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Wes Brot ich ess …

Offenlegung von Interessenskonflikten? Aber nicht doch bei Tamedia.

Vermischung von Meinung und Metier? Angebliche Doppelrollen? Ein Journalist, der auch Aktivist ist? Das geht im Falle von Philipp Gut natürlich überhaupt nicht. Der hat als Journalist den Blattschuss gesetzt, im richtigen Moment ein peinliches Zitat des Ringier-Chefs Marc Walder auszugraben.

Ihr freiwilliger Beitrag für ZACKBUM

Dabei hätte er aber unbedingt klarstellen müssen, dass er auch im Referendumskomitee gegen das Medienpaket sitzt, wurde gemeckert und gemäkelt. Transparenz, muss der Leser wissen, so geht’s ja nicht.

Oder doch.

Schon seit Längerem führt ein gewisser Michael Hermann eine Kolumne im Reiche Tamedia. Damit beschallt er immerhin so eine runde Million Leser mit seinen Meinungen. Vorgestellt wird er als «Politgeograf». Darunter kann sich der durchschnittliche Leser genau nix vorstellen.

Aber mit etwas detektivischem Gespür kann man der Spur der Fotobyline folgen: «Sotomo». Denn heutzutage machen sich auch grosse Medienkonzerne nicht mehr die Mühe, einen eigenen Fotografen ans Gerät zu schicken.

Nun ist «Sotomo» nicht der Name eines japanischen Lichtbildners. Sondern ein Hinweis darauf, dass Hermann Geschäftsführer der «Forschungsstelle Sotomo» ist. Die widmet sich den Themen «Meinungsforschung, Politikstudien und -evaluation» und anderen Untersuchungen.

Zu seinen regelmässigen Auftraggebern gehören auch Ämter, die SRGdie Bundesverwaltung und – das BAG. Ein Schelm, wer einen Zusammenhang mit der Aussage seiner neusten Kolumne sieht:

«Trotz Verschwörungstheorien und neuen Freiheitsfreunden: Staatliche Massnahmen haben in einer Phase grösster Verunsicherung Sicherheit und Vertrauen geschaffen.»

Man kann doch mal seine Meinung sagen

Vertrauensverlust, Glaubwürdigkeitsproblem, Kakophonie, Herumrudern, Widersprüchlichkeiten, Führungsversagen? Aber nicht doch, nicht in der Welt von Hermann. Das Vertrauen in den Staat wurde gesteigert, Verlierer sind die anderen:

«Nicht Verschwörungstheorien, Wissenschaftsskepsis und neue Freiheitsfreunde sind am Ende wohl die wirklich relevanten politischen Folgen der Pandemie.»

Nun existiert das Phänomen Hermann schon länger, und ZACKBUM hatte sich bereits mit dem Thema befasst.

Da wir, im Gegensatz zum Mainstreamjournalismus, den Betroffenen immer Gelegenheit zur Stellungnahme einräumen, hatte Hermann auch Gelegenheit.

Sie war so gut, dass wir sie gerne hier wiederholen: «Wenn der Massstab wäre, alle Akteure in meiner Kolumne zu deklarieren, bei denen ich  schon Aufträge hatte, müsste ich dies bei praktisch jeder tun. Gerade die Tatsache, dass wir ein so breites Kundenfeld haben, führt zugleich dazu, dass wir gegenüber keinem Kunden in einem Abhängigkeitsverhältnis stehen.»

Das war nicht schlecht. Ach, und Tamedia in der Gestalt von Oberchefredaktor Arthur Rutishauser machte Sendepause, gar nicht erst ignorieren, die Anfrage.

 Ein weiterer Sargnagel …

Nun ist es allerdings so, dass eine Wiederholung des Gleichen es nicht besser macht. Ein Kolumnist singt das hohe Lied auf einen seiner Auftraggeber – ohne dass dieser Zusammenhang für den Leser transparent ausgewiesen wird.

Das kann man auch lassen, sicher. Dann sollte man aber nicht bei anderen drüber meckern, wenn’s einem in den Kram passt. Aber Einäugigkeit, Parteilichkeit, auch das Vergaloppieren in Nebensächlichkeiten wie die Einreiseprobleme eines Tennisspielers – das alles sind Sargnägel bei der Beerdigung des Journalismus, wie wir ihn kennen.

Denn Unabhängigkeit, Qualität, Ausgewogenheit, Forumsfunktion, Transparenz: Das sind alles schöne Behauptungen. Aber wenn’s nur schöner Schein ist, dann fragt sich der Leser, wieso er dafür über 750 Franken im Jahr ausgeben soll.

Und beantwortet die Frage auch gleich.