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Schreibmüll

Kehrichtabfuhr bei der NZZaS.

Wer es zulässt, dass ein solcher Satz durch alle Kontrollinstanzen rauscht, von der Ressortleiterin und dem Chefredaktor abgenickt wird, hat die Kontrolle über sein Blatt verloren:

«Kochlöffel brennen heute auf dem gleichen Scheiterhaufen, auf dem die Lastenräder, Sojaschnitzel und Gendertoiletten liegen.»

Das ist nicht mal dada, das ist einfach gaga.

Die Einleitung der Kolumne von Rafaela Roth im «NZZ am Sonntag Magazin» ist hingegen ruppig: «Ich würde beispielsweise nie für Sexisten kochen.» Klare Ansage. Nur: woran erkennt Roth denn eigentlich einen Sexisten? Gibt’s da eine Art Prüfkit, mit dem er enttarnt wird?

Aber man muss nicht Sexist sein, um auf diese Küche zu verzichten: «ich war festlich gelaunt. Ich bereitete eine Lasagne mit – Achtung, Triggerwort – vegetarischem Hack zu, die nicht weniger als das Wort «himmlisch» verdiente.» Sozusagen das organisierte – Achtung, Triggerwort – Erbrechen.

Die gleiche Roth hat noch einen zweiten Auftritt in der berüchtigten Serie «Radikale Liebe». Zusammen mit Sacha Batthyany ist sie noch unlesbarer. In einem Interview liegen sich die beiden mit Daniel Schreiber in den Armen, was für den gequälten Leser immer das schlimmste ist. Denn Schreiber ist ein ganz sensibler Mensch:

«Wir treffen den mit seinen Essaybüchern berühmt gewordenen Autoren mitten im Lesungsmarathon für sein neues Buch «Liebe. Ein Aufruf». Er musste sich dafür wieder unter die Menschen zwingen. Bis Mitte Dezember muss er noch durchhalten, danach möchte er für eine Weile niemanden mehr sehen.»

Aber immerhin, er kämpft sich durch. Denn durch die Pläne Trumps überkam ihn «eine komplette Lähmung». Schlimmer noch: «Es war eine Art Schockstarre. Ich habe keine Nachrichten mehr gelesen, kaum mit Leuten geredet. Ich hatte das Gefühl einer Retraumatisierung.» Das Interview als Therapiesitzung, das macht Spass.

Dabei hat Schreiber doch den ganz grossen Durchblick: «Parallel dazu gibt es einen gewissen Schulterschluss zwischen Rechtsextremen und neoliberalen Kräften, der dafür sorgt, dass diese politisch nicht mehr repräsentierten Menschen mit rechtsextremen und populistischen Narrativen abgeholt werden.»

Er erhebt auch seine Stimme gegen Diskriminierung, Fremdenhass und übertriebene Statistiken: «Den medialen Empörungsschleifen über die Verbrechen migrantisierter Menschen stehen eindeutige, weitaus weniger bedrohlich wirkende Statistiken gegenüber.» Migrantisiert? Seufz.

Natürlich darf im Kehrichtsack auch Chefredaktor Beat Balzli nicht fehlen, der Meister des missglückten Editorials. Diesmal setzt er es so in den Sand, bzw. in den Schnee: «Unterscheiden sich Schweizer und Grönländer? Nein – ausser dass die Schweizer nicht einmal gefährliche Eisbären besitzen. Doch der Reihe nach

Nein, nichts da mit Reihe, die ersten drei Sätze reichen schon, dass man reiern möchte.

Anschliessend, obwohl am 1. Februar das Januarloch eigentlich geschlossen sein sollte, folgt eine Aufteilung von Pflichtstoffen: «Das Böse ist grösser als er». Putin, Trump? Nein, Ali Khamenei natürlich. Ein Blick in den teilbefriedeten Gazastreifen. Ein Blick auf die neue chinesische Botschaft in London. Immer grosses Bild, dünner Text. Dann kriegt J.D. Vance eins über die Rübe; ganz grosses Foto, ganz dünner Text mit Altbekanntem.

Dann etwas «buhu»-Stimmungsmache für mehr Nähe zur EU: «Die EU will ihre Märkte stärker abschotten. Die Schweiz droht dabei aufzulaufen, trotz ihren bilateralen Verträgen.» Na, da kann man doch gleich auf weitere verzichten …

Dann eine Seite Crans-Montana, das muss immer noch sein, plus eine Seite Jeffrey Epstein; das muss bei jeder Freigabe von weiteren Dokumenten auch sein. Dann noch die Breaking News, das auch interne Daten des Bundes «in einer amerikanischen Cloud gelandet» sind. Ja wo denn sonst?

Dann noch eine Prise Kalter Krieg:

«Demokratische Gesellschaften schwanken beim Umgang mit russischer Desinformation zwischen Überforderung und Hilflosigkeit. Auch die Faktenchecks, die deutsche und Schweizer Medien im Nachgang zu russischer Desinformation veröffentlichen, spielen dem Kreml in die Hände. Denn die russischen Falschbehauptungen erreichen oft erst wegen der Berichterstattung darüber eine grosse Anzahl Menschen», weiss die NZZ-Redaktorin Gioia da Silva.

Bei einer solchen Anschuldigung auf fast zwei Seiten ausgewalzt, wäre es nicht schlecht, wenn sie vielleicht ein einziges, klitzekleines Beispiel einer solchen Desinformation bringen würde. Statt sie einfach selbstredend vorauszusetzen.

Nett ist höchstens die Abrechnung mit dem dysfunktionalen Theater: «Am Schauspielhaus Zürich tritt das Ensemble vor leeren Rängen auf, in Bern strömt das Publikum in Scharen ins Theater. Was ist hier los

Aber, wir wollen versöhnlich enden: «Wie Barbie im Weissen Haus», Susanna Petrin hat tapfer den sogenannten Dokumentarfilm über Melania Trump für uns angeschaut. Allerdings kämen wir nie im Traum auf die Idee, so unsere Zeit zu verschwenden.

Apropos. Gleiches nötigt einem hingegen die Berichterstatterpflicht ab.

Loser Trump

Sternstunde des Journalismus: eine Gurkentruppe mit runtergelassenen Hosen erwischen.

Für einmal ist es nicht investigativer Journalismus, der Peinliches enthüllt. Sondern der Chefredaktor von «The Atlantic» wurde in eine Chatgruppe auf Signal eingeladen, zu der hochrangige Mitglieder der Trump-Administration gehörten. So wurde Jeffrey Goldberg Zeuge eines ungeheuerlichen Vorgangs:

«Kurz vor 14 Uhr Ostküstenzeit am 15. März erfuhr die Welt, dass die USA Huthi-Ziele im Jemen bombardierten.
Ich wusste jedoch bereits zwei Stunden vor der ersten Bombenexplosion, dass der Angriff bevorstehen könnte. Der Grund dafür war, dass mir Verteidigungsminister Pete Hegseth um 11:44 Uhr den Kriegsplan per SMS zugeschickt hatte. Der Plan enthielt genaue Informationen über Waffenpakete, Ziele und den Zeitplan.»

Aber das ist noch nicht alles. Burschikos unterhielten sich die anderen Teilnehmer noch über dies und das. Immer in der Annahme, dass die jeweiligen Accounts tatsächlich den dahinterstehenden Personen gehören: «Ich hasse es einfach, den Europäern erneut aus der Patsche zu helfen», textete Vizepräsident J. D. Vance, der Verteidigungsminister stimmt ihm zu: «Ich teile voll und ganz deine Abscheu vor dem europäischen Schmarotzertum. Das ist erbärmlich.»

Dann tut Vance etwas, was seinem Herrn und Meister nicht gefallen dürfte. Er sagt über den bevorstehenden Angriff auf Stellungen der Huthi-Rebellen: «Ich bin mir nicht sicher, ob dem Präsidenten bewusst ist, wie widersprüchlich das zu seiner aktuellen Botschaft über Europa ist

Peinlich genug, wenn sich solche Führungskräfte als Mitglieder einer Gurkentruppe entlarven. Aber sie können nicht aus ihrer Haut, auch beim Versuch der Schadensbegrenzung. Selbstverteidigungsminister Hegseth behauptet öffentlich, «niemand hat über Kriegspläne getextet». Dem widerspricht Goldberg knapp und dokumentiert: «Das ist eine Lüge

Die überforderte «Geheimdienstkoordinatorin» Tulsi Gabbard kommt derweil bei einer Anhörung ins Rudern und mag nicht einmal bestätigen, ob sie bei dieser Chatgruppe dabei war (geheim). Das tut dann CIA-Direktor John Ratcliffe für sie: er glaube «ja», sagt er auf eine entsprechende Frage. Er muss es wissen, als Teilnehmer.

Eine weitere bröckelige Verteidigungslinie ist, dass es gar nicht so geheim gewesen sei, was besprochen wurde. Der «Spiegel» schreibt: «Dem demokratischen Senator Mark Warner platzte schließlich der Kragen. Es könne nicht beides stimmen – dass keine vertraulichen Informationen ausgetauscht worden seien und gleichzeitig jede Auskunft über die Inhalte verweigert werde.»

Und was macht der Commander in Chief, der nicht dabei war? Natürlich abwiegeln, das sei halt mal ein kleiner Flop in zwei Monaten tadelloser Regierungsarbeit. Aber dann zeigt Donald Trump mal wieder sein wahres Gesicht, wenn er sich in die Enge getrieben fühlt und den ihm wohlbekannten Begriff Loser über seinem gelben Haar hängen spürt: er wird grob ausfällig.

Goldberg sei ein «sleazebag», ein «Dreckskerl», er wolle ihm Trump und damit den Interessen der USA schaden, «The Atlantic» sei ein gescheitertes, abrebelndes Blatt, das demnächst eingestellt werde.

In Wirklichkeit ist die Zeitschrift Pflichtlektüre für jeden, der sich auf einem Niveau über internationale Politik informieren will, das im deutschen Sprachraum seinesgleichen sucht. Und der Gewinner des Pulitzerpreises Goldberg, der vorher für den Leuchtturm «The New Yorker» arbeitete, ist so verantwortungsbewusst, dass er die detaillierten Informationen über Waffensysteme, Strategie und beteiligte US-Einheiten vertraulich behandelt, um niemandem zu schaden.

Schon Richard Nixon, der über den Einbruch in Watergate stolperte, pflegte in von ihm aufgezeichneten Gesprächen mit seinen Vertrauten eine vulgäre und primitive Sprache. Das dürfte bei Trump auch der Fall sein. Richtig gefährlich wird das allerdings dadurch, dass er in seiner zweiten Amtszeit von Speichelleckern umgeben ist, die ihn darin nachahmen.

Dieser Flop ist einmalig in der Geschichte von US-Administrationen. Aber es ist halt ein Flop. Wirklich beängstigend ist aber, dass sich diese Gurkentruppe wohl über alle politischen und militärischen Themen auf der Welt in dieser flapsigen Art unterhalten dürfte. Das erklärt zwar einiges, beunruhigt hingegen sehr.

Man stelle sich nur vor, dass das Schicksal der Ukraine, des Gazastreifens, von Grönland oder Kanada in solchen Gesprächsrunden entschieden wird. Ach, und das von Europa, diesem «Schmarotzer», wie sich alle einig sind.

Nixon entging einem Amtsenthebungsverfahren nur durch eiligen Rücktritt, nachdem er sich von seinem Nachfolger ein Generalpardon garantieren liess. Das wird bei Trump nicht geschehen. Seine Anhänger und Fans, von der «Weltwoche» abwärts, werden auch diesen Aberwitz schönschwatzen oder ignorieren. Die Zeiten haben sich seit Nixon nicht zum Besseren entwickelt.

Fussnote: Der rasende Reporter Roger Köppel eilt stattdessen nach Belgrad, um dem wankenden Präsidenten Vucicnur über meine Leiche») Gelegenheit zur Selbstbeweihräucherung zu geben und allen Fragen nach eigener Schuld an den andauernden Massenprotesten perseverierend auszuweichen.

Ullsteins Schande

J.D. Vance ist der neue Gottseibeiuns der Journaille. Und eines deutschen Verlags.

«Wieso Trumps Vize jetzt zum Problem wird». Das will Christian Zaschke wissen. Er gehört zur Riege der US-Korrespondenten der «Süddeutschen Zeitung», deren Ergüsse ungefiltert die Schweizer Leser von Tamedia belästigen. Ihre Artikel sind nicht mal aktuell, wenn sie veröffentlicht werden. Interessant sowieso nie.

Auch was er meint und behauptet und woran er zweifelt und was er hofft, hat mit der Wirklichkeit in den USA kaum etwas zu tun. So ausserhalb von New York, Boston, San Francisco und Los Angeles. Also ist es völlig unerheblich.

Vance werden nun unbedachte Äusserungen um die Ohren geschlagen, die er tätigte, als er noch nicht der Kandidat für das Amt des Vizepräsidenten war und als er von Donald Trump keine besonders hohe Meinung hatte. Kann passieren, ist all diesen Korrespondenten auch nicht unbekannt, dass sie lieber nicht an ihre Fehlprognosen und Untergangsarien («so stirbt die Demokratie») erinnert werden möchten.

Das kann man Vance nun aufs Brot schmieren und der Hoffnung Ausdruck geben, dass das Trump «viele Stimmen kosten» könnte. Das Pfeifen im Wald wird immer schriller. Auch der «Blick» pfeift mit: «Warum Vance zum peinlichsten Vize.-Kandidaten wird». Noch peinlicher als Danpotatoe») Quayle?

Man könnte allerdings auch das Buch von Vance lesen. Denn er hat eins geschrieben, und im Gegensatz zu dem meisten Gebrabbel dieser Korrespondenten ist das Literatur, beschreibt schonungslos den eigenen Lebenslauf von Vance. Der stammt aus einer typischen White Trash-Familie; Mutter drogenabhängig, ständig wechselnde Begleiter, Chaos, Misshandlungen jeder Art.

Bis seine Grossmutter beschliesst, den Jungen zu sich zu nehmen. Was der nur knapp besser als das Verbleiben bei seiner Mutter empfindet. Bis er für die Schule einen Taschenrechner braucht, und der kostet für seine Verhältnisse ein Vermögen von 84 Dollar.

Vance versucht linkisch, einen zu klauen, wird dabei erwischt und von seiner Großmutter gerettet – die ihm den Taschenrechner schenkt. Auch das vermag Vance, der sich selbst gegen so viel Rohheit und Aggressionen und Gewaltausbrüche mit gleicher Münze wehrte, nicht wirklich zu begeistern. Aber dann bekommt er mit, dass seine Großmutter sich dafür das Essen vom Mund abspart.

Und benützt den Taschenrechner, bringt beste Noten nach Hause, geht auf die Uni, verliebt sich in einen Menschen, der bedingungslos zu ihm steht – und macht Karriere. Hollywood. Natürlich, und Hollywood hat’s auch verfilmt. Nicht viel schlechter als das Buch geworden, mit einer grossartigen Glenn Close als Grossmutter mit bewundernswertem Mut zur Hässlichkeit.

Den hat auch der Ullstein Verlag, allerdings anders. Die Gebrüder Ullstein drehen sich im Grab um. Denn wie hiess noch im Gründungsjahr 1903 das Credo: «In diesem Haus wurden alle Strömungen eingefangen, alle Stimmen gehört, registriert und wie von einem riesigen Resonanzboden verstärkt der Öffentlichkeit wieder zugeführt.»

Ausgerechnet der Verlag, dessen jüdische Besitzer ihn zwangsweise an die Nazis verkaufen mussten, ausgerechnet der Verlag, der wie kein anderer unter Meinungsterror und Zensur gelitten hat, schmeisst den Autor J.D. Vance aus seinem Programm. Nachdem er sieben Jahre lang an der deutschen Übersetzung der «Hillbilly Elegie» satt verdient hat.

Der Autor vertrete inzwischen «eine aggressiv-demagogische, ausgrenzende Politik». Deshalb habe man ihn denunziatorisch ausgegrenzt. Nein, so formuliert es der Verlag nicht. Deshalb habe man die Lizenz nicht verlängert.

In der Tiefebene des deutschen Geists ist das eine unsägliche Verrohung der Sitten. Heinrich Heine kann froh sein, dass seine Werke im Suhrkamp Verlag erscheinen. Denn was würde Ullstein wohl davon halten, wenn er Hausautor wäre und geschrieben hat: «Dort wo man Bücher verbrennt, verbrennt man am Ende Menschen

Sicher, die Bücher von Vance werden (noch) nicht verbrannt. Aber mindestens so erbärmlich wie diese Entscheidung ist das nur leise Gemurmel im deutschen Feuilleton. So ein Skandal müsste einen Aufschrei auslösen. Stattdessen da und dort leise Kritik. Bei Tamedia weiss die Literaturchefin Nora Zukker wahrscheinlich nicht einmal, dass es dieses Buch überhaupt gibt. Auf jeden Fall kein Wort dazu.

Den Vogel schiesst hier aber wieder einmal die «Süddeutsche Zeitung» ab. Ein Felix Stephan – angeblich «Kulturjournalist» und selber Schriftsteller – verdient es, dass sein Name auf ewig an einen Schandpfahl genagelt wird.

Unter dem Titel «Ist das schon Zensur?» schwurbelt er diese Zensur zurecht. Denn schliesslich, so sein grenzdebiles Argument, hätte Ullstein ja die Lizenz verlängern und dann nur eine kleine Auflage nachdrucken können: «So aber wurde die Lizenz für jeden Verlag frei verkäuflich, der sich ihrer erbarmen wollte.» Erbarmen?

Kein Verlag hätte sich aber «an der Meinungsfreiheit in Deutschland vergangen, wenn er das Buch eines Autors nicht veröffentlichen wollte, der sich im amerikanischen Wahlkampf zwar in aussichtsreicher Position befindet, inhaltlich aber in vielerlei Hinsicht rechts von der AfD». Wie bitte? Sollte man also auch Bücher von der AfD nahestehenden Autoren nicht mehr veröffentlichen? Einer demokratischen und gewählten Partei? Nur weil das einem geistigen Grossinquisitor wie Stephan nicht ins ideologische Raster passt?

Der «Fall» erinnere an den Historiker Rolf Peter Sieferle, dessen durchaus lesbares und provokantes Buch «Finis Germania» nicht von Suhrkamp veröffentlicht wurde. Eine politische Abrechnung mittels über Jahre verstreuter Aufsätze und ein literarisches Werk im Vergleich?

Vielleicht erinnert sich Flachdenker Stephan nicht daran, dass auch «Finis Germania» zum Bestseller wurde – und dann vom «Spiegel» kommentarlos aus seiner Bestsellerliste gestrichen. Schon diese unerträgliche Zensur wurde damals von wenigen Mutigen wie Denis Scheck als «journalistischer Skandal» bezeichnet. Für Stephan war das sicher voll in Ordnung. Er würde wohl auch Literaturwissenschafter Rüdiger Safranski am liebsten zensieren, der die damalige «fahrlässige und hysterische Debatte» auf eine «schlampige und fahrlässige Lektüre» zurückführte.

Die Geschichte wiederholt sich, jedes Mal mehr als Farce, wenn selbst Geisteszwerge wie Stephan im Feuilleton der SZ geifern dürfen.

Schon ist der Autor beim nächsten geistigen Salto mortale: dass das Haus Ullstein, «das bis zu seiner Arisierung 1937 einer der größten Verlage der Europas war, sich künftig von einem Autor möglichst fernhält, der nicht nur Donald Trumps Agenda vertritt, sondern auch zum Leo-Strauss-Lesekreis des rechten Milliardärs Peter Thiel gehört, ist insgesamt eher keine Sensation». Ullstein wurde von den Nazis enteignet, wer von Thiel gelesen wird, darf deshalb dort nicht mehr erscheinen? Mit einem Buch, bei dem kein einziger Buchstabe geändert wurde und das sieben Jahre lang verkauft wurde? Der Mann, mit Verlaub, hat ein paar Schrauben locker.

Aber Stephan legt noch eine Volte drauf, denn die Trauben sind viel zu sauer: «Literaturgeschichtlich muss an dieser Stelle vielleicht dazugesagt werden, dass die Erzählkonstellation von „Hillbilly-Elegie“ schon altmodisch war, als das Buch 2016 erschien.»

Ein Feuilleton, das solchen Stuss veröffentlicht – und niemand in der SZ widerspricht – hat abgewirtschaftet, seinen Ruf verspielt, kann weg.