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Ach, Münger

Der Auslandchef ohne Ausland und ohne Verstand.

Er ist der Meister der Fehlanalyse. «Umso wichtiger scheint, dass das Trump-Comeback verhindert wird», orakelte er ein Jahr vor den letzten US-Wahlen. «Joe Biden bleibt der aussichtsreichste Kandidat, um Donald Trump zu verhindern, ungeachtet der miesen Umfragewerte», behauptete er. Als der aussichtsreichste Kandidat dann wegen erwiesener Senilität zurückgetreten wurde, wiederholte sich Christof Münger: «Es geht bei diesem Wahlkampf nicht um politische Programme, sondern darum, das Comeback von Donald Trump im Weissen Haus zu verhindern. Wie man zu Kamala Harris steht, wird zur Nebensache.»

Aber wieso in der Vergangenheit schwelgen, auch der aktuelle Münger vermag zu erheitern. Muss auch frustrierend sein, sich «Leitung Ausland» zu nennen und unter sich einen verpeilten Enver Robelli als Stellvertreter zu haben. Die beiden Führungskräfte leiten ganze drei Auslandredaktoren. Bitter.

Aber da bleibt die Flucht in die grosse, weite Welt. Zumindest bis nach Ungarn: «Trump verliert seinen Best Buddy in Europa». So kann man das sehen. Interessiert nur keinen.

Richtig peinlich wird’s allerdings, wenn zwischen Redaktionsschluss und Publikation die Welt Münger nicht den Gefallen tut, stehenzubleiben: «Öffnung von Hormuz: Eine wirtschaftliche Verschnaufpause, aber noch nicht das Ende des Kriegs», wusste der Weltenlenker am 17. April. «Nun bietet sich die Chance, den Konflikt beizulegen», orakelte er weise. Dabei sollte er doch wissen, dass der Mad Man im Weissen Haus noch unberechenbarer als die Zahl Pi ist. Und was am 17. geschrieben wird, am 18. bereits obsolet geworden ist.

«Die Interessenlage auf beiden Seiten ermöglichte offenbar eine teilweise Einigung der Regierung Trump mit dem iranischen Regime», will der Kenner der Sachlage wissen. Tja, bessere Kenner der Sachlage würden sich nicht trauen, Aussagen darüber zu treffen, ob die Strasse von Hormus nun offen, zu, halboffen, halbzu oder überhaupt ist. Tanker kehren um, Trump wendet auf dem Absatz, Iran droht, Trump sagt, es gebe ein Abkommen «in ein oder zwei Tagen». Oder es werde wieder bombardiert, oder so. Trump sagt, die USA würden das angereicherte Uran Irans übernehmen. «Irans angereichertes Uran wird nirgendwohin transferiert», sagt der Sprecher des iranischen Außenministeriums. Vielleicht verwechselt Trump Uran und Iran, kann doch passieren.

Also in einem Wort: Kuddelmuddel. Chaos. Widerspruch im Widerspruch. Wer nicht weiss, dass eine Aussage von Trump schon nicht mehr zutreffen kann, bevor er den Satz zu Ende gebrabbelt hat, disqualifiziert sich als Analyst und Kommentator.

Vielleicht sollte sich die Rumpf-Auslandsredaktion von Tamedia darauf beschränken, schlechtere Titel und Leads über die Korrespondentenberichte der «Süddeutschen Zeitung» zu setzen und sie fürs Korsett der Artikellängen im Verschiebebahnhof des Tamedia-Kopfsalats zurechtzuschnitzen.

Denn wie verkündete die publizistische Leiter nach unten: Zur Qualitätssteigerung werde eine neue Artikellänge eingeführt: XS, gleich 1500 A maximal. Das ergänzt die Textlängen S (2500 A), M (4000 A), L (6000) und XL (8000 A). Abweichungen werden nur noch bis zu maximal 150 A toleriert. Eine neue «Weichenstellung für den unabhängigen Qualitätsjournalismus» à la Simon Bärtschi. Mit seiner Schmerzfreiheit könnte er problemlos Pressesprecher von Trump werden.

Dem armen Münger bleibt nur ein einziger wahrer Satz am Ende seiner regelwidrig auf 5000 A gebastelten «Meinung», die gar eine «Analyse» sein soll:

«Deshalb ist noch unklar, wer als Sieger aus diesem Konflikt hervorgeht.»

Klar ist: alles ist unklar. Klar ist: bei Trump weiss man nie. Klar ist: Münger weiss es auch nicht. Unklar ist einzig: wieso hält er dann nicht die Klappe?

Völlig unklar ist: wieso soll jemand für diesen Schrott bezahlen? Oder sagten wir das schon in aller Klarheit?

 

Wundertüte Urs Gehriger

Gleich noch ein Lob. Das Trump-Groupie wendet sich enttäuscht ab.

Die Versuche, den erratischen Bewegungen des Mad Man im Weissen Haus Zweck und Sinn zu geben? Vorbei, gestrichen, abgehakt.

Es ist wie in einer Beziehung, die in die Brüche gegangen ist. Statt Lob Tadel, statt Anhimmeln Niedermachen, Enttäuschung, die schmerzt.

Aber Resultate zählen. Gehriger neu in der «Weltwoche»: «Donald Trumps Drohung mit dem «Untergang einer ganzen Zivilisation» markiert einen Tiefpunkt seiner Präsidentschaft.» Zack.

Wie das? «Die eskalierende Rhetorik ist die eines Mannes, der den Kompass verloren hat.» Bum.

Statt Loblieder auf Trump singt Gehriger nun Arien über den Iran und will damit sicherlich auch die eigene Bildung unter Beweis stellen:

«Der Iran ist der Erbe der jahrtausendealten persischen Zivilisation, einer der einflussreichsten in der Geschichte der Menschheit.
Kyros der Grosse schuf im 6. Jahrhundert v. Chr. die erste Charta der Menschenrechte.
Die Perser errichteten mit der «Königsstrasse» eines der ersten organisierten Postsysteme der Welt. Sie entwickelten antike Kühlschränke und unterirdische Bewässerungssysteme.
Iranische Gelehrte wie Avicenna prägten die europäische Medizin. Ohne Al-Chwarizmi, Begründer der Algebra, wären Blüten der heutigen Wissenschaften undenkbar.» Und so weiter, und so fort.

Aber zurück zum Objekt der enttäuschten Liebe: «Sollte er zur Tat schreiten, würde er sich ein in die Riege von Barbaren einreihen wie den Taliban, welche die Buddhas von Bamiyan in die Luft sprengten. Oder den Dschihadisten des Islamischen Staates, die im syrischen Palmyra wüteten.»

Hoppla, Trump als Barbar in der Tradition der Taliban, der Dschihadisten. Damit riskiert Gehriger aber seine nächste Einreise in die USA und seinen nächsten Besuchs in Trumps Prunkpalast Mar-a-Lago.

Wobei, aus alter Gewohnheit gibt’s dann doch noch einen halbherzigen Rettungsversuch: «Man kann versuchen, Trumps Worte umzudeuten.» Aber nach etwas schlappen Ansätzen gibt Gehriger schnell auf: «Trumps Gedankenwelt ist erratisch.» Wirklich ein Schnellmerker.

Der mit einem vernichteten Resümee endet. Trumps abbröckelnde Anhängerschar lobe die ständigen Wendungen als Regierungsform der «strategische Unsicherheit». Vergesst es, hält dem Gehriger entgegen: «Sie stiftet vor allem eines: Chaos

Da ist ZACKBUM aber gespannt, ob Gehriger in Zukunft diese Linie beibehält – oder im Sinne seines gefallenen Idols auch eine Pirouette hinlegt …

Iran: Die intelligente Analyse

Wieso Hunderte von Franken für Medienabos ausgeben? Hier gibts Mehrwert gratis.

Einfache Aufgabenstellung: analytische Einordnung des Waffenstillstands in 500 Worten, journalistische Version. Die preisgünstige und Sekundenschnelle Reaktion der AI:

Der jüngst vereinbarte Waffenstillstand zwischen den USA und Iran markiert keinen Durchbruch, sondern eine taktische Atempause in einem weiterhin hoch eskalationsanfälligen Konflikt. Nach Wochen intensiver militärischer Auseinandersetzungen seit Beginn des Irankriegs Ende Februar 2026 dient die auf zwei Wochen begrenzte Feuerpause primär der kurzfristigen Stabilisierung – politisch, militärisch und ökonomisch.

Auslöser der Vereinbarung war ein klassisches Muster der Eskalationsdiplomatie: massiver militärischer Druck durch die USA, kombiniert mit Ultimaten zur Öffnung der strategisch zentralen Straße von Hormus. Washington stellte die Einstellung von Angriffen in Aussicht, sofern Teheran den globalen Energiefluss wieder zulässt. Diese Meerenge ist nicht nur geopolitischer Hebel, sondern systemrelevant für den Welthandel – zeitweise waren tausende Seeleute und Schiffe blockiert.

Für die US-Regierung ist die Waffenruhe daher ein Instrument der coercive diplomacy: militärische Überlegenheit soll in Verhandlungsmacht übersetzt werden. Präsident Donald Trump inszeniert die Einigung als Erfolg, doch die strukturellen Konfliktlinien – Nuklearprogramm, regionale Einflusszonen und Sanktionen – bleiben ungelöst. Kritische Stimmen sehen die USA sogar in einer geschwächten Position, da zentrale Forderungen bislang nicht durchgesetzt wurden.

Iran hingegen konnte zentrale Interessen zumindest teilweise behaupten. Die kontrollierte Öffnung der Straße von Hormus erfolgt unter eigenen Bedingungen, etwa durch militärische Koordination oder mögliche Gebührenregelungen. Gleichzeitig betont Teheran, dass es keinen temporären Waffenstillstand, sondern einen dauerhaften Friedensrahmen anstrebt – inklusive Sicherheitsgarantien und Sanktionslockerungen. Diese Position stärkt die Verhandlungsposition Irans, da sie die Agenda von kurzfristiger Deeskalation auf langfristige Neuordnung verschiebt.

Die Rolle externer Akteure ist ebenfalls zentral. Pakistan fungiert als Vermittler und organisiert direkte Gespräche in Islamabad – ein Hinweis darauf, dass regionale Mittelmächte zunehmend diplomatischen Einfluss gewinnen. Gleichzeitig bleibt die Lage militärisch fragil: Trotz Waffenruhe kam es weiterhin zu Angriffen, was die begrenzte Kontrollfähigkeit beider Seiten über ihre jeweiligen Eskalationsdynamiken verdeutlicht.

Ökonomisch wirkt die Waffenruhe kurzfristig stabilisierend, insbesondere für Energie- und Schifffahrtsmärkte. Doch ohne belastbare Sicherheitsgarantien bleibt die Unsicherheit hoch. Die Straße von Hormus bleibt ein neuralgischer Punkt globaler Verwundbarkeit.

In der Gesamtbetrachtung ist die Waffenruhe weniger als Friedenssignal denn als operatives Intermezzo zu interpretieren. Sie verschafft beiden Seiten Zeit zur Reorganisation und zur diplomatischen Positionierung. Ob daraus ein nachhaltiger Verhandlungsprozess entsteht, hängt davon ab, ob es gelingt, die strukturellen Konfliktursachen zu adressieren – oder ob die Region nach Ablauf der Frist in eine neue Eskalationsphase eintritt.

Iran? Äh …

Wenn die Grossanalysten mal wieder rudern.

Es war wieder mal ein klassischer TACO. Statt wie angekündigt eine ganze Zivilisation sterben zu lassen, ersparte der US-Präsident Donald Trump der Welt dieses Kriegsverbrechen. Vorläufig.

Während die israelische Regierung fortfährt, im Libanon ihre verbrecherische Politik wie im Gazastreifen fortzusetzen: totale Zerstörung. Sozusagen im Windschatten des grösseren Konflikts.

Diese nicht ganz unerwartete Wende wäre Gelegenheit für alle Kenner, Spezialisten und Grossstrategen in den Medien, mal zu zeigen, wie das ist, wenn sie ihren analytischen Muskel anspannen. Denn schliesslich erwarten sie für diese Leistung entsprechende Zahlungen, sollten also eine geldwerte Gegenleistung bieten.

Was man in Wirklichkeit sieht, ist allerdings jämmerlich und erbärmlich. Es braucht schon ein Selbstbewusstsein, das in seiner Grösse demjenigen des US-Präsidenten nicht nachsteht, um mit Denkerpose Flachsinn von sich zu geben.

«Ein Krieg, der für Trump nicht zu gewinnen ist», «Trumps Rückzieher», hämt der «Spiegel», der sich für ein Mal nicht mit Beziehungsproblemen und haltlosen Anschuldigungen in einem Scheidungskrieg befasst.

«Die Mullahs können sich als Sieger fühlen», verkündet die FAZ. Die «Süddeutsche Zeitung» wird ganz streng: «Wer droht, eine Zivilisation auszulöschen, darf nicht damit durchkommen». Und wenn Autor Boris Herrmann dafür den letzten Buchstaben hergeben müsste.

Auch Tamedia kennt kein Pardon: «Nichts passiert? Die Drohung war schon schlimm genug!», stellt Charlotte Walser «aus Washington» den US-Präsidenten in den Senkel. Vielleicht sauer darüber, dass sie bis spätnachts aufbleiben musste, um trotz Zeitverschiebung zu liefern. Auch sie stellt eine Art Ultimatum: «Auch wenn den bangen Stunden ein Aufatmen folgte: Daran dürfen wir uns nicht gewöhnen

Keine Ahnung, wer sich daran gewöhnen wollte …

CH Media kümmert sich um die praktischen Fragen: «Trumps Waffenstillstand mit Iran: Hat am Ölmarkt der Schrecken nun ein Ende? Werden Tanken und Fliegen nun billiger?» Hinter der Bezahlschranke gibt’s die Antworten, hier sind sie gratis: zweimal nein.

Der «Blick» geht auf Du mit seinen verbliebenen Lesern: «Das musst du zum plötzlichen Waffenstillstand wissen». Und verbreitet Pessimismus: «Nach der Kehrtwende dürfte es nur noch schlimmer werden».

«20 Minuten» erteilt dem «Geopolitik-Experten Klemens Fischer» das Wort. Das ist so ein Allrounder, der auf der Kurzwahltaste fast jeder Redaktion liegt. Der gefällt sich in einem gepflegten Einerseits-Andererseits, das den Leser, den armen Tor, so klug zurücklässt wie zuvor: «Trump wird die Einigung natürlich als Sieg werten – und das ist sie auch. Auf der anderen Seite konnte aber auch der Iran sein Gesicht wahren, denn der iranische Vorschlag ist jetzt die Basis für weitere Verhandlungen.»

Kühl neutral berichtet die NZZ: «Donald Trump verkündet eine zweiwöchige Waffenruhe. Und Iran feiert einen Etappensieg».

Und eigentlich alle Qualitätsorgane lassen einen «Live-Ticker» laufen, die Bankrotterklärung jedes einordnenden, Mehrwert bietenden Journalismus.

Nicht, dass ZACKBUM das liefern könnte, aber wir verlangen ja auch kein Geld. Wer das tut, sollte aber vielleicht etwas mehr bieten als die Wiederholung des Faktischen, die jeder gratis im Internet abholen kann. Plus die übliche Portion Trump-Beschimpfung.

Zudem überrollen die Ereignisse die kompetenten Spezialisten. Da Israel ungehemmt weiterbombt und zerstört, scheint der Iran die Strasse von Hormus wieder gesperrt zu haben. Ob der Waffenstillstand auch die Kriegsverbrechen der israelischen Regierung im Libanon umfasst oder nicht, daran scheiden sich die Geister.

Wieso halten sich China, Indien und Russland betont zurück? Wer traut sich nach diesen Ausfällen Trumps, aus der erhöhten Warte westlicher Werte noch den russischen Präsidenten Putin zu beschimpfen? Wieso wird nur am Rande erwähnt, dass die israelische Regierung mit ihren Kriegsverbrechen im Libanon ungeniert fortfährt? Ist das eine Zwischenetappe fortgesetzter Kriegshandlungen? Welche Seite wird mehr von ihren Forderungen durchkriegen?

Das wären ein paar Fragen, deren Beantwortung vielleicht etwas Mehrwert bieten würde. Aber das ersparen die Medien-Koryphäen sich und ihren Konsumenten.

 

Ein gefährlicher Irrer

US-Präsident Donald Trump spinnt. Das ist nun amtlich.

«Öffnet die verfickte Meerenge, ihr verrückten Bastarde, oder ihr werdet in der Hölle leben – Ihr werdet sehen! Gelobt sei Allah.» Kann man das noch steigern?

Ja, wenn man ein schwer gestörter Narzisst ist, der mal wieder TACO spielte und ein Ultimatum an das andere hängte. Weil angeblich der Iran ihn darum gebeten habe. Allerdings hört Trump Stimmen, die nur in seinem Kopf sind.

Nun droht er mal wieder mit der Zerstörung der Infrastruktur des Iran, also mit Angriffen auf Kraftwerke, Strassen und andere zivile Ziele. Eindeutig die Ankündigung von Kriegsverbrechen, mit denen Israel bereits unterwegs ist.

Oder nicht? Das seien keine Kriegsverbrechen, meint Trump, weil die Iraner «Tiere» seien. «Jede Brücke, jedes Kraftwerk im Iran wird zerstört», randaliert der Präsident, völlig ausser Kontrolle.

«Wir haben ihre Navy, ihre Air Force und ihre Mine-Droppers vernichtet», so Trump. «Das grösste Problem mit dem Iran ist, dass sie nicht kommunizieren können. Wir kommunizieren wie vor 2000 Jahren, mit Kindern die Nachrichten überbringen».

Das ist eine Mischung von verbalem Randalieren und unverständlichem Gestammel. Dazu ein erschreckendes Video, wie Trump tief versunken im Gebet im Oval Office sitzt, umgeben von klerikalen Predigern, die ihm religiöse Kraft spenden wollen.

Er legt noch einen drauf:

«Eine ganze Zivilisation wird heute Nacht sterben, sie wird nie wieder zurückkehren. Ich will nicht, dass das passiert, aber vermutlich wird es das.»

Es ist das erste Mal in der Gesichte, dass ein US-Präsident ein monströses Kriegsverbrechen ankündigt. Seine Soldaten müssen nun entscheiden, ob sie seinen verbrecherischen Befehlen folgen – und später vielleicht selbst zur Verantwortung gezogen werden. Oder ob sie seine Befehle verweigern – mit allen Konsequenzen, die das im Militär hat.

Sein Pseudo-Kriegsminister Pete Hegseth, der den Kreuzfahrerspruch «deus vult» (Gott will es) auf seinen Arm tätowiert hat, will frömmlerisch noch einen drauflegen: die Amerikaner sollen «im Namen Jesu Christi jeden Tag auf gebeugten Knien« für einen US-Sieg im Iran beten. Ein fundamentalistischer Wahnsinniger dort hätte es es nicht besser formulieren können, nur mit anderen Figuren.

Das könnte problemlos auch von einem Mullah sein: «Lass’ jede Kugel gegen die Feinde der Gerechtigkeit und unserer grossen Nation ihr Ziel finden

Religiöser Wahnsinn und zunehmender Kontaktverlust mit der Wirklichkeit. Denn einmal ist der Iran bereits durch einen überwältigenden Sieg in die Knie gezwungen, all sein Waffenarsenal vernichtet, betteln nur Trump bekannte Führer um einen Deal, während die Schiffbarmachung der Strasse von Hormus gar nicht das Problem der USA sei.

Und handkehrum soll die endlich freigegeben werden, der angeblich schon längst besiegte Iran in die Steinzeit gebombt werden, weil er immer noch nicht gegenüber den absurden Wünschen Trumps willig sei.

Wenn es nur das Vokabular wäre, das für einen US-Präsidenten völlig inakzeptabel ist, nun ja. Erfolglose New Yorker Immobilienhaie verwenden halt keine gepflegte Sprache. Wenn es nur der zunehmende Realitätsverlust wäre, mit 79 und nach viel Bräunungscreme ist man halt nicht mehr ganz da.

Aber da ist die Ankündigung von klaren, eindeutigen Kriegsverbrechen, die nicht schongeschwatzt werden können, weswegen inzwischen selbst die «Weltwoche» in dieser Beziehung verstummt ist.

Da ist die Begründung, dass es sich nicht um Kriegsverbrechen handle, weil die Iraner Tiere seien, angeführt von sehr gestörten Menschen.

Sagt ein sehr gestörter Mensch.

Wen das noch nicht genügend ängstigt: das war erst ein wenig mehr als das erste Jahr dieser Präsidentschaft. Wenn wir alle richtig Pech haben, stehen uns noch knapp drei Jahre bevor.

Ach, Gehriger

ZACKBUM sieht eine Männer-WG im Luftschutzbunker mit Gehriger, Häsler und Rüesch.

Während US-Präsident Donald Trump mal wieder TACO spielt und sein Ultimatum locker verlängert, wird sein Groupie Urs Gehriger immer kreischiger.

Da ihm zurzeit beim besten Willen nichts mehr einfällt, was er am stabilen Genie im Weissen Haus loben könnte, fällt er über die iranischen Mullahs her.

Die können sich schlecht dagegen wehren, und eine Fatwa dürfte ihnen Gehriger dann doch nicht wert sein. Also kann er ungehemmt vom Leder ziehen:

«Schummeln, tricksen, lügen: Die Mullah-Diktatur in Teheran führt die Welt seit Jahren hinters Licht.
Jetzt, da es von den USA und Israel angegriffen wird und mit dem Rücken zur Wand steht, lässt es die Maske fallen.»

Unglaublich, diese Ayatollen. Sie versprechen nicht nur jedem Märtyrer den Empfang mit 72 Jungfrauen oben im Himmel. Sondern sie haben doch tatsächlich behauptet, Raketen nur mit einer Reichweite von bis zu 2000 km herzustellen.

Und jetzt das: «Am Freitagmorgen Ortszeit feuerte der Iran zwei ballistische Mittelstreckenraketen auf Diego Garcia ab, einen gemeinsamen Militärstützpunkt der USA und Grossbritanniens im Indischen Ozean. Diego Garcia liegt knapp 4000 Kilometer weit vom Iran entfernt.»

Gehriger kriegt sich fast nicht mehr ein: die Iraner haben gelogen. Jetzt lassen sie ihre Maske fallen und Gehriger fühlt sich offenbar persönlich von ihnen bedroht:

«Kritiker der Militärmission der USA und Israel behaupten seit Wochen, die Gefahr der Iraner werde übertrieben. Von Kriegspropaganda ist die Rede. Die Kleriker-Riege stelle keine unmittelbare Gefahr dar.
Mit den jüngsten Angriffen auf Diego Garcia ist klar: Europa ist nicht vor iranischen Aggressoren sicher. Städte wie Berlin, Rom oder Paris sind in Reichweite des iranischen Raketenprogramms.»

Gefahr, Gefahr, japst Gehriger wiederholt. Die auch Zürich droht, nebenbei.

Es braucht natürlich die Abgefeimtheit eines fundamentalistischen Wahnsinnigen, um solche schrecklichen Lügen in die Welt zu setzen. Mit der iranischen Führung zu verhandeln und ansatzlos und ohne Kriegserklärung über den Iran herzufallen, das ist hingegen anständig-zivilisiertes Verhalten.

Eine Mädchenschule wegen angeblich veraltetem Kartenmaterial bombardieren, zuerst jede Schuld am Tod von über 160 Menschen abstreiten und dann eine «Untersuchung» ankündigen, das ist selbstverständlich lobenswert und korrekt.

Vielleicht könnte sich Gehriger auch einen Moment lang fragen, was die USA eigentlich auf Diego Garcia zu suchen haben, ein letztes Überbleibsel des englischen Kolonialimperiums. Gehriger könnte sich fragen, ob es friedenssichernd ist, dass die USA neben Diego Garcia über 800 Militärstützpunkte auf der Welt unterhalten.

Gehriger könnte sich fragen, ob die mehr als 500 Eingriffe in innere Angelegenheiten anderer Länder seit dem Zweiten Weltkrieg (offen militärisch oder verdeckt subversiv), die häufig so lange abgestritten wurden, bis den USA nichts anderes übrig blieb, als sie zuzugeben, keine Anreihung von Lügen sind.

Aber nein, die Mullahs haben doch tatsächlich über die Reichweite ihrer Raketen geschwindelt. Wobei davon auszugehen ist, dass im Gegensatz zu Gehriger viele informierte Kreise das wussten.

Abgesehen davon, dass keine der Raketen den Stützpunkt erreichte: wenn US-Militärs tatsächlich überrascht auf diesen Versuch reagiert haben sollten, dann sind sie noch bescheuerter, als sie mit dem bislang gescheiterten Angriffskrieg auf den Iran beweisen.

Es ist allerdings zu hoffen, dass Gehriger seinen sicherlich vorhandenen Luftschutzbunker abgestaubt hat, die Vorräte auffüllte und sich sicherheitshalber nie weiter als zehn Minuten Fluchtdistanz davon aufhält. Oder aber, Gehriger, Häsler und Rüesch haben sich zur Dreifachnutzung entschieden.

Möglicherweise trägt der WeWo-Journalist bei der Arbeit bereits einen Schutzhelm. Der ihm aber immer wieder über die Augen rutscht.

Hier irrt Köppel

Der Vielschreiber vergaloppiert sich. Und keiner merkt’s.

Der Verleger, Besitzer, Herausgeber und Chefredaktor der «Weltwoche» hat ein neues Lieblingsthema gefunden. «Narrenschiff Europa», poltert er: «Die Kriege in der Ukraine und im Nahen Osten entlarven die Dummheit unserer Politiker».

Da ist was dran. «Tod, Feuer und Zorn werden über sie hereinbrechen», keift Kriegsverbrecher Donald Trump gegen den Iran, fordert dessen «bedingungslose Kapitulation». Halten wir ihm zugute, dass er nicht weiss, was das ist.

Währenddessen Kriegsverbrecher Netanyahu auch den neuen Religionsführer des Iran mit dem Tod bedroht, ausser Rand und Band umliegende Staaten bombardieren lässt. Die US-Bombardierung einer Mädchenschule mit über 160 Toten im Iran, angeblich wegen veralteten Karten, macht ungefähr so viel Schlagzeilen wie der Tod eines Kindes in der Ukraine durch den Kriegsverbrecher Putin.

Dazu sagt Köppel: «Es gibt unter Staaten kein Recht.» Denn: «Recht gibt es nur dort, wo es eine rechtsdurchsetzende Instanz gibt.» Das sei auch gut so, zumindest besser, als wenn es einen «Weltpolizisten» gäbe. Das wäre «die ultimative Despotie». Das ist der kleinere Irrtum in seiner Philippika.

Ob er wohl weiss, dass er den Titel und die Metapher von Sebastian Brant entlehnt hat? Der wollte mit seiner 1494 erschienenen Satire moralische Verirrungen anprangern – und zur Umkehr mahnen.

Da niemand Trump in seiner Raffgier und ungehemmten Selbstbereicherung (oder die seines Clans) stoppen kann, bei diesem Raubzug am helllichten Tag, wie es die «Financial Times» nennt, könnte man alle Gesetze gegen Betrug, Entwendung, Korruption in die Tonne treten, wollte man Köppel Logik folgen? Welch grandioser Unsinn.

Unbestreitbar ist das blutige Unrechtsregime der Ayatollen im Iran ein Schandfleck der Menschheit. Aber erlaubt es das, jede regelbasierte Ordnung über den Haufen zu werfen? Auch grausamen und unmenschlichen Verbrechern gegenüber gibt es Regeln, sie haben Rechte. Auch für den Kindsmörder gilt die Unschuldsvermutung, bis er rechtsgültig verurteilt ist. Würden wir das durch Lynchjustiz ersetzen, wären wir nicht weiter, sondern zurück im finsteren Mittelalter, wo die Ayatollen leben.

Grausame Taten, eines Einzelnen wie eines Verbrecherregimes, provozieren den Wunsch nach grausamen Reaktionen. Auge und Auge, Zahn um Zahn. Wenn die zivilisatorische Schicht, die uns davon abhält, bröckelig wird, sollte man sie nicht ganz abkratzen, sondern schützen.

Köppel legt noch einen drauf und macht einen dreifachen Axel ins Absurde und ohne sichere Landung. Er lobhudelt mal wieder die «immerwährende, bewaffnete, umfassende Neutralität» der Schweiz, «einst umverhandelbarer Schutzschirm in stürmischer Zeit».

Dabei übersieht er in seinem Lauf, dass ja genau diese Neutralität nicht aus sich selbst besteht, sondern aufgrund eines Appells an supranationale Übereinkünfte und Regeln. Die wurden sogar – horribile dictu – von Hitler und Mussolini respektiert. Denn gäbe es, im Gegensatz zur Meinung Köppels, kein Völkerrecht, gäbe es auch keine Neutralität der Schweiz, an die er so inbrünstig appelliert.

Dass auch diese Regeln, wie im Fall Belgiens im Ersten Weltkrieg, ignoriert wurden, sind eben Ausnahmen. Diese Rechtsbrüche werden auch im Nachhinein als solche wahrgenommen und nicht als rechtskonformes oder überrechtliches Handeln schöngeschwatzt.

Was empfiehlt nun der Irrläufer der Schweiz? Die Pflege ihrer Interessen, «das bedeutet Rückkehr zur integralen Neutralität». Welch putziger, grandioser und die Lachmuskeln strapazierender Irrtum.

Die Schweiz könnte noch so laut und unterstützt durch den Tiefdenker Köppel Neutralität krähen – gäbe es keine internationalen Übereinkünfte, gemeinhin Völkerrecht genannt, würde ihr das einen alten Dreck nützen.

Trump würde nicht nur wie ein Berserker immer neue Gründe erfinden, um Zölle gegen die Schweiz zu erheben. Er würde sagen: I give a fuck for your neutrality, stellt euch gefälligst an meine Seite.

Denn der tiefste Sinn des Rechts, national wie auch international, ist der Schutz des Schwachen gegen den Starken, des Kleinen gegen den Grossen.

Dass Recht gebrochen wird, dass Recht manchmal vergeblich eingefordert wird, ist noch lange kein Grund, seine Existenz zu negieren oder zu behaupten, es existiere gar nicht.

Auch Moral ist etwas Übergesetzliches. Sie existiert ohne Weltpolizisten, müsste aber von allen vernünftigen Menschen verteidigt werden.

Dass unsrer Schutzwall, unser letzter Schutzwall gegen Willkür, Faustrecht und Barbarei unter einem Ansturm von Barbaren leidet, wäre Grund genug, zu seiner Verteidigung aufzurufen. Nicht, seine Existenz zu leugnen.

Das wäre im besten Interesse der Schweiz, die Köppel doch zu verteidigen vorgibt.

Die Mär vom Enthauptungsschlag

Netanyahu und Trump wüten, die Massenmedien berichten kommentarlos.

Was sind das für Zustände, wo man den katarischen News-Sender Al Jazeera schauen muss, wenn man einigermassen vollständige Informationen über die alle internationalen Regeln brechenden Angriffskriege gegen den Iran, den Libanon und Jordanien bekommen will?

Wo auch in Mainstream-Medien als nebensächlich abgehakte Ereignisse berichtet werden:

Bevor nun ein Teil der Leserschaft Propaganda oder Fake News kräht, wobei kleinere Untaten der russischen Regierung in der Ukraine riesige Schlagzeilen machen: selektive Berichterstattung ist nur ein Problem, und dazu ein minderes.

Denn wie diese Beispiele zeigen, ist es dank Internet durchaus möglich, nach Informationsquellen Ausschau zu halten, die andere Blickwinkel liefern. In der Schweiz hat man zudem den Vorteil, dass dazu auch Russia Today gehört, das in der freiheitlich-demokratischen EU verboten ist. Dort werden auch ausländische Staatsbürger sanktioniert, wenn sie unerwünschte Meinungen äussern.

Das grösste Problem ist hingegen die jämmerliche Analysefähigkeit der versammelten Fachkräfte an der Tastatur, vor dem Mikrofon und der Kamera.

Dazu einige wenige Beispiele.

Es geht gar nicht darum, ob US-Präsident Donald Trump erratisch, sprunghaft, verlogen oder schlichtweg ein Amok ist. Sein Handeln versteht man nur dann richtig, wenn man sich bewusst macht, dass er ein hochkrimineller Mafioso ist, dessen höchstes Ziel darin besteht, seinen Clan und sich selbst unsäglich zu bereichern. Und zwar um Milliarden. Einen Raubzug am helllichten Tag, nennt das die «Financial Times», und das ist noch milde ausgedrückt.

Dass er damit die Welt in ein seit dem Zweiten Weltkrieg ungekanntes Chaos stürzt, ist ihm völlig egal. Auf dem Weg zur möglichst ungestörten Machtausübung will er die bewährten Checks and Balances in den USA aushebeln. Also Wahlen, das Militär und die Justiz. Trotz kleineren Rückschlägen ist er erfolgreich unterwegs.

Das Zollchaos, das er angerichtet hat, ist mindestens so schädlich wie der konzeptlose Krieg gegen den Iran oder der Versuch, Venezuela zu regieren. Von Kuba, Panama, Grönland oder Kanada ganz zu schweigen. Was ist das für ein Präsident, der eine abweichende Meinung wie diejenige Spaniens sofort mit Strafzöllen bestraft?

Trump betet im Oval Office. Sonst noch Fragen?

Aber es ist ja nicht nur unverantwortlich, was Trump treibt. Es ist schlichtweg schwachsinnig, was die Attacke auf den Iran betrifft. Die einzig erkennbare Strategie ist, mit Enthauptungsschlägen die Führung des blutrünstigen Regimes zu liquidieren. In der Annahme, dass dann das Regime zusammenbricht und die Bevölkerung die Macht übernimmt, ohne dass eine eigentliche Invasion dazu nötig wäre.

Wie unsinnig das ist, zeigt ein Vergleich. Nehmen wir an, die Führungsmannschaften in den USA und in Israel würden einfach nach Hause gehen. Sich von der Macht verabschieden. Würden dann die USA oder Israel zusammenbrechen, käme es zu Volksaufständen, Systemwechsel? Absurd.

In Venezuela hat geholfen, dass der ausnehmend dumme Präsident Maduro eine Verräterin zu seiner Stellvertreterin machte. Das ermöglichte den USA, durch seine Entfernung dort die Macht zu übernehmen. Das hat aber mit einem Systemwechsel nicht das Geringste zu tun; es herrscht nach wie vor die gleiche Clique von korrupten Funktionären wie zuvor, es gibt keine Berichte, dass es der Bevölkerung besser ginge.

Noch absurder: obwohl auch die USA das Ergebnis der letzten gefälschten Wahlen nicht anerkennen, benützen sie ihre Macht nicht etwa dazu, die um ihren Sieg gebrachte Opposition als neue Regierung zu installieren. Und obwohl die Friedensnobelpreisträgerin Maria Corina Machado alles tat, um das gekränkte Ego des US-Friedensfürsten zu besänftigen, ignoriert sie Trump und anerkennt offiziell die Wahlfälscherin Rodriguez.

Während aber in Venezuela unter einer dünnen Schutzschicht von angeblich revolutionärer Ideologie die Chavistas längst zu einer Bande von korrupten und geldgierigen Machthabern verkommen sind, ist das im Iran ganz anders. Auch dort ist die Führungsschicht korrupt, aber ihre Ideologie basiert auf einem fanatisierten fundamentalistischen Glauben, den die Revolutionswächter offensichtlich auch mit Massakern an der eigenen Bevölkerung verteidigen.

Wenn nun nach Chamenei auch sein Sohn und Nachfolger liquidiert würde, führt das einzig zu einer offenen Militärdiktatur, plus einem möglichen Bürgerkrieg. Oder zu einem Noch-stärker-Werden fanatischer Gläubiger. Wie in Afghanistan, wie im Irak.

Das alles liegt auf der Hand und könnte, sollte, müsste klar ausgesprochen werden.

Dass es das nicht wird, ist kein Anlass zu Verschwörungstheorien. Der Grund ist banal: erschreckende intellektuelle Verödung auf den Redaktionen. Bedenkenloses Nachplappern von Narrativen wie dem, dass es ein «legitimer», wenn nicht gar «guter» Krieg sei, der hier geführt werde.

Während die Weltwirtschaft im Chaos versinkt und die Hürden bei der Rückkehr von asiatischen Feriendestinationen oder aus den beschädigten Glitzerwelten der Scheichtümer bald einmal das kleinste Problem sein werden.

Der Kriegsbesessene

So verpeilt wie Markus Somm ist nichtmal Donald Trump.

Da gab es mal einen deutschen Journalisten namens Maximilian Harden. Der gab die Zeitschrift «Die Zukunft» heraus und war ein glühender Befürworter des Ersten Weltkriegs. Historische Notwendigkeit, Machtstellung verteidigen, Blabla. Die Geschichte hat ihn gerichtet, den Kriegstreiber und Dummschwätzer.

Heutzutage gibt es in der Schweiz Markus Somm. Der gibt die Zeitschrift «Nebelspalter» heraus, irrt sich am Laufmeter mit seinen Prognosen und laberte schon mal davon, dass die Ukraine doch Moskau bombardieren solle.

Es ist selbst für ihn nicht leicht, aber nun übertrifft er sich selbst.

«Dieser Krieg gegen den Iran ist gut».

Nun sind Kriege nie gut, manchmal allerdings notwenig, wie der Krieg gegen den Hitlerfaschismus zum Beispiel.

Wieso soll dann dieser Krieg «gut» sein? Endlich bestünde im Nahen Osten «die Aussicht auf Wohlstand und Freiheit», behauptet Somm sinn- und belegfrei. Wohl so wie in Afghanistan. Oder im Irak. Oder in Libyen. Oder, oder, oder.

Zunächst nimmt er sich die «Journalisten und Trumpologen» zur Brust, die selbst Trump dieses Verbrechen nicht zugetraut hätten, «und natürlich wissen sie es immer noch besser». Das ist ein schwerer Fehler, denn eigentlich weiss es nur einer besser. Logisch. Also zwei, genauer gesehen, Trump und Somm.

Denn durch den völkerrechtswidrigen und die UNO-Charta mit Füssen tretenden Überfall von Israel und den USA auf den Iran ergäben sich paradiesische Möglichkeiten.

Keine Ahnung, was für Zeugs Somm geraucht hat: «Wenn sich der Iran etwa mit der intellektuellen, militärischen und wirtschaftlichen Supermacht Israel zusammenschlösse – ergänzt durch die modernisierungsfreudigen Golfstaaten, ja selbst durch Saudiarabien unter ihrem ebenso reformwilligen Kronprinzen Mohammed bin Salman – dann könnte das Wunder geschehen, dass eine Region, die seit etwa 700 Jahren kaum mehr vorangekommen ist, von neuem erblüht.»

Der Schlächter bin Salman, der seit Jahren einen grausamen Krieg im Jemen führt, sei «reformwillig»? Lebt Somm in einer Parallelwelt?

Fehlen eigentlich nur noch die 72 Jungfrauen, die dann allen Beteiligten zustünden, schon in diesem Leben. Dass ein sprunghafter, konzeptloser, egogetriebener Mafioso wie Trump so etwas auch nur im Alptraum vorhätte oder anstrebte – gibt es eine Steigerung von absurd?

Natürlich werden Angriffskriege immer für das Gute, gegen das Böse, für das Richtige, gegen das Falsche geführt, natürlich ist der Angreifer immer edel und gut, der Angegriffene immer ein ganz übler Schurke.

Nun gebe es aber eben diese Trump-Basher, die unbelehrbar darauf hinweisen, dass auch dieser Krieg gegen ein immer noch wehrhaftes Regime in einem Riesenschlamassel und Gemetzel dahinsiechen wird, wo die Optionen nur schlimm oder schlimmer sind. Was sind die, laut Somm?

«Narren

Das lallt der närrische Gaukler und begründet wie folgt: «Ein Krieg gegen ein Regime, das eine ganze Region 47 Jahre lang destabilisiert hat, das zu diesem Zweck auch eine Atombombe anstrebte und die eigenen Bürger einsperren, foltern und erschiessen liess, ein Regime, das Männer an Kränen aufhängt und Frauen verprügelt, weil sie kein Kopftuch tragen wollen: Wer hat Nachsicht mit einem solchen Regime

Banale Regeln der Logik sind auch nicht Somms Sache. Niemand mit gesundem Verstand hat Nachsicht mit diesem Regime. Viele, die keine Nachsicht haben, sind aus guten und wohlerwogenen Gründen gegen diesen Krieg, der wieder einmal unter Beweis stellt: Macht bricht Recht, das ist die neue Weltordnung.

Natürlich ging und geht es in den unzähligen militärischen Interventionen der USA seit dem Zweiten Weltkrieg immer und ausschliesslich darum, Frieden und Demokratie zu verbreiten. Und wer sich so hartnäckig wie die Vietnamesen dagegen wehrte, musste halt versuchsweise in die Steinzeit zurückgebombt werden (General Westmoreland). Kriegsverbrechen ohne Zahl (Agent Orange) begleiteten diesen Versuch bis zur schmählichen Niederlage.

Die «Befreiung» des Nachbarstaats Irak endete in Bürgerkrieg, dem Erstarken des IS, Hunderttausenden von Toten und einem bis heute unregierbaren Land.

Eigentlich ist Somm doch Historiker, also sollte er doch wissen, wieso dieses Mullah-Regime im Iran entstanden ist. Und wer durch einen Putsch gegen einen demokratisch gewählten Präsidenten den korrupt-blutrünstigen Schah an die Macht brachte. Das war das Werk der USA und der CIA. Und unfähig, wie sie sind, übersahen sie, dass der Freund des Westens Pahlavi durch Prunk und Pomp und Brutalität den Boden für das Erstarken des islamischen Fundamentalismus bereitete.

Grossartig gelaufen, historisch gesehen.

Aber für Traumtänzer wie Somm sind das alles keine Gründe, nicht von einem «guten Krieg» zu faseln, verrückte Träume mit ernster Kommentatorenmiene vorzutragen. Wie kann man so einem bezeichnen?

Als Narr? Ach was, viel zu schwach. Aber leider stehen Straf- und Zivilrecht dagegen, Somm so zu qualifizieren, wie er es verdiente.

Selten bedauerte das ZACKBUM mehr als hier.

Wie viel Verlogenheit verträgt der Mensch?

Wenn zwei das Gleiche tun, ist das noch lange nicht dasselbe.

Selten war dieser Satz wahrer als heute. Da überfällt der russische Präsident Putin die Ukraine und versucht, ihre Regierung mit einem Enthauptungsschlag zu entfernen. Das Land müsse entnazifiziert werden, die Anhänger des Kriegsverbrechers und Antisemiten Stepan Bandera, der im Westen der Ukraine bis heute mit Denkmälern geehrt wird, müssten in die Schranken gewiesen werden.

Das geschah unter dem Bruch verbindlicher Zusagen, gegen die Rückgabe sowjetischer Atomwaffen, die in der Ukraine stationiert waren, die territoriale Integrität des Landes zu garantieren. Die auf einige Tage geplante militärische Spezialoperation geht ins fünfte Kriegsjahr, ausser vielen Toten und etwas Geländegewinn hat Putin nichts erreicht.

Durch ganze acht Staaten, wenn man die EU als Ganzes nimmt, wurden Sanktionen verhängt, von den übrigen 187 nicht. Insgesamt wurden bislang rund 400 Milliarden Euro als Unterstützung an die Ukraine bezahlt. In westeuropäischen und angelsächsischen Medien wird Russland regelmässig als Staat bezeichnet, der Kriegsverbrechen begeht und sich zum Paria in internationalen Beziehungen gemacht hat.

Israel hat den Gazastreifen in eine Trümmerlandschaft verwandelt, mindestens 70’000 Menschen (zum grössten Teil Zivilisten) dabei umgebracht, unzählige Kriegsverbrechen begangen und als besonders widerliches Detail gezielt Journalisten getötet und untersagt bis heute jegliche unabhängige Berichterstattung aus dem Gazastreifen.

Israel verübt völkerrechtswidrige Bombardements in Jordanien, Syrien und im Libanon.

Die USA und Israel haben gezielt militärische und zivile Führungskräfte von Ländern liquidiert, die ihnen feindlich gesinnt sind.

Am 28. Februar, während noch Verhandlungen zwischen dem Iran und den USA liefen, haben Israel und die USA ohne vorherige Kriegserklärung den Iran angegriffen. Mit Enthauptungsschlägen ist es ihnen gelungen, den obersten Führer und einige Mitglieder der obersten Landesführung zu töten. Offenbar gab es dabei auch Kollateralschaden wie die Bombardierung einer Mädchenschule, bei der nach iranischen Angaben über 100 Menschen getötet wurden.

Gegen Kuba haben die USA ein totales Ölembargo verhängt, unterbinden jegliche Lieferung auf die Insel und üben massiven Druck auf alle Länder wie Mexiko aus, die anfänglich erklärten, als souveräner Staat weiterhin diesen Rohstoff nach Kuba liefern zu wollen. Dadurch versinkt die letzte Insel des real existierenden Sozialismus im Chaos, brechen immer mehr grundlegende Dienstleistungen zusammen, zeichnet sich eine Hungersnot ab.

Wenn man die Berichterstattung alleine schon in deutschsprachigen Medien über all diese Ereignisse Revue passieren lässt und die Beurteilung der Invasion Russlands und der Invasionen der USA und Israels miteinander vergleicht, muss man, ohne für irgend eine Seite Partei zu ergreifen, eine unglaubliche Verlogenheit, Verluderung aller journalistischen Sitten und Gebräuche feststellen.

Auf der einen Seite scharfe Kritik, auf der anderen Seite Verständnis und Erklärungen. Alles, was Russland als Verteidigung seiner Handlungen anführt, wird in der Luft zerrissen. Alles, was Israel und die USA als Begründungen anführen, wird wohlwollend berichtet.

Gelegentliche, verschämte Hinweise darauf, dass es sich hier ebenfalls um den ständigen Bruch des Völkerrechts und um eine Abfolge von Kriegsverbrechen handelt, werden damit wegerklärt, dass im Kampf gegen das Böse doch eigentlich alles erlaubt sei.

Obwohl der Irak (oder Afghanistan) ein abschreckendes Beispiel ist, was mit einem Land passiert, das von den USA von seinem Diktator «befreit» wird, wird gegenüber dem Iran wieder behauptet, dass dieser Krieg doch eine gute Chance böte, die Schreckensherrschaft der Mullahs zu beenden und den Iran in eine demokratisch-freiheitliche Zukunft zu führen.

In den entsprechenden Echokammern und Gesinnungsblasen erzählen verantwortungslose Journalisten ihrem indoktrinierten Publikum diesen Unsinn und kritisieren gleichzeitig, wie die gelenkten Staatsmedien in Russland und anderswo die Wirklichkeit verzerrten.

Wie viel Verlogenheit verträgt der Mensch? Offensichtlich beliebig grosse Portionen.