Schlagwortarchiv für: Jacqueline Badran

Die NZZ mahnt und warnt

Der Sittenzerfall nimmt beängstigende Züge an. Mal wieder.

Christina Neuhaus, ihres Zeichens Leiterin NZZ-Inlandredaktion, ist entsetzt. Das Ende ist nahe. Das Ende des Abendlandes. Der Welt, wie wir sie kennen. Oder in ihrem Schlussfazit:

«Der Niedergang eines Staatswesens beginnt oft nicht mit einem Staatsstreich, sondern in dem Moment, in dem ein hingeworfenes «Arschloch» in der Politik normal wird.»

Wie das? Schliesslich arbeitet sie für ein Blatt, das gerne die grossen Linien zieht. Von der Gegenwart in die Vergangenheit, und dann zurück in die Zukunft. Also beginnt sie ihre Philippika mit einem historischen Ausflug: «Der König aller parlamentarischen Pöbler war Herbert Wehner

Dann zitiert sie allerdings vom legendären SPD-Politiker lediglich die «Übelkrähe» (an den Abgeordneten Wohlrabe, und den «Hodentöter», vulgo Todenhöfer). Viel schöner war aber sein Zwischenruf gegen den CDU-Abgeordneten Rainer Barzel: «Herr Barzel, Sie sollten einmal einen Ölwechsel vornehmen lassen – Ihr Differential heult.» Nicht schlecht war auch der Ratschlag an seinen Parteigenossen Zebisch, der sich über eine alphabetische Sitzordnung beklagte: «Sie können sich ja in Genosse Arschloch umbenennen.»

Dann streift Neuhaus weiter durch die Geschichte mit Franz-Josef-StraussSchmeissfliegen») oder Joschka FischerMit Verlaub, Sie sind ein Arschloch») und hält kurz bei US-Präsident Donald TrumpArschloch», «Idiotin», «Verlierer», «Dummkopf»). Es folgt ein merkwürdiger, aber nicht unerwarteter Schwenker zum Sittenzerfall der heutigen Jugend: «Die Helden des individualisierten Internetzeitalters spucken ungeniert auf den Boden … begrüssen sich gegenseitig mit «Hey, Arschloch»

Aber, o tempora, o mores (das sagt sie allerdings nicht): «Seit einiger Zeit hat der Trend auch die Schweiz erreicht.» Das Land befände sich «ebenfalls auf bestem Weg, zu einer Rüpelrepublik zu werden». Paradebeispiel? Na klar, Jacqueline Badran, wer sonst. Dann aber kommt sie endlich zu des Pudels Kern, beziehungsweise zum SVP-Nationalrat Christian Imark. Dem rutschte raus: «Die SP ist keine Partei, sondern ein sozialistisches Krebsgeschwür.» Selten blöd, aber Neuhaus kennt keine Gnade: «Mittlerweile ist auch dieser Beitrag gelöscht und relativiert worden, aber er hinterlässt einen Nachgeschmack

Schliesslich der Aufschwung ins Allgemeine: «Die Verrohung der Sprache zieht immer auch eine Verrohung des Umgangs mit sich.» Allerdings: eine Partei lässt Neuhaus in ihrer Aufzählung wohlweislich aus. Welche? Nein, nur einmal raten ist erlaubt. Dabei gäbe es hier aus Vergangenheit und Gegenwart auch hübsche Beispiele. «Sozialistenapostel», «Totengräber der Schweiz», «Moskau einfach», so tönte es aus dem alten Freisinn. Aber auch der neue ist durchaus rustikal: «Kosovaren schlitzen Schweizer auf.» Nein, das stammt nicht von der SVP, sondern von Philipp Müller. Auch nett von ihm: «Die Linken haben einen Dachschaden.» Auch Andrea Caroni weiss auszuteilen: «Man kann nicht jeden Unsinn in die Verfassung schreiben.»

Ach, und wäre es nicht der Moment, die schwärzeste Stunde der NZZ zu erwähnen, als sie in ihrer damaligen antikommunistischen Hysterie 1956 über den kommunistischen Kunsthistoriker Konrad Farner schrieb: «Vielleicht kann … Dr. Konrad Farner Auskunft geben; er ist jetzt zurück und wohnt in Thalwil an der Mühlebachstrasse 11.» Worauf es zu tätlichen Übergriffen gegen ihn und seine Familie kam.

Gelehrt zitiert Neuhaus stattdessen Machiavelli. Der habe vor Beleidigungen gewarnt: «Jede Schmähung schüre den Hass des Gegners, schrieb er, und sporne ihn an, erst recht auf das Verderben des Beleidigers zu sinnen

Wer allerdings vor dem Niedergang des Staatswesens durch Rüpeleien warnt, dabei aber eine ihm nahestehende Partei ausklammert, der muss sich den Vorwurf gefallen lassen – um es staatstragend im NZZ-Ton auszudrücken –, dass sein ordnungspolitischer Zwischenruf etwas Scheinheiliges und damit Unglaubwürdiges hat.

Bis über die Schmerzgrenze

Muss man als Chefredaktor schreiben können?

Die Antworten darauf fallen unterschiedlich aus. Von Raphaela Birrer (Tamedia) hört man ein klares Nein. Patrik Müller von CH Media gibt die Teflon-Version. Beat Balzli (NZZaS) pflegt das Sonderliche bis Absonderliche.

Reza Rafi und Rolf Cavalli (glückliche «Blick»-Familie) können’s, ebenso Arthur RutishauserSonntagsZeitung»). Eric Gujer hat sicherlich die eleganteste Klinge, Roger Köppel bewegt seine am häufigsten. Auch wenn er manchmal mit seinen «Republik»-artigen Längen langweilt.

Apropos, da gäbe es noch Daniel Binswanger. Ja, unsere schreibende Schmachtlocke, die im Roshani-Skandal feige schwieg, auch zu allem Mobbing innerhalb der «Republik» – und so still und leise auf die Position des Co-Chefredaktors kletterte.

Dort (und schon vorher) quält er sowohl seine kleiner werdende Gesinnungsblase wie auch alle übrigen Leser seit Jahren regelmässig. Wie heisst es so vollmundig wie falsch:

«Daniel Binswangers Kommentare verbinden das Klein-Klein der Tagespolitik mit den grossen Fragen, den grundlegenden Werten, den umfassenden Theorien.»

Selten so gelacht. Genau an diesem Gestus scheitert der Möchtegern-Weltendenker und -lenker regelmässig, auch und gerade im Klein-Klein.

Gerade haben gleich zwei ehemaligen Genossen seinen Zorn auf sich gezogen. Da wäre zum einen, welch ein genialischer Sprachscherz, der «Unsicherheitsdirektor Fehr». Der betreibe «konfuse Propaganda».

Auch Binswanger kommt nicht umhin, seine Erschütterung über den Messerangriff von Winterthur zu behaupten. Aber das ist nur die Einleitung: «Der irrlichternde parteilose Regierungsrat, der es mit Law-and-Order-Politik und einem auf krude Abschreckung und maximale Härte ausgerichteten Asylwesen zum beliebtesten Politiker der kantonalen Exekutive brachte, übertraf sich nun noch einmal selbst.»

Bei Binswanger könnte man höchstens sagen, dass er regelmässig und erfolgreich versucht, sich selbst zu unterbieten. Denn was hat hier seinen Furor erregt? «Der Sicherheitsdirektor beging eine massive Tabuverletzung und nannte ein paar Stunden nach der Tat den vollen Namen des mutmasslichen Attentäters – ein erratischer Bruch mit den Gepflogenheiten des Schweizer Rechtsstaates.»

Der Westentaschen-Intellektuelle Binswanger hatte schon häufiger Probleme mit Fremdwörtern, hier kommt ihm «erratisch» in die Quere – und überlebt den Zusammenstoss nicht. So wie zuvor «konfus».

Aber die schreibende Schmachtlocke kann noch einen drauflegen; anschliessend wurde es auch noch «trumpesk», genauer «einigermassen». Also doch nicht wirklich. So labert es sich dann über 9600 A dahin, bis auch der letzte Fan ermattet aufgibt.

Da kommt schon der zweite Abweichler von der wahren, linken Linie daher: «Wer hat Daniel Jositsch gecancelt?» Der nicht mit den grundlegenden Werten und umfassenden Theorien vertraute Leser könnte meinen: die Trottel der SP-Delegiertenversammlung. Aber weit gefehlt.

Zunächst konzediert Binswanger, dass Jositsch ein «gewiefter Kommunikator» sei. Immerhin erkennt er einen, wenn er ihn sieht, was ihm beim Betrachten seines Spiegelbilds hoffentlich nicht in den Sinn kommt.

Jositsch hingegen wolle das «Narrativ» beherrschen (wo bleibt Framing, muss man da fragen). «Ein Narrativ zu seinen Gunsten, das lauten muss: Jositsch ist das Opfer. Der Aggressor hingegen ist eine ideologisch immer engstirnigere, intolerantere, linksradikale, von Jusos und Ex-Jusos beherrschte SP.»

Das werde «an verblüffend vielen Stellen in den Schweizer Medien vollkommen kritiklos verbreitet». Verblüffend, wie ein dermassen holpriger Satz von niemandem geglättet wird. Verblüffender, dass es Binswanger nicht auffällt, dass es genauso ist. Aber neben dieser verblüffenden Kritiklosigkeit gibt es einen, der den Durchblick behält: «Mit den Fakten stimmt diese Geschichte nicht überein.»

Denn die lauten in der Wirklichkeit von Binswanger so: «Wenn einer Daniel Jositsch gecancelt hat – dann war es Daniel Jositsch.» Denn: «Er wollte das Bundesratsamt um jeden Preis – wenn es sein muss halt gegen die eigene Partei

Kleine Lektion in Demokratie für den Demokratie-Retter Binswanger: jeder Schweizer Bürger kann sich für dieses Amt bewerben, der stimm- und wahlberechtigt ist. Mitgliedschaft in einer Partei oder im Parlament ist keine Voraussetzung.

Statt sich an Fakten zu halten, wird’s nun aschgrau, wir wechseln in den Bereich der üblen Nachrede und der nebulösen Behauptungen: «Die Republik hat mehrere Quellen, die unabhängig voneinander bestätigen, dass Jositsch bereits Anfang 2024, also im Nachgang zu seiner gescheiterten Bundesratswahl vom Dezember 2023, Gespräche mit der FDP aufnahm.»

Ach ja, die berüchtigten voneinander unabhängigen Quellen, natürlich anonym und daher faktisch nicht überprüfbar. Dass der angebliche Gesprächspartner Jositsch das selbst und öffentlich bestreitet, je nun. Ebenso Filippo Leutenegger? Na, dann hat man halt hinterlistig ein Gerücht in die Welt gesetzt und lässt es einfach dort stehen. Das ist Schmierenjournalismus.

Hier dauert es sogar 11’143 A, bis es sich ausgeschmiert hat.

Im Höchstfall dürfte es aber selbst bei den verbliebenen «Republik»-Lesern höchstens eine knappe Mehrheit geben, die das Absägen eines erfolgreichen Ständerats, der normalerweise mit Akklamation für die nächste Kandidatur nominiert wird und sein Ersatz durch die rabiate Heckenschützin Jacqueline Badran als durch Jositsch selbstverschuldet ansehen.

Lustige Volte im Klein-Klein: der Mann wurde nicht gemeuchelt, er hat sich selbst entleibt als SP-Ständeratskandidat.

ZACKBUM hat mehrere Quellen, die anonym, aber unabhängig voneinander bestätigen, dass man selbst auf der «Republik»-Redaktion über solche Ergüsse den Kopf schüttelt und bereits am Stuhl der Schmachtlocke sägt. Soll mal einer kommen und uns das Gegenteil beweisen.

Lustiges Verrechnen mit Badran

Selbst in eigener Sache ist die Verbal-Ramme nicht sattelfest.

Die NZZaS war so nett, einen Artikel über Jacqueline Badran zu veröffentlichen. Mit einem liebevollen Titel:

Bei genauerer Betrachtung ist er dann doch nicht so nett. Denn Autorin Ladina Triaca hat sich zwar ihre Sporen bei der «Blick»-Bundeshausredaktion abverdient, aber Wirtschaft ist nicht so ganz ihr Beritt.

Sie erläutert das Unternehmen der Unternehmerin: «Heute zählt die Firma Zeix 36 Mitarbeitende und entwickelt Websites und Software, die für die Benutzer möglichst einfach bedienbar sein sollen.»

Laut Webseite sind es 39 Mitarbeiter, aber macht ja nix. Dann wird Triaca ein wenig fies: «Badrans Firma hat auch zahlreiche öffentliche Auftraggeber: Bundesämter, Stadt und Kanton Zürich, Post, SBB, Hochschulen.»

Anschliessend zählt sie auf, was für Einnahmen die linke Nationalrätin damit erzielte: «Zwischen 2010 und 2024 flossen gemäss Angaben des Bundes 7,9 Millionen Franken aus der gesamten Bundesverwaltung an die Firma Zeix. Das heisst: durchschnittlich eine halbe Million Franken pro Jahr. Die SBB haben dem Unternehmen im selben Zeitraum rund 900 000 Franken für Dienstleistungen bezahlt. Und die Stadt Zürich hat für ein Projekt einen Auftrag in der Höhe von 177 000 Franken an Zeix vergeben.»

Das wären also insgesamt rund 9 Millionen Franken in 15 Jahren. Also schlappe 600’000 pro Jahr. Dann zitiert Triaca die wie immer zahlensichere Kämpferin für Gerechtigkeit für alle:

«Badran sagt, die Firma Zeix erhalte etwa die Hälfte der Aufträge von der öffentlichen Hand und die andere Hälfte von privaten Firmen wie Grossbanken, Versicherungen oder Pharmafirmen.»

Wäre das so, hätte die Firma also insgesamt 1,2 Millionen Franken Umsatz gemacht pro Jahr. Zudem behauptet Badran, für ihr schmuckes Headquarter beim Stauffacher zahle sie 30 Prozent mehr als die marktübliche Miete, zudem habe sie doch «800’000 Franken in das Haus investiert».

Allerdings weigert sich die grosse Kämpferin für Transparenz und Mietgerechtigkeit, bekannt zu geben, wie viel sie dann genau bezahle, und wieso um Marx willen 30 Prozent über der Marktmiete. Auch die Stadt Zürich als Vermieterin kneift und gibt keine Auskunft.

Lassen wir das als merkwürdigen Widerspruch stehen, auf ihre üppigen privaten Wohnverhältnisse lässt sich Badran auch nur sehr ungern ansprechen.

Aber tun wir das, was Triaca unterlassen hat. Wie jeder wissen sollte, braucht man für eine Agentur dieser Grösse einen Jahresumsatz von mindestens 6, vielleicht auch bis zu 12 Millionen Franken, wenn man so viele Nasen beschäftigt. Selbst wenn man annimmt, dass noch weitere 600’000 Staatsaufträge und somit zusätzliche 600’000 Einnahmen aus dem privaten Sektor dazukämen, wären wir auch erst bei 2,4 Millionen Jahresumsatz.

So könnte man linkes Unternehmertum eigentlich nur erklären, wenn Badran zudem Subventionen oder weiteren Zustupf unbekannter Herkunft erhält.

Schliesslich gesteht Badran ohne Not ein, dass die Hälfte ihres Umsatzes aus Staatsknete besteht. Es ist wieder einmal peinlich, wie wenig selbst bei der NZZaS Hausaufgaben gemacht werden oder Aussagen auf ihre Plausibilität überprüft.

Dabei sollte man doch wissen, dass gerade bei Badran Zahlenangaben mit höchster Vorsicht betrachtet werden müssen; ihre Trefferquote ist nicht berauschend. Aber was ist auch von einer Finanzspezialistin und grossen Volkswirtschaftskoryphäe zu erwarten, die von einem «UBS Fond» spricht. Was ihr das Schwesterblatt «SonntagsZeitung» auch unkorrigiert durchgehen lässt, obwohl es inakzeptabel ist. Ohne zu fragen, ob Badran damit Kalbs- oder Gemüsefond meinte. Oder vielleicht den Fond einer Limousine.

Ist das alles aschgrau.

Wirkung wie eine Stubenfliege

Jacqueline Badran will die grosse Mieterkämpferin sein. Es darf gelacht werden.

Die Heckenschützin und mögliche Ständeratskandidatin der SP Zürich trompetet immer und überall, dass sie die grosse Verteidigerin der Rechte der Mieter sei. Unermüdlich im Kampf gegen Miethaie, ausbeuterische Vermieter, die sich auf Kosten des Menschenrechts Wohnen dumm und krumm verdienen.

So zieht Badran in ihrem neusten «#Korrigendum» in der «SonntagsZeitung» mal wieder zu ihrem Lieblingsthema vom Leder. Also eigentlich hat sie zwei. Mieten – und sich selbst. Das ergänzt sich hier:

««Ihr seid kein Einzelfall», erzählte ich – traurig und verärgert gleichzeitig – vorgestern an einem Solidaritätsfest vor leergekündigten Bewohnerinnen in Witikon (UBS-Fond).»

Dass sie selbst den SVP-Vorschlag, die UBS mehr an die Kandare zu nehmen, abgeschossen hat, das erwähnt sie lieber nicht. Genauso wenig, dass man ständig versuchen muss, ihr «Korrigendum» zu korrigieren.

Sie hat eine neue Variante in ihrem ewig gleiche Gezeter entdeckt: «Leerkündigungen haben epidemische Ausmasse angenommen, und zwar in der ganzen Schweiz.»

Leider muss man hier ihre beiden Lieblingsworte verwenden: inakzeptabel und falsch. Im Kanton Zürich lagen die Zahlen von 2022 und 2023 sogar unter denen des Vorjahrs. Und Basel-Stadt, nicht gerade im Verdacht, vermieterfreundlich zu sein, hält ausdrücklich auch fest: «In den Jahren 2022 und 2023 sind Leerkündigungen zurückgegangen.»

Was zugenommen hat, ist die mediale Beachtung. Und da es Badran im Prinzip auch genau darum geht, poltert sie halt mal wieder los. Und plaudert und schnaubt ohne Rücksichten auf Fakten oder Zahlen.

Mitten im Geplapper lässt sie noch zwei weitere Zahlen auf den Leser regnen, die sie irgendwo aufgeschnappt – und nicht verstanden hat:

«Die Wohneigentumsquote ist von 42 auf 36 Prozent gesunken.»

Inakzeptabel, falsch und Quatsch. Einer hat das mal genau angeschaut und auseinandergenommen, besten Dank dafür:

Diese Aussage ist falsch und beruht auf einem offensichtlichen Unverständnis der Materie der Autorin.
Der Unterschied zwischen der Wohneigentumsquote des Bundesamts für Statistik (BFS) (etwa 36 %) und der von Eurostat (rund 42 %) in der Schweiz liegt an der unterschiedlichen Bezugsgrösse der Statistik.
BFS: Rechnet auf Haushaltsebene. Rund 36 % aller dauerhaft bewohnten Privathaushalte in der Schweiz leben im eigenen Haus oder der eigenen Wohnung.
Eurostat: Rechnet auf Personenebene. Rund 42 % der Bevölkerung leben in Wohneigentum.
Gemäss BfS lag sie 2010 bei 36.8% und 2024 bei 35.7%, was sich vor allem durch die Zuwanderung erklären lässt, da diese hauptsächlich Mieter sind.
Gegen Schluss kommt allerdings ein Satz von Badran, den ZACKBUM mit beiden Händen unterschreiben kann: «Wir können uns wohl alle darauf einigen: Das ist inakzeptabel und schädigt die Volkswirtschaft.»
Richtig. Eine lautstarke Vertreterin der Interessen der Mieter, die sich ständig lächerlich macht, indem sie Zahlen falsch verwendet, falsch interpretiert, falsche Schlussfolgerungen daraus zieht, schadet schlussendlich den Mietern und schädigt damit auch die Volkswirtschaft.
Erschwerend kommt hinzu, dass so jemand offensichtlich in den Ständerat strebt, wo man sich viel mehr als im Nationalrat darum bemüht, sinnvolle Kompromisse zu finden. Allerdings basieren die auf einer kompetenten Analyse von richtigen Zahlen. Stiesse da jemand dazu, der solchen Stuss schreibt, dann wäre dessen Wirkung ungefähr gleich gross wie die einer Stubenfliege.

Wumms: Fabienne Sennhauser

Woher die Nähe von Dame und dämlich?

Sennhauser ist «diensthabende Redaktorin im Ressort Zürich. Als solche verantwortet sie regelmässig die Berichterstattung des Ressorts

Auch ihre eigene? Das ist die Frage, denn wie kann man (unseretwegen auch frau) eine solche Nonsens-Meinung verantworten?

Gut, es braucht keinen bestandenen IQ-Test, um bei Tamedia meinen zu dürfen. Und vielleicht traut sich niemand von den wenigen noch vorhandenen Profijournalisten, einer Frau zu sagen: willst du dich ernsthaft zum Gespött machen? Oder willst du das, beim Titel angefangen, nicht nochmal überdenken?

Denn welche Chance verpasst Daniel Jositsch denn angeblich? Die leitet Sennhauser mit dem einzig richtigen Satz in ihrer Meinung ein: «Das Gezanke, das die Sozialdemokraten in den letzten Tagen öffentlich zur Schau stellten, ist schlicht grotesk.»

Um ihn dann gleich anschliessend kaputt zu machen: «Jositsch hätte die Chance gehabt, das Theater – zumindest um seine Person – zu beenden und mit erhobenem Haupt abzutreten.»

Abgesehen davon, dass die SP-Delegierten diese Chance auch gehabt hätten: tritt er denn stattdessen mit gesenktem Haupt ab oder vielmehr an?

Was sollte denn der mit höchstem Stimmenanteil gewählte Schweizer Politiker tun, wenn er auf Sennhauser hören würde, was er glücklicherweise nicht tut?

Wäre er ein Sesselkleber wie der Co-Parteipräsident Cédric Wermuth, hätte er es sicherlich geschafft, mit etwas Biegsamkeit und gesenktem Haupt die 15 Delegiertenstimmen zu holen, die ihm für eine Nominierung durch seine Partei gefehlt haben.

Im Gegensatz zu Wermuth hat Jositsch auch noch einen Beruf und ein Einkommen als Rechtsprofessor, wäre also nicht auf das Politikergehalt angewiesen. Das macht ihn für eine immer sektiererische SP-Delegiertenversammlung unbequem – und letztlich unwählbar.

Zumindest für eine knappe Mehrheit, der eine mächtige Minderheit gegenüberstand.

Ob Sennhauser aus weiblicher Solidarität es unterlässt, die miese Rolle zu erwähnen, die Jacqueline Badran in dieser Intrige spielt? Denn groteskes Gezanke, das ist doch genau deren Part.

Dazu noch aus dem Hinterhalt. Statt vor der Abstimmung verlauten zu lassen, dass sie dann im Fall als Jositsch-Ersatz bereitstünde, aber an der Delegiertenversammlung nicht mal zu erscheinen – wäre es nicht anständiger gewesen, es dort auf ein direktes Duell ankommen zu lassen?

Aber davor hatte die Verbal-Ramme Badran keinen Bock. Wäre auch blöd gewesen, wenn bei dieser Ausgangslage sich eine Mehrheit doch lieber für Jositsch entschieden hätte.

Dafür haben sie nun Badran gekriegt, die noch nicht mal ordentlich nominiert, aber kaum mehr als Kandidatin zu verhindern ist.

«Doch er ist nicht bereit, von der Bühne zu gehen», schimpft Sennhauser über Jositsch. Und wie steht es dann mit der älteren Badran?

Sind herabwürdigende Sprüche wie «Möchtegern-Alphamännchen» oder reine Fake News wirklich das Niveau, das von Sennhauser begrüsst wird? Auf jeden Fall kann man kein Wort darüber in ihrer «Meinung» lesen.

Die mit einem wirren, dunklen Satz endet, der weder mit weiblicher, noch mit männlicher Logik zu entschlüsseln ist: «Im Herbst 2027 wird sich zeigen, wem ihr (der Stimmbürger, Red.) Applaus gebührt und ob sie Profil oder Parteiverankerung höher gewichten

Abgesehen davon, dass Stimmbürger nicht applaudieren: was soll hier gewichtet werden? Wäre dann Jositsch das Profil, während Badran keins hat, dafür eine Parteiverankerung, die Jositsch nicht hatte? Als bestgewählter SP-Ständerat? Himmel, hilf.

Wer hat hier eine Chance verpasst? Eindeutig Sennhauser. Die Chance, sich nicht öffentlich lächerlich zu machen.

Rot, die Farbe der Dummheit

Wie man sich ohne Not in die Kacke manövriert.

Fangen wir beim Parteiprogramm der SP Schweiz an. Wirklich, immer noch den Kapitalismus überwinden und die Armee abschaffen?

Gehen wir weiter zur Parteispitze. Eine lange Zeit pausierende Mattea Meyer und ein durchaus auch Sabbaticals geniessender Cédric Wermuth. Beides ehemalige Jungsozialisten. Studenten, die noch niemals wirklich arbeitstätig waren. Sondern zwei Berufspolitiker.

Sie bedienen zwar ein wokes, städtisches Publikum, und Wermuth geriert sich als Frauenversteher, der deren Anliegen sogar noch besser als eine Frau vertreten kann. So seine putzige Begründung, als er eine SP-Ständeratskandidatin wegbügelte (und dann die Wahl verlor).

Zudem musste er als Polit-Oldtimer eine Sonderbewilligung einholen, dass er nochmals als Nationalrat kandidieren kann. Sonst wäre es eng geworden mit den Einnahmen.

Auf Kritik regieren beide mopsig. Als Rudolf Strahm bemängelte, dass die SP kein überzeugendes Konzept zur Zuwanderung habe, sich von ihrer Basis, der Arbeiterschaft, entfernt, zu moralisierend geworden sei und von einer kosmopolitischen Elite dominiert, schwiegen die beiden Vielschwätzer an der Spitze beleidigt.

Und schickten den Berner SP-Fraktionschef Samuel Bendahan vor, der Belangloses eierte.

Schon im Fall des seither mit einem Glanzresultat wiedergewählten Regierungsrats Mario Fehr zeigte die SP, dass ihr Linientreue wichtiger ist als eine erfolgreiche Politik. Als der sich für eine konsequente Durchsetzung des Asylrechts stark machte, beschloss die Geschäftsleitung der Zürcher SP, ihn 2021 ihren Delegierten nicht mehr für eine weitere Amtszeit als Regierungsrat zu empfehlen.

Darauf trat er nach 39 Jahren aus der Partei aus. Und erzielte anschliessend das beste Resultat aller Kandidaten.

Das Trauerspiel wiederholt sich nun mit Daniel Jositsch. Nach der alten Devise «tritt dir einer auf die Flosse, ist’s sicher ein Genosse», wurde der unbequeme Jositsch mit einer klassischen Intrige abgesägt. Zuerst kam ein absenderloses Papier in Umlauf, das alle seine Abweichungen von der Parteilinie aufzählte.

Als er eine Sonderdelegiertenversammlung beantragte, um seine Nomination für die nächsten Ständeratswahlen so früh wie möglich zu erlangen, lancierte sich die Zürcher Nationalrätin Jacqueline Badran via ein willfähriges Organ selbst als Ersatz. Dabei tat sie so, als sei sie erst kurz vor der DV auf diese originelle Idee gekommen.

Seither beharkt sie Jositsch in der ihr eigenen, zurückhaltenden Art («Möchtegern-Alphamännchen»). Jositsch keilt zurück, dass er sich schon frage, wieso Badran noch vor zwei Jahren seine Bundesrats-Kandidatur unterstützt habe, ihn jetzt aber als Ständerat für untauglich halte.

So sicher wie das Amen in der Kirche wird Jositsch morgen seine Kandidatur als Parteiloser oder zumindest ohne die Unterstützung der SP bekannt geben.

Damit hat auch hier die SP das schlimmstmögliche Szenario gebastelt. Wie im Fall Fehr hat sie einen Stimmengaranten ohne Not abgesägt. Ob es der Saftwurzel und Schwingerin des verbalen Zweihänders Badran gelingen wird, den Ständeratssitz für die SP zu halten, ist fraglich.

Ob es Jositsch gelingen wird, ihn ohne die Unterstützung der SP zu behalten, ist ebenfalls fraglich. Gut möglich, dass beide sich gegenseitig so viele Stimmen wegnehmen, das davon ein lachender Dritter profitieren wird.

Schon die ersten Scharmützel zwischen den beiden haben gezeigt, dass hier über politische Differenzen hinaus eine gegenseitige, tiefe Antipathie existiert. Erschwerend kommt noch hinzu, dass Badran zunehmend einen gewissen Altersstarrsinn entwickelt und bei Zahlenangaben immer fahriger und unsicherer wird, was sie mit verbalen Blutgrätschen zu überspielen versucht.

Und die Parteispitze? Schweigt auch hierzu, habe anscheinend Jositsch ein «Gesprächsangebot» gemacht. Worauf er dankend verzichtete; er wüsste nicht, worüber man noch sprechen solle.

Kommt halt davon, wenn ideologisch verbohrte Leichtmatrosen am Steuerruder sind.

Blattschuss

So macht man das, wenn man Jositsch weghaben will.

Für den Vielschwätzer Cédric Wermuth war es ein Spaziergang, die regelwidrige nächste Kandidatur für den Nationalrat absegnen zu lassen. Hätte das nicht geklappt, wäre der Berufspolitiker allerdings in die Bredouille geraten, da er den Löwenanteil seiner Einnahmen aus politischen Ämtern bezieht. Dann wäre nix mehr mit Asien-Sabbatical gewesen.

SP-Ständerat Daniel Jositsch hätte dieses Problem nicht. Im Gegensatz zu Wermuth ist er Anwalt und Professor seit 2004. Aber auch er möchte nochmals für den Ständerat antreten. Allerdings sass er schon von 2007 bis 2015 im Nationalrat und seither im Ständerat.

In solchen Fällen gibt es eine Delegiertenversammlung, um deren Vorverlegen Jositsch gebeten hat. Denn er weiss, dass er bei den SP-Linken nicht überaus beliebt ist, weil er immer mal wieder von deren absurden Positionen abweicht. Also sinnen die Genossen auf Rache, wollen ihn schlichtweg absägen.

Wie macht man das, wenn man sich dem woken, behutsamen, respektvollen Umgang verschrieben hat? Natürlich mit einer hinterlistigen Intrige und Kampagne. Gestartet wird die im Linksorgan tsri.ch, das für alles zu haben ist. Nur nicht unbedingt für Erfolgreiches.

Aber sei’s drum:

Chefredaktor Simon Jacoby greift höchstselbst in die Tasten: «Der Konflikt schwelt bereits seit Jahren, weil sich Jositsch immer wieder gegen die Positionen der Partei gestellt hat

Zufall aber auch, wenn man keine Hemmungen hat, sich instrumentalisieren zu lassen, dann fährt man so fort: «Innerhalb der Partei kursiert derzeit ein Papier ohne klare Absender:innen mit dem Titel «16 fragwürdige Positionen von Daniel Jositsch». Das Dokument, das der Redaktion vorliegt, listet Jositschs grösste «Aussetzer» auf.» Ohne klaren Absender, welch Euphemismus für Heckenschützen, die mit dem Machwerk Jacoby anfütterten.

Aber das reicht ja noch nicht, also muss noch ein weiterer Anonymus ran: «Nicht nur weicht der Ständerat immer wieder von der Parteilinie ab, ein Insider sagt, Jositsch sei im Parlament weitgehend wirkungslos und habe in keinem Dossier den Unterschied für die SP gemacht.» Der Insider, es darf gelacht werden, wenn es nicht so aschgrau wäre.

Ausser Anpinkeleien braucht es natürlich noch einen Ersatz, sollte Jositsch abgesägt werden. Zufall wieder auch: «Gegenüber Tsüri.ch bestätigt Badran, was bereits gemunkelt wird: «Sollte Jositsch nicht nominiert werden und die Partei respektive die Delegierten wollen, dass ich kandidiere, werde ich zur Verfügung stehen.»»

Die Saftwurzel und Plaudertasche Jacqueline Badran, die es mit Zahlen nie so genau nimmt, «bestätigt» also gegenüber dieser Postille, dass sie zur Verfügung stünde.

Am Schluss der Schmiere noch der vollendete Blattschuss:

«Für einige Delegierte und Parteimitglieder wäre die Nationalrätin eine willkommene Alternative. Jemand bezeichnet sie als eine «super Kandidatin», jemand anderes eine entsprechende Kandidatur als «begrüssenswert».  Die Stadtzürcher Wohnpolitikerin, so ist man sich weitgehend einig, hätte wohl als einzige eine Chance, für die SP den Ständeratssitz zu verteidigen.»

Natürlich wird das von Tagi und NZZ und so weiter fleissig aufgenommen; et voilà.

Obwohl ZACKBUM nicht der grösste Fan von Jositsch ist, wünschen wir ihm angesichts dieser miesen Intrige von anonymen Heckenschützen, die in einem würdelosen Chefredaktor einen willigen Helfershelfer gefunden haben, für morgen alles Gute.

Wumms: Cédric Wermuth

Mit einem Posting ins Abseits, das ist gekonnt.

Es ist unübersehbar: der einzige Unterschied zwischen der Schweizer SP und der deutschen SPD besteht darin, dass die Eidgenossen ihre Sozialdemokraten bislang nicht an der Urne abstrafen.

Obwohl das die SP schwer verdient hätte. Der Fisch stinkt wie immer vom Kopf. Seit das Duo Infernale Mattea Meyer und Cédric Wermuth sich das Präsidium teilt, ist die Partei von ihrer Wählerbasis zunehmend abgekoppelt. Die Interessen der Werktätigen vertreten, das ist ein knochenharter und mühsamer Kampf. Also lieber nicht.

Aber selbst das Pflegen von woken Themen wie Gendergerechtigkeit und der Kampf gegen sogenannte sexualisierte Gewalt ist für die Co-Präsidentin zu anstrengend; sie nimmt wegen Erschöpfung eine Auszeit, die dauert und dauert.

Das ist kein Problem für den Co-Präsidenten Wermuth, der sich ja auch als Feminist sieht. Nur dann nicht, wenn er eine Kandidatin um einen Ständeratssitz wegboxt. Mit dem hirnrissigen Argument, dass er als Mann die Interessen der Frauen viel besser vertreten könne.

Bei ihm ist Politik zum Gehabe verkommen, zur Präsentations-Show. Sorgfältig pflegt er seine Markenzeichen, denn er weiss, dass Wiedererkennbarkeit das A und O in der medialen Gesellschaft ist. Wie Trump seine gelbe Haartolle pflegt er daher den akkurat gestutzten Bart, das dunkelblaue Jacket samt Gilet und das hellblaue Hemd ohne Krawatte.

Da er noch nie in den Arbeitsprozess eingebunden war, bettelt er nun um die Aufhebung der Amtszeitbeschränkung. Denn nach dem gescheiterten Versuch, ins Stöckli zu dislozieren, ist sein Einkommen als Nationalrat der Garant dafür, dass auch er ausführliche Ferien im weit entfernten Asien machen kann.

Die Einzige, die zwar nicht immer glücklich, aber mit der nötigen Verve sich ins politische Getümmel wirft, ist das Schlachtross Jacqueline Badran, die ihren Parteigenossen Rudolf Strahm in den Senkel stellt. Seine Kritik an der SP-Politik sei «absolut inakzeptabel». Argumentativ allerdings etwas dünn, Strahm sei «der SVP total auf den Leim gegangen», was für ein absurder Vorwurf gegen den altgedienten Genossen.

Aber immerhin, darüber könnte man noch diskutieren. Allerdings findet eine inhaltliche Diskussion der bedenkenswerten Thesen von Strahm nicht statt, ein Armutszeugnis.

Nachdem Wermuth wegen Ferienabwesenheit kein Wort zu Strahm verlor, musste er nun einen raushauen, mit dem er sich völlig disqualifiziert:

«Die Wahrheit ist, die SVP ist der parteipolitische Arm der Gewalt gegen Frauen.»

Das ist nun dermassen unverschämt-bösartig, dass es höchste Zeit ist, dass sich die SP eine neue Führungsspitze sucht. Denn es kann ja nicht sein, dass sie von einer Lahmen und einem Blinden geführt wird. Meyer sagt wenigstens nichts Parteischädigendes. Aber einem politischen Gegner zu unterstellen, er befördere Gewalt gegen Frauen, das setzt in der Auseinandersetzung in der Schweiz einen bislang unerreichten Tiefpunkt.

Das ist genauso dümmlich, wie wenn man der SP unterschieben würde, ihre ausländerfreundliche Politik würde ganz allgemein die kriminelle Gewalt in der Schweiz befördern, ja sie sei der parteipolitische Arm der Ausländerkriminalität.

Es gibt Sätze, die in der Hitze des Gefechts gesagt werden. Anschliessend muss der Autor zurückrudern, sie relativieren, abschwächen, gar zurücknehmen oder im schlimmsten Fall sich dafür entschuldigen.

Und es gibt Sätze, die sind unentschuldbar, vor allem für einen Parteipräsidenten. Also sollte eigentlich ein Aufatmen durch die Reihen von noch zurechnungsfähigen Sozialdemokraten gehen: endlich haben sie einen Hebel, diesen Schmock loszuwerden.

Damit wird die SP zwar nicht unbedingt wieder zur Arbeiterpartei. Aber Wermuth müsste zum ersten Mal in seinem Leben arbeiten.

Shaky Jackie

So würde Trump vielleicht Jacqueline Badran nennen.

Es ist eine alte Weisheit: jeder hat das Recht, sich öffentlich zum Deppen zu machen. Davon machen einige im Übermass Gebrauch.

In einem ihrer sogenannten «#Korrigendum» in der «SonntagsZeitung» wütet Badran gegen den «orangen Dauerstargast», gegen den «orangen Widerling», gegen den «orangen Superschurken». Etwas repetitiv, aber bitte, Fantasie ist nicht jedem gegeben.

Ihr Zorn richtet sich auch gegen Brendan Carr, den Direktor der Federal Communication Commission (FCC), die US-Regulierungsbehörde für Medien.

Nun wird ihre Argumentation etwas kurvig, höflich formuliert. Carr habe im «Projekt 2025» prominent Abschnitt 230 des «Communications Decency Act» von 1996, «das Onlineplattformen erlaubt und Anreize schafft schädliche Inhalte wie Hassrede, Aufrufe zur Gewalt oder sexistische Inhalte zu moderieren, ohne haftbar gemacht zu werden, denunziert».

Und weiter: Die FCC hätte laut Carr «eine wichtige Rolle zu spielen wegen der Bedrohung individueller Freiheiten durch Konzerne, die ihre dominante Marktmacht missbrauchen. Heutzutage würden eine Handvoll Konzerne alles beeinflussen können, von der Information, die wir konsumieren, bis zu den Orten, wo wir einkaufen».

Nach der Inauguration  des orangen Gottseibeieuns hätten die grossen Plattformen «alle Moderationen von Inhalten» eingestellt. «Damit war der Pfad zu unbehelligter rechter Propaganda gelegt

What a Bullshit, würde da «das orange Mannbaby» sagen. Völlig zu recht. Denn dieses Gesetz sagt glasklar: “No provider or user of an interactive computer service shall be treated as the publisher or speaker of any information provided by another information content provider.”  Oder auf Deutsch, falls Badran auch nicht Englisch kann:

  • Plattformen wie soziale Netzwerke, Foren, Blogs usw. haften grundsätzlich nicht für von Nutzern gepostete Inhalte.

  • Sie dürfen Inhalte moderieren, entfernen oder sperren, ohne dadurch wie ein „Verlag“ behandelt zu werden.

Oder eben auch nicht. Während alle Medienorgane – auch ZACKBUM – nicht nur für die selbsterstellten Inhalte verantwortlich und haftbar sind, sondern auch für Kommentare oder Fremdbeiträge, gilt das für die sogenannten Sozialen Medien nicht. Wenn also Carr das kritisiert, hat er völlig recht.

In ihrer Aufzählung von mächtige Medienmogulen, die eben dem «orangen Superschurken» helfen würden, erwähnt Badran auch «Medien-Milliardär Rupert Murdoch». Unterlässt aber zu erwähnen, dass der vom «orangen Widerling» auf 10 Milliarden Dollar Schadenersatz verklagt wurde, was nun nicht gerade als Freundschaftsgeste gewertet werden kann.

Aber nach diesen Loopings will Badran auch noch etwas zur Schweizer Medienszene sagen: «Auch das Schweizer Parlament hat die SRG und die Medienlandschaft noch weiter geschwächt.»

Nun, in Wirklichkeit ist das ein weiterer intellektueller und verbaler Schwächeanfall von Badran. Wobei die SoZ hier ihrer Fürsorgepflicht nur unzureichend nachkommt und die Dame nicht davor schützt, sich immer mal wieder öffentlich lächerlich zu machen.

Eine Portion Gerülpstes

Jacqueline Badran liebt den verbalen Zweihänder. Mit hoher Selbstverletzungsgefahr.

Für Aussagen, für die sie sich entschuldigt hat, soll sie nicht zur Verantwortung gezogen werden. Aber das hier reicht auch schon für einen Nasenstüber:

Mit etwelcher Verspätung nimmt sie sich den intelligenten Kommentar von Katharina Fontana in der NZZ zur Brust, dass der SRG «weniger Geld guttun» würde. So aber nicht mit Badran. Sie kann es einleitend «kaum fassen», was da steht. Sie ist so böse auf die Autorin, dass sie deren Namen nicht über die Lippen bringt. Kein Wunder, die lande einen «missgünstigen Rundumschlag». Bis hierher ist noch alles gut; Polemik darf sein, vor allem in einem Kommentar. Aber dann wäre es doch mal schön, auch das eine oder andere Argument fallen zu lassen. Das ist aber nicht gerade Badrans starke Seite, wie sie schon mehrfach unter Beweis stellte. Und behauptet sie was, stimmt oftmals das Gegenteil.

Stattdessen stapelt sie auch hier eine Polemik auf die nächste: «Die Autorin erzählt dabei eins zu eins die unsinnige Geschichte nach, mit der wir seit vielen Jahren aus rechtskonservativen und libertären Kreisen belästigt werden. Das hat System. Solche Kreise haben schon immer und überall die öffentlich-rechtlichen Medienhäuser angegriffen. Weil sie sie nicht kontrollieren können.»

Kommt dann mal ein Argument? Der Hauch eines Arguments? Irgendwas wie «Fontana schreibt A, das ist falsch, weil B»? Niemals: «Der Kommentar ist derart anachronistisch – man reibt sich die Augen.» Stattdessen kommt nun die uralt-üble anachronistische Nummer, dass man den Inhalt einer Stellungnahme mit Sachen korreliert, auf die sie sich gar nicht bezieht. Das ist ungefähr so intelligent, wie wenn man schreiben würde: Also der Wilhelm Meister von Goethe ist eher verunglückt, für ein Gedicht.

Denn nun geht es Badran um «Desinformationskriege», von Autokraten gesäuberte Medien, machtsuchende Milliardäre (ob da Blocher dazugehört?) und «wirkungsmächtige Propaganda-Plattformen wie «Breitbart»». «Breitbart» ist schwer auf dem absteigenden Ast, in der Kategorie Poltiblogs unter ferner Liefen auf Platz 41 in den USA. Aber Badran hat ja auch von so Sachen keine Ahnung, aber zu allem eine Meinung.

Eher unappetitlich wird es dann bei ihrem nächsten «Argument» gegen den Kommentar in der NZZ: «Ermordungen von Medienschaffenden sind an der Tagesordnung.» Was hat das denn mit dem Kommentar von Fontana zu tun? Findet die das etwa gut, oder was will Badran ihr unterstellen?

Aber es hat noch etwas Platz in der wirklich fehlbenannten Rubrik «#Korrigendum»:«Richtig bemitleidenswert wird es, wenn als Kronzeugin für den «offensichtlichen Linkstrend» die Wetterprognosen herhalten müssen.» Es hat immer noch Platz: «Dass die SRG die kommerziellen Medien konkurriere, gehört auch ins Reich der Faktenfreiheit.» Das wird aber der Oberboss von der «SonntagsZeitung», wo Badran dilettiert, gar nicht gerne hören. Genau das behauptet Pietro Supino, der Faktenfreie. Immer schön, wenn man im eigenen Blatt eins in die Fresse kriegt.

Dann braucht es ja noch eine Schlusspointe. Nur: woher nehmen und nicht stehlen? Hm:

«Eine Halbierung der SRG würde der NZZ kein einziges Abo mehr bringen. Solch billige Propaganda jedoch fast sicher einige weniger.»

ZACKBUM rät: Wieso schützt eigentlich niemand Badran vor sich selbst? Sie ist mit dieser Kolumne offensichtlich überfordert, macht sich Mal für Mal lächerlich. Ausserhalb ihrer Gesinnungsblase wird sie mit solch billiger Propaganda sicher nicht punkten und einige Stimmen verlieren. Sie hat doch schon einmal eine Polit-Pause gemacht. Wieso nicht ein Schreib-Sabbactical?