Beiträge

Wumms: Marko Kovic

Alle, alle sind noch da …

Immerhin, mit dieser Selbstbeschreibung hat der Gesinnungsschwurbler Kovic recht:

Leider versucht er aber auch, über Unwichtiges oder Falsches nachzudenken: «Die Regierung der Schweiz hielt vor Kurzem mit viel Tamtam eine «Ukraine Recovery»- Konferenz ab. Dieselbe Regierung verbietet nun, dass Schweizer Krankenhäuser Verwundete aus der Ukraine pflegen. So viel zur humanitären Tradition der Schweiz.» Und so viel zur Auffassungsgabe des selbsternannten Soziologen und Journalisten. Herrlich, wie er mit Schnellschüssen meist das eigene Knie trifft.

Oder den eigenen Fuss:

«Tamedia spinnt Alain Bersets Sportflieger-Panne zu einem Skandal – und fordert Bersets Rücktritt. Als sich z.B. Bundesrat Maurer mit den extremistischen «Freiheitstrychlern» solidarisierte, gab es seitens Tamedia keine Rücktrittsforderungen. Interessanter moralischer Kompass

Tamedia forderte tatsächlich nicht direkt einen Rücktritt, watschte aber den SVP-Bundesrat so ab: «Doch das Überstreifen des Hirtenhemds ist nicht nur egoistisch – es ist auch verantwortungslos. … Und das ist das Problematische an Maurers Geste: Sie kann im gegenwärtigen Klima der Empörung leicht missverstanden werden. Als Aufforderung, den passiven Widerstand aufzugeben und zur Tat zu schreiten. Maurer nimmt das mit seiner Zündelei in Kauf.»

Eine hyperventilierende Jacqueline Büchi legte dann noch nach: «Ein Regierungsmitglied darf in einem derart aufgeladenen Umfeld nicht zündeln. Und die Gesamtregierung muss Haltung zeigen und den Brandstifter in die Schranken weisen. Sonst riskiert sie ihre eigene Glaubwürdigkeit – und den Frieden im Land.»

Aber da Kovic auch mit einem Geständnis glänzt, dass er sich zu Themen äussert, über die er als Wissenschaftler nicht mal grundlegende Untersuchungen  gelesen hat, sehen wir ihm auch diese Dummheit nach.

Blütenlese

Erschütternd, was den Medien so alles einfällt nach der Niederlage.

Ihr freiwilliger Beitrag für ZACKBUM

Zunächst die strahlende Ausnahme. Die NZZ hatte sich als einzig Redaktion im Tageszeitungsmarkt gegen die Medienmilliarde ausgesprochen. Im Gegensatz übrigens zum NZZ-Verlag. Aber hier funktioniert noch das, was in den anderen Medienhäusern nur behauptet wird, aber nicht funktioniert: die Trennung zwischen Redaktion und Verlag.

Deshalb kann die NZZ souverän kommentieren:

«Das Medienpaket ist erfreulicherweise gescheitert. Nun geht die politische Debatte weiter. Sie sollte auch die SRG einbeziehen.»

Von hier an geht’s steil bergab. In der Niederlage sollte sich Grösse zeigen. Das geht bei der Verzwergung der Medien allerdings schlecht.

Für Tamedia wird Jacqueline Büchi als Kommentatorin vorgeschickt. Die fiel in der Vergangenheit mit unverantwortlichem, antidemokratischem Gerempel auf. «Maurer zündeln zu lassen, ist gefährlich», behauptete sie, «in trumpesker Manier flirtet er mit Verschwörungstheorien», behauptete sie wahrheitswidrig.

Schon damals überschätzte sie etwas ihre eigene Bedeutung und forderte streng: «Die Gesamtregierung muss Haltung zeigen und den Brandstifter in die Schranken weisen. Sonst riskiert sie ihre eigene Glaubwürdigkeit – und den Frieden im Land

Fast fünf Monate später können wir aufatmend feststellen: Der «Zündler» wurde nicht zurechtgewiesen, dennoch brach kein Bürgerkrieg aus in der Schweiz. Aber nach der Kanterniederlage im Kampf um Steuermilliarden für notleidende Verlegerclans sieht Büchi schon wieder Fürchterliches voraus:

«Tatsache ist, dass viele Aspekte unserer direkten Demokratie und unseres alltäglichen Zusammenlebens gefährdet sind, wenn unabhängige Informationen und eine gemeinsame Diskussionsbasis fehlen

Die natürlich nur Qualitätsmedien wie Tamedia liefern können, wo Qualitätsjournalistinnen wie Büchi schreiben.

Immerhin in etwas Selbstkritik übt sich Francesco Benini im Reiche CH Media: «Die Chefs grosser Schweizer Medienhäuser verhielten sich in einer Weise, als wollten sie das Paket unbedingt versenken, für das sie vehement plädierten.»

Das ist tapfer ausgeteilt. Allerdings erwähnt er dabei nur das grenzwertige Verhalten des Ringier-CEO Marc Walder und die Ankündigung von Tamedia, eine Sonderdividende auszuschütten. Wenn er für die Zukunft fordert, «sie sollten sich nicht so blöd anstellen wie bei ihrem Einsatz für das Medienpaket», dann könnte er auch seinen Ex-Vorsitzenden Pascal Hollenstein und seinen Besitzer Peter Wanner erwähnen. Aber bitte, Arbeitsplatzsicherung geht vor.

Noch schwerer hatte es Ringier mit seiner «Blick»-Gruppe. Verschiedene der sieben Zwerge aus der Leitungscrew hatten sich schon unsterblich lächerlich gemacht, herausragend «SoBli»-Chefredaktor Gieri Cavelty. Michael Ringier höchstpersönlich musste in die Tasten greifen, um seinen CEO Walder in Schutz zu nehmen. Als dessen zweites Malheur mit einer blöden E-Mail durchsickerte, verstummte Ringier. Walder sowieso.

Also wer bleibt noch: Ladina Heimgartner, die sich bereits mit einem völlig überflüssigen Leitartikel zur Lachnummer gemacht hatte, weil sie damit ohne Not die strikte Trennung zwischen Verlag und Redaktion ad absurdum führte, musst als CEO der «Blick-Gruppe» (um nur einen ihrer vielen Titel zu erwähnen) nochmals nachlegen und wird von der SDA zitiert: «Viele Leute läsen immer noch sehr gern Zeitungen. Diese blieben für die Demokratie wichtig, auch wenn sie vielfach kein Geschäft mehr seien, da Werbeeinnahmen zu grossen Internetkonzernen abflössen.»

Das sind Erkenntnisse von einer Tiefe und profunden Kennerschaft, die man erst mal sacken lassen muss. Während man sich die Lachtränen abwischt.

Geht’s noch schräger? Aber sicher, dafür ist «watson» immer zu haben. Hier fabuliert Peter Blunschi, «die Arroganz der «Grossen» war Gift für das Medienpaket». Schön für ihn, dass er nur ein «Kleiner» ist und daher auch auf die Komkurrenz einprügelt. Das sei allerdings «ein starkes Stück», wenn es der stellvertretende Chefredaktor des SoBli tue, der die «schlechteste Kampagne aller Zeiten» als Ursache für die Niederlage ausmache. Dabei aber «eigene Fehlleistungen grosszügig ausblendet. Gemeint ist das peinliche Video, in dem Ringier-CEO Marc Walder …» Tamedia ihrerseits habe sich mit der Sonderdividende bei gleichzeitigem Bezug von Kurzarbeitsgeld in die Bredouille begeben.

Und «watson»? Ach, ausser dass das Organ jeden Tag Fremdschämen provoziert, hat es sich wohl nichts zuschulden kommen lassen. Meint Blunschi, völlig frei von Selbstkritik.

Wir wollen diese kleine Blütenlese nicht ohne eine humoristische Note ausklingen lassen. Dafür greifen wir noch unterhalb von «watson» in die Mottenkiste. Dort schreibt «bajour»-Chefin Andrea Fopp:

«Wir von Bajour suchen jetzt aus eigener Kraft einen Weg in die Zukunft. Das ist ein Challenge

Aus eigener Kraft? Mit den geschenkten Millionen einer Pharma-Erbin, wäre ehrlicher. Wie soll denn diese «Challenge» gemeistert werden? «Wir von Bajour, Tsüri und Hauptstadt haben uns deshalb mit anderen Online-Projekten im Netzwerk Wepublish zusammengeschlossen, eine Vision von Bajour-Gründer Hansi Voigt.»

Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen, meinte Helmut Schmidt selig ganz richtig. Eine weitere Totgeburt von Voigt, wäre richtiger. Immerhin ist er auch dort «Geschäftsführer», als Fall-Back-Position, wenn «bajour» samt Fopp Geschichte ist.

 

 

 

 

Was bleibt?

Spielanlage: Keine Artikel über C oder D. Was serviert Tamedia sonst noch?

Es ist die 756-Franken-Frage. Denn das kostet ein «Classic-Jahresabo» des «Tages-Anzeiger». Alles drin. Zeitung täglich im Briefkasten, SoZ und «Das Magazin» dabei, E-Paper und werbefrei im Digitalen.

Ihr freiwilliger Beitrag für ZACKBUM

Schrumpfen wir das auf einen Tag hinunter, bedeutet das am Mittwoch, 12. Januar 2022, ein Investment von 2 Franken.

Ist nicht viel. Dafür gibt’s auch nicht viel. Nehmen wir den Online-Auftritt des Tages. Klammern wir, bevor es uns allen vor Überfütterung schlecht wird, die Themen C wie Corona und D wie Djokovic (die sich ja auch überschneiden) aus.

Was leistet denn die immer noch vielköpfige Zentral- plus Lokalredaktion? Mit mehr Häuptlingen als ein ganzer Indianerstamm? Nun, es wird dürftig, das sei gleich verraten.

Medien sollen auch wegen des Lokalen mit einer Steuermilliarde unterstützt werden, heisst’s. Also beginnen wir mit «Zürich».

Das hört sich nach Lesespass an. Immerhin, Eigenleistung aufgrund des Polizeiberichts. «Der Zopfbeck von Züri gibt seine Backstube bei der Uni auf». Wow. «Brian darf die Einzelhaft verlassen». Huch. «Sechs Magazine, die sich mit der Schweizer Literaturszene auseinandersetzen». Boa.

Das war’s dann im Wesentlichen mit dem Lokalen. Wenden wir uns gleich dem Internationalen zu. «Hakenkreuzfahne auf dem Sarg». Unglaublich. Allerdings: im Norden Roms. Und keine Eigenleistung, SDA. Das gilt auch für einen Bericht über Prinz Andrew. Ach ja, und auch für den Artikel «US-Regierung klagt gegen Facebook». Alles Ticker.

Kommt mal was?

Aber, nun wieder ein kackiger Titel: «Joe Biden kämpft gegen die Bestie». Hallo, ZACKBUM dachte, dass er gegen Gedächtnislücken kämpft. Aber gegen welche Bestie? Ach, da hat mal wieder der Titelsetzer Sauglattismus geübt. Denn auf Englisch sagt man, wenn man an einen sehr unangenehmen Ort geht, man sei «in the  belly of the beast». Also im Bauch der Bestie, während man auf Deutsch die Höhle des Löwen betritt.

Macht ja nix, der Artikel stammt vom berüchtigten Fehlprognostiker (Bürgerkrieg in den USA?) Hubert Wenzel. Und der ist Angestellter der «Süddeutschen Zeitung», nicht vom Tagi. Hoffentlich muss der für dessen Ergüsse nicht mehr als 2 Franken zahlen.

Sport wollen wir, höchste D-Gefahr, weiträumig umfahren, die Meinungen auch. Wen interessieren denn noch die Meinungen von Tagi-Redaktoren? Also bleibt noch die Kultur. Oder so.

Wir retten uns in die Kultur

Nora Zukker (wir können nichts dafür, sie auch nicht) erzählt die Geschichte eines Verlagsangestellten, der sich Manuskripte von Bestsellerautoren erschlich – offenbar einfach, um sie selbst zu lesen.

Wunderbare Anlage für einen literarisch hochstehenden Text. Genau, doch nicht mit Zukker. «Laut der New York Times», «wie die FAZ schrieb», «laut der italienischen Zeitung «Repubblica»». Immerhin, ihre Quellen legt sie schonungslos offen.

Also ein Rehash, ein Zusammenschrieb, sozusagen das Gehackte im Journalismus. Aber vielleicht setzt Zukker noch ein Glanzlicht mit der Schlusspointe?

«Die Geschichte von Filippo Bernardini liest sich wie ein Thriller. Und um gute Geschichten ging es dem Italiener immer. Bloss hätte er für seine eigene wohl ein anderes Ende erfunden

Hallo, ist noch jemand da und wach? Wir blasen nun einen Papiersack auf und hauen kräftig drauf.

Um unser aufgewachtes Publikum so in das Ende dieser Abrechnung zu entlassen.  Ach, da gebe es doch auch noch die Print-Ausgabe? Stimmt.

Schliesslich noch die Print-Ausgabe

Schwein gehabt, dieses Thema beherrscht die Frontseite:

Sonstige Highlights? Nun, das hier ist interessant:

Jacqueline Büchi hat sich in die Todeszone begeben. Eigentlich zuständig für «Gesundheit und Gesellschaftspolitik». In dieser Funktion ist sie als Allzweckwaffe geeignet. So fuhr sie schon einen amtierenden Bundesrat an: «Maurer zündeln zu lassen, ist gefährlich», denn «in trumpesker Manier flirtete er zudem mit Verschwörungstheorien».

 

Da wurde Büchi dann ganz streng: «Die Gesamtregierung muss Haltung zeigen und den Brandstifter in die Schranken weisen. Sonst riskiert sie ihre eigene Glaubwürdigkeit – und den Frieden im Land.»

Glücklicherweise sind wir nochmal davongekommen. Nun muss sie den Eiertanz aufführen, als Tamedia-Angestellte so zu tun, als könne sie ganz objektiv über die Steuermilliarde für reiche Verlegerclans berichten.

Sozusagen ergebnisoffen. Journalistisch halt. Nur dem eigenen Gewissen und keinesfalls dem Portemonnaie von Coninx-Supino verpflichtet. Dass ihr oberster Boss zuvorderst für das Medienpaket ist – na und? Ist’s ihr gelungen? Nun ja, vielleicht reicht der Blick auf ihre Schlusspointe, wo es darum geht, ob in erster Linie Grossverlage von der Milliarde profitieren. Ja, schon, muss sie einräumen. Aber mindestens 70 Prozent, wie die Gegner behaupten, das sei dann schon «zu grosszügig kalkuliert» und beinhalte «Abenteuerliches».

Überhaupt, wer seien denn die Grosssverlage? Achtung, Kracher:

«Wenn die Gegner auch Publikationen wie die «Engadiner Post in ihre Rechnung einbeziehen, erhält der Begriff «Grossverleger» eine ganz andere Bedeutung.»

Feine Klinge, schneidend gegeben. Nur: ändert nix an der Aussage.

Aber gut, mal Hand aufs Herz: wer möchte schon einen solchen Artikel über ein solches Thema schreiben müssen? Da kann nur umsichtige Karriereplanung dahinterstehen.

 

Zündeln, zeuseln: Jacqueline Büchi

Blattübergreifende Kampagne: gebt BR Ueli Maurer Saures.

Normalerweise gibt es nicht viel Verbindendes zwischen der «Blick»-Gruppe und Tamedia. Bei der Kopfblatt-Sammlung unter der Ägide des «Tages-Anzeigers», der mit seiner Rumpfredaktion in Zürich den gesamten Inhalt der Blätter von Basel bis Bern bespielt, ergiesst sich eine dünne Einheitssauce in die Spalten allerorten.

Vieles davon ist nicht mal selber zusammengerührt, sondern wird tel quel von der «Süddeutschen Zeitung» in München übernommen. Einfach minus ß und so. Das sollte man aber zu schätzen wissen, denn es ist meistens verdaulicher als Selbstgebrautes.

Gerade hat sich die «Blick»-Gruppe auf Bundesrat Ueli Maurer eingeschossen. Auf «totalitäre Tendenzen» bei den Massnahme-Kritikern im Allgemeinen, so in der Tradition von Hitler und Stalin, schrieb ein völliger ausgerasteter Chefredaktor Gieri Cavelty.

Und liess es sich nicht nehmen, Ueli Maurer mit erfundenen Zitaten in die Pfanne zu hauen. Da kann nun der Tagi nicht abseits stehen, denn er verfügt über die Allzweckwaffe Jacqueline Büchi.

Nach Dialogverweigerung nun der Frontalangriff

Sie fiel schon in der Vergangenheit unangenehm auf, indem sie Dialogverweigerung mit Kritikern der offiziellen Corona-Politik forderte. Streng brach sie den Stab über der «Arena», die es doch sehr zu ihrem Missfallen gewagt hatte, ein einziges Mal auch abweichenden Meinungen Platz zu geben: «Doch was, wenn Aussagen verbreitet werden, die menschenverachtende Züge annehmen?»

Ja was wohl. Bereuen, Selbstkritik üben, nie mehr tun, meinte Büchi. Als hätte das nicht genügt, ihre antidemokratische Meinung, ihre Absage an Pluralismus unter Beweis zu stellen, darf sie nun in einer ebenfalls ausrastenden Tamedia nachtreten.

«Maurer zündeln zu lassen, ist gefährlich»,

warnt sie am Dienstag. Dabei wurde schon ausführlich gegen das angebliche Zündeln gefäustelt und polemisiert und getobt. Aber halt noch nicht von Büchi, und wer würde sich bei Tamedia schon trauen, einer Frau den Mund zu verbieten? Wer würde sich schon trauen, zu Büchi zu sagen: das ist eine antidemokratische Meinung, die zudem nichts Neues, dafür jede Menge Falsches enthält. Also bringen wir das nicht.

Das traut sich niemand, also muss der Leser leiden. Eigentlich sollten Tagi-Abonnenten einen Club der Masochisten gründen. Denn wer dafür bezahlt, sich quälen zu lassen, ist Masochist.

Büchi quält die Wahrheit und den Leser

Büchi arbeitet mit dem ganzen Instrumentarium einer begabten Quälerin. Maurer habe «das Kollegialitätsprinzip nicht nur geritzt, sondern es verletzt», «populistische Rhetorik wie aus dem Lehrbuch», «raunend berichtete er …»,

«in trumpesker Manier flirtete er zudem mit Verschwörungstheorien».

Kurzum: «was Maurer macht, ist brandgefährlich. Er sabotiert die Arbeit seiner eigenen Regierung.» Ist das alles? Aber nein, was dem Demagogen Daniel Ryser von der «Republik» recht ist, kann Büchi doch nicht zu billig sein:

«Was passiert, wenn der Kampf gegen die Corona-Massnahmen den verbalen Rahmen verlässt, liess sich in Deutschland beobachten: Dort erschoss ein 49-Jähriger einen Verkäufer, mutmasslich wegen der Maskenpflicht.»

Lesen wir hier richtig? Büchi setzt die Amoktat eines Irren in Deutschland mit den Auswirkungen einer Rede eines Schweizer Bundesrats in Beziehung? Nicht nur das, sie fordert mit der Strenge einer Domina Konsequenzen:

«Die Gesamtregierung muss Haltung zeigen und den Brandstifter in die Schranken weisen. Sonst riskiert sie ihre eigene Glaubwürdigkeit – und den Frieden im Land.»

Bevor in der Schweiz dann mal der Bürgerkrieg ausbricht, angeführt von den «Friedenstrychlern» und Ueli Maurer: Gibt es denn auch bei Tamedia kein Schamgefühl mehr? Kein Gespür, wo die Grenzen des für ein Qualitätsmedium Erlaubten liegen?

Qualitätsmanagement, Schranken des Erlaubten?

Wo bleibt das vielgerühmte Qualitätsmanagement, wo sind die Kontrollinstanzen, die Filter, die solches verantwortungsloses, despektierliches und inhaltlich zudem falsches Schreiben kontrollieren, korrigieren, verhindern?

Ist es nun wirklich überall erlaubt, Aussagen zu verfälschen, demagogisch umzudrehen, um daraus eine Meinungssuppe zu kochen, die der Leser auslöffeln muss, auch wenn es ihm dabei hochkommt?

Offenbar ist das allgemeine Bemühen der grossen Medienclans der Schweiz und ihrer ausführenden Organe: tieferlegen. Niveau runternehmen. Den Bereich einer ernstzunehmenden Debatte verlassen. Alle Meinungen zulassen, so dumm, falsch und unqualifiziert demagogisch sie auch sein mögen. Hauptsache, sie passen ins Weltbild.

Folgen einer Bundesratsrede?

Die Wüste bebt

Neben dem Aufschrei über Basel bleibt noch Platz für Nachtreten gegen den «Club».

Sehr zum Missbehagen der Rechthaber-Fraktion beim «Tages-Anzeiger» hatte es der «Club» gewagt, auch kritische Stimmen zum Thema Coronabekämpfung zu Wort kommen zu lassen. Dazu äusserte sich bereits die Rechthaber-Kreische Linus Schöpfer in aller arroganten Voreingenommenheit.

Bei der Blattkritik mag vielleicht ein todesmutiger Mitarbeiter eingewandt haben, dass man es bei einer solchen unqualifizierten Niedermache nicht belassen könne. Wobei er sicherlich nicht unqualifiziert sagte.

Also fasste Jacqueline Büchi die Aufgabe, nachzuarbeiten.  Leider sind dem Impressum keine weiteren Angaben zu ihrer Befähigung zu entnehmen; sie scheint sich ansonsten aber eher im Bereich Corona-Berichterstattung zu bewegen. Dabei hat sie sich zur Lieblingsinterviewerin von Marcel Salathé entwickelt. Aber im Impressum sind auch Claudia Blumer oder Salome Müller aufgeführt, seine Genauigkeit lässt genauso zu wünschen übrig wie der weitere Inhalt der Qualitätszeitung.

Der Tagi rät: überhaupt nicht.

Wer darf mit wem reden?

Nun widmet sich Büchi der Frage: «Sollen Medien überhaupt mit Corona-Skeptikern reden?» Weder ihr selbst noch allen, die am Wegesrand dieser Ungeheuerlichkeit bis zur Publikation standen, ist offenbar aufgefallen, was mit dieser Frage impliziert ist. Spielt nicht mit Schmuddelkindern, redet nicht mit Atheisten, bietet Rechten keine Plattform, saugt den Sauerstoff aus der öffentlichen Debatte.

Ein Artikel, der ins Bilderbuch ausgewählter Stücke von Brachial-Demagogie gehört. Schon der Einstieg ist von ausgesuchter Bösartigkeit: «Bald wird im SRF diskutiert, ob die Erde rund ist»; das habe ein Neurowissenschaftler nach dem «Club» über «Corona und die Kritiker und Kritikerinnen» getwittert. Blödköpfe mit Blödmeinungen in der Glotze, Wissenschaftler regt sich auf.

Danach, wie man’s am MAZ lernt, «er war nicht der Einzige, der sich an der Gästeliste der Sendung störte». Ein Beispiel, Aufschwung ins Allgemeine, die Fronten sind geklärt. Gab’s auch Zuschauer, die das anders sahen? Unerheblich, passt nicht zur demagogischen These.

Nächster Kniff: nun fragen wir uns selbstkritisch, ob der Vorwurf der «false balance» denn gerechtfertigt sei. Dafür genügt natürlich die Meinung Schöpfers nicht, der Fachmann muss ran. Genauer die Fachmännin, Pardon, die Fachfrau Ariane Tanner. Denn die hat sich bei der Debatte um «false balance» mit mehreren Auftritten in eine Pole-Position begeben, also muss sie auch hier zitiert werden: «Wenn man drei Corona-Skeptiker einem Infektiologen und einem Politiker gegenüberstellt, ist man bereits in die Falle der False Balance getappt.»

Leider teilt uns Historikerin Tanner nicht mit, wie viele Infektiologen oder Politiker es denn bräuchte, um ein richtiges Gleichgewicht herzustellen. Da greift aber auch schon die Taschenausgabe eines Intellektuellen ein:

«Auch der Kommunikationswissenschaftler Marko Ković findet, die SRF-Sendung sei «ziemlich in die Hose gegangen»».

Wir haben uns schon mit dem Herrn befasst; hier bewundern wir das wissenschaftliche Niveau seiner Formulierung. Bei der Auswahl dieser beiden Fachkräfte von einer «false balance» zu sprechen, wäre natürlich völlig verfehlt. Denn nun zieht Büchi die Schraube an. Zuvor wurde noch geschwurbelt, dass man die Meinung von Corona-Skeptikern nicht ausblenden dürfe, die seien immerhin referendumsfähig, also gefährlich.

Aussagen mit menschenverachtenden Zügen

«Doch was, wenn Aussagen verbreitet werden, die menschenverachtende Züge annehmen? Michael Bubendorf von den Freunden der Verfassung sagte im «Club», dass er die Massnahmen selbst dann noch ablehnen würde, wenn 80 Prozent der Erkrankten an Corona sterben würden.»

Ein weiterer Griff in die Schublade der Demagogie-Trickkiste, der Autor liefert eine Vorlage, die «Wissenschaftler» dürfen zubeissen:

«Für Historikerin Ariane Tanner ist klar: «Eine solche Aussage hat in einer Talkshow im öffentlich-rechtlichen Fernsehen nichts zu suchen.» Wenn SRF einem Gast wie Bubendorf schon eine Plattform gebe, müsse das Moderationsduo hier zwingend einschreiten und die «sozialdarwinistische Aussage» als solche benennen. «Fehlt diese Einordnung, dann erfüllt der Journalismus seine Informationsaufgabe nicht.»»

Messen wir den Artikel abschliessend an seinen eigenen Massstäben. Wenn Tamedia zwei Gästen wie Tanner und Kovic schon eine Plattform gibt, dann müsste dringend Platz für Gegenmeinungen geschaffen werden. Aber auch beim Tagi greift weder das Moderatorenduo der abgehalfterten stellvertretenden Chefredaktoren ein, noch der Oberchef Arthur Rutishauser. Hier darf gebelfert, einäugig, einseitig, unfair, unqualifiziert abgeurteilt und besserwisserisch zurechtgewiesen werden.

Wo bleibt die Gegenmeinung, die Debatte?

Gegenmeinungen, Pluralismus, Debatte, echte Auseinandersetzung? Sollen Redaktoren überhaupt auf andere Meinungen als ihre eigenen eingehen? Vielleicht im Sinne des Konsumenten, der gerne mal etwas anderes als die Befindlichkeiten der Schreiber und ihr Echo bei dazu ausgewählten Fachleuten lesen möchte? Damit er einen Grund sieht, für den Konsum weiterhin etwas zu bezahlen?

Ach was, sagen sich die Tagi-Redaktoren, lieber über die garstigen Zeiten jammern, das eigene Haus wüst kritisieren, sich um gendergerechte Sprache kümmern – als der eigentlichen Aufgabe nachgehen: geistige Nahrung zu liefern. Aber woher nehmen, in der Wüste.