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Al-Ahli-Arab-Krankenhaus

Spielt es eine Rolle, wer’s war?

«Wir machen uns etwas vor, wenn wir glauben, es herrsche Frieden, nur weil wir immer noch unsere Brötchen holen können, ohne von Heckenschützen abgeknallt zu werden.
In einer Welt, durch die lebende Bomben irren, bleibt nur der Hobbessche Urmythos vom Kampf aller gegen alle übrig.»

Wie hellsichtig war Hans Magnus Enzensberger in seinen 1993 veröffentlichten «Aussichten auf den Bürgerkrieg». Er beschreibt darin auch, wie in Mogadischu verrückt gewordene Kämpfer ein schon arg lädiertes Krankenhaus systematisch zerstören – im Wissen darum, dass sie selbst schon morgen auf seine Dienstleistungen angewiesen wären.

Im Gazastreifen ist eines der wenigen notdürftig funktionierenden Spitäler von einer Rakete getroffen worden. Die Hamas sagt, es sei eine israelische Rakete gewesen. Israel sagt, es sei eine fehlgeleitete Rakete des Islamischen Djihad gewesen. Viele Patienten des Spitals sagen nichts mehr, sie sind tot.

Die Medien wissen nichts Genaues und eiern. «Entsetzen über Raketeneinschlag» («Tages-Anzeiger»), «Hunderte Tote nach Beschuss eines Spitals» (CH Media), «Rakete tötet Hunderte in einem Spital in Gaza» (NZZ), «Wer zündete die Rakete auf Spital in Gaza?» («Blick»), «Wars der IDF oder der Islamische Dschihad?» («20 Minuten»), «Entsetzen über Raketeneinschlag im Gazastreifen – das ist bekannt» (SRF), «Hundreds likely dead in Gaza Hospital blast» (CNN), «Hundreds Killed in Gaza Blast, Palestinians Say» («New York Times»), nichts (Xinhuanet), «Anger aimed at Israel After Gaza air attack kills 500 at Hospital» («Al Jazeera»).

Wer war’s? War es Absicht, Unglück? Ist die Hamas auf jeden Fall schuld, weil sie diese neuerliche Eskalation mit ihrem brutalen Angriff auf Israel begonnen hat? Ist Israel auf jeden Fall schuld, weil ein Bombardement einer Stadt immer viele zivile Opfer fordert? Spielt es eine Rolle, wer’s war?

Was kann Israel tun, wenn fundamentalistische Irre Raketenwerfer auf Wohnblocks, Schulen, Krankenhäusern stationieren, um dann die Brutalität von israelischen Gegenangriffen propagandistisch auszuschlachten. Was kann die palästinensische Bevölkerung im Gazastreifen dafür, dass jede Menge Wahnsinnige, Todessehnsüchtige, von einer mittelalterlichen Todesreligion Fehlgeleitete unter ihnen sind?

Wer auch immer dafür verantwortlich ist, es wird immer einen hohen Prozentsatz von Menschen geben, die keinem Beweis trauen werden, die den Nachweis, dass es Israel war, dass es eine Rakete aus dem Gazastreifen war, für Fake News halten.

Wir in Europa, in der Schweiz sind die Beobachter, die ohnmächtigen Zuschauer. Was können wir tun? Nicht viel, wie meistens. Es gibt – vor allem in Deutschland – widerliche Manifestationen von Antisemitismus, von Judenhass. Nicht zuletzt importiert durch den weitgehend unkontrollierten Strom von Flüchtlingen. Es gibt genauso widerliche Versuche, die berechtigten Anliegen der Palästinenser wegzukeulen.

Es geht wie meist um die Eroberung des Luftraums über den Köpfen, um Narrative, um Framing. Die Massen brauchen einfache Erklärungen, gut und böse, richtig und falsch müssen klar erkennbar sein. Da die Wirklichkeit nicht so ist, wundern sich die Massen gelegentlich, wieso sie eigentlich nichts verstehen. Aber das kümmert nicht gross, solange die Leitmedien und die Multiplikatoren die Grobraster immer wieder nachzeichnen, bis sie sich in die Hirne eingebrannt haben.

Was bleibt dem Beobachter beim Beobachten? Seine folgenlosen Schlussfolgerungen ziehen, nicht mehr.

  1. Weder die Palästinenser, noch die Israelis werden so jemals zum friedlichen Zusammenleben finden. Da weder die einen, noch die anderen vollständig ausgerottet werden können, perpetuiert sich dieser asymmetrische Krieg in eine unabsehbare Zukunft.
  2. Wer nach über 70 Jahren das Existenzrecht Israels als Staat nicht anerkennt, ist ein realitätsferner Phantast.
  3. Wer das Recht der Palästinenser auf Eigenstaatlichkeit nicht anerkennt, nimmt eine Fortsetzung des Terrors in Kauf.
  4. Religiös motivierter Fanatismus ist sogar noch schlimmer als ideologischer Fanatismus. Denn mit der Berufung auf angeblich geoffenbarte Worte Gottes, auf archaische Erzählungen von nomadisierenden Beduinen, die viele Jahrhunderte zurückliegen, auf angebliche jenseitige Belohnungen für vermeintliche Märtyrer, ist jedes denkbare Verbrechen erlaubt, entschuldigt, mit perverser Logik begründbar.
  5. Der Islam ist, wie das Christentum, eine Todesreligion, fortschrittsfeindlich, machtgierig, jeder rationalen Debatte verschlossen. Beide Religionen berufen sich auf angeblich geoffenbarte göttliche Worte und Vorschriften, denen unbedingt, hirn- und fraglos gefolgt werden müsse. Beide Religionen wollen mit Feuer und Schwert gegen Ungläubige, Ketzer, gegen alle Feinde der göttlichen Ordnung vorgehen. Beide Religionen sind rückwärtsgewandt, fürchten Wissenschaft und Erkenntnis wie der Teufel das Weihwasser.
  6. Die christliche Religion, die in genau dieser Gegend mit Kreuzzügen wütete und in Blut badete, ist Gott sei Dank durch die Aufklärung in Schranken gewiesen worden, wurde von der absolutistischen Machtausübung entfernt, ganz gegen ihren Willen. Ihr Einfluss ist noch vorhanden, aber durch Recht und Gesetz beschränkt.
  7. Der Islam ist im Mittelalter steckengeblieben. Wo er herrscht, herrscht bis heute Mittelalter. Kein islamischer Staat prosperiert, kein islamischer Staat sorgt für allgemeines Wohlergehen der von ihm beherrschten Bevölkerung. Im besten, schlechten Fall sorgen Rohstoffe wie Erdöl für einen gewissen Reichtum, der aber einer korrupten Oberschicht vorbehalten bleibt. Zudem dafür missbraucht wird, fanatischen Islam überall auf der Welt zu propagieren, in Islamschulen und anderen Tarneinrichtungen.
  8. Da das Reich Gottes immer jenseitig ist, da selbst im sogenannten islamischen Staat nichts anderes als Unterdrückung, Todeskult und Fanatismus herrschen, ist der nicht in die Schranken gewiesene Islam eine lebensfeindliche, unmenschliche Form der Herrschaft. Es gibt nichts Gefährlicheres als das vermeintlich sichere Wissen der Herrscher, dass sie unfehlbar göttliche Ratschläge befolgen.
  9. Das grosse Verdienst der europäischen Aufklärung war die Trennung von Kirche und Staat. Die Reduktion des Glaubens auf Glauben, die Aufhebung darauf basierender allgemeinverpflichtender Regeln und Vorschriften. Das Ende des Scheiterhaufens,  der Folter, all der Verbrechen, die angeblich zur Rettung des ewigen Seelenheils begangen wurden.
  10. Das grosse Verdienst der Aufklärung war die Toleranz. Die verfestigte Überzeugung, dass nur im freien, fast unbegrenzten Austausch verschiedener Meinungen Erkenntnis und Fortschritt möglich sind. Aber Toleranz muss dort ihre Grenze finden, wo sie mit Intolerantem konfrontiert ist. Trotz aller Schalmeienklänge von modernen, fortschrittlichen, das Gute im Islam beschwörenden Moslems: der Islam ist eine reformunfähige, mittelalterliche Todesreligion. Ihre Ausübung ist im Rahmen der Religionsfreiheit jedem erlaubt. Aber seine institutionalisierte Form ist eine gefährliche Brutstätte für fanatische Feinde unserer Zivilisation.

Wir machen uns in Europa nur vor, es herrsche Frieden. Das stimmte 1993, das stimmt 30 Jahre später immer noch. Die nächsten Anschläge fundamentalistscher Irrer im Namen Allahs sind nur eine Frage der Zeit. Wer auch immer daran schuld ist: was im Gazastreifen passiert und passieren wird, legt die Lunte an den Sprengstoff, der uns hier in Europa ins Gesicht explodieren wird.