eine eher irre Siutuation. Projer wird Zensur vorgeworfen, Zimis Fazit: «Die Bilanz von Chefredaktor Projer im Zeitraffer: Eine kritische Geschichte ist gestoppt. Zwei kritische Journalisten sind gegangen. Ein Bundesrat ist zufrieden

Was ist die gesicherte Faktenlage?

Der Zeitraffer der Faktenlage: Kein Kritiker kennt den Inhalt des Artikels. Vielleicht nicht einmal Zimmermann. Die direkt Beteiligten schweigen sich aus. Projer weist den Vorwurf der Zensur zurück und deutet an, dass es Qualitätsprobleme gegeben habe. Zimi führt seinen Feldzug gegen Projer weiter.

Dabei gerät als Kollateralschaden auch die «Weltwoche» in sein friendly fire. Denn er schreibt ja, dass Hossli auch recherchiert habe, wie denn Autor Mörgeli an seine Unterlagen gekommen sei. Das würde das Publikum natürlich lebhaft interessieren.

Aber die Chance, dass der Text doch noch publiziert wird, ist klein. Will Hossli nicht schon vor Amtsantritt die Auflösungsvereinbarung seines Arbeitsvertrags bei Ringier im Briefkasten finden, wird er selbst sicherlich nicht Hand dazu bieten. Höchstens der Heckenschütze aus der NZZaS wäre vielleicht in der Lage, nachzulegen.

Letztlich wieder ein Fall, bei dem zu schnelles «Zensur»-, «Skandal»-Geschrei in peinliches Schweigen münden könnte.

 

 

 

 

Wandeln auf dünnem Eis

Ein veritabler Krimi: wurde in der NZZaS zensiert?

Medienkenner Kurt. W. Zimmermann liess in der «Weltwoche» eine kleine Bombe platzen. Chefredaktor Jonas Projer habe eine zweiteilige Story über das Liebesleben von Bundesrat Alain Berset gekippt.

«Reporter Hossli recherchierte monatelang über Bersets Liebesleben in seinem politischen Umfeld. Er redete mit mehreren Frauen, die intime Beziehungen zum Bundesrat hatten, unter anderem mit einer Diplomatin, einer Angestellten der Bundesverwaltung und einer Journalistin.»

Resultat: «Der erste Teil handelte von den diversen Gespielinnen des verheirateten Bundesrats und ging der Frage nach, ob Alain Berset dabei seine Macht und seine Privilegien missbraucht hatte. Im zweiten Teil ging Hossli auch auf das Thema ein, wie die Strafakten an die Öffentlichkeit gelangt waren, die im letzten Herbst die sogenannte Erpressungsaffäre Berset ausgelöst hatten.»

Soweit Zimmermann. Während die «Weltwoche» aus den ihr zugespielten Strafakten zitierte, trug Peter Hossli in der NZZaS noch das Detail nach, dass sich Berset von einem Liebeswochenende in Freiburg im Breisgau mit der Staatslimousine nach Bern zurückkutschieren liess. Allerdings ohne das in weitere Rechercheergebnisse einzubinden.

Man fragt sich nun, ob der Wechsel von Hossli an die Spitze der Journalistenschule von Ringier und der Abgang des Ressortleiters Hintergrund bei der NZZaS einen Zusammenhang mit dieser verhinderten Publikation haben.

Projer verteidigt sich in dieser ersten echten Bewährungsprobe in seinem Amt nicht sonderlich geschickt. Gegenüber Zimi soll er gesagt haben, dass er nicht bestätigen könne, dass es eine solche Berset-Story gegeben habe.

Nun tritt er auf persoenlich.com nach und erklärt, dass Artikel in der NZZaS erst dann publiziert würden, wenn eine Recherche hieb und stichfest sei und den hohen Qualitätsansprüchen der NZZ genüge.

Das heisst mit anderen Worten, dass das auf die Arbeit von Hossli nicht zutrifft, wenn nun allgemein akzeptiert ist, dass es die Recherche gab, der Artikel in zwei Teilen fertig geschrieben und laut Zimi juristisch überprüft vorlag und auch vom Ressortleiter Hintergrund befürwortet wurde.

Noch eins auf die Kinnlade von Projer

Hossli ist inzwischen zu Ringier gewechselt, auch Michael Furger ist von Bord gegangen und meldete sich auf Twitter zu Wort. Er kenne Hossli seit einigen Jahren und «keinen Journalisten, der höhere Qualitätsanforderungen an seine Arbeit stellt als er».

Das ist nun indirekt eins in die Kinnlade von Projer. Der hatte gerade die Chefredaktion auf- und umgeräumt und sich seiner Nummer zwei entledigt. Damit wollte er offenbar auch signalisieren: ich bin gekommen, um zu bleiben.

Es ist kein grosses Geheimnis, dass seine Einwechslung von «Blick TV» und seine Vergangenheit als Fernsehmann ohne grosse Printerfahrung nicht gerade Begeisterungsstürme bei der NZZaS-Redaktion auslöste. Zudem schmerzte die erst zweite Abservierung eines amtierenden Chefredaktors in der langen Geschichte der NZZ und der kurzen der NZZaS. Schliesslich gab es auch einen oder zwei interne Anwärter, die sich das Amt zugetraut hätten und auch gerne auf dem Chefsessel platzgenommen hätten.

Nun hat Zimmermann sicherlich nicht das Redaktionsarchiv der NZZaS geknackt und dort den Artikel von Hossli im Quarantänebereich gefunden. Natürlich wurde ihm das zugesteckt, und zwar entweder von Hossli selbst oder aus der Redaktion der Zeitung. Was bedeutet, dass wir an der Falkenstrasse so eine kleine Imitation der Verhältnisse in der Credit Suisse haben. Ein Heckenschütze versucht, Projer durch diese Indiskretion abzuschiessen.

Da ist die Frage, ob er – wie im Fall von Horta-Osório – noch mehr Pfeile im Köcher hat oder damit bereits am Ende seiner Möglichkeiten angelangt ist.

Zudem ist die Redaktion verunsichert, wie und ob ein weiterer Zusammenschluss mit der NZZ-Stammmannschaft stattfinden wird. Sollte die NZZ den Weg von Tamedia gehen, braucht es eigentlich nur mehr einen Frühstückdirektor bei der NZZaS. Oder Eric Gujer regiert gleich direkt durch.

Wirrungen und Weiterungen

Diese bislang von Projer leicht verstolperte Affäre könnte Anlass bieten, so aufzuräumen. Dann wären seine Gegner zwar Projer losgeworden, dafür aber direkt in die harte Hand von Gujer gefallen.

Lustige Ausgangslage: wer bei der NZZaS möglichst viel Autonomie behalten möchte, muss eigentlich Projer unterstützen. Ob der ihm passt oder nicht. Projer wollte auf Anfrage keine Stellung nehmen.

Lustig ebenfalls: Hossli sitzt nun auf einem fertiggeschriebenen Doppelstück, das zumindest die juristische Prüfung überstanden habe. Ob es qualitativ wirklich mässig ist? Das könnte man erst beurteilen, wenn es veröffentlicht würde. Auch er reagierte nicht auf eine Anfrage.

Nun ist es so, dass normalerweise der Autor im Besitz der Recht an seinen Werken ist. Nachdem Hossli bei der NZZaS nicht mehr in einem Abhängigkeitsverhältnis steht, es ganz danach aussieht, dass er seine neue Stelle als Leiter der Journalistenschule bei Ringier nicht als Kurzzeitengagement sieht, könnte er natürlich …

Schon alleine, um zu belegen, dass einer, der Journalisten ausbildet, sich den Vorwurf nicht gefallen lassen kann, er liefere qualitativ ungenügende Artikel ab. Auf der anderen Seite ist bekannt, dass das Haus Ringier und sein CEO dem Bundesrat Berset nicht unbedingt kritisch gegenüberstehen.

Man könnte es also so formulieren: würde Hossli seine Story anderweitig publizieren, hätte er ein zumindest arbeitsrechtliches Problemchen mit der NZZ. Zudem würde es dann wohl mit seinem Stellenantritt bei Ringier nichts. Also wird er das lassen.

Nun ist es unbestreitbar so, dass Christoph Mörgeli von der «Weltwoche» das Thema «Liebesleben eines Bundesrats» an die Öffentlichkeit brachte. So wie Zimi für seinen Artikel angefüttert wurde, bekam auch Mörgeli entsprechendes Material zugespielt. In beiden Fällen ist die spannende Frage: von wem?

Lustige Zeiten bei der NZZ

Wenn die NZZ dem Schwesterblatt NZZaS eine reinwürgt.

Früher war es legendär, wie sich «SonntagsBlick» und «Blick» gegenseitig gehasst haben. Weiterzug einer Story, gemeinsame Kampfbündnisse? I wo, wenn man sich gegenseitig ignorieren oder in den Unterleib treten konnte: sehr gerne.

Das hat sich im Rahmen der Sparmassnahmen und der Skelettierung der beiden Blätter erledigt. Aber im Hause NZZ gibt’s noch Potenzial.

Die NZZaS wartete mit dem Primeur auf, dass sie einen der beiden Hauptbeschuldigten in der Affäre Vincenz kurz vor Prozessbeginn zu einem längeren Interview überreden konnte. Nachdem Beat Stocker eisern die ganzen, quälenden Jahre der Untersuchung geschwiegen hatte.

Immerhin, was man auch vom Inhalt seiner Aussagen halten mag. Da könnte man ja von der NZZ etwas Applaus erwarten.

Könnte man, gibt’s aber nicht. Im Gegenteil. Am Dienstag nach dem Interview meldet sich Lorenz Honegger in der NZZ zu Wort. Die zweite Generation Honegger zieht blank:

Das war wohl nix, daher ist sein vernichtendes Urteil natürlich gepaart mit der unausgesprochenen Frage, wieso sich die NZZaS dafür hergegeben habe.

Nun baut Honegger seine Anklage auf die Aussagen von «zwei führenden Schweizer Litigation-PR-Experten». Darunter versteht man die Benützung der Öffentlichkeit zwecks möglicher Beeinflussung von Richtern.

Der eine Experte ist «Patrick Krauskopf, Professor für Wirtschaftsrecht an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften.» Das Problem: der ist völlig unbeleckt von Kenntnissen über das Strafrecht und auch sonst in der Branche niemandem als Litigation-PR-Experte bekannt.

Aber praktisch, dass er das interview kritisch sieht: «Ich würde den Angeklagten die Botschaft nicht selbst überbringen lassen.» Und: ««Qui s’excuse, s’accuse», sagt Krauskopf.»

Der zweite «führende Experte» heisst «Laurent Ashenden, Gründer und Geschäftsführer der PR-Agentur Voxia». Der ist ebenfalls noch nie öffentlich in dieser Funktion aufgefallen, was wohl auch den eher dürftigen Trackrecord auf seiner Webseite erklärt. Aber auch Ashenden darf zuschlagen:

«Seine Message ist: Ich bin unschuldig. Aber er schafft es nicht, zu überzeugen.»

Krauskopf darf dann noch das letzte Wort behalten: «Man wird sich fragen, ob es geschickt war, am zweiten Neujahrstag mit einem solchen Interview herauszukommen.»

Anlass, Honegger ein paar Fragen zu stellen:

  1. Halten Sie es für seriös, mit diesen beiden No-Names Kritik am Interview im Schwesterblatt zu üben?

  2. Aufgrund welcher Kriterien haben Sie die beiden ausgewählt?

  3. Sucht man nach den Begriffen «Litigation, Experte, Schweiz» kommt eine ganze Reihe von solchen Angeboten seriöser Kanzleien. Wieso haben Sie keine der so auffindbaren gewählt?

Trotz grosszügig bemessener Antwortfrist verfiel Honegger aber in finsteres Schweigen, was angesichts des sonstigen Niveaus der NZZ doch überrascht.

Da bleibt Platz für Interpretationen. Wie wär’s damit: die grösste Veränderung in den letzten Monaten war der Antritt des neuen NZZaS-Chefredaktors Jonas Projer. Der versucht, dem Sonntagsblatt etwas mehr Drive zu geben und vor allem die Interaktion mit der Leserschaft zu verstärken.

Projer hat dabei die Hypothek, dass er als TV-Mann abgestempelt ist und zudem von «Blick»-TV kommt. Da schüttelt es jeden alten NZZler durch, der das eigene «Format» als Benchmark für seriöse TV-Mache sieht.

Zudem ist es nicht ganz klar, wie eigentlich die Hierarchie zwischen God Almighty Eric Gujer und Projer aussieht. Bei seinen beiden Vorgängern war klar, wer Herr ist und wer Knecht. Durch die weitgehende Zusammenlegung von NZZ und NZZaS schrumpft ja auch das Königreich des NZZaS-Chefs.

Da ein unbedeutender Redaktor wie Honegger so ein Stück sicherlich nicht ohne Einverständnis aller oberen Chargen veröffentlichen konnte, stellt sich die lustige Frage, ob das ein öffentlicher Warnschuss von der Kommandobrücke des Dampfers NZZ vor den Bug des Beiboots NZZaS war.

Gujer könnte sich die naheliegende Frage stellen, wozu es eigentlich noch einen eigenständigen zweiten Chef im Hause braucht …