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Torkelnder Kommentar
/2 Kommentare/in Allgemein/von René ZeyerAuch Niklaus Vontobel von CH Media will Trump zeigen, wo der Hammer hängt.
Der Wirtschaftsredaktor von CH Media tischt dem Leser gross auf: «Trump torkelt von Idiotie zu Idiotie – was soll da schon schiefgehen?»
Dann tut er dem US-Präsidenten die Knöpfe rein. Den von Trump als «Tag der Befreiung» angepriesene 2. April dieses Jahres müsse man so sehen:
«Trump beschädigte damals das Ansehen der USA und des Dollars zugleich – und die USA stehen heute noch lädiert da. Das Vertrauen in den Dollar ist angeschlagen.»
Schuld daran ist Trump, dessen Regierung «so unseriös und chaotisch» agiere. Dabei ist der Dollar nach wie vor Weltwährung Nummer eins, US-Staatspapiere gehören zu den sichersten und am meisten nachgefragten Schuldpapieren der Welt, und solange die Anleger nicht ihr Vertrauen verlieren, lassen sich noch so absurde Staatsschulden problemlos refinanzieren.
Dann zitiert Autor Niklaus Vontobel ausgerechnet «Ökonomen der Bank J. Safra Sarasin», um seine Ansicht zu untermauern.
Das ist die ehemalige Basler Privatbank, deren letzter Vertreter deutschen Milliardären wie Maschmeyer oder Drogerie-Müller im Cum/Ex-Skandal Spekulationspapiere andrehte. Und nach der Übernahme durch die Safra-Sippe sich standhaft weigerte, nach dem Totalschaden, als dieses illegale Verdienstmodell explodiert war, ihre Verluste zurückzuzahlen. Bis sie dazu gezwungen wurde.
Also eine sehr vertrauenswürdige Quelle zwecks Untermauerung der eigenen Ansicht.
Vontobel zitiert weiter: «Die Bank J. Safra Sarasin schreibt daher: «Der Dollar ist eine Risikowährung.»»
Dass dem so sei, will Vontobel mit weiteren wilden Behauptungen unterstreichen. Das Wirken von Elon Musk, mit dem Präsident Donald Trump inzwischen in einem schmutzigen verbalen Krieg verhakt ist, habe mit seinen Sparversuchen Folgendes bewirkt: «In der Entwicklungshilfe hat sein Wirken nach einer Schätzung über 100’000 Erwachsene und 200’000 Kinder das Leben gekostet. Dann enthüllte die «New York Times», was Musk nebenbei massiv konsumiert: Ketamin, Ecstasy, psychedelische Pilze.»
Dabei ist die Reduzierung der Geldverschleuderung von USAID das einzig Sinnvolle, was Musk zustande gebracht hat. Und der angebliche Drogenkonsum von Musk, der von ihm dementiert wird, ist eine haltlose Unterstellung, die auf anonymen Aussagen aus seinem Umfeld beruht.
Nach diesem wilden Herumhüpfen und dem Zitieren sehr vertrauenswürdiger Quellen nimmt sich Vontobel noch die erratische Zollpolitik von Trump zur Brust und schliesst mit dem weisen Satz, voll verunglückter Ironie: «Was soll da schon schiefgehen?»
Das ist tatsächlich die Frage. Eine Tatsache ist allerdings, dass sich CH Media mit solchen wirren Kommentaren keinen Gefallen tut.
Dass Trump und Musk viel dafür tun, ihre Glaubwürdigkeit in Frage zu stellen, ist die eine Sache. Dass ein Medienkonzern, der mit x Kopfblättern seiner Tageszeitungen einen guten Teil der deutschsprachigen Leserschaft in der Schweiz beschallt, mit solchen Kommentaren seine eigene Glaubwürdigkeit gegen die Wand fährt, eine andere.
Mangels Masse und Kompetenz verlegen sich die zu Tode gesparten Elendsmedien immer mehr darauf, den überlebenden Redaktoren freien Auslauf zu gewähren, damit sie ihren Lesern beim Betrachten des eigenen Bauchnabels ihr Leid an der Welt klagen können.
Das verkommt mehr und mehr zu einer Ersatzhandlung für Einordnung und Analyse. Für diese Leistung auch noch Geld zu verlangen, ist nichts weniger als eine Frechheit.
Bildbetrachtung
/6 Kommentare/in Allgemein/von René ZeyerManchmal sagt ein Foto wirklich mehr als tausend Worte.
Es ist dunkel am Paradeplatz Zürich. Früher das absolute Zentrum der Schweizer Finanzwelt. Die UBS residierte weiter oben an der Bahnhofstrasse, bis sie sich dann endlich auch am Paradeplatz niederlassen konnte.
Die Credit Suisse, vormals die SKA, war schon seit 1876 da, als das neoklassizistische Gebäude entstand. Die Bank selbst war bereits 1856 gegründet worden, vom grossen Schweizer Unternehmer Alfred Escher. Eine solche Geschichte kann die UBS nicht aufweisen.
Sie entstand aus einem Flickenteppich von über 300 Bankenfusionen und Ankäufen. Die heutige UBS entstand erst 1998 aus dem Zusammenschluss der Schweizerischen Bankgesellschaft (SBG) aus Zürich mit dem Schweizerischen Bankverein (SBV) aus Basel. Es dauerte keine zehn Jahre, da war die Bank schon das erste Mal fast blank. In der Subprime-Krise verzockte sie sich schwer auf dem US-Hypothekarmarkt und musste vom Staat gerettet werden. Und dann nochmal, als sie ins Feuer der US-Behörden im Steuerstreit geriet.
Wegen der UBS wurde das Schweizer Bankgeheimnis geschleift. Von dem zwar Hans J. Bär sagte, es mache «fett, aber impotent». Allerdings ist seit seiner Aufhebung kein Verschlanken oder eine Steigerung der Potenz zu erkennen.
Aber sicherlich, um so primitive Machtsymbole geht es im Banking, waren die UBS-Bosse immer neidisch darauf, dass sie nicht ganz so schick wie die CS-Oberindianer am Paradeplatz residierten. Was richtig vornehm ist, zeigt allerdings die Filiale der Bank J. Safra Sarasin am Paradeplatz.
Aber nun ist es den UBS-Häuptlingen gelungen, den Konkurrenten CS nicht nur zu schlucken (am Verdauen wird noch gearbeitet), sondern ihn sozusagen auch noch symbolisch in den Staub zu werfen. Auf dem altehrwürdigen Gebäude, wo zuerst noch SKA prangte, dann Credit Suisse, dann Credit Suisse mit einem absurden Segel-Logo, steht nun am Haupteingang wie auf dem Dach UBS, samt den drei Schlüsseln, die vom Bankverein übrig geblieben sind.
Es mutet etwas so an, wie wenn ein Pirat oder der Feind ein Schiff enterte, die bisherige Flagge einholte und seine eigene hisste. Aber immerhin, kielholen oder über die Klinge springen lassen ist inzwischen ausser Mode gekommen. Im Gegenteil, die Verlierer und Versager, die die CS durch ihre unvorstellbare Unfähigkeit gegen die Wand klatschten, schippern nun selbst auf teuren Yachten in den Sonnenuntergang.
Denn Banking ist nach wie vor das einzige Geschäft, wo es völlig egal ist, ob die Führungsetage für Gewinn oder Verlust sorgt. Nur eines ist sicher: Bonus gibt es immer. Verantwortung und Haftbarkeit nie.
Alfred Escher rotiert im Grab, wenn er mitbekommt, was aus seiner stolzen SKA geworden ist. Wenn er sehen muss, wie eine über 100 Jahre jüngere Bank sein ehemaliges Flaggschiff einfach zum Schnäppchenpreis übernimmt, das alte Signet abmontiert und die eigene blutrote Flagge hisst.
Vielleicht findet Escher aber Trost in einem naheliegenden Gedanken. Nach der Krise ist vor der Krise, das ist das ewige Gesetz des Banking. Die letzte Krise der UBS ist schon fast 18 Jahre her. Also dürfte die nächste überfällig sein.


